Dienstag, 22. Juli 2014

Eine Frage der Wahrnehmung

Krisen, wo man nur hinschaut. Die Kurse sind unter Druck. Gefragt sind sichere Investments. Doch das wird sich wieder ändern. Einzig über den Zeitpunkt lässt sich streiten.

Manchmal scheint das Unglück an allen Ecken und Enden über die Welt hereinzubrechen. Gaza, Irak, Ukraine — die Nachrichten sind voll davon. So schlimm wie aktuell scheint es lange nicht gewesen zu sein. Oder doch? War die Welt nicht schon immer ein Pulverfass? Vielleicht kann man ja gar behaupten, dass das, was in der Börsianersprache mehr oder weniger passend als „geopolitisches Risiko“ bezeichnet wird, eigentlich stets irgendwie gleich hoch ist. 

Es schwelt doch immer und überall irgendetwas auf dem Globus. Das Risiko einer Eskalation ist jederzeit vorhanden. Was sich jedoch im Verlauf der Zeit definitiv immer wieder ändert, ist die Wahrnehmung dieses Risikos. Es gibt Zeiten, da wird schlicht ignoriert und negiert, was in den gewohnten, aber mitunter auch wechselnden Krisenregionen der Welt vor sich geht. Oder die Welt wird mit etwas konfrontiert, was scheinbar aus dem Nichts kommt — etwa die Attentate vom 11. September 2001. Und es gibt Zeiten, wo das Unglück eben an allen Ecken und Enden der Welt gleichzeitig hereinzubrechen scheint. Gaza, Irak, Ukraine — die Nachrichten sind voll davon. 

Trotzdem oder gerade deswegen ist das geopolitische Risiko aktuell nicht höher als vor einem Monat — wir nehmen es nur anders wahr. Etwa weil der Abschuss eines Passagierflugzeugs über der Ukraine besonders zynisch ist, weil der Einmarsch israelischer Truppen in den Gaza-Streifen eine schrecklich hohe Zahl an Opfern fordert, weil relativ viele Politiker relativ hilflos wirken. Und weil alles vielleicht noch schlimmer wird.

Die Änderung in der Wahrnehmung zeigt sich natürlich auch an der Börse — ob sie ökonomisch gerechtfertigt ist, sei einmal dahingestellt. Durch geopolitische Schocks werden Aktien, Rohstoffe, An-leihen von den Marktteilnehmern „neu -bewertet“. „Safety first“ ist dann zunächst das Motto. Und die Rückzugsorte sind immer nahezu identisch: Staatsanleihen, vorzugsweise aus den USA, Gold, der Dollar, bisweilen Öl. Auch am Aktienmarkt sind die Verwerfungen in der Regel identisch. Verkauft werden vor allem die riskanteren Assets. Das sind meist Nebenwerte, Aktien aus Highflyer-Branchen und im Fall der Ukraine-Krise auch deutsche Aktien, wären sie bei einem nennenswerten Embargo gegen Russland doch besonders stark betroffen. 

Ein weiterer Effekt dieser geopolitischen Schocks und deren Wahrnehmung ist die Überlagerung anderer relevanter News. Das gilt für Nachrichten im Allgemeinen und für — positive — Börsennachrichten im Besonderen. Dass beispielsweise die neuesten Unternehmensergebnisse aus den USA in der vergangenen Woche richtig gut waren, wurde kaum wahrgenommen. Eine Randnotiz. Negative Nachrichten dagegen verstärken die Flucht in vermeintlich sichere Vermögensklassen. Als da aktuell wären: die Bankenkrise in Portugal, eine Titelgeschichte der „New York Times“, die alle Investments als zu teuer bezeichnet ("Everything Bubble"), dazu die seltsamen „Börsentipps“ der amerikanischen Notenbankchefin Janet Yellen, die kundtut, dass die Kurse von Biotech- und Internetaktien überzogen seien. 


Dass sich die Wahrnehmung von Risiko immer wieder ändert, bietet indes auch Gelegenheiten. Die große Aufmerksamkeit was die aktuellen Krisengebiete angeht, wird im Verlauf der Zeit wieder nachlassen. Entweder weil sich die Dinge entspannen. Oder weil sich die Öffentlichkeit daran gewöhnt hat. Das mag zynisch klingen, aber letztlich ist der Mensch einfach so gestrickt. Wie lange das dauert, ist jedoch kaum zu prognostizieren, denn jede Krise hat ihre ganz eigene Dynamik. Die alte Aktionärsweisheit von der Kurzbeinigkeit politisch geprägter Börsen hat aber durchaus ihre Berechtigung.

Mittwoch, 16. Juli 2014

Der Effekt des Unausweichlichen

Die Börsen sind im Korrekturmodus. Dies sei längst überfällig, meinen viele. Doch was tun? Wie schlimm wird es? Eines ist jedenfalls klar: Jetzt bloß keine emotionalen Entscheidungen treffen.

Da ist sie also, die nächste Korrektur. Zumindest scheint es der Beginn einer solchen zu sein. Es wäre ja auch nur normal. Jeder Aufwärtstrend hat Phasen, in denen die Kurse konsolidieren. Seit den Tiefständen vom März 2009 gab es insgesamt neun größere — und durchaus schmerzhafte — Korrekturen, in denen es um sechs bis 22 Prozent abwärtsging. Am übergeordneten, aufwärtsgerichteten Trend hat aber keine dieser Phasen etwas geändert. Und dieses Mal?

Man weiß es nicht. Geht man nach den teils höchst aufgeregten Schlagzeilen und den teils turbulent geführten Diskussionsrunden gerade im US-Börsen-TV, dann war es das jetzt wohl mit dem übergeordneten positiven Trend. Da reimt sich Crash auf Cash. Und wer nicht in Letzteres umgeschichtet hat, der ist ab jetzt angeschmiert. Davon muss man sich natürlich nicht anstecken lassen, gerade nicht als langfristig orientierter Anleger. Mit Korrekturen ist es wie mit dem Wechsel der Jahreszeiten: Beides ist unausweichlich. Mit dem Unterschied, dass eine Korrektur unregelmäßiger auftritt und es meist auch eines Anlasses bedarf — oder zumindest einer Entschuldigung. So wie diesmal eben das eher unheilig geführte portugiesische Bankhaus mit dem recht irreführenden Namen Espírito Santo als Ursache oder zumindest Auslöser der Korrektur herhalten muss.

Das Gute an unausweichlichen Gegebenheiten: Man kann sich darauf vorbereiten. Das schützt vor emotionalen Reaktionen und sichert damit auch das Depot, sind doch gefühlsgeleitete Entscheidungen oder solche, die „aus dem Bauch heraus“ getroffen werden, in der Regel kontraproduktiv für das Wohl des Ersparten.

Doch zurück zur aktuellen Korrektur oder zum eventuellen Beginn der aktuellen Korrektur. Hier stellt sich die Frage: Wie schlimm wird es? Antworten darauf gibt es zuhauf, Garantien aber keine. Fakt ist jedoch, dass es seit inzwischen 1000 Tagen — was für eine fantastisch runde Zahl — keine zehnprozentige Korrektur mehr gab. Und solche gibt es in Aufschwungphasen immer mal wieder. Wenn man so will, dann wäre ein solches Ereignis „überfällig“. Aber trotzdem muss es nicht zwingend jetzt stattfinden.

Dennoch: Mal angenommen, der DAX fällt jetzt tatsächlich bis 9000/9100 Punkte zurück, dann wäre dies schlicht im Rahmen des Üblichen. Und auch wenn die schiere Größe einer möglichen 1000 Punkte starken Korrektur beeindruckt, furchteinflößend sollte ein solches Kursverhalten trotzdem nicht sein.

Mit Sicherheit würde es im Fall des Falles aber zu weiteren aufgeregten Schlag­zeilen und weiteren höchst erregt geführten Diskussionsrunden im Börsen-TV kommen. Etwa so: Was, wenn es nicht nur eine Korrektur ist? Was, wenn wir es gerade mit dem Beginn einer Trendwende zu tun haben? Einer Wende hin zu einem über­geordneten Abwärtstrend? Die Argumente wären bekannt: hohe Bewertungen, die mögliche US-Zinswende, in Europa eine schwächere Konjunktur als erwartet.

Zuletzt war auch zu lesen, dass in den USA in den vergangenen zwölf Monaten Privatanleger über 100 Milliarden Dollar in den Aktienmarkt investiert hätten, zehnmal so viel wie in den zwölf Monaten davor. Ein Warnsignal durchaus, investieren Privatanleger im großen Stil doch meist erst am Ende einer Aufschwungphase. Doch von solchem Überschwang kann wahrlich noch keine Rede sein. Dafür braucht es mehr als nur ein paar Monate verstärktes Aktieninvestment. Man erinnere sich an die Zeit, als der damalige US-Notenbankchef Alan Greenspan den berühmten Ausspruch vom „irrationalen Überschwang der Aktienmärkte“ tat. Das war 1996. Die Rally dauerte dann aber trotzdem fünf weitere Jahre. Daraus mag jetzt jeder seine ­eigenen Schlüsse ziehen — Korrektur oder Trendwende?

Mittwoch, 9. Juli 2014

Erschreckende Normalität

Pünktlich zum Beginn der US-Berichtssaison knackt der Dow Jones die 17 000-Punkte-Marke. Das Gezeter, ob dies gerechtfertigt sei, dürfte damit wieder losgehen. Dabei ist die Lage besser als angenommen.

Wetten, jetzt geht es wieder los: das Herbeireden eines Crashs, das Warnen vor einem dramatischen Rückschlag am Aktienmarkt. Gerade erst hat der Dow Jones zum ersten Mal 17 000 Punkte geschafft — so eine runde Zahl ist natürlich ein willkommener Anlass, darüber zu streiten, ob diese Höhe nun gerechtfertigt ist oder nicht. Gleich­zeitig ist das erste Halbjahr zu Ende gegangen, was sich natürlich ebenfalls sehr gut dazu eignet, ein Zwischenfazit zu ziehen. Und dann ist da noch der DAX, der einfach nicht über der vermeintlich „magischen“ 10 000er-Marke bleiben will.

Die Skeptiker im Hinblick auf die weitere Kursentwicklung bedienen sich gern der Statistik — oder was sie dafür halten —, um ihre Argumente zu unterlegen. Dabei ist es eher eine simple Beobachtung denn tatsächliche Statistik, dass die Auf- und Abschwungzyklen in der Vergangenheit meist deutlich kürzer waren, als es jetzt der Fall ist, wonach ein Kursabschwung nun also mehr als überfällig sei. Ignoriert wird dabei aber die Beobachtung, dass der Crash von 2008 ein besonders heftiger war und der Aufschwung seit 2008 dagegen ein recht gemächlicher. Da darf ein Zyklus schon mal länger anhalten.

Ein weiteres Argument der Pessimisten ist das Auslaufen des Anleihekaufprogramms der US-Notenbank Fed. Damit fehle dem Markt die Liquidität, um die Kurse weiter anzuschieben. Und wer wolle denn all die Anleihen kaufen, die die Fed nun nicht mehr haben will? Gleich zwei Gründe also für einen Bärenmarkt. Ignoriert wird dabei die Tatsache, dass das Fed-Programm schon seit Beginn des Jahres heruntergefahren wird und die Aktienkurse trotzdem weiter gestiegen sind — ebenso wie die Anleihekurse.

Was soll man nun davon halten? Vielleicht ist die Lage ja doch besser als gemeinhin angenommen. Professor Jeremy Siegel von der amerikanischen Wharton School sieht den Dow Jones jedenfalls bis Jahresende auf 18 000 Punkte klettern. Vielleicht gar auf 20 000. Er argumentiert dabei mit dem niedrigen Zinsniveau. Weil es seiner Ansicht nach weiterhin niedrig sein wird, seien auch deutlich höhere Bewertungen am Aktienmarkt gerechtfertigt. Damit widerspricht Siegel gleichzeitig den Pessimisten, die genau dieses höhere Bewertungsniveau als weiteren Grund für einen baldigen dramatischen Rückschlag am Aktienmarkt anführen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Siegel recht hat, scheint aber höher. Denn kurz vor Beginn der US-Berichtssaison, die mit den Zahlen von Alcoa in dieser Woche ihren Lauf nimmt, haben die US-Unternehmen im Schnitt die Prognosen für ihre Gewinne angehoben — ein Indiz dafür, dass sich die Konjunktur insgesamt verbessert. Dies spricht denn auch für die höheren Bewertungen am Aktienmarkt.

Die Risiken für die Börse sind demnach wohl eher nicht bei den Unternehmen zu suchen. Auch nicht bei der Zinspolitik. Auch nicht in der Entwicklung der Inflation — zumindest aktuell nicht. Vielmehr sind es Risiken, die generell bestehen, etwa politische Unwägbarkeiten. Man denke an den Irak und die Ukraine oder an potenzielle Unruheherde, die bislang noch niemand auf dem Radar hat — an einen echten schwarzen Schwan also!

Was soll man nun davon halten? Die Lage scheint tatsächlich besser als gemeinhin angenommen. Sie erscheint geradezu normal. Der Aufschwungzyklus könnte also noch viel länger andauern, vielleicht weitere zwei Jahre, wenn uns nicht gerade der Himmel auf den Kopf fällt. Trotzdem werden die Pessimisten nicht ruhen und auch weiterhin einen Crash herbeireden wollen. Wetten?

Mittwoch, 25. Juni 2014

Frau Yellen hat immer recht

In den USA wird tatsächlich das Inflationsgespenst beschworen. Notenbankchefin Janet Yellen hält das für Unsinn. Eine klare Ansage. Wer dagegen wetten will, bitteschön, aber auf eigenes Risiko.

Die Fed, also die US-Notenbank, steht wieder einmal im Mittelpunkt des Börsengeschehens. Und vor allem deren Chefin Janet Yellen. Die hat nämlich gesagt, dass der jüngste Anstieg der US-Inflation in die Kategorie „noise“ gehöre, was frei übersetzt so viel wie „statistisches Rauschen“ oder „viel Lärm um nichts“ bedeutet. Die Zinsen dürften also länger niedriger bleiben, als von vielen bislang angenommen. Es ist zwar daraufhin kein Shitstorm über Frau Yellen losgebrochen, wie das sonst so üblich ist, Kritik gab es dennoch zuhauf. Der Tenor: Die Fed hinke mitsamt der Frau Yellen der Entwicklung hinterher. Die Zinsen müssten rauf, da ab jetzt die Inflation massiv zulegen werde. An der Börse zog daraufhin der Goldpreis stark an, ebenso die Aktienkurse.

Nun ist es vermutlich der undankbarste Job überhaupt, über Inflation zu schreiben. Dazu hat nämlich jeder eine dezidierte und meist geharnischte Meinung, die sich in der Regel so zusammenfassen lässt, dass uns die Preissteigerungen noch die Haare vom Kopfe fressen werden. Wer sich darüber auf eine Diskussion einlässt, bitteschön, der ist zu bedauern. Es finden sich ja immer Beispiele des täglichen Lebens, die illustrieren, wie sündhaft teuer doch alles geworden sei. Ist ja klar. 

Also lassen wir diese Diskussion lieber. Es ist ja auch so schon schwierig genug, sich auf einen gemeinsamen Nenner bei der Messung der Inflation zu einigen, es gibt ja so viele Maßzahlen, offizielle wie inoffizielle. Beispiel USA: Der bekannte und viel verwendete Konsumentenpreisindex (CPI) ist im Mai gegenüber dem Vorjahr tatsächlich so stark gestiegen wie lange nicht: nämlich um 2,1 Prozent. Bei den „Ausgaben für den persönlichen Konsum“ (PCE) waren es dagegen 0,5 Punkte weniger, weil diese Kennzahl die Preise von Gütern ausspart, die besonders stark schwanken — am Donnerstag gibt es für diese Kennzahl übrigens ein Update. 

Und was gilt nun? CPI oder PCE? Oder doch ganz was anderes? Spätestens mit der Antwort auf diese Frage beginnt der Glaubenskrieg. Der sorgt dann für angeregte Diskussionen am Stammtisch, bringt einen Anleger aber nicht weiter. Für Letzteren stellt sich die Frage in dieser Art nämlich gar nicht. Als Anleger ist eine pragmatische Sicht der Dinge besser. Denn wenn es ums Depot geht, zählt nur eine Kennzahl: diejenige, die auch für die Fed relevant ist — die „Ausgaben für den persönlichen Konsum“, die niedrigere PCE-Ziffer also. Daran orientiert sich Frau Yellen. Und sie entscheidet, was „noise“ ist und was nicht. Wer da als Anleger dagegenhalten will, bitteschön, dann aber auf eigene Gefahr. 

Die Fed hat feste Überzeugungen, die man sich als Anleger immer wieder ins Gedächtnis rufen sollte. So gibt es ein Inflationsziel von zwei Prozent, gemessen an den — richtig! — „Ausgaben für den persönlichen Konsum“. Für die Fed bedeutet dies „Preisstabilität“. Diese zwei Prozent wurden noch nicht erreicht, darum bleiben die Zinsen niedrig. Die Fed geht davon aus, dass andere Kennzahlen die Inflationsrate zu hoch ausweisen. Außerdem ist man der Überzeugung, dass eine Inflation leichter in den Griff zu bekommen ist als das Gegenteil, eine Deflation, ein fallendes Preisniveau also. Die Fed wird daher auch nicht sofort die Zinsen erhöhen, wenn die Inflation tatsächlich zwei Prozent erreicht. Sie wird dies erst tun, wenn dieses Level über eine gewisse Zeit besteht. Die Fed wird sich auch nicht aus der Ruhe bringen lassen, wenn die Preise für Energie und Lebensmittel durch Faktoren wie politische Unruhen oder Dürre temporär nach oben gehen. Ob sie damit recht hat? Man mag darüber streiten. Als Privatmensch. Als An-leger richtet man sich einfach danach. Die Zinsen bleiben niedrig. Und das ist gut für Aktien. Amen.

Diese Meinung zur Börsenlage finden Sie auch in der kommenden BÖRSE ONLINE, Titel: "Deutschlands günstigste Aktien"  (erscheint am Donnerstag)

Dienstag, 17. Juni 2014

Ein Ende der Beschaulichkeit

Die Kursrally macht eine Pause. Nicht nur wegen der Krise im Irak und weil daher der Ölpreis steigt. Nein, auch weil eine Korrektur dringend nötig war. Wie weit diese geht, ist allerdings schwer einzuschätzen

Nach fast schon beschaulich ruhigen Wochen mit stetig steigenden Kursen sind die Sorgen zurück. Neue Sorgen. War es Anfang Mai noch allein die Ukraine-Krise, so sind es diesmal auch noch die kriegsähnlichen Zustände im Irak, die in den vergangenen Tagen von zahlreichen Börsenbeobachtern für die Verluste an den Aktienmärkten verantwortlich gemacht wurden. 

Gleichzeitig — und das ist wohl in diesem Zusammenhang die wichtigere Nachricht — ist auch der Ölpreis deutlich gestiegen. Hier wird offenbar auf eine Unterbrechung der irakischen Ölexporte spekuliert, die Preise für die Sorten Brent und WTI sind daraufhin auf ein Neunmonatshoch geklettert.
Dies ist durchaus problematisch, kann doch ein zu schnell und zu stark steigender Ölpreis auch zu einer echten Gefahr für die Weltwirtschaft werden. 

Diese „geopolitischen Risiken“, wie sie in der Börsianersprache genannt werden, sind indes schwer einzuschätzen. In der Regel gilt zwar die Aktionärsweisheit, dass politische Börsen „kurze Beine“ haben. Sollte es aber zu einem Umsturz im Irak kommen, kann man sich durchaus ausmalen, dass es an den Märkten größere Rückschläge geben wird. Sowohl an den Aktien- als auch an den Rohstoffbörsen. 

Ein tatsächlicher Machtwechsel in einem der größten Ölförderländer des Globus würde den Preis von Brent und WTI weiter nach oben treiben — da muss man kein Prophet sein. Und ein Anstieg um zehn bis 15 D ollar wäre mit Sicherheit ein großer Belastungsfaktor für die ohnehin längst nicht auf vollen Touren laufende Weltwirtschaft — auch für diese Prognose muss man kein Hellseher sein. Allerdings: Bislang finden die Kämpfe vor allem im Norden des Landes statt, was Förderung und Export noch nicht beeinträchtigt. Zudem scheint die Regierung in Bagdad dem Terror nicht tatenlos zusehen zu wollen. 

Was also tun? Aussteigen? Gewinne mitnehmen? Alles in Cash? Oder das Ganze doch lieber aussitzen? Auch hier gibt es keine einfache Antwort. Da kommt es wohl auf das ganz persönliche Risikoprofil an. Und auf die Leidensfähigkeit. Ob sich der Konflikt nun hinzieht oder ob sich die Lage schneller beruhigt, als aktuell angenommen wird — wer weiß das schon? 

Auffällig ist ja, dass sich trotz der großen medialen Berichterstattung zum Konflikt das Minus an den Börsen doch in Grenzen hält. Gleichzeitig ist nach dem starken Anstieg in den vergangenen Wochen eine Konsolidierung an den Aktienmärkten ohnehin längst überfällig. Der beschauliche Anstieg mit mal 50 Punkten hier und mal 50 Punkten da musste ja einmal ein Ende finden. Die jüngsten Verluste allein mit dem Konflikt im Iran zu begründen greift also sicherlich zu kurz. Viel zu kurz. 

Über all den Sorgen über das Geschehen im Nahen Osten sollte man ja auch nicht aus den Augen verlieren, was langfristig entscheidenden Einfluss auf die weitere Entwicklung der Kurse hat. Und das ist unter anderem — keine Überraschung! — die Politik der Zentralbanken

Am Mittwoch tagt jedenfalls die US-Notenbank Fed. Und der fehlt es seit dem Wechsel auf dem Chefposten etwas an Klarheit in den Aussagen. Die berühmte „Fed-Speak“ ist noch undurchsichtiger geworden, seit Janet Yellen von Ben Bernanke das Amt der Topwährungshüterin übernommen hat. Vielleicht auch, weil die Meinungen der einzelnen Fed-Mitglieder inzwischen weit auseinandergehen. Und vielleicht auch, weil im Gegensatz zur Fed die Aussagen der EZB in Person Mario Draghis viel eindeutiger sind. Vielleicht ändert sich das ja Mittwochabend ...

Diese Meinung zur Börsenlage finden Sie auch in der kommenden BÖRSE ONLINE, Titel: "SDAX - 15 Jahre Top-Performance"  (erscheint am Mittwoch)

Dienstag, 10. Juni 2014

Magisch, historisch, super

Die Kurse klettern. Zur Verwunderung vieler. Und trotz der Minizinsen wird weiter Geld auf dem Sparbuch gehortet. Was ist da los? Traut man dem Ganzen nicht? Über das angebliche Börsenwunder.

Geschafft. Am 5. Juni kletterte der DAX zum ersten Mal überhaupt über die 10 000-Punkte-Markte. „Die Zeit“ ordnete dieses Ereignis sogleich als „historisch“ ein, die meisten anderen Blätter verwendeten die Formulierung „magisch“, wieder andere fabulierten etwas von einer „Psychogrenze“ und verwiesen darauf, dass jetzt erst mal Schluss sei mit steigenden Kursen. Nun denn. Man kann es ja auch etwas nüchterner betrachten: Es ist geschafft, und damit kann man — endlich — einen Haken dranmachen an dieses Ereignis, das viel zu lange die Schlagzeilen beherrscht hat. Letztlich ist es doch nur eine Recheneinheit. Wenn auch, zugegeben, eine hübsch runde.

Möglich gemacht hat das magisch-historische Ereignis ja angeblich „Super Mario“, wie EZB-Chef Mario Draghi inzwischen von gewissen Medien genannt wird. Super sei der Mann deshalb, weil er tatsächlich noch einmal wie angekündigt die Zinsen gesenkt sowie Strafzinsen und Anleihekäufe eingeführt hat und sich darüber hinaus die Option offenlässt, noch mehr zu tun, wenn es denn nötig sei. 

Grund 2 für DAX 10 000 und — nicht ganz so magisch — Dow 16 900 sind die US-Arbeitsmarktdaten. Hier wurde vergangenen Freitag — jaha! — ein „echtes Jobwunder“ verkündet. Nun denn. Nüchtern betrachtet ist es unter dem Strich eben so, dass sich die Lage dort kontinuierlich verbessert, was ja eigentlich weder überraschend noch eine echte Neuigkeit noch ein Wunder ist.

Trotzdem wird so berichtet, weil es ja tatsächlich ein echtes Problem ist, sowohl für Anleger als auch für Berichterstatter, zu unterscheiden, welche Informationen und News tatsächlich noch nicht oder doch schon in den Kursen „enthalten sind“ (oder „eingepreist“, wenn man eine hässliche Börsenvokabel verwenden will).


Vermutlich wird aus DAX 10 000 auch deshalb ein solches Bohei gemacht, weil viele immer noch den Eindruck haben, dass alles schlimmer wird statt besser, dass die Krise längst nicht überstanden ist, dass sich die nächste Rezession doch schon ankündigt. Und dass es eben deswegen eher DAX 5000 heißen müsste. Dann wäre DAX 10 000 wohl tatsächlich ein magisch-historisches Superwunder und die Schlagzeilen dann allzu verständlich.

Alles eine Frage der Wahrnehmung eben. Dass sich viele immer noch verwundert die Augen reiben über die steigenden Kurse, zeigt beispielhaft eine Umfrage, die die Fondsgesellschaft State Street in 16 Ländern gemacht hat. Demnach haben Privatanleger 40 Prozent ihres Vermögens in Sparanlagen geparkt. Und das bei den Mickerzinsen und angesichts von Rekordkursen an der Börse! Trotz Magie und anderer Superlative. Das grenzt an Halsstarrigkeit! Das ausgeprägteste Sicherheitsdenken gibt es in Japan mit einer Quote von 57 Prozent, den Niederlanden (55 Prozent) und — nicht überraschend — Deutschland: Wir stecken 49 Prozent in den Sparstrumpf.

Das Erstaunliche an der Umfrage: In Sachen Sparverhalten gibt es keinen Unterschied, ob es sich um junge Menschen handelt, die gerade ins Berufsleben starten, um Mittvierziger oder um angehende Rentner, die ihr Vermögen sichern müssen. Alle sind gleich (über-)vorsichtig. Dabei sollten doch gerade die Jüngeren wissen, dass die Zeit bei Aktieninvestments auf ihrer Seite ist, dass bisher noch jede Kursdelle über die Jahre ausgebeult wurde. Dennoch wird wider besseres Wissen mit dem Sparstrumpf vorliebgenommen.

Hofft man da auf größere Korrekturen, um dann einzusteigen? Oder ist die Furcht vor einem weiteren Crash derart hoch? Die Kurse steigen indes weiter, erklettern die an dieser Stelle schon öfter erwähnte „Wall of Worry“, die Wand der Angst. Ehe wir uns umschauen, sind neue magische Marken in Sicht. Wie wäre Dow 20 000? Ja, wäre es denn ein Wunder?

Diese Meinung zur Börsenlage finden Sie auch in der kommenden BÖRSE ONLINE, Titel: Richtig einsteigen! (erscheint am Donnerstag)

Donnerstag, 5. Juni 2014

Is' scho' recht!

Ja, muss man denn jetzt gleich "historisch" werden ... (gesehen bei zeit.de).

Der wichtigere Termin ist doch morgen! US-Arbeitsmarktdaten!

Mittwoch, 4. Juni 2014

Seltsame Parallelwelten

Die Kurse sollten doch eigentlich fallen, selten waren sich die Marktkenner darüber so einig. Doch es kam anders. Wie so oft, wenn die Stimmung extrem ist. Über Vergleiche, die mehr oder weniger hinken.

Ja, ist es denn so einfach? Immer wenn das Gezeter besonders arg und vielstimmig ausfällt, bewegen sich die Märkte — allerdings nicht in die vorhergesagte, sondern die entgegengesetzte Richtung. So auch dieses Mal. Der DAX kletterte auf neue Rekordhochs, ebenso der Dow Jones. Der Nasdaq Composite ist zumindest auf dem Weg dorthin. Surprise, surprise. Dabei hatten doch Leute wie Hedgefondsmanager David Tepper, Starökonom Nouriel Roubini, die Charttechniker Tom DeMark und Ralph Acampora sowie der US-Marktbeobachter Dennis Gartman vor wenigen Wochen noch allesamt eindringlich empfohlen, Aktien besser zu verkaufen. Immerhin: Acampora und Gartman sind davon inzwischen wieder abgerückt.

Besonders interessant an dieser scheinbar konzertierten Empfehlungsaktion ist der Hauptgrund, den die Experten dafür unisono und unverhohlen angaben: Angst! Man glaubt es kaum — die kühlen Rechner mal ganz von Emotionen geleitet. Angst vor dem Crash, Angst vor der eigenen Courage, Angst vor Was-auch-immer.

Und so erklimmen die Kurse denn wieder einmal die „Wall of Worry“, die Wand der Angst. Wir hatten das ja auch 2013 schon. Es scheint tatsächlich so einfach: Ein Hurra dem Kontraindikator Börsenstimmung! Denn ist die Laune richtig schlecht, geht es nach oben. Inzwischen hat sich die Stimmung zwar deutlich verbessert, doch euphorisch ist sie bei Weitem nicht, eher neutral, wenn man es so bezeichnen will. So schnell geben die Verfechter des Schreckens, die Crash-Propheten dies- und jenseits des Atlantiks, eben nicht auf.

Die Zahl derer jedenfalls, die Parallelen zu 2007 ziehen, dem Jahr vor dem Börsencrash, wird nicht weniger. Der damalige Aktienaufschwung ging in das fünfte Jahr, aktuell stehen wir vor dem sechsten. Und damals wie heute war in den Frühlings­monaten von beunruhigend hoher Volatilität nichts zu sehen, im Gegenteil. Dazu der Risikoappetit: Sowohl 2007 als auch 2014 war und ist die Nachfrage nach riskanten Anleihen hoch. Es gibt sie also tatsächlich, die besagten und viel beschworenen Parallelen. Es wäre unvorsichtig, die Augen davor zu verschließen.

Allerdings greift ein wichtiges Argument der Parallelweltenanhänger seit dem jüngs­ten Anstieg bei DAX, Dow Jones und Nasdaq nicht mehr: das Argument der nachlassenden „Marktbreite“, also die Rotation in eher defensive Branchen, in Aktien, die traditionell zum Ende eines Aufschwungzyklus gut abschneiden. Dies war 2007 signifikant — und auch zu Beginn des laufenden Jahres durchaus ein Unsicherheitsfaktor. Versorgertitel waren plötzlich gefragt, Technologie- und Finanzwerte wurden dagegen auf den Markt geworfen, mit der Konsequenz deutlich fallender Kurse. Dies ist inzwischen nicht mehr so. Die bisherigen Verliereraktien haben zuletzt eindrucksvoll aufgeholt.

Auch was die Fundamentaldaten angeht, sieht die 2014er-Welt anders aus als die im  Jahr 2007. Die vorauslaufenden Indikatoren deuten auch weiterhin auf künftiges Wirtschaftswachstum hin, so etwa der amerikanische Philly-Fed-Index. Dass die Zuwachsrate der US-Wirtschaft im ersten Quartal nach einer Revision der Daten um ein Prozent niedriger ausgefallen ist — geschenkt, ein Wackler, mehr nicht. Börsianer blicken nach vorn.

Und noch etwas ist anders als im Jahr 2007: Tatsächliche oder nur scheinbar konzertierte Verkaufsempfehlungen in dem Ausmaß, wie sie in den vergangenen Wochen stattfanden, waren zur Jahresmitte 2007 nicht zu beobachten.

Montag, 2. Juni 2014

Auf dem falschen Fuß erwischt ...

Ralph Acampora, ein geschätzter Chart-Techniker, hat gerade seine Markt-Einschätzung korrigiert. Bisher hatte er eine größere Korrektur befürchtet, wie im Posting vom 16. Mai zu sehen ist ...

Mittwoch, 21. Mai 2014

Milliarden-Strategie

Nicht verpasssen – morgen am Kiosk ... Die neuen Mächtigen an der Börse nennen sich Aktivisten. Sie investieren im großen Stil und krempeln Unternehmen um, damit für Aktionäre – und für sie selbst – mehr herausspringt. Die Player und ihre Deals – Carl Icahn, Dan Loeb und Co ...