Mittwoch, 18. Januar 2017

Reichlich Vorschusslorbeeren

Seit der US-Wahl haben Aktien deutlich zugelegt. Vor allem Finanzwerte. Das kommt nicht von ungefähr. Allerdings ist der Anstieg dann doch etwas zu schnell zu weit vorangeschritten.

Es ist so weit. Per 20. Januar ist Donald Trump nun ganz offiziell — Amtseid inklusive — Präsident der Vereinigten Staaten. Damit beginnt auch gleich die vermutlich spannendste Phase der Amtszeit. Denn während der ersten 100 Tage einer neuen Präsidentschaft werden traditionell die wichtigsten politischen Änderungen angestoßen. Weil die unter Trump besonders drastisch ausfallen könnten, dürften auch die Kursausschläge an den Aktienmärkten wieder intensiver werden. Mehr Volatilität also. Und mehr Rotation, was die Branchen angeht.

Zurzeit geht man an der Börse ja ganz offensichtlich davon aus, dass der neue Präsident mit seiner Politik die amerikanische Wirtschaft stimulieren könnte — was sich dann natürlich auch positiv auf Europa und die gesamte Weltwirtschaft auswirken dürfte. Ob es tatsächlich so kommt, bleibt allerdings abzuwarten. Trumps Äußerungen, die auf mehr Protektionismus hindeuten, werden derzeit jedenfalls noch weitgehend ignoriert.

Doch es wird mit ziemlicher Sicherheit Maßnahmen geben, die man als Aktionär bereits jetzt positiv bewerten kann, etwa die niedrigeren Steuersätze für Unternehmen und Privatpersonen. Viele Anleger hoffen auf eine „Trumpflation“, also eine durch Trumps Wirtschaftspolitik bewirkte Rückkehr der Inflation. Mit entsprechend positiver Wirkung auf die Börse.

Der Aktienmarkt hat dies mit viel Vorschusslorbeeren goutiert. Seit der US-Wahl hat der marktbreite S & P-500-Index beispielsweise um sechs Prozent zugelegt. Beim DAX ging es ähnlich nach oben. Das ist eine Menge. Und sollte daher auch zu Vorsicht mahnen — eine etwas kräftigere Konsolidierung ...

Mittwoch, 11. Januar 2017

Vom Ignorieren der Politik

Die Unsicherheiten des vergangenen Jahres sind längst nicht verarbeitet. Doch trotz aller Risiken gibt es auch etliche positive Aspekte, die hoffen lassen. Eine Übersicht.

Die Börsen sind prima ins neue Jahr gestartet. Der Dow Jones tendiert Richtung 20 000 Punkte, der DAX Richtung 12 000. Statistisch gesehen ist der per Saldo gute Start ein positives Omen für den weiteren Jahresverlauf.

Trotzdem sollten sich Anleger 2017 auf einen vermutlich ähnlich holprigen Verlauf einstellen, wie es im Vorjahr der Fall war. Denn die Themen, die in den zurückliegenden zwölf Monaten für Unsicherheit gesorgt haben, sind alles andere als erledigt. Die Konsequenzen des Brexit, die Folgen der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten oder auch die Auswirkungen des gescheiterten Verfassungsreferendums in Italien sind weitreichend, die Tragweite dieser Richtungsentscheide kaum abschätzbar.

Zugegeben sind dies alles politische Unsicherheiten, und an den Börsen tendiert man ja dazu, diese Themen irgendwann zu ignorieren. Ganz streichen von der Liste der Risiken sollte man sie als Anleger dennoch nicht. So ist beispielsweise die Menge der Faktoren, die mit dem Brexit zusammenhängen und die den Markt beeinflussen könnten, enorm. Zudem gibt es 2017 in Europa eine Reihe von Wahlen mit höchst unsicherem Ausgang. Und dann sind da noch die Unwägbarkeiten, was den künftigen Kurs der Notenbanken angeht und die Wirkung der bisherigen geldpolitischen Maßnahmen. Die sind deshalb nur schwer einzuschätzen, weil es schlicht an Erfahrungswerten aus der Vergangenheit fehlt.

Wer diese Risiken jedoch zu sehr betont, übersieht ...

Donnerstag, 5. Januar 2017

Zweifler versus Optimisten

Start ins neue Börsenjahr. Die Chancen für weitere Kursgewinne sind gut. Doch Anleger sollten die Risiken nicht verharmlosen – die steigenden Zinsen etwa oder die Weltpolitik. Ein Ausblick.

Wie geht’s nun weiter nach den zurückliegenden fulminanten Börsenwochen? Aufwärts, wie gehabt? Beim Dow Jones sind ja die 20 000 Punkte nicht mehr weit, und wenn der DAX so schnell weiterklettert wie bisher, dann geht es bald um die 12 000er-Marke. Doch gemach. Vielleicht ist das dann doch zu viel der Euphorie. „Es wird keiner mit großem Risiko in die ersten Januar-Wochen starten“, dämpft etwa Robert Halver von der Baader Bank die Erwartungen.

Also besser etwas Vorsicht jetzt? Ohnehin hat der DAX ja nun schon zum fünften Mal in Folge ein Börsenjahr mit Gewinn beendet. Nur während des Internet-booms Ende der 90er-Jahre und bis zum Beginn der Finanzkrise gab es so lange Serien mit Kurssteigerungen. Auch daher wäre vermutlich etwas Vorsicht angebracht. „Es dürfte im Januar eine Art Wettkampf zwischen Zweiflern und Optimisten geben, die den Kursanstieg einzuordnen versuchen“, erwartet etwa Konstantin Oldenburger vom Brokerhaus CMC Markets. Also seitwärts?

Der Wettkampf ums rechte Einordnen geht ziemlich schnell in die erste Runde. Schon am 6. Januar liefern neueste Zahlen zum US-Arbeitsmarkt Rückschlüsse, ob denn die US-Notenbank Fed die Zinsen 2017, wie zuletzt angedeutet, dreimal an-heben wird. Und diese Rückschlüsse dürften auch die Kurse bewegen.

Mittelfristig sieht es indes aber tatsächlich danach aus, als ob die Aktienmärkte weiter nach oben tendieren. Trotz aller Risiken und obwohl die Rally schon so lange läuft. Der Grund ist simpel: Um die Entwicklung der Weltwirtschaft steht es gar nicht so schlecht. So sind etwa die meisten Frühindikatoren positiv, die Rohstoffpreise ziehen leicht an, ebenso die Inflationserwartungen. Dazu kommen wachstumsfördernde Pläne etwa in den USA. Und schließlich sind die Erwartungen der Analysten, was die Unternehmensgewinne angeht, sowohl in Europa als auch in den USA eher moderat. Da sind also positive Überraschungen drin.

Insgesamt deutet dies darauf hin, dass die Geschwindigkeit des weltweiten Wachstums in den kommenden zwölf Monaten moderat zunimmt. Und genau dieser Mix ist gut ...

Dienstag, 20. Dezember 2016

Gefühlte und echte Realitäten

Die Börsen steigen und steigen. Man kann das Jahresendrally nennen oder Trump-Rally. Wie man will. Oder auf ein paar Fakten verweisen, die dafür sprechen, dass der Anstieg noch Platz nach oben hat.

Es läuft. An der Börse in Frankfurt, in London, in New York. Weltweit. Und so richtig stoppen kann diese Börsenrally bislang nichts. Auch nicht die US-Notenbank Fed. Die ist nämlich immer noch zahm. Gut, zuletzt hat sie die Zinsen erhöht. Aber seien wir mal ehrlich: Das ist doch lediglich ein Zinswendchen. Mag ja sein, dass die Fed für 2017 statt zwei jetzt drei weitere Zinssteigerungen einplant. Aber mit Verlaub: Das ist doch nichts, was Aktionäre schrecken sollte.

Anfang des laufenden Jahres — wir erinnern uns — war noch von vier Zinsschritten allein 2016 die Rede. Viel Lärm um nichts, wie man jetzt weiß. Und dies lässt einen dann auch daran zweifeln, dass die jetzt angekündigten Maßnahmen im Jahr 2017 auch tatsächlich umgesetzt werden. Notenbankpolitik ist eben eine Politik des gesprochenen Wortes. Märkte werden mal rauf-, mal runtergeredet, je nachdem, ob Erwartungen gekühlt oder befeuert werden müssen.

Denn eines weiß die Fed ja auch: Grundsätzlich ist die Wirtschaftswelt mit vielen Risiken konfrontiert. Da muss man als Topnotenbank des Planeten vorsichtig sein. Wie heißt es so schön: Zinsschritte werden auch weiterhin „data dependent“ sein, konjunkturabhängig.

Es bleibt also immer noch bei der zweigeteilten Finanz- respektive Notenbankwelt. Während die Fed nun den — wenn auch sehr vorsichtigen — Zinserhöhungsmodus eingeschaltet hat, sind die Kollegen von der Europäischen Zentralbank EZB diesseits des Atlantiks immer noch mit dem Gegenteil beschäftigt.

Dies hat ja auch seine Gründe: Die im Vergleich ...

Dienstag, 13. Dezember 2016

Trau, schau, wem?

Die Börsen steigen. Das lockt zum Einstieg. Doch hat der Aufschwung tatsächlich Substanz? Sind Aktien nicht längst zu teuer? Der Versuch einer Standortbestimmung.

Optimismus wird an dieser Stelle ja schon seit einiger Zeit gepflegt, und die Kursentwicklung der zurückliegenden Wochen rechtfertigt diese Haltung durchaus. Gerade deswegen ist es aber nicht verkehrt, auch mal nach dem Haar in der Suppe zu suchen und nach möglichen Begebenheiten zu forschen, die diese Rally dann doch stoppen könnten. Schließlich ist nichts gefährlicher an der Börse, als nur die Argumente wiederzukäuen, welche die eigene Haltung stützen, und gegenteilige Meinungen zu ignorieren.

Blicken wir Richtung USA. Dort hat der Kursaufschwung schließlich seinen Anfang genommen. Zum einen steht parallel zum Erscheinen dieser Ausgabe von BÖRSE ONLINE eine Sitzung der US-Notenbank Fed an, bei der die Zinswende nun endlich auf den Weg gebracht werden sollte. Dennoch ist so ein Termin immer ein Unsicherheitsfaktor.

An der Börse wiederum ist interessant, dass so ziemlich alle Aktien steigen, egal welcher Branche oder welchem Index sie angehören. Dow Jones, S&P-500, Nasdaq oder auch der Nebenwerte-Index Russell 2000 — sie alle haben neue Höchststände erreicht. Dass dies derart synchron abläuft, das kommt selten vor. Wird wahllos gekauft? Ähnliches gilt ja auch für die Aktienmärkte in Europa, wo jüngst die Europäische Zentralbank mit der Verlängerung ihres Anleihekaufprogramms für eine gewisse Euphorie sorgte. Jedenfalls gab es ein solches synchrones Kauf-phänomen zuletzt 1999. Was auch -unangenehme Erinnerungen weckt — was ab März 2000 bis 2003 folgte, dürfte kaum ein Aktionär vergessen haben.

Aber vielleicht hinkt dieser Vergleich, schließlich liefen die Aktienmärkte — im Gegensatz zu den späten 90er-Jahren — in den zurückliegenden Monaten ja nur noch seitwärts, wenn auch unter großen Schwankungen. Vielleicht sollte man sich ...

Mittwoch, 7. Dezember 2016

Amerika agiert, Europa reagiert

Italien steckt mal wieder in der politischen Krise. Den Börsianern scheint das aber egal zu sein. Es geht nach oben. Weil es in den USA läuft. Und weil man auf die EZB hofft.

Das ist eigentlich ein gutes Zeichen: Die „Abwahl“ der Regierung in Rom hat der Börse so rein gar nichts ausgemacht. Das zuletzt von manchen herbeigeredete Börsenbeben — es blieb aus. Was ja nicht selbstverständlich war: Nach dem Brexit-Entscheid hatte es ja noch richtig gerumpelt, nach dem Sieg Donald Trumps wenigstens noch ein wenig gewackelt. Und jetzt? No stress! Oder in Börsianersprache ausgedrückt: Vermutlich war die Ablehnung des Referendums nach der recht schwachen Börsenvorwoche bereits an den Märkten „eingepreist“.

Und sonst? Alle Augen auf Amerika! Der Dow Jones beispielsweise erreichte ein neues historisches Hoch. Als Kurstreiber wurde unter anderem der weiter steigende Ölpreis ausgemacht. Dazu kamen positive Nachrichten von einigen Konjunkturindikatoren, etwa aus dem Servicesektor. Der entsprechende Index des Institute for Supply Management (ISM) stieg auf den höchsten Stand seit gut einem Jahr.

Klar, dass in den USA angesichts der doch besser als erwarteten Wirtschaftsentwicklung die Zinspolitik der Notenbank Fed immer stärker in den Fokus rückt. Zwar sagte der US-Notenbanker William Dudley, dass die Wahl von Trump zum US-Präsidenten „eine politische Unsicherheit“ schaffe und es deshalb zu früh sei, um zu entscheiden, ob der Plan „gradueller Zinserhöhungen angepasst“ werden müsse. Dennoch ist wohl klar, dass es zu einem ersten Zinsschritt bei der anstehenden Fed-Sitzung am 14. Dezember kommen wird. Und auch der ist wohl bereits an den Märkten „eingepreist“.

Und die EZB? Wie geht es weiter in Europa? Die Europäische Notenbank tagt ja parallel zum Erscheinungstag dieser Ausgabe von BÖRSE ONLINE. Jedenfalls scheint es so, dass die fehlende Börsenreaktion auf das „Nein“ in Italien wohl auch damit zusammenhängt, dass man sich an den Märkten eine weiterhin sehr lockere Geldpolitik der EZB erhofft.

Ob sie das liefern kann? Bislang war das nicht so recht klar. Die Notenbank hat sich in den vergangenen Wochen verbal sehr stark zurückgehalten. Es gibt kaum Hinweise, wie man mit dem Anleihekaufprogramm fortfahren will. Ist ja auch nicht einfach: Strukturreformen können kaum umgesetzt werden — siehe das Beispiel Italien. Also hält man durch das Kaufprogramm den Zins überall künstlich niedrig. Weil gleichzeitig aber ...

Mittwoch, 30. November 2016

Trump und das Sahnehäubchen

Die Börse läuft. Zumindest die amerikanische. Ob das jetzt am neuen US-Präsidenten liegt, ist dabei sekundär. Viel wichtiger sind die ohnehin gute Konjunkturentwicklung und der Trend beim Leitzins.

Jetzt also die Trump-Rally. Ein neuer Trend. Zumindest ist davon gerade überall die Rede. Vor allem im US-Börsenfernsehen: Trump-Rally hier, Trump-Rally da. Klar, die Aktienkurse sind seit der US-Präsidentschaftswahl stark gestiegen, und es scheint allzu naheliegend, dies mit dem Sieger zu begründen oder mindestens damit, dass durch die Wahl endlich die lange Unsicherheit ein Ende gefunden hat. Aber im Ernst: Die Gründe für den Anstieg sind fundamentalerer Natur. Dass die Wirtschaft stärker wächst als angenommen, war doch schon vor der Wahl bekannt.

Und so nehmen die Dinge jetzt ihren Lauf: Besseres Wachstum führt zu steigenden Inflationserwartungen, dies wiederum zu einer Zinserhöhung, dann zu noch einer und noch mal einer. Und dann eventuell zu einem Kurssturz am Aktienmarkt, weil ab einem gewissen Grad höhere Zinsen eben einfach Gift sind für die Börse. „Three steps and a stumble“, nennen das die Amerikaner. Schön anschaulich.

Der erste Step scheint jedenfalls schon anzustehen, die Inflationserwartungen klettern schließlich nicht erst seit gestern. Sehr wahrscheinlich also, dass die US-Notenbank Fed im Dezember dann das erste Mal die Zinsen erhöhen wird. Die Trump-Rally, wenn man sie denn wirklich so nennen will, hätte also tatsächlich noch Zeit und Raum, sich zu entfalten.

Die Bewertungen am Aktienmarkt sind jedenfalls noch nicht aus dem Ruder gelaufen. Dazu kommt die bessere ...

Dienstag, 22. November 2016

Kommen und Gehen

Die Rally läuft. Seit der Wahl Donald Trumps geht es nach oben. Ob dieser Börsenaufschwung nachhaltig ist, wird man wohl erst im kommenden Jahr sehen. Anleger sollten wachsam bleiben.

Vielleicht muss man Jim Jarmuschs neuen Film „Paterson“ gesehen haben, um zu verstehen, was die USA der Jetztzeit ausmacht. Statt der üblichen, grell überzeichneten Bilder einer Nation, die auseinanderdriftet, die aggressiv wirkt, in der es scheinbar keine Zwischentöne mehr gibt, zeichnet Jarmusch ein anderes Bild, ein melancholischeres. Stellvertretend dafür steht Paterson in New Jersey, eine etwas heruntergekommene Kleinstadt, die ihre beste Zeit längst hinter sich hat. Die Textilindustrie hat diesen Ort und dessen Leben einst geprägt. Jetzt wird nur noch die Erinnerung daran gepflegt, und die Bewohner geben sich gezwungenermaßen mit viel weniger zufrieden.

Orte wie Paterson gibt es zuhauf in den USA, und sie erklären vielleicht zu einem gewissen Grad, warum Donald Trump die US-Präsidentschaftswahl gewonnen hat. Mit ihm verbindet man die Hoffnung auf ein Wiederaufleben von Städten wie Paterson in New Jersey. Ob zu Recht, sei einmal dahingestellt.

Die Politik wird es aber wohl versuchen. Zumindest wurde es angekündigt. Es soll sehr viel Geld in die Hand genommen werden, um die Konjunktur anzukurbeln. Weit mehr Geld, als einst Ronald Reagan in den 80er-Jahren aufgewendet hat. Und schon das waren fantastische Summen. Ob das gut gehen kann? Die Kurse an der Wall Street sind seit der Wahl jedenfalls schnell und steil gestiegen. Dow Jones, S & P 500 und Nasdaq Composite: Alle wichtigen US-Indizes notieren auf Rekordniveau. Das zeugt von Optimismus.

Man scheint an den Märkten alles hinzunehmen, auch wenn es eigentlich marktfeindlich klingt. In den Plänen für ...

Dienstag, 8. November 2016

Zurück zum Wesentlichen

Die USA haben gewählt. Höchste Zeit also, sich wieder auf das zu konzentrieren, was die Börse voranbringt: Fundamentaldaten! Und hier sieht es gar nicht mal so schlecht aus.

Ach ja, die US-Wahl. Die hat ja die Börsianer länger beschäftigt, als einem lieb sein kann. Je näher die Abstimmung rückte, desto nervöser die Anleger und desto negativer die Berichte in jenem Teil der Medienwelt, der sich mit dem Thema Geld beschäftigt. An der Wall Street war die Stimmung kurz vor der Wahl so mies, dass man im Jargon von einem deutlich überverkauften Zustand sprach. Vergleiche mit dem Börsengeschehen vor und nach dem Brexit machten die Runde — mit dem allerdings entscheidenden Unterschied, dass man vor der Abstimmung über den Verbleib Großbritanniens in der EU positiv gestimmt war, um dann unangenehm überrascht zu werden.

Doch wie auch immer, die US-Wahl ist nun Geschichte (auch wenn das Ergebnis bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe von BÖRSE ONLINE noch nicht feststand). Und daher ist es an der Zeit, sich wieder mehr jenen Fakten zuzuwenden, die das Auf und Ab einer Börse in einem entwickelten Land wie den USA eigentlich mehr bestimmen sollten als politisches Getöse. Wir reden von fundamentalen Daten! Von ökonomischen Kennziffern, von Unternehmensergebnissen. Ist es denn wirklich gerechtfertigt dem „Restrisiko Trump“, so es denn eines ist, so ein Gewicht zu geben oder vielmehr gegeben zu haben?

Fundamentaldaten also. Ein Beispiel sind die Einkaufsmanagerindizes, die eigentlich immer ein ganz gutes Bild davon liefern, was in der näheren Zukunft wohl zu erwarten ist. Und das Schöne ist, dass diese vorlaufenden Indikatoren sowohl für die entwickelte Welt (hallo USA!) als auch für die Schwellenländer weiter nach ...

Dienstag, 1. November 2016

Geduld, Geduld, Geduld

Am 8. November wird in den USA gewählt. Endlich! Die Börse braucht Klarheit, um nachhaltig steigen zu können.

Manchmal kommt einem Unerwartetes dazwischen. So etwa vergangene Woche. Da standen die Dinge doch gar nicht mal so schlecht, auf dass die Jahresendrally endlich ihren Lauf nimmt — schon macht einem das FBI einen Strich durch die Rechnung, die Bundespolizei der Vereinigten Staaten also. Die nämlich unternimmt ganz eifrig neue Anstrengungen, um etwas mehr Licht ins Mail-Durcheinander der US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton zu bringen. Und das so kurz vor der Wahl. Daraufhin purzelten deren Umfragewerte, und die Stimmung an der Börse kippte. Zusammenhänge gibt es!

Die Börse scheint demnach Clinton für die wohl verlässlichere Partie für das US-Präsidentenamt zu halten als ihren Widersacher Donald Trump. Doch wie auch immer. Rein aus Börsianersicht kann man froh sein, wenn der Termin demnächst abgehakt ist — an den Finanzmärkten braucht es eben dann doch eine gewisse Klarheit. In wenigen Tagen, am 8.  November, ist es ja so weit.

Letztlich hat es das FBI also geschafft, dass die US-Börse in diesem nervigen Seitwärtstrend auch weiterhin gefangen bleibt — wir haben es in den zurückliegenden Wochen ja oft genug beklagt. Schon seit Juli geht es weder ordentlich nach oben noch ordentlich nach unten. Doch es wird wohl bald einen klaren Richtungsentscheid geben. Stichwort: Wahl.

Um fair zu bleiben: Es war nicht nur das Gebaren des FBI, das für Unruhe an den Märkten gesorgt hat, sondern auch die Bewegung an den Anleihemärkten weltweit. Denn mit den Zinsen geht es nun schon seit einiger Zeit nach oben — natürlich in den USA, wo man ja auf die Leitzinswende wartet, aber auch in Großbritannien oder in Deutschland, wo dies nicht der Fall ist. Der Hauptgrund für die steigenden Renditen scheinen die tatsächlich steigenden Inflationserwartungen zu sein, also das, worauf die Notenbanken so sehnlichst gewartet haben.

Tendenziell und langfristig sind steigende Zinsen natürlich problematisch für die Entwicklung an den Aktienmärkten, die Vergangenheit hat dies immer wieder gezeigt. Allerdings, und auch das ...