Dienstag, 3. Dezember 2019

Trump gibt’s, Trump nimmt’s


Die Jahresendrally läuft. Die Aktienkurse steigen weltweit. Und auch für das kommende Jahr sieht es gar nicht so schlecht aus, wie manche Börsenskeptiker vielleicht befürchten.

Das kann sich sehen lassen. Mit der Schlussglocke machte der DAX am letzten Handelstag des Novembers  den dritten Gewinnmonat in Folge perfekt. Um fast drei Prozent ging es in den zurückliegenden vier Wochen nach oben. Ein wichtiger Grund dafür ist die grundlegende Entspannung im chinesisch-amerikanischen Handelsstreit — trotz der zuletzt wieder aufgekommenen Zweifel. Die Ursache hierfür ist ein vom US-Kongress beschlossenes Gesetz, das die Demokratiebewegung in Hongkong stärken soll. Präsident Donald Trump hat es unterzeichnet, obwohl China von ihm ein Veto eingefordert hatte. Trump kündigte aber an, man wolle das Gesetz „differenziert betrachten“, es gehe darum, dass China und Hongkong „ihre Meinungsverschiedenheiten freundschaftlich regeln“.

Trump-Kritiker befürchten jetzt eventuell negative Auswirkungen auf die Handelsgespräche. Vermutlich zu Unrecht. Die in Hongkong erscheinende „South China Morning Post“ berichtet, dass man in Peking zwar verärgert sei, es aber Beobachtern zufolge unwahrscheinlich ist, dass die politische Führung Gegenmaßnahmen ergreift, die die laufenden Handelsgespräche untergraben. Vergeltungen gibt es trotzdem: Ab sofort dürften US-Kriegsschiffe nicht mehr in Hongkong Station machen, zudem seien Strafmaßnahmen gegen US-Organisationen wie Human Rights Watch geplant.

Nach lediglich durchwachsenen neuen Wirtschaftsdaten ist es ohnehin so, dass China ein starkes Interesse daran haben sollte, einen Deal mit den USA zu erreichen. So oder so leiden beide Volkswirtschaften unter den andauernden Zwistigkeiten. Chinas Exporte in die USA sind binnen Jahresfrist um 53 Milliarden Dollar gesunken – der stärkste Rückgang seit der Finanzkrise. Und umgekehrt sind die Ausfuhren der USA nach China um 33 Milliarden Dollar geschrumpft. Ermutigend also, dass es inzwischen Indizien dafür gibt, dass sich in der Volksrepublik so langsam richtig was tut.

Der Staatsrat hat laut Nachrichtenagentur Xinhua angekündigt, dass ...

Dienstag, 19. November 2019

Eskalation versus Deeskalation


Die Jahresendrally läuft. Viele der bisherigen Unsicherheitsfaktoren wiegen inzwischen weniger schwer, allen voran der Handelskonflikt. Allerdings sind Sorgen wegen der Lage in Hongkong angebracht .

Es gibt Zeiten, da sind die Gründe — oder besser: die Begründungen — für das Auf und Ab an den Börsen recht monothematisch. So auch in den zurückliegenden Wochen und Monaten. Hauptthema war und ist der Handelsstreit der USA mit China. Stehen die Zeichen auf Entspannung, steigen die Kurse, sieht es nach Eskalation aus, sinken sie. Verlässlich das Ganze. Und mit ziemlicher Sicherheit dürfte der Dauerbrenner Handelskonflikt auch noch in den kommenden Monaten für Kurssprünge weltweit sorgen. Mal rauf, mal runter. Wie gewohnt.

Aktuell zeigt die Tendenz wieder nach oben. Das lag an Larry Kudlow, dem Wirtschaftsberater von US-Präsident Donald Trump. Kudlow ließ nämlich wissen, dass eine Vereinbarung mit China näher rücke. Es würden „sehr konstruktive Diskussionen“ mit Peking geführt. Man benötige nur noch „wenige Federstriche“ bis zu einem ersten Abkommen. „Die Stimmung ist ziemlich gut“, so der Trump-Berater und ehemalige TV-Moderator.

Allerdings sprach Kudlow von einem ersten Abkommen, von „Phase 1.“ Aus den besagten Federstrichen wird also noch kein komplettes Handelsabkommen resultieren. Es wird weitere Verträge geben, von Phase 2 und 3 ist die Rede. Und man kann fast sicher sein, dass dies auch künftig wieder zu Streit führen wird, zu Eskalationen gefolgt von Deeskalationen und zu Kurssprüngen, mal rauf, mal runter. China bestätigte derweil die amerikanische Sichtweise: Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete am Sonntag von einem „konstruktiven“ Telefonat.

Weit weniger Einfluss auf die Börse, als man vielleicht annehmen könnte, haben bisher die Proteste in Hongkong. Dort wird die Lage immer verfahrener, und es sieht auf absehbare Zeit nicht nach einer Beruhigung aus. Die politischen Machthaber demonstrieren Härte, die Studenten weichen nicht zurück. Ernsthafte Vermittlungsversuche gab es bisher nicht, auch nicht von außen. Vermutlich würde sich Peking eine Einmischung in „innere Angelegenheiten“ auch verbitten. Gut möglich, dass sich das chinesische Militär darauf vorbereitet, im autonom verwalteten Hongkong einzugreifen: Am Wochenende zeigten sich erstmals seit Ausbruch des Konflikts chinesische Soldaten auf den Straßen der Metropole.

An den Märkten spielt dies indes (noch) fast keine Rolle. Zwar schwächelt der Hongkonger Hangseng-Index, der chinesische CSI-300-Index notiert dagegen in der Nähe seines Jahreshochs. Einen Teil trug die chinesische Zentralbank dazu bei, die zum ersten Mal seit 2015 den Leitzins senkte. Fast alle asiatischen Börsen tendierten in der Folge freundlich. Und im Rest der Welt geht es ohnehin nach oben: Der DAX ...

Dienstag, 12. November 2019

Am Gängelband der Politik

Es läuft wieder an den Märkten. Doch das ist kein Grund für Sorglosigkeit. Gerade die politischen Probleme dürften auch künftig immer wieder für Rücksetzer sorgen. Trotzdem bleiben wir insgesamt positiv.

Das waren richtig starke Börsentage. Der DAX liegt knapp unter seinem Allzeithoch, an der Wall Street wurden bereits neue Rekordstände erreicht. Wichtigster Treiber der Rally dürfte die erhöhte Notenbankliquidität sein, sowohl im Euroraum als auch in den USA. Dazu kommt, dass die Bilanzsaison bisher besser ausfällt als zuvor erwartet. Zwar haben die Gewinne der S&P-500-Unternehmen im zurückliegenden Quartal im Schnitt um etwa zwei Prozent nachgelassen, allerdings waren die Analysten von einem weit stärkeren Rückgang ausgegangen.

Derzeit haben bereits mehr als 80 Prozent der amerikanischen Unternehmen ihr neues Zahlenwerk vorgestellt — viel kommt da also nicht mehr. Daher könnte es jetzt durchaus auch zu einer Korrektur kommen, je nachdem, wie die aktuell anstehenden Konjunkturdaten ausfallen. Aus den USA beispielsweise kommen neue Daten zur Inflation und zu den so wichtigen Einzelhandelsumsätzen. Und aus China gibt es Zahlen zur Entwicklung der Industrieproduktion.

So oder so: Die Jahresendrally sollte man trotz einer jetzt möglichen Korrektur nicht abschreiben. Jerome Powell, Chef der US-Notenbank Fed, wird vor dem Kongress aussagen, was durchaus für starke Impulse sorgen kann. Und auch US-Präsident Donald Trump hält eine von den US-Medien mit Spannung erwartete Rede. Trump ist im Wahlkampfmodus und wird sich in seiner Ansprache wohl auf wirtschaftliche Themen konzentrieren.

Mittelfristig wird man als Anleger aber wohl immer wieder mit ordentlichen Korrekturen rechnen müssen. Denn gerade die politischen Risiken werden immer wieder hochkochen. Etwa das Thema Handelsstreit. Hier geht es hin und her — wie bei Trump nicht anders zu erwarten. Denn nur 24 Stunden nach der von China und den USA verkündeten grundsätzlichen Übereinkunft schürte der US-Präsident wieder Zweifel. Er habe der schrittweisen Rücknahme der verhängten Zölle noch nicht zugestimmt.

Dabei wäre ein echter Durchbruch hier wichtig. Das politische Risiko würde deutlich sinken. Ebenso, wenn ein harter Brexit vermieden wird. Oder wenn sich in Krisenländern wie Spanien endlich stabile politische Verhältnisse einstellen. „Das allein würde einen Anstieg ...

Dienstag, 5. November 2019

Märkte im Kampfmodus

Es geht ordentlich aufwärts mit den Kursen. Weil die Notenbanken weiterhin viel Geld drucken. Und weil sich China und die USA im Handelsstreit wohl endlich zu einigen scheinen.

Es hat tatsächlich geklappt. Schon am Wochenanfang kletterte der DAX wieder über die 13 000-Punkte-Marke. Zuletzt befand sich der deutsche Leitindex im Juni 2018 auf diesem Niveau. Schon in der Vorwoche hatte der deutsche — wie auch alle anderen wichtigen Aktienmärkte — von der Zinssenkung der Fed profitiert. So erreichten der Dow Jones, der S & P 500 wie auch der Nasdaq Composite jeweils ein neues Allzeithoch.

Eben auch dank der US-Notenbank, die den Leitzins seit Juli zum dritten Mal in Folge um 0,25 Prozentpunkte reduzierte. Die Bandbreite liegt damit jetzt zwischen 1,5 und 1,75 Prozent. Die Aktion der Fed ist indes wohl eher eine Vorsichtsmaßnahme als der Not geschuldet. Die ökonomischen Rahmenbedingungen sind gar nicht so schlecht. Sie haben sich zwar insgesamt etwas eingetrübt, doch die BIP-Daten für das dritte Quartal wie auch die Arbeitsmarktdaten für Oktober lagen über den Erwartungen. 128 000 neue Jobs gab es im zurückliegenden Monat. Zudem wurden die September-Zahlen von 136 000 auf 180 000 deutlich nach oben revidiert. Zusammen mit der intakten Konsumneigung sowie gewachsenen Exporten ergibt sich ein moderat positives Bild für die US-Wirtschaft.

Die dortige Zentralbank geht daher von anhaltendem Wirtschaftswachstum aus, „aber es bestehen bei dieser Prognose weiter Unsicherheiten“, sagte Fed-Chef Jerome Powell mit Blick auf das global schwächere Wachstum. Der Inflationsdruck sei derzeit gering. Der gegenwärtige Zins werde „wahrscheinlich angemessen bleiben“, solange es keine unerwartete und drastische Veränderung der Wirtschaftsentwicklung gebe.

Besser scheint es auch in Fernost zu laufen. So überraschten ...

Dienstag, 29. Oktober 2019

Die Jahresendrally kann kommen

Der Oktober endet mit einem ordentlichen Kursplus. Was wohl dran liegt, dass die Lage besser ist als die Stimmung. Außerdem zeichnen sich in Bezug auf wichtige Unsicherheitsfaktoren Lösungen ab.

Eine Ära geht zu Ende: Zum 1. November endet die Amtszeit des bisherigen EZB-Chefs Mario Draghi. Nachfolgerin wird Christine Lagarde, die bisherige Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF). An der Politik der Europäischen Zentralbank wird sich aber grundlegend nichts ändern. Lagarde wird sicherlich bei der ultralockeren Geldpolitik bleiben. Der schwelende Handelskonflikt, die Probleme in der Eurozone, der Brexit sowie die aktuellen konjunkturellen Sorgen liefern dafür schließlich genügend schlagkräftige Argumente.

An den Börsen geht es derweil weiter bergauf. Die Kurse klettern buchstäblich die „Wall of Worry“ hinauf, die Wand der Angst. Es ist wohl recht einfach: Die Lage ist nicht so dramatisch, wie die Stimmung pessimistisch ist. Man sieht das auch gut an der gerade laufenden Berichtssaison. Von den gut 170 Unternehmen des amerikanischen Leitindex S & P 500, die bisher ihre Gewinn- und Umsatzzahlen veröffentlichten, haben über 80 Prozent die Erwartungen übertroffen. Hauptgrund: Die Analysten hatten im Vorfeld ihre Prognosen zurückgeschraubt, so dass die Latte für positive Überraschungen jetzt entsprechend niedrig hängt.

Hinzu kommt die laxe Politik der EZB und der amerikanischen Notenbank Fed. „In politisch schwierigen Börsenzeiten stabilisiert das ‚lower for longer‘ ohne Zweifel die Aktienmärkte via Liquiditätshausse“, kommentiert Robert Halver, Börsenexperte der Baader Bank.

Und so kommt es eben, dass der DAX seit Ende September um gut vier Prozent ....

Dienstag, 15. Oktober 2019

„Jetzt ist es ein Liebesfest“

Im Handelskonflikt zwischen den USA und China scheint sich eine Lösung anzubahnen. Der US-Präsident gibt sich fast euphorisch. Das sollte den stagnierenden Märkten helfen.

Es kommt tatsächlich Bewegung in die Sache: In dem schon seit gut einem Jahr andauernden Handelskonflikt mit China hat US-Präsident Donald Trump am vergangenen Wochenende eine Einigung verkündet. Ein Teilabkommen soll unterzeichnet werden. Es sei „Phase 1“ eines umfassenden Handelsvertrags, in dem es zunächst um Themen wie Finanzdienstleistungen, Währungsfragen, Agrarprodukte sowie um den Schutz geistigen Eigentums geht.

Vorausgegangen war ein Treffen mit dem chinesischen Vize-Ministerpräsidenten und Chefunterhändler in Sachen Handelskonflikt Liu He in Washington. Ein Anfang scheint also gemacht, weitere Streitpunkte sollen dann in einer zweiten und womöglich dritten Phase geklärt werden. An den Börsen wurde die Nachricht zunächst positiv aufgenommen, auch wenn China in einer ersten Reaktion etwas zurückhaltender reagierte und von „substanziellen Fortschritten“ sprach. Die Kurse in den USA, Europa und Asien machten jedenfalls einen Sprung, gaben dann aber wieder etwas nach, weil es eben bislang nur eine „mündliche“ Vereinbarung ist. Trump kündigte jedoch an, dass das Abkommen vermutlich beim Treffen mit Chinas Staatspräsidenten Xi Jinping auf dem Gipfeltreffen der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (APEC) in Chile am 16. und 17. November unterzeichnet werden soll.

Trump jedenfalls ist guter Dinge und verkauft sich als Sieger: „Es gab viele Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und China, und jetzt ist es ein Liebesfest“, sagte er. „Das ist eine gute Sache. Das ist gut für China, es ist gut für uns, aber es ist auch gut für die Welt.“ Gut ist es auch für ihn selbst. Denn einen Erfolg hat Trump dringend nötig. Die täglich neuen Details zur Ukraine-Affäre setzen ihn mächtig unter Druck. Und da auch die konjunkturellen Alarmzeichen zunehmen, muss der Präsident in seiner Paradedisziplin andere Erfolge vorweisen — das sind nun eben einmal die Ökonomie und die Börse, über die er sich definiert.

Ein Ende des Konflikts mit China dürfte viele amerikanische Unternehmen beruhigen. ...

Mittwoch, 9. Oktober 2019

Warten auf die großen Deals

Die Börsen stagnieren und könnten weiter fallen. Es sei denn, es kommt zu einigen grundlegenden Entscheidungen.

Die Märkte hängen erst einmal fest, die Korrektur hat etwas größere Ausmaße angenommen. Der Grund ist recht simpel: Es fehlt an fundamentalen Triebfedern, die den Indizes über ihre starken Widerstände hinweghelfen könnten — der DAX kommt bislang nicht nachhaltig über 12 400/12 500 Punkte hinaus, und der Dow Jones prallt immer wieder von der 27 000er-Marke ab. Zwar ist die Bewertung an den Börsen nicht übermäßig teuer, aber eben auch nicht besonders billig. Dazu kommt, dass die Prognosen für die Unternehmensgewinne zuletzt recht moderat ausfielen, Indikatoren wie der ISM--Einkaufsmanagerindex doch deutlich nachließen, andere wie der Arbeitsmarktbericht Licht und Schatten zeigten und damit auch nicht für bessere Laune sorgen konnten. Dennoch — und das ist wichtig — sieht es auch weiterhin und trotz der schlechteren Daten nicht nach einer anstehenden Rezession aus. 

Es ist also gar nicht so abwegig, dass die Märkte in den folgenden Handelstagen noch etwas weiter nachlassen, bevor sie einen Boden finden. Es sei denn, es passiert Entscheidendes in den eher politischen Problemfeldern dieses Jahres. Denn da ist richtig was los.

Da wäre der Handelskonflikt. Zum Ende der Woche reist Chinas Vizeministerpräsident Liu He nach Washington, um mit Finanzminister Steven Mnuchin und dem Handelsbeauftragten Robert Lighthizer erneut über eine Einigung zu beraten. Vielleicht kommt dabei etwas heraus. US-Präsident Donald Trump ließ jedenfalls wissen, dass die Handelsgespräche nun eine wichtige Phase erreicht hätten und die Möglichkeit für einen Deal mit China bestünde. Eine baldige Einigung dürfte im Sinne von Trump sein. 2020 ist Wahljahr. Mit einer schwächelnden Wirtschaft dürfte ihm die Wiederwahl kaum gelingen.

Was eher gegen eine schnelle Lösung spricht, ist der Fall Huawei. Trotz der anstehenden Handelsgespräche steht der chinesische Technologiekonzern immer noch auf der Sanktionsliste der Amerikaner, die zudem Indien und andere Länder vor den Gefahren warnen, die von Huawei ausgehen. Zum Ärger der Chinesen.

Auch in Sachen Brexit scheint sich etwas zu tun. ...

Mittwoch, 21. August 2019

Bunter Krisencocktail

Ein ganzer Reigen aus negativen Nachrichten belastet derzeit die Börsen. Seit Neuestem sorgen auch die Unruhen in Hongkong für Unsicherheit. Und natürlich weiterhin Donald Trump.

Es geht hin und her. Die Stimmung an den Aktienmärkten ist hoch nervös. Gründe dafür gibt es viele. Unter anderem sind es auch die Ereignisse an den Rentenmärkten. Dort sind nämlich die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen unter das Renditeniveau der zweijährigen Papiere gefallen. Inverse Zinskurve heißt das im Volkswirte-Jargon. Und diese Inversion deutet darauf hin, dass Anleger in Zukunft deutlich niedrigere Zinssätze respektive Inflationsraten erwarten — was typischerweise dann der Fall ist, wenn die Konjunktur schwächelt und eine Rezession im Anmarsch ist.

Angesichts solcher Aussichten neigt dann mancher gleich zur Panik. Denn: „Es gibt Statistiken, die zeigen, dass in den USA eine Inversion der Zinskurve in den vergangenen 70 Jahren immer der Vorbote einer Rezession war“, schreibt Ali Masarwah vom Analysehaus Morningstar in seiner sehr treffenden Kolumne „Ist der liebe Gott eine Zinsstruktur?“.

Allerdings, und das ist der große Unterschied zu den zurückliegenden 70 Jahren, haben die Notenbanken in den vergangenen Jahren mit ihren Anleihekaufprogrammen dazu beigetragen, die Renditen langlaufender Papiere nach unten zu drücken. Die Aussagekraft des Indikators wird dadurch geschmälert, vielleicht sogar ganz ausgehebelt. „Halten wir also fest, dass die Zinskurve ein Signal unter vielen ist, wie es auch andere volkswirtschaftliche Indikatoren sind, die wir alltäglich in den Nachrichten hören“, so Masarwah weiter. Eine Meinung, der wir uns gern anschließen.

Neben zahlenbasierten Indikatoren — wie eben der Zinskurve — sind es derzeit ...

Dienstag, 13. August 2019

Ruhe nach dem Sturm

Der Sommer bleibt schwierig für Aktienanleger. Die USA und China tragen beide ihren Teil dazu bei. Trotzdem kommt man an Aktien kaum vorbei. Auch weil die Zinsen niedrig bleiben.

Die Märkte haben sich wieder etwas beruhigt nach den zuletzt recht turbulenten Tagen mit US-Zinssenkung, neuer Eskalation im amerikanisch-chinesischen Handelsstreit und den immer massiver werdenden Protesten in Hongkong. Trotzdem wird man sich auf die neuen Gegebenheiten wohl erst noch einstellen müssen.

Denn gerade das Unverständnis zwischen den USA und China hat sich wohl vertieft. „China scheint den breiten politischen Konsens in der US-Politik zwischen Republikanern und Demokraten über Pekings zutiefst unausgewogene und unfaire Verwendung von Handelsregeln und seinen Mangel an Respekt vor geistigem Eigentum unterschätzt zu haben“, sagt etwa Benjamin Melman, Chef-Investor beim Geldverwalter Edmond de Rothschild. Es sei aber auch umgekehrt so, dass die USA anscheinend nicht einkalkuliert haben, dass einige ihrer Forderungen als Angriff auf die chinesische Souveränität angesehen würden.

Die schlechte Nachricht dabei: Es wurden bereits einige potenziell gefährliche Eskalationsstufen zwischen den USA und der Volksrepublik erreicht. Die gute Nachricht: Keines der beiden Länder hat letztlich ...

Dienstag, 6. August 2019

Aggression und Reaktion

Das Thema Handelsstreit beherrscht wieder die Börsenentwicklung. Dass China ganz offensichtlich sogar jetzt den Yuan abwertet, ist dabei die jüngste Form der Eskalation.

Eine richtig heftige Woche war das! Die US-Notenbank Fed senkte den Zinssatz um 25 Basispunkte — was an den Märkten durchaus positiv aufgenommen wurde, die Aktienkurse stiegen zunächst. Doch danach war es wieder einmal an US-Präsident Donald Trump, den Lauf an den Börsen zu verändern.

Der schwang in seiner gewohnten Art die rhetorische Keule, indem er — natürlich per Tweet — zusätzliche Strafzölle auf chinesische Waren ankündigte. Umgehend stürzten die Kurse wieder ab, deutlicher als sie zuvor gestiegen waren. Damit war und ist das alte Thema Handelskonflikt wieder ein wichtiger Faktor an den Aktienmärkten.

Denn die Retourkutsche aus Peking kam prompt: Die Notenbank, die People’s Bank of China, scheint nämlich auf neuem Kurs und hat die Stützung der Landeswährung offensichtlich aufgegeben. Anfang der Woche rutschte der Yuan auf den tiefsten Stand seit elfeinhalb Jahren. Erstmals seit 2008 kostet ein Dollar wieder mehr als sieben Yuan. Effekt: Durch die Abwertung werden chinesische Exporte in den Dollarraum billiger. Die Strafzölle der USA werden somit zu einem guten Teil kompensiert und verfehlen ihre Wirkung. Und damit nicht genug: Zusätzlich wurden Chinas Unternehmen von Peking angewiesen, keine Agrarprodukte aus den USA mehr zu importieren.

Trumps Handeln ist vermutlich wieder politisch motiviert. Ein Blick auf die Wahlumfragen zeigt, dass sein harsches Vorgehen in Sachen China bei vielen Wählern ...