Mittwoch, 11. April 2018

Viel Lärm um wenig


Fast scheint es so, als ob nur noch Nachrichten rund um die Handelspolitik der US-Regierung das Auf und Ab an den Börsen bestimmen. Dabei scheinen sie die ganze Aufregung gar nicht wert zu sein.

An der Börse geht es immer wieder auch darum, die wichtigen Nachrichten von den unwichtigen zu trennen. Man muss als Anleger den Lärm herausfiltern, das Hintergrundrauschen. Sonst verpasst man, was langfristig wirklich zählt. Auch der altgediente Börsenprofi Alfons Cortés von der Schweizer Unifinanz Trust sieht die Gründe in der aktuellen Verunsicherung an den Märkten in einer übergroßen „Nachrichtensensitivität“. Zu viel Lärm. Viel zu viel.

Ausgelöst durch die Politik, die enorme Beachtung bekommt, weil an zahlreichen Orten neue Töne angeschlagen werden. Statt mit dem bisher bekannten Rechts-links-Schema habe man es jetzt mit „Inklusivisten“ zu tun und mit „Exklusivisten“. Gefährlich seien dabei Letztere, weil es danach aussehe, dass sie den Konsensus aufkündigten, der in den westlichen Demokratien über sieben Jahrzehnte zu Wohlstand und Stabilität beigetragen habe, so Cortés. Dabei geht es um Gruppierungen wie Cinque Stelle und Lega in Italien oder die Populisten in Frankreich, den Niederlanden und Deutschland — oder eben auch um die Regierung in den USA. Ihnen gemeinsam sei die Idee des Rückzugs von Institutionen sowie das Aufkündigen von Gepflogenheiten — die Handelspolitik ist dabei nur ein Beispiel.

Das, sagt Cortés, lähmt die Börse. Und sorgt für Angst. Bislang ist es aber dabei so, dass weder Bären noch Bullen den Sieg davontragen. Ein Crash sei daher durchaus möglich. Ein heilender Schock, seiner Meinung nach. Er könnte den Nachrichtenüberschuss relativieren und den Blick wieder freimachen für das Wesentliche.

Interessante Gedanken. Aber vielleicht geht es auch ohne Crash. An der Börse wird negativen Nachrichten irgendwann schließlich ...

Mittwoch, 4. April 2018

Osterbären und Aprilscherze

Spaßig ist das gerade nicht an der Börse. Aktuell sorgen sehr viele Nachrichten fast schon für Verkaufspanik. Jetzt müssen gute Gewinnzahlen her, damit sich der Markt wieder fängt.

Wer gewinnt die Oberhand an den Märkten? Die Bären? Oder bekommen doch wieder die Bullen die Dinge in den Griff? In den zurückliegenden Wochen gab es sicherlich genügend belastende Faktoren, die für die Bären sprechen. Fundamental wie technisch. Die großen Techaktien beispielsweise, die auch lange zum starken Momentum der Börsen beigetragen haben, sind angeschlagen. Da geht die Sorge vor drastischer -Regulierung um. Es wundert nicht: Zuletzt war die Marktkapitalisierung im Tech-bereich größer als zur Bubble-Zeit Anfang der Jahrtausendwende.

Sollten die großen Techaktien nun als Zugpferde für die Börse ausfallen, müssten andere einspringen. Was gar nicht mal so unmöglich ist. Zuletzt haben zum Beispiel die mittelgroßen und kleinen Werte im Technologiebereich eine Art Führungsrolle übernommen. Gut zu sehen ist das am Nasdaq 100, weil in diesem Index alle Aktien gleich gewichtet sind. Und der lief zuletzt besser als jene Indizes, in denen die Bluechips den Ton angeben.

Ebenfalls einspringen könnten klassische Industrie-Aktien, da zuletzt die Investitionsausgaben für längerfristige Anlagegüter — etwa Maschinen oder Gebäude — deutlich zulegten. Insgesamt ist es nach wie vor so, dass die Gewinnaussichten für die Unternehmen allgemein rosig sind. Es gibt sie also doch, die Argumente, die für ein Comeback der Bullen sprechen.

Damit es aber nicht zu einfach wird,   ist auch die Liste der Argumente für die Pessimisten nicht schlecht gefüllt. Hauptargument ist hier nach wie vor der Zins. Genauer gesagt: die strengere Geldpolitik und die Aussicht auf weitere Leitzinserhöhungen gerade in den USA.

Dazu kommen politische Sorgen. Zum einen der Handelsstreit, bei dem China 128 US-Produkte mit Zöllen von 15 bis 25  Prozent belegt hat. Kein Aprilscherz. Das belastete die Märkte noch mal richtig. Zuletzt sah es fast nach Verkaufspanik aus. Da muss jetzt eigentlich eine Gegenreaktion nach oben kommen.

Ein weiterer Faktor, der den Börsianern nicht schmeckt, ist ...

Mittwoch, 28. März 2018

Ein Schritt vorwärts, zwei zurück

Der März war kein guter Börsenmonat. Die wichtigen Indizes haben alle stark korrigiert. Dafür gibt es gute und weniger gute Gründe. Im April könnte es aber wieder aufwärtsgehen.

Es sind vier Themen, die den Aktienmarkt stark belasten. Da sind die Zentralbanken, die sich an mehr „Normalität“ versuchen. Gut zu sehen ist das an der US-Notenbank Fed, die sich zuletzt „hawkish“ gezeigt hat, sich also strenger zur Lage der Dinge äußerte, als wir das gewohnt waren. Dazu kommt die Gefahr eines Handelskriegs, auch wenn etliche Länder und Regionen wie etwa die EU, Kanada und Mexiko zunächst von den US-Strafzöllen unberührt bleiben. China aber nicht! Die Unsicherheit zeigt sich zudem daran, dass sich gerade in Exportregionen wie der Eurozone oder Japan die Stimmung in den Unternehmen eintrübt.

Und schließlich belastet der Skandal um Facebook den Gesamtmarkt, da die Aktie in den zurückliegenden Monaten zu den treibenden Kräften an der Technologiebörse Nasdaq gehörte. Alles in allem kann man angesichts dieser Themen schon zweifeln, ob es mit dem globalen Wachstum denn so weitergeht wie gewohnt.

Allein die US-Börse verlor in Kalenderwoche zwölf mehr als sechs Prozent — das gab es schon lange nicht mehr. Die Börse ist damit zurück auf Februar-Niveau und ungefähr auf Höhe der 200-Tage-Durchschnitt-Linie — eine wichtige Marke, nicht nur für Charttechniker. Hält diese Unterstützung nicht, wird es kniffelig.

Trotz allem ...

Mittwoch, 21. März 2018

Alles wie gehabt – oder auch nicht

Die Kurse sind weiterhin im Korrekturmodus. Geht es etwa zu Ende mit dem Goldilocks-Umfeld? Mit der Kombination aus starkem Wachstum, moderater Inflation und niedrigen Zinsen? 

GroKo-Verhandlungen, Androhung eines Handelskriegs, Parlamentswahlen in Italien, Syrien-Krieg mit Beteiligung Russlands und der Türkei — die zurückliegenden Wochen waren eine echte Belastungsprobe für die Kapitalmärkte. Dass dann auch noch ein Tweet über die Entlassung des US-Außenministers Rex Tillerson für zusätzliche Volatilität sorgte, spiegelt die Nervosität am Aktienmarkt gut wider. Und als ob das alles nicht genug wäre, sorgte auch noch ein Datenskandal bei Facebook dafür, dass die Kurse an der Technologiebörse Nasdaq am Montag ordentlich abrutschten. 

Allerdings wirken auch die europäischen Aktienmärkte momentan wie gelähmt. Etliche Investoren sind wegen der Androhungen der US-Regierung vorsichtig geworden und haben ihre Positionen reduziert. Immerhin scheint aber das letzte Wort nicht gesprochen zu sein — positiv ist, dass beide Seiten trotz aller Drohungen und Gegendrohungen wohl zu verhandeln gewillt sind. Es sollte in nächster Zeit also ruhiger um das Thema werden.

Dann sollten auch wieder jene Faktoren in den Mittelpunkt rücken, die mindestens genauso wichtig sind — vor allem die Profite der Unternehmen. So schlecht sieht es da nicht aus. Die Gewinne im breiten europäischen Index Stoxx 600 sind nach neuesten Berechnungen im Vergleich zum Vorjahr um 22,6 Prozent gestiegen, im DAX und im Euro Stoxx 50 sind es jeweils ungefähr 14 Prozent. Hält die Konjunkturdynamik an, dann sollten auch die künftigen Gewinne weiterhin steigen. Das sind eigentlich gute Nachrichten für das Börsenjahr.

Bleibt es also so wie gehabt? Werden die Aktienmärkte wie in den zurückliegenden Jahren weiterhin vom Goldilocks-Umfeld unterstützt und nach oben getrieben, also von starkem Wachstum bei gleichzeitig moderater Inflation und niedrigen Zinsen? Oder läuft die Zeit ...

Mittwoch, 14. März 2018

Eine halbwegs runde Sache

Den Strafzoll-Schock haben die Märkte offenbar bereits verdaut. Gute Konjunkturdaten  sorgen für einen abrupten Stimmungswechsel. Die Kurse haben sich deutlich erholt. 

Der aktuelle Konjunkturzyklus dauert bereits sehr lange an. Das bereitet so manchem Marktteilnehmer Sorgen. Zudem ging in der vergangenen Woche ein möglicher Handelskrieg mit den USA als Schreckgespenst an den Finanzmärkten um und gleichzeitig drückte weiter die Furcht vor steigenden Zinsen. So kam es zunächst zu Gewinnmitnahmen. Dann aber doch der Turnaround zum Wochenende.

Der kam so: Zum einen steht in Deutschland endlich die Koalition, was für eine gewisse Stabilität im Euroraum sorgen sollte. Zum anderen gab Mario Draghi, der Chef der Europäischen Zentralbank EZB, bekannt, dass eine Fortsetzung der Niedrigzins-phase durchaus möglich ist. Gleichzeitig gab es positive Konjunkturmeldungen aus den USA, vor allem vom Arbeitsmarkt. Die Anzahl der Beschäftigten legte im Februar nämlich um 313 000 zu. Im Schnitt waren nur 205 000 erwartet worden. Und als ob dieser Stellenzuwachs an sich nicht schon genug der positiven Überraschung wäre, wurden die Zahlen für die beiden Vormonate um insgesamt 54 000 nach oben revidiert. Auch beachtenswert: Die derzeit als Inflationsindikator viel beachteten Stunden-löhne stiegen nur um 0,1 Prozent zum Vormonat. Insgesamt ist die Entwicklung am US-Arbeitsmarkt also positiv und ein Indikator dafür, dass die Konjunktur weder zu „warm“ noch zu „kalt“ läuft.

Daher gehen Börsianer weiter davon aus, dass die Notenbank Fed im laufenden Jahr drei bis vier Zinsschritte wagen wird — und so nicht übers Ziel hinausschießt. Eine erste Anhebung im März ist dabei wohl schon in den Kursen enthalten und gilt als ausgemachte Sache.

Trotz aller Sorgen und Probleme muss sich der Konjunkturzyklus also noch nicht  zwangsläufig seinem Ende nähern. Dass der drohende ...

Mittwoch, 7. März 2018

Verbaler Rundumschlag

Der US-Präsident sorgt für Unruhe. Setzt er seine geplanten Strafzölle so um wie angedroht, wird es ungemütlich. Für die Weltkonjunktur und die Börsen. Doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.

Donald Trumps Strafzoll-Ankündigung war in der zurückliegenden Woche natürlich ein Schock für die Märkte — auch wenn der Plan nicht ganz unerwartet kam. Schock deswegen, weil man aus der Vergangenheit weiß, dass Handelskriege immer einen dämpfenden Effekt auf das globale Wirtschaftswachstum haben. Es fällt auch dieses Mal schwer, positive ­Aspekte zu finden.

Die US-Handelspolitik ist natürlich nur ein Teilbereich der Wirtschaftspolitik der Trump-Regierung. Ebenso wichtig ist die Fiskalpolitik und schließlich — via Notenbank Fed — die Geldpolitik. Alle drei Bereiche sind gewaltig in Bewegung. Wie sich das alles in Summe auswirkt, ist daher nur schwer einzuschätzen. Was wird etwa die Fed tun, angesichts der massiven Steuererleichterungen gepaart mit den neuen protektionistischen Maßnahmen?

Interessanterweise hat die Notenbank das Thema einer Rede des Gremiummitglieds Lael Brainard umbenannt. Statt „Geldpolitische Maßnahmen, wenn aus Gegenwind Rückenwind wird“ heißt es plötzlich schön neutral: „Konjunktureller ...

Mittwoch, 28. Februar 2018

Weiter wie gehabt?

Während die Politik in Berlin die Weichen für eine neue GroKo stellt, haben sich die Kurse an den Börsen erholt. Allerdings bleibt die Lage an den Märkten schwierig. Die Warnsignale nehmen zu.

Es ist wieder etwas ruhiger geworden an den Aktienmärkten. Und doch fragt man sich als Anleger, ob denn die alten Rekordstände noch einmal in Angriff genommen werden. Was wichtig wäre. Denn wie ein schlauer Börsianer mal festgestellt hat, läutet nicht eine heftige Korrektur einen längeren Börsenumschwung ein, sondern der darauffolgende Anstieg. Die Korrektur der Korrektur sozusagen. Konkret: Fällt dieser Anstieg, also die Reaktion auf die Korrektur, enttäuschend aus, scheitert sie also an den bisherigen Rekorden, dann wird es knifflig.

Diese Möglichkeit ist nicht ganz abwegig, immerhin haben die zuletzt veröffentlichten Konjunkturdaten nicht mehr so regelmäßig die Erwartungen der Ökonomen übertroffen wie noch im zurückliegenden Jahr. Ein Beispiel hierfür ist der deutsche Ifo-Geschäftsklimaindex, der — vielleicht auch wegen des langen politischen Stillstands in Berlin — erneut gefallen ist. Das dritte Mal in Folge übrigens. Das ist schon ein deutliches Warnsignal.

Woran liegt’s? Zum einen sind es die steigenden Zinsen, die verunsichern. Dazu kommt, dass die gerade im Januar so stark gestiegenen Aktienkurse die hohen Erwartungen längst widergespiegelt haben, die etwa mit den Steuererleichterungen in den USA verbunden werden. Die Unternehmen müssen diese Erwartungen jetzt erfüllen. Sie müssen „liefern“, wie es etwas unschön im Bankerjargon heißt.

Die Kurseinbrüche von Anfang Februar jedenfalls haben viele Anleger durchgeschüttelt. So was ist man einfach nicht mehr gewohnt. Doch vielleicht ist die Korrektur einfach ...

Mittwoch, 21. Februar 2018

Zinsen und andere Gefahren

Ist der Kursrutsch schon vorbei? Gut möglich, dass das Hin und Her noch eine Weile andauert. Scheinbar müssen sich noch etliche Börsianer an das „neue“ Zinsrisiko gewöhnen.

Es gibt ja Börsianer, die finden, dass die Entwicklung der Zinsen in den zurückliegenden Wochen fatale Signale für den Aktienmarkt geliefert hat. Vor allem die USA sind dabei gemeint: Als dort die Rendite zehnjähriger Anleihen an die Marke von 3,0 Prozent heranrückte, rutschten die Aktien an der Wall Street drastisch ab — als ob diese drei Prozent Zins eine Art rote Linie darstellten. In der Folge gaben dann auch die europäischen Märkte nach — siehe DAX — sowie die Kurse in Fernost. Immerhin: Zuletzt erholten sich die Kurse wieder.

Vielleicht erscheinen Anleihen ab jenen ominösen drei Prozent für viele Anleger wieder als rentable Anlagealternative, gerade in Relation zu den stark gestiegenen und teils überbewerteten Aktien. Wirklich beantworten lässt sich dies aber wohl erst dann, wenn klarer wird, wohin die US-Notenbank Fed künftig tendiert in Sachen Zins. Janet Yellen hat die US-Wirtschaft bekanntlich lange und gut gesteuert. Wird ihr Nachfolger Jay Powell nun genauso gute Arbeit leisten? Zuletzt war die Inflation recht nah an das Ziel der Zentralbank von zwei Prozent herangerückt. Das ist gut, gleichzeitig aber eine echte Herausforderung. Wie wird die Fed darauf reagieren, gerade auch weil die steigenden Löhne für einen gewissen Inflationsdruck sorgen? Das Risiko, dass die Fed überdreht, ist jedenfalls gestiegen.

Ironischerweise haben die Märkte ja in einem Moment korrigiert, in dem die meisten Analysten und Strategen die Entwicklung der Weltwirtschaft immer optimistischer einschätzten und ihre Prognosen nach oben revidiert haben. Und es waren auch nicht die üblichen Risiken, die für das Minus gesorgt haben, also Geopolitik, Rohstoffpreise, Unternehmensergebnisse oder die hohe Verschuldung in China. Nein, es war der Zins. "Nur" der Zins. Vielleicht ist dies ein Faktor, den viele noch nicht recht auf der Rechnung hatten, der jetzt erst einmal eingeschätzt werden muss — was weiteres Hin und Her an der Börse zur Folge hätte.

Bisher ging man ja davon aus, dass die Fed den Zins in diesem Jahr wohl dreimal erhöhen wird. Inzwischen jedoch scheinen auch vier oder fünf Schritte nicht unwahrscheinlich. So oder so hat das dann — früher oder später — deutliche Auswirkungen auf die Geldmenge. Ihr Wachstum lässt ja nun schon seit einiger Zeit nach. Was nicht weiter schlimm ist. Gefährlich wird es ...

Mittwoch, 7. Februar 2018

Die Kunst der Gelassenheit

Die Weltbörsen korrigieren heftig. Fast schon panisch wurde in den zurückliegenden Tagen verkauft. Börsianer machen sich offensichtlich große Sorgen um deutlich steigende Zinsen.

Das hatten wir schon länger nicht mehr: An den Börsen gibt es jetzt doch mal wieder eine ordentliche Korrektur. Ungewohnt. Als Anleger war man ja verwöhnt in den zurückliegenden Wochen und Monaten. Die Schwankungen waren so gering, dass man angesichts der aktuellen Rücksetzer nun vielleicht erschrocken ist oder gar panisch.

Wer erst seit Kurzem investiert ist, den hat es natürlich kalt erwischt. Und wer „schwache Hände“ hat — um den Börsianerjargon mal zu bemühen —, der möchte seine Positionen vielleicht lieber ganz schnell wieder liquidieren. So ist das mit der Anlegerpsychologie. Man ist eben doch panischer als vermutet, wenn die Dinge sich negativ entwickeln, und man ist gieriger als vermutet, wenn es gut läuft.

Doch um es gleich auf den Punkt zu bringen: Panik ist nicht angebracht, auch nicht, wenn es in den kommenden Tagen noch weiter abwärtsgehen sollte. Ein Bärenmarkt, also ein gewaltiger Abschwung über mehrere Monate, vielleicht gar Jahre hinweg, ist (noch) nicht in Sicht. Dafür ist die Rezessionswahrscheinlichkeit einfach nicht hoch genug. Und die Vergangenheit hat gezeigt, dass Rezessionen und Bärenmärkte Hand in Hand gehen.

Vermutlich haben wir es also eher mit einer „normalen“ Korrektur zu tun. Die muss man als Aktionär einfach aushalten — oder man kauft noch mal zu, wenn sich Gelegenheiten ergeben. Allerdings könnte es auch sein, dass wir an den Aktienmärkten den ersten Teil eines Doppeltops sehen, das sich oft am Ende einer langen Rally ergibt — wir haben in den zurückliegenden Wochen an dieser Stelle ja immer wieder mal darüber geschrieben. Demnach könnte es nach -einer Bodenbildung in den kommenden Tagen also noch mal aufwärtsgehen.

Für letztere These spricht auch ...

Mittwoch, 31. Januar 2018

Die Sache mit den Prognosen

Der deutliche Anstieg der Gewinnschätzungen hat für eine fulminante Rally gesorgt. Dabei fallen jedoch zwei Merkwürdigkeiten auf. Das sonst übliche Muster scheint nicht mehr zu gelten.

Man kann es gar nicht oft genug wiederholen: Die jüngste Rally an der Wall Street, die so manchem Anleger nicht recht geheuer ist, sie kommt nicht von ungefähr. Nein, sie wird schlicht durch einen wirklich ungewöhnlich starken Anstieg der Gewinnprognosen gestützt.

Dabei muss man wissen, dass besagte Gewinnprognosen sehr häufig einem typischen Muster folgen. Die ersten Schätzungen der Aktienanalysten fallen meistens zu optimistisch aus. Schrittweise werden die Prognosen dann reduziert. Dieses Muster zeigte sich in den Jahren 2012 bis 2016 ganz gut. 2017 jedoch war anders, ganz anders: Die Gewinnschätzungen blieben im Jahresverlauf stabil. Da wurde nichts nach unten revidiert. Und am Jahresende war es so, dass die ursprünglichen Prognosen sogar übertroffen wurden. Sehr ungewöhnlich.

Schnee von gestern, könnte man jetzt argumentieren. Doch immerhin erklärt diese Abweichung vom üblichen Muster, warum es im Jahresverlauf nur so mickerige Korrekturen am Aktienmarkt gab. Und jetzt kommt’s: 2018 wird wohl auch ungewöhnlich werden. Oder besser gesagt: Es ist schon jetzt ungewöhnlich. 
Gestützt durch die US-Steuerreform, den steigenden Ölpreis und das starke ökonomische Umfeld wurden die Gewinnprognosen zu Jahresbeginn sprunghaft um volle vier Prozentpunkte angehoben. Das ist enorm. Und es erklärt die noch steilere Rally im noch jungen Jahr.

Allerdings könnte sich dieser ungewöhnliche, eklatante Sprung nach oben im Verlauf des Jahres als Hypothek erweisen — nämlich dann, wenn ...