Mittwoch, 16. April 2014

For the loser now will be later to win

"For the loser now will be later to win“, heißt es in einem Text von Bob Dylan.  Aus Verlierern werden demnach Gewinner. Doch auch wenn der Sänger mit der Börse wohl nicht so viel am Schlapphut hat, so hält sich Letztere doch recht genau an seine Zeilen: Investments, die 2013 noch ignoriert wurden, sind jetzt der Renner. Gold, Goldminen, Silber, Schwellenländeraktien und -anleihen, Rohstoffe und sogar US-Staatsanleihen — alles gut im Plus, nachdem 2013 damit noch kein Blumentopf zu gewinnen war. Die Highflyer 2013 dagegen, etwa Biotech- und Internetaktien, werden aus den Depots geschmissen. Man kann also festhalten: Die Entwicklung 2014 ist das genaue Gegenteil von 2013. Bisher. „For the times, they are a-changin’.“

Man kann daraus seine Lehren ziehen. Vielleicht dass Dylan-Texte immer noch aktuell sind. Das wäre aber eine ganz andere Geschichte. Besser, wir lernen daraus, dass es absolut notwendig ist, das eigene Depot regelmäßig anzupassen, auch wenn die Verlockung groß ist, Highflyer-Aktien auf ewig treu zu bleiben. Neudeutsch heißt das dann Anpassung der Asset Allocation

Die derzeitige Umschichtung an der Börse ist besonders spannend — ob wir sie nun mitgemacht haben oder nicht. Denn man kann nicht gerade behaupten, dass ganz einfach von sehr risikoreichen Anlagen in eher risikoarme umgeschichtet wird. Man reibt sich verwundert die Augen: Staatsanleihen, in Ordnung, diese Anlageklasse steht für eine gewisse Sicherheit, Restzweifel mal beiseitegewischt. Aber Schwellenländerinvestments! Oder auch Goldminenaktien! Diese Varianten der Geldanlage gelten ja nicht gerade als Safe Haven, als sicherer Anlegerhafen.

In den vergangenen Jahren war das noch anders: Da waren Korrekturen am Aktienmarkt eindeutige Geschichten. Da hieß es „Risk Off“, und verkauft wurde alles, was irgendwie risikobehaftet schien. Einziger Fluchtpunkt waren festverzinsliche Papiere, seien es US-Bonds oder auch deutsche Staatsanleihen. War die Korrektur ausgestanden, hieß es wieder „Risk On“, immer rein in alles, was großes Potenzial versprach. Dieses Mal jedoch liegen die Dinge anders: Es werden schlicht Nachzügler gekauft. Und heißgelaufene Wetten verkauft. Was doch recht smart klingt. Und nach ruhiger Hand. Ein panischer Sell-off fühlt sich anders an.

Diese Beobachtung macht dann letztlich alle anderen gängigen Entschuldigungen obsolet, warum das Börsenjahr bisher kein gutes ist. Was hatten wir da nicht alles: Große Verkäufe von Hedgefonds wurden verantwortlich gemacht. Die Dauer der Rally wurde angeführt — fünf Jahre seien genug. Das Ende der Anleihekäufe durch die US-Notenbank natürlich, obwohl das ja seit Monaten klar ist. Dann gibt es den vermeintlichen China-Abschwung, die angeblich zu hohen Aktienbewertungen, die scheinbar schwache Gewinnentwicklung der Unternehmen. Und wem das immer noch nicht reicht, der kommt noch mit dem Ukraine-Konflikt an.

Welche Story gefällt Ihnen am besten? Am Ende ist es sicherlich ein Mix aus allen Erklärungsversuchen, der für die täglichen Ups und Downs am Markt verantwortlich ist. Übergeordnet jedoch haben wir es in diesem Jahr schlicht mit Anpassungen der Asset Allocation zu tun. Weltweit. Bei den großen Playern wie bei den kleinen.

Diese Anpassung mag sich noch ein wenig hinziehen. Das ist für Anleger wohl die große Herausforderung in diesem Jahr. Geduldig bleiben, Ruhe bewahren, nicht in Panik verfallen, wenn neue Storys die Runde machen, warum denn das Börsenjahr kein gutes ist. Und nicht vergessen: „For the loser now will be later to win“ gilt dann auch wieder für die Aktien, die jetzt fallen gelassen werden.

Donnerstag, 10. April 2014

Jetzt muss Captain America ran

Die Börse produziert ja meist recht simple Schlagzeilen. Auf Nuancen wird da gern verzichtet. Viel lieber werden Rekordstände vermeldet. Das geht immer. Oder man bewundert die Dauer einer Aktienmarktrally und fürchtet gleichzeitig deren Ende. Diese simple Story wird noch lieber genommen — vor allem wenn man einen Vergleich mit einem Börsencrash der Vergangenheit ins Spiel bringen kann. „Boom and bust“ eben. Bisweilen darf auch mal über einen Skandal berichtet werden. Oder ein Börsenkritiker tritt mit einem schlauen Buch auf den Plan. So wie gerade eben. „Flash Boys“, das neue Werk des US-Autors Michael Lewis, nimmt die Hochfrequenzhändler an der Wall Street ins Visier. Das hat fast Thriller-Potenzial. Schlimm, schlimm, schlimm.

Über all dem Schaurig-Schönen übersieht man aber oft, was für die weitere Kursentwicklung am Aktienmarkt wirklich wichtig ist. Und nein, es ist wohl eher nicht Captain America, der für Marvel und Walt Disney vergangene Woche an der Wall Street die Börsen­glocke läuten durfte — obwohl das groß in der „Washington Post“ zu lesen war. Nein, wirklich wichtig ist nur Captain Economy. Die Konjunktur. Ganz banal. Und mit der geht es aufwärts. Allen Unkenrufen zum Trotz. Ohne Cape, ohne Flash. Vielleicht mit dem einen oder anderen Skandal und sicherlich auch mit der Einschränkung, dass die Geschwindigkeit der Fortschritte zu wünschen lässt.

Im Detail liest sich das dann so: Amerikas Banken haben den erneuten Stresstest gut überstanden, wenn auch mit dem einen oder anderen Wackler, etwa bei der Citigroup (siehe auch Seite 20). Überdies laufen die Autoverkäufe weltweit hervorragend. In den USA etwa sind kleine Transporter gefragt wie lange nicht, Fahrzeuge, die vor allem von kleineren Unternehmen und Handwerkern benötigt werden. Dazu passt, dass das Frachtaufkommen zulegt, egal ob auf der Straße oder Schiene, in der Luft oder zu Wasser. Und wer staubtrockene Zahlen bemühen möchte, bleibt bei den Einkaufsmanagerindizes hängen: Diese sind, wenn auch nicht gerade grandios, so doch überwiegend positiv. Das Fazit: Die Gefahr einer weiteren Rezession, so gern diese auch kolportiert wird, ist aktuell ­äußerst gering.

Und trotzdem läuft es an der Börse in diesem Jahr nur seitwärts. Es ist eine Art Pattsituation entstanden, wie wir vergangene Woche schon geschrieben haben. Dies liegt schlicht daran, dass es natürlich auch Enttäuschungen gibt: In China häufen sich die Probleme, und in den USA ist es vor der jetzt anstehenden Berichts­saison zu mehr Gewinnwarnungen ge­kommen, als einem lieb sein kann. Man darf gespannt sein, was die Unternehmen nun de facto melden werden. Als erster Dow-Jones-Wert ist am Freitag JP Morgan dran (mehr Termine siehe Liste unten).

Und schließlich haben wir es ja auch noch mit einer gewissen Unsicherheit bezüglich der weiteren Geldpolitik der US-Notenbank Fed zu tun, nachdem die neue Chefin Janet Yellen unfreiwillig etwas zu konkret wurde. Beim nächsten Auftritt wird sie lieber ihre Zunge hüten, ein weiterer der Nervosität geschuldeter Anfängerfehler dürfte ihr dann nicht mehr unterlaufen.

Überdies liefert die Börse selbst Warn­signale. Das Momentum hat deutlich nachgelassen, und gerade die bisherigen Lieblingsaktien, überwiegend die aus dem Technologiesektor, haben deutlich Federn gelassen. Tatsächlich wäre man summa sumarum im ersten Quartal des Jahres mit Anleihen besser gefahren als mit Aktien. Surprise! Und wie zur Bestätigung fällt der DAX am Montag in einem Rutsch um 250 Punkte. Vielleicht braucht’s ja doch noch den Superhelden Captain America? Eine Börse, die nun schon den vierten Monat in Folge seitwärts läuft, produziert eben keine vernünftigen Schlagzeilen. Üben wir uns in Geduld.

Donnerstag, 3. April 2014

Flash Boys

Michael Lewis hat ein Buch geschrieben über den Hochgeschwindigkeitshandel an der Börse: "Flash Boys". Tenor: Wir, die normalen Anleger, werden abgezockt ...

Beim US-Talker Jon Stewart versucht Lewis klarzumachen, worum es eigentlich geht. Lustig. Und informativ ...

Dienstag, 1. April 2014

Eine Art Pattsituation

Das war’s mit dem ersten Quartal des Jahres. Viel ist ja nicht passiert — auf den ersten Blick. Die Volatilität ist insgesamt eher niedrig, und der Aktienmarkt tendierte mehr oder weniger seitwärts (siehe Tabelle rechts). Aber eben nur auf den ersten Blick. Wir erinnern uns: Im Januar ging es ordentlich runter, im Februar ordentlich rauf und im März zunächst wieder runter und gegen Ende wieder rauf. Für Trader ganz nett, das Ganze.

Für optimistische Anleger, die gern etwas länger an ihren Aktieninvestments festhalten, war es dagegen eher frustrierend. Denn wenn es unterm Strich überhaupt Gewinner in diesem ersten Quartal gibt, dann sind es meist Aktien aus den ­„falschen“ Branchen: Versorger etwa und Pharmaunternehmen, die traditionell doch eigentlich erst dann ihre Zeit haben, wenn ein Aufschwung zum Abschwung wird. Stattdessen sollten in einer Aufschwungphase doch eher Bankaktien laufen, Industriewerte und Technologietitel.

Denkste. Bis auf wenige Ausnahmefälle ­— in den USA etwa Caterpillar sowie Microsoft — ist die Kursentwicklung der zyklischen Aktien in den ersten drei Monaten des Jahres enttäuschend. Zuletzt ging es sogar den coolen ­Momentum-Aktien wie Twitter, Amazon, Netflix, Facebook, Tesla oder Chipotle richtig an den Kragen, ebenso den Biotechwerten — wobei das letztlich wohl gut ist, waren die Kurse hier  doch ziemlich ausgereizt.

Für den großen Kontext ist dies dennoch kein ausreichender Grund, das definitive Ende der Aktienrally zu beschwören. Denn Favoritenwechsel und Sektorrotationen gibt es immer wieder. Zu Beginn des vergangenen Jahres etwa legten die Kurse los wie die Feuerwehr. Und welche Aktien lagen in der Anlegergunst dabei ganz vorn? Richtig! Tatsächlich auch wieder solche, die eher als passiv gelten: Versorger, ­Telekommunikation sowie Unternehmen, die den Grundbedarf der Bevölkerung decken, etwa Lebensmittelkonzerne. Wer darauf im Frühjahr 2013 seine Aktien verkauft hat, ist zu bedauern, war die Rally doch längst nicht am Ende. Mitte des Jahres übernahmen dann wieder die klassischen Kurstreiber aus dem Tech- und Industriesektor die Führungsrolle und trieben die Indizes von Rekord zu Rekord.

Ob es wieder so kommt? Vielleicht wissen wir schon mehr, wenn mit JP Morgan Chase am 11. April das erste Dow-Jones-­Unternehmen und gleichzeitig die erste US-Bank Quartalszahlen liefert und so wohl zum Wegweiser wird, wie die Berichtssaison insgesamt ausfällt.

Zur Erinnerung: Im ersten Quartal waren die Unternehmensergebnisse zwar gut, aber nicht überragend. Es mangelte ein wenig an Umsatzwachstum, zudem gab und gibt es durchaus berechtigte Zweifel, ob die Unternehmen ihre unglaublich hohen Gewinnmargen halten können. Ähnlich sieht es bei den Daten zur Entwicklung der Volkswirtschaften insgesamt aus: Die Kennzahlen sind gemischt, mal positiv, mal negativ — in Summe also wenig aufschlussreich. Dazu kommt als erschwerender Faktor das viel beschworene Tapering der US-Notenbank. Gleichzeitig fehlt es aber auch den Pessimisten an Argumenten für einen Abschwung. Eine Pattsituation, wenn man so will.

Ähnlich war das 1994. Auch damals gab es Unsicherheiten, weil die US-Notenbank Fed die Zinsen erhöhte; dieses Mal haben wir es ja mit einer Absichtserklärung zu tun. Gleichzeitig legte die Konjunktur nur langsam zu — analog zur Situation heute. Das Ende vom Lied: Es passierte nicht viel 1994. Die Volatilität blieb insgesamt eher niedrig, und am Aktienmarkt ging es mehr oder weniger seitwärts — frustrierende Monate. Nachdem die Fed mit ihren Zinserhöhungen nach 14 Monaten aber durch war, stiegen die Kurse ab 1995 wieder. Für weitere fünf Jahre.

Dienstag, 25. März 2014

Kalkül oder Versehen

Hat sie sich da verplappert, die Janet Yellen? 2015 könnten die Zinsen steigen, so die neue Chefin der US-Notenbank vergangene Woche nach ihrer ersten offiziellen Sitzung. Kurz und knapp war das. Und deutlich. Ungewöhnlich deutlich, ist man doch noch die vagen, nur schwer zu entschlüsselnden Andeutungen ihres Vorgängers Ben Bernanke zur Zinspolitik gewohnt. Und jetzt also das. Hat sie sich verplappert? War die Aussage der Nervosität geschuldet? Oder war es doch Kalkül?

Wir wissen es nicht. An der Börse wurde ihre Ankündigung jedenfalls nicht gut aufgenommen. Es wurde verkauft. Zunächst. So wie man das eben macht, wenn Dinge nicht recht einzuordnen sind. Dabei ist es doch noch weit hin bis zu jener angekündigten Zinswende. Wenn sie denn überhaupt so kommt. Erst einmal muss schließlich das „Tapering“ zu Ende gebracht werden, also das stetige Zurückfahren der Anleihenaufkäufe. Geht es in der Geschwindigkeit voran wie bisher, dann dürfte dies zum Jahresende der Fall sein. Und dann kommt sie eventuell, die angekündigte Zinserhöhung. Vielleicht, sobald die Arbeitslosenrate unter sechs Prozent gefallen ist. So der bisherige Plan, wenn er nicht noch geändert wird. Recht viele Unwägbarkeiten also. Aber trotzdem scheint man an der Börse eine klare Meinung zu haben: Meine Güte, was ist die Yellen aggressiv!

Doch ist sie das wirklich? Nein, das ist sie nicht. Überhaupt nicht. Wir haben uns lediglich daran gewöhnt, dass die Zinsen so herrlich niedrig sind. Es war im Jahr 2006, als die US-Notenbank zuletzt den Leitzins nach oben setzte, also in dem Jahr, in dem hier ein Fußball-Sommermärchen gefeiert wurde. Das ist so lange her, dass es gar nicht mehr wahr ist. Kommt die Zinserhöhung also tatsächlich im Jahr 2015, dann ist es die erste seit neun Jahren. Bedenkt man zudem, dass in der Vergangenheit Zins­zyklen eher im Fünf-Jahres-Bereich lagen, ist es also nur normal, dass Y­ellen eine Erhöhung in Betracht zieht.

Ein erster Blick aufs Cover: Die neue BÖRSE ONLINE,  ab Donnerstag am Kiosk

Apropos normal: Ein weiterer Blick in die Geschichtsbücher zeigt, dass keiner der bisherigen Bullenmärkte einfach so mit der ersten Zinserhöhung ein abruptes Ende fand. Ganz im Gegenteil. Im Schnitt, so hat es David Rosenberg, der Chefvolkswirt des kanadischen Vermögensverwalters Gluskin Sheff ausgerechnet, stiegen die Kurse noch weitere drei Jahre. Das Mindeste waren 18 Monate. Zugegeben: Angesichts der Länge und der Intensität der aktuellen Rally, die nun schon seit März 2009 anhält, ist die Wiederholung eines derartigen Szenarios kaum vorstellbar. Aber immerhin liefert mit Rosenberg einer das Argument, der wirklich nicht als notorischer Optimist und Wegseher bekannt ist.

Geht es nach ihm, dann hilft ein Blick auf die Anleiherenditen, um eine beginnende Trendwende am Aktienmarkt zu erkennen. Rosenberg hat beobachtet, dass ein Peak des US-Aktienmarkts in der Vergangenheit immer Hand in Hand ging mit einer sehr flachen Zinskurve. Eine größere Korrektur gab es dann, wenn der Abstand zwischen der Verzinsung einer zweijährigen und der einer zehnjährigen US-Staatsanleihe bei unter 0,5 Prozentpunkten lag. Und zurzeit liegt der Abstand bei 2,3 Punkten. Warnsignale sehen anders aus. „Weckt mich auf, wenn es wirklich gefährlich wird“, meint Rosenberg.

Einfach so schlafen legen sollten wir uns dennoch nicht. Denn ein weiterer Blick in die Börsenhistorie zeigt, dass es ganz bestimmte Branchen gibt, die vor einer Zinserhöhung in der Regel klar besser laufen als andere: Techaktien etwa, Finanztitel und Industriewerte — also eher zyklische Aktien. Mit der ersten Zinserhöhung beginnt sich dies zu wandeln. Dann sollten wir umschichten: in Energie, Versorger, Healthcare. Aber dafür ist ja noch mindestens Zeit bis 2015. Egal, ob sich ­Notenbank-Chefin Yellen nun verplappert hat oder nicht.

Freitag, 21. März 2014

Frühlingsgefühle

Der Frühling ist da. Seit gestern auch offiziell. Und die erste Erkältung ist auch abgehakt (deswegen die relative Ruhe hier im Blog in den vergangenen Tagen). Frühling und Börse – das passt auch an der Börse gut zusammen. Meistens ging es nach oben in den vergangenen 20 Jahren, bevor die Sommermonate dann meist für ein gewisses "Einlullen" sorgten. Charts via bespokeinvest

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Freitag, 14. März 2014

Es kippelt ...

... tja, was soll man machen. Das am WE stattfindende Votum auf der Krim-Halbinsel wird wohl die Richtung kommende Woche vorgeben ... (Die grüne Linie stellt übrigens den 200-Tages-MA dar).

Donnerstag, 13. März 2014

Nach Winter kommt Frühling

Peter Sellers als Mr. Chance, der vom Gärtner zum politischen Berater aufsteigt und eine so simple wie passende Analogie zur Wirtschaftsentwicklung findet (die auch jetzt gut passt) ...

"Being there", 1979. Ganz großes Kino! (hattip: Chris Puplava)

Mittwoch, 12. März 2014

Dienstag, 11. März 2014

Happy Birthday, Bulle!

Hurra! Jubliläum! Fünf Jahre dauert der Börsenaufschwung nun schon. Bei 3666 Punkten notierte der DAX am 6. März 2009, bei 6547 Punkten der Dow Jones am 9. März. Seither geht es recht stetig nach oben — sieht man mal von der heftigen Korrektur im Spätsommer 2011 ab.

Mit 150 Prozent ist der Weltleitindex Dow Jones seit besagten März-Tagen nun im Plus. Das ist auch deswegen so bemerkenswert, weil so lange Gewinnstrecken in der Börsenhistorie bisher äußerst selten waren. Tatsächlich kam es an der New York Stock Exchange seit 1900 nur fünfmal vor, dass über eine Fünfjahresperiode höhere Gewinne erzielt wurden als jetzt. Und ebenso bemerkenswert: Jedes Mal kam es danach zu teils gewaltigen Rücksetzern. Wiederholt sich jetzt also die Geschichte?

Vom Rekordhoch 1929 beispielsweise verlor der S & P 500 atemberaubende 86 Prozent, und nicht nur die USA, sondern die ganze Welt fanden sich in der Großen Depression wieder. Vom Hoch 1937 ging es 54 Prozent nach unten, 13 Monate Rezession inklusive. 1956 waren es 21 Prozent Minus sowie acht Monate Rezession. 1987 dann 35 Prozent Kursrutsch — ohne Rezession. Und 2000 ging es schließlich um ungefähr 50 Prozent nach unten, und die Konjunktur schleppte sich durch eine acht Monate dauernde Schrumpfkur.


Und jetzt? Ist nun auch bald Schluss mit dem Hurra? Immerhin stagniert die Börsenentwicklung schon seit Jahresbeginn. Und nach fünf Jahren Aufschwung kann man mit Fug und Recht von einem fortgeschrittenen Zyklus sprechen — und damit von einem nicht mehr ganz so positiven Verhältnis von Chance und Risiko. Dass sich zudem wieder vermehrt die üblichen Schwarzseher zu Wort melden, passt ins Bild — Anfang des Monats etwa der US-Investor Harry Dent („Der Dow wird bis 2016 auf 6000 Punkte fallen“) oder im Februar der Charttechniker Tom DeMark („Es könnte einen 40-Prozent-Crash geben“).

Doch was könnte der Anlass für einen Bärenmarkt sein? Eine Rezession ist jedenfalls nicht in Sicht. Mit Ausnahme von China sind verlässliche Frühindikatoren wie die Einkaufsmanagerindizes im grünen Bereich. Eine Erhöhung der Leitzinsen in den USA oder im Euroraum steht ebenfalls (noch) nicht an. Das Umfeld stimmt ­eigentlich. Und damit stimmen auch die Voraussetzungen für eine Beschleunigung des Gewinn- und Umsatzwachstums bei den Unternehmen. Die Realität sieht hier indes etwas anders aus: Schlecht waren die zuletzt veröffentlichten Zahlen zwar nicht, von einer echten Beschleunigung kann aber auch nicht die Rede sein. Aber des­wegen einen Bärenmarkt ausrufen?
Es wäre verfrüht. Denn die Trendwende kommt weder in der konjunkturellen Entwicklung noch an der Börse über Nacht. Eine Trendwende kündigt sich an, eine Trendwende ist ein Prozess. Und so lange gilt die simple Regel: Don’t fight the tape, don’t fight the Fed, the trend is your friend.

Sollte der Trend kippen, zeigt sich das am Markt, nämlich dann, wenn immer weniger Aktien am Aufschwung teilhaben. Das US-Research-Unternehmen Lowry hat herausgefunden, dass sich ein Top in der Vergangenheit erst dann gebildet hat, wenn der Anteil der Aktien, die schon in einem Bärenmarkt stecken — also 20 Prozent oder mehr unter ihrem Hoch notieren —, langsam, aber sicher die Anzahl der Aktien übersteigt, die noch nahe am Hoch notieren. 2007 war das der Fall.
Aktuell ist davon aber noch nichts zu sehen. Derzeit steht das Verhältnis bei zwei zu eins zugunsten der Aktien, die einen Lauf haben. Dennoch: Nach fünf Jahren Börsenrally sollte man auf der Hut sein. Werden Sie nicht zum Daueroptimisten! Das ist ebenso verkehrt, wie ständig Un­tergangsszenarien zu beschwören. Hurra!