Mittwoch, 7. Dezember 2016

Amerika agiert, Europa reagiert

Italien steckt mal wieder in der politischen Krise. Den Börsianern scheint das aber egal 
zu sein. Es geht nach oben. Weil es in den USA läuft. Und weil man auf die EZB hofft.

Das ist eigentlich ein gutes Zeichen: Die „Abwahl“ der Regierung in Rom hat der Börse so rein gar nichts ausgemacht. Das zuletzt von manchen herbeigeredete Börsenbeben — es blieb aus. Was ja nicht selbstverständlich war: Nach dem Brexit-Entscheid hatte es ja noch richtig gerumpelt, nach dem Sieg Donald Trumps wenigstens noch ein wenig gewackelt. Und jetzt? No stress! Oder in Börsianersprache ausgedrückt: Vermutlich war die Ablehnung des Referendums nach der recht schwachen Börsenvorwoche bereits an den Märkten „eingepreist“.

Und sonst? Alle Augen auf Amerika! Der Dow Jones beispielsweise erreichte ein neues historisches Hoch. Als Kurstreiber wurde unter anderem der weiter steigende Ölpreis ausgemacht. Dazu kamen positive Nachrichten von einigen Konjunkturindikatoren, etwa aus dem Servicesektor. Der entsprechende Index des Institute for Supply Management (ISM) stieg auf den höchsten Stand seit gut einem Jahr.

Klar, dass in den USA angesichts der doch besser als erwarteten Wirtschaftsentwicklung die Zinspolitik der Notenbank Fed immer stärker in den Fokus rückt. Zwar sagte der US-Notenbanker William Dudley, dass die Wahl von Trump zum US-Präsidenten „eine politische Unsicherheit“ schaffe und es deshalb zu früh sei, um zu entscheiden, ob der Plan „gradueller Zinserhöhungen angepasst“ werden müsse. Dennoch ist wohl klar, dass es zu einem ersten Zinsschritt bei der anstehenden Fed-Sitzung am 14. Dezember kommen wird. Und auch der ist wohl bereits an den Märkten „eingepreist“.

Und die EZB? Wie geht es weiter in Europa? Die Europäische Notenbank tagt ja parallel zum Erscheinungstag dieser Ausgabe von BÖRSE ONLINE. Jedenfalls scheint es so, dass die fehlende Börsenreaktion auf das „Nein“ in Italien wohl auch damit zusammenhängt, dass man sich an den Märkten eine weiterhin sehr lockere Geldpolitik der EZB erhofft.

Ob sie das liefern kann? Bislang war das nicht so recht klar. Die Notenbank hat sich in den vergangenen Wochen verbal sehr stark zurückgehalten. Es gibt kaum Hinweise, wie man mit dem Anleihekaufprogramm fortfahren will. Ist ja auch nicht einfach: Strukturreformen können kaum umgesetzt werden — siehe das Beispiel Italien. Also hält man durch das Kaufprogramm den Zins überall künstlich niedrig. Weil gleichzeitig aber ...

Mittwoch, 30. November 2016

Trump und das Sahnehäubchen

Die Börse läuft. Zumindest die amerikanische. Ob das jetzt am neuen US-Präsidenten liegt, ist dabei sekundär. Viel wichtiger sind die ohnehin gute Konjunkturentwicklung und der Trend beim Leitzins.

Jetzt also die Trump-Rally. Ein neuer Trend. Zumindest ist davon gerade überall die Rede. Vor allem im US-Börsenfernsehen: Trump-Rally hier, Trump-Rally da. Klar, die Aktienkurse sind seit der US-Präsidentschaftswahl stark gestiegen, und es scheint allzu naheliegend, dies mit dem Sieger zu begründen oder mindestens damit, dass durch die Wahl endlich die lange Unsicherheit ein Ende gefunden hat. Aber im Ernst: Die Gründe für den Anstieg sind fundamentalerer Natur. Dass die Wirtschaft stärker wächst als angenommen, war doch schon vor der Wahl bekannt.

Und so nehmen die Dinge jetzt ihren Lauf: Besseres Wachstum führt zu steigenden Inflationserwartungen, dies wiederum zu einer Zinserhöhung, dann zu noch einer und noch mal einer. Und dann eventuell zu einem Kurssturz am Aktienmarkt, weil ab einem gewissen Grad höhere Zinsen eben einfach Gift sind für die Börse. „Three steps and a stumble“, nennen das die Amerikaner. Schön anschaulich.

Der erste Step scheint jedenfalls schon anzustehen, die Inflationserwartungen klettern schließlich nicht erst seit gestern. Sehr wahrscheinlich also, dass die US-Notenbank Fed im Dezember dann das erste Mal die Zinsen erhöhen wird. Die Trump-Rally, wenn man sie denn wirklich so nennen will, hätte also tatsächlich noch Zeit und Raum, sich zu entfalten.

Die Bewertungen am Aktienmarkt sind jedenfalls noch nicht aus dem Ruder gelaufen. Dazu kommt die bessere ...

Dienstag, 22. November 2016

Kommen und Gehen

Die Rally läuft. Seit der Wahl Donald Trumps geht es nach oben. Ob dieser Börsenaufschwung nachhaltig ist, wird man wohl erst im kommenden Jahr sehen. Anleger sollten wachsam bleiben.

Vielleicht muss man Jim Jarmuschs neuen Film „Paterson“ gesehen haben, um zu verstehen, was die USA der Jetztzeit ausmacht. Statt der üblichen, grell überzeichneten Bilder einer Nation, die auseinanderdriftet, die aggressiv wirkt, in der es scheinbar keine Zwischentöne mehr gibt, zeichnet Jarmusch ein anderes Bild, ein melancholischeres. Stellvertretend dafür steht Paterson in New Jersey, eine etwas heruntergekommene Kleinstadt, die ihre beste Zeit längst hinter sich hat. Die Textilindustrie hat diesen Ort und dessen Leben einst geprägt. Jetzt wird nur noch die Erinnerung daran gepflegt, und die Bewohner geben sich gezwungenermaßen mit viel weniger zufrieden.

Orte wie Paterson gibt es zuhauf in den USA, und sie erklären vielleicht zu einem gewissen Grad, warum Donald Trump die US-Präsidentschaftswahl gewonnen hat. Mit ihm verbindet man die Hoffnung auf ein Wiederaufleben von Städten wie Paterson in New Jersey. Ob zu Recht, sei einmal dahingestellt.

Die Politik wird es aber wohl versuchen. Zumindest wurde es angekündigt. Es soll sehr viel Geld in die Hand genommen werden, um die Konjunktur anzukurbeln. Weit mehr Geld, als einst Ronald Reagan in den 80er-Jahren aufgewendet hat. Und schon das waren fantastische Summen. Ob das gut gehen kann? Die Kurse an der Wall Street sind seit der Wahl jedenfalls schnell und steil gestiegen. Dow Jones, S & P 500 und Nasdaq Composite: Alle wichtigen US-Indizes notieren auf Rekordniveau. Das zeugt von Optimismus.

Man scheint an den Märkten alles hinzunehmen, auch wenn es eigentlich marktfeindlich klingt. In den Plänen für ...

Dienstag, 8. November 2016

Zurück zum Wesentlichen

Die USA haben gewählt. Höchste Zeit also, sich wieder auf das zu konzentrieren, was die Börse voranbringt: Fundamentaldaten! Und hier sieht es gar nicht mal so schlecht aus.

Ach ja, die US-Wahl. Die hat ja die Börsianer länger beschäftigt, als einem lieb sein kann. Je näher die Abstimmung rückte, desto nervöser die Anleger und desto negativer die Berichte in jenem Teil der Medienwelt, der sich mit dem Thema Geld beschäftigt. An der Wall Street war die Stimmung kurz vor der Wahl so mies, dass man im Jargon von einem deutlich überverkauften Zustand sprach. Vergleiche mit dem Börsengeschehen vor und nach dem Brexit machten die Runde — mit dem allerdings entscheidenden Unterschied, dass man vor der Abstimmung über den Verbleib Großbritanniens in der EU positiv gestimmt war, um dann unangenehm überrascht zu werden.

Doch wie auch immer, die US-Wahl ist nun Geschichte (auch wenn das Ergebnis bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe von BÖRSE ONLINE noch nicht feststand). Und daher ist es an der Zeit, sich wieder mehr jenen Fakten zuzuwenden, die das Auf und Ab einer Börse in einem entwickelten Land wie den USA eigentlich mehr bestimmen sollten als politisches Getöse. Wir reden von fundamentalen Daten! Von ökonomischen Kennziffern, von Unternehmensergebnissen. Ist es denn wirklich gerechtfertigt dem „Restrisiko Trump“, so es denn eines ist, so ein Gewicht zu geben oder vielmehr gegeben zu haben?

Fundamentaldaten also. Ein Beispiel sind die Einkaufsmanagerindizes, die eigentlich immer ein ganz gutes Bild davon liefern, was in der näheren Zukunft wohl zu erwarten ist. Und das Schöne ist, dass diese vorlaufenden Indikatoren sowohl für die entwickelte Welt (hallo USA!) als auch für die Schwellenländer weiter nach ...

Dienstag, 1. November 2016

Geduld, Geduld, Geduld

Am 8. November wird in den USA gewählt. Endlich! Die Börse braucht Klarheit, um nachhaltig steigen zu können.

Manchmal kommt einem Unerwartetes dazwischen. So etwa vergangene Woche. Da standen die Dinge doch gar nicht mal so schlecht, auf dass die Jahresendrally endlich ihren Lauf nimmt — schon macht einem das FBI einen Strich durch die Rechnung, die Bundespolizei der Vereinigten Staaten also. Die nämlich unternimmt ganz eifrig neue Anstrengungen, um etwas mehr Licht ins Mail-Durcheinander der US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton zu bringen. Und das so kurz vor der Wahl. Daraufhin purzelten deren Umfragewerte, und die Stimmung an der Börse kippte. Zusammenhänge gibt es!

Die Börse scheint demnach Clinton für die wohl verlässlichere Partie für das US-Präsidentenamt zu halten als ihren Widersacher Donald Trump. Doch wie auch immer. Rein aus Börsianersicht kann man froh sein, wenn der Termin demnächst abgehakt ist — an den Finanzmärkten braucht es eben dann doch eine gewisse Klarheit. In wenigen Tagen, am 8.  November, ist es ja so weit.

Letztlich hat es das FBI also geschafft, dass die US-Börse in diesem nervigen Seitwärtstrend auch weiterhin gefangen bleibt — wir haben es in den zurückliegenden Wochen ja oft genug beklagt. Schon seit Juli geht es weder ordentlich nach oben noch ordentlich nach unten. Doch es wird wohl bald einen klaren Richtungsentscheid geben. Stichwort: Wahl.

Um fair zu bleiben: Es war nicht nur das Gebaren des FBI, das für Unruhe an den Märkten gesorgt hat, sondern auch die Bewegung an den Anleihemärkten weltweit. Denn mit den Zinsen geht es nun schon seit einiger Zeit nach oben — natürlich in den USA, wo man ja auf die Leitzinswende wartet, aber auch in Großbritannien oder in Deutschland, wo dies nicht der Fall ist. Der Hauptgrund für die steigenden Renditen scheinen die tatsächlich steigenden Inflationserwartungen zu sein, also das, worauf die Notenbanken so sehnlichst gewartet haben.

Tendenziell und langfristig sind steigende Zinsen natürlich problematisch für die Entwicklung an den Aktienmärkten, die Vergangenheit hat dies immer wieder gezeigt. Allerdings, und auch das ...

Dienstag, 25. Oktober 2016

Auftakt zur Jahresendrally

Die Börsen sollten bis Ende 2016 zulegen. Die neuesten Unternehmensergebnisse fallen im Schnitt klar besser aus als erwartet, und auch die Saisonalität spricht für Aktien.

Geht doch. Der DAX hat gleich zu Wochenbeginn ein neues Jahreshoch erreicht. Und der Dow Jones ist nicht weit davon entfernt. Das kommt gar nicht mal überraschend. Denn am grundlegenden Szenario hat sich ja nichts geändert. Auch wenn die vergangenen Monate geprägt waren von nervigem Seitwärtsgeschiebe. War doch bei etlichen Anlegern zunehmender Risikoappetit zu erkennen. So ging es mit Schwellenländeraktien zuletzt ordentlich aufwärts.

Das hat sicher auch damit zu tun, dass die Maßnahmen der Notenbanken, was die Bekämpfung der Deflationsgefahren angeht, zumindest teilweise Erfolg haben. Auch was den Konjunkturzyklus angeht, sieht es gar nicht mal so schlecht aus. Das war nicht von allen so erwartet worden. Vor allem Goldman Sachs und HSBC waren von richtig enttäuschenden Unternehmensergebnissen im dritten Quartal ausgegangen. Eine Meinung, der wir uns nicht anschließen wollten. Und das zu Recht. Etwa ein Viertel der 500 Unternehmen des amerikanischen S & P-Index haben bisher neue Gewinn- und Umsatzzahlen veröffentlicht. Und in beiden Kategorien wurden die Erwartungen deutlich übertroffen. Bei den Gewinnen beispielsweise fielen gleich 78 Prozent der Zahlen besser aus.

Mal sehen, ob der Trend für die restlichen drei Viertel der berichtenden US--Aktiengesellschaften anhält. Wenn ja, dann kann man tatsächlich von einer Rückkehr des Wachstums sprechen und vom Ende der Gewinnrezession, die wir eigentlich schon seit Ende 2014 beobachten — das heftige Hin und Her an den Börsen seit Mitte vorigen Jahres kommt ja nicht von ungefähr.

Einer Jahresendrally scheint eigentlich nichts im Wege zu stehen. Ein Indiz dafür ist, dass Anleger zunehmend von eher defensiven Branchen in eher zyklische umschichten. Weg von Versorgern und Telekommunikation hin zu ...

Dienstag, 18. Oktober 2016

Warten auf den 8. November

An der Börse tut sich nicht viel. Vielleicht ändert die Sitzung der EZB daran etwas. Vielleicht aber auch erst die US-Präsidentschaftswahl im kommenden Monat. Ein Geduldsspiel.

Eine veritable Hängepartie ist das, was wir da beim DAX und beim Dow Jones nun schon seit vielen Wochen beobachten. Sowohl der deutsche wie auch der amerikanische Leitindex pendeln seitwärts, mit immer mal wieder größeren Aufs und Abs. Nachhaltig ist aber weder das eine noch das andere.

So richtig abwärts geht es nicht, weil es beim Geldanlegen kaum Alternativen gibt — zumindest nicht im festverzinslichen Bereich. Gleichzeitig gibt es aber auch keinen vernünftigen Schub nach oben. Dies wiederum mag daran liegen, dass in den USA die Anleger vielleicht erst die Präsidentschaftswahl abwarten wollen — also den 8. November. Und in Deutschland, tja, da lasten die Ungereimtheiten bei zwei prominenten DAX-Mitgliedern auf der Entwicklung des gesamten Index. Die Deutsche Bank hat bekanntlich rechtliche Probleme und Volkswagen ja auch schon seit längerer Zeit. Bis da nicht klar ist, was an Strafzahlungen letztlich fällig wird, sorgt das auch weiterhin für Druck beim DAX.

Und dann ist da noch das Dauerthema Leitzins. Oder besser ausgedrückt: das Dauerthema „monetäre Lockerungen aller Art“. Bei der anstehenden Zinssitzung der Europäischen Zentralbank EZB am 20. Oktober — also am Erscheinungstag dieser Ausgabe der BÖRSE ONLINE — wird es erneut darum gehen, wie es mit dem billionenschweren Anleihekaufprogramm denn nun weitergeht.

Vor allem in Deutschland zweifelt man ja an der Wirksamkeit der Aktionen und befürchtet langfristig negative Folgen. Dennoch dürfte das Gremium um EZB-Chef Mario Draghi nichts an den bisherigen Beschlüssen ändern und aller Voraussicht nach das Kaufprogramm um mindestens ein halbes Jahr verlängern. Ähnliches gilt für den Leitzins, der seit März auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent liegt — und auf diesem Niveau wohl bleiben wird.

Allerdings — und das ist an der Börse schließlich immer besonders wichtig —könnte Draghi Hinweise auf mögliche Schritte im Dezember geben. Aber man wird sehen. Robert Halver von der Baader Bank hat dazu mal gewitzelt, die EZB stehe für „Einer zahlt bestimmt“.

Doch Scherze hin oder her: Die EZB wird wohl nicht umhin kommen, auch über den Jahreswechsel hinaus mit dem Anleihekaufprogramm weiterzumachen. Schließlich ....

Mittwoch, 21. September 2016

Schluss mit dem Geplänkel

Die Börsen üben sich schon wieder in Langeweile. Allerdings stehen jetzt die traditionell 
besten Monate Oktober bis Dezember an. Eine Chance für wieder steigende Notierungen.

Es kommt, wie es kommen muss. Es gibt gleich zwei wichtige Weichenstellungen — nicht nur die US-Notenbank Fed gibt am Mittwoch ihre Zinsentscheidung bekannt, sondern auch die Bank of Japan (BoJ). Für Verunsicherung haben in den zurückliegenden Tagen und Wochen derweil beide Termine gesorgt.

Bisweilen konnte hier der Eindruck entstehen, die Fed wie die BoJ werden dabei verlieren, egal wie sie nun tatsächlich entscheiden. Beispiel Japan: Keine oder nur eine minimal dosierte Aktion könnte die Kritiker in ihrer Meinung bestärken, dass die Zentralbanken generell die Grenzen ihrer Geldpolitik erreicht haben. Gibt es jedoch weitere schrittweise Lockerungsmaßnahmen, könnte dies als ineffektiv interpretiert werden und — im Fall von negativen Zinsen — als schädlich für die Erträge der Banken.

Eine blöde Situation das. Vermutlich wird man in Japan die Niedrigzinspolitik energisch verteidigen, aber den Zinssatz nicht ändern, dafür aber das Wertpapierankaufprogramm noch einmal ausweiten. Und in den USA? Da ist es schwieriger mit dem Spekulieren. Tendenz: Zinserhöhung erst im Dezember. Aber wer weiß? Als ob es nicht genügend andere Unsicherheitsfaktoren auf diesem Planeten gäbe! Explodierende Bomben in New York, eine aufgekündigte Waffenruhe in Syrien, Flüchtlingsdramen und so weiter.

Und die Börse? Die ist offenbar ...

Mittwoch, 14. September 2016

Verschoben statt verhoben

Ein plötzlicher Kursrutsch sorgt für Unruhe. Anleger sollten zwar wachsam, aber trotzdem 
gelassen bleiben. Es sieht – momentan – nicht nach einer größeren Abwärtskorrektur aus.

Dass es an den Börsen der Welt im August und Anfang September viel zu ruhig zuging, hatten wir in den zurückliegenden Wochen an dieser Stelle ja immer wieder geschrieben. Also kam, was kommen musste: ein in dieser Dimension nicht mehr gewohnter Kursrutsch. Der DAX fiel zu Beginn der 37. Kalenderwoche von 10 800 auf 10 300 Punkte, der Dow Jones schon am Freitag davor von 18 550 auf 18 000 Zähler. Das Minus an der Wall Street war dabei der größte Rückschlag seit dem Brexit-Entscheid.

Auslöser der Verkaufswelle: Eric Rosengren, Chef der regionalen US-Notenbank in Boston — und bisher eigentlich geldpolitisch als Taube und nicht als Falke bekannt —, plädierte unerwartet für eine baldige weitere US-Leitzinserhöhung. Ein denkbar seltsamer Zeitpunkt, waren doch die knapp zuvor veröffentlichten Einkaufsmanagerindizes sowie die Arbeitsmarktdaten im August recht schwach ausgefallen.

Zudem hatte Fed-Chefin Janet Yellen auf dem Notenbanker-Symposium in Jackson Hole Ende August zwar festgestellt, dass die Wahrscheinlichkeit für eine weitere Leitzinserhöhung gestiegen sei, es dabei aber tunlichst vermieden, einen Zeitpunkt dafür zu nennen. Die Börsianer glaubten sich daher auf der sicheren Seite, man ging vom Dezember als frühestmöglichem Datum für eine Aktion aus.

Was soll man nun vom Börsenrutsch halten? War das nur ein Ausreißer? Oder beginnt jetzt ...

Mittwoch, 7. September 2016

Vom Ignorieren gewisser Signale

Es ist ruhig an den Märkten. Zu ruhig. Jeder wartet. Aber worauf nur? Darauf, dass die EZB in Aktion tritt. Und darauf, dass aus den USA weitere positive Tendenzen kommen.

Parallel zur Erscheinung dieser Ausgabe der BÖRSE ONLINE tagen mal wieder die Entscheidungsträger der Europäischen Zentralbank (EZB). Dabei wird es vor allem um ein Thema gehen: Um die Verlängerung des Anleihekaufprogramms. Interessant ist dabei, dass es EZB-Chef Mario Draghi in der jüngeren Vergangenheit tunlichst vermieden hat, dieses Thema anzusprechen. Vielleicht, um nicht zu viel Aufmerksamkeit auf die Sitzung am Donnerstag zu lenken?

Fakt ist: Es stehen wichtige Entscheidungen an. Denn es ist tatsächlich so, dass der deutschen, der finnischen, der portugiesischen und der irischen Zentralbank die passenden Anleihen ausgehen! Man muss daher entscheiden, welche zusätzlichen Papiere gekauft werden sollen. Allerdings dürfte dies nicht reichen. Denn es ist ja so, dass die bisherigen Inflations- und Wachstumsprognosen der EZB zu optimistisch waren. Die bisherigen Maßnahmen der Notenbank reichen offensichtlich nicht aus.

Vielmehr dürfte es in den kommenden Monaten so aussehen: Das künftige Wachstum wird sich im Euroraum bei etwa 1,5 Prozent bewegen, die Inflation wiederum bei ungefähr 1,2 Prozent — angestrebt sind hier aber zwei Prozent. Man merkt: Dorthin ist der Weg noch weit.

Was also tun? Bislang hat Draghi betont, dass das EZB-Kaufprogramm so lange fortgesetzt wird, bis die angestrebten zwei Prozent nachhaltig erreichbar sind. Es scheint daher klar, dass das Programm über den bisher angestrebten Endpunkt im März 2017 hinaus verlängert werden muss. Das kann man natürlich auch erst im Dezember beschließen — die EZB riskierte dann aber eine wieder deutlich höhere Volatilität an den Finanzmärkten. Etwas Planungssicherheit wäre ...