Dienstag, 19. April 2016

Jetzt erst recht, meine Herren

Der schlechten Stimmung zum Trotz steigen die Aktienmärkte. Wir hatten das erwartet. Auch die OPEC kann daran nichts ändern. Schwieriger dürfte es dennoch werden – nicht zuletzt, weil der Mai kommt.

Der DAX scheint sie überwunden zu haben, die 10100er-Marke, an der er sich so lange abgearbeitet hat. Der Dow Jones indes steht bei 18000, was durchaus eine ordentliche Hürde ist. Aber das Allzeithoch von 18 500 Punkten ist auch nicht mehr so weit weg. Dass das ziemliche Widerstände waren und sind, hat man gemerkt, weil es zuletzt sehr volatil zugegangen ist an den Märkten. Die Stimmungswechsel waren sehr abrupt.

Aber insgesamt sind die Befindlichkeiten der Börsianer derzeit eher negativ — trotz der zuletzt doch deutlich gestiegenen Kurse! Ironischerweise ist das aber durchaus gut, das negative Sentiment. So sind weitere positive Überraschungen drin. Wir haben ja schon die vergangenen zwei Wochen immer wieder darauf hingewiesen, auf die vielen Sorgen der Börsianer.

Man erwartet ja nicht viel. In den USA etwa geht man davon aus, dass die gerade angelaufene Berichtssaison die schlechteste seit 2009 sein wird. Allerdings haben die Analysten und Unternehmen ihre Gewinnschätzungen so drastisch gesenkt wie seit fünf Jahren nicht mehr. Ergo wird es wohl mehr positive Gewinnüberraschungen geben als negative. Mit der Folge — man kann es nicht oft genug schreiben — dann doch eher steigender Kurse. Da beschleicht einen fast ein dia­bolischer Gedanke: Vielleicht ist die US-Konjunktur doch stabiler als gedacht?

Aber einer spuckt ja immer in die Suppe. Am Wochenende war es die OPEC, die Organisation erdölexportierender Länder. Der Versuch einiger Mitgliedsstaaten, die Fördermenge zu begrenzen, um die Preise zu stabilisieren, scheiterte kläglich. Der Ölpreis gab zunächst deutlich nach, und die Aktienmärkte, na ja, die hielten sich doch ganz passabel und stiegen nach anfänglichen Verlusten sogar wieder, der DAX sogar auf über 10 300 Punkte.

Was soll man also davon halten? Bisher war es ja so, dass ein fallender Ölpreis Hand in Hand ging mit ebenso fallenden Aktienkursen. Geht man davon aus, dass der Ölpreis wieder fällt, weil das nächste OPEC-Treffen erst im Juni stattfindet, müsste man jetzt eigentlich wieder mit nachgebenden Kursen an den Aktienmärkten rechnen. Es könnte aber auch ganz anders kommen. Zum einen stabilisierte sich der Ölpreis nach dem anfänglichen Minus wieder. Und gleichzeitig besteht durchaus die Möglichkeit, dass sich an den Märkten nun doch langsam die Idee durchsetzt, dass die relativ niedrigen Energiekosten — ganz egal ob das jetzt 30, 40 oder 50 Dollar pro Fass sind — ja eigentlich doch positiv sind für die Konjunkturentwicklung, da die Unternehmen schließlich eine Menge Kosten sparen. Wir hatten an dieser Stelle schon mehrmals über diese Möglichkeit geschrieben. Also ist auch hier — wie bei den Quartalszahlen — doch so einiges an Überraschungspotenzial denkbar.

Was also tun jetzt, der DAX ist schließlich ordentlich geklettert? Wer investiert ist, für den gilt: Gewinne laufen lassen und den nicht zu eng gesetzten Stop-Loss immer schön nachziehen. Wer die Rally bisher verpasst hat, der sollte kleinere Rücksetzer zum Einsteigen nutzen, denn diese werden mit Sicherheit auch wieder kommen, immerhin neigt sich der April ja schon dem Ende zu, und der eher schwierige Börsenmonat Mai steht vor der Tür. Ob dieses Jahr dann die alte Börsenregel „Sell in May and go away“ gilt, für diese Einschätzung ist es allerdings noch zu früh. Denn sie funktioniert ja nicht immer, diese Weisheit. Mehr dazu an dieser Stelle in den kommenden Wochen.

Mittwoch, 13. April 2016

Die Angst vor der Zahlenflut

Die Gewinne der US-Aktiengesellschaften gehen zurück. Zumindest deutet sich das zum Start 
der Berichtssaison an. Doch deswegen müssen die Kurse noch längst nicht fallen: Warum das so ist.

Es ist wieder so weit. In den USA beginnt die Berichtssaison, die Unternehmen veröffentlichen ihre Quartalszahlen. Und wie immer macht der Aluminium­konzern Alcoa den Anfang. Oder besser: machte den Anfang. Am Montag wurden Umsatz- und Gewinnzahlen für das erste Quartal 2016 veröffentlicht. Und die waren schlecht. Zwar sank der Gewinn nicht ganz so schlimm wie befürchtet, aber mit dem Umsatz ging es deutlich stärker abwärts als erwartet. Da stellt sich natürlich die Frage: Sind die Alcoa-News ein Hinweis darauf, dass die ganze Berichtssaison eine Katastrophe wird? Wenn ja, dann steht uns einiges bevor.

Man rechnet ja schon mit zahlreichen Enttäuschungen. Die Analysten von Factset Research jedenfalls gehen davon aus, dass die Unternehmen, die im marktbreiten S & P-500-Index vertreten sind, im Schnitt wohl rund neun Prozent weniger verdienen werden. Das ist zwar nur eine Prognose, kommt es aber so, dann ist das schon eine Menge Holz. Und es wäre auch kein Ausreißer — die Börsianer müssten damit schon das dritte Quartal in Folge einen Gewinnrückgang hinnehmen.
Trotzdem muss das nun nicht der Start für weitere Kursrückgänge an der Börse New York sein — und in der Folge ebenso an den europäischen Marktplätzen. Denn auch im zurückliegenden Jahr war das nicht so. Im Gegenteil: Es hätte sich sogar ausgezahlt, gerade zu Beginn der jeweiligen Berichtssaison zu kaufen. Und das, obwohl bei zweien der Quartale Gewinnrückgänge vorhergesagt worden waren.

Einer der Gründe für das gute Abschneiden gerade während der Berichtssaison ist die generelle Tendenz, dass bei Vorlage der Zahlen die Erwartungen der Analysten übertroffen werden. Im vergangenen Jahr war es jedenfalls so, dass die tatsächlichen Gewinne die Prognosen im Schnitt um vier Prozent übertrafen. Dies relativiert den erwarteten Rückgang von neun Prozent natürlich. Dennoch: Rückgang ist Rückgang. Ohne Gewinne tut sich am Markt nichts. Eine echte und nachhaltige Erholung der Märkte braucht eben Gewinnsteigerungen. Was dem Markt in den kommenden Wochen also guttäte, wären optimistische Äußerungen der Unternehmen hinsichtlich des Ausblicks.

Das ist auch deswegen notwendig, weil die Aktionen der Notenbanken zuletzt nicht mehr besonders viel Eindruck gemacht haben. Fast scheint es so, als ob die Liquiditätsschwemme nichts mehr bewegen könnte. Stattdessen sind Fundamentaldaten jetzt das A und O. Von den Unternehmen etwa in Form positiver Ausblicke. Und ebenso auf der Makroebene, also in Form von Konjunkturindikatoren, die eine Wende zum Besseren andeuten. Die Stimmung am Markt lässt sich angesichts dieser Umstände als „verhalten“ beschreiben. Es geht nicht recht vorwärts, aber auch nicht recht zurück. Immerhin ist von Panik wie zeitweise im Januar und Februar nichts zu spüren.

Um es noch einmal zusammenzufassen: Angefangen von den negativen Entwicklungen in China bis zur Zinswende der US-Notenbank und dem fallenden Ölpreis sprach doch seit Jahresanfang fast alles gegen ein Engagement am Aktienmarkt. Die Folge war der schwächste Jahresauftakt aller Zeiten. Gleichwohl müsste eben dadurch nun vieles bereinigt sein, vieles an negativen Erwartungen sollte jetzt in den Kursen enthalten sein. Die Erwartungen sind trotzdem eher gering. Der eine oder andere posi­tive Ausblick eines US-Börsen-Schwergewichts könnte daher ganz überraschend für bessere Kurse sorgen.

Freitag, 8. April 2016

Wenn es schlimmer nicht mehr geht

Start ins zweite Quartal. Mit Minus an den Börsen. Das hatte man sich doch anders vorgestellt. Warum es immer noch hakt und warum sich die Dinge trotzdem zum Besseren wenden sollten.

Abgehakt. Das erste Quartal des Jahres darf zu den Akten gelegt werden. Mit einem Aufatmen. Denn schlechter konnte es kaum laufen. Also frohen Mutes rein in den April? Denkste: Auch der Start ins neue Quartal ließ sich, nun ja, eher bescheiden an. DAX im Minus, Nikkei im Minus, Dow im Minus.

Jedoch — und das ist die gute Nachricht — dürfte es im gerade begonnenen zweiten Quartal besser werden. Und warum das? Eigentlich ganz einfach: Weil a) die Probleme bekannt sind und b) an Lösungen gewerkelt wird respektive die Dinge sich aufhellen. Die Risiken sind altbekannt: der immer noch recht schwache Ölpreis, die Zinserhöhung in den USA — auch wenn es sich da doch nur um ein Zinswendchen handelt, und dazu dann noch die eher maue Wirtschaftsentwicklung in China.

Was Letztere angeht, da steuert man in Peking gewaltig dagegen. Immerhin. Inwieweit die Maßnahmen greifen, sei mal dahingestellt. Gleichzeitig hat in den USA die Notenbank Fed sich zumindest verbal etwas zurückgenommen und sogar ein Ende der vermeintlichen Zinswende angedeutet. Und schließlich der Ölpreis, der wirkt zuletzt dann doch etwas stabiler, auch wenn er absolut gesehen weiterhin auf höchst niedrigem Niveau verharrt.

An der Börse herrscht derweil große Skepsis, was durchaus als Kontraindikator gewertet werden kann — man kennt ja die Börsianerweisheit, dass die Kurse ganz gern mal die Sorgenwand hinaufklettern, egal, wie hoch die nun ist, jene besagte Wall of Worry. Robert Halver von der Baader Bank traut sich daher die Prognose zu, dass das zweite Quartal das „vielleicht beste in diesem Jahr“ werden könnte.

Allerdings — ganz ohne Einschränkung geht es natürlich auch nicht — ist da noch der große Unsicherheitsfaktor um den möglichen Brexit, den Austritt aus der EU, über den in Großbritannien im Juni abgestimmt wird. Bleiben die Briten in der EU, dürfte es aufwärts gehen, steigen sie aus, stehen turbulente Zeiten an. Dann wären ein Währungskollaps des britischen Pfund und stark steigende Zinsen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit die Folge. Und eine schwere Rezession in Großbritannien. Die hätte natürlich auch Auswirkungen auf die Wirtschaft der EU-Länder.

Dabei mehrten sich zuletzt die Anzeichen, dass die Dinge sich bessern. Der Ifo-Index etwa ist zuletzt stärker gestiegen als erwartet, und das nach dreimal Minus in Folge. Und die Einkaufsmanagerindizes in der Eurozone legten zum Ende des ersten Quartals ebenfalls zu, was die Einschätzung nährt, dass die Bedenken über die Konjunkturentwicklung in der Eurozone übertrieben gewesen sein sollen. Ähnliches gilt für die USA, wo die anfänglichen Irritationen über die Erhöhung der Leitzinsen verdaut zu sein scheinen.

Doch noch will es nicht recht vorwärtsgehen beim DAX und beim Euro Stoxx. Die Märkte hängen immer noch in einem Seitwärtstrend fest. Beim DAX scheint die Marke von 10 100 Punkten bisher unüberwindbar. Daher wäre es nicht unnormal, wenn die Jahrestiefstände noch einmal getestet werden. „Wir haben eine Situation, wo die Psychologie an den Märkten regiert und leider nicht die Fundamentaldaten“, begründet das Experte Halver.

Was tun? Wir bleiben bei unserer Einschätzung, sich nach und nach mit -Aktien einzudecken, Rückschläge zum Kaufen zu nutzen. Die guten Dividendenrenditen sind ein Argument dafür wie auch die niedrigen Zinsen im Anleihenbereich. Jedoch sind weiterhin Geduld und vor allem gute Nerven gefragt.

Dienstag, 29. März 2016

Grausames Hin und Her

Am deutschen Aktienmarkt geht es nicht recht voran. Aber auch nicht zurück. Über eine doch sehr enervierende Seitwärtsphase und was es braucht, um diese endlich zu beenden.

Das erste Quartal des Jahres ist rum. Schwierige Börsenmonate waren das. Der Ölpreis hat eine große Rolle gespielt für die Bewegungen am Aktienmarkt, ebenfalls die Aktionen und Äußerungen der Notenbankverantwortlichen, die so zahlreich wie divergent waren. Am Währungsmarkt ist man auch nervös: Der Yen, der chinesische Renminbi, der US-Dollar — überall große Bewegungen, große Nervosität. Mit entsprechender Rückwirkung auf die Märkte insgesamt.

Doch wie das immer so ist, gehen Phasen, die geprägt sind von großen Bewegungen, gern mal über in Phasen, in denen es eher seitwärts geht. Beim DAX ist das nun schon eine ganze Weile recht gut zu beobachten: Der deutsche Leitindex will einfach nicht über die 10 100 Punkte hinaus, so richtig abwärts geht es aber auch nicht. So ist eine Art Patt entstanden. Das ist richtig enervierend, gerade wenn man versucht, einen Fuß in den Markt zu setzen und dann vielleicht immer wieder auf dem falschen erwischt wird. Für smarte Trader indes ist so eine Seitwärtsphase vermutlich ein großer Spaß: Mal ein paar Hundert Punkte rauf, mal runter.

Von „Richtungssuche“ spricht der Börsianer ganz gern in solchen Zeiten. Aktuell ist diese Situation ja durchaus verständlich. Schließlich hat der DAX sich nach dem  katastrophalen Jahresauftakt gut erholt. Um 15 Prozent ging es seit Mitte Februar zwischenzeitlich nach oben. Da hält man dann eben schon mal inne, um zu schauen, ob das denn so überhaupt Sinn macht.

Dass der DAX die 10 100 Punkte einfach nicht knacken will — zumindest war das bis Redaktionsschluss so —, kann man durchaus negativ interpretieren. Der Widerstand ist enorm, viele wollen in diesem Bereich ihre Aktien loswerden. Man sollte sich also nicht wundern, wenn der DAX in den kommenden Tagen oder Wochen einen weiteren Schwächeanfall erleidet.

So muss es aber nicht kommen, wenn denn die Weltkonjunktur in den April hinein anziehen sollte — allerdings fehlen hierfür derzeit die Signale. Auch die Unternehmensgewinne sollten sich in naher Zukunft verbessern, um neue Argumente für steigende Kurse zu liefern. Schließlich muss sich die lockere Geldpolitik der Notenbanken ja irgendwann und endlich positiv in der Realwirtschaft niederschlagen. Die ganzen Anstrengungen sollen ja nicht nur Selbstzweck sein! L’art pour l’art in der Wirtschaftswelt braucht nun wirklich keiner.

Die Zweifel an der Wirksamkeit der Maßnahmen sind derweil schon recht gewaltig. Um diese zu zerstreuen, müssen die nun anstehenden Wirtschaftsdaten eine Wende zum Positiven andeuten: Etwa die Entwicklung der Verbraucherpreise in der Euro-zone, die statt Deflation nun doch langsam, aber sicher mal das Gegenteil signalisieren sollte. In den USA sind es wiederum die Arbeitsmarktdaten, die — wie immer pünktlich am ersten Freitag eines Kalendermonats — Hinweise darauf liefern, wie robust — oder auch nicht — sich die Lage am Arbeitsmarkt und dadurch auch die Kaufkraft der Amerikaner darstellt. Weil das im Moment vorab aber schwer einzuschätzen ist, ist am Freitag — wie immer — mit heftigen Kursbewegungen zu rechnen. Also vorsichtig sein.

Donnerstag, 24. März 2016

Zupacken geht anders

Der DAX hat Probleme, die 10 000-Punkte-Marke nachhaltig zu überwinden. Zwar hilft die ­weiterhin ­lockere Geldpolitik. Das allein scheint im Moment aber nicht zu reichen. Was es sonst noch braucht.

Zwei wichtige Termine sind durch: Die Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) und das Treffen der amerikanischen Notenbank Fed. Erstere will weiterhin ordentlich Geld in den Markt pumpen. Und Letztere nimmt sich erst mal zurück, was weitere Zinserhöhungen angeht — Folker Hellmeyer von der Helaba sprach ja so passend wie spöttisch vom „Zinswendchen“ in den USA. Wie wahr. Mehr ist das bisher wirklich nicht.

An der Börse geht es seither sehr volatil zu. So recht weiß man mit den beiden Beschlüssen wohl noch nichts anzufangen. Der DAX jedenfalls blieb jetzt doch einige Male bei 10 050 bis etwa 10 100 Punkten hängen und korrigierte zurück in den vierstelligen Bereich. Die 10 000-Punkte-Marke bietet ganz offensichtlich ordentlich Widerstand. Allein die „Alimentierung durch billiges Geld“, so Robert Halver von der Baader Bank, reiche eben nicht aus, um die Kurse jetzt noch weiter anzutreiben. Es bedarf  dann doch dringend des einen oder anderen Signals vonseiten der Konjunktur, das bestätigt, dass all das Bemühen der Notenbanker denn auch etwas bewirkt in der ­Realwirtschaft. Nicht, dass sich die Aktionen als vergeblich herausstellen.

Die EZB bemüht sich zwar, die Wirtschaft durch Förderung der Kreditvergabe anzukurbeln. Doch die Nachfrageseite hinkt nach wie vor hinterher. Die Verbraucher geben zwar mehr Geld aus, und die Konjunkturerholung ist weitgehend auf eben diesen Anstieg zurückzuführen. Doch die Unternehmensinvestitionen stagnieren. Das ist ein Problem. Da die EZB nun so ziemlich ihr ganzes Pulver verschossen hat, ist es zusätzlich auch an den Regierungen, das Wachstum mit anzuregen. Die Regierungen können bereits seit geraumer Zeit zu historisch niedrigem Zins Geld leihen und haben dadurch eigentlich die Möglichkeiten für Investitionen.

Sollte es tatsächlich zu solchen Schritten kommen, dürfte dies helfen; ist doch die Gemengelage bestenfalls gemischt. Positiv ist, dass sich mit dem steigenden Ölpreis und der Stabilisierung der chinesischen Konjunktur zwei Verbesserungen zeigen. Gleichzeitig jedoch drückt die Angst vor einem möglichen Brexit auf die Stimmung, ebenso die Deflation in der Eurozone.

Ebenfalls nicht so toll — zumindest für den deutschen Aktienmarkt — ist die Tatsache, dass nach dem verbalen Rückzug der Fed, was weitere Zinserhöhungen angeht, der Euro aufwertet. Dadurch befürchtet man hierzulande ganz offensichtlich eine Schwächung des deutschen Außenhandels. Eine Art Reflex. Dabei ist der Effekt vermutlich weit weniger schwerwiegend als angenommen. Schließlich war es in der Vergangenheit immer so, dass deutsche Exportunternehmen auch bei weit ungünstigeren Euro-Kursen trotzdem gut abschnitten bei Umsatz und Gewinn.

Was weiterhin für deutsche Aktien spricht, sind die Dividenden. Im DAX haben 24 der 30 Unternehmen ihre Ausschüttungen erhöht. Summa sumarum wird somit die höchste Dividendensumme aller Zeiten ausgeschüttet. Im Schnitt beträgt die Dividendenrendite im deutschen Leitindex inzwischen 3,3 Prozent. In anderen Börsensegmenten ist sogar noch mehr drin: vier, fünf Prozent sind keine Seltenheit — BÖRSE ONLINE wird daher in der nächsten ­Ausgabe pünktlich zum Start der Dividendensaison ausführlich auf die besten Dividendenaktien eingehen.

Mittwoch, 16. März 2016

Lieber Dividenden statt Zinsen

Die EZB hat die Geldpolitik weiter gelockert. Jetzt ist die US-Notenbank Fed mit ihrem Entscheid dran. Viele Gründe, die Zinsen noch mal zu erhöhen, gibt es derzeit nicht. Wie es weitergeht.

Das sieht doch gar nicht so schlecht aus, so wie sich in den zurückliegenden Tagen die Märkte präsentiert haben. Wird ja auch Zeit, dürften Optimisten argumentieren, schließlich halten die Börsenturbulenzen ja schon seit Mitte des vergangenen Jahres an. Die Rückgänge waren stark, je nach Index gab es 20 oder gar 30 Prozent Minus zu verdauen. Doch nun, seit der jüngsten Zinssenkung der EZB, könnte es doch zur erhofften Trendwende kommen. Auch wenn man am Tag der Notenbank-Entscheidung selbst durchaus Zweifel bekommen konnte: 600 Punkte, also gut sechs Prozent, betrug die Tagesspanne am EZB-Donnerstag! Rauf, runter, rauf. Allein das ein Indiz für die unglaubliche Nervosität an den Märkten.

Durch die jüngste Leitzinssenkung hält jedenfalls die Phase der ultralockeren Geldpolitik unverändert an. Verzinsung ist in vielen Bereichen des Anleihemarkts kaum mehr vorhanden. Ganz im Gegenteil: Negativzinsen, so hat es Fondsmanager Jens Ehrhardt berechnet, seien mittlerweile „in Ländern zu finden, die ein Viertel des Welt-Bruttosozialprodukts ausmachen“. Das nutzen natürlich die Emittenten von Anleihen und werfen jede Menge Papiere auf den Markt: Das globale Volumen an ausgegebenen Anleihen ist mit 200 Billionen Dollar mehr als dreimal so groß wie das von Aktien. Das geringere Angebot an Aktien sollte daher mittelfristig für steigende Kurse sorgen, findet Ehrhardt.

Bleibt nur die Frage, wie es mit der Geldpolitik in den USA weitergeht, wo es im Gegensatz zu großen Teilen der restlichen Welt ja zuletzt zu einer Zinserhöhung gekommen ist. Allerdings sind die Argumente für weitere Erhöhungen eher schwach. Dass die Wachstumsrate der US-Wirtschaft im vierten Quartal 2015 von 0,7 Prozent auf ein Prozent nach oben revidiert wurde, ist nicht wirklich ein Indiz für eine überzeugende Beschleunigung des Wachstums. Das ist doch alles eher lauwarm, und das trotz aller lockernden Maßnahmen in den vergangenen Jahren. Schon enttäuschend, dass dies alles nur zur schwächsten Konjunkturerholung der Nachkriegszeit gereicht hat. Wie, bitteschön, kann man in einer solchen Lage weiter an der Zinsschraube drehen? Was würde dies bewirken? Nein, der Notenbank Fed dürfte wohl nichts anderes übrig bleiben, als erst mal die Füße stillzuhalten. Eine Rezession wird man ja wohl nicht riskieren wollen (parallel zum Erscheinungstag dieses Artikels tagt der Ausschuss der Fed).

Die Fed weiß sehr wohl, dass die amerikanische Wirtschaft nicht von der Entwicklung der Weltwirtschaft insgesamt isoliert ist. Die Notenbank dürfte daher eher eine abwartende und beobachtende Haltung einnehmen. Eine Zinserhöhung im März ist somit unwahrscheinlich. Aber man wird vermutlich die Sitzung nutzen, um zu signalisieren, dass man nach wie vor die Absicht hat, die Zinsen noch dreimal dieses Jahr zu erhöhen.

Insgesamt ist das Umfeld für Aktien also nicht schlecht. Die Dividendenrenditen sind hoch, das dürfte Anleger anlocken. Vernünftige Festzinsalternativen gibt es  zudem so gut wie keine. Gleichzeitig sparen die Unternehmen dank der niedrigen Zinsen eine Menge Kosten ein. Die Entwicklung der Realwirtschaft sollte so keinen Grund zur Sorge bieten. Wir bleiben vorsichtig optimistisch.         

Dienstag, 8. März 2016

Das Unmögliche möglich machen

Ach ja, es liegt wieder einmal an EZB-Chef Mario Draghi, den immens hohen Erwartungen der Börsianer gerecht zu werden. Ob das gelingt? Über ein Himmelfahrtskommando.

EZB-Präsident Mario Draghi steht unter Druck. Am Donnerstag tagen die Herren der Europäischen Zentralbank. Dass er dann in Sachen Geldpolitik nachlegen wird, das gilt als ausgemachte Sache. Daher der Druck. Auf Draghi. Aber auch auf die Anleger. Denn wenn Draghi den hohen Erwartungen gerecht wird, weil er an den richtigen Stellschrauben dreht, dann könnte der DAX Schwung bekommen und vielleicht sogar die Marke von 10 000 Punkten überwinden.

Doch wenn ihm dies nicht gelingt, dann könnte es laufen wie im Dezember. Damals hatte Draghi die Erwartungen enttäuscht und für einen Kurssturz gesorgt.

Konsens ist, dass er handeln muss. Denn die Inflation — oder besser: die Gefahr einer Deflation — hat er bislang nicht in den Griff bekommen. Im Gegenteil. Nach den neuesten Daten sind die Preise sogar wieder gefallen — das erste Mal seit einem halben Jahr. Die Inflationsrate ging im Februar auf minus 0,2 Prozent zurück, was vor allem dem massiven Verfall des Ölpreises geschuldet ist — auch wenn der sich mittlerweile erholt hat. Von dem EZB-Ziel, die Teuerungsrate bei etwa 2,0 Prozent einzupendeln, ist man so jedenfalls weit entfernt. „Der EZB-Rat ist fähig, entschlossen und willens zu handeln“, hatte Draghi ja Anfang des Jahres betont. Man werde den geldpolitischen Kurs bis März überdenken. „Wenn wir den Willen haben, unser Ziel zu erreichen, dann haben wir auch die Mittel dazu“, so der Notenbanker.

Doch was will er tatsächlich noch tun? Der Mittel sind ja nicht mehr so viele. Der Leitzins liegt ja schon seit September 2014 bei praktisch null. Und auch der Zins für Einlagen bei der Notenbank steht schon bei minus 0,3 Prozent. Banken, die Geld bei der EZB parken, zahlen also eine Strafe. Denn die sollen nach dem Willen der Notenbanker schließlich das Gegenteil tun und mehr Kredite an Verbraucher und Unternehmen vergeben. Tatsächlich könnte man diesen Strafzins also noch verschärfen, etwa auf minus 0,5 Prozent. Aber ob das die Geschäftsbanken tatsächlich vom Parken abhält?

Die EZB könnte zudem ihre Anleihenkäufe ausweiten. Seit Anfang 2015 kauft sie im großen Stil Staatspapiere der Euroländer und andere Wertpapiere. 60 Milliarden Euro pro Monat. Eine Menge Holz! Das Volumen dieser Ankäufe noch weiter zu erhöhen wäre eine Option. Eine andere, das Programm zu verlängern. Doch ob das auch hilft? Kritiker der EZB-Politik gibt es genug. Auch in den eigenen Reihen, man denke etwa an Bundesbank-Präsident Jens Weidmann.

Problematisch ist das Vorgehen der EZB ja auch deshalb, weil die Bemühungen jederzeit von außen torpediert werden können. Etwa durch eine weitere aggressive Abwertung der chinesischen Währung. Und die ist gar nicht mal so unwahrscheinlich. Denn nach den neuesten Zahlen sind die chinesischen Exporte erneut eingebrochen: um 20 Prozent. Auch die Importe sanken um einen zweistelligen Prozentwert. Peking schmeckt das gar nicht und gibt daher für 2016 kein Wachstumsziel für den Außenhandel mehr bekannt! Gleichzeitig wird man nicht müde zu betonen, dass man ja inzwischen auch andere Ziele habe, man will ja nicht mehr allein „Werkbank der Welt“ sein, sondern durch stärkeren Binnenkonsum wachsen. Nur wie soll das gehen, wenn die Schwäche im Außenhandel immer mehr Jobs kostet? Die Lage ist also nicht leichter geworden. Umso mehr darf man gespannt sein, wie die Börse auf den EZB-Entscheid reagiert.

Donnerstag, 25. Februar 2016

Der nötige Durchblick

Die Börsen stehen „am Scheideweg“, heißt es derzeit mal wieder. Und in der Tat. Die jüngste Korrektur könnte zu Ende sein. Wenn da nicht diese eine Unsicherheit wäre. Eine Bestandsaufnahme.

Man kann es nicht oft genug sagen: Für Aktionäre war das ein richtig mieser Jahresauftakt. In der Börsengeschichte Europas gab es in den zurückliegenden 30 Jahren nur zwei Jahre, in denen es noch schlimmer losging: 1988 und 2008. Das gibt zu denken. Und es waren in diesem Jahr ja nicht nur einzelne Branchen betroffen. Nein, sämtliche Werte standen unter Druck. Und die Volatilität war extrem hoch. Dazu Kapriolen an den Währungsmärkten, vor allem mit dem Yen wurde und wird viel spekuliert, ebenso mit dem Ölpreis. Nervosität allerorten.

 Doch trotz des miesen Starts und der extremen Schwankungen, kam es noch zu keiner echten Kapitulation an den Märkten! Eine richtige Verkaufspanik mit einem extrem Abverkauf — wie etwa am 24. August 2015 — gab es bisher nicht.

 Und dies macht es gerade etwas schwer, die jüngsten Kurserholungen einzuschätzen: Sind wir schon wieder auf dem Weg Richtung 10 000 Punkte? War es das mit der Korrektur? Oder kommt er noch, der „echte“ Crash? Man will ja schließlich günstig zugreifen. Gleichzeitig ist da aber auch die Angst, der Börsenzug könne davonrauschen und man bliebe dann als Zuschauer zurück.

 Was also tun? Am besten das, was wir in den vergangenen Wochen an dieser Stelle immer wieder empfohlen haben: Nutzen Sie das gedrückte Preisniveau, um sich strategisch zu positionieren. Nicht alles auf einmal, Schritt für Schritt, Position um Position, und immer schön auch etwas in der „Kriegskasse“ belassen. Es scheint eine gute Zeit, um auf Schnäppchenjagd zu gehen. Etliche deutsche Aktien notieren in der Nähe Ihres Buchwerts (siehe Titelgeschichte in der zurückliegenden Ausgabe der BÖRSE ONLINE), andere sind aus technischen und gleichzeitig fundamentalen Gründen interessant (siehe aktuelle Titelgeschichte). Langfristig sollten sich diese antizyklischen Investments, die jetzt gemacht werden, bezahlt machen.

Aber natürlich sind dafür gute Nerven gefragt. Denn auf kurze Sicht dürften die Märkte herausfordernd bleiben. Zu viele Unruheherde stören derzeit. Die Zinspolitik weltweit, Chinas Wirtschaft, politische Krisen in Nahost und Osteuropa, dazu ein möglicher Austritt Großbritanniens aus der EU. Da sind immer wieder Kursabschläge möglich.

 Dennoch erscheint Europa als Anlageregion erste Wahl. Gerade im Vergleich zu den USA oder den asiatischen Börsen. Die aktuellen Einkaufsmanagerindizes signalisieren ein mögliches Wachstum von bis zu zwei Prozent im Gesamtjahr. An der Unterstützung durch die EZB wird sich ja auch zunächst nichts ändern. Das macht Notenbank-Chef Mario Draghi bei jeder Gelegenheit immer wieder deutlich. Und insbesondere Deutschland sollte profitieren. Man exportiert wesentlich mehr in andere europäische Länder als in irgendein Schwellenland, und sollte sich das Wirtschaftswachstum in der Eurozone beschleunigen, dürfte das nur positiv sein.

 Da Europas Märkte allerdings kein Eigenleben führen, sondern natürlich vom Auf und Ab der Wall Street mit bewegt werden, ist ein Blick in die USA unbedingt notwendig. Doch auch hier erscheinen die Störfaktoren derzeit relativ kontrollierbar. Die Gefahren einer Rezession, die immer wieder beschworen werden, sind auch weiterhin minimal. Keiner der wichtigsten Wirtschafts- und Finanzindikatoren gibt eine solche Prognose derzeit her. Bleiben wir also zuversichtlich. Vorsichtig zuversichtlich.

Dienstag, 16. Februar 2016

Fragwürdige Entwicklungen

War es das schon mit dem Kursrutsch? Oder kommt da noch mehr? Über sich selbst erfüllende Voraussagen, die Angst vor dem Anstieg sowie die Notwendigkeit strategischer Investments.

Manchmal ist es ja so, dass sich die Märkte ihre Zukunft selbst schaffen. Klingt vielleicht seltsam, hat aber durchaus etwas Plausibles. Im Englischen wird so etwas Selffulfilling Prophecy genannt: eine sich selbst erfüllende Voraussage. Und aktuell könnte dies durchaus der Fall sein: Die schlechteste Januar-­Entwicklung an den Aktienmärkten seit langer Zeit führt nun vielleicht zu einer Boom-Bust-Angst, also zu einer Furcht vor einem verheerenden Crash nach einer Blase. Und genau diese Angst würde die Dinge noch viel schlimmer machen, weil dann alles Richtung Ausgang rennt. 

Diese Möglichkeit zieht zumindest Lukas Daalder in Betracht, der Chefanleger beim Geldverwalter Robeco. „Entwicklungen an den Finanzmärkten können sich quasi verselbstständigen und auf die Realwirtschaft übertragen“, so Daalder. Und das wäre insofern tragisch, als die rationalen Gründe dies eigentlich gar nicht hergeben. Denn die Ursachen für den Börsensturz, die immer wieder genannt werden — China, Öl, der Hochzinsanleihemarkt — beruhen auf zumindest fragwürdigen Annahmen.

Das große Risiko, das Daalder sieht, wäre ein Kreditereignis, das vorübergehend die Kreditmärkte lahmlegen könnte. So könnte ein weiterer Rutsch beim Ölpreis zur Zahlungsunfähigkeit von Ölunternehmen führen, was Förderländer vor immense Pro­bleme stellt, was wiederum Hedgefonds oder Geldverwalter nach unten zerrt — man erkennt den Dominoeffekt. Die Liquidität verschwände so aus den Märkten, brächte damit unter Umständen sogar gesunde Unternehmen in Bedrängnis, und das bisher eigentlich abwegige Szenario einer Rezesssion wäre plötzlich doch nicht mehr so abwegig.

Wie emotional derzeit an den Märkten agiert wird, zeigten gerade die zurückliegenden Tage. So wurden etwa die Wechselkursbewegungen beim japanischen Yen zuletzt immer wilder — vor allem als die Märkte in Tokio wegen eines Feiertags geschlossen waren. Am Wochenende gab es dann erneut schwache Außenhandelszahlen aus China — und trotzdem stiegen die Märkte am Montag stark an, insbesondere in Europa. Daalders Boom-Bust-Angst bekommt demnach ein Geschwisterchen, nämlich die Angst der Anleger, das Tief an den Aktienmärkten und damit den bestmöglichen Einstand zu verpassen.

Die Korrektur, so viel steht fest, ist heftig. Manche etikettieren das Ganze als Crash, andere als Bärenmarkt. Indes sind Kurseinbrüche von zehn oder 15 Prozent nicht selten. Nur ist es ja so, dass es seit 2009 eher wenige davon gab — Anleger waren also über Jahre recht verwöhnt von den so stetig und schier endlos steigenden Notierungen. Vielleicht sei daher auch die Boom-Bust-Angst jetzt größer als im Jahr 2000, so Daalder. „Kursbewegungen sind daher oft stark übertrieben und fallen stärker aus als in der Vergangenheit.“

Bleibt die Gretchenfrage: War es das nun mit dem Tief im DAX? Reichen die erreichten 8700 Punkte? Geht es ab sofort wieder aufwärts? Fakt ist, dass etliche Unternehmen durch den Kursrutsch richtig billig geworden sind (siehe Titelgeschichte ab Seite 12). Fakt ist aber auch, dass die bisherige Korrektur zwar heftig war, sich aber keine ausgeprägte Panikstimmung breit­gemacht hat. Und das ist insofern beachtenswert, weil es meist einer solchen Panik, einer Ausverkaufsstimmung, bedarf, da­mit die Kurse wirklich einen tragfähigen Boden finden. Es bleibt also dabei: Es ist nicht verkehrt, nach und nach strategische Investments zu starten.

Donnerstag, 4. Februar 2016

Kühler Blick auf hitzige Märkte

Die Entwicklung am Aktienmarkt kostet ganz schön Nerven. Trotzdem sollte man langsam, aber sicher über das eine oder andere strategische Investment nachdenken.

Für manche kam es überraschend, für andere war es nur konsequent: Japans Notenbankchef Haruhiko Kuroda führte am Freitag der vergangenen Woche Negativzinsen ein oder exakt formuliert: einen Strafzins von 0,1 Prozent für Banken. In Sachen expansive Geldpolitik sattelt die Bank of Japan (BOJ) also noch einen drauf — man probiert alles aus, was der „Werkzeugkasten“ hergibt.

Zunächst kam das gut an. Nicht nur am japanischen Aktienmarkt stiegen die Kurse, sondern es ging weltweit nach oben. Billiges Geld, das ist schließlich immer dann eine gute Nachricht, wenn eine oder zwei der drei großen Notenbanken EZB, BOJ und Fed beteiligt sind. Die beiden Erstgenannten sind in dieser Hinsicht ja ordentlich am Werk. Und die Fed, nun ja, die übertreibt es dann hoffentlich nicht zu sehr in die andere Richtung.

Allerdings — und das ist die schlechte Nachricht — verpuffte der Kuroda-Effekt ziemlich schnell. Schon zum Start des neuen Börsenmonats Februar neigten die Aktienmärkte wieder zur Schwäche. Und das lag wohl an China. Schon wieder China. Das Reich der Mitte ist ja bereits in den vergangenen Wochen der bremsende Faktor schlechthin an den Finanzmärkten gewesen. Die Bemühungen von EZB und BOJ wurden und werden so immer wieder gestört. Dieses Mal waren es enttäuschende Einkaufsmanagerzahlen, womit Peking den zarten Börsenaufschwung erst einmal wieder zunichtemachte. Denn die Welt fürchtet sich ja bekanntlich vor einer schwächeren Konjunktur in Fernost mit all den echten und gefühlten negativen Auswirkungen rund um den Globus.

Und der Ölpreis ? Was macht der zweite bremsende Faktor? Er schwankt. Vergangene Woche ging es einmal steil nach oben Richtung 36 Dollar, weil Gerüchte aufkamen, dass sich OPEC und Russland wegen einer Angebotsverknappung demnächst zusammensetzen wollen. Ein Gerücht, mehr nicht. Dazu noch mit eher unwahrscheinlichem Inhalt. Postwendend bröckelte der Preis wieder — und mit ihm auch die Notierungen an den Aktienmärkten. Das nun schon seit Wochen bekannte Spiel.

Dennoch: Irgendwann hat auch diese Korrektur ein Ende! Und es ist nicht falsch, sich langsam die eine oder andere strategische Position ins Depot zu legen. Einkalkulieren sollte man aber trotzdem, dass der DAX durchaus noch auf 9000 Punkte fallen kann. Man erinnere sich an den Kursrutsch im August und September des vergangenen Jahres, wo auf den großen, geradezu panikartigen Fall zunächst eine gut dreiwöchige Seitwärtskorrektur folgte, auf die ein weiterer — dann aber schließlich finaler — Sturz folgte. Vielleicht kommt es ja wieder so. Oder so ähnlich.


Die Risiken sind also auf dem Tisch: China, der Ölpreis. Das eine bedingt dabei durchaus auch das andere. Die Gefahr einer globalen Rezession dagegen scheint nach wie vor eher gering — es gibt dafür einfach keine konkreten Hinweise. Die Politik der Notenbanken, die ist auch klar. Das sollte mittelfristig für wieder mehr Ruhe an den Märkten sorgen und für eine nüchternere Betrachtung der kursbestimmenden Faktoren. Übergeordnet spricht das für steigende Kurse. Doch es dürfte wohl noch einige Zeit recht volatil bleiben. Für hartgesottene Börsianer ist das ja aber auch nichts Neues mehr.