Mittwoch, 19. Juli 2017

Immer feste druff

Die neuen Kursrekorde an der Wall Street sind für manche ein Grund zur Sorge. Dabei kann von einer Blase nicht die Rede sein. Der Aufschwung kommt tatsächlich solide daher – jedoch nicht überall.

Wo ist sie denn jetzt, die Blase, von der schon wieder so viele sprechen? Die „Bubble“? Das Kartenhaus, das ganz arg bald einstürzen wird? Ernsthaft: Reichen die stark gestiegenen Kurse wirklich aus, um vor einer Blase zu warnen? Klares Nein. Es bedarf doch einiger Indizien mehr, um von einer kolossalen Übertreibung sprechen zu können.

Wie wäre es mit den folgenden vier Punkten. Indiz 1: Jeder, auch diejenigen, die keine Ahnung davon haben, spricht über Aktien oder Immobilien — oder was auch immer die aufgeblasene Investment-Kategorie sein soll. Und jeder spricht darüber, wie man (schnell) reich wird. Indiz 2: Manche kündigen ihre Jobs, um Daytrader zu werden oder Immobilienmakler — wobei das vielleicht ein eher amerikanisches denn ein deutsches Phänomen ist. Indiz 3: Wenn Warnungen vor einem Rückschlag nicht nur in den Wind geschlagen, sondern vehement und meist unhöflichst ins Reich des Absurden verwiesen werden. Und Indiz 4: Wenn plötzlich so richtig extreme Prognosen die Runde machen — wie etwa die 10 000-Dollar-Gold-Prognose vor einigen Jahren.

Tja, sind wir wirklich schon wieder so weit? Lässt sich das eine oder andere Indiz finden? An der Börse, im Bekanntenkreis? In den USA oder in Europa scheint dies nicht der Fall zu sein — mal abgesehen vom hierzulande tatsächlich heiß diskutierten Thema „Kauf ich mir jetzt noch eine Immobilie?“. Aber was DAX und Dow Jones angeht, ist von Stammtisch-Verrücktheiten- oder einer Milchmädchen-Hausse eigentlich nichts zu sehen.

Das bedeutet jetzt nicht, dass wir uns in absoluter Sicherheit wiegen sollten. Denn die nächste Rezession wird kommen — wann auch immer. Und das wird natürlich auch an der Börse nicht spurlos vorübergehen. Aber die dann fällige Korrektur sollte ...

Donnerstag, 13. Juli 2017

Sieben auf einen Streich

Auch wenn zuletzt immer wieder mal vor einer kommenden Rezession gewarnt wird, zeigt sich am Kapitalmarkt und in der Wirtschaft ein anderes Bild. Panikmache wäre übertrieben – Stand jetzt.

Das „Wall Street Journal“ hatte vor einigen Tagen einen längeren Artikel zum Thema Rezession im Blatt. Beim Lesen der Zeilen konnte einem angst und bange werden, da dort ein böses Ende unausweichlich schien. Die Entwicklungen am US-Arbeitsmarkt waren ein Argument (steigender Lohndruck), ebenso der Aktienmarkt selbst (zu schnell gestiegen, zu teuer). Klar ist, dass eine Rezession tatsächlich schlecht wäre für die Börsenentwicklung, ging doch in der Vergangenheit ein massiver wirtschaftlicher Abschwung immer Hand in Hand mit fallenden Kursen. Fraglich ist aber, ob die US-Zeitung zu Recht ein so düsteres Szenario zeichnet.

Letztlich muss man viele Indikatoren im Blick behalten, um eine solche Aussage zu wagen. Und auch dann ist man vor einem kolossalen Irrtum alles andere als gefeit — wer besitzt schon eine Glaskugel, um die Zukunft vorherzusagen?

Dennoch ist es hilfreich, insgesamt sieben Indikatoren regelmäßig auf Warnsignale hin zu überprüfen: Am Kapitalmarkt sind dies die Renditen der Unternehmensanleihen, die Zinsstruktur insgesamt und die Entwicklung der Geldmenge. Was die Konjunktur angeht, sollte man als Anleger die Bautätigkeit im Blick behalten, dazu die privaten Immobilieninvestments und den Einzelhandelsumsatz. Und last not least sind die Unternehmensgewinne von großer Bedeutung.

Wer diese Checkliste derzeit durchgeht, erhält ein gemischtes Ergebnis — was ja eigentlich auch nicht anders zu erwarten war, angesichts des nun doch schon lang anhaltenden Aufschwungs. Positiv fällt ...

Donnerstag, 6. Juli 2017

Rotation im großen Stil

In den Sommermonaten ist es an der Börse ja immer etwas unruhiger. So auch dieses Jahr. Mit ein Grund ist aktuell die Sorge um die Notenbankpolitik. Machen die zu viel, bremsen sie die Rally aus?

So langsam, aber sicher werden wir uns wohl darauf einstellen müssen: Es kommen andere Zeiten. 2016 war ja noch alles ganz einfach. Da stützte die lockere Geldpolitik der wichtigen Zentralbanken das globale Wachstum. Dazu kamen noch fiskalische und geldpolitische Maßnahmen der chinesischen Regierung. Insgesamt hielt das die Weltkonjunktur gut am Laufen. Und die Börsen ebenso. Nun flaut dieser Rückenwind ab. In den USA bremst die Notenbank Fed, in Europa denkt die EZB zumindest laut darüber nach. Und so scheint es, als ob weltweit das Wirtschaftswachstum vielleicht schon im Frühjahr den Zenit überschritten hat.

Der Schwung lässt etwas nach. Gut zu sehen ist das an den schwächeren Aufträgen in der Industrie. Ebenso lässt der Welthandel leicht nach. Alles auf hohem Niveau wohlgemerkt — eine baldige Rezession scheint unwahrscheinlich!

Interessant ist in diesem Zusammenhang seit einigen Wochen die Rotation an den Börsen. Etwa in den USA: Da verlieren die Techwerte des Nasdaq-Index insgesamt doch deutlich an Wert, gleichzeitig steigen die Notierungen der guten alten Industrieaktien des Dow Jones, ebenso der Finanztitel und der Ölaktien. Üblicherweise treten solche Sektor-Rotationen — raus aus den zyklischen Aktien — tendenziell gegen Ende eines Börsenaufschwungs auf.

Ein Warnsignal also. Wir haben das ja an dieser Stelle oft genug geschrieben. Was könnte da jetzt noch helfen? ...

Donnerstag, 29. Juni 2017

Sommer, Sonne, Sorgenfalten

Legt die Börse jetzt eine Pause ein? Ungewöhnlich wäre es in den Sommermonaten nicht. Und wie ist das mit den Notenbanken und der Konjunktur? Über Chancen und Risiken in der zweiten Jahreshälfte. 

Wie geht es nun weiter? Die starke Rally nach der US-Präsidentschaftswahl scheint ja gerade etwas abzuebben. Muss man sich also Sorgen machen? Sind das Zeichen einer beginnenden Trendwende? Um es vorwegzunehmen: vermutlich nicht. Zum einen ist eine moderatere Entwicklung in den Sommermonaten generell nichts Ungewöhnliches. Zum anderen ist es schlicht so, dass das zu erwartende Gewinnwachstum der Unternehmen die Kurse stützt.

Gut so. Allerdings sollte man in der zweiten Jahreshälfte vielleicht doch etwas vorsichtiger agieren. Ob zum Beispiel (alle) Techaktien einfach weiterlaufen wie bisher, scheint fraglich. Wenn es denn insgesamt weitergeht mit steigenden Notierungen, dürften sich die Kursgewinne etwas ausgeglichener sowohl auf Wachstums- als auch auf Substanztitel verteilen. Bei zyklischen Sektoren wären zudem frische Impulse für das weltweite Wirtschaftswachstum wichtig — gerade auch weil die globale Notenbankpolitik langsam, aber sicher die Geldflut eindämmt.

Doch auch was die Konjunktur angeht, sieht es gar nicht so schlecht aus. Zumindest wenn man auf die aktuellen Daten und Prognosen blickt. In Kerneuropa geht es aufwärts, und auch in den wichtigen Schwellenländern erholt sich die Wirtschaft — die jüngsten negativen politischen Ereignisse in Brasilien ändern daran gar nichts. Insgesamt ist es wohl so, dass die Steuersenkungen in den USA, das geringere politische Risiko in Europa und der Optimismus von Unternehmen und Konsumenten dazu beitragen, die globale Expansion zu unterstützen. Ein positives „Reflations-szenario“ nennt der geneigte Börsianer das Ganze dann.

Dem stehen aber auch einige Risiken gegenüber. In den USA ist angesichts der zahlreichen Kontroversen um Präsident Donald Trump nicht ganz klar, ob die Regierung das politische Durchsetzungsvermögen besitzt, die geplanten Steuerreformen tatsächlich umzusetzen. Ohne diesen Impuls jedoch könnten die Aktienmärkte Gegenwind bekommen...

Mittwoch, 21. Juni 2017

Stolperfallen ohne Wirkung

Schon wieder Rekorde an den Weltbörsen. Anleger freut’s, gleichzeitig nimmt aber dann doch auch die Anspannung zu. Über die Aussichten – kurzfristig, mittelfristig, langfristig.

An der Wall Street ist immer mal wieder von dem Diktum „Three Steps and a Stumble“ die Rede. Zu tun hat das mit der Notenbank Fed. Wenn die nämlich dreimal in Folge die Zinsen erhöht, sei ein Kursrutsch unvermeidlich. So die Börsenweisheit. Inzwischen hat aber die Notenbank ja gerade schon zum vierten Mal die Zinsen erhöht, und manch einer fragt sich da zu Recht, wo denn nun besagter „Stumble“ bliebe. Bisher war da nämlich nichts.

Und das, obwohl doch viele Kommentatoren schon seit Monaten immer wieder beklagen, dass die Fed vermutlich einen historischen Fehler begeht, weil die Zinserhöhungen viel zu spät kämen, so mitten hinein in die möglichen Anfänge einer Rezession. Vergleiche werden gezogen, etwa mit dem — lang ist’s her — Rezessionsjahr 1937. Oder mit dem Tun von Ex-EZB-Chef Jean-Claude Trichet, der zwischen 2006 und 2008 die Zinsen drastisch erhöhte — zur Unzeit, wie wir wissen, kurz vor dem Beginn der Finanzkrise.

Ähnliche Sorgen hat man jetzt auch. Die Inflation scheint schon wieder rückläufig, und so einige makroökonomische Daten haben zuletzt auch nicht recht überzeugt. Trotzdem scheint die Fed ihr Ding durchzuziehen: rauf mit den Zinsen. Und das, obwohl vielleicht doch nicht alles so toll ist mit der Wirtschaftsentwicklung? Die Kurse steigen indes weiter — neue Rekorde beim DAX und beim Dow inklusive. Vom Stumble, vom Stolpern, ist weiter nichts zu sehen.

Vermutlich ist es schlicht so, dass in Summe die positiven Aspekte die negativen immer noch überwiegen. Zumindest kurzfristig. Außerdem sollte man sich von temporären Schwankungen der Indikatoren nicht kirre machen lassen. So wird beispielsweise in den USA ein Wirtschaftswachstum von 2,9 Prozent im zweiten Quartal erwartet. Das ist sehr überzeugend. Dazu kommt, dass die Unternehmensergebnisse im zurückliegenden Quartal überdurchschnittlich gut waren, ebenso der Ausblick auf die nahe Zukunft. Der Anstieg der Kurse kommt also nicht von ungefähr.

Mittelfristig ziehen indes einige dunkle Wolken am Horizont auf...

Dienstag, 13. Juni 2017

Sorgen? Welche Sorgen?

Es rumpelt überall. Politisch gesehen. An der Börse kümmert das bislang keinen. Warum auch? Ist doch alles „pretty in pink“. Oder doch nicht? Eine Übersicht, was gut läuft und was nicht.

Die Rally ist eindrucksvoll. Es läuft und läuft. Und warum denn auch nicht? Die guten Unternehmensgewinne stützen das Ganze schließlich. Dennoch gibt es das ein oder andere zu bemängeln: Alles Negative wird nämlich gerade schlicht und einfach ausgeblendet. Die politischen Unsicherheiten beispielsweise, in den USA wie in Europa — siehe Großbritannien, Frankreich und Italien. Hinzu kommt, dass Aktien inzwischen doch recht teuer geworden sind und parallel dazu die Anleger immer sorgloser — die Volatilität notiert inzwischen auf einem Zehnjahrestief. Das ist gefährlich.

Gleichzeitig ist die Liste der positiven Aspekte aber ebenfalls eindrucksvoll lang. Die gerade beendete Berichtssaison der Unternehmen mit zweistelligen Steigerungen der Gewinne war die beste seit 2011. Dann sind da die Frühindikatoren, die weiterhin für eine positive Konjunkturentwicklung sprechen. Und schließlich kommt dazu, dass das Realzinsniveau weiterhin negativ ist — Sparer verlieren also de facto Geld. Zinsanlagen sind damit mehr oder weniger uninteressant. Die Aktienmärkte, die eilen derweil von Hoch zu Hoch. Das Problem dabei: Die Kursanstiege waren zuletzt deutlich höher als die Gewinnzuwächse der Unternehmen. Daher die inzwischen teils sehr hohen Bewertungen.

Beim Kursanstieg galt dabei bislang die Grundregel: je risikoreicher das Investment, desto besser in diesem Jahr der Ertrag. Mit Bluechips waren bislang an die zehn Prozent drin, mit mittelgroßen Unternehmen im Schnitt etwa 15 Prozent, mit Technologie- und Schwellenländer-aktien schließlich round about 20 oder gar 25 Prozent. Zudem gibt es natürlich Ausreißer mit weit mehr Kursplus.

Dass allerdings in den zurückliegenden Tagen die Notierungen an der Techbörse Nasdaq teils heftig nachgelassen haben, lässt aufhorchen. Kommt da jetzt doch eine größere Korrektur? Denn klar ist: Die inzwischen doch sehr hohen Erwartungen der Anleger bergen großes Enttäuschungspotenzial. Für unangenehme Überraschungen ist nämlich schlicht kein Platz vorhanden. Die Relation von Chance zu Risiko, die hat sich dadurch deutlich verschlechtert.

Und um noch einmal zum Thema Volatilität zurückzukehren: Die Kursschwankungen an den Kapitalmärkten, speziell an den Aktienbörsen, sind schon seit Monaten extrem gering. Im Vergleich mit der Historie zu gering. Blickt man zurück, kam es seit 1975 pro Kalenderjahr im Schnitt zu ...

Mittwoch, 7. Juni 2017

Zinsen rauf, bitteschön

Neue Woche, neue Rekorde. Läuft die Börse langsam heiß? Die Warnsignale nehmn jedenfalls zu. Und trotzdem sieht es auf Sicht von sechs bis zwölf Monaten weiterhin ganz gut aus.

Kommende Woche ist es also so weit: Am 13. und 14. Juni treffen sich die wichtigsten Mitglieder der US-Notenbank Fed. Es wird dann um eine weitere Leitzinserhöhung gehen. Und darum, ob und wie man die Bilanz der Notenbank schrumpft — die Fed hat ja seit der Finanzkrise massiv Wertpapiere gekauft, um die Konjunktur zu stützen.

Dabei scheint es fast schon ausgemacht, dass die Zinsen tatsächlich angehoben werden. Zumindest ist man sich unter den Kommentatoren da recht einig. Und das kommt nicht von ungefähr. Das beste Indiz für eine Erhöhung lieferten die Mitglieder der Notenbank schließlich selbst. Fasst man deren Aussagen der zurückliegenden Wochen zusammen, geht man bei der Fed von weiterhin guten Wachstumsperspektiven und von einer positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt aus. Das sollte eigentlich reichen, um den Zins um einen Viertelprozentpunkt anzuheben.

Ob dies die Börse dann etwas bremst? Bislang klettern die Indizes in diesem Jahr ja fast ohne Pause — und das sowohl in den USA wie auch in Europa und in Fernost. Ein Rekordhoch folgt auf das nächste. Offensichtlich scheint an den Aktienmärkten die Meinung vorzuherrschen, dass das — zumindest kurzfristig — mit den Zinserhöhungen schon nicht so schlimm werden wird. Es gibt ja auch gute Gründe für Optimismus: Die Unternehmensgewinne und die Prognosen klettern und auch das Sentiment stimmt. So sind die Insider, also die großen Finanzadressen und die Unternehmensvorstände selbst, weiterhin schön in Kauflaune.

Aber vielleicht ist das ja auch schon etwas zu viel des Frohsinns. Beispielhaft steht dafür etwa der bekannte amerikanische Value-Investor Jeremy Grantham. Der ist eigentlich für seine sachlichen Analysen bekannt, bemerkte aber gerade, dass die doch hohen Bewertungen am Aktienmarkt wohl auch deshalb so hoch seien, weil man es eben mit einer „neuen Ära“ zu tun habe. Eine Aussage, die irritiert und etwas an die Euphorie während der Internetjahre erinnert, als die ausufernden Kurse mit der Bemerkung „This time is different“ abgetan wurden.

Euphorie ist ja immer gefährlich für den Aktienmarkt. Und spannend ist in diesem Zusammenhang auch, dass am Anleihemarkt die Dinge etwas anders beurteilt werden als am Aktienmarkt. Vielleicht hat man hier einen etwas längerfristigen Blick? Oder wie erklärt sich, dass ...

Mittwoch, 31. Mai 2017

Neue Rekorde, alte Zweifel

Von wegen „Sell in May“. Auch im zurückliegenden Monat ging es an den Börsen nach oben. Und das, obwohl es neue alte Sorgen um das wichtigste Schwellenland China gibt.

Neue Rekorde in den USA: Nasdaq und S & P kletterten in den zurückliegenden Tagen auf neue Allzeithochs. Gut so. Dass der DAX etwas zurückblieb, lässt sich so gut verschmerzen. Ohnehin sieht es für die kommenden sechs bis zwölf Monate weiterhin gut aus für die Aktienmarktentwicklung — die Gewinne und Gewinnprognosen der Unternehmen in den USA wie auch in Europa sind weiterhin am Steigen. Und das ist ja die Essenz.

Trotzdem kam zuletzt etwas Unruhe auf. In Fernost. Die Ratingagentur Moody’s stufte nämlich die Kreditwürdigkeit Chinas herab. Das hatte es zuletzt 1989 gegeben! Das Ganze kam jedoch nicht ganz unerwartet, schließlich sind die Risiken im wichtigsten Schwellenmarkt der Welt deutlich gestiegen. Das Wachstum hat sich abgeschwächt, die Verschuldung steigt und steigt. Allerdings ist Letzteres nur bedingt problematisch, weil die Gläubiger der chinesischen Schulden überwiegend die Chinesen selbst sind. Wären es Ausländer, wäre die Lage deutlich komplexer. Und bedrohlicher.

Dennoch wird viel über eine „harte Landung“ der chinesischen Konjunktur debattiert und die dann verheerenden Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Doch vermutlich ist es genau andersherum: Erst wenn die mächtigste Wirtschaftsmacht der Welt, die USA, in eine Rezession rutscht, bekommt China wohl größere Probleme. Schon ein milder Abschwung in den USA könnte dann ausreichen, um die Handelsbilanz Chinas in Unordnung zu bringen und das ganze gehebelte Finanzierungsgebäude dahinter ebenso.

Dies bleibt indes ein Gedankenspiel. Denn von einer Rezession in den USA ist nichts zu sehen. Dennoch sollte man sich immer wieder Gedanken machen, wann und mit welcher Heftigkeit so ein Abschwungszenario eintreten könnte. Immerhin befinden sich die USA in einem Zinserhöhungszyklus. Käme es in der Folge dort also zu einer Rezession, träfe es neben China ...

Freitag, 26. Mai 2017

Tyson, Trump und was wichtig ist

Der Börsenaufschwung ist weiter robust. Doch wie lange noch? Vermutlich noch deutlich länger, als viele vermuten. Über Signale und Indikatoren, die die Richtung weisen.

Die Frage, wie lange diese Rally noch andauert, treibt uns an dieser Stelle ja schon länger um. Bislang war der Tenor: „Da geht schon noch was.“ Von kurzfristigen Konsolidierungen mal abgesehen. Und, um es vorwegzunehmen: Es bleibt bei dieser Einschätzung — im Großen und Ganzen besteht noch Luft nach oben. Trotzdem ist es nicht verkehrt, immer wieder die Parameter zu überprüfen, die uns irgendwann signalisieren werden, dass die Party vorüber ist. Und da gibt es so einiges zu checken!

Viele der wichtigen Daten haben ihren Ursprung in den USA — die Wall Street ist nun mal die Leitbörse. Wenn ein Bärenmarkt beim Dow Jones startet, wird sich der DAX dem sicher nicht entziehen können. Vier Bereiche gilt es also zu beachten: die Stimmung am Markt, technische Faktoren an der Börse, Signale vom Geld- und Kreditmarkt sowie generell die volkswirtschaftliche Entwicklung in den USA. Den Faktor Politik — Donald Trump — lassen wir mal beiseite.

Was den ersten Punkt, die Stimmung, angeht: Da darf man schon ein wenig mit den Augen rollen. Da macht etwa der einstige Boxchampion Mike Tyson Werbung für Trading-Accounts. „Fast, simple, safe“, so sein Slogan. Außerdem bieten immer mehr Emittenten stark gehebelte ETFs an. Bemerkenswert. Allerdings zeigen die Indikatoren insgesamt noch keine Euphorie an. Es scheint immer noch viel Cash nicht investiert zu sein. Die früher so oft zitierte Milchmädchenhausse findet also noch nicht statt. Punkt 1 auf der Checkliste ist also durchaus noch in Ordnung.

Der zweite Bereich sind die Bewegungen an der Börse selbst. In der Börsenhistorie war es ja immer so, dass bei nahendem Abschwung die „Marktbreite“ abnahm, also immer weniger Sektoren und Aktien neue Hochs erreichten. Gleichzeitig ...

Mittwoch, 17. Mai 2017

Alles in der Schwebe

Die Rally läuft und läuft. Zur Freude vieler. Aber auch zum Verdruss derjenigen, die viel Hoffnung auf eine deftige Korrektur gesetzt haben. Eine Geschichte mit vielen „Wenns“ und „Abers“.

Die Bären haben es so richtig schwer derzeit. Die Konsolidierungen sind kaum der Rede wert — bislang zumindest. Und auch die alte Börsenweisheit, dass man gefälligst im Mai zu verkaufen habe, hat (noch) nicht gegriffen. Dabei gäbe es doch so viele Argumente, die für fallende Kurse sprächen. Aber die scheinen nicht zu reichen für eine Trendwende.

Da ist beispielsweise der Fakt, dass die Börsenrally in die Jahre gekommen ist. Acht Jahre dauert sie schon an. Startdatum war der März 2009. Der DAX notierte damals bei 3670 Punkten, der S & P bei für manche satanisch anmutenden 666 Punkten. Aber wie es eben so ist: Eine Börsenrally stoppt nicht einfach nur, weil sie „gealtert“ ist. Da braucht es mehr. Etwa das Argument mit der Bewertung, was schon etwas mehr Sorgen macht. Das KGV ist überdurchschnittlich hoch, egal ob an Europas Börsen oder an den amerikanischen.

Und auch die Stimmung wird langsam etwas zu optimistisch. In den USA etwa kommen jede Menge gehebelte ETFs auf den Markt. Im Fernsehen laufen Werbefilmchen, die hoch riskante Börsengänge anpreisen. Wenn man so will, dann ist auch die Euphorie um Aktien wie Tesla vergleichbar mit dem Jahrtausendwende-Hype um Techstocks. Und ein letztes Argument für eine Trendwende: die Zinspolitik in den USA. Dort stehen schließlich weitere Zinserhöhungen an sowie Maßnahmen, um die Bilanzsumme der Notenbank Fed zu reduzieren.

Doch so einfach ist es dann doch nicht mit den schlauen Argumenten. Es reicht de facto nicht, dass Aktien teuer sind, um Kursverluste auszulösen. Dafür bedarf es schon eines ...