Freitag, 14. Dezember 2018

Es bleibt kompliziert

Die Märkte sind weiter schwach. Zu viele Probleme zur selben Zeit vermiesen die Stimmung.

Weit abwärts geht es noch? Dies ist wohl die wichtigste Frage, die man sich als Investor derzeit stellt. Auf den ersten Blick ist die Gemengelage fürchterlich. Konnte man sich bis vor Kurzem wenigstens noch an steigenden Kursen in den USA erfreuen, so ist diese Bastion zuletzt auch gefallen. Die Probleme sind mannigfaltig. Da wäre der Faktor Politik: In Europa sorgt der Streit um die Verschuldung Italiens für Unruhe, ebenso das endlose Gezerre um den Brexit. Dazu kommt der Dauerzwist zwischen China und den USA, was das Thema Zölle und Freihandel angeht und der gefühlt von Woche zu Woche neue Eskalationsstufen erreicht.

Dann der Faktor Konjunktur: Weltweit schwächt sich das Wachstum ab. Gleichzeitig haben die Notenbanken aber zum einen ihr Pulver scheinbar schon verschossen (Europäische Zentralbank EZB, Bank of Japan) oder sind schon so weit am „Normalisieren“, dass dies zum Bremsfaktor werden kann (US-Notenbank Fed). Und in China stehen die Verantwortlichen vor dem Dilemma, gleichzeitig den Schuldenberg abtragen zu müssen, ohne dabei die Wirtschaft abzuwürgen (siehe Seite 16).
Und letztlich der Faktor Unternehmensgewinne: Die sind immer noch gut, allerdings lässt die Dynamik bei der Gewinn­entwicklung nach. Je nach Sektor mehr oder weniger. So manche Branche kämpft mit großen strukturellen Problemen.

Nun weiß man aus der Vergangenheit, dass größere Börsenabschwünge immer Hand in Hand gingen mit einer Rezession. Bisher ging man stets davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit einer Rezession im kommenden Jahr oder 2020 sehr gering ist. Das hat sich allerdings geändert. Der viel beachtete Rezessionsindikator des Analyse-Instituts Ned Davis Research (NDR) geht inzwischen von einer Rezessionswahrscheinlichkeit von mehr als 80 Prozent für die Weltwirtschaft aus — die USA allerdings ausgeklammert. Dort steht der Indikator im krassen Gegensatz dazu bei nur 30 Prozent.

Genau diese Diskrepanz macht es so schwer, die Lage an den Märkten zu beurteilen. Die Entwicklung weltweit ist alles andere als homogen. Die US-Bank Morgan Stanley nennt die Korrektur an den Märkten daher recht passend einen „rollenden Bärenmarkt“. Anstelle ...

Mittwoch, 5. Dezember 2018

Entscheidende Tage

So ganz will man sich noch nicht verabschieden von der Hoffnung auf eine Jahresendrally. Viel Zeit bleibt aber nicht mehr. Trump und Co haben zwar gut vorgelegt, doch letztlich hängt es jetzt wohl an den Briten. 

Hat man man sich also doch geeinigt im Handelsstreit? Oder haben wir es lediglich mit einem Aufschieben des Problems zu tun? Zusammengesetzt hat man sich jedenfalls: Donald Trump und Delegation sowie sein chinesischer Widerpart Xi Jinping, ebenso mit Delegation. Es war fast nicht zu vermeiden, schließlich waren beide Parteien Teil des G-20-Gipfels in Buenos Aires.

Vereinbart wurde zunächst eine Frist von 90 Tagen, während der „die Waffen“ ruhen sollen und weiterverhandelt wird. Die geplante Erhöhung der Strafzölle auf chinesische Exporte in die USA fällt also erst einmal aus. China hat wohl auch zugesagt, dass man selbst deutlich mehr US-Produkte importieren will. Zudem soll über heiße Eisen gesprochen werden, beispielsweise über Urheberrechtsschutz oder Marktbarrieren. Die Börse goutierte die Vereinbarungen mit anfänglich deutlichen Gewinnen, auch die Notierungen an den Rohstoffmärkten legten ordentlich zu. Kommt sie also doch noch, die viel beschworene Jahresendrally?

Das Jahr neigt sich jedenfalls dem Ende zu. Und es wird als ein schwieriges in die Geschichte eingehen. Denn fast alle Anlageklassen werden — sofern sich nichts Dramatisches mehr tut — mit einem Minus dastehen. Lediglich US-Aktien schafften dank des starken Dollar wenigstens für Euroanleger ein Plus. Selbst der Goldpreis konnte sich dem allgemeinen Abwärtssog nicht entziehen.

Ein ähnliches Szenario gab es zuletzt vor zehn Jahren während der Finanzkrise...

Mittwoch, 28. November 2018

Aktienrückkäufe und die Folgen

Zuletzt haben sich die Kurse zwar wieder etwas erholt, doch die Korrektur der zurückliegenden Wochen war heftig. Sogar an der US-Börse, die sich in diesem Jahr anfangs noch am besten gehalten hatte. Über Ursachen und Wirkungen.

Es dreht sich gerade viel an den Märkten. Beispiel USA: Die Wall Street konnte sich lange gegen den Abwärtstrend wehren, der im Verlauf des Jahres viele Märkte erfasst hat. In den vergangenen Wochen traf es US-Aktien dafür umso heftiger. Vor allem an der Nasdaq ging es deutlich abwärts. Bisherige Anlegerlieblinge wie Facebook oder Amazon verloren über 20 Prozent, bei Apple war es fast so schlimm. Bemerkenswert, weil dies die bisherigen Antreiber der Aktienrally waren.

Im Gegensatz dazu hielten sich Titel aus eher traditionellen Branchen wie American Express oder Coca-Cola sehr gut. Haben wir es hier also mit der üblichen — und durchaus gesunden — Branchenrotation zu tun, die zum Auf und Ab der Börse einfach dazugehört? Werden teure Aktien verkauft und stattdessen Value-Titel aufgestockt?

In einem gewissen Maß ist das sicher so. Aber eben nicht ausschließlich. Tech­unternehmen haben auch deswegen stark zur Rally beigetragen, weil ...

Mittwoch, 21. November 2018

Komplizierte Frustbewältigung

Der aktuelle Nachrichtenmix sorgt nicht gerade für gute Laune an der Börse. Im Gegenteil. Viele Faktoren sprechen dafür, dass die Jahresendrally dieses Mal ausfällt. Oder passiert doch noch etwas unerwartet Positives? 

Spaß macht das alles gerade nicht. Die Unsicherheit an den internationalen Börsen lässt einfach nicht nach. Schuld ist ein Mix aus politischem Ärger, Angst vor einer neuen Eurokrise, steigenden Zinsen in den USA und einer langsamen Abschwächung der weltweiten Konjunkturdynamik — gut zu sehen am Rückgang des deutschen Bruttoinlandsprodukts wegen der Schwäche der Autoindustrie. Insgesamt sieht es nicht nach Besserung in all diesen Bereichen aus.

Vor allem die Politik steht weiter im Fokus. Beispielsweise der Haushaltsstreit der EU-Kommission mit der italienischen Regierung – die Kommission tagt dazu auch schon wieder. Außerdem findet am Wochenende ein EU-Sondergipfel zum Brexit statt. Und beides sind eher Termine, die für noch mehr Verdruss sorgen als für Hoffnung.

Beispiel Brexit: Den britischen Forderungen nach einer Neuverhandlung des Vertragsentwurfs erteilten Deutschland und andere EU-Staaten eine Absage. Gleichzeitig steht Premierministerin Theresa May stark unter Druck und muss sich womöglich einem Misstrauensvotum stellen. „Die Aussicht auf eine Kursrally zum Jahresende ...

Dienstag, 13. November 2018

Alte Probleme, neue Hoffnungen

War es das schon mit der Erholungsrally nach den Wahlen in den USA? Die Kurse sind wackelig – in Europa wie in Übersee. Die Stimmung der Börsianer ist so schlecht wie selten zuvor. Da kann es eigentlich nur besser werden.

Die Stimmung an der Börse ist weiter mies. Schon der Start in die Handelswoche war miserabel — nach eigentlich gutem Beginn ging es beispielsweise beim DAX um 1,8 Prozent abwärts. Ähnlich sah es an der US-Börse aus. Nach einem deutlichen Minus notiert der breite Aktienindex S & P 500 nun wieder unter seiner 200-Tage-Linie. Die Rally nach der überstandenen US-Wahl scheint passé.

Doch woran liegt es? Es herrscht Unsicherheit an allen Orten. Angefangen bei den Unternehmen, die zuletzt doch eigentlich eher mit guten Nachrichten aufwarten konnten. Nicht so in dieser Woche. Besonders Techwerte kamen unter Druck: Bei Infineon waren Anleger mit dem Autogeschäft nicht zufrieden, bei SAP sei die Übernahme von Qualtrics zu teuer (siehe Seite 8) und bei Apple belasteten Gerüchte, dass ein Zulieferer für Gesichtserkennungstechnologie die schwache Nachfrage eines „wesentlichen“ Kunden beklagte.

Auch das Auf und Ab beim Ölpreis ...

Mittwoch, 7. November 2018

Hoffen auf den nächsten Gipfel

Die Märkte sind im Wartemodus. Politisch sind die Unsicherheiten nach wie vor groß. Aber vielleicht gelingt beim kommenden G-20-Treffen in Argentinien endlich ein nachhaltiger Durchbruch in Sachen Handelskonflikte.

Die Börsen haben sich zuletzt etwas erholt — sicherlich bedingt durch technische Faktoren, aber auch dank guter Unternehmensergebnisse. Hinzu kommt, dass US-Präsident Donald Trump Entspannung im Handelsstreit mit China signalisierte. Es gebe Fortschritte, man werde sich beim nächsten G20-Gipfel Ende November in Argentinien auf höchster Ebene zusammensetzen. Positiv: Chinas Präsident Xi Jinping ist laut Presseberichten ähnlicher Meinung.

Zu früh sollten Anleger sich indes noch nicht freuen, schließlich geht es in der Beziehung der beiden Länder schon seit Monaten hin und her. Außerdem könnten Trumps Worte kurz vor den Zwischenwahlen auch nur taktisches Geplänkel gewesen sein ...

Mittwoch, 24. Oktober 2018

Schwelende Konflikte, schwache Kurse

Nach wie vor gibt es an den Börsen keinen Grund zu jubeln. Im Gegenteil. Vor allem in Europa sacken die Kurse weiter ab. Der DAX beispielsweise stürzte nach schlechten Nachrichten sogar auf den tiefsten Stand seit knapp zwei Jahren ab.

Das war es schon wieder mit der in der dritten Oktober-Woche vorsichtig aufgekommenen positiveren Stimmung. Denn schon zum Start der vierten Kalenderwoche ging es wieder abwärts. Schuld waren schwächere Unternehmenszahlen aus den USA, die ungelösten Problemfelder Saudi-Arabien, Brexit und Italien, der schwelende Handelskonflikt der USA mit China sowie im Fall des DAX das für Bayer so eklatante Glyphosat-Urteil (siehe auch Titelgeschichte).

Von großer Bedeutung wird sein, ob die parallel zum Erscheinen dieser Ausgabe von BÖRSE ONLINE anstehenden neuen Quartalszahlen von Microsoft (24.10.) sowie Alphabet und Intel (beide am 25.10.) für etwas Stabilität sorgen können. Dazu kommen ebenfalls zum Wochenschluss die neuesten Daten zur Entwicklung des US-Bruttoinlandsprodukts (BIP) im abgelaufenen dritten Quartal. Mittelfristig wichtig: die Midterm-Wahlen in den USA, die am 6. November anstehen.

Die Unsicherheit an den Märkten ist derzeit jedenfalls enorm. Insgesamt ...

Donnerstag, 20. September 2018

Die Macht der zwei Kom­po­nen­ten

Die Märkte tendieren weiterhin eher seitwärts. Die Gründe dafür sind bekannt. Wobei viele Anleger derzeit die negativen Aspekte höher bewerten als die positiven.

Von der Ruhe, die im vergangenen Jahr die Märkte dominierte, ist in diesem Jahr wenig geblieben. Vielleicht auch kein Wunder: Viele Aktien sind recht hoch bewertet und notieren gleichzeitig -gerade an der US-Börse -nah an ihren Rekordständen. Externe Faktoren bringen die Märkte dann schneller aus dem Gleichgewicht, als Anleger es in den vergangenen Jahren gewohnt waren.

Gemeint ist dabei vor allem die Krise im Welthandel, die immer neuen Zölle und Beschränkungen. Gerade weil man sich keinen rechten Reim auf die gegenseitigen Drohungen im Handelsstreit machen kann, nehmen die Schwankungen der Märkte zu. "Jede Seite stellt die andere auf die Probe und testet die Schmerzgrenze aus, um die eigentlichen Ziele zu erkennen. Das irritiert die Märkte", sagt beispielsweise Matt Miller, Volkswirt von Capital Group.

Das zweite Problem sind die Bewertungen. Unter Investoren steigt die Sorge, dass es deswegen irgendwann zu einer deutlicheren Korrektur ...

Donnerstag, 13. September 2018

Ein Schritt vorwärts und zwei zurück

Die Probleme werden nicht weniger: Handelskonflikte, Währungskrisen, Italiens Schuldenberg. Darunter leiden aber nicht alle Märkte -vor allem US-Aktien halten sich gut.

Es ist wie in den Wochen zuvor: Die Börse New York hält sich gut, die Märkte in Europa dagegen schwächeln. Euro Stoxx und DAX sind inzwischen an charttechnisch wichtigen Punkten ankommen: Fallen die Indizes weiter, sieht es nicht gut aus; halten die Unterstützungen, darf man noch einmal Hoffnung schöpfen für den Rest des Jahres.

Dass die Kurse wackeln, liegt sicher auch daran, dass entscheidende Termine anstehen: vor allem die Brexit-Verhandlungen im Vorfeld des EU-Gipfels, der wiederum am 20. September stattfindet. Außerdem hält die Europäische Zentralbank (EZB) eine Sitzung ab, parallel zum Erscheinen dieses Heftes. Allerdings dürfte es dabei wenig Neues geben. Vor allem sind Zinserhöhungen nach wie vor nicht zu erwarten. Die EZB bleibt auf Kurs.

Desgleichen die US-Notenbank Fed. Die dürfte Ende des Monats den Leitzins um einen weiteren Viertelpunkt nach oben setzen. Die Wirtschaft läuft schließlich immer noch sehr gut – neuestes Indiz hierfür ist der Anstieg des ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe auf den höchsten Stand seit Mai 2004. Dazu kommt, dass ein viel beachteter Optimismus-Index für kleinere Unternehmen auf dem höchsten Stand seit 1983 notiert.

Das sollte sich auch weiterhin positiv auf den Gewinntrend ...

Mittwoch, 5. September 2018

Das große Driften

Dass sich die Weltwirtschaft inzwischen je nach Region sehr unterschiedlich entwickelt, sorgt für große Turbulenzen, speziell an den Devisenmärkten. Das ist auch für die Aktienmärkte gefährlich.

Man hört es immer öfter: Die Börsen stünden höchstwahrscheinlich vor einem zyklischen Hoch. Die Party sei bald vorbei. Und es gibt durchaus gute Argumente dafür, etwa das weltweite Auseinanderdriften der Märkte: Die Konjunktur in den USA läuft deutlich besser als in anderen wichtigen Regionen, was zu einer gewissen Instabilität führt. Hier wieder ein Gleichgewicht zu finden ist diffizil: Entweder das Tempo der US-Wirtschaft verlangsamt sich, und/oder das Wachstum in China und dem Rest der Welt zieht deutlich an. Im Moment jedoch sieht es weder nach dem einen noch nach dem andern aus. Die Stärke der amerikanischen Wirtschaft und des Dollar bekommen dabei aktuell weniger die USA selbst als vielmehr alle anderen Länder auf dem Globus zu spüren — vor allem diejenigen, die hohe Dollarschulden aufweisen, was auf die meisten Schwellenländer zutrifft.

Dass Währungen wie der argentinische Peso und die türkische Lira in kurzer Zeit 40 bis 60 Prozent ihres Werts verloren haben, ist nur die Spitze des Eisbergs. Der starke Greenback jedenfalls dürfte dazu führen, dass die Notenbanken außerhalb der USA über kurz oder lang straffere geldpolitische Rahmenbedingungen schaffen müssen.

Längerfristig wiederum scheint eine Verlangsamung des US-Wachstums wahrscheinlicher als ein Aufleben der chinesischen oder europäischen Wirtschaft. Zumindest zeigen das die Frühindikatoren derzeit so an. Das Problem: Wenn die US-Notenbank die Geldpolitik nun deut-licher strafft als bisher angenommen, um  höherer Inflation vorzubeugen, könnte das zwei unangenehme Folgen haben — der Dollar wird noch teurer, und gleichzeitig nimmt die Dollarliquidität ab.

Aktuell indes herrscht in den USA noch eitel Sonnenschein. Da profitieren ...