Dienstag, 21. Juni 2016

Die Woche der Wahrheit

Jetzt gilt’s. Aktien sind günstig, daran gibt es kaum Zweifel. Politisch droht dagegen Ungemach. Eifrige Leser wissen warum, eifrige Anleger auch. Also besser abwarten, bis wieder mehr Klarheit herrscht.

Vielleicht eine gewagte Aussage: Aber es scheint doch, als ob es dem DAX besser geht, als es sein aktueller Punktestand und die wankelmütige Stimmung suggerieren. Angst vor dem Brexit, die Wahlgewinne europakritischer Politiker in Italien, Furcht vor dem China-Crash und Sorgen um die US-Zinswende hin oder her — die Unternehmensergebnisse des ersten Quartals haben doch eigentlich gezeigt, dass auf Firmen-ebene gut verdient wird. Prompt haben ja auch die Analysten ihre Prognosen korrigieren müssen. Nach oben wohlgemerkt.

Für das laufende Jahr gehen sie nun davon aus, dass die Gewinne bei den DAX-Unternehmen um fünf Prozent höher ausfallen werden als 2015. Ähnliches gilt für 2017. Dies rechtfertigt eigentlich einen DAX-Stand, der eher bei 11000 bis 11500 als bei 9500 oder 10000 liegt. Das bestätigt auch eine Studie der LBBW: Wäre der deutsche Leitindex mit seinem historischen KGV-Median bewertet, also fair, wie das im Branchenjargon heißt, dann sollte er derzeit bei 11300 Punkten notieren.

Dies ist bekanntlich nicht der Fall, man kann also von einer aktuell doch sehr starken Risikoaversion der Anleger ausgehen. Momentan liegt das Forward-KGV, also die Bewertung anhand der künftig erwarteten Gewinne für den DAX, bei gerade mal 11,2. Zum Vergleich: Laut Berechnungen der LBBW verläuft die Grenze zu den 20 Prozent günstigsten DAX-Bewertungen seit Indexstart im Jahr 1988 bei einem KGV von 11,5. Aktuell liegt man also darunter.

Klar lässt sich jetzt argumentieren, dass Aktien ...

Dienstag, 14. Juni 2016

Alles ordentlich unter Wasser

Die Unsicherheiten machen den europäischen Börsen zu schaffen. Besser hält sich die Wall Street. Hier ist sogar das Allzeithoch noch in Reichweite. Worauf Anleger die kommenden Tage achten müssen.

Das nennt man volatil! Der DAX kann sein Niveau von 10 350 Punkten nicht halten, rutscht wieder ab auf 9500. In nur wenigen Tagen. In den USA indes lassen die Kurse zwar auch nach, aber der Rückgang bleibt im Rahmen. Der Dow Jones fällt von 18 000 Punkten auf 17 700 (Stand Redaktionsschluss Dienstag). Was ist da los? An der deutschen Börse ein Minus von acht Prozent, in New York dagegen nur zwei Prozent. Übertreibt man da wieder mal auf dem alten Kontinent?

Fakt ist: Der Juni könnte spannender kaum sein. Da ist die US-Notenbank, die zum Erscheinungstag dieser Ausgabe von BÖRSE ONLINE ihre neuesten Ideen zum Fortgang ihrer Leitzinspolitik verlauten lässt. Dann ist da das Bundesverfassungsgericht, das in der kommenden Woche am 21. Juni darüber befindet, ob die umfangreichen Anleiheaufkäufe der Bundesbank überhaupt rechtmäßig waren. Je nach Befund, könnte es zu einem Kursrutsch bei Euro-Staatsanleihen kommen. Und dann ist da der Entscheid in Großbritannien, ob man noch Teil der Europäischen Union sein will oder doch lieber der Splendid Isolation frönt und den Brexit tatsächlich durchzieht. Wagen die Briten das, dann dürfte die beschriebene Volatilität noch zu keinem Ende kommen.

Ach ja, und als ob all dies nicht reichte, macht man sich inzwischen erneut Sorgen um China und darum, ob denn das verhaltene Wachstum dort sich nicht doch schlimmer auf das globale Gefüge auswirkt als bisher angenommen.

Doch wie schlimm ist die Situation wirklich? Weder Inflations- noch Konjunkturdaten ...

Dienstag, 7. Juni 2016

Guter Rat, gute Tat

Es läuft. DAX und Dow steigen – trotz Brexit-, Zins-, China- und anderer Sorgen. Denn es gibt auch gute Nachrichten. Die Aktienkurse steigen nicht ohne Grund. Eine Zusammenfassung.

Vergangene Woche starteten wir hier mit der Aussage: „Das sieht doch gar nicht so schlecht aus.“ Diese Woche könnten wir das erneut tun. Denn allen Unkenrufen zum Trotz geht es an den Märkten nach oben. Unser seit Wochen wiederholter Rat, an schwächeren Tagen nachzukaufen, war und ist also gültig.

Und das, obwohl — oder eben vielleicht gerade, weil — derzeit noch viele grundlegende politische Entscheidungen getroffen werden, die auch Auswirkungen auf Wirtschaft und Finanzmarkt haben. Am 21. Juni beispielsweise gibt das Bundesverfassungsgericht bekannt, ob denn der Anleiheaufkauf durch die Bundesbank rechtmäßig ist. Wenn nicht, dann hätte die Europäische Zentralbank EZB ein Problem und müsste bei der Unterstützung kriselnder Eurostaaten ohne Deutschland auskommen. Man kann sich kaum vorstellen, dass dies funktioniert. Die Eurokrise würde wohl wieder aufflammen.

Zwei Tage später dann die Abstimmung  bei unseren britischen Nachbarn, ob man nun im EU-Klub bleiben will oder nicht. Käme es zum Brexit, wäre wohl ordentlich was los an den Märkten. Die Folgen sind kaum abzuschätzen und die Kurse dürften heftig schwanken. Und last, not least der Zinsentscheid in den USA, der schon kommende Woche ansteht. Geht es weiter rauf mit dem Leitzins oder nicht? Und wenn ja, wie geht es danach weiter?

Die Börse indes scheint sich darum nicht zu kümmern. Seit Aschermittwoch — wie sinnig — geht es nach oben. Beim DAX wie auch beim Dow. Letzterer ist sogar schon in Reichweite seines Allzeithochs. Auch der VDAX, also der Volatilitätsindex, der die erwarteten Schwankungen der Kurse misst, liegt mit derzeit ...

Mittwoch, 1. Juni 2016

Da wird ein Schuh draus

Gute Stimmung. Der DAX ist zuletzt wieder gestiegen. Der Dow Jones steht sogar kurz vor einem neuen Rekordhoch. Und es gibt einige gute Gründe, dass die Kursrally noch eine Weile dauern wird.

Das sieht doch gar nicht so schlecht aus. Der Rat der vergangenen Wochen, an schwächeren Börsentagen zuzukaufen, hat sich als richtig erwiesen. Von wegen: „Sell in May!“ Wohl eher: „Buy in May!“ Sowohl die europäischen wie auch die amerikanischen Börsen sind gestiegen  — Dow Jones und S & P 500 sind sogar nicht mehr weit von ihren Rekordhochs entfernt. Technisch gesehen läuft der Laden also. Und auch fundamental gibt es gute Gründe, investiert zu bleiben.

Fast scheint es so, als ob die Brexit-Ängste zumindest bei den Anlegern nachließen — obwohl der Ausgang der Abstimmung weiterhin höchst ungewiss ist. Hinzu kamen in den zurückliegenden Wochen erfreulich robuste Konjunkturdaten. Mitte Februar war das noch ganz anders, da war die Stimmung schlecht wie selten. Seither jedoch sind immer weniger wichtige Wirtschaftsdaten hinter den Erwartungen  zurückgeblieben.

Die Kurserholung könnte also weiterhin dauern. Denn teuer ist der Markt nicht  — egal ob das Kurs-Gewinn-Verhältnis oder die Dividendenrendite herangezogen wird. DAX-Aktien etwa sind im langfristigen Vergleich durchschnittlich bewertet. Und im Vergleich zu Zinspapieren kann man nur zu einem Schluss kommen: Aktien sind derzeit billig.

Wenn man jetzt noch davon ausgeht, dass viele ...

Montag, 23. Mai 2016

Nix Halbes und nix Ganzes

Was für ein Geduldsspiel! Bei DAX und Dow Jones tut sich nicht viel. Da ist es nicht falsch, sich nach Alternativen umzuschauen – etwa in den schönen Gefilden des einen oder anderen Schwellenlands.

Tja, was ist das denn nun für eine Gemengelage? Die Indizien, die für weitere Zinserhöhungen der US-Notenbank sprechen, nehmen zu. Da gibt es zum einen positive Signale von der Konjunktur selbst — etwa die anziehende, sich leicht normalisierende Inflationsrate. Und zum anderen sind es die Aussagen der US-Notenbanker, die darauf hindeuten. Es gibt derzeit, um die übliche Analogie zur Tierwelt herzustellen, deutlich mehr geldpolitische Falken („Hawks“) als Tauben („Doves“). Und letztlich sieht man eine Tendenz zu weiteren Zinsschritten am amerikanischen Zinsmarkt selbst, bei dem die Zinsstruktur tatsächlich auch schon weitere Erhöhungen andeutet.

Andererseits gibt es jede Menge Beobachter, die davor warnen, die Daten zur Konjunktur überzubewerten. Da ist von Strohfeuer die Rede, oder es gibt gar grundlegende Zweifel an der „Datenqualität“. Und die Notenbank Fed, tja, die könne schon auch mal ihre Meinung ändern. Ohnehin befürchten viele, dass die Fed über das Ziel hinausschießt. Mit zu häufigen und zu schnellen Zinserhöhungen zum falschen Zeitpunkt könne sie durchaus eine

Mittwoch, 18. Mai 2016

Warten auf den Knackpunkt

Es läuft weiter seitwärts. Sowohl Bullen als auch Bären haben jeweils gute Argumente für steigende wie für fallende Kurse. Allein es fehlt an einem entscheidenden Impuls – noch jedenfalls.

Seit Wochen kommt der DAX nicht mehr vom Fleck. Mal notiert er über der Marke von 10 000 Punkten, mal darunter. Für so ein Hin und Her werden dann schöne Vokabeln wie „Schaukelbörse“ oder „Sägezahnbörse“ bemüht. Das ist einigermaßen bildhaft, dem Anleger hilft es indes nicht weiter. Es sei denn, er ist Daytrader und hat einen Mordsspaß am kurzfristigen Auf und Ab.

Was fehlt, das sind Impulse. Irgendwas, was für einen Stimmungsumschwung sorgt, egal ob dies dann zu einem Auf- oder Abschwung führt. Man denke beispielsweise an den Volksentscheid zum Brexit. Hauptsache Bewegung!

Abseits von den fehlenden Impulsen ist es ja so, dass die niedrigen Zinsen weiterhin für Aktien sprechen. Doch was hilft’s? Es bleibt L’art pour l’art, wenn sich denn beim Wachstum rund um den Globus nichts Entscheidendes tut.

Gleichzeitig ist es auch richtig, dass es wieder einige gute Gründe für fallende Kurse gibt. Dies sind beispielsweise die eher schlechten Nachrichten, was die chinesische Wirtschaft angeht, oder schlicht der Saisonalitätsaspekt, weil die Börse ab Mai selten wirklich gut läuft. Jedoch verhindert der viel zitierte „Anlagenotstand“, der durch die Mickerzinsen und die hohe Liquidität der Notenbanken verursacht wurde, ganz offensichtlich einen größeren Kursrutsch. „Die Geldpolitik hat ein Sicherheitsnetz für Aktien gespannt“, erklärt -Robert Halver, Marktstratege bei der Baader Bank. Eine Meinung, der man sich anschließen kann.

Vielleicht greift die berühmt-berüchtigte Börsenweisheit „Sell in May and go away“ dieses Jahr ja auch deswegen noch nicht, weil es zwischen Januar und April schlicht keine rechten Gewinne gab, die wieder abzugeben wären. Zumindest schaut es aktuell danach aus. Dass sich die Börse hält, liegt auch am Ölpreis. Der steigt nämlich, was als Indiz gedeutet werden kann, dass es um die Weltwirtschaft doch nicht so schlecht steht. Sowohl der Preis für die US-Ölsorte WTI wie auch der für die Nordsee-Ölsorte Brent tendiert langsam, aber sicher in Richtung 50 Dollar pro Fass. Gründe sind die

Mittwoch, 11. Mai 2016

Eine Art Pattsituation – immer noch

Der Markt hängt fest – mal wieder. Es fehlt an Impulsen. Nach oben geht wenig, nach unten ebenso. Da ist Geduld gefragt und etwas Geschick. Wie es weitergeht . 

Es bleibt zunächst dabei: Am Aktienmarkt mag man sich bisher nicht recht entscheiden, ob es jetzt nachhaltig nach oben geht oder doch noch einmal ordentlich nach unten. Vor allem die großen Adressen halten sich mit Käufen immer noch zurück — gerade wenn es um zyklische Aktien geht. Die Bedenken der institutionellen Investoren sind dabei wohl immer noch die vom Jahresanfang: Da ist die Sorge um eine konjunkturelle Abkühlung in Absatzmärkten wie China, aber auch recht vage Unsicherheitsfaktoren wie der mögliche Brexit, der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union.

In Griechenland kehrt indes so etwas wie Ruhe ein. Unter großem Protest der Bevölkerung beschloss das Parlament auf Druck der internationalen Geldgeber neue massive Sparmaßnahmen. Ob das jetzt alles Sinn ergibt, sei dahingestellt, jedenfalls wurde diesem Krisenfaktor dadurch etwas die Schwere genommen.

Ungeachtet jener Probleme herrscht nach wie vor weltweit die Politik des billigen Geldes. Sollte diese endlich Wirkung zeigen — auch wenn die Skepsis darüber immer mehr zunimmt — und stabilisiert sich die Weltkonjunktur, dann könnte es l

Dienstag, 19. April 2016

Jetzt erst recht, meine Herren

Der schlechten Stimmung zum Trotz steigen die Aktienmärkte. Wir hatten das erwartet. Auch die OPEC kann daran nichts ändern. Schwieriger dürfte es dennoch werden – nicht zuletzt, weil der Mai kommt.

Der DAX scheint sie überwunden zu haben, die 10100er-Marke, an der er sich so lange abgearbeitet hat. Der Dow Jones indes steht bei 18000, was durchaus eine ordentliche Hürde ist. Aber das Allzeithoch von 18 500 Punkten ist auch nicht mehr so weit weg. Dass das ziemliche Widerstände waren und sind, hat man gemerkt, weil es zuletzt sehr volatil zugegangen ist an den Märkten. Die Stimmungswechsel waren sehr abrupt.

Aber insgesamt sind die Befindlichkeiten der Börsianer derzeit eher negativ — trotz der zuletzt doch deutlich gestiegenen Kurse! Ironischerweise ist das aber durchaus gut, das negative Sentiment. So sind weitere positive Überraschungen drin. Wir haben ja schon die vergangenen zwei Wochen immer wieder darauf hingewiesen, auf die vielen Sorgen der Börsianer.

Man erwartet ja nicht viel. In den USA etwa geht man davon aus, dass die gerade angelaufene Berichtssaison die schlechteste seit 2009 sein wird. Allerdings haben die Analysten und Unternehmen ihre Gewinnschätzungen so drastisch gesenkt wie seit fünf Jahren nicht mehr. Ergo wird es wohl mehr positive Gewinnüberraschungen geben als negative. Mit der Folge — man kann es nicht oft genug schreiben — dann doch eher steigender Kurse. Da beschleicht einen fast ein dia­bolischer Gedanke: Vielleicht ist die US-Konjunktur doch stabiler als gedacht?

Aber einer spuckt ja immer in die Suppe. Am Wochenende war es die OPEC, die Organisation erdölexportierender Länder. Der Versuch einiger Mitgliedsstaaten, die Fördermenge zu begrenzen, um die Preise zu stabilisieren, scheiterte kläglich. Der Ölpreis gab zunächst deutlich nach, und die Aktienmärkte, na ja, die hielten sich doch ganz passabel und stiegen nach anfänglichen Verlusten sogar wieder, der DAX sogar auf über 10 300 Punkte.

Was soll man also davon halten? Bisher war es ja so, dass ein fallender Ölpreis Hand in Hand ging mit ebenso fallenden Aktienkursen. Geht man davon aus, dass der Ölpreis wieder fällt, weil das nächste OPEC-Treffen erst im Juni stattfindet, müsste man jetzt eigentlich wieder mit nachgebenden Kursen an den Aktienmärkten rechnen. Es könnte aber auch ganz anders kommen. Zum einen stabilisierte sich der Ölpreis nach dem anfänglichen Minus wieder. Und gleichzeitig besteht durchaus die Möglichkeit, dass sich an den Märkten nun doch langsam die Idee durchsetzt, dass die relativ niedrigen Energiekosten — ganz egal ob das jetzt 30, 40 oder 50 Dollar pro Fass sind — ja eigentlich doch positiv sind für die Konjunkturentwicklung, da die Unternehmen schließlich eine Menge Kosten sparen. Wir hatten an dieser Stelle schon mehrmals über diese Möglichkeit geschrieben. Also ist auch hier — wie bei den Quartalszahlen — doch so einiges an Überraschungspotenzial denkbar.

Was also tun jetzt, der DAX ist schließlich ordentlich geklettert? Wer investiert ist, für den gilt: Gewinne laufen lassen und den nicht zu eng gesetzten Stop-Loss immer schön nachziehen. Wer die Rally bisher verpasst hat, der sollte kleinere Rücksetzer zum Einsteigen nutzen, denn diese werden mit Sicherheit auch wieder kommen, immerhin neigt sich der April ja schon dem Ende zu, und der eher schwierige Börsenmonat Mai steht vor der Tür. Ob dieses Jahr dann die alte Börsenregel „Sell in May and go away“ gilt, für diese Einschätzung ist es allerdings noch zu früh. Denn sie funktioniert ja nicht immer, diese Weisheit. Mehr dazu an dieser Stelle in den kommenden Wochen.

Mittwoch, 13. April 2016

Die Angst vor der Zahlenflut

Die Gewinne der US-Aktiengesellschaften gehen zurück. Zumindest deutet sich das zum Start 
der Berichtssaison an. Doch deswegen müssen die Kurse noch längst nicht fallen: Warum das so ist.

Es ist wieder so weit. In den USA beginnt die Berichtssaison, die Unternehmen veröffentlichen ihre Quartalszahlen. Und wie immer macht der Aluminium­konzern Alcoa den Anfang. Oder besser: machte den Anfang. Am Montag wurden Umsatz- und Gewinnzahlen für das erste Quartal 2016 veröffentlicht. Und die waren schlecht. Zwar sank der Gewinn nicht ganz so schlimm wie befürchtet, aber mit dem Umsatz ging es deutlich stärker abwärts als erwartet. Da stellt sich natürlich die Frage: Sind die Alcoa-News ein Hinweis darauf, dass die ganze Berichtssaison eine Katastrophe wird? Wenn ja, dann steht uns einiges bevor.

Man rechnet ja schon mit zahlreichen Enttäuschungen. Die Analysten von Factset Research jedenfalls gehen davon aus, dass die Unternehmen, die im marktbreiten S & P-500-Index vertreten sind, im Schnitt wohl rund neun Prozent weniger verdienen werden. Das ist zwar nur eine Prognose, kommt es aber so, dann ist das schon eine Menge Holz. Und es wäre auch kein Ausreißer — die Börsianer müssten damit schon das dritte Quartal in Folge einen Gewinnrückgang hinnehmen.
Trotzdem muss das nun nicht der Start für weitere Kursrückgänge an der Börse New York sein — und in der Folge ebenso an den europäischen Marktplätzen. Denn auch im zurückliegenden Jahr war das nicht so. Im Gegenteil: Es hätte sich sogar ausgezahlt, gerade zu Beginn der jeweiligen Berichtssaison zu kaufen. Und das, obwohl bei zweien der Quartale Gewinnrückgänge vorhergesagt worden waren.

Einer der Gründe für das gute Abschneiden gerade während der Berichtssaison ist die generelle Tendenz, dass bei Vorlage der Zahlen die Erwartungen der Analysten übertroffen werden. Im vergangenen Jahr war es jedenfalls so, dass die tatsächlichen Gewinne die Prognosen im Schnitt um vier Prozent übertrafen. Dies relativiert den erwarteten Rückgang von neun Prozent natürlich. Dennoch: Rückgang ist Rückgang. Ohne Gewinne tut sich am Markt nichts. Eine echte und nachhaltige Erholung der Märkte braucht eben Gewinnsteigerungen. Was dem Markt in den kommenden Wochen also guttäte, wären optimistische Äußerungen der Unternehmen hinsichtlich des Ausblicks.

Das ist auch deswegen notwendig, weil die Aktionen der Notenbanken zuletzt nicht mehr besonders viel Eindruck gemacht haben. Fast scheint es so, als ob die Liquiditätsschwemme nichts mehr bewegen könnte. Stattdessen sind Fundamentaldaten jetzt das A und O. Von den Unternehmen etwa in Form positiver Ausblicke. Und ebenso auf der Makroebene, also in Form von Konjunkturindikatoren, die eine Wende zum Besseren andeuten. Die Stimmung am Markt lässt sich angesichts dieser Umstände als „verhalten“ beschreiben. Es geht nicht recht vorwärts, aber auch nicht recht zurück. Immerhin ist von Panik wie zeitweise im Januar und Februar nichts zu spüren.

Um es noch einmal zusammenzufassen: Angefangen von den negativen Entwicklungen in China bis zur Zinswende der US-Notenbank und dem fallenden Ölpreis sprach doch seit Jahresanfang fast alles gegen ein Engagement am Aktienmarkt. Die Folge war der schwächste Jahresauftakt aller Zeiten. Gleichwohl müsste eben dadurch nun vieles bereinigt sein, vieles an negativen Erwartungen sollte jetzt in den Kursen enthalten sein. Die Erwartungen sind trotzdem eher gering. Der eine oder andere posi­tive Ausblick eines US-Börsen-Schwergewichts könnte daher ganz überraschend für bessere Kurse sorgen.

Freitag, 8. April 2016

Wenn es schlimmer nicht mehr geht

Start ins zweite Quartal. Mit Minus an den Börsen. Das hatte man sich doch anders vorgestellt. Warum es immer noch hakt und warum sich die Dinge trotzdem zum Besseren wenden sollten.

Abgehakt. Das erste Quartal des Jahres darf zu den Akten gelegt werden. Mit einem Aufatmen. Denn schlechter konnte es kaum laufen. Also frohen Mutes rein in den April? Denkste: Auch der Start ins neue Quartal ließ sich, nun ja, eher bescheiden an. DAX im Minus, Nikkei im Minus, Dow im Minus.

Jedoch — und das ist die gute Nachricht — dürfte es im gerade begonnenen zweiten Quartal besser werden. Und warum das? Eigentlich ganz einfach: Weil a) die Probleme bekannt sind und b) an Lösungen gewerkelt wird respektive die Dinge sich aufhellen. Die Risiken sind altbekannt: der immer noch recht schwache Ölpreis, die Zinserhöhung in den USA — auch wenn es sich da doch nur um ein Zinswendchen handelt, und dazu dann noch die eher maue Wirtschaftsentwicklung in China.

Was Letztere angeht, da steuert man in Peking gewaltig dagegen. Immerhin. Inwieweit die Maßnahmen greifen, sei mal dahingestellt. Gleichzeitig hat in den USA die Notenbank Fed sich zumindest verbal etwas zurückgenommen und sogar ein Ende der vermeintlichen Zinswende angedeutet. Und schließlich der Ölpreis, der wirkt zuletzt dann doch etwas stabiler, auch wenn er absolut gesehen weiterhin auf höchst niedrigem Niveau verharrt.

An der Börse herrscht derweil große Skepsis, was durchaus als Kontraindikator gewertet werden kann — man kennt ja die Börsianerweisheit, dass die Kurse ganz gern mal die Sorgenwand hinaufklettern, egal, wie hoch die nun ist, jene besagte Wall of Worry. Robert Halver von der Baader Bank traut sich daher die Prognose zu, dass das zweite Quartal das „vielleicht beste in diesem Jahr“ werden könnte.

Allerdings — ganz ohne Einschränkung geht es natürlich auch nicht — ist da noch der große Unsicherheitsfaktor um den möglichen Brexit, den Austritt aus der EU, über den in Großbritannien im Juni abgestimmt wird. Bleiben die Briten in der EU, dürfte es aufwärts gehen, steigen sie aus, stehen turbulente Zeiten an. Dann wären ein Währungskollaps des britischen Pfund und stark steigende Zinsen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit die Folge. Und eine schwere Rezession in Großbritannien. Die hätte natürlich auch Auswirkungen auf die Wirtschaft der EU-Länder.

Dabei mehrten sich zuletzt die Anzeichen, dass die Dinge sich bessern. Der Ifo-Index etwa ist zuletzt stärker gestiegen als erwartet, und das nach dreimal Minus in Folge. Und die Einkaufsmanagerindizes in der Eurozone legten zum Ende des ersten Quartals ebenfalls zu, was die Einschätzung nährt, dass die Bedenken über die Konjunkturentwicklung in der Eurozone übertrieben gewesen sein sollen. Ähnliches gilt für die USA, wo die anfänglichen Irritationen über die Erhöhung der Leitzinsen verdaut zu sein scheinen.

Doch noch will es nicht recht vorwärtsgehen beim DAX und beim Euro Stoxx. Die Märkte hängen immer noch in einem Seitwärtstrend fest. Beim DAX scheint die Marke von 10 100 Punkten bisher unüberwindbar. Daher wäre es nicht unnormal, wenn die Jahrestiefstände noch einmal getestet werden. „Wir haben eine Situation, wo die Psychologie an den Märkten regiert und leider nicht die Fundamentaldaten“, begründet das Experte Halver.

Was tun? Wir bleiben bei unserer Einschätzung, sich nach und nach mit -Aktien einzudecken, Rückschläge zum Kaufen zu nutzen. Die guten Dividendenrenditen sind ein Argument dafür wie auch die niedrigen Zinsen im Anleihenbereich. Jedoch sind weiterhin Geduld und vor allem gute Nerven gefragt.