Dienstag, 12. November 2019

Am Gängelband der Politik

Es läuft wieder an den Märkten. Doch das ist kein Grund für Sorglosigkeit. Gerade die politischen Probleme dürften auch künftig immer wieder für Rücksetzer sorgen. Trotzdem bleiben wir insgesamt positiv.

Das waren richtig starke Börsentage. Der DAX liegt knapp unter seinem Allzeithoch, an der Wall Street wurden bereits neue Rekordstände erreicht. Wichtigster Treiber der Rally dürfte die erhöhte Notenbankliquidität sein, sowohl im Euroraum als auch in den USA. Dazu kommt, dass die Bilanzsaison bisher besser ausfällt als zuvor erwartet. Zwar haben die Gewinne der S&P-500-Unternehmen im zurückliegenden Quartal im Schnitt um etwa zwei Prozent nachgelassen, allerdings waren die Analysten von einem weit stärkeren Rückgang ausgegangen.

Derzeit haben bereits mehr als 80 Prozent der amerikanischen Unternehmen ihr neues Zahlenwerk vorgestellt — viel kommt da also nicht mehr. Daher könnte es jetzt durchaus auch zu einer Korrektur kommen, je nachdem, wie die aktuell anstehenden Konjunkturdaten ausfallen. Aus den USA beispielsweise kommen neue Daten zur Inflation und zu den so wichtigen Einzelhandelsumsätzen. Und aus China gibt es Zahlen zur Entwicklung der Industrieproduktion.

So oder so: Die Jahresendrally sollte man trotz einer jetzt möglichen Korrektur nicht abschreiben. Jerome Powell, Chef der US-Notenbank Fed, wird vor dem Kongress aussagen, was durchaus für starke Impulse sorgen kann. Und auch US-Präsident Donald Trump hält eine von den US-Medien mit Spannung erwartete Rede. Trump ist im Wahlkampfmodus und wird sich in seiner Ansprache wohl auf wirtschaftliche Themen konzentrieren.

Mittelfristig wird man als Anleger aber wohl immer wieder mit ordentlichen Korrekturen rechnen müssen. Denn gerade die politischen Risiken werden immer wieder hochkochen. Etwa das Thema Handelsstreit. Hier geht es hin und her — wie bei Trump nicht anders zu erwarten. Denn nur 24 Stunden nach der von China und den USA verkündeten grundsätzlichen Übereinkunft schürte der US-Präsident wieder Zweifel. Er habe der schrittweisen Rücknahme der verhängten Zölle noch nicht zugestimmt.

Dabei wäre ein echter Durchbruch hier wichtig. Das politische Risiko würde deutlich sinken. Ebenso, wenn ein harter Brexit vermieden wird. Oder wenn sich in Krisenländern wie Spanien endlich stabile politische Verhältnisse einstellen. „Das allein würde einen Anstieg ...

Dienstag, 5. November 2019

Märkte im Kampfmodus

Es geht ordentlich aufwärts mit den Kursen. Weil die Notenbanken weiterhin viel Geld drucken. Und weil sich China und die USA im Handelsstreit wohl endlich zu einigen scheinen.

Es hat tatsächlich geklappt. Schon am Wochenanfang kletterte der DAX wieder über die 13 000-Punkte-Marke. Zuletzt befand sich der deutsche Leitindex im Juni 2018 auf diesem Niveau. Schon in der Vorwoche hatte der deutsche — wie auch alle anderen wichtigen Aktienmärkte — von der Zinssenkung der Fed profitiert. So erreichten der Dow Jones, der S & P 500 wie auch der Nasdaq Composite jeweils ein neues Allzeithoch.

Eben auch dank der US-Notenbank, die den Leitzins seit Juli zum dritten Mal in Folge um 0,25 Prozentpunkte reduzierte. Die Bandbreite liegt damit jetzt zwischen 1,5 und 1,75 Prozent. Die Aktion der Fed ist indes wohl eher eine Vorsichtsmaßnahme als der Not geschuldet. Die ökonomischen Rahmenbedingungen sind gar nicht so schlecht. Sie haben sich zwar insgesamt etwas eingetrübt, doch die BIP-Daten für das dritte Quartal wie auch die Arbeitsmarktdaten für Oktober lagen über den Erwartungen. 128 000 neue Jobs gab es im zurückliegenden Monat. Zudem wurden die September-Zahlen von 136 000 auf 180 000 deutlich nach oben revidiert. Zusammen mit der intakten Konsumneigung sowie gewachsenen Exporten ergibt sich ein moderat positives Bild für die US-Wirtschaft.

Die dortige Zentralbank geht daher von anhaltendem Wirtschaftswachstum aus, „aber es bestehen bei dieser Prognose weiter Unsicherheiten“, sagte Fed-Chef Jerome Powell mit Blick auf das global schwächere Wachstum. Der Inflationsdruck sei derzeit gering. Der gegenwärtige Zins werde „wahrscheinlich angemessen bleiben“, solange es keine unerwartete und drastische Veränderung der Wirtschaftsentwicklung gebe.

Besser scheint es auch in Fernost zu laufen. So überraschten ...

Dienstag, 29. Oktober 2019

Die Jahresendrally kann kommen

Der Oktober endet mit einem ordentlichen Kursplus. Was wohl dran liegt, dass die Lage besser ist als die Stimmung. Außerdem zeichnen sich in Bezug auf wichtige Unsicherheitsfaktoren Lösungen ab.

Eine Ära geht zu Ende: Zum 1. November endet die Amtszeit des bisherigen EZB-Chefs Mario Draghi. Nachfolgerin wird Christine Lagarde, die bisherige Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF). An der Politik der Europäischen Zentralbank wird sich aber grundlegend nichts ändern. Lagarde wird sicherlich bei der ultralockeren Geldpolitik bleiben. Der schwelende Handelskonflikt, die Probleme in der Eurozone, der Brexit sowie die aktuellen konjunkturellen Sorgen liefern dafür schließlich genügend schlagkräftige Argumente.

An den Börsen geht es derweil weiter bergauf. Die Kurse klettern buchstäblich die „Wall of Worry“ hinauf, die Wand der Angst. Es ist wohl recht einfach: Die Lage ist nicht so dramatisch, wie die Stimmung pessimistisch ist. Man sieht das auch gut an der gerade laufenden Berichtssaison. Von den gut 170 Unternehmen des amerikanischen Leitindex S & P 500, die bisher ihre Gewinn- und Umsatzzahlen veröffentlichten, haben über 80 Prozent die Erwartungen übertroffen. Hauptgrund: Die Analysten hatten im Vorfeld ihre Prognosen zurückgeschraubt, so dass die Latte für positive Überraschungen jetzt entsprechend niedrig hängt.

Hinzu kommt die laxe Politik der EZB und der amerikanischen Notenbank Fed. „In politisch schwierigen Börsenzeiten stabilisiert das ‚lower for longer‘ ohne Zweifel die Aktienmärkte via Liquiditätshausse“, kommentiert Robert Halver, Börsenexperte der Baader Bank.

Und so kommt es eben, dass der DAX seit Ende September um gut vier Prozent ....

Dienstag, 15. Oktober 2019

„Jetzt ist es ein Liebesfest“

Im Handelskonflikt zwischen den USA und China scheint sich eine Lösung anzubahnen. Der US-Präsident gibt sich fast euphorisch. Das sollte den stagnierenden Märkten helfen.

Es kommt tatsächlich Bewegung in die Sache: In dem schon seit gut einem Jahr andauernden Handelskonflikt mit China hat US-Präsident Donald Trump am vergangenen Wochenende eine Einigung verkündet. Ein Teilabkommen soll unterzeichnet werden. Es sei „Phase 1“ eines umfassenden Handelsvertrags, in dem es zunächst um Themen wie Finanzdienstleistungen, Währungsfragen, Agrarprodukte sowie um den Schutz geistigen Eigentums geht.

Vorausgegangen war ein Treffen mit dem chinesischen Vize-Ministerpräsidenten und Chefunterhändler in Sachen Handelskonflikt Liu He in Washington. Ein Anfang scheint also gemacht, weitere Streitpunkte sollen dann in einer zweiten und womöglich dritten Phase geklärt werden. An den Börsen wurde die Nachricht zunächst positiv aufgenommen, auch wenn China in einer ersten Reaktion etwas zurückhaltender reagierte und von „substanziellen Fortschritten“ sprach. Die Kurse in den USA, Europa und Asien machten jedenfalls einen Sprung, gaben dann aber wieder etwas nach, weil es eben bislang nur eine „mündliche“ Vereinbarung ist. Trump kündigte jedoch an, dass das Abkommen vermutlich beim Treffen mit Chinas Staatspräsidenten Xi Jinping auf dem Gipfeltreffen der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (APEC) in Chile am 16. und 17. November unterzeichnet werden soll.

Trump jedenfalls ist guter Dinge und verkauft sich als Sieger: „Es gab viele Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und China, und jetzt ist es ein Liebesfest“, sagte er. „Das ist eine gute Sache. Das ist gut für China, es ist gut für uns, aber es ist auch gut für die Welt.“ Gut ist es auch für ihn selbst. Denn einen Erfolg hat Trump dringend nötig. Die täglich neuen Details zur Ukraine-Affäre setzen ihn mächtig unter Druck. Und da auch die konjunkturellen Alarmzeichen zunehmen, muss der Präsident in seiner Paradedisziplin andere Erfolge vorweisen — das sind nun eben einmal die Ökonomie und die Börse, über die er sich definiert.

Ein Ende des Konflikts mit China dürfte viele amerikanische Unternehmen beruhigen. ...

Mittwoch, 9. Oktober 2019

Warten auf die großen Deals

Die Börsen stagnieren und könnten weiter fallen. Es sei denn, es kommt zu einigen grundlegenden Entscheidungen.

Die Märkte hängen erst einmal fest, die Korrektur hat etwas größere Ausmaße angenommen. Der Grund ist recht simpel: Es fehlt an fundamentalen Triebfedern, die den Indizes über ihre starken Widerstände hinweghelfen könnten — der DAX kommt bislang nicht nachhaltig über 12 400/12 500 Punkte hinaus, und der Dow Jones prallt immer wieder von der 27 000er-Marke ab. Zwar ist die Bewertung an den Börsen nicht übermäßig teuer, aber eben auch nicht besonders billig. Dazu kommt, dass die Prognosen für die Unternehmensgewinne zuletzt recht moderat ausfielen, Indikatoren wie der ISM--Einkaufsmanagerindex doch deutlich nachließen, andere wie der Arbeitsmarktbericht Licht und Schatten zeigten und damit auch nicht für bessere Laune sorgen konnten. Dennoch — und das ist wichtig — sieht es auch weiterhin und trotz der schlechteren Daten nicht nach einer anstehenden Rezession aus. 

Es ist also gar nicht so abwegig, dass die Märkte in den folgenden Handelstagen noch etwas weiter nachlassen, bevor sie einen Boden finden. Es sei denn, es passiert Entscheidendes in den eher politischen Problemfeldern dieses Jahres. Denn da ist richtig was los.

Da wäre der Handelskonflikt. Zum Ende der Woche reist Chinas Vizeministerpräsident Liu He nach Washington, um mit Finanzminister Steven Mnuchin und dem Handelsbeauftragten Robert Lighthizer erneut über eine Einigung zu beraten. Vielleicht kommt dabei etwas heraus. US-Präsident Donald Trump ließ jedenfalls wissen, dass die Handelsgespräche nun eine wichtige Phase erreicht hätten und die Möglichkeit für einen Deal mit China bestünde. Eine baldige Einigung dürfte im Sinne von Trump sein. 2020 ist Wahljahr. Mit einer schwächelnden Wirtschaft dürfte ihm die Wiederwahl kaum gelingen.

Was eher gegen eine schnelle Lösung spricht, ist der Fall Huawei. Trotz der anstehenden Handelsgespräche steht der chinesische Technologiekonzern immer noch auf der Sanktionsliste der Amerikaner, die zudem Indien und andere Länder vor den Gefahren warnen, die von Huawei ausgehen. Zum Ärger der Chinesen.

Auch in Sachen Brexit scheint sich etwas zu tun. ...

Mittwoch, 21. August 2019

Bunter Krisencocktail

Ein ganzer Reigen aus negativen Nachrichten belastet derzeit die Börsen. Seit Neuestem sorgen auch die Unruhen in Hongkong für Unsicherheit. Und natürlich weiterhin Donald Trump.

Es geht hin und her. Die Stimmung an den Aktienmärkten ist hoch nervös. Gründe dafür gibt es viele. Unter anderem sind es auch die Ereignisse an den Rentenmärkten. Dort sind nämlich die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen unter das Renditeniveau der zweijährigen Papiere gefallen. Inverse Zinskurve heißt das im Volkswirte-Jargon. Und diese Inversion deutet darauf hin, dass Anleger in Zukunft deutlich niedrigere Zinssätze respektive Inflationsraten erwarten — was typischerweise dann der Fall ist, wenn die Konjunktur schwächelt und eine Rezession im Anmarsch ist.

Angesichts solcher Aussichten neigt dann mancher gleich zur Panik. Denn: „Es gibt Statistiken, die zeigen, dass in den USA eine Inversion der Zinskurve in den vergangenen 70 Jahren immer der Vorbote einer Rezession war“, schreibt Ali Masarwah vom Analysehaus Morningstar in seiner sehr treffenden Kolumne „Ist der liebe Gott eine Zinsstruktur?“.

Allerdings, und das ist der große Unterschied zu den zurückliegenden 70 Jahren, haben die Notenbanken in den vergangenen Jahren mit ihren Anleihekaufprogrammen dazu beigetragen, die Renditen langlaufender Papiere nach unten zu drücken. Die Aussagekraft des Indikators wird dadurch geschmälert, vielleicht sogar ganz ausgehebelt. „Halten wir also fest, dass die Zinskurve ein Signal unter vielen ist, wie es auch andere volkswirtschaftliche Indikatoren sind, die wir alltäglich in den Nachrichten hören“, so Masarwah weiter. Eine Meinung, der wir uns gern anschließen.

Neben zahlenbasierten Indikatoren — wie eben der Zinskurve — sind es derzeit ...

Dienstag, 13. August 2019

Ruhe nach dem Sturm

Der Sommer bleibt schwierig für Aktienanleger. Die USA und China tragen beide ihren Teil dazu bei. Trotzdem kommt man an Aktien kaum vorbei. Auch weil die Zinsen niedrig bleiben.

Die Märkte haben sich wieder etwas beruhigt nach den zuletzt recht turbulenten Tagen mit US-Zinssenkung, neuer Eskalation im amerikanisch-chinesischen Handelsstreit und den immer massiver werdenden Protesten in Hongkong. Trotzdem wird man sich auf die neuen Gegebenheiten wohl erst noch einstellen müssen.

Denn gerade das Unverständnis zwischen den USA und China hat sich wohl vertieft. „China scheint den breiten politischen Konsens in der US-Politik zwischen Republikanern und Demokraten über Pekings zutiefst unausgewogene und unfaire Verwendung von Handelsregeln und seinen Mangel an Respekt vor geistigem Eigentum unterschätzt zu haben“, sagt etwa Benjamin Melman, Chef-Investor beim Geldverwalter Edmond de Rothschild. Es sei aber auch umgekehrt so, dass die USA anscheinend nicht einkalkuliert haben, dass einige ihrer Forderungen als Angriff auf die chinesische Souveränität angesehen würden.

Die schlechte Nachricht dabei: Es wurden bereits einige potenziell gefährliche Eskalationsstufen zwischen den USA und der Volksrepublik erreicht. Die gute Nachricht: Keines der beiden Länder hat letztlich ...

Dienstag, 6. August 2019

Aggression und Reaktion

Das Thema Handelsstreit beherrscht wieder die Börsenentwicklung. Dass China ganz offensichtlich sogar jetzt den Yuan abwertet, ist dabei die jüngste Form der Eskalation.

Eine richtig heftige Woche war das! Die US-Notenbank Fed senkte den Zinssatz um 25 Basispunkte — was an den Märkten durchaus positiv aufgenommen wurde, die Aktienkurse stiegen zunächst. Doch danach war es wieder einmal an US-Präsident Donald Trump, den Lauf an den Börsen zu verändern.

Der schwang in seiner gewohnten Art die rhetorische Keule, indem er — natürlich per Tweet — zusätzliche Strafzölle auf chinesische Waren ankündigte. Umgehend stürzten die Kurse wieder ab, deutlicher als sie zuvor gestiegen waren. Damit war und ist das alte Thema Handelskonflikt wieder ein wichtiger Faktor an den Aktienmärkten.

Denn die Retourkutsche aus Peking kam prompt: Die Notenbank, die People’s Bank of China, scheint nämlich auf neuem Kurs und hat die Stützung der Landeswährung offensichtlich aufgegeben. Anfang der Woche rutschte der Yuan auf den tiefsten Stand seit elfeinhalb Jahren. Erstmals seit 2008 kostet ein Dollar wieder mehr als sieben Yuan. Effekt: Durch die Abwertung werden chinesische Exporte in den Dollarraum billiger. Die Strafzölle der USA werden somit zu einem guten Teil kompensiert und verfehlen ihre Wirkung. Und damit nicht genug: Zusätzlich wurden Chinas Unternehmen von Peking angewiesen, keine Agrarprodukte aus den USA mehr zu importieren.

Trumps Handeln ist vermutlich wieder politisch motiviert. Ein Blick auf die Wahlumfragen zeigt, dass sein harsches Vorgehen in Sachen China bei vielen Wählern ...

Dienstag, 30. Juli 2019

Jetzt liegt’s an der Fed

Die Europäische Zentralbank hat sich in der zurückliegenden Woche noch geziert – anders die US-Notenbank Fed. Sie wird die Leitzinsen senken: um wie viel, ist allerdings noch unsicher.

Es geht Schlag auf Schlag. Vergangene Woche war es an der Europäischen Zentralbank EZB, in der laufenden Woche ist es die US-Notenbank Fed, die über die Richtung der Geldpolitik entscheidet. Vermutlich wird es hier anders ausgehen: EZB-Chef Mario Draghi hat sich bekanntlich entschlossen, vorerst keine weiteren Maßnahmen einzuleiten, die für noch mehr Liquidität sorgen, dagegen gilt eine Zinssenkung der Federal Reserve als so gut wie sicher.

Die meisten Beobachter gehen davon aus, dass Fed-Präsident Jerome Powell den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte vermindern wird, „als Absicherung gegen eine Abkühlung der US-Konjunktur“, so die Commerzbank-Volkswirte Christoph Balz und Bernd Weidensteiner in einer Analyse. Eigentlich wäre sogar ein Schritt um 0,5 Punkte möglich. Dies könne man am Markt aber „als Signal auffassen, dass die Fed-Verantwortlichen sich ernsthafte Sorgen machen und womöglich etwas wissen, was der Markt nicht weiß“.

So oder so kann man aber davon ausgehen, dass der 31. Juli, der Tag der Sitzung des Federal Open Market Committee, den Startpunkt für einen neuen Zinssenkungszyklus markiert. Nicht nur Aussagen von Powell deuten darauf hin, nein, das ganze Komitee scheint dahinterzustehen: Äußerungen etwa von Fed-Vizepräsident Richard Clarida und vom New Yorker Fed-Präsidenten John Williams zielen klar in dieselbe Richtung.

Es ist zwar so, dass die US-Wirtschaft nach wie vor erstaunlich robust ist — gut zu sehen an den Daten zum Arbeitsmarkt, den Einzelhandelsumsätzen und der Industrieproduktion sowie an der mit 2,1 Prozent recht hohen Kerninflationsrate. Allerdings scheint die Fed ihre Entscheidungen ...

Dienstag, 23. Juli 2019

Locker bleiben

Die beiden wichtigsten Notenbanken der Welt werden in den kommenden Tagen über die Richtung der Geldpolitik beraten. Die Börse könnte neue Impulse gut gebrauchen.

Jetzt gilt’s! Diese Woche tagt die Europäische Zentralbank (EZB). Die Erwartungen der Börsianer sind durchaus hoch, nachdem Notenbankchef Mario Draghi vor gut einem Monat laut über eine weitere Lockerung der Geldpolitik nachgedacht hatte. Das Problem ist nur, dass er sich zeitlich nicht festlegen wollte. Entscheidende Kriterien für ihn: die Inflationserwartungen und der Zustand der Konjunktur. Gibt es hier keine signifikante Erholung, wird er wohl zur Tat schreiten. Doch wird er es jetzt schon tun?

Die Meinungen dazu sind geteilt. Wobei auffällt, dass zuletzt immer mehr Ökonomen und Großanleger davon ausgingen, dass Draghi eher früher als später agieren wird. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters rechnen 60 Prozent der Anleger damit, dass die EZB schon diesen Monat den Einlagenzinssatz um 0,1 Prozentpunkte senkt — die Commerzbank geht sogar von 0,2 Punkten aus. Aktuell liegt dieser Zinssatz, den Banken bezahlen müssen, wenn sie Geld bei der EZB parken, bei minus 0,4 Prozent. Bleibt die Frage, wie der Markt auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik reagieren wird. Und wie viel an Erwartungen schon eingepreist ist. Aktien könnten auf diese Weise jedenfalls neuen Auftrieb bekommen.

Gründe für eine Lockerung gibt es genug: Die Industrieaufträge in Deutschland beispielsweise sind zuletzt doch deutlich zurückgegangen. Ob und wie ...