Mittwoch, 13. Dezember 2017

Ein Zitat und was man daraus macht

Der legendäre Banker J. P. Morgan mahnte einst zum rechtzeitigen Ausstieg aus einer laufenden Aktienmarktrally. Aber wann ist „rechtzeitig“? Vermutlich später, als Mister Morgan dachte.

Von John Pierpont Morgan, besser bekannt als J. P. Morgan, einem der einflussreichsten Privatbankiers seiner Zeit, ist ein Zitat überliefert, das zur Bescheidenheit mahnt: „Ich bin reich geworden, weil ich die finalen 30 Prozent einer Aktienmarktrally anderen Leuten überlassen habe.“ Gesagt hat er das irgendwann Anfang des 20. Jahrhunderts. Lebte er heute noch, würde er den Satz vermutlich wiederholen — wenn er denn seinen Grundsätzen treu geblieben wäre. Denn es mehren sich ja schon seit Längerem die Anzeichen, dass die Börsenhausse, nun ja, etwas gedehnt ist. Sowohl was den Faktor Zeit angeht als auch den Faktor Bewertung.

Wer die Mahnung des ehrenwerten Mister Morgan im Gedächtnis behält, kann es aber dennoch riskieren, ein Stück von den finalen 30 Prozent abzubekommen. Denn anders als zu Beginn des 20. Jahrhunderts sind die Anlagealternativen derzeit heute schließlich rar gesät. Morgan hatte damals bessere Möglichkeiten, sein Vermögen mit guter Rendite umzuschichten.

Außerdem sind im Hier und Jetzt die kurz- bis mittelfristigen Indikatoren einfach noch zu positiv, um schon aus dem Aktienmarkt auszusteigen. Man sollte das nicht außer Acht lassen: Es gibt etliche Faktoren, welche die angesprochene zeitliche und bewertungstechnische Dehnung der Börsenrally relativieren. Wer ausschließlich darauf verweist, dass Aktien zu teuer sind oder die Rally schon viel zu lange läuft, tja, der hätte schon vor zwei oder drei Jahren aussteigen müssen.

Was sind das also für Faktoren, die man ...

Mittwoch, 6. Dezember 2017

Weiter, immer weiter

Der DAX hängt gerade etwas fest, dafür steigen die Kurse an der Wall Street weiter. Negative Faktoren bremsen kaum. Im kommenden Jahr könnte das anders werden. Die Gründe.

Es läuft. Vor allem an den US-Börsen geht es aufwärts. Dabei wird einem fast mulmig, derart stetig klettern die Kurse. Der Dow Jones etwa übersprang ganz locker die 24 000 Punkte. Und das, obwohl es ja immer wieder Gründe gibt, die gut genug wären für eine deutliche Korrektur. Aber die kommt einfach nicht. Wenn man so will, dann ist das durchaus ein Indiz für etwas zu viel „complacency“, wie man an der Wall Street sagt, für eine gewisse Sorglosigkeit der Börsianer. Und das wiederum ist eigentlich kein gutes Zeichen für die weitere Entwicklung.

Allerdings gibt es auch prima Argumente dafür, dass die Kurse weiter steigen: etwa die Gewinnentwicklung der Unternehmen als wichtigster Grund überhaupt. Denn wie man es auch dreht oder wendet — die Daten, die das amerikanische Forschungsinstitut FactSet zur Gewinn- sowie Umsatzentwicklung der US-Unter-nehmen in schöner Regelmäßigkeit liefert, sind schlichtweg überzeugend. Analog zum Aktienmarkt geht es auch mit ihnen aufwärts. Und das ähnlich stetig.

Was soll da also noch bremsen? Natürlich gibt es immer wieder politische Probleme, etwa rund um die Präsidentschaft von Donald Trump. Die Russland-Affäre zum Beispiel. Dann die beinahe gescheiterte Steuerreform. Aber letztlich wiegt das alles scheinbar nicht schwer genug. Vermutlich würde die Börse sogar ein von seinen Gegnern herbeigesehntes Amtsenthebungsverfahren gegen Trump positiv beurteilen. So nach dem Motto: Der dann designierte Nachfolger und aktuelle Vizepräsident Mike Pence wäre wohl noch marktfreundlicher und vermutlich auch berechenbarer als Trump.

Trotzdem dürfte 2018 kein Selbstläufer werden. Die ...

Mittwoch, 29. November 2017

Unwahrscheinlichkeitsdrive

Da kann einem schon der Schädel brummen. In Sachen Politik, in Sachen Börse. Was ist wahrscheinlich, was unwahrscheinlich? Was real, was surreal? Es gehen allerlei Prognosen um.

Ein ziemliches Bohei wird da seit einigen Tagen um einen ganz speziellen Indikator gemacht: um die immer flacher werdende Zinskurve in den USA. „Kurve des Grauens“ steht beispielsweise in der Tageszeitung „Die Welt“. Ei, ei, ei. Zum Fürchten! Oder wird da etwa übertrieben? Der Grund für das Bohei ist, dass besagte Kurve eine fast unheimliche Verlässlichkeit als Rezessionsindikator hat. Und damit auch als Indikator für eine Wende an den Aktienmärkten. Mit einer wichtigen Einschränkung jedoch: Flach allein reicht nicht, invers hat die Kurve zu sein — die Zinsen müssen am kurzen Ende höher sein als am langen. Das aber ist nicht der Fall.

Also viel Lärm um nichts? Vielleicht. Außerdem könnte das mit der sagenhaften Verlässlichkeit auch ein Ding der Vergangenheit gewesen sein. Schlicht, weil die US-Notenbank Fed sich mit ihrer Zinspolitik seit Jahren auf unerforschtem Gebiet befindet. Und da herrschen eventuell etwas andere Regeln. So hat die Fed ja auch selbst berechnet, dass ihre diversen Initiativen, die den schönen Namen „Quantitative Easing“ tragen, dafür gesorgt haben, dass die Rendite bei zehnjährigen Anleihen um 100 Basispunkte niedriger ausfällt als unter einer „normalen“ Zinspolitik. Kein Wunder also, dass die Kurve derart flach ist. Letztlich ist sie durch die extravagante US-Geldpolitik manipuliert, ob man das Attribut nun mag oder nicht. Fluch und Segen des Anleihekaufprogramms eben. Die Geister, die ich rief ...

Man darf also die Verlässlichkeit des Indikators im Jahr 2017 durchaus anzweifeln. Außerdem kommt noch ein psychologischer Faktor hinzu ...

Mittwoch, 15. November 2017

Verschieben, absagen, hinhalten

Die Entwicklung an den Börsen ist etwas ins Stocken geraten. Mit ein Grund sind Neuigkeiten aus den USA. Und dennoch bleibt es beim grundsätzlich positiven Ausblick.

Das hört man nicht gern an der Wall Street: Vom Verschieben der Steuerreform ist die Rede. Einigen Repu-blikanern sind die Ideen ihres Präsidenten vielleicht doch zu radikal. Donald Trump plant ja auch die größten Einschnitte, die Amerika seit drei Jahrzehnten erlebt hat. Das Steuersystem soll vereinfacht werden, die Belastung abnehmen. Vor allem die Unternehmensteuer soll dabei sinken: von jetzt 35 auf 20 Prozent. Die Republikaner im US-Senat kündigen da aber Widerstand an. 20 Prozent, sagen sie, könne man sich nicht leisten. Daher wäre es am besten, das ganze auf Eis zu legen. Bis 2019 vielleicht.

Die Reaktion an den Märkten war eine Mischung aus Gewinnmitnahmen und ausbleibender Kauflaune. Klar, die angekündigte Steuerreform war ja auch monatelang ein guter Grund, Aktien zu kaufen. Bliebe sie aus, wären die aktuell doch recht hohen Bewertungen am Aktienmarkt eher nicht gerechtfertigt.

Eine größere Kurskorrektur wäre im Fall eines tatsächlichen Scheiterns der Steuerpläne sehr wahrscheinlich. Allerdings wäre das dann wohl noch einmal eine gute Chance, Aktien nachzukaufen. Denn ungeachtet der möglichen Auswirkungen einer verkorksten Tax-Reform und auch der Implikationen des von den USA gerade abgesagten TPP-Handelsabkommens sind die mittelfristigen Aussichten für die Börse immer noch gut.

So berichten die Unternehmensbeob-achter von FactSet, dass die fast beendete Berichtssaison in den USA das geliefert hat, was schon in den zurückliegenden Jahren der Fall war: Die tatsächlichen Gewinne und Umsätze haben mal wieder die Erwartungen bei Weitem übertroffen. Auch der Ausblick auf 2018 ist positiv — mit oder ohne Steuerreform.

Gleichzeitig geht in den USA die Arbeitslosigkeit weiter zurück. Zuletzt wurde mit einer Quote von 4,1 Prozent ein so niedriger Stand erreicht wie seit 17 Jahren nicht mehr. Der positive Effekt: steigendes Konsumentenvertrauen.

Und es sind ja nicht nur die USA, die für positive Nachrichten sorgen. Beflügelt ...

Mittwoch, 1. November 2017

Gemischte Gefühle

Neue Woche, neue Rekorde. Geholfen hat einmal mehr die EZB. Und weil die Gewinne der Unternehmen wachsen, ist der Börsenanstieg durchaus gerechtfertigt. Was man trotzdem beachten muss.

Das ging ja fix. Von wegen „Kampf um die 13 000er-Marke“. Denkste! Der deutsche Leitindex DAX kletterte ruck, zuck auch noch über 13 200 Punkte. Mithilfe von Mario Draghi, dem Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), dem mal wieder ein rhetorischer Spagat gelang. Einerseits lobte er die erfreuliche Wirtschaftsentwicklung im Euroraum. Andererseits betonte er aber, dass „eine große geldpolitische Unterstützung auf mittlere Sicht weiterhin nötig“ sei. Mag sich jeder selbst einen Reim darauf machen.

Ähnlich gemischte Gefühle beschleichen einen beim Blick auf die aktuellen Quartalszahlen der börsennotierten Unternehmen. Sie sehen zunächst richtig gut aus. Vor allem bei den Amerikanern. Etwas über die Hälfte der 500 Aktiengesellschaften des S&P-Index hat die Berichte vorgelegt, und 76 Prozent davon veröffentlichten Gewinne, die besser ausfielen als erwartet. 67 Prozent vermeldeten auch noch bessere Umsätze. Das ist eine Superquote und liegt deutlich höher als der Fünfjahresdurchschnitt von 69 respektive 55 Prozent. Das positive Momentum bei den Quartalszahlen hält also an.

Ebenfalls gut: das US-Wirtschaftswachstum. Das lag im dritten Quartal bei drei Prozent und war auch besser als erwartet. Dazu passt, dass Indikatoren wie der Economic Surprise Index weiter steigen und die vom Wirtschaftsmagazin „Barrons“ veröffentlichten Zahlen zu den Insidertransaktionen gleichfalls bullish sind.

Auf Sicht von drei bis sechs Monaten sieht das also alles ganz gut aus. Danach könnte es problematisch werden. Dafür gibt es gewisse Hinweise. Denn trotz der steigenden Indexstände fällt auf, dass die Marktbreite abgenommen hat. Nebenwerte und sogar etliche Aktien aus dem Techsektor haben den jüngsten Anstieg nicht in dem Maß mitgemacht wie die mega-kapitalisierten Bluechips. Der Marktbeobachter SentimenTrader konstatiert, dass ein so deutliches neues Allzeithoch, wie es der S&P-500 in der zurückliegenden Woche erreicht hat, nur ein einziges Mal seit 1990 von weniger Aktien mitgetragen wurde als jetzt. Und das war im November 1999, also kurz vor dem Bubble-Hoch, dem sich dann ...

Mittwoch, 25. Oktober 2017

Applaus garantiert

Das Momentum an den Börsen spricht dafür, die Gewinne weiter laufen zu lassen. Trotzdem sollte man nicht ignorieren, dass die Risiken weltweit steigen. Auch in China, dem Schwellenland Nummer 1.

Alle fünf Jahre findet in China der Parteitag der Kommunistischen Partei statt. So auch in diesem Jahr. Da wird dann lang und blumig geredet. Mehr als dreieinhalb Stunden dauerte in diesem Jahr allein schon die Eröffnungsrede des Staats- und Parteichefs Xi Jinping, in der er die Vision eines starken Chinas in der Welt beschwor. Nicht ganz überraschend das.

Passenderweise waren ja im Vorfeld des Parteitags die Daten und Nachrichten zur Wirtschaftslage des Landes richtig gut. Bessere Zahlen zum Wachstum und steigende Kupfer- und Industriemetallpreise sollten das untermauern. Dazu eine steigende Inflation, was suggeriert, dass China die Lokomotive beim weltweit beschworenen Reflationsthema ist. Oder andersherum formuliert: China geriert sich als Retter vor der großen weltweiten Deflations- und Stagnationsgefahr, mit der die Weltwirtschaft in den zurückliegenden Jahren so lange zu tun hatte.

Allerdings kann man als skeptischer Anleger hinter all den schönen Zahlen, die Peking zuletzt präsentiert hat, durchaus auch einen gewissen Willen zur Schönfärberei vermuten. Warum soll man denn Negatives aufzeigen, wenn der Nationalkongress ansteht!? Man sägt doch nicht am eigenen politischen Ast, auf dem man sitzt. In der Tat ist es so, dass trotz der hohen Schulden, die etliche Institutionen des Landes drücken, so richtig immer noch nicht dagegen angegangen wird. Ganz im Gegenteil: All den Lippenbekenntnissen zum Trotz wurde in China vor dem Kongress noch mal richtig das Kreditwachstum angekurbelt. So sind die Ausgaben für Infrastrukturprojekte inzwischen so hoch wie zuletzt 2009.

Damit nicht genug: Neulich war etwa im „Wall Street Journal“ zu lesen, dass mehr als 200 lokale Behörden von der Regierung aufgefordert wurden, leer stehende Immobilien aufzukaufen. Unterstützt wurde das von der Notenbank, um den Preisdruck vom Markt zu nehmen. Man kann so eine Aktion schon verstehen, immerhin macht der Immobilienmarkt ein Drittel des gesamten Wirtschaftswachstums aus. Gesund ist das aber nicht. Letztlich treibt es den Schuldenzyklus nur weiter an. Und der könnte schlimm enden...

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Das Haar in der Suppe

Der positive Trend an den Börsen hält an. Die Konjunkturdaten geben das auch her. Schwierig wird es wohl erst dann, wenn in den Notenbanken die geldpolitischen Falken das Sagen haben.

Haken dran: DAX 13 000. Eine weitere schöne runde Marke hat der deutsche Leitindex da erreicht. Ähnlich sieht es in den USA aus. Der S & P 500 überschritt ja schon einige Wochen zuvor die 2500er-Grenze, und beim Dow Jones, da winken die 23 000. Es läuft.

Weil das so ist, suchen wir nach dem Haar in der Suppe. Und fragen uns — wie wir das ja immer wieder in schöner Regelmäßigkeit tun —, wie lange das so weitergeht. Dabei hilft die Erkenntnis, dass in der Vergangenheit nicht jede Korrektur eine Rezession angekündigt hat, aber jede Rezession einen Kurssturz nach sich zog. Die Kernfrage lautet also: Wie weit sind wir von einer Rezession entfernt — so seltsam das aktuell vielleicht klingen mag.

Blicken wir in die USA und an die Weltleitbörse Wall Street. Drei Bereiche sind  hier besonders interessant: Die finanzielle Entwicklung der privaten Haushalte, das Wohl und Wehe in der Unternehmenswelt und last but not least die Geldpolitik der US-Notenbank Fed.

Was die Haushalte angeht, scheint die Gefahr einer Rezession marginal: Hier leuchten die jüngsten kurzfristig orientierten Daten und Indikatoren derart grell positiv, dass man beim Lesen zur Sonnenbrille greifen möchte. Einzelhandelsumsätze, Konsumentenstimmung — beides so gut wie selten zuvor. Und dann auch noch angenehm niedrige Inflationsraten.

Wer sich davon aber nicht zu sehr blenden lässt, stellt fest, dass die Lohnentwicklung da nicht mithält. Für die Amerikaner heißt das: mehr arbeiten, weniger sparen oder Kredite aufnehmen, um die Kauflust weiter so zu befriedigen wie bisher. „Keeping up with the neighbours“, nennt man das. Man muss mithalten, wenn der Nachbar einkauft wie verrückt.

Doch es gibt Grenzen...

Dienstag, 19. September 2017

+++ Kleine Auszeit +++

Ab in den Urlaub - im Oktober geht es weiter.

(Es bleibt beim mittelfristigen Ausblick)

Dienstag, 5. September 2017

Schwieriger geht’s nimmer

Die Börsen halten sich eigentlich gut. Trotz zahlreicher Unsicherheitsfaktoren. Dabei stehen in den kommenden Wochen viele richtungsweisende Entscheidungen an. Da ist es gut, einen Plan zu haben.

Bye, bye August — hello September! Herzlich willkommen im wirklich schwierigsten aller Börsenmonate. Das ist wirklich so. Im Schnitt ist da wenig zu holen am Aktienmarkt. Allerdings hilft es, ein wenig zu differenzieren: Wenn die Börsen nämlich über dem 200-Tagesschnitt notieren — wie in diesem Jahr —, war es bislang immerhin in jedem zweiten Jahr so, dass der September sogar ein Plus brachte. Aber in Summe — da ist das meistens nix mit dem verflixten September.

Warum das so ist? Man kann nur spekulieren. Vielleicht weil das dritte Quartal bei den Unternehmensergebnissen ansteht und die Weichen gestellt werden, ob es insgesamt ein gutes oder schlechtes Jahr wird? Vielleicht auch weil viele Trader und Börsianer aus dem Sommerurlaub zurück sind und die Depots einer Art Spätsommerputz unterziehen? Schwer zu sagen. Klar ist aber, dass in diesem ganz speziellen September des Jahres 2017 eine Reihe von Unsicherheiten auf die Börsianer warten.

Da gibt es etwa politische Faktoren, die nur schwer einzuschätzen sind, etwa die Debatte um die US--Verschuldungsgrenze und die angekündigten Steuer-reformen in den USA. Dazu kommen die unsäglichen Vorgänge rund um Nordkorea. Und last but not least ist nicht richtig klar, wohin insbesondere die amerikanische Notenbank steuert.

Dass dies allerdings nun nicht zwangsläufig zu einem Kursrutsch ...

Mittwoch, 23. August 2017

Ganz genau hingeschaut

Die kommenden Wochen werden nicht leicht an der Börse. Es sieht tendenziell nach fallenden Kursen aus. Das dürften dann aber noch einmal Kaufgelegenheiten sein. Warum das so ist. 

Gundsätzlich sollte man sich ja angewöhnen, das Auf und Ab an der Börse aus mehreren Perspektiven zu betrachten. Zum einen aus der Sicht eines Langfristinvestors, und zum anderen  mit dem Blick eines eher kurzfristig orientierten Spekulanten — das ist das Mindeste. Meist lohnt sich zudem eine mittelfristige Betrachtung der Dinge. Einfacher geht es nicht. Sonst wird das mit dem Anlegen konfus, man lässt sich vom obligatorischen täglichen Getöse an den Märkten kirre machen und begeht Fehler.

Daher zunächst mal eine aktuelle — und höchst subjektive — Einordnung: Langfristig läuft die Rally aus, und es ist nicht verkehrt, das Depot langsam aber sicher vorsichtiger aufzustellen. Mittelfristig scheint indes das Top an den Börsen noch nicht erreicht zu sein — bis Jahresende könnte noch was gehen. Kurzfristig jedoch sieht es nach einer etwas länger anhaltenden Korrektur aus. So die Lage in Kürze. Drei Blickwinkel in einem einzigen Absatz. Da kann es an der Börse lärmen, wie es will. Ablenken wird uns das nicht.

Nun ist die Börse aber kein Wunschkonzert, und oft hält sie sich ja auch nicht an solche Fahrpläne. Allerdings gibt es doch ganz gute Gründe für das beschriebene Dreiblickwinkelszenario.

Kurzfristig — erster Blickwinkel — sieht es aus folgenden Gründen weiterhin nach Korrekturbedarf aus: Zum einen spricht die Saisonalität dafür, Ende August bis Oktober sind oft schlechte Zeiten an der Börse. Dazu können politische Gründe für Unruhe sorgen, etwa die anstehenden Debatten um die US-Schuldengrenze. Und letztlich zeigen etliche Indikatoren wie Volatilität und Marktbreite an, dass die schon begonnene Korrektur noch unfertig ist — wir haben das ja schon vergangene Woche geschrieben.

Sollten die Kurse also in den kommenden Wochen weiter nachgeben, dann ist dies — und das ist die gute Nachricht — noch einmal ...