Mittwoch, 15. Oktober 2014

Breaking ...

Leider hat mich die vergangenen Tage eine Grippe aus der Bahn geworfen. Zudem folgt ab Freitag ein dreiwöchiger Urlaub. Wenig los daher bei "Blümel staunt". Anders an der Börse. DAX, Dow und die anderen Welt-Indizes sind ganz schön am Straucheln, die Korrektur ist scharf. Stand jetzt ist das auch noch nicht ausgestanden. Also Pulver zunächst trocken halten. Eine (ernsthafte) Gegenbewegung könnte aus Saisonalitäts-Gesichtspunkten gegen Ende des Monats folgen. Mitte November bin ich zurück ... habe die Ehre ...

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Neues vom Ramschorakel

Nach gutem Beginn endet der Börsenmonat September mit Verlusten. Auf den ersten Blick kein gutes Omen für den Oktober und das Schlussquartal 2014. Ein Blick auf den Hochzinsmarkt verrät mehr.

Die dicksten Schlagzeilen in der Finanzpresse hat in den vergangenen Tagen wohl Bill Gross gemacht, der Gründer von Pimco und über lange Zeit bedeutendste Fondsmanager im Anleihe­segment. Gross hat bei der Allianz-Tochter Pimco nach einer Serie von Skandalen und etlichen Jahren schlechter Performance seinen Hut genommen und wechselt nun zum Konkurrenten Janus Capital. Die Allianz-Aktie verlor darauf an einem Tag über sechs Prozent, während die Janus-Aktie um 40 Prozent zulegte.
 
Weit weniger Beachtung gab es im Anleihesegment indes für eine Entwicklung, die vermutlich überaus wichtiger ist als die Gerüchte und Fakten um den Mann, der immer wieder gern als „Anleihe-König“ bezeichnet wird. Eine Entwicklung, die auch für den Aktienmarkt wichtig ist. Sehr wichtig. Es geht um die Mittelabflüsse aus den sogenannten Junk Bonds, also aus hochverzinsten Anleihen von Emittenten mit eher schlechter bis miserabler Bonität, hier­zulande auch wenig schmeichelhaft als Ramsch­anleihen bekannt. 

Genauer gesagt wird aus diesem Segment gerade so viel Geld abgezogen, wie wir es seit Beginn der Börsenrally 2009 erst einmal erlebt haben. Es scheint ganz klar: Anleger reduzieren das Risiko in ihren Depots. Der Effekt: deutlich fallende Kurse der Junk Bonds. Und das ging zuletzt mit einer derartigen Vehemenz, dass man fast schon von einer Kapitulation am Markt sprechen kann. Alles musste raus zu jedem Preis. Nun scheint es fast so, als ob die Kurse zu schnell zu weit gefallen sind. Eine Erholung wäre also überfällig. Zumindest eine kurzfristige.

Was in den Geschichtsbüchern steht

Dennoch ist der Ausverkauf bei den Junk Bonds ein Warnsignal. Gerade für die Aktienmärkte. Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt, dass die Entwicklung bei diesen Papieren eine Art Frühindikator für den Aktienmarkt darstellt — im Besonderen nach einer langen Rally. So kam es beispielsweise im Jahr 1999, also schon gut ein Jahr vor Ende des Technologie-Hypes, zu einem ähnlichen Kursmuster bei den Junk Bonds wie jetzt. Ebenso im Jahr 2007, als die Kurse der Ramschanleihen ein halbes Jahr vor Beginn der Aktienbaisse zu bröckeln begannen. 

Die Logik dahinter: Je nach Wirtschaftsentwicklung reduzieren Anleger das Risiko. Und da fängt man eben mit den vermeintlich spekulativsten Papieren an, den hochverzinsten Anleihen oder Papieren mit Währungsrisiko. Später werden die nicht so liquiden Aktien aus den Nebenwertesegmenten verkauft, um irgendwann, wenn die Konjunktur tatsächlich kippt, auch die Dickschiffe zu verkaufen: DAX-Aktien, Dow-Jones-Werte.

Wiederholt sich dieses Muster nun erneut? Folgt auf den Verkauf im Anleihebereich nun auch der Verkauf von Risiko am Aktienmarkt? Fast scheint es so, schließlich sind doch bereits seit Wochen die Nebenwerte unter Druck, während sich die Bluechips zumindest noch halten. 

Besser mal auf der Hut sein

Der Jahrtausendwende-Crash und der Kursverfall 2008 müssen sich indes nicht wiederholen. Denn es gibt einen bedeutenden Unterschied zu den damaligen Jahren: Stand jetzt ist die Rezessionsgefahr minimal. Gerade in den USA. Aber auch in Europa und in Asien scheint es trotz aller wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten voranzugehen. Der aktuelle Abverkauf von Risiko-Assets scheint wohl eher eine Folge der amerikanischen Geldpolitik zu sein, eine Folge der knapperen Liquidität, seit das Anleihekaufprogramm zurückgefahren wird. Anleger sollten dennoch auf der Hut sein: Wenn sich der Junk- Bond-Markt nicht fängt, sind stärkere Kursverluste drin. Auch am Aktienmarkt. Und dann gehören die Schlagzeilen nicht mehr Bill Gross. 

Mittwoch, 24. September 2014

Undank ist der Welten Lohn

Fallende Preise bei Öl und Eisenerz, Nebenwerte, die hinterherhinken. Man macht sich Sorgen um die Rally am Aktienmarkt. Gut, wenn da die Notenbanker auf Kurs bleiben.

Die Rally am Aktienmarkt wird ja schon misstrauisch beäugt, seit sie im März 2009 ihren Anfang genommen hat. An der Wall Street hat dann irgendwann jemand die Bezeichnung „most hated rally ever“ für den derzeitigen Börsenaufschwung gefunden — die meistgehasste Rally aller Zeiten. Eine Bezeichnung, die immer noch passt. Auch jetzt. Dieses Mal ist man misstrauisch, weil die Preise für Erdöl und Eisenerz purzeln. Von einem Fünfjahrestief ist da die Rede. Und man ist misstrauisch, weil die sogenannte „Marktbreite“ bei den Aktien in den vergangenen Monaten ein wenig verloren gegangen ist — soll heißen: Die Nebenwerte, gerade in den USA, hinken inzwischen den Bluechip-Indizes deutlich hinterher.

Der Reflex auf derlei Ereignisse ist dann immer der gleiche: Man deutet sie als Indiz für die große Wende und proklamiert liebend gern einen bald kommenden Crash. Als ob es an den Märkten zwischen den beiden Extremen „Boom and Bust“, zwischen Euphorie und Niedergang, keine weiteren Möglichkeiten gäbe — auch ein Ausdruck fehlender Zuneigung.

Vielleicht ist das ja auch deswegen so, weil man die Rally von Anfang an nicht verstanden hat. Und noch schlimmer: Weil man sie genau aus diesem Grund verpasst hat! Denn von Anfang an wurden die Risiken von vielen falsch eingeschätzt, etwa das Inflationsrisiko, die Gefahr wieder steigender Zinsen, die Volatilität an den Märkten, das Risiko eines Zusammenbruchs des Euro. Und vor allem hat man es den Zentralbanken offensichtlich nicht zugetraut, die Weltkonjunktur auf Kurs zu halten. Ein teures Missverständnis das. 

Viele Gründe für niedrige Zinsen

Ob es nun wohl so weitergeht mit dem Nichtverstehen? Es wird ja schon munter darauf spekuliert, wie hoch der US-Leitzins bis Ende 2015 geklettert sein dürfte. Wie wäre es mit 1,5 Prozent? Oder 2,0 Prozent? Mal davon abgesehen, dass steigende Zinsen nicht automatisch ein Ende der Aktienrally bedeuten, scheint die Prognose der Zinsskeptiker verfrüht. Die lagen damit auch schon im vergangenen Jahr falsch, ebenso im Jahr davor.

Und auch jetzt gibt es immer noch genügend Gründe, die Zinsen weiter niedrig zu halten: Energie ist billig, die Lohnentwicklung durch den globalen Wettbewerb moderat, der Inflationsdruck dadurch gering. Und was die Konjunktur angeht: Da kann man ja nun wirklich nicht von Überhitzung sprechen. Die Erholung seit dem Ende der Rezession 2009 kommt außergewöhnlich schleppend voran. In den vier Kalenderjahren seither ist das US-Wirtschaftswachstum nie deutlich stärker ausgefallen als um die drei Prozent. In der Vergangenheit waren in einer „normalen“ Erholung dagegen Wachstumssprünge von sechs Prozent durchaus Standard.

Also wird im Euroraum EZB-Chef Mario Draghi auf Kurs bleiben und weiterhin auf eine lockere Geldpolitik setzen. Und in den USA wird Janet Yellen, die Chefin der US-Notenbank Fed, ebenfalls auf Kurs bleiben, ganz egal, ob der eine oder andere „Falke“ in ihrer US-Zentralbanker-Truppe da anderer Meinung sein mag und ihr in aller Offenheit widerspricht — was übrigens gute amerikanische Tradition ist. 

Die Chefin hat das letzte Wort

Aber es ist, wie es ist: Yellen hat das letzte Wort. Und sie sagt recht deutlich, wohin die Reise geht. Erst vergangene Woche hat sie noch einmal bekräftigt, dass zwar das Anleihekaufprogramm — wie von langer Hand geplant — bald endet, der Leitzins aber bei 0,25 Prozent bleibt. Und zwar so lange wie nötig. Bis eben die Konjunktur nachhaltig nach oben dreht. Der Lohn dafür? Tja, auch die Fed wird wegen ihrer Zinspolitik seit Jahren misstrauisch beäugt. Aber das passt ja ins Bild der „most hated rally ever“.

Dienstag, 16. September 2014

Zünglein an der Waage

Was die Schotten mit der Stärke des Dollar zu tun haben. Warum EZB-Chef Mario Draghi seine Finger im Spiel hat. Und wie das alles mit DAX und Dow Jones zusammenhängt.

Da hat sich ordentlich was zusammengebraut am Devisenmarkt. Mit vermutlich großen Auswirkungen auf den Finanzmarkt insgesamt, also auch auf DAX, Dow und Nikkei. Es geht um den ­Dollar. Der legt seit Wochen gegenüber den anderen wichtigen Währungen kräftig zu — wir haben an dieser Stelle ja schon darauf aufmerksam gemacht.

Letztlich sind es drei Faktoren, die für die Aufwertung des Greenback sorgen: die schottische Unabhängigkeitsbewegung, die auf dem Wert des Britischen Pfund lastet, die „neue“ und noch expansivere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), die den Euro schwächt, und schließlich die Erwartung, dass auch die Bank of Japan noch mehr tun wird, um den Yen abzuwerten und auf diese Weise die ­Exportwirtschaft des Landes zu stärken.

Besonders wichtig angesichts der großen Bedeutung im Weltwirtschaftsgefüge erscheint der Abwärtstrend beim Euro. Die Zinsdifferenz von Anleihen europäischer Kernstaaten wie Deutschland und Frankreich gegenüber den etwas besser verzinsten Staatspapieren der USA spielt da eine bedeutende Rolle — auch wenn das absolute Niveau der Renditen hüben wie drüben lächerlich niedrig ist. Ein weiterer gewichtiger Grund für die Euroschwäche hat mit der Bilanzsumme der Notenbanken zu tun. Derzeit wächst die der EZB nämlich schneller als die der US-Notenbank Fed. Ein Umstand, der auch schon in der Vergangenheit zu fallenden Euronotierungen geführt hat — und im umgekehrten Fall zu einem schwächeren Dollar.

Wie war das gleich vor drei Jahren?

Man hat das vielleicht vergessen oder gar nicht wahrgenommen, aber Ende 2011 fiel die Bilanzsumme der EZB um gut 30 Prozent höher aus als jetzt. Und weil Notenbankchef Mario Draghi gerade angedeutet hat, dass er dieses Level wieder erreichen will, ist es nicht verkehrt, sich die Ereignisse von vor drei Jahren noch einmal in Erinnerung zu rufen: Es war im Spätsommer 2011, als die EZB die Bilanzsumme auszuweiten begann — mit dem Effekt, dass der Dollar deutlich zulegte, die Rohstoffnotierungen fielen und gleichzeitig die große Kurskorrektur an den europäischen Aktienmärkten zu Ende ging. Nachdem DAX und Euro Stoxx zwischen Juli und September um mehr als 30 Prozent gefallen waren, stabilisierten sich die Kurse und stiegen dann bald wieder. Parallel dazu kletterten auch die Notierungen an der New Yorker Börse — und zwar deutlich stärker als die in Europa.

Letzteres mag daran liegen, dass die Inflation in den USA mit Beginn der euro­päischen Maßnahmen von vier auf ein Prozent im folgenden Jahr fiel. Für die Amerikaner ein Riesengeschenk, sorgte dies doch für deutlich mehr Spielraum beim Konsum, was wiederum zu stärkerem Wachstum führte und somit zu steigenden Notierungen am Aktienmarkt.

Mal über US-Aktien nachdenken

Wiederholen sich nun die Ereignisse? Gut möglich. Wichtig dürfte sein, wie die US-Notenbank der Öffentlichkeit ihre künftige Geldpolitik verkauft – Mittwoch Abend wissen wir mehr. Die Wortwahl von Fed-Chefin Janet Yellen könnte sich angesichts der besseren konjunkturellen Lage etwas verschärfen, was vielleicht die Angst vor einer zu raschen und zu heftigen Zinserhöhung schürt. Kurzfristig sind also noch einige Verwerfungen möglich. Langfristig jedoch sieht alles nach einer Fortsetzung der Rally am Aktienmarkt aus. Und ist 2011 der Maßstab, dann sollte man wohl auch mal über US-Aktien als Investment nachdenken — wenn man das nicht längst schon getan hat.

Donnerstag, 4. September 2014

Take a walk on the tech side

Die EZB hat noch einmal an der Zinsschraube gedreht. Es war absehbar. Gut für Aktien ... Die Ampeln sind weiter auf "Grün" ... (so sieht es auch Tech-Guru Ralph Acampora)

Mittwoch, 3. September 2014

Dienstag, 2. September 2014

Besondere Zeiten

Die Sorgen an der Börse werden nicht weniger. Dass die Kurse von Aktien und Anleihen gleichzeitig so stark steigen, sorgt für Stirnrunzeln. Ein Warnsignal, finden viele. Was ist wirklich dran?

Voilà, der Herbst ist da. September. Da ist es an der Zeit, gleich mal mit ein paar Vorurteilen aufzuräumen. Der September hat nämlich unter Börsianern einen schlechten Ruf. Man fragt sich nur, warum? Der Ruf scheint aus uralten Zeiten zu stammen. Denn Tatsache ist doch, dass es nur zweimal in den vergangenen zehn Jahren zu einem Minus im ersten Herbstmonat des jeweiligen Jahres kam. Achtmal dagegen ging es teils kräftig nach oben. So auch vergangenes Jahr. Da stieg der deutsche Leitindex DAX von 8195 auf 8594 Punkte. Macht ein Plus von 399 Zählern. Das ist ordentlich.

Wer sich an derlei saisonalen Aspekten orientiert, dürfte also getrost in Aktien investiert bleiben. Aber wer macht das schon? Als wankelmütiges menschliches Wesen lässt man sich doch nur allzu oft von den Wenns und Abers anderer Leute ablenken und weicht dann ab vom Plan, wie man denn nun tatsächlich investiert sein will.

Aktuell lenkt beispielsweise das Bohei um die scheinbar ins Unendliche steigenden Anleihekurse ab. Vor allem in den USA ist das Gezeter groß, also dort, wo die ­Aktienindizes von Rekord zu Rekord eilen und parallel dazu die Rendite zehnjähriger festverzinslicher Papiere auf 2,3 Prozent gefallen ist — wir erinnern uns: Fallende Anleiherenditen sind gleichbedeutend mit steigenden Anleihekursen.

Die Wenns und Abers besagter anderer Leute klingen dann ungefähr so: Die Anleihen steigen deshalb, weil die wirtschaft­liche Erholung zu schwach sei, die Gefahr einer Deflation immer stärker zunehme und Anleihen daher das klar bessere Investment seien, auch wenn der Nominalzins lächerlich niedrig erscheint. Am Aktien­markt dagegen habe man das alles nicht verstanden, die Kurse seien zu hoch, und daher werde es dort über kurz oder lang kräftig nach unten gehen. Dann sei Schluss mit der Anomalie gleichzeitig steigender Aktien- und Anleihekurse.

Nun gut, die Warnung kommt ja nicht von ungefähr. Dass Anleihekurse und Aktienkurse gleichzeitig so stark steigen, ist durchaus ein klassisches Warnsignal. Meist hält so etwas nicht lange an, und entweder das eine oder das andere gibt nach, auf dass sich die Anomalie auflöse.

Aber wir befinden uns ja bekanntlich in ganz besonderen Zeiten, in denen die Notenbanken agieren, wie sie nie zuvor agiert haben. Daher kann es auch mal sein, dass etwas, was zu „normalen“ Zeiten als Anomalie bezeichnet wurde, heutzutage eher als „neue Normalität“ eingestuft wird.
Um mit den US-Staatsanleihen anzufangen: 2,3 Prozent Rendite für eine zehnjährige Anleihe mögen zwar mickrig sein, im Vergleich zu deutschen oder japanischen Staatspapieren ist die Verzinsung aber höchst ansprechend. Dass zudem die Euro­päische Zentralbank (EZB) in Person ihres Chefs Mario Draghi eine noch lockerere Geldpolitik in Aussicht gestellt hat, macht die amerikanischen Papiere noch attraktiver. Der schon jetzt sehr ausgeprägte Rückgang der langfristigen Renditen spiegelt gleichzeitig die Erwartung wider, dass eventuelle Zinserhöhungen in den USA wahrscheinlich höchst bescheiden ausfallen werden.

Die Anomalie, und das ist die Schlussfolgerung daraus, könnte daher noch weit länger anhalten — ablenkendes Gezeter hin oder her. Wie gesagt, wir befinden uns in besonderen Zeiten. Aktien und Anleihen könnten den parallelen Anstieg also durchaus noch fortsetzen. Ob irgendwann in der Zukunft dann die Aktienkurse nachgeben, um die Anomalie aufzulösen, oder doch eher die Anleihekurse — darüber machen wir uns dann Gedanken, wenn es tatsächlich so weit ist.

Buying Opportunity

Da ist er schon wieder ... Mister Charttechnik Ralph Acampora ...


Dienstag, 26. August 2014

Fehlt nur noch ....

dass Bank-Aktien ins Rollen kommen .... hoppla ...


Provokation und Reaktion

US-Aktien auf Rekordkurs, DAX mit Nachholbedarf und der Euro im freien Fall, dazu das Treffen der wichtigsten Notenbanker der Welt. Wie das eine zum anderen passt.  

Das fällt schon auf in den vergangenen Wochen: An der US-Börse geht es ordentlich voran. Vor allem die Bluechips legen kräftig zu, und zwar so stark, dass der S&P-500 am Montag das erste Mal überhaupt die 2000-Punkte-Marke geknackt hat. Im Gegensatz dazu hinken Nebenwerte deutlich hinterher, ebenso europäische Aktien. Passiert so etwas, dann spricht man von einer Divergenz, und der eine oder andere Börsianer macht sich Sorgen, weil fehlende Marktbreite bei neuen Rekordkursen in der Vergangenheit doch immer ein recht gutes Warnsignal war. Ebenfalls fällt auf, dass der Euro fällt wie ein Stein und dass sich seit einigen Tagen der japanische Yen wieder abschwächt, nachdem sich da lange nichts getan hat.

Wie passt das denn nun zusammen? Es passt. Im Wesentlichen sind es doch gerade mal zwei Aspekte, die in diesem Jahr das Auf und Ab an den Aktienmärkten bestimmen: Da ist zum einen die Geldpolitik der Notenbanken, zum anderen sind es die geopolitischen Risiken. Beiden gemeinsam ist die Unsicherheit, wohin wir denn nun steuern. Es ist nicht recht klar, wann die ersten Zinserhöhungen in den USA kommen. Und was die Weltpolitik angeht, lähmt vor allem die Sorge vor weiteren Eskalationen — gerade was den Russland-Ukraine-Konflikt angeht.

Diese Unsicherheit sorgt sicherlich für eine Flucht in den Dollar und zudem wohl auch dafür, dass man sich als Investor, wenn überhaupt, bei Aktien dann doch lieber für die vermeintlich stabileren Bluechips entscheidet als für Nebenwerte.

Und dann sind es eben die Notenbanken, die im schönen Wechsel mit der Geopolitik für Bewegung an den Märkten sorgen. Aktuell für wieder deutlich steigende Aktienkurse. Die Notenbanken haben es sogar geschafft, dass der erneut und damit zum vierten Mal in Folge gefallene Ifo-Index dabei schlichtweg ignoriert wurde. Auslöser für die Rally am Aktienmarkt war das Treffen der Welt-Zentralbanker, das regelmäßig im Spätsommer im Örtchen Jackson Hole in Wyoming stattfindet. Dort tauscht man sich aus, genießt die Natur und stimmt vielleicht gar die Geldpolitik aufeinander ab. Dieses Jahr war es allerdings nicht ganz so beschaulich. Da warfen die Vertreter der US-Notenbank Fed der Europäischen Zentralbank (EZB) vor, „zu wenig zu tun“.

Die haben ja auch gut reden, die Amerikaner. Im Gegensatz zu Europa geht es beim konjunkturellen Aufschwung ja doch recht passabel voran. Jedenfalls folgte auf die Provokation prompt die Reaktion. EZB-Chef Mario Draghi redete Tacheles und wich im Eifer gar vom Redemanuskript ab. Er werde die Deflationsgefahr in Europa „mit allen Mitteln“ bekämpfen, sagte er, man sei „bereit“. Zudem forderte Draghi die europäischen Finanz- und Staatsminister auf, „mehr Engagement zu zeigen“. Das Wachstum solle bitteschön endlich gestärkt werden. Harter Tobak das Letztere. Der Mann übersteigt damit eigentlich die Grenzen seines Mandats — aber das ist ein anderes Thema.

Jedenfalls wurden die deutlichen Worte so ausgelegt, dass der Beginn gezielter Stützungskäufe am europäischen Anleihemarkt nun wohl unmittelbar bevorsteht. Wäre dem tatsächlich so, dann bliebe es also nicht nur bei der bisherigen Niedrigzinspolitik der EZB, nein, man würde da noch Liquidität draufpacken. Die USA, die im Gegensatz dazu selbige ja schon reduzieren, könnten dies dann ein bisschen beruhigter tun.

An den Märkten haben die klaren Worte ihre Wirkung nicht verfehlt: Der Euro ist seither noch stärker unter Druck als schon in den Wochen zuvor, die Aktienkurse steigen, die Renditen der Staatsanleihen fallen. Und das ergibt durchaus Sinn. Die USA wollen scheinbar den Job des „Chef-Gelddruckers“ weitergeben. An die EZB. An die Bank of Japan. Nehmen die den Job an, dürften die Aktienkurse weiter steigen und Euro und Yen fallen.