Dienstag, 26. August 2014

Fehlt nur noch ....

dass Bank-Aktien ins Rollen kommen .... hoppla ...


Provokation und Reaktion

US-Aktien auf Rekordkurs, DAX mit Nachholbedarf und der Euro im freien Fall, dazu das Treffen der wichtigsten Notenbanker der Welt. Wie das eine zum anderen passt.  

Das fällt schon auf in den vergangenen Wochen: An der US-Börse geht es ordentlich voran. Vor allem die Bluechips legen kräftig zu, und zwar so stark, dass der S&P-500 am Montag das erste Mal überhaupt die 2000-Punkte-Marke geknackt hat. Im Gegensatz dazu hinken Nebenwerte deutlich hinterher, ebenso europäische Aktien. Passiert so etwas, dann spricht man von einer Divergenz, und der eine oder andere Börsianer macht sich Sorgen, weil fehlende Marktbreite bei neuen Rekordkursen in der Vergangenheit doch immer ein recht gutes Warnsignal war. Ebenfalls fällt auf, dass der Euro fällt wie ein Stein und dass sich seit einigen Tagen der japanische Yen wieder abschwächt, nachdem sich da lange nichts getan hat.

Wie passt das denn nun zusammen? Es passt. Im Wesentlichen sind es doch gerade mal zwei Aspekte, die in diesem Jahr das Auf und Ab an den Aktienmärkten bestimmen: Da ist zum einen die Geldpolitik der Notenbanken, zum anderen sind es die geopolitischen Risiken. Beiden gemeinsam ist die Unsicherheit, wohin wir denn nun steuern. Es ist nicht recht klar, wann die ersten Zinserhöhungen in den USA kommen. Und was die Weltpolitik angeht, lähmt vor allem die Sorge vor weiteren Eskalationen — gerade was den Russland-Ukraine-Konflikt angeht.

Diese Unsicherheit sorgt sicherlich für eine Flucht in den Dollar und zudem wohl auch dafür, dass man sich als Investor, wenn überhaupt, bei Aktien dann doch lieber für die vermeintlich stabileren Bluechips entscheidet als für Nebenwerte.

Und dann sind es eben die Notenbanken, die im schönen Wechsel mit der Geopolitik für Bewegung an den Märkten sorgen. Aktuell für wieder deutlich steigende Aktienkurse. Die Notenbanken haben es sogar geschafft, dass der erneut und damit zum vierten Mal in Folge gefallene Ifo-Index dabei schlichtweg ignoriert wurde. Auslöser für die Rally am Aktienmarkt war das Treffen der Welt-Zentralbanker, das regelmäßig im Spätsommer im Örtchen Jackson Hole in Wyoming stattfindet. Dort tauscht man sich aus, genießt die Natur und stimmt vielleicht gar die Geldpolitik aufeinander ab. Dieses Jahr war es allerdings nicht ganz so beschaulich. Da warfen die Vertreter der US-Notenbank Fed der Europäischen Zentralbank (EZB) vor, „zu wenig zu tun“.

Die haben ja auch gut reden, die Amerikaner. Im Gegensatz zu Europa geht es beim konjunkturellen Aufschwung ja doch recht passabel voran. Jedenfalls folgte auf die Provokation prompt die Reaktion. EZB-Chef Mario Draghi redete Tacheles und wich im Eifer gar vom Redemanuskript ab. Er werde die Deflationsgefahr in Europa „mit allen Mitteln“ bekämpfen, sagte er, man sei „bereit“. Zudem forderte Draghi die europäischen Finanz- und Staatsminister auf, „mehr Engagement zu zeigen“. Das Wachstum solle bitteschön endlich gestärkt werden. Harter Tobak das Letztere. Der Mann übersteigt damit eigentlich die Grenzen seines Mandats — aber das ist ein anderes Thema.

Jedenfalls wurden die deutlichen Worte so ausgelegt, dass der Beginn gezielter Stützungskäufe am europäischen Anleihemarkt nun wohl unmittelbar bevorsteht. Wäre dem tatsächlich so, dann bliebe es also nicht nur bei der bisherigen Niedrigzinspolitik der EZB, nein, man würde da noch Liquidität draufpacken. Die USA, die im Gegensatz dazu selbige ja schon reduzieren, könnten dies dann ein bisschen beruhigter tun.

An den Märkten haben die klaren Worte ihre Wirkung nicht verfehlt: Der Euro ist seither noch stärker unter Druck als schon in den Wochen zuvor, die Aktienkurse steigen, die Renditen der Staatsanleihen fallen. Und das ergibt durchaus Sinn. Die USA wollen scheinbar den Job des „Chef-Gelddruckers“ weitergeben. An die EZB. An die Bank of Japan. Nehmen die den Job an, dürften die Aktienkurse weiter steigen und Euro und Yen fallen.

Freitag, 22. August 2014

Krisenbewältigung nach Schema F

Die Kurse haben zuletzt kräftig gewackelt. Vor allem in Deutschland. Ein Grund sind sicherlich die aktuellen geopolitischen Krisen. Trotzdem stellt sich die Frage, wie signifikant die tatsächlich sind.

Das fällt schon auf: Vor allem die US-Börsen klettern recht kontinuierlich weiter — trotz aller geopolitischer Unruhen. Trotz Syrien, Irak, Gaza, Ukraine. Der Technologieaktienindex Nasdaq Composite hat beispielsweise gerade ein neues Jahreshoch erreicht. An der deutschen Börse ist das ein wenig anders. Hier ist man nervöser. Vermutlich wegen der räumlichen Nähe zu Russland und der wirtschaftlich doch recht engen Verbindungen. Und wohl auch, weil man generell hektischer auf politische Ereignisse reagiert als in den USA. Gut zu sehen war das ja am Freitag voriger Woche, als der DAX nach widersprüchlichen Gerüchten aus der ostukrainischen Krisenregion binnen weniger Minuten 200 Punkte verlor.

Dennoch sind die Märkte insgesamt recht ruhig. Trotz der Vielzahl der Krisenherde. Egal ob Aktien, Gold oder Ölpreis — die Notierungen sind relativ stabil. Da fragt man sich dann schon: Ist die Geopolitik denn überhaupt ein entscheidender Faktor für die Geldanlage? Die Frage mag vermessen oder unlogisch erscheinen angesichts der täglich auf uns einstürzenden Nachrichtenflut. Blickt man aber in die Historie, dann scheint die These gar nicht so abwegig. Letztlich ist es doch so, dass die meisten geopolitischen Ereignisse in der Summe keinen größeren Einfluss auf Umsatz und Ergebnis von Unternehmen haben. Auch Handelsbeschränkungen müssen nicht zwingend gravierend negativ ausfallen. Der Konsum verschwindet ja nicht einfach aufgrund von Restriktionen. Oft verschiebt er sich einfach nur, sucht sich neue Wege. Hinzu kommt, dass trotz fetter Schlagzeilen die meisten dieser Ereignisse relativ klein sind — jedenfalls wenn man sie aus einer globalen ökonomischen Perspektive betrachtet.

Ein dritter Punkt, der die relative Ruhe an den Märkten erklärt, ist der, dass solche Ereignisse oft schon frühzeitig antizipiert werden. Große Investoren haben meist schon rechtzeitig Anpassungen an ihrer Vermögensstruktur vorgenommen, um allen möglichen Eventualitäten tunlichst zuvorzukommen. Frei nach der alten Börsenweisheit: „Kaufen Sie das Gerücht, verkaufen Sie die Nachricht.“

Die Auswirkungen geopolitischer Risiken auf die Märkte ähneln sich durchaus. Gerade bei überraschenden Entwicklungen wanken die Kurse und Preise zunächst gewaltig, man denke an die Attentate vom 11. September 2001. Doch danach setzt sich in der Regel der vorherige Trend fort. Im Fall von 9/11 gab es zunächst einen Crash, dann eine kurze Rally, die darauf in den schon früher gestarteten Abwärtstrend mündete — die USA befanden sich zu jener Zeit schon in einer Rezession. Umgekehrt war es beim Beginn der US-Invasion im Irak im Jahr 2003. Damals rutschten die Märkte wenige Tage vor dem Einmarsch auf neue Tiefpunkte ab, um sich in den folgenden vier Jahren zu verdoppeln.

Allerdings kann es auch ganz anders kommen. Und zwar dann, wenn eine für die Weltwirtschaft ganz wesentliche Komponente betroffen ist. Wie das Öl. Während des Ölembargos von 1973 bis 1974 kam es zu signifikanten Veränderungen bei Inflation, Konsum und Unternehmensgewinnen. Der Ölpreis kletterte damals in wenigen Monaten von etwa drei Dollar pro Barrel auf fast zwölf Dollar und stürzte die westliche Welt in eine heftige Rezession.

Was lernen wir daraus? Zum einen ist es nicht verkehrt, auf den Ölpreis zu achten — wobei der zurzeit und zur Beruhigung vieler eher fällt als steigt. Zweitens sollte man den täglichen Newsflow lieber ignorieren als zum Bestandteil der eigenen Anlagestrategie zu machen — im Zweifel reagieren die großen Anleger darauf ohnehin schneller. Und drittens gilt, dass wankende Kurse meist gute Möglichkeiten bieten, nachzukaufen.

Mittwoch, 13. August 2014

Stoische Gelassenheit

Korrekturen gibt es an der Börse immer wieder. Nicht immer müssen bei einem Rückgang 
um zehn Prozent die Alarmsirenen schrillen. Der beste Ratschlag ist also der, sich daran zu gewöhnen.

Vor einigen Wochen waren wir ja schon einmal damit beschäftigt, ob die Märkte an der Schwelle einer Korrektur stehen oder gar am Beginn einer Trendwende. Damals lautete das Fazit, dass es seriös kaum möglich ist, Beginn und Ende einer Korrektur vorherzusagen. Viel wichtiger sei es — und das gilt heute immer noch —, wie man denn tatsächlich auf einen solchen Kursrutsch reagiert — oder überreagiert, was sicherlich kein guter Ratschlag wäre.

Die Korrektur findet nun tatsächlich statt und reiht sich ein in eine nicht mal ganz so lange Liste ähnlicher Ereignisse. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs jedenfalls gab es 27 Korrekturen von jeweils ungefähr zehn Prozent an der US-Börse — und wir nehmen die mal als Maßstab, ist die Wall Street doch nach wie vor globale Leitbörse, und der DAX verläuft doch in recht ähnlichen Bahnen. Wenn auch bisweilen etwas volatiler, so wie gerade eben.

Im Vergleich zu besagten Zehnprozentern unter den Korrekturen gab es dagegen nur zwölf ausgewachsene Bärenmärkte, die dadurch definiert sind, dass es um 20 Prozent oder mehr nach unten geht. Das vielleicht Erstaunliche an diesen Marktbewegungen, egal ob Zehn- oder Zwanzigprozenter, ist die Tatsache, dass sie nicht gleichmäßig über die Jahre verteilt sind. In der Tat trat fast die Hälfte der Korrekturen entweder in den 70er- oder in den 2000er-Jahren auf. Und beide Zeiträume waren geprägt von wirtschaftlichen Re­zessionen sowie den dazugehörigen längerfristigen Bärenmärkten, die sich durch teuflische Ausverkäufe und fast schon panisch anmutende Zwischenrallys auszeichneten.

Das ist doch schon mal ein erstaunliches Fundstück: Fast die Hälfte der Korrekturen trat also in nur zwei der sieben Jahrzehnte auf. Zufall? Wohl nicht. Wer angesichts dessen mal ganz distanziert auf die aktuelle Lage blickt, kommt dann doch ins Grübeln. Wie wahrscheinlich ist denn dann eine heftige Korrektur in unseren Tagen? Anlässe gibt es ja scheinbar genug. Die Herabstufung der Bonität amerikanischer Anleihen etwa. Die vielleicht bald kommenden höheren Leitzinsen in den USA. Und die Bewertungen: Uns wird doch immer wieder erzählt, dass die Märkte überteuert sind, dass der Finanzmarkt zur Blase aufgepustet wurde. Oder wenn schon nicht der ganze Markt, so gebe es doch wenigstens eine Techblase oder eine Börsengangblase. Und dass gerade Twenty-First Century Fox ein Gebot für Time Warner abgegeben hat, ist doch auch Indiz eines Exzesses! Oder etwa nicht? Und dann die europäischen Banken — ein Schrecken ohne Ende. Und last not least die Crash-Gründe aus der Abteilung Geopolitik: Gaza, Irak, Ukraine. Doch was ist daraufhin schon groß passiert? Der Ölmarkt ist doch erstaunlich ruhig und die Nachfrage nach Gold hat auch nicht wirklich sprunghaft zugenommen.

Was ist es dann wirklich, was die Märkte treibt? Diese Gemengelage an unterschiedlichsten Gründen? Von allem ein bisschen was? Oder ist die Wahrheit schlichter? Wie wäre es damit, dass Korrekturen einfach immer wieder mal vorkommen. Relativ regelmäßig. Und vermehrt in Zeiten von Rezessionen. Es ist, wie es ist und immer war: Korrekturen passieren. Und der beste Ratschlag ist der, sich daran zu gewöhnen.

Fast 500 Handelstage hat die US-Börse nun ohne einen zehnprozentigen Rückgang überstanden. Und vielleicht werden es noch einmal 100. Denn von Rezession ist in den USA nichts zu spüren. Im Gegenteil, die wirtschaftlichen News überzeugen. Seit Wochen. Der Trend scheint intakt. Trotz alledem.

Dienstag, 5. August 2014

Das August-Trauma ...

Der geschätzte Martin Hüfner mit einem neuen Kommentar zur Lage an den Börsen:

Kernpunkte:
  1. Die Aktienkursentwicklung der letzten Tage ähnelt in verblüffender Weise der des Jahres 2011.
  2. Wenn sich die Geschichte wiederholen würde, müsste der DAX in den nächsten Wochen bis auf 7.000 fallen.
  3. Bei den fundamentalen Faktoren gibt es freilich einige gravierende Unterschiede.
  4. Es gelten die alten Argumente. Es gibt keine Rezession. Die Wirtschaft wächst, wenn auch nicht so stark wie ursprünglich angenommen. Die Liquidität ist nach wie vor hoch. Die Zinsen sind niedrig. Alternativen zur Aktie sind daher wenig attraktiv.

Dem schließe ich mich an ... (den kompletten Kommentar gibt es hier als Download)

Dienstag, 29. Juli 2014

Die Sache mit der Faustregel

Die Börsen sind weiter im Korrekturmodus. Eine normale Entwicklung. Das Ende des Bullenmarkts muss dies längst nicht bedeuten, auch wenn schon laut über Zinserhöhungen nachgedacht wird.

Eine alte Regel der Wall Street lautet: „Don’t fight the Fed“. Das ist recht plakativ, enthält aber weit mehr, als die knappe Empfehlung „Leg Dich nicht mit der Fed an“ vermuten lässt. Frei übersetzt bedeutet die Regel eher so viel wie: „Was die US-Notenbank beschließt, das ist Gesetz, es bewegt die Märkte in die eine oder andere Richtung, also halte Dich gefälligst daran, und wenn Du trotzdem dagegen hältst, dann wirst Du verlieren.“

Ein langer Satz das. Aber vermutlich noch nicht einmal lang genug. Denn so hübsch plakativ und gut zu merken die Regel „Don’t fight the Fed“ auch ist, und so richtig sie im Kern auch sein mag, so wenig differenziert ist die Handlungsanweisung, die daraus in der Regel abgeleitet wird. Denn soll man wirklich nur in Aktien investieren, wenn die Zinsen fallen oder auf niedrigem Niveau verharren? Und soll man wirklich Aktien meiden, wenn die Zinsen steigen? Diese Sorge geht ja um, spätestens seitdem die Fed ihre expansive Geldpolitik Schritt für Schritt zurückführt, und sich die Stimmen im Offenmarktausschuss der Zentralbank mehren, dass man über höhere Zinsen zumindest doch etwas intensiver nachdenken und beraten sollte — vor allem was das „Wann“ angeht.

Aber wie gerade angerissen: Die reflex­artige Reaktion auf eine stark vereinfachende Faustregel könnte falsch sein. Sicherlich ist die Sorge vor steigenden Zinsen verständlich: Höhere Zinsen signalisieren ja oft eine Überhitzung der Wirtschaft. Steigen in solchen Situationen die Zinsen, dann verteuern sich die Kredite, und in den Unternehmen nimmt der Druck auf die Margen zu. Letztlich besteht auch die Gefahr einer Rezession, wenn die Notenbanken zu sehr an der Zinsschraube drehen.

Steigende Zinsen können aber auch Ausdruck positiver Entwicklungen sein. Der Zins ist letztlich der Preis für Kapital. Und nimmt die Nachfrage nach Kapital zu, dann steigt eben auch der Zins. Eine höhere Nachfrage nach Kapital wiederum stärkt die Wirtschaft. Verbraucher etwa fragen verstärkt Konsumentenkredite nach oder Hypothekendarlehen. Unternehmen wiederum erhöhen die Investitionsausgaben. Höhere Zinsen bedeuten auch, dass das Risiko einer Deflation gesunken ist. Und schließlich spiegelt eine Zinserhöhung in der aktuellen Situation eine Normalisierung der Geldpolitik der Fed wider. Die Kreditkrise? Die läge dann wohl hinter uns.

All diese Argumente haben ihre Berechtigung, die Vergangenheit hat dies deutlich  gezeigt: Mal reagierten die Aktienkurse positiv auf Zinserhöhungen, mal negativ. In den vergangenen 100 Jahren kam es in den USA zu 86 signifikanten Zinsänderungen.  Stiegen die Zinsen, dann war es so, dass — surprise, surprise — in drei Viertel der Fälle  die Aktienkurse ebenfalls stiegen.

Schaut man etwas genauer hin, dann scheint klar, warum. In den Zeiten parallel steigender Zinsen und Aktienkurse war es nämlich immer so, dass die Inflation relativ niedrig war, im Schnitt bei etwa vier Prozent. Die Aktien waren gleichzeitig durchschnittlich bewertet, das Kurs-Gewinn-Verhältnis der S & P-500-Aktien notierte im Schnitt bei 15. In den Fällen jedoch, in denen der Zins zulegte und die Aktienkurse fielen, lag die Inflation deutlich höher bei durchschnittlich 6,8 Prozent und das KGV wiederum notierte bei niedrigen 12,5 — eine Kombination, die auf ein rezessives Umfeld hindeutet.

Also wie war das doch gleich? „Don’t fight the Fed“? Wohl nicht. Es ist eben doch nur eine stark vereinfachende Faustregel. Sie passt einfach nicht immer. Vielleicht muss man auch bedenken, aus welcher Zeit die Regel stammt. Man datiert sie zurück in die 1970er-Jahre, in die Zeiten der Stagflation, als die USA über längere Zeit mit massiv steigender Inflation zu kämpfen hatten. Anders als jetzt, musste die Fed damals deutlich gegensteuern, zulasten von Konjunktur und Börse.

Freitag, 25. Juli 2014

That's The Way It Is


Das fällt auf: Große Aktien und sichere Anleihen laufen klar besser als Small Caps und Junk Bonds. Eine Divergenz, die doch zu etwas mehr Vorsicht mahnt ...

Dienstag, 22. Juli 2014

Eine Frage der Wahrnehmung

Krisen, wo man nur hinschaut. Die Kurse sind unter Druck. Gefragt sind sichere Investments. Doch das wird sich wieder ändern. Einzig über den Zeitpunkt lässt sich streiten.

Manchmal scheint das Unglück an allen Ecken und Enden über die Welt hereinzubrechen. Gaza, Irak, Ukraine — die Nachrichten sind voll davon. So schlimm wie aktuell scheint es lange nicht gewesen zu sein. Oder doch? War die Welt nicht schon immer ein Pulverfass? Vielleicht kann man ja gar behaupten, dass das, was in der Börsianersprache mehr oder weniger passend als „geopolitisches Risiko“ bezeichnet wird, eigentlich stets irgendwie gleich hoch ist. 

Es schwelt doch immer und überall irgendetwas auf dem Globus. Das Risiko einer Eskalation ist jederzeit vorhanden. Was sich jedoch im Verlauf der Zeit definitiv immer wieder ändert, ist die Wahrnehmung dieses Risikos. Es gibt Zeiten, da wird schlicht ignoriert und negiert, was in den gewohnten, aber mitunter auch wechselnden Krisenregionen der Welt vor sich geht. Oder die Welt wird mit etwas konfrontiert, was scheinbar aus dem Nichts kommt — etwa die Attentate vom 11. September 2001. Und es gibt Zeiten, wo das Unglück eben an allen Ecken und Enden der Welt gleichzeitig hereinzubrechen scheint. Gaza, Irak, Ukraine — die Nachrichten sind voll davon. 

Trotzdem oder gerade deswegen ist das geopolitische Risiko aktuell nicht höher als vor einem Monat — wir nehmen es nur anders wahr. Etwa weil der Abschuss eines Passagierflugzeugs über der Ukraine besonders zynisch ist, weil der Einmarsch israelischer Truppen in den Gaza-Streifen eine schrecklich hohe Zahl an Opfern fordert, weil relativ viele Politiker relativ hilflos wirken. Und weil alles vielleicht noch schlimmer wird.

Die Änderung in der Wahrnehmung zeigt sich natürlich auch an der Börse — ob sie ökonomisch gerechtfertigt ist, sei einmal dahingestellt. Durch geopolitische Schocks werden Aktien, Rohstoffe, An-leihen von den Marktteilnehmern „neu -bewertet“. „Safety first“ ist dann zunächst das Motto. Und die Rückzugsorte sind immer nahezu identisch: Staatsanleihen, vorzugsweise aus den USA, Gold, der Dollar, bisweilen Öl. Auch am Aktienmarkt sind die Verwerfungen in der Regel identisch. Verkauft werden vor allem die riskanteren Assets. Das sind meist Nebenwerte, Aktien aus Highflyer-Branchen und im Fall der Ukraine-Krise auch deutsche Aktien, wären sie bei einem nennenswerten Embargo gegen Russland doch besonders stark betroffen. 

Ein weiterer Effekt dieser geopolitischen Schocks und deren Wahrnehmung ist die Überlagerung anderer relevanter News. Das gilt für Nachrichten im Allgemeinen und für — positive — Börsennachrichten im Besonderen. Dass beispielsweise die neuesten Unternehmensergebnisse aus den USA in der vergangenen Woche richtig gut waren, wurde kaum wahrgenommen. Eine Randnotiz. Negative Nachrichten dagegen verstärken die Flucht in vermeintlich sichere Vermögensklassen. Als da aktuell wären: die Bankenkrise in Portugal, eine Titelgeschichte der „New York Times“, die alle Investments als zu teuer bezeichnet ("Everything Bubble"), dazu die seltsamen „Börsentipps“ der amerikanischen Notenbankchefin Janet Yellen, die kundtut, dass die Kurse von Biotech- und Internetaktien überzogen seien. 


Dass sich die Wahrnehmung von Risiko immer wieder ändert, bietet indes auch Gelegenheiten. Die große Aufmerksamkeit was die aktuellen Krisengebiete angeht, wird im Verlauf der Zeit wieder nachlassen. Entweder weil sich die Dinge entspannen. Oder weil sich die Öffentlichkeit daran gewöhnt hat. Das mag zynisch klingen, aber letztlich ist der Mensch einfach so gestrickt. Wie lange das dauert, ist jedoch kaum zu prognostizieren, denn jede Krise hat ihre ganz eigene Dynamik. Die alte Aktionärsweisheit von der Kurzbeinigkeit politisch geprägter Börsen hat aber durchaus ihre Berechtigung.

Mittwoch, 16. Juli 2014

Der Effekt des Unausweichlichen

Die Börsen sind im Korrekturmodus. Dies sei längst überfällig, meinen viele. Doch was tun? Wie schlimm wird es? Eines ist jedenfalls klar: Jetzt bloß keine emotionalen Entscheidungen treffen.

Da ist sie also, die nächste Korrektur. Zumindest scheint es der Beginn einer solchen zu sein. Es wäre ja auch nur normal. Jeder Aufwärtstrend hat Phasen, in denen die Kurse konsolidieren. Seit den Tiefständen vom März 2009 gab es insgesamt neun größere — und durchaus schmerzhafte — Korrekturen, in denen es um sechs bis 22 Prozent abwärtsging. Am übergeordneten, aufwärtsgerichteten Trend hat aber keine dieser Phasen etwas geändert. Und dieses Mal?

Man weiß es nicht. Geht man nach den teils höchst aufgeregten Schlagzeilen und den teils turbulent geführten Diskussionsrunden gerade im US-Börsen-TV, dann war es das jetzt wohl mit dem übergeordneten positiven Trend. Da reimt sich Crash auf Cash. Und wer nicht in Letzteres umgeschichtet hat, der ist ab jetzt angeschmiert. Davon muss man sich natürlich nicht anstecken lassen, gerade nicht als langfristig orientierter Anleger. Mit Korrekturen ist es wie mit dem Wechsel der Jahreszeiten: Beides ist unausweichlich. Mit dem Unterschied, dass eine Korrektur unregelmäßiger auftritt und es meist auch eines Anlasses bedarf — oder zumindest einer Entschuldigung. So wie diesmal eben das eher unheilig geführte portugiesische Bankhaus mit dem recht irreführenden Namen Espírito Santo als Ursache oder zumindest Auslöser der Korrektur herhalten muss.

Das Gute an unausweichlichen Gegebenheiten: Man kann sich darauf vorbereiten. Das schützt vor emotionalen Reaktionen und sichert damit auch das Depot, sind doch gefühlsgeleitete Entscheidungen oder solche, die „aus dem Bauch heraus“ getroffen werden, in der Regel kontraproduktiv für das Wohl des Ersparten.

Doch zurück zur aktuellen Korrektur oder zum eventuellen Beginn der aktuellen Korrektur. Hier stellt sich die Frage: Wie schlimm wird es? Antworten darauf gibt es zuhauf, Garantien aber keine. Fakt ist jedoch, dass es seit inzwischen 1000 Tagen — was für eine fantastisch runde Zahl — keine zehnprozentige Korrektur mehr gab. Und solche gibt es in Aufschwungphasen immer mal wieder. Wenn man so will, dann wäre ein solches Ereignis „überfällig“. Aber trotzdem muss es nicht zwingend jetzt stattfinden.

Dennoch: Mal angenommen, der DAX fällt jetzt tatsächlich bis 9000/9100 Punkte zurück, dann wäre dies schlicht im Rahmen des Üblichen. Und auch wenn die schiere Größe einer möglichen 1000 Punkte starken Korrektur beeindruckt, furchteinflößend sollte ein solches Kursverhalten trotzdem nicht sein.

Mit Sicherheit würde es im Fall des Falles aber zu weiteren aufgeregten Schlag­zeilen und weiteren höchst erregt geführten Diskussionsrunden im Börsen-TV kommen. Etwa so: Was, wenn es nicht nur eine Korrektur ist? Was, wenn wir es gerade mit dem Beginn einer Trendwende zu tun haben? Einer Wende hin zu einem über­geordneten Abwärtstrend? Die Argumente wären bekannt: hohe Bewertungen, die mögliche US-Zinswende, in Europa eine schwächere Konjunktur als erwartet.

Zuletzt war auch zu lesen, dass in den USA in den vergangenen zwölf Monaten Privatanleger über 100 Milliarden Dollar in den Aktienmarkt investiert hätten, zehnmal so viel wie in den zwölf Monaten davor. Ein Warnsignal durchaus, investieren Privatanleger im großen Stil doch meist erst am Ende einer Aufschwungphase. Doch von solchem Überschwang kann wahrlich noch keine Rede sein. Dafür braucht es mehr als nur ein paar Monate verstärktes Aktieninvestment. Man erinnere sich an die Zeit, als der damalige US-Notenbankchef Alan Greenspan den berühmten Ausspruch vom „irrationalen Überschwang der Aktienmärkte“ tat. Das war 1996. Die Rally dauerte dann aber trotzdem fünf weitere Jahre. Daraus mag jetzt jeder seine ­eigenen Schlüsse ziehen — Korrektur oder Trendwende?

Mittwoch, 9. Juli 2014

Erschreckende Normalität

Pünktlich zum Beginn der US-Berichtssaison knackt der Dow Jones die 17 000-Punkte-Marke. Das Gezeter, ob dies gerechtfertigt sei, dürfte damit wieder losgehen. Dabei ist die Lage besser als angenommen.

Wetten, jetzt geht es wieder los: das Herbeireden eines Crashs, das Warnen vor einem dramatischen Rückschlag am Aktienmarkt. Gerade erst hat der Dow Jones zum ersten Mal 17 000 Punkte geschafft — so eine runde Zahl ist natürlich ein willkommener Anlass, darüber zu streiten, ob diese Höhe nun gerechtfertigt ist oder nicht. Gleich­zeitig ist das erste Halbjahr zu Ende gegangen, was sich natürlich ebenfalls sehr gut dazu eignet, ein Zwischenfazit zu ziehen. Und dann ist da noch der DAX, der einfach nicht über der vermeintlich „magischen“ 10 000er-Marke bleiben will.

Die Skeptiker im Hinblick auf die weitere Kursentwicklung bedienen sich gern der Statistik — oder was sie dafür halten —, um ihre Argumente zu unterlegen. Dabei ist es eher eine simple Beobachtung denn tatsächliche Statistik, dass die Auf- und Abschwungzyklen in der Vergangenheit meist deutlich kürzer waren, als es jetzt der Fall ist, wonach ein Kursabschwung nun also mehr als überfällig sei. Ignoriert wird dabei aber die Beobachtung, dass der Crash von 2008 ein besonders heftiger war und der Aufschwung seit 2008 dagegen ein recht gemächlicher. Da darf ein Zyklus schon mal länger anhalten.

Ein weiteres Argument der Pessimisten ist das Auslaufen des Anleihekaufprogramms der US-Notenbank Fed. Damit fehle dem Markt die Liquidität, um die Kurse weiter anzuschieben. Und wer wolle denn all die Anleihen kaufen, die die Fed nun nicht mehr haben will? Gleich zwei Gründe also für einen Bärenmarkt. Ignoriert wird dabei die Tatsache, dass das Fed-Programm schon seit Beginn des Jahres heruntergefahren wird und die Aktienkurse trotzdem weiter gestiegen sind — ebenso wie die Anleihekurse.

Was soll man nun davon halten? Vielleicht ist die Lage ja doch besser als gemeinhin angenommen. Professor Jeremy Siegel von der amerikanischen Wharton School sieht den Dow Jones jedenfalls bis Jahresende auf 18 000 Punkte klettern. Vielleicht gar auf 20 000. Er argumentiert dabei mit dem niedrigen Zinsniveau. Weil es seiner Ansicht nach weiterhin niedrig sein wird, seien auch deutlich höhere Bewertungen am Aktienmarkt gerechtfertigt. Damit widerspricht Siegel gleichzeitig den Pessimisten, die genau dieses höhere Bewertungsniveau als weiteren Grund für einen baldigen dramatischen Rückschlag am Aktienmarkt anführen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Siegel recht hat, scheint aber höher. Denn kurz vor Beginn der US-Berichtssaison, die mit den Zahlen von Alcoa in dieser Woche ihren Lauf nimmt, haben die US-Unternehmen im Schnitt die Prognosen für ihre Gewinne angehoben — ein Indiz dafür, dass sich die Konjunktur insgesamt verbessert. Dies spricht denn auch für die höheren Bewertungen am Aktienmarkt.

Die Risiken für die Börse sind demnach wohl eher nicht bei den Unternehmen zu suchen. Auch nicht bei der Zinspolitik. Auch nicht in der Entwicklung der Inflation — zumindest aktuell nicht. Vielmehr sind es Risiken, die generell bestehen, etwa politische Unwägbarkeiten. Man denke an den Irak und die Ukraine oder an potenzielle Unruheherde, die bislang noch niemand auf dem Radar hat — an einen echten schwarzen Schwan also!

Was soll man nun davon halten? Die Lage scheint tatsächlich besser als gemeinhin angenommen. Sie erscheint geradezu normal. Der Aufschwungzyklus könnte also noch viel länger andauern, vielleicht weitere zwei Jahre, wenn uns nicht gerade der Himmel auf den Kopf fällt. Trotzdem werden die Pessimisten nicht ruhen und auch weiterhin einen Crash herbeireden wollen. Wetten?