Dienstag, 15. Oktober 2019

„Jetzt ist es ein Liebesfest“

Im Handelskonflikt zwischen den USA und China scheint sich eine Lösung anzubahnen. Der US-Präsident gibt sich fast euphorisch. Das sollte den stagnierenden Märkten helfen.

Es kommt tatsächlich Bewegung in die Sache: In dem schon seit gut einem Jahr andauernden Handelskonflikt mit China hat US-Präsident Donald Trump am vergangenen Wochenende eine Einigung verkündet. Ein Teilabkommen soll unterzeichnet werden. Es sei „Phase 1“ eines umfassenden Handelsvertrags, in dem es zunächst um Themen wie Finanzdienstleistungen, Währungsfragen, Agrarprodukte sowie um den Schutz geistigen Eigentums geht.

Vorausgegangen war ein Treffen mit dem chinesischen Vize-Ministerpräsidenten und Chefunterhändler in Sachen Handelskonflikt Liu He in Washington. Ein Anfang scheint also gemacht, weitere Streitpunkte sollen dann in einer zweiten und womöglich dritten Phase geklärt werden. An den Börsen wurde die Nachricht zunächst positiv aufgenommen, auch wenn China in einer ersten Reaktion etwas zurückhaltender reagierte und von „substanziellen Fortschritten“ sprach. Die Kurse in den USA, Europa und Asien machten jedenfalls einen Sprung, gaben dann aber wieder etwas nach, weil es eben bislang nur eine „mündliche“ Vereinbarung ist. Trump kündigte jedoch an, dass das Abkommen vermutlich beim Treffen mit Chinas Staatspräsidenten Xi Jinping auf dem Gipfeltreffen der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (APEC) in Chile am 16. und 17. November unterzeichnet werden soll.

Trump jedenfalls ist guter Dinge und verkauft sich als Sieger: „Es gab viele Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und China, und jetzt ist es ein Liebesfest“, sagte er. „Das ist eine gute Sache. Das ist gut für China, es ist gut für uns, aber es ist auch gut für die Welt.“ Gut ist es auch für ihn selbst. Denn einen Erfolg hat Trump dringend nötig. Die täglich neuen Details zur Ukraine-Affäre setzen ihn mächtig unter Druck. Und da auch die konjunkturellen Alarmzeichen zunehmen, muss der Präsident in seiner Paradedisziplin andere Erfolge vorweisen — das sind nun eben einmal die Ökonomie und die Börse, über die er sich definiert.

Ein Ende des Konflikts mit China dürfte viele amerikanische Unternehmen beruhigen. ...

Mittwoch, 9. Oktober 2019

Warten auf die großen Deals

Die Börsen stagnieren und könnten weiter fallen. Es sei denn, es kommt zu einigen grundlegenden Entscheidungen.

Die Märkte hängen erst einmal fest, die Korrektur hat etwas größere Ausmaße angenommen. Der Grund ist recht simpel: Es fehlt an fundamentalen Triebfedern, die den Indizes über ihre starken Widerstände hinweghelfen könnten — der DAX kommt bislang nicht nachhaltig über 12 400/12 500 Punkte hinaus, und der Dow Jones prallt immer wieder von der 27 000er-Marke ab. Zwar ist die Bewertung an den Börsen nicht übermäßig teuer, aber eben auch nicht besonders billig. Dazu kommt, dass die Prognosen für die Unternehmensgewinne zuletzt recht moderat ausfielen, Indikatoren wie der ISM--Einkaufsmanagerindex doch deutlich nachließen, andere wie der Arbeitsmarktbericht Licht und Schatten zeigten und damit auch nicht für bessere Laune sorgen konnten. Dennoch — und das ist wichtig — sieht es auch weiterhin und trotz der schlechteren Daten nicht nach einer anstehenden Rezession aus. 

Es ist also gar nicht so abwegig, dass die Märkte in den folgenden Handelstagen noch etwas weiter nachlassen, bevor sie einen Boden finden. Es sei denn, es passiert Entscheidendes in den eher politischen Problemfeldern dieses Jahres. Denn da ist richtig was los.

Da wäre der Handelskonflikt. Zum Ende der Woche reist Chinas Vizeministerpräsident Liu He nach Washington, um mit Finanzminister Steven Mnuchin und dem Handelsbeauftragten Robert Lighthizer erneut über eine Einigung zu beraten. Vielleicht kommt dabei etwas heraus. US-Präsident Donald Trump ließ jedenfalls wissen, dass die Handelsgespräche nun eine wichtige Phase erreicht hätten und die Möglichkeit für einen Deal mit China bestünde. Eine baldige Einigung dürfte im Sinne von Trump sein. 2020 ist Wahljahr. Mit einer schwächelnden Wirtschaft dürfte ihm die Wiederwahl kaum gelingen.

Was eher gegen eine schnelle Lösung spricht, ist der Fall Huawei. Trotz der anstehenden Handelsgespräche steht der chinesische Technologiekonzern immer noch auf der Sanktionsliste der Amerikaner, die zudem Indien und andere Länder vor den Gefahren warnen, die von Huawei ausgehen. Zum Ärger der Chinesen.

Auch in Sachen Brexit scheint sich etwas zu tun. ...

Mittwoch, 21. August 2019

Bunter Krisencocktail

Ein ganzer Reigen aus negativen Nachrichten belastet derzeit die Börsen. Seit Neuestem sorgen auch die Unruhen in Hongkong für Unsicherheit. Und natürlich weiterhin Donald Trump.

Es geht hin und her. Die Stimmung an den Aktienmärkten ist hoch nervös. Gründe dafür gibt es viele. Unter anderem sind es auch die Ereignisse an den Rentenmärkten. Dort sind nämlich die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen unter das Renditeniveau der zweijährigen Papiere gefallen. Inverse Zinskurve heißt das im Volkswirte-Jargon. Und diese Inversion deutet darauf hin, dass Anleger in Zukunft deutlich niedrigere Zinssätze respektive Inflationsraten erwarten — was typischerweise dann der Fall ist, wenn die Konjunktur schwächelt und eine Rezession im Anmarsch ist.

Angesichts solcher Aussichten neigt dann mancher gleich zur Panik. Denn: „Es gibt Statistiken, die zeigen, dass in den USA eine Inversion der Zinskurve in den vergangenen 70 Jahren immer der Vorbote einer Rezession war“, schreibt Ali Masarwah vom Analysehaus Morningstar in seiner sehr treffenden Kolumne „Ist der liebe Gott eine Zinsstruktur?“.

Allerdings, und das ist der große Unterschied zu den zurückliegenden 70 Jahren, haben die Notenbanken in den vergangenen Jahren mit ihren Anleihekaufprogrammen dazu beigetragen, die Renditen langlaufender Papiere nach unten zu drücken. Die Aussagekraft des Indikators wird dadurch geschmälert, vielleicht sogar ganz ausgehebelt. „Halten wir also fest, dass die Zinskurve ein Signal unter vielen ist, wie es auch andere volkswirtschaftliche Indikatoren sind, die wir alltäglich in den Nachrichten hören“, so Masarwah weiter. Eine Meinung, der wir uns gern anschließen.

Neben zahlenbasierten Indikatoren — wie eben der Zinskurve — sind es derzeit ...

Dienstag, 13. August 2019

Ruhe nach dem Sturm

Der Sommer bleibt schwierig für Aktienanleger. Die USA und China tragen beide ihren Teil dazu bei. Trotzdem kommt man an Aktien kaum vorbei. Auch weil die Zinsen niedrig bleiben.

Die Märkte haben sich wieder etwas beruhigt nach den zuletzt recht turbulenten Tagen mit US-Zinssenkung, neuer Eskalation im amerikanisch-chinesischen Handelsstreit und den immer massiver werdenden Protesten in Hongkong. Trotzdem wird man sich auf die neuen Gegebenheiten wohl erst noch einstellen müssen.

Denn gerade das Unverständnis zwischen den USA und China hat sich wohl vertieft. „China scheint den breiten politischen Konsens in der US-Politik zwischen Republikanern und Demokraten über Pekings zutiefst unausgewogene und unfaire Verwendung von Handelsregeln und seinen Mangel an Respekt vor geistigem Eigentum unterschätzt zu haben“, sagt etwa Benjamin Melman, Chef-Investor beim Geldverwalter Edmond de Rothschild. Es sei aber auch umgekehrt so, dass die USA anscheinend nicht einkalkuliert haben, dass einige ihrer Forderungen als Angriff auf die chinesische Souveränität angesehen würden.

Die schlechte Nachricht dabei: Es wurden bereits einige potenziell gefährliche Eskalationsstufen zwischen den USA und der Volksrepublik erreicht. Die gute Nachricht: Keines der beiden Länder hat letztlich ...

Dienstag, 6. August 2019

Aggression und Reaktion

Das Thema Handelsstreit beherrscht wieder die Börsenentwicklung. Dass China ganz offensichtlich sogar jetzt den Yuan abwertet, ist dabei die jüngste Form der Eskalation.

Eine richtig heftige Woche war das! Die US-Notenbank Fed senkte den Zinssatz um 25 Basispunkte — was an den Märkten durchaus positiv aufgenommen wurde, die Aktienkurse stiegen zunächst. Doch danach war es wieder einmal an US-Präsident Donald Trump, den Lauf an den Börsen zu verändern.

Der schwang in seiner gewohnten Art die rhetorische Keule, indem er — natürlich per Tweet — zusätzliche Strafzölle auf chinesische Waren ankündigte. Umgehend stürzten die Kurse wieder ab, deutlicher als sie zuvor gestiegen waren. Damit war und ist das alte Thema Handelskonflikt wieder ein wichtiger Faktor an den Aktienmärkten.

Denn die Retourkutsche aus Peking kam prompt: Die Notenbank, die People’s Bank of China, scheint nämlich auf neuem Kurs und hat die Stützung der Landeswährung offensichtlich aufgegeben. Anfang der Woche rutschte der Yuan auf den tiefsten Stand seit elfeinhalb Jahren. Erstmals seit 2008 kostet ein Dollar wieder mehr als sieben Yuan. Effekt: Durch die Abwertung werden chinesische Exporte in den Dollarraum billiger. Die Strafzölle der USA werden somit zu einem guten Teil kompensiert und verfehlen ihre Wirkung. Und damit nicht genug: Zusätzlich wurden Chinas Unternehmen von Peking angewiesen, keine Agrarprodukte aus den USA mehr zu importieren.

Trumps Handeln ist vermutlich wieder politisch motiviert. Ein Blick auf die Wahlumfragen zeigt, dass sein harsches Vorgehen in Sachen China bei vielen Wählern ...

Dienstag, 30. Juli 2019

Jetzt liegt’s an der Fed

Die Europäische Zentralbank hat sich in der zurückliegenden Woche noch geziert – anders die US-Notenbank Fed. Sie wird die Leitzinsen senken: um wie viel, ist allerdings noch unsicher.

Es geht Schlag auf Schlag. Vergangene Woche war es an der Europäischen Zentralbank EZB, in der laufenden Woche ist es die US-Notenbank Fed, die über die Richtung der Geldpolitik entscheidet. Vermutlich wird es hier anders ausgehen: EZB-Chef Mario Draghi hat sich bekanntlich entschlossen, vorerst keine weiteren Maßnahmen einzuleiten, die für noch mehr Liquidität sorgen, dagegen gilt eine Zinssenkung der Federal Reserve als so gut wie sicher.

Die meisten Beobachter gehen davon aus, dass Fed-Präsident Jerome Powell den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte vermindern wird, „als Absicherung gegen eine Abkühlung der US-Konjunktur“, so die Commerzbank-Volkswirte Christoph Balz und Bernd Weidensteiner in einer Analyse. Eigentlich wäre sogar ein Schritt um 0,5 Punkte möglich. Dies könne man am Markt aber „als Signal auffassen, dass die Fed-Verantwortlichen sich ernsthafte Sorgen machen und womöglich etwas wissen, was der Markt nicht weiß“.

So oder so kann man aber davon ausgehen, dass der 31. Juli, der Tag der Sitzung des Federal Open Market Committee, den Startpunkt für einen neuen Zinssenkungszyklus markiert. Nicht nur Aussagen von Powell deuten darauf hin, nein, das ganze Komitee scheint dahinterzustehen: Äußerungen etwa von Fed-Vizepräsident Richard Clarida und vom New Yorker Fed-Präsidenten John Williams zielen klar in dieselbe Richtung.

Es ist zwar so, dass die US-Wirtschaft nach wie vor erstaunlich robust ist — gut zu sehen an den Daten zum Arbeitsmarkt, den Einzelhandelsumsätzen und der Industrieproduktion sowie an der mit 2,1 Prozent recht hohen Kerninflationsrate. Allerdings scheint die Fed ihre Entscheidungen ...

Dienstag, 23. Juli 2019

Locker bleiben

Die beiden wichtigsten Notenbanken der Welt werden in den kommenden Tagen über die Richtung der Geldpolitik beraten. Die Börse könnte neue Impulse gut gebrauchen.

Jetzt gilt’s! Diese Woche tagt die Europäische Zentralbank (EZB). Die Erwartungen der Börsianer sind durchaus hoch, nachdem Notenbankchef Mario Draghi vor gut einem Monat laut über eine weitere Lockerung der Geldpolitik nachgedacht hatte. Das Problem ist nur, dass er sich zeitlich nicht festlegen wollte. Entscheidende Kriterien für ihn: die Inflationserwartungen und der Zustand der Konjunktur. Gibt es hier keine signifikante Erholung, wird er wohl zur Tat schreiten. Doch wird er es jetzt schon tun?

Die Meinungen dazu sind geteilt. Wobei auffällt, dass zuletzt immer mehr Ökonomen und Großanleger davon ausgingen, dass Draghi eher früher als später agieren wird. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters rechnen 60 Prozent der Anleger damit, dass die EZB schon diesen Monat den Einlagenzinssatz um 0,1 Prozentpunkte senkt — die Commerzbank geht sogar von 0,2 Punkten aus. Aktuell liegt dieser Zinssatz, den Banken bezahlen müssen, wenn sie Geld bei der EZB parken, bei minus 0,4 Prozent. Bleibt die Frage, wie der Markt auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik reagieren wird. Und wie viel an Erwartungen schon eingepreist ist. Aktien könnten auf diese Weise jedenfalls neuen Auftrieb bekommen.

Gründe für eine Lockerung gibt es genug: Die Industrieaufträge in Deutschland beispielsweise sind zuletzt doch deutlich zurückgegangen. Ob und wie ...

Mittwoch, 10. Juli 2019

Mi­ni­mal­ziel erreicht

Die Börsen haben neuen Schwung. Vor allem wegen der - vorläufigen - Beruhigung im Handelskonflikt der USA mit China. Aber auch, weil die Notenbanken die Märkte weiter mit Geld versorgen.

Wochenlang hatte man als Anleger gespannt auf den G-20-Gipfel in Osaka gewartet. Jetzt ist er rum. Doch was bleibt? Letztlich ist dabei nur wenig herausgekommen. Zwar haben sich Chinas Präsident Xi Jinping und US-Präsident Donald Trump grundsätzlich geeinigt, die Handelsgespräche fortzusetzen, wirklich konkret sind sie dabei aber nicht geworden. Immerhin: Ein Minimalziel wurde also erreicht.

Die Fondsgesellschaft DWS wirft nun die interessante Frage auf, welche Indikatoren man denn beachten soll, um die nach wie vor anhaltenden Spannungen zwischen den beiden Großmächten besser zu verstehen. Fündig geworden sind sie beim Wechselkurs des koreanischen Won zum US-Dollar. Das mag zunächst irritieren, macht aber durchaus Sinn. Südkorea ist auch dank seiner Exportstärke "seit Langem vergleichsweise stark globalen Wachstumstrends ausgesetzt". Anzeichen für ein schwächeres Wachstum im nahen China als Folge der Handelsspannungen mit den USA könnten daher Koreas Volkswirtschaft hart treffen -und damit eben auch die Landeswährung Won.

Seit der Wahl von Trump im Jahr 2016 hat der Won recht gut als Frühindikator für die Trends an den Aktienmärkten funktioniert, "insbesondere für die relative Wertentwicklung chinesischer Aktien im Vergleich zu globalen Aktien", so die DWS. Einfach zusammengefasst: je schwächer der Won, desto schwieriger die Beziehungen der USA zu China, desto schwächer die Börsen.

Seit der Einigung von Osaka jedenfalls ist es andersherum: Der Won hat deutlich an Wert gewonnen, noch deutlicher, als die Zuwächse an den Aktienmärkten waren. Das ist eigentlich ein positives Signal. Doch ein Indikator allein genügt bekanntlich nicht, um einigermaßen sinnvolle Prognosen anzustellen.

Im Moment sieht das an den Aktienmärkten dennoch gar nicht so schlecht aus. Gerade was New York angeht. Weil eine US-Rezession ...

Mittwoch, 3. Juli 2019

Hand drauf

Amerikaner und Chinesen haben einen Konsens gefunden. Es wird wieder verhandelt, um doch noch ein bilaterales Handelsabkommen abzuschließen. Effekt: Die Börsen steigen deutlich.

Man scheint sich doch noch zu einigen. Peking und Washington haben beim G-20-Wochenende, das am Samstag im japanischen Osaka zu Ende ging, wohl eine Art Burgfrieden geschlossen: Beide Seiten wollen -zumindest zunächst -nicht weiter die Zollsätze erhöhen. Auch die Lieferblockade gegenüber dem chinesischen Telekomausrüster Huawei wird seitens der USA gelockert.

Letztlich soll nun doch weiterverhandelt werden, mit dem Ziel eines bilateralen Handelsabschlusses. "Das Treffen mit Chinas Präsident Xi Jinping ist ausgezeichnet gewesen", sagte US-Präsident Donald Trump. Er gehe davon aus, dass China und die USA wieder auf Kurs seien. Trump sagte, die Gespräche seien "sogar besser als erwartet" verlaufen. Man werde mit China "dort weitermachen, wo wir aufgehört haben". Zuletzt waren die Gespräche im Mai abgebrochen worden.

Bilaterale Abschlüsse scheinen ohnehin das nun bevorzugte Mittel auch anderer Staaten und Staatenbünde zu sein. So haben die EU und die südamerikanische Wirtschaftsgemeinschaft Mercosur gerade eines abgesegnet, ähnlich dem Abkommen der EU mit Japan. An den Märkten wurde dies alles jedenfalls so goutiert, wie man es als Optimist durchaus erwarten konnte: Die Trump'schen Aussagen aus Osaka hievten die Kurse an der Wall Street nach oben. Und nicht nur dort, auch in Asien und Europa stiegen die Kurse deutlich - der DAX schaffte sogar ein neues Jahreshoch. Gleichzeitig kletterten der US-Dollar sowie der Ölpreis, während der Goldpreis deutlich fiel.

Bleibt die Frage, ob die Kursavancen von Dauer sind. Clemens Fuest, Chef des Münchner Ifo-Instituts, glaubt nicht an eine nachhaltige Wende im amerikanisch-chinesischen Handelskonflikt. "Es spricht viel dafür, dass die USA den wirtschaftlichen Aufstieg Chinas hemmen wollen, weil sie in China eine Konkurrenz für ihre geopolitische Vormachtstellung sehen." Fuest rechnet deshalb mit einer Fortsetzung des Zollstreits.

Allerdings, so Stratege Mark Haefele von der Schweizer Bank UBS, hätten beide Seiten auch großes Interesse, eine Spirale ...

Dienstag, 18. Juni 2019

Der schwere Gang des Mr. Powell

Der Druck auf die US-Notenbank Fed ist enorm. Donald Trump fordert niedrigere Zinsen. Und auch am Markt werden Zinssenkungen erwartet. Jetzt kommt es auf die richtige Wortwahl an.

Wichtige Tage stehen bevor: Am Mittwoch tagt die US-Notenbank Fed und gibt vermutlich Hinweise darauf, ob, wann und wie oft sie in diesem Jahr die Leitzinsen senken wird. Dass sie dazu bereit ist, hatte sie unlängst in Aussicht gestellt.

Und jetzt hat ja auch noch die EZB vorgelegt und ultimative Lockerheit in Aussicht gestellt ...

Jefdenfalls kamen in der Vorwoche Sorgen über eine Beeinflussung der Fed durch die US-Regierung auf, nachdem Präsident Donald Trump — mal wieder — eine Zinssenkung gefordert hatte. Eine Einmischung, die ihm nicht zusteht. Der oberste Währungshüter, Jerome Powell, ist jetzt in einem Dilemma: Muss er Zeichen setzen und mögliche Zinsschritte verschieben?

Ohnehin wird am Markt viel erwartet. Geht es nach den Signalen, die Anleihekurse und Zinsentwicklung senden, dann rechnen die meisten Investoren ab Juli mit bis zu drei Zinssenkungen um jeweils 0,25 Prozentpunkte in diesem Jahr. Eine Menge Holz! Und eigentlich positiv für Aktien. Allerdings — und das ist die Krux an der Sache — könnte ein allzu aggressiver Notenbankchef Powell den Eindruck erwecken, er rechne mit dem Schlimmsten, etwa mit einem ausgewachsenen Handelskrieg mit China und einer dadurch stark nachlassenden Konjunktur. Und das wiederum dürfte dann zu einer Belastung für die Aktienmärkte werden.

Anders gelagert wäre die Sache, wenn es Powell schaffte, eine oder mehrere Zinssenkungen als eine Art „Versicherung“ zu etikettieren, die notwendig ist, um ...