Donnerstag, 18. Dezember 2014

Wie gewonnen, so zerronnen, so gewonnen ...

Erstaunlich wackelig ist es an den Börsen. Ein wichtiger Grund dafür ist der fallende Ölpreis. Oder anders gesagt: Die negativen Effekte überdecken gerade die positiven. Noch.

Ob das wohl schon ein Vorgeschmack auf das kommende Jahr ist? Diese plötzliche und reichlich unerwartete Volatilitäts-Attacke — haben wir davon 2015 mehr zu erwarten? Die Aktienmärkte jedenfalls rutschen in den vergangenen Tagen bedenklich ab. Und das in einer Phase zum Jahresende, die sonst eigentlich von Window Dressing und damit eher steigenden Aktienkursen gekennzeichnet ist. 

Dieses Mal ist/war das offensichtlich anders. Dass bei den Parlamentswahlen in Japan die bisherige Regierung und damit auch der geld- und finanzpolitische Kurs bestätigt wurden, hat die Märkte jedenfalls noch nicht beruhigt. Jedoch scheint der US-Notenbank dies nun doch gelungen zu sein. Die beriet gestern über die Zinspolitik im neuen Jahr und will wohl Geduld walten lassen.

Der entscheidende Faktor scheint indes der Verfall des Ölpreises zu sein. Vor zwei Wochen hatten wir uns an dieser Stelle noch darüber gewundert, dass der Sell-off im Energiebereich kaum eine Auswirkung auf den Gesamtmarkt hatte — es schien ein Zeichen von Stärke zu sein. Aber denkste, die Auswirkungen zeigten sich lediglich mit Verzögerung, dafür aber mit Macht.

Man kann sich das vielleicht so erklären: Dass die Gewinnprognosen für die Unternehmen das Auf und Ab am Aktienmarkt bestimmen, ist unbestritten. Phasen von Marktschwäche waren daher immer geprägt von Gewinnschätzungen, die stagnierten oder zurückgenommen werden mussten. Genau das passiert gerade wieder: Die negativen Effekte des fallenden Ölpreises wurden durchgerechnet, die Gewinnerwartungen der Öl-Companies teils drastisch reduziert. Da der Sektor ein gewichtiger in den bedeutenden Aktienindizes ist, etwa im amerikanischen S&P-500, rutschten die Prognosen insgesamt, also für den Gesamtmarkt, ebenfalls ab. 

Gleichzeitig wurden aber die positiven Effekte des billigen Öls, etwa die fallenden Produktionskosten in der Industrie und steigende Konsumausgaben, offensichtlich noch nicht erfasst — wohl aus dem banalen Grund, dass diese schwerer einzuschätzen sind. So kommt es zur Sippenhaft, und fast alles fällt. Dass der nicht gerade von Öl-Unternehmen dominierte DAX dabei besonders abgestraft wird, scheint kurios, folgt aber der altbekannten Logik, dass der deutsche Aktienmarkt zur üblen Grippe neigt, wenn sich die Amerikaner lediglich mit einem Schnupfen herumplagen.

Was soll man also vom jüngsten Kursrutsch halten? Haben wir es nur mit einer  kurzen Episode zu tun? Fast scheint es so, denn die Konjunktur, vor allem in den USA, läuft gar nicht so schlecht. Und kommen jetzt noch die positiven Effekte durch das billigere Öl dazu, sollte sich der Aktienmarkt wieder fangen. Zumindest war dies in der Historie immer so, wenn sich der Rohstoff signifikant verbilligt hat — unter der Voraussetzung, dass dies durch ein höheres Angebot zustande kam und nicht durch eine Rezession. Die Großbank HSBC hat berechnet, dass der Weltaktienindex MSCI auf Sicht von zwölf Monaten um durchschnittlich 23 Prozent zugelegt hat, wenn Öl zuvor um 30 Prozent billiger wurde.

Dennoch sollte die plötzliche Volatilitäts-Attacke zu denken geben. 2015 dürfte vermutlich noch wackeliger werden als 2014. Denn Risiken gibt es genug, etwa die anstehende Zinswende in den USA — so sie denn tatsächlich im neuen Jahr kommt. Dazu die Wachstumsschwäche in Europa inklusive politischer Querelen rund um die Eurozone und die EU insgesamt. Nicht zu vergessen die geopolitischen Risiken, die durch den Ölpreis-Crash weiter zugenommen haben. Insgesamt dürfte das für heftiges Hin und Her sorgen, sogar die US-Notenbank Fed hat dies zuletzt mehrfach betont. Anleger sollten das beherzigen und bei Gelegenheit immer wieder mal Gewinne mitnehmen.

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Hin und her kurz vor Ladenschluss

Der DAX klettert über 10 000 Punkte, fällt aber gleich wieder unter die Marke. Aber das ist nicht weiter schlimm. Ein wenig Nervosität gehört zum Börsenmonat Dezember einfach dazu.

Da kann man ja fast schon einen Haken dran machen — das Jahr ist rum. Oder? Jedenfalls so gut wie. Was Wirtschaftsnachrichten angeht, ist tatsächlich so gut wie alles gesagt und geschrieben. Gerade in den vergangenen zwei Wochen hat ja ein Highlight das andere gejagt — Verwerfungen an den Märkten inklusive. OPEC-Sitzung? Haken dran, die ist durch. An der Fördermenge wird nichts geändert, der Ölpreis bleibt also niedrig und wird so zur wichtigen Konjunkturstütze. Sitzung der Europäischen Zentralbank? Auch erledigt, die Notenbanker sind drauf und dran, im kommenden Jahr mehr Geld in den Markt zu pumpen. US-Arbeitsmarktdaten? Ebenso. Die gab es vergangenen Freitag, und die waren recht gut. Also auch einen Haken dran.

Unterm Strich hat das zwischenzeitlich für neue Rekorde bei DAX und Dow Jones gesorgt. Der DAX kletterte mal wieder über die 10 000 Punkte. Wie erwartet. Die ­Jahresendrally, die an der Wall Street etwas netter als „Santa Claus Rally“ bezeichnet wird, war die vergangenen Wochen so richtig in Fahrt. Was aber prompt die Frage aufwirft: Kann man da jetzt auch schon einen Haken dranmachen oder kommt noch mehr? Zumal seit Montag die Indizes doch wieder recht ordentlich korrigieren.

Die Krux an der Sache mit den guten US-Arbeitsmarktdaten ist ja immer die, dass dann etliche Anleger gleich eine deftige Zinswende in den Vereinigten Staaten erwarten. Eine, die zudem früher ihren Lauf nimmt als erwartet. Und das sorgt dann für Unsicherheit und dafür, dass doch erst mal Gewinne mitgenommen werden.

Die amerikanische Notenbank Fed tagt jedenfalls noch einmal in diesem Jahr. Am kommenden Dienstag und Mittwoch ist es so weit. Mal sehen, ob Fed-Chefin Janet Yellen kurz vor Jahresschluss tatsächlich noch dramatische Hinweise auf den weiteren Kurs und mögliche Änderungen der US-Geldpolitik gibt.

Dass die Kurse derzeit noch einmal etwas heftiger schwanken, ist dennoch nicht sonderlich besorgniserregend. Zum einen ist es schlicht normal, wenn es nach derart langen Anstiegen wie zuletzt zu Korrekturen kommt — der Markt ist gerade doch etwas „überkauft“. Und zum anderen ist es schon traditionell so, dass solch eine Korrektur zu Beginn des eigentlich sonst so positiven Dezembers passiert. Dies hat auch damit zu tun, dass es dann zum sogenannten „Tax Loss Selling“ kommt — ja, ja, so was gibt es tatsächlich: steueroptimiertes Trading kurz vor Ladenschluss.
Und das funktioniert so: Investments, die im Minus liegen, werden verkauft, um die daraus entstandenen Verluste mit den ­Gewinnen aus anderen Anlagen verrechnen zu können. Ein beliebtes Spiel, gerade an der Wall Street. Gut möglich also, dass die Verliererbranchen des Jahres noch mal ordentlich durchgeschüttelt werden — die zuletzt arg gebeutelten Energieaktien etwa oder auch Rohstoffwerte.

Doch ebenso traditionell steigen die Kurse in der zweiten Dezemberhälfte wieder an. Positiv stimmt hier, dass trotz der insgesamt etwas überkauften Lage Otto Normalanleger in den USA nach Daten des Direktbrokers Ameritrade immer noch recht verhalten agiert und die Rally, die im Oktober ihren Lauf genommen hat, mehr oder weniger verpasst hat. Da gibt es also Nachholbedarf. Und das ist auch wichtig für den DAX, ziehen die Kurse in den USA diejenigen in Deutschland doch meist mit — in welche Richtung auch immer. Einen Haken sollte man an das Jahr also noch nicht machen. Auch wenn es nun doch fast rum ist — da ist durchaus noch etwas mehr drin

Donnerstag, 4. Dezember 2014

Vergeblich pfeifende Spatzen

Manchmal funktionieren simple Regeln an der Börse nicht. Etwa die von „Kauf das Gerücht, verkauf die Nachricht“. Beim Rutsch des Ölpreises war das so. Mit Folgen auch für die Aktienmärkte

Normalerweise läuft es an der Börse ja nach dem simplen Muster „Buy the rumour, sell the news“, also: Kaufen, wenn Gerüchte aufkommen, und verkaufen, wenn sie sich bewahrheiten. Entsprechend andersherum, wenn es um negative Gerüchte geht — dann wird erst verkauft und die Position glattgestellt, wenn die Unkenrufe sich tatsächlich als richtig herausgestellt haben. Vergangene Woche jedoch wurde vom üblichen Muster abgewichen. Nach dem Treffen der OPEC-Bosse am Donnerstag in Wien kam der Ölpreis erneut enorm unter Druck, nachdem er ja schon seit Wochen kräftig gefallen war. Dabei hatten es die Spatzen doch längst von den Wiener Dächern gepfiffen, dass das wohl nichts wird mit einer Verknappung des Ölangebots, um den Preis wieder nach oben zu treiben. Und so kam es denn auch. Wie erwartet eben.

Trotzdem wurde verkauft. Und auch noch recht wahllos. An den Terminmärkten rutschten die Futures-Preise für die unterschiedlichsten Ölsorten ebenso in den Keller wie an den Aktienmärkten die Kurse für die Ölunternehmen — egal, ob es sich um integrierte Großkonzerne handelt, die alles unter einem Dach vereinen, von Förderung und Verarbeitung bis hin zur Vermarktung, ob Raffinerien, ob Bohrunternehmen, ob Ausrüster oder ob US-Fracking-Gesellschaften — erst mal weg damit, so lautete offensichtlich die Devise.

Normalerweise muss so ein Sell-off erst einmal verdaut werden. Nicht nur im Ölbereich, nein, an den Märkten insgesamt. Aber denkste. Nach kurzer Stagnation zum Wochenschluss ging es ab Dienstag wieder nach oben. Der DAX schaffte es dabei sogar wieder über die scheinbar magische 10000er-Marke.

Klar, der fallende Ölpreis hat ja sein Gutes. Bei den meisten Unternehmen sinken die Kosten, gerade in der Industrie oder im Transportbereich. Die Konsumenten haben mehr Geld in der Tasche, wenn Benzin und Heizkosten billiger werden. Geld, das sie nun anderweitig ausgeben können. Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) dürfte ein Preisrückgang beim Rohöl von 30 Prozent für ein zusätzliches Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent in den meisten Industrieländern sorgen, weil diese überwiegend Öl importieren. IWF-Chefin Christine Lagarde verwies insbesondere auf die USA, Europa, Japan und China.

Das sind gute Vorzeichen für weiter steigende Kurse an den Aktienmärkten. Zum einen sind die Notenbanker insgesamt auf expansivem Kurs, zum anderen passt auch der saisonale Faktor. So haben die Leute vom Datenanbieter McGraw-Hill herausgefunden, dass die Börsen seit 1995 in jedem Dezember Plus gemacht haben, wenn denn der bisherige Jahresverlauf ebenfalls positiv war. Und diese Voraussetzung passt auch für 2014 — weltweit, für den deutschen, den japanischen und den amerikanischen Aktienmarkt. Was soll also noch schiefgehen?

„Buy the rumour, sell the news“. Tja, demnach dürfte man jetzt auch mal Gewinne mitnehmen. Oder das Risiko etwas reduzieren. Es gibt ja auch Risikofaktoren. Russland und Venezuela etwa gehören zu den Ölverlierern. Halten die still? Sinkende Ölpreise bedeuten auch weniger Petrodollar, die bisher die Kurse amerikanischer Staatsanleihen so wunderbar gestützt haben. Wird es da einen Nachfrageknick geben? US-Ölunternehmen sind stark über Junk-Bonds, also Hochzinsanleihen, finanziert. Da könnte es zu Zahlungsausfällen kommen, die den ganzen Junk-Bereich ins Wanken bringen. Und die Notenbanken? Müssen die jetzt ihre Geldpolitik überdenken? Heute tagt die EZB und eigentlich pfeifen die es die Spatzen doch längst von den Dächern, dass ...

Unsicherheit gibt es also zuhauf. Über Korrekturen sollte man sich daher nicht wundern. Insgesamt jedoch sieht es weiterhin gut aus.

Dienstag, 25. November 2014

Was muss, das muss

Es läuft an den Märkten. Die Jahresendrally ist in vollem Gang. Das hat einiges mit EZB-Chef ­Draghi zu tun. Aber auch mit China, mit Japan – und mit positiven Überraschungen.

Das ist richtig gut angekommen an der Börse: „Wir werden tun, was wir tun müssen“, hat Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), vergangene Woche gesagt. Bei Bedarf werde man noch stärker intervenieren und durch Wertpapierkäufe mehr Geld in die Wirtschaft pumpen. Auch durch den umstrittenen Kauf von Staatspapieren. O-Ton ­Draghi: „Ohne unnötige Verzögerung.“

Seither hat der DAX richtig Schub bekommen. Was zu erwarten war. Schon vor der EZB hatten die japanische wie auch die chinesische Notenbank klargemacht, dass man die Konjunktur kräftig stützen will — die Japaner durch eine nochmalige Ausweitung der Geldmenge, die Chinesen durch niedrigere Leitzinsen. Der Effekt: stark steigende Aktienkurse in Asien.

Die Maßnahmen sind auch nötig. Denn im Gegensatz zu den USA, wo die Konjunktur recht ordentlich läuft und die Notenbank Fed schon dabei ist, die expansive Geldpolitik einzuschränken, läuft es in den anderen großen Volkswirtschaften noch unrund. Zudem ist von Inflationsgefahr nichts zu merken. Was erstaunlicherweise nicht allein an den fallenden Energiepreisen liegt — nein, auch die Kerninflationsrate, bei der schwankende Energie- und ­Lebensmittelpreise nicht berücksichtigt werden, ist und bleibt niedrig. Was die OPEC am Donnerstag (dem Erscheinungstag dieser Ausgabe) bei ihrer Sitzung entscheidet, ist daher nicht maßgeblich. Fakt ist: Wenigstens ein Minimum an Geldentwertung wird geradezu herbeigesehnt — in Japan, in Europa. Da darf man als Notenbank gegensteuern, da muss man als Notenbank gegensteuern.

Als Anleger freut man sich und nimmt die Rally mit. Warum sich gegen die Notenbanken stellen? „Don’t fight the Fed“, heißt doch eine alte amerikanische Börsenweisheit. Zumal die Nachrichten aus der Wirtschaft so schlecht nicht sind. In den USA geht es sowohl am Immobilienmarkt als auch am Arbeitsmarkt aufwärts. Ebenso im Einzelhandel — eine erste Einschätzung, wie sich das diesjährige Weihnachtsgeschäft anlässt, gibt es schon zum Wochenschluss, markiert doch der „Black Friday“ (28.11.) den Start der Holiday-Shopping-Saison.

Noch mal zurück zum Thema Inflation: Die dürfte auch in den USA neuesten Berechnungen zufolge nicht signifikant anziehen, was der US-Notenbank weiterhin die Möglichkeit gibt, erst viel später mit Zinserhöhungen zu beginnen als zuletzt vermutet worden war. Viel später. Einige Fed-Mitglieder sprechen von „Ende 2016“.

Eine positive Überraschung das. Und darum geht es an der Börse. Um positive Überraschungen. Und die gibt es tatsächlich auch in Europa, wo zuletzt alles schiefzugehen schien, die Stimmung bei Unternehmern und Konsumenten mau, das Wirtschaftswachstum schwach war. Aber da waren dann eben doch einige unerwartete, positive Nachrichten: fallende Lohnstückkosten in Griechenland, Spanien und Irland etwa. Dazu kommen Unternehmenszahlen, die überzeugten.

Das reicht für steigende Kurse. Im Sog der Wall Street geht es nach oben. Aber wie weit noch? Der eher pessimistische Jeremy Grantham von GMO spricht von 2250 Punkten beim S & P 500. Sam Eisenstadt, der 63 Jahre lang für Value Line Research seine Prognosen erstellte, bevor er 2009 in den Ruhestand ging, und der als einer der besten Analysten aller Zeiten gilt, spricht von 2225 Punkten. Und die Bewertungen? Sind die denn nicht zu hoch? Sind sie nicht. Das KGV der US-Aktien liegt für 2015 bei 16,8 — also etwa auf dem Niveau des langjährigen Schnitts von 16. In einem Niedrigzinsumfeld wäre jedoch ein KGV von 20 durchaus angemessen.

Mittwoch, 12. November 2014

Auf Herbst folgt Frühling


Die scharfe Korrektur vom Oktober ist tatsächlich schon abgehakt. Die Voraussetzungen für eine Jahresendrally sind gut, weil zahlreiche Bedingungen dafür bereits erfüllt sind.

Seit Ende Oktober steigen die Kurse wieder steil an. Und so manch einer, der dem Ganzen in den zurückliegenden Tagen nicht so recht trauen wollte, dürfte sich nun fragen: Soll ich denn jetzt noch einsteigen? Den Zaudernden sei eine Weisheit Warren Buffetts aus dem Jahr 2008 ans Herz gelegt, geäußert kurz bevor die US-Märkte ihren Tiefpunkt erreichten: „Wer auf die Rotkehlchen wartet, wird den Frühling verpassen“, befand Buffett damals. Gemeint hat er natürlich den Börsenfrühling, stand doch damals wie heute rein kalendarisch erst mal der Winter bevor.

Trotzdem dürfte die Schar derer groß sein, die vor einem Einstieg zum jetzigen Zeitpunkt warnen. Zum einen weil in den kommenden Tagen nur wenige Indikatoren und andere börsenrelevante Zahlen und Aussagen anstehen und erfahrungsgemäß gerade die Schwarzseher in solchen nachrichtenarmen Zeiten nur allzu gern ihre düsteren Prognosen abgeben. Und zum anderen weil Anfang Oktober die Kurse nach den panikartigen Verkäufen tatsächlich extrem schnell wieder gestiegen sind — v-förmig, wie es im Börsenjargon so schön heißt — und daher die eine oder andere Konsolidierung in den kommenden Tagen durchaus zu erwarten ist.

Trotzdem sollte man es wohl eher mit Buffetts Rotkehlchen-Ratschlag halten, auch wenn die Kurse derzeit nicht auf einem Tief wie 2008, sondern auf Höchstständen notieren — zumindest in den USA und in Japan. Jedoch sind die Monate November und Dezember aus historischer Sicht schon immer die ertragreichsten für Aktionäre gewesen. Stichwort: Jahresendrally. Und wer will die schon verpasen?

Dass es auch dieses Jahr vermutlich erneut zu besagter Rally kommt, liegt daran, dass das Oktober-Börsengewitter so einiges bereinigt hat, was in den Monaten davor für heißgelaufene Kurse und für immer mehr Stirnrunzeln bei Börsianern gesorgt hatte, und weil sich gleichzeitig ökonomisch wie tatsächlich auch in der verfahrenen Weltpolitik doch das eine oder andere zum Besseren gewendet hat. 

Am Aktienmarkt selbst ist es die Marktbreite, die überzeugt. Das ganze Jahr über war diese immer dünner geworden. Soll heißen: immer weniger Aktien waren Teil der Kursrally. Vor allem die Nebenwerte kamen dabei tüchtig unter die Räder. Das hat sich seit der Oktober-Korrektur wieder ins Gegenteil gewandelt. Die Marktbreite hat zugenommen und nimmt weiter zu. In der Vergangenheit war dies immer ein gutes Indiz für einen anhaltenden Aufschwung an den Märkten.

Natürlich hat der jüngste Kursanstieg viel mit den angekündigten oder bereits angelaufenen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB), der Bank of Japan, aber auch der chinesischen Notenbank zu tun. Diese weiten ihre Geldmengen aus und gleichen dadurch die sinkende Liquidität in den USA aus (wir hatten das an dieser Stelle schon in Heft 35 zur Bedingung für weiter steigende Kurse gemacht).

Doch es wäre falsch, den Grund für die gute Börsenverfassung allein bei den Notenbanken zu suchen. Es sind auch die Konjunkturdaten, die überzeugen — vor allem in den USA, weniger in Europa. Jenseits des großen Teichs etwa die Daten vom Arbeitsmarkt sowie die guten Quartalszahlen der Konzerne. Auch was die Politik angeht, kann man einige Unsicherheitsfaktoren abhaken, etwa die Zwischenwahlen in den USA. Hinzu kommt, dass China und Japan Gespräche über umstrittene Hoheitsgebiete vor ihren Küsten begonnen haben. Negativ bleibt indes, dass der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland alles andere als ausgeräumt ist. 

Vielleicht hilft darüber ein weiterer schlauer Satz hinweg: „Wer die aktuellen Kurse für zu hoch hält, der soll mal in 20 Jahren wiederkommen.“ Das hat zwar nicht Buffett gesagt, es findet sich aber auch auf der langen Liste der Börsenweisheiten.

Mittwoch, 15. Oktober 2014

Breaking ...

Leider hat mich die vergangenen Tage eine Grippe aus der Bahn geworfen. Zudem folgt ab Freitag ein dreiwöchiger Urlaub. Wenig los daher bei "Blümel staunt". Anders an der Börse. DAX, Dow und die anderen Welt-Indizes sind ganz schön am Straucheln, die Korrektur ist scharf. Stand jetzt ist das auch noch nicht ausgestanden. Also Pulver zunächst trocken halten. Eine (ernsthafte) Gegenbewegung könnte aus Saisonalitäts-Gesichtspunkten gegen Ende des Monats folgen. Mitte November bin ich zurück ... habe die Ehre ...

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Neues vom Ramschorakel

Nach gutem Beginn endet der Börsenmonat September mit Verlusten. Auf den ersten Blick kein gutes Omen für den Oktober und das Schlussquartal 2014. Ein Blick auf den Hochzinsmarkt verrät mehr.

Die dicksten Schlagzeilen in der Finanzpresse hat in den vergangenen Tagen wohl Bill Gross gemacht, der Gründer von Pimco und über lange Zeit bedeutendste Fondsmanager im Anleihe­segment. Gross hat bei der Allianz-Tochter Pimco nach einer Serie von Skandalen und etlichen Jahren schlechter Performance seinen Hut genommen und wechselt nun zum Konkurrenten Janus Capital. Die Allianz-Aktie verlor darauf an einem Tag über sechs Prozent, während die Janus-Aktie um 40 Prozent zulegte.
 
Weit weniger Beachtung gab es im Anleihesegment indes für eine Entwicklung, die vermutlich überaus wichtiger ist als die Gerüchte und Fakten um den Mann, der immer wieder gern als „Anleihe-König“ bezeichnet wird. Eine Entwicklung, die auch für den Aktienmarkt wichtig ist. Sehr wichtig. Es geht um die Mittelabflüsse aus den sogenannten Junk Bonds, also aus hochverzinsten Anleihen von Emittenten mit eher schlechter bis miserabler Bonität, hier­zulande auch wenig schmeichelhaft als Ramsch­anleihen bekannt. 

Genauer gesagt wird aus diesem Segment gerade so viel Geld abgezogen, wie wir es seit Beginn der Börsenrally 2009 erst einmal erlebt haben. Es scheint ganz klar: Anleger reduzieren das Risiko in ihren Depots. Der Effekt: deutlich fallende Kurse der Junk Bonds. Und das ging zuletzt mit einer derartigen Vehemenz, dass man fast schon von einer Kapitulation am Markt sprechen kann. Alles musste raus zu jedem Preis. Nun scheint es fast so, als ob die Kurse zu schnell zu weit gefallen sind. Eine Erholung wäre also überfällig. Zumindest eine kurzfristige.

Was in den Geschichtsbüchern steht

Dennoch ist der Ausverkauf bei den Junk Bonds ein Warnsignal. Gerade für die Aktienmärkte. Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt, dass die Entwicklung bei diesen Papieren eine Art Frühindikator für den Aktienmarkt darstellt — im Besonderen nach einer langen Rally. So kam es beispielsweise im Jahr 1999, also schon gut ein Jahr vor Ende des Technologie-Hypes, zu einem ähnlichen Kursmuster bei den Junk Bonds wie jetzt. Ebenso im Jahr 2007, als die Kurse der Ramschanleihen ein halbes Jahr vor Beginn der Aktienbaisse zu bröckeln begannen. 

Die Logik dahinter: Je nach Wirtschaftsentwicklung reduzieren Anleger das Risiko. Und da fängt man eben mit den vermeintlich spekulativsten Papieren an, den hochverzinsten Anleihen oder Papieren mit Währungsrisiko. Später werden die nicht so liquiden Aktien aus den Nebenwertesegmenten verkauft, um irgendwann, wenn die Konjunktur tatsächlich kippt, auch die Dickschiffe zu verkaufen: DAX-Aktien, Dow-Jones-Werte.

Wiederholt sich dieses Muster nun erneut? Folgt auf den Verkauf im Anleihebereich nun auch der Verkauf von Risiko am Aktienmarkt? Fast scheint es so, schließlich sind doch bereits seit Wochen die Nebenwerte unter Druck, während sich die Bluechips zumindest noch halten. 

Besser mal auf der Hut sein

Der Jahrtausendwende-Crash und der Kursverfall 2008 müssen sich indes nicht wiederholen. Denn es gibt einen bedeutenden Unterschied zu den damaligen Jahren: Stand jetzt ist die Rezessionsgefahr minimal. Gerade in den USA. Aber auch in Europa und in Asien scheint es trotz aller wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten voranzugehen. Der aktuelle Abverkauf von Risiko-Assets scheint wohl eher eine Folge der amerikanischen Geldpolitik zu sein, eine Folge der knapperen Liquidität, seit das Anleihekaufprogramm zurückgefahren wird. Anleger sollten dennoch auf der Hut sein: Wenn sich der Junk- Bond-Markt nicht fängt, sind stärkere Kursverluste drin. Auch am Aktienmarkt. Und dann gehören die Schlagzeilen nicht mehr Bill Gross. 

Mittwoch, 24. September 2014

Undank ist der Welten Lohn

Fallende Preise bei Öl und Eisenerz, Nebenwerte, die hinterherhinken. Man macht sich Sorgen um die Rally am Aktienmarkt. Gut, wenn da die Notenbanker auf Kurs bleiben.

Die Rally am Aktienmarkt wird ja schon misstrauisch beäugt, seit sie im März 2009 ihren Anfang genommen hat. An der Wall Street hat dann irgendwann jemand die Bezeichnung „most hated rally ever“ für den derzeitigen Börsenaufschwung gefunden — die meistgehasste Rally aller Zeiten. Eine Bezeichnung, die immer noch passt. Auch jetzt. Dieses Mal ist man misstrauisch, weil die Preise für Erdöl und Eisenerz purzeln. Von einem Fünfjahrestief ist da die Rede. Und man ist misstrauisch, weil die sogenannte „Marktbreite“ bei den Aktien in den vergangenen Monaten ein wenig verloren gegangen ist — soll heißen: Die Nebenwerte, gerade in den USA, hinken inzwischen den Bluechip-Indizes deutlich hinterher.

Der Reflex auf derlei Ereignisse ist dann immer der gleiche: Man deutet sie als Indiz für die große Wende und proklamiert liebend gern einen bald kommenden Crash. Als ob es an den Märkten zwischen den beiden Extremen „Boom and Bust“, zwischen Euphorie und Niedergang, keine weiteren Möglichkeiten gäbe — auch ein Ausdruck fehlender Zuneigung.

Vielleicht ist das ja auch deswegen so, weil man die Rally von Anfang an nicht verstanden hat. Und noch schlimmer: Weil man sie genau aus diesem Grund verpasst hat! Denn von Anfang an wurden die Risiken von vielen falsch eingeschätzt, etwa das Inflationsrisiko, die Gefahr wieder steigender Zinsen, die Volatilität an den Märkten, das Risiko eines Zusammenbruchs des Euro. Und vor allem hat man es den Zentralbanken offensichtlich nicht zugetraut, die Weltkonjunktur auf Kurs zu halten. Ein teures Missverständnis das. 

Viele Gründe für niedrige Zinsen

Ob es nun wohl so weitergeht mit dem Nichtverstehen? Es wird ja schon munter darauf spekuliert, wie hoch der US-Leitzins bis Ende 2015 geklettert sein dürfte. Wie wäre es mit 1,5 Prozent? Oder 2,0 Prozent? Mal davon abgesehen, dass steigende Zinsen nicht automatisch ein Ende der Aktienrally bedeuten, scheint die Prognose der Zinsskeptiker verfrüht. Die lagen damit auch schon im vergangenen Jahr falsch, ebenso im Jahr davor.

Und auch jetzt gibt es immer noch genügend Gründe, die Zinsen weiter niedrig zu halten: Energie ist billig, die Lohnentwicklung durch den globalen Wettbewerb moderat, der Inflationsdruck dadurch gering. Und was die Konjunktur angeht: Da kann man ja nun wirklich nicht von Überhitzung sprechen. Die Erholung seit dem Ende der Rezession 2009 kommt außergewöhnlich schleppend voran. In den vier Kalenderjahren seither ist das US-Wirtschaftswachstum nie deutlich stärker ausgefallen als um die drei Prozent. In der Vergangenheit waren in einer „normalen“ Erholung dagegen Wachstumssprünge von sechs Prozent durchaus Standard.

Also wird im Euroraum EZB-Chef Mario Draghi auf Kurs bleiben und weiterhin auf eine lockere Geldpolitik setzen. Und in den USA wird Janet Yellen, die Chefin der US-Notenbank Fed, ebenfalls auf Kurs bleiben, ganz egal, ob der eine oder andere „Falke“ in ihrer US-Zentralbanker-Truppe da anderer Meinung sein mag und ihr in aller Offenheit widerspricht — was übrigens gute amerikanische Tradition ist. 

Die Chefin hat das letzte Wort

Aber es ist, wie es ist: Yellen hat das letzte Wort. Und sie sagt recht deutlich, wohin die Reise geht. Erst vergangene Woche hat sie noch einmal bekräftigt, dass zwar das Anleihekaufprogramm — wie von langer Hand geplant — bald endet, der Leitzins aber bei 0,25 Prozent bleibt. Und zwar so lange wie nötig. Bis eben die Konjunktur nachhaltig nach oben dreht. Der Lohn dafür? Tja, auch die Fed wird wegen ihrer Zinspolitik seit Jahren misstrauisch beäugt. Aber das passt ja ins Bild der „most hated rally ever“.

Dienstag, 16. September 2014

Zünglein an der Waage

Was die Schotten mit der Stärke des Dollar zu tun haben. Warum EZB-Chef Mario Draghi seine Finger im Spiel hat. Und wie das alles mit DAX und Dow Jones zusammenhängt.

Da hat sich ordentlich was zusammengebraut am Devisenmarkt. Mit vermutlich großen Auswirkungen auf den Finanzmarkt insgesamt, also auch auf DAX, Dow und Nikkei. Es geht um den ­Dollar. Der legt seit Wochen gegenüber den anderen wichtigen Währungen kräftig zu — wir haben an dieser Stelle ja schon darauf aufmerksam gemacht.

Letztlich sind es drei Faktoren, die für die Aufwertung des Greenback sorgen: die schottische Unabhängigkeitsbewegung, die auf dem Wert des Britischen Pfund lastet, die „neue“ und noch expansivere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), die den Euro schwächt, und schließlich die Erwartung, dass auch die Bank of Japan noch mehr tun wird, um den Yen abzuwerten und auf diese Weise die ­Exportwirtschaft des Landes zu stärken.

Besonders wichtig angesichts der großen Bedeutung im Weltwirtschaftsgefüge erscheint der Abwärtstrend beim Euro. Die Zinsdifferenz von Anleihen europäischer Kernstaaten wie Deutschland und Frankreich gegenüber den etwas besser verzinsten Staatspapieren der USA spielt da eine bedeutende Rolle — auch wenn das absolute Niveau der Renditen hüben wie drüben lächerlich niedrig ist. Ein weiterer gewichtiger Grund für die Euroschwäche hat mit der Bilanzsumme der Notenbanken zu tun. Derzeit wächst die der EZB nämlich schneller als die der US-Notenbank Fed. Ein Umstand, der auch schon in der Vergangenheit zu fallenden Euronotierungen geführt hat — und im umgekehrten Fall zu einem schwächeren Dollar.

Wie war das gleich vor drei Jahren?

Man hat das vielleicht vergessen oder gar nicht wahrgenommen, aber Ende 2011 fiel die Bilanzsumme der EZB um gut 30 Prozent höher aus als jetzt. Und weil Notenbankchef Mario Draghi gerade angedeutet hat, dass er dieses Level wieder erreichen will, ist es nicht verkehrt, sich die Ereignisse von vor drei Jahren noch einmal in Erinnerung zu rufen: Es war im Spätsommer 2011, als die EZB die Bilanzsumme auszuweiten begann — mit dem Effekt, dass der Dollar deutlich zulegte, die Rohstoffnotierungen fielen und gleichzeitig die große Kurskorrektur an den europäischen Aktienmärkten zu Ende ging. Nachdem DAX und Euro Stoxx zwischen Juli und September um mehr als 30 Prozent gefallen waren, stabilisierten sich die Kurse und stiegen dann bald wieder. Parallel dazu kletterten auch die Notierungen an der New Yorker Börse — und zwar deutlich stärker als die in Europa.

Letzteres mag daran liegen, dass die Inflation in den USA mit Beginn der euro­päischen Maßnahmen von vier auf ein Prozent im folgenden Jahr fiel. Für die Amerikaner ein Riesengeschenk, sorgte dies doch für deutlich mehr Spielraum beim Konsum, was wiederum zu stärkerem Wachstum führte und somit zu steigenden Notierungen am Aktienmarkt.

Mal über US-Aktien nachdenken

Wiederholen sich nun die Ereignisse? Gut möglich. Wichtig dürfte sein, wie die US-Notenbank der Öffentlichkeit ihre künftige Geldpolitik verkauft – Mittwoch Abend wissen wir mehr. Die Wortwahl von Fed-Chefin Janet Yellen könnte sich angesichts der besseren konjunkturellen Lage etwas verschärfen, was vielleicht die Angst vor einer zu raschen und zu heftigen Zinserhöhung schürt. Kurzfristig sind also noch einige Verwerfungen möglich. Langfristig jedoch sieht alles nach einer Fortsetzung der Rally am Aktienmarkt aus. Und ist 2011 der Maßstab, dann sollte man wohl auch mal über US-Aktien als Investment nachdenken — wenn man das nicht längst schon getan hat.

Donnerstag, 4. September 2014

Take a walk on the tech side

Die EZB hat noch einmal an der Zinsschraube gedreht. Es war absehbar. Gut für Aktien ... Die Ampeln sind weiter auf "Grün" ... (so sieht es auch Tech-Guru Ralph Acampora)