Mittwoch, 13. Juli 2016

Opportunistische Aktionen

Die Märkte haben sich besser gehalten als vielfach befürchtet. In den USA ist der S & P 500 sogar auf ein neues Allzeithoch gestiegen. Gut für alle, die unserer Empfehlung von vergangener Woche gefolgt sind.

Wie geht es nun weiter an den Märkten? Der Brexit hat für viel Unsicherheit gesorgt. Sowohl -politisch wie auch wirtschaftlich. Hinzu kommt die Krise etlicher europäischer Banken, was vielleicht weniger Ursache, sondern eher Symptom einer übergeordneten Krise ist. Jedenfalls muss das an den Märkten alles verdaut werden. Und je nachdem, um welche Anlagen es sich handelt, geht das ganz unterschiedlich vonstatten. Schwierig genug.

Am deutschen und auch an den anderen europäischen Aktienmärkten ist man geneigt anzunehmen, dass es weiterhin turbulent bleibt. Die Unsicherheiten, was London und was Italien angeht, sollten wenigstens im Ansatz beseitigt sein, damit die Börsen nachhaltig steigen können. Dass Theresa May inzwischen britische Premierministerin ist, das allein genügt vermutlich nicht. Anleger sollten also weiterhin mit Schwankungen rechnen, vielleicht gerade auch im Hinblick auf die exportlastige deutsche Aktienwelt.

Längerfristig indes könnte die Börse Frankfurt von der allgemeinen europäischen Unsicherheit profitieren. An Qualitätsaktien fehlt es in Deutschland sicher nicht. Zudem ist der DAX weit weniger von Banken geprägt als etwa der spanische Ibex oder auch der italienische MIB. Hinzu kommen Aktien aus MDAX und SDAX, die vielleicht am besten die deutsche Industrielandschaft repräsentieren.

In den USA wiederum — wir haben das im Ausblick vergangene Woche ja schon geschrieben — herrscht an der Börse eitel Sonnenschein. Der S & P 500 zum Beispiel stieg auf ein neues Allzeithoch. Der Grund ist vermutlich recht simpel: Die größte Wirtschaftsmacht der Welt bleibt von den europäischen politischen Krisen weitgehend verschont. Wenn man so will, dann ist die Börse New York eine Art sicherer Hafen für global handelnde Investoren.

Gleichzeitig scheint in den USA ...

Dienstag, 5. Juli 2016

Vielleicht ein Geschenk der Götter

Hin und her geht es am Aktienmarkt, die Kurse von Gold und Anleihen dagegen steigen. 
Das ist durchaus ein Warnsignal, dass die Korrektur beim DAX noch nicht zu Ende ist.

Vor zwei Wochen war hier zu lesen: „Vorsichtige Naturen warten mit Investments lieber den Tag der Brexit-Entscheidung ab.“ Wer diesen Rat beherzigt hat, tat gut daran. Es ging ja erst mal ordentlich abwärts. Und: Bei nüchterner Betrachtung der Börsenaktivitäten seit dem bedeutungsschweren Entscheid scheint klar — der damals erwähnte Aspekt des „Abwartens“, der gilt immer noch.
Es ist ja eine zweischneidige Angelegenheit. Der Sell-off erscheint einem fast wie ein Geschenk der Götter! Wer langfristig orientiert ist, der kann in diesen Tagen sein  Depot zu günstigen Preisen aufstocken. Ein Warren Buffett dürfte seine helle Freude haben. Allerdings — und das ist das große Aber — ist die Wahrscheinlichkeit recht groß, dass die Korrektur noch nicht vorbei ist. Was verschiedene Gründe hat.

Zum einen muss man differenzieren: Naturgemäß hat der Brexit stärkere Auswirkungen auf den europäischen Aktienmarkt als auf den amerikanischen. Wer es weniger volatil mag, kauft daher US-Aktien. Generell gilt aber, dass die Risikoprämien für Aktien seit dem Entscheid drastisch gestiegen sind. Es kommt einem fast ein wenig so vor, als habe man es mit einer leicht abgewandelten Wiederholung des europäischen Theaters des Jahres 2011 zu tun. Damals mit Griechenland als Protagonist, jetzt eben mit Großbritannien.

In den USA wiederum, da schienen die Dinge vor dem Brexit-Entscheid ja gar nicht so schlecht zu stehen. Indikatoren wie der ISM-Einkaufsmanagerindex, die Investitionsausgaben und das Konsumverhalten hatten sich allesamt ganz ordentlich entwickelt. Zudem geht es mit den Gewinnen der Unternehmen weit besser aufwärts als zuvor erwartet. Alles Aspekte, die eher für steigende Kurse sprechen. Es gibt sogar Stimmen, die meinen, dass ...

Dienstag, 21. Juni 2016

Die Woche der Wahrheit

Jetzt gilt’s. Aktien sind günstig, daran gibt es kaum Zweifel. Politisch droht dagegen Ungemach. Eifrige Leser wissen warum, eifrige Anleger auch. Also besser abwarten, bis wieder mehr Klarheit herrscht.

Vielleicht eine gewagte Aussage: Aber es scheint doch, als ob es dem DAX besser geht, als es sein aktueller Punktestand und die wankelmütige Stimmung suggerieren. Angst vor dem Brexit, die Wahlgewinne europakritischer Politiker in Italien, Furcht vor dem China-Crash und Sorgen um die US-Zinswende hin oder her — die Unternehmensergebnisse des ersten Quartals haben doch eigentlich gezeigt, dass auf Firmen-ebene gut verdient wird. Prompt haben ja auch die Analysten ihre Prognosen korrigieren müssen. Nach oben wohlgemerkt.

Für das laufende Jahr gehen sie nun davon aus, dass die Gewinne bei den DAX-Unternehmen um fünf Prozent höher ausfallen werden als 2015. Ähnliches gilt für 2017. Dies rechtfertigt eigentlich einen DAX-Stand, der eher bei 11000 bis 11500 als bei 9500 oder 10000 liegt. Das bestätigt auch eine Studie der LBBW: Wäre der deutsche Leitindex mit seinem historischen KGV-Median bewertet, also fair, wie das im Branchenjargon heißt, dann sollte er derzeit bei 11300 Punkten notieren.

Dies ist bekanntlich nicht der Fall, man kann also von einer aktuell doch sehr starken Risikoaversion der Anleger ausgehen. Momentan liegt das Forward-KGV, also die Bewertung anhand der künftig erwarteten Gewinne für den DAX, bei gerade mal 11,2. Zum Vergleich: Laut Berechnungen der LBBW verläuft die Grenze zu den 20 Prozent günstigsten DAX-Bewertungen seit Indexstart im Jahr 1988 bei einem KGV von 11,5. Aktuell liegt man also darunter.

Klar lässt sich jetzt argumentieren, dass Aktien ...

Dienstag, 14. Juni 2016

Alles ordentlich unter Wasser

Die Unsicherheiten machen den europäischen Börsen zu schaffen. Besser hält sich die Wall Street. Hier ist sogar das Allzeithoch noch in Reichweite. Worauf Anleger die kommenden Tage achten müssen.

Das nennt man volatil! Der DAX kann sein Niveau von 10 350 Punkten nicht halten, rutscht wieder ab auf 9500. In nur wenigen Tagen. In den USA indes lassen die Kurse zwar auch nach, aber der Rückgang bleibt im Rahmen. Der Dow Jones fällt von 18 000 Punkten auf 17 700 (Stand Redaktionsschluss Dienstag). Was ist da los? An der deutschen Börse ein Minus von acht Prozent, in New York dagegen nur zwei Prozent. Übertreibt man da wieder mal auf dem alten Kontinent?

Fakt ist: Der Juni könnte spannender kaum sein. Da ist die US-Notenbank, die zum Erscheinungstag dieser Ausgabe von BÖRSE ONLINE ihre neuesten Ideen zum Fortgang ihrer Leitzinspolitik verlauten lässt. Dann ist da das Bundesverfassungsgericht, das in der kommenden Woche am 21. Juni darüber befindet, ob die umfangreichen Anleiheaufkäufe der Bundesbank überhaupt rechtmäßig waren. Je nach Befund, könnte es zu einem Kursrutsch bei Euro-Staatsanleihen kommen. Und dann ist da der Entscheid in Großbritannien, ob man noch Teil der Europäischen Union sein will oder doch lieber der Splendid Isolation frönt und den Brexit tatsächlich durchzieht. Wagen die Briten das, dann dürfte die beschriebene Volatilität noch zu keinem Ende kommen.

Ach ja, und als ob all dies nicht reichte, macht man sich inzwischen erneut Sorgen um China und darum, ob denn das verhaltene Wachstum dort sich nicht doch schlimmer auf das globale Gefüge auswirkt als bisher angenommen.

Doch wie schlimm ist die Situation wirklich? Weder Inflations- noch Konjunkturdaten ...

Dienstag, 7. Juni 2016

Guter Rat, gute Tat

Es läuft. DAX und Dow steigen – trotz Brexit-, Zins-, China- und anderer Sorgen. Denn es gibt auch gute Nachrichten. Die Aktienkurse steigen nicht ohne Grund. Eine Zusammenfassung.

Vergangene Woche starteten wir hier mit der Aussage: „Das sieht doch gar nicht so schlecht aus.“ Diese Woche könnten wir das erneut tun. Denn allen Unkenrufen zum Trotz geht es an den Märkten nach oben. Unser seit Wochen wiederholter Rat, an schwächeren Tagen nachzukaufen, war und ist also gültig.

Und das, obwohl — oder eben vielleicht gerade, weil — derzeit noch viele grundlegende politische Entscheidungen getroffen werden, die auch Auswirkungen auf Wirtschaft und Finanzmarkt haben. Am 21. Juni beispielsweise gibt das Bundesverfassungsgericht bekannt, ob denn der Anleiheaufkauf durch die Bundesbank rechtmäßig ist. Wenn nicht, dann hätte die Europäische Zentralbank EZB ein Problem und müsste bei der Unterstützung kriselnder Eurostaaten ohne Deutschland auskommen. Man kann sich kaum vorstellen, dass dies funktioniert. Die Eurokrise würde wohl wieder aufflammen.

Zwei Tage später dann die Abstimmung  bei unseren britischen Nachbarn, ob man nun im EU-Klub bleiben will oder nicht. Käme es zum Brexit, wäre wohl ordentlich was los an den Märkten. Die Folgen sind kaum abzuschätzen und die Kurse dürften heftig schwanken. Und last, not least der Zinsentscheid in den USA, der schon kommende Woche ansteht. Geht es weiter rauf mit dem Leitzins oder nicht? Und wenn ja, wie geht es danach weiter?

Die Börse indes scheint sich darum nicht zu kümmern. Seit Aschermittwoch — wie sinnig — geht es nach oben. Beim DAX wie auch beim Dow. Letzterer ist sogar schon in Reichweite seines Allzeithochs. Auch der VDAX, also der Volatilitätsindex, der die erwarteten Schwankungen der Kurse misst, liegt mit derzeit ...

Mittwoch, 1. Juni 2016

Da wird ein Schuh draus

Gute Stimmung. Der DAX ist zuletzt wieder gestiegen. Der Dow Jones steht sogar kurz vor einem neuen Rekordhoch. Und es gibt einige gute Gründe, dass die Kursrally noch eine Weile dauern wird.

Das sieht doch gar nicht so schlecht aus. Der Rat der vergangenen Wochen, an schwächeren Börsentagen zuzukaufen, hat sich als richtig erwiesen. Von wegen: „Sell in May!“ Wohl eher: „Buy in May!“ Sowohl die europäischen wie auch die amerikanischen Börsen sind gestiegen  — Dow Jones und S & P 500 sind sogar nicht mehr weit von ihren Rekordhochs entfernt. Technisch gesehen läuft der Laden also. Und auch fundamental gibt es gute Gründe, investiert zu bleiben.

Fast scheint es so, als ob die Brexit-Ängste zumindest bei den Anlegern nachließen — obwohl der Ausgang der Abstimmung weiterhin höchst ungewiss ist. Hinzu kamen in den zurückliegenden Wochen erfreulich robuste Konjunkturdaten. Mitte Februar war das noch ganz anders, da war die Stimmung schlecht wie selten. Seither jedoch sind immer weniger wichtige Wirtschaftsdaten hinter den Erwartungen  zurückgeblieben.

Die Kurserholung könnte also weiterhin dauern. Denn teuer ist der Markt nicht  — egal ob das Kurs-Gewinn-Verhältnis oder die Dividendenrendite herangezogen wird. DAX-Aktien etwa sind im langfristigen Vergleich durchschnittlich bewertet. Und im Vergleich zu Zinspapieren kann man nur zu einem Schluss kommen: Aktien sind derzeit billig.

Wenn man jetzt noch davon ausgeht, dass viele ...

Montag, 23. Mai 2016

Nix Halbes und nix Ganzes

Was für ein Geduldsspiel! Bei DAX und Dow Jones tut sich nicht viel. Da ist es nicht falsch, sich nach Alternativen umzuschauen – etwa in den schönen Gefilden des einen oder anderen Schwellenlands.

Tja, was ist das denn nun für eine Gemengelage? Die Indizien, die für weitere Zinserhöhungen der US-Notenbank sprechen, nehmen zu. Da gibt es zum einen positive Signale von der Konjunktur selbst — etwa die anziehende, sich leicht normalisierende Inflationsrate. Und zum anderen sind es die Aussagen der US-Notenbanker, die darauf hindeuten. Es gibt derzeit, um die übliche Analogie zur Tierwelt herzustellen, deutlich mehr geldpolitische Falken („Hawks“) als Tauben („Doves“). Und letztlich sieht man eine Tendenz zu weiteren Zinsschritten am amerikanischen Zinsmarkt selbst, bei dem die Zinsstruktur tatsächlich auch schon weitere Erhöhungen andeutet.

Andererseits gibt es jede Menge Beobachter, die davor warnen, die Daten zur Konjunktur überzubewerten. Da ist von Strohfeuer die Rede, oder es gibt gar grundlegende Zweifel an der „Datenqualität“. Und die Notenbank Fed, tja, die könne schon auch mal ihre Meinung ändern. Ohnehin befürchten viele, dass die Fed über das Ziel hinausschießt. Mit zu häufigen und zu schnellen Zinserhöhungen zum falschen Zeitpunkt könne sie durchaus eine

Mittwoch, 18. Mai 2016

Warten auf den Knackpunkt

Es läuft weiter seitwärts. Sowohl Bullen als auch Bären haben jeweils gute Argumente für steigende wie für fallende Kurse. Allein es fehlt an einem entscheidenden Impuls – noch jedenfalls.

Seit Wochen kommt der DAX nicht mehr vom Fleck. Mal notiert er über der Marke von 10 000 Punkten, mal darunter. Für so ein Hin und Her werden dann schöne Vokabeln wie „Schaukelbörse“ oder „Sägezahnbörse“ bemüht. Das ist einigermaßen bildhaft, dem Anleger hilft es indes nicht weiter. Es sei denn, er ist Daytrader und hat einen Mordsspaß am kurzfristigen Auf und Ab.

Was fehlt, das sind Impulse. Irgendwas, was für einen Stimmungsumschwung sorgt, egal ob dies dann zu einem Auf- oder Abschwung führt. Man denke beispielsweise an den Volksentscheid zum Brexit. Hauptsache Bewegung!

Abseits von den fehlenden Impulsen ist es ja so, dass die niedrigen Zinsen weiterhin für Aktien sprechen. Doch was hilft’s? Es bleibt L’art pour l’art, wenn sich denn beim Wachstum rund um den Globus nichts Entscheidendes tut.

Gleichzeitig ist es auch richtig, dass es wieder einige gute Gründe für fallende Kurse gibt. Dies sind beispielsweise die eher schlechten Nachrichten, was die chinesische Wirtschaft angeht, oder schlicht der Saisonalitätsaspekt, weil die Börse ab Mai selten wirklich gut läuft. Jedoch verhindert der viel zitierte „Anlagenotstand“, der durch die Mickerzinsen und die hohe Liquidität der Notenbanken verursacht wurde, ganz offensichtlich einen größeren Kursrutsch. „Die Geldpolitik hat ein Sicherheitsnetz für Aktien gespannt“, erklärt -Robert Halver, Marktstratege bei der Baader Bank. Eine Meinung, der man sich anschließen kann.

Vielleicht greift die berühmt-berüchtigte Börsenweisheit „Sell in May and go away“ dieses Jahr ja auch deswegen noch nicht, weil es zwischen Januar und April schlicht keine rechten Gewinne gab, die wieder abzugeben wären. Zumindest schaut es aktuell danach aus. Dass sich die Börse hält, liegt auch am Ölpreis. Der steigt nämlich, was als Indiz gedeutet werden kann, dass es um die Weltwirtschaft doch nicht so schlecht steht. Sowohl der Preis für die US-Ölsorte WTI wie auch der für die Nordsee-Ölsorte Brent tendiert langsam, aber sicher in Richtung 50 Dollar pro Fass. Gründe sind die

Mittwoch, 11. Mai 2016

Eine Art Pattsituation – immer noch

Der Markt hängt fest – mal wieder. Es fehlt an Impulsen. Nach oben geht wenig, nach unten ebenso. Da ist Geduld gefragt und etwas Geschick. Wie es weitergeht . 

Es bleibt zunächst dabei: Am Aktienmarkt mag man sich bisher nicht recht entscheiden, ob es jetzt nachhaltig nach oben geht oder doch noch einmal ordentlich nach unten. Vor allem die großen Adressen halten sich mit Käufen immer noch zurück — gerade wenn es um zyklische Aktien geht. Die Bedenken der institutionellen Investoren sind dabei wohl immer noch die vom Jahresanfang: Da ist die Sorge um eine konjunkturelle Abkühlung in Absatzmärkten wie China, aber auch recht vage Unsicherheitsfaktoren wie der mögliche Brexit, der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union.

In Griechenland kehrt indes so etwas wie Ruhe ein. Unter großem Protest der Bevölkerung beschloss das Parlament auf Druck der internationalen Geldgeber neue massive Sparmaßnahmen. Ob das jetzt alles Sinn ergibt, sei dahingestellt, jedenfalls wurde diesem Krisenfaktor dadurch etwas die Schwere genommen.

Ungeachtet jener Probleme herrscht nach wie vor weltweit die Politik des billigen Geldes. Sollte diese endlich Wirkung zeigen — auch wenn die Skepsis darüber immer mehr zunimmt — und stabilisiert sich die Weltkonjunktur, dann könnte es l

Dienstag, 19. April 2016

Jetzt erst recht, meine Herren

Der schlechten Stimmung zum Trotz steigen die Aktienmärkte. Wir hatten das erwartet. Auch die OPEC kann daran nichts ändern. Schwieriger dürfte es dennoch werden – nicht zuletzt, weil der Mai kommt.

Der DAX scheint sie überwunden zu haben, die 10100er-Marke, an der er sich so lange abgearbeitet hat. Der Dow Jones indes steht bei 18000, was durchaus eine ordentliche Hürde ist. Aber das Allzeithoch von 18 500 Punkten ist auch nicht mehr so weit weg. Dass das ziemliche Widerstände waren und sind, hat man gemerkt, weil es zuletzt sehr volatil zugegangen ist an den Märkten. Die Stimmungswechsel waren sehr abrupt.

Aber insgesamt sind die Befindlichkeiten der Börsianer derzeit eher negativ — trotz der zuletzt doch deutlich gestiegenen Kurse! Ironischerweise ist das aber durchaus gut, das negative Sentiment. So sind weitere positive Überraschungen drin. Wir haben ja schon die vergangenen zwei Wochen immer wieder darauf hingewiesen, auf die vielen Sorgen der Börsianer.

Man erwartet ja nicht viel. In den USA etwa geht man davon aus, dass die gerade angelaufene Berichtssaison die schlechteste seit 2009 sein wird. Allerdings haben die Analysten und Unternehmen ihre Gewinnschätzungen so drastisch gesenkt wie seit fünf Jahren nicht mehr. Ergo wird es wohl mehr positive Gewinnüberraschungen geben als negative. Mit der Folge — man kann es nicht oft genug schreiben — dann doch eher steigender Kurse. Da beschleicht einen fast ein dia­bolischer Gedanke: Vielleicht ist die US-Konjunktur doch stabiler als gedacht?

Aber einer spuckt ja immer in die Suppe. Am Wochenende war es die OPEC, die Organisation erdölexportierender Länder. Der Versuch einiger Mitgliedsstaaten, die Fördermenge zu begrenzen, um die Preise zu stabilisieren, scheiterte kläglich. Der Ölpreis gab zunächst deutlich nach, und die Aktienmärkte, na ja, die hielten sich doch ganz passabel und stiegen nach anfänglichen Verlusten sogar wieder, der DAX sogar auf über 10 300 Punkte.

Was soll man also davon halten? Bisher war es ja so, dass ein fallender Ölpreis Hand in Hand ging mit ebenso fallenden Aktienkursen. Geht man davon aus, dass der Ölpreis wieder fällt, weil das nächste OPEC-Treffen erst im Juni stattfindet, müsste man jetzt eigentlich wieder mit nachgebenden Kursen an den Aktienmärkten rechnen. Es könnte aber auch ganz anders kommen. Zum einen stabilisierte sich der Ölpreis nach dem anfänglichen Minus wieder. Und gleichzeitig besteht durchaus die Möglichkeit, dass sich an den Märkten nun doch langsam die Idee durchsetzt, dass die relativ niedrigen Energiekosten — ganz egal ob das jetzt 30, 40 oder 50 Dollar pro Fass sind — ja eigentlich doch positiv sind für die Konjunkturentwicklung, da die Unternehmen schließlich eine Menge Kosten sparen. Wir hatten an dieser Stelle schon mehrmals über diese Möglichkeit geschrieben. Also ist auch hier — wie bei den Quartalszahlen — doch so einiges an Überraschungspotenzial denkbar.

Was also tun jetzt, der DAX ist schließlich ordentlich geklettert? Wer investiert ist, für den gilt: Gewinne laufen lassen und den nicht zu eng gesetzten Stop-Loss immer schön nachziehen. Wer die Rally bisher verpasst hat, der sollte kleinere Rücksetzer zum Einsteigen nutzen, denn diese werden mit Sicherheit auch wieder kommen, immerhin neigt sich der April ja schon dem Ende zu, und der eher schwierige Börsenmonat Mai steht vor der Tür. Ob dieses Jahr dann die alte Börsenregel „Sell in May and go away“ gilt, für diese Einschätzung ist es allerdings noch zu früh. Denn sie funktioniert ja nicht immer, diese Weisheit. Mehr dazu an dieser Stelle in den kommenden Wochen.