Donnerstag, 4. Februar 2016

Kühler Blick auf hitzige Märkte

Die Entwicklung am Aktienmarkt kostet ganz schön Nerven. Trotzdem sollte man langsam, aber sicher über das eine oder andere strategische Investment nachdenken.

Für manche kam es überraschend, für andere war es nur konsequent: Japans Notenbankchef Haruhiko Kuroda führte am Freitag der vergangenen Woche Negativzinsen ein oder exakt formuliert: einen Strafzins von 0,1 Prozent für Banken. In Sachen expansive Geldpolitik sattelt die Bank of Japan (BOJ) also noch einen drauf — man probiert alles aus, was der „Werkzeugkasten“ hergibt.

Zunächst kam das gut an. Nicht nur am japanischen Aktienmarkt stiegen die Kurse, sondern es ging weltweit nach oben. Billiges Geld, das ist schließlich immer dann eine gute Nachricht, wenn eine oder zwei der drei großen Notenbanken EZB, BOJ und Fed beteiligt sind. Die beiden Erstgenannten sind in dieser Hinsicht ja ordentlich am Werk. Und die Fed, nun ja, die übertreibt es dann hoffentlich nicht zu sehr in die andere Richtung.

Allerdings — und das ist die schlechte Nachricht — verpuffte der Kuroda-Effekt ziemlich schnell. Schon zum Start des neuen Börsenmonats Februar neigten die Aktienmärkte wieder zur Schwäche. Und das lag wohl an China. Schon wieder China. Das Reich der Mitte ist ja bereits in den vergangenen Wochen der bremsende Faktor schlechthin an den Finanzmärkten gewesen. Die Bemühungen von EZB und BOJ wurden und werden so immer wieder gestört. Dieses Mal waren es enttäuschende Einkaufsmanagerzahlen, womit Peking den zarten Börsenaufschwung erst einmal wieder zunichtemachte. Denn die Welt fürchtet sich ja bekanntlich vor einer schwächeren Konjunktur in Fernost mit all den echten und gefühlten negativen Auswirkungen rund um den Globus.

Und der Ölpreis ? Was macht der zweite bremsende Faktor? Er schwankt. Vergangene Woche ging es einmal steil nach oben Richtung 36 Dollar, weil Gerüchte aufkamen, dass sich OPEC und Russland wegen einer Angebotsverknappung demnächst zusammensetzen wollen. Ein Gerücht, mehr nicht. Dazu noch mit eher unwahrscheinlichem Inhalt. Postwendend bröckelte der Preis wieder — und mit ihm auch die Notierungen an den Aktienmärkten. Das nun schon seit Wochen bekannte Spiel.

Dennoch: Irgendwann hat auch diese Korrektur ein Ende! Und es ist nicht falsch, sich langsam die eine oder andere strategische Position ins Depot zu legen. Einkalkulieren sollte man aber trotzdem, dass der DAX durchaus noch auf 9000 Punkte fallen kann. Man erinnere sich an den Kursrutsch im August und September des vergangenen Jahres, wo auf den großen, geradezu panikartigen Fall zunächst eine gut dreiwöchige Seitwärtskorrektur folgte, auf die ein weiterer — dann aber schließlich finaler — Sturz folgte. Vielleicht kommt es ja wieder so. Oder so ähnlich.


Die Risiken sind also auf dem Tisch: China, der Ölpreis. Das eine bedingt dabei durchaus auch das andere. Die Gefahr einer globalen Rezession dagegen scheint nach wie vor eher gering — es gibt dafür einfach keine konkreten Hinweise. Die Politik der Notenbanken, die ist auch klar. Das sollte mittelfristig für wieder mehr Ruhe an den Märkten sorgen und für eine nüchternere Betrachtung der kursbestimmenden Faktoren. Übergeordnet spricht das für steigende Kurse. Doch es dürfte wohl noch einige Zeit recht volatil bleiben. Für hartgesottene Börsianer ist das ja aber auch nichts Neues mehr.

Donnerstag, 28. Januar 2016

Eine Frage der Perspektive

Die Stimmung ist schlecht, das Momentum negativ. Derzeit wird so ziemlich alles negativ beurteilt. Das wird sich auch wieder ändern. Etwa wenn klar wird, dass billiges Öl durchaus positiv ist

Wo stehen wir denn nun? Der Kurseinbruch an den chinesischen Börsen zu Beginn des Jahres war heftig. Da kann man durchaus auch mit einer harten Landung der Wirtschaft rechnen. Und diese Sorge hat natürlich weltweite Auswirkungen — auch auf Aktienkurse und Rohstoffpreise. Europas Börsen starteten dementsprechend so schlecht ins Jahr wie seit der Jahrtausendwende nicht mehr. Viele Indizes haben ihre Vorjahresgewinne wieder abgegeben. Und Öl notiert nur noch um die 30 bis 40 Dollar!

Es gibt dennoch einige Silberstreifen am Horizont. So hat etwa EZB-Präsident Mario Draghi weitere Maßnahmen angekündigt, sollten sich Konjunktur und Inflation nicht so entwickeln wie vorgestellt. Und auch wenn viele Vergleiche mit dem Börsenjahr 2008 gezogen werden, so sieht es derzeit nicht nach dem Anfang eines Bärenmarktes aus. Die makroökonomische Lage ist eine ganz andere als damals. Zudem enden Bullenmärkte nur selten, ohne dass sich eine Rezession abzeichnet. Und danach sieht es zurzeit nicht aus. Mag ja sein, dass die Dynamik der Weltwirtschaft gedämpft ist, aber summa summarum entwickelt sie sich trotzdem positiv.

Dass die Börse dennoch fällt — nun ja, Korrekturen von fünf bis zehn Prozent bei den wichtigen Indizes gehören einfach dazu, das muss man verkraften können. Das sind ganz normale und eigentlich auch wünschenswerte Entwicklungen. Dass sie in den zurückliegenden Jahren seit 2009 tendenziell seltener als in den Jahren zuvor vorkamen, ist ohnehin ungewöhnlich.

Aktien sind nun mal Risikoinvestments. Und schwankende Kurse reflektieren die Risikoprämie, die Aktien nun mal gegenüber Festzinsanlagen auszeichnet. Bleibt nur die Frage, ob die Korrektur nun schon ausgestanden ist. Positiv ist, dass sich die Spreads von Hochzinsanleihen in der Korrekturphase nicht ausgeweitet haben. Normalerweise ist dies der Fall, wenn Schlimmeres im Busch ist. Allerdings — und das ist das große „Aber“ — notieren sie auf hohem Niveau. Auch positiv ist, dass der Goldpreis zwar gestiegen ist, aber man keine „Flucht“ in den vermeintlich sicheren Anlagehafen feststellen kann. Dennoch sind die Unsicherheiten da. Und die Risikofaktoren auch. Womit wir wieder bei China sind. Denn die Volksrepublik muss kämpfen. Ökonomisch, aber auch politisch.

Wir sollten nicht vergessen, dass das Land weltgrößter Verbraucher von Energie, Metallen und Weizen ist. Eine Verlangsamung des dortigen Wachstums der Volkswirtschaft hat erhebliche Auswirkungen auf den Rest der Welt. Hinzu kommt, dass man den Eindruck gewinnen kann, dass die Regierung Schwierigkeiten hat, die lahmende Wirtschaft unter Kontrolle zu bekommen und die Konjunktur zu beleben. Und das ist das eigentlich Beunruhigende. Auch die massiven Eingriffe an den heimischen Börsen haben bislang nicht den Erfolg gebracht, den sich die Regierung erhofft hat. Vielleicht haben sie alles sogar noch viel schlimmer gemacht.

Wo stehen wir also nun? Die Stimmung an den Börsen ist schlecht und das Momentum zunehmend negativ. Beides Faktoren, die sich am Ende als Einstiegsgelegenheit für langfristig orientierte Anleger erweisen könnten. Vielleicht ja dann, wenn sich die Sichtweise der Anleger wieder ändert. Beispiel Öl: Fallende Ölpreise waren in der Vergangenheit positiv für die Konjunktur. Aktuell indes hat jeder nur die unmittelbar negativen Effekte des Ölpreisverfalls im Fokus, ohne die langfristig positiven Auswirkungen zu beachten.

Mittwoch, 20. Januar 2016

Jetzt mal Tacheles

Die Stimmung am Markt ist schlecht. Grottenschlecht. So manch einer zieht Vergleiche mit 2008 und prophezeit schon den Sturz ins Bodenlose. Beim Öl, für den Aktienmarkt. Also alles verkaufen? 

Es wird ein schwieriges Börsenjahr. Eine Meinung, die man immer öfter hört und von immer mehr Leuten. Schon im Dezember waren die Aktienmärkte ja ausgesprochen schwach, was unüblich ist für diesen Monat, der normalerweise von einer Jahresendrally geprägt ist. Aber es scheint eben auch vieles auf der Kippe. Der Einbruch der Ölpreise beispielsweise auf rund 30 Dollar je Barrel könnte Vorbote einer sich verschärfenden Konjunkturabkühlung sein. Aktuell überschlagen sich ja die Auguren, wie tief der Preis wohl noch fallen wird: auf 20 Dollar, zehn Dollar, fünf Dollar oder noch tiefer. Man fühlt sich an die Peak-Oil-Jahre erinnert mit Preisprognosen von 250, 500 und 1000 Dollar, nur eben andersherum.

Und noch was Kippeliges: In den USA hat die Berichtssaison begonnen. Für die Unternehmen des breit gefassten Aktienindex S & P 500 wird mit einem Gewinnrückgang von fünf Prozent gerechnet, die Umsätze dürften um drei Prozent gefallen sein. Das liegt daran, dass zum einen die exportlastigen Unternehmen unter dem starken Dollar leiden, und es liegt zum anderen am schon erwähnten Ölpreisverfall. Der setzt sowohl den großen, integrierten Gesellschaften zu wie auch den Firmen, die es mit der Erschließung von Schieferöl zu tun haben. Und weil die jetzt alle sparen müssen, schadet das indirekt eben auch vielen anderen Branchen. Allerdings — das sollte man nicht vergessen — dürfte der Rückgang des Ölpreises ja auch positive Auswirkungen auf große Teile der Wirtschaft haben.

Und noch ein Aspekt zur Berichtssaison: Dies ist nun schon das dritte Quartal in Folge mit sinkenden Gewinnen. Zuletzt gab es das während der Rezession in den ersten drei Quartalen 2009. Jedoch — und jetzt kommt der Hoffnungsschimmer — war dies aber auch das Jahr, in dem die Aktienmärkte einen Boden fanden. Insgesamt ist die Stimmung aber klar negativ. Investoren stehen vor einem „katastrophalen Jahr“, schreibt die Royal Bank of Scotland in einem Brief an ihre Kunden. Der Ratschlag der Bank: „Verkaufen Sie alles außer hochwertige Anleihen. Es geht jetzt um Kapitalerhalt und nicht um Rendite.“ Man fühle sich an das Jahr 2008 erinnert, nur dass dieses Mal nicht die US-Banken eine Finanzmarktkrise auslösen könnten, sondern das schwächere Wirtschaftswachstum in China. Ähnliche Vergleiche hat in der Vorwoche ja auch schon der Investor George Soros gezogen.

Doch muss es wirklich so schlimm kommen? Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat die Wachstumsperspektiven für die Weltwirtschaft gerade auch nach unten revidiert: für die kommenden drei Jahre um jeweils 0,2 Prozentpunkte. Absolut gesehen allerdings erscheint das immer noch vernünftig — 3,1 Prozent Plus im laufenden, 3,4 Prozent im nächsten und 3,6 Prozent im übernächsten Jahr. Doch auch dies sind letztlich nur Prognosen, die ja bekanntlich immer wieder revidiert werden können.

Die Weltwirtschaft steht einer Vielzahl von strukturellen Problemen gegenüber,  so viel ist klar. Der Aufwärtstrend der vergangenen Jahre ist damit infrage gestellt. Aber deswegen undifferenziert Aktien verkaufen? Mag sein, dass sich der Abwärtstrend an den Märkten weiter fortsetzt oder sogar beschleunigt. Etwa auch, weil Investoren aus Gründen des Risikomanagements verkaufen müssen. Aber dies bietet ja auch Chancen, selektiv nachzukaufen — Aktien mit guter Dividendenrendite etwa, ganz egal, ob es nun ein schwieriges Börsenjahr wird oder nicht.

Mittwoch, 13. Januar 2016

Unangenehme Superlative

Das Börsenjahr 2016 startet schlecht. George Soros macht das nervös. Es ist aber auch viel los, angefangen von China-Sorgen und dem Ölpreisverfall bis hin zur Leitzinsentwicklung. Ein Überblick.

Das Jahr hat mit Superlativen begonnen. Wenn auch mit unangenehmen. Mit einem Minus von mehr als vier Prozent am ersten Handelstag legte der DAX den schlechtesten Jahresauftakt seiner Geschichte hin. Und auch das Wochenminus von 8,3 Prozent war nicht von schlechten Eltern. Als Hauptgrund für die fast schon dramatischen Verluste wurden die noch heftigeren Kursturbulenzen an der Börse in Shanghai ausgemacht, die wiederum mit Sorgen um Chinas Wirtschaft begründet wurden sowie mit Irritationen um die staatlich verordneten Stützungsmaßnahmen für die dortige Börse.

Es sind also ein paar Säcke Reis umgefallen im Reich der Mitte. Wobei das ja nichts Ungewöhnliches ist. Dass es in China nicht mehr ganz so rund läuft, das ist ja nicht erst seit gestern bekannt. Ebenso dass die dortige Börse nicht vergleichbar ist mit den Märkten der westlichen Welt. Trotzdem ist man eben immer wieder mal beunruhigt über diese fernöstliche Gemengelage.

„China ist für die Weltwirtschaft wichtig. Und auf einmal sehen wir, dass das Land an Schwung verliert. Das ist negativ für Länder, die viel nach China exportieren“, kommentiert Robert Halver, Anlagestratege bei der Baader Bank. So weit, so gut. Trotzdem findet er das Kursspektakel der vergangenen Tage recht übertrieben: „Die apokalyptischen Reiter werden von ihren Pferden fallen“, sagt er.

Andere sind da pessimistischer: George Soros etwa. Der große Investor ließ verlauten, er fühle sich an 2008 erinnert, dem Jahr also, in dem die Finanzkrise ihren Anfang nahm. Allerdings ist aktuell von einer Rezession in der weltgrößten Volkswirtschaft USA überhaupt nichts zu sehen.

Was letztlich für die derzeitige große Unruhe sorgt, das sind wohl die so bekannten wie signifikanten Weichenstellungen für die Marktentwicklung, die schon im Dezember stattfanden. Als da sind:

Donnerstag, 7. Januar 2016

Das geht ja gut los ...

Mieser Jahresauftakt, keine Frage. Aber ist es wirklich so schlimm? Mal ein Blick zurück:

Vor exakt zehn Jahren, im Jahr 2006, manch einer erinnert sich, da schien an der Börse alles in Butter: Alle Argumente, die die Kurse schon in den zweieinhalb Jahren davor beflügelten, galten unverändert: Die wachsende Weltwirtschaft, ausreichend Liquidität, gut aufgestellte und günstig bewertete Unternehmen, fehlende Inflationsangst.

Nur eines machte Sorgen: In den USA rentierten kurzfristige Anleihen erstmals seit dem Jahr 2000 wieder höher als langfristige. „Inverse Zinsstruktur“ wird diese Konstellation genannt, und sie gilt als verlässliches Warnsignal. Inversen Zinsstrukturen folgt nämlich häufig ein Konjunktureinbruch, oft gibt es gar eine Rezession. 

Die Idee dahinter: Wenn Anleger bereit sind, ihr Geld längerfristig zu binden, verlangen sie dafür normalerweise einen höheren Zins. Eine gute Konjunktur könnte schließlich Inflation und Zinsniveau während der Laufzeit steigen lassen. Verzichten sie auf höhere Renditen, zeigt das, dass sie recht pessimistisch sind und ihr Geld trotz der niedriger Zinsen für einige Jahre sicher unterbringen wollen.

So war das damals im Jahr 2006. Die Rezession kam dann ja auch – wenn auch erst zwei Jahre später. Was nicht ungewöhnlich war, zeigt doch die Geschichte, dass eine inverse Zinsstruktur deutlich ausfallen und über einen längeren Zeitraum bestehen muss, um aussagekräftig zu sein.

Und aktuell? Da plagen die Börsen auch Sorgen. Von einer inversen Zinsstruktur ist indes nichts zu sehen. Na immerhin ...

Dienstag, 29. Dezember 2015

Mit Optimismus geht’s besser

Der DAX beendet das Jahr im Plus. Die Schwankungen waren jedoch hoch in den zurückliegenden Monaten. Und damit auch der Stress für Anleger. 2016 dürfte in dieser Hinsicht nicht leichter werden.

Das Jahr ist rum. Turbulent war’s. Auf neue fantastische DAX-Rekorde im Frühjahr folgte ein herber Absturz im Sommer und darauf wiederum eine recht holprige Herbstrally. Und turbulent dürfte es 2016 weitergehen. Ursachen dafür gibt es genug. Grob eingeordnet sind es „weltpolitische“ und „geldpolitische“ Gründe. Summa summarum jedoch, um das Fazit vorwegzunehmen, scheinen weitere DAX-Gewinne nicht unrealistisch. Ob „Buy and Hold“ das ganze Jahr über funktioniert, das dürfte jedoch fraglich sein.

Doch der Reihe nach: Was die Weltpolitik angeht, waren es im zurückliegenden Jahr vor allem der russisch-ukrainische Konflikt sowie die Griechenland-Krise, die sich als größte Belastungsfaktoren für die Börsen herausstellten. Doch damit nicht genug. Die Welt ist insgesamt gefährlicher geworden. Im Verlauf des Jahres ist Syrien als akuter Brandherd hinzugekommen, dazu die allgemein weltweit gestiegene Terrorgefahr. Dies könnte 2016 zu einer großen Belastung für Konsum, Investitionen, den Welthandel werden. Und damit auch für die Märkte. Dazu kommt die Flüchtlingskrise, die zum ganz großen Stresstest für die EU geworden ist. Und nicht zu vergessen: das anstehende Referendum in Großbritannien über den Verbleib in der Europäischen Union.

„Geldpolitisch“ ist die Gemengelage auch nicht leichter. Die US-Notenbank Fed hat erstmals seit 2008 die Zinsen erhöht und wird 2016 weitere Anhebungen folgen lassen — fragt sich nur in welcher Dosierung. In Europa dagegen wird weiterhin eine lockere Geldpolitik verfolgt.

Die Gefahr dieser Mixtur sind mögliche hektische Geldabflüsse aus den Schwellenländern, was wiederum zu Turbulenzen auf den Devisen- und Aktienmärkten insgesamt führen könnte. Bislang ist dies jedoch nicht der Fall. Im Gegenteil: Seit dem US-Zinsschritt Mitte Dezember ist es wieder ruhiger geworden an den Märkten. Vielleicht ist die Zinswende zu einem Großteil doch schon in den Notierungen „eingepreist“. Oder Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Bremer Landesbank, hat recht mit seiner Einschätzung, dass es in den USA keine massive Zinserhöhung geben wird, sondern nur ein „Zinswendchen“.

Schwer einzuschätzen ist indes die wirtschaftliche Entwicklung Chinas...

Dienstag, 15. Dezember 2015

Das Warten hat ein Ende

Der Zinsentscheid der US-Notenbank unter Fed-Chefin Janet Yellen wird kurz- und mittelfristig den Börsen die Richtung vorgeben. Ob nach oben oder unten, ist indes höchst ungewiss.

Es ist soweit. Endlich, mag man anfügen. Die Entscheidung der US-Notenbank Fed, was die künftige Zinspolitik angeht, fällt parallel zum Erscheinungstag der neuen BÖRSE ONLINE - zumindest die Abonnenten haben das Heft dann schon in der Hand. Mittwochabend um 20:30 Uhr steht die Pressekonferenz an. Vielleicht haben ab dann ja auch die Wochen der Kurskapriolen ein Ende. Die der 1000-Punkte-Bewegungen, die so schnell direkt hintereinander mal rauf, mal runter laufen. Vielleicht gibt es ab sofort so etwas wie "Planungssicherheit" - nun ja, wenn es so etwas an der Börse je gab.

Die "Notenbankwochen" gehen jedenfalls zu Ende, wie dies Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank, so treffend ausgedrückt hat. Die Europäische Zentralbank EZB hatte zu Beginn des Monats ja damit angefangen -und die Akteure am Markt durch ihre relative Untätigkeit auf dem falschen Fuß erwischt. Es folgten die Bank of England und die Schweizer Notenbank -die sich beide mit absoluter Untätigkeit hervortaten. "Abwarten und Tee trinken" hieß da wohl die Devise. Oder besser: "Erst mal sehen, was die liebe Frau Janet Yellen und die Fed machen."

Für Anleger -wenn es sich nicht gerade um Trader handelte - war Abwarten sicher kein falscher Rat für die zurückliegenden Wochen. Ab Donnerstag gilt es dann aber; ab dann könnte man sich wohl wieder aus der Deckung wagen. Die Reaktion auf die Entscheidung der Fed und vor allem darauf, wie sie von Frau Yellen kommentiert wird, dürfte die Basis sein für die weitere kurz-bis mittelfristige Tendenz an den Börsen. Wie wird sie eine Leitzinserhöhung vermitteln, wenn sie und ihr Komitee sich denn dafür entscheiden?

Zu 100 Prozent ausgemacht ist die viel beschworene Zinserhöhung ohnehin nicht. Manch ein Kommentator findet, dass die Entwicklung der US-Konjunktur dies gar nicht hergibt. Wer auf das eine oder andere Szenario schon vor dem Donnerstag spekulieren will, bitteschön - er soll sich aber nicht wundern, wenn DAX, Dow und der Wechselkurs des Dollar zum Euro vielleicht doch anders reagieren als erwartet. Ein Himmelfahrtskommando. Dabei sollte eigentlich klar sein: An der Börse geht es nicht darum, ständig positioniert zu sein, ob nun Short oder Long, sondern darum, auch mal Hände und Füße stillzuhalten, wenn die Dinge nicht so einfach einzuschätzen sind. Denn wirklich neue Erkenntnisse hat der US-Datensalat in den zurückliegenden Wochen nicht geliefert. Die Neuanträge auf Arbeitslosenhilfe etwa, die bewegten sich zuletzt ungefähr auf dem Niveau der zurückliegenden Monate. Ebenso die Zahlen zur Inflationsentwicklung. Wer mag daraus schon eine Handlungsstrategie ableiten?

Wenn überhaupt, dann könnte man eher zu leichtem Optimismus neigen. Denn aus China -die Wirtschaftswelt besteht ja schließlich nicht aus Europa und den USA allein - kommen wieder bessere Nachrichten. Etwa, was die Industrieproduktion angeht, oder auch was den Einzelhandelsumsatz betrifft, der auch wieder steigt und zuletzt das höchste Niveau dieses Jahres erreicht hat. Und auch in Japan geht es langsam wieder bergauf. Die Tankan-Konjunkturberichte senden positive Signale.

Jetzt liegt es nur noch an Frau Yellen und ihrer verbalen Überzeugungskraft. Was macht die US-Notenbank warum in welcher Intensität? Vielleicht kommt sie dann ja doch noch, die Jahresendrally, die manche schon gar nicht mehr auf dem Zettel haben.

Donnerstag, 10. Dezember 2015

Es kommt so anders, als man denkt

Die Jahresendrally ist unterbrochen. Die zurückliegende EZB-Sitzung fiel anders aus als erwartet und hat zahlreiche Spekulanten aus dem Markt gedrängt - aber auch neue Möglichkeiten eröffnet.

Kühl kalkuliert, so scheint es. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat sich am vergangenen Donnerstag dafür entschieden, die Politik des leichten Geldes zwar fortzuführen, aber das monatliche Volumen nicht auszuweiten. Dafür soll das Programm länger laufen. Ein cleverer Schachzug, denn die europäische Zurückhaltung könnte der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) den Entscheid erleichtern, am 15. und 16. Dezember den amerikanischen Leitzins endlich anzuheben. Eine konzertierte Aktion zwischen den mächtigsten Notenbanken der Welt?

Man könnte es annehmen. Denn die Furcht war ja immer, dass bei einer Erhöhung des US-Leitzinses der Dollar zu schnell zu hoch steigt und damit die Weltwirtschaft ins Wanken bringt - man denke nur an die Dollarverbindlichkeiten etlicher Schwellenländer. Durch Mario Draghis Schachzug am Donnerstag sind diese Sorgen geringer geworden, aber auch die Geldbeutel vieler Spekulanten dünner. Denn für die konzertierte Aktion -so es eine gewesen ist - nahm die EZB ein gerüttelt Maß an Chaos in Kauf: Der Euro beispielsweise kletterte blitzschnell von 1,05 Dollar bis auf fast 1,10 Dollar. Und der DAX stürzte unter heftigsten Schwankungen von 11 300 auf 10 600 Punkte ab. Ein veritabler "Squeeze". Euroleerverkäufer wurden aus ihren Positionen gedrängt, ebenso die Spekulanten, die aus taktischen Gründen übermäßig in DAX-Aktien investiert hatten, um von einer weiteren Euroabwertung indirekt zu profitieren.

Es schien ja auch alles so klar. Noch im Oktober hatte Draghi deutlich weiter gehende Maßnahmen angedeutet, als jetzt umgesetzt werden. Ungewöhnlich für ihn, hatte er doch bislang den verbalen Interventionen immer auch die adäquaten Maßnahmen folgen lassen. Nun hat er wohl ganz bewusst eine Frustration des Marktes in Kauf genommen. Ganz offensichtlich, so hört man aus Notenbankkreisen, auch deswegen, weil ihn Mitglieder des EZB-Rats nicht gewähren ließen.
Für Fed-Chefin Janet Yellen, der man in den vergangenen Monaten immer wieder vorgeworfen hat, den richtigen Zeitpunkt für die Zinswende verpasst zu haben, ist das nun eine Steilvorlage: Sie wird Mitte Dezember nun agieren müssen!

Oder etwa nicht? Was, wenn sie die Zinswende ein weiteres Mal aufschiebt? Der Euro dürfte dann noch weiter steigen, der DAX fallen. Eher unwahrscheinlich, solch ein Szenario. Aber wer weiß? In den USA zeichnete sich in den vergangenen Tagen eine deutliche Erwartungshaltung an die erste Zinserhöhung seit zehn Jahren ab. Was aber passieren kann, wenn die Erwartungen zu hoch sind, das haben wir ja am vergangenen Donnerstag erlebt. Allerdings hat der US-Arbeitsmarktbericht vom Freitag gezeigt, dass der Aufwärtstrend robust ist, immer mehr Amerikaner wieder einen Job finden und auch die Löhne -wenngleich moderat - wieder zu steigen beginnen. Und der Arbeitsmarkt ist neben der Inflationsentwicklung die wichtigste Kenngröße für die Zinspolitik der Fed.

Wir sind trotzdem gewarnt. Zu früh positionieren, das ist gefährlich. Die Jahresendrally ist jedenfalls unterbrochen, aber vermutlich noch nicht beendet. Bis zum Termin der US-Notenbank Mitte des Monats scheint es jedoch unwahrscheinlich, dass sich ein neuer Trend herauskristallisiert. Da ist nun schlicht und einfach Geduld gefragt. Erst am 16. Dezember dürfte die Entscheidung fallen, ob der DAX die Rally wieder aufnimmt oder ob er noch einmal abtaucht.

Dienstag, 1. Dezember 2015

Besser mal die Luft anhalten

Erst die EZB, dann die Fed. Die wichtigsten Notenbanken der Welt geben im Dezember den Takt für die weitere Börsenentwicklung vor. Anleger dürfen vorsichtig optimistisch bleiben.

Die Jahresendrally, wie man sie hierzulande nennt, sie läuft. DAX, MDAX, TecDAX, alles im Plus. In den USA da läuft sie auch, wenn auch unter der etwas poetischeren Bezeichnung „Santa Claus Rally“. Beschert wird — und das ist eigentlich schon Tradition — bereits im November und Dezember, egal ob an den US- oder an den europäischen Börsen. Im Besonderen gilt das auch für dieses Jahr, denn Mario Draghi, der Chef der Europäischen Zentralbank EZB, dürfte am Donnerstag weitere geldpolitische Geschenke verteilen  — zumindest ist das die große Erwartung der Börsianer vor der Sitzung der europäischen Notenbanker. Die Aktienmärkte haben das ja schon vorweggenommen. Es läuft, egal ob unter poetischer oder prosaischer Bezeichnung.

Sollte Draghi tatsächlich die ohnehin expansive Geldpolitik weiter ausdehnen, dann sollte das wohl den Börsen weltweit zugute kommen. Von der versprochenen neuen Liquidität wird dann sicher auch etwas über die anderen Kontinente schwappen. Dass etwas im Kommen ist, das hat Draghi ja schon in den vergangenen Wochen immer wieder und recht explizit angekündigt. Jetzt muss er liefern.

Schafft er es, die Erwartungen zufriedenzustellen, dann sollte auch der nächste anstehende wichtige Termin etwas weniger furchteinflößend sein, als er in den zurückliegenden Monaten immer wieder erschien. Am 13. und 14. Dezember tagen nämlich die Mitglieder der amerikanischen Notenbank Fed, etwas sperrig Offenmarktausschuss genannt, und beschließen — vielleicht — die erste Zinserhöhung seit 2006. So lange ist das schon her.

Es ist indes nicht nur das Hoffen auf die europäische Geldpolitik, die den Börsen Auftrieb verschafft, es sind schlicht auch die besseren Konjunkturdaten. So sind die europäischen Einkaufsmanagerindizes — durchaus zuverlässige vorauseilende Indikatoren für die künftige Wirtschaftsentwicklung — zuletzt klar gestiegen und notieren so hoch wie seit 2010 nicht mehr.

Das ist so gut, dass damit die doch eher negativen Nachrichten aus dem asiatischen Raum überkompensiert werden: Etwa der Smogalarm in Peking, verbunden mit der temporären Schließung zahlreicher Fabriken. Oder die erneuten Razzien bei etlichen Brokerhäusern, denen Manipulationen am Shanghaier Aktienmarkt vorgeworfen werden. Und zu allem Übel auch noch die wieder sinkenden Preise am chinesischen Immobilienmarkt.

Aber das geht eben alles gerade unter in der Euphorie um weiterhin viel billiges Geld — egal welche Notenbank dieses nun bereitstellen mag. Letztlich mag das erfahrenen Börsianern aber auch eine Warnung sein. Denn ob es nun wirklich so einfach weiterläuft an der Börse wie dies zu Jahresbeginn 2015 der Fall war, als die EZB das erste Mal so richtig den Geldhahn aufgedreht hat? Besser wachsam bleiben.

Der DAX jedenfalls hat nun etliche Hürden vor sich. Zwischen 11 600 und 11 900 Punkten ist er im Sommer, als die Börsen weltweit korrigierten, gleich viermal gescheitert, bevor es zum großen Sell-off im August kam. Dieser Bereich knapp unter der 12 000er-Marke ist eine recht ordentliche Hürde und man sollte auf Rücksetzer gefasst sein. Die jedoch kann man zum Nachkaufen nutzen. Denn summiert man die aktuellen Einflussfaktoren auf die Börse auf, kann man eigentlich nur zu dem Schluss kommen, dass die Jahresendrally — oder poetischer Santa Claus Rally — weiterläuft.

Freitag, 13. November 2015

Nach der Rally ist vor der Rally

Der DAX nimmt sich eine Auszeit. Gründe dafür gibt es genug. Dennoch sollten die Kurse bis Jahresende weiter steigen. Auch dafür gibt es gute Gründe, obwohl die USA für Unsicherheit sorgen.

Konsolidierung ist angesagt. Nachdem der DAX am vergangenen Freitag zum ersten Mal seit dem 17. August wieder einmal über 11 000 Punkten notierte, ging es prompt am Montag darauf wieder deutlich nach unten. Dennoch: Die Verluste des Spätsommer-Crashs, durch den der deutsche Leitindex auf fast 9300 Punkte gefallen war, sind damit erst einmal egalisiert worden. Und das in bemerkenswert kurzer Zeit. Gerade mal fünfeinhalb Wochen waren seit dem Tief vergangen. Aber dies ist wohl auch der Grund, warum der DAX zunächst einmal eine Pause eingelegt hat. Wir hatten das ja schon vergangene Woche vermutet: Es ging zu schnell zu weit. Das muss schlicht verdaut werden. 

Der Auslöser für den Anstieg über die 11 000er-Marke ist dabei gleichzeitig der Auslöser für die Konsolidierung. Klingt seltsam? Ist es aber nicht. Es geht um den US-Arbeitsmarkt. Der hat sich im Oktober viel besser entwickelt als erwartet. Außerhalb der Landwirtschaft wurden 271 000 neue Stellen geschaffen, was deutlich über den Erwartungen der Volkswirte lag, die im Schnitt mit lediglich 181 000 neuen Jobs gerechnet hatten. Weil diese "good news" die Wahrscheinlichkeit einer baldigen Zinserhöhung in den USA doch deutlich erhöht haben, zog der Dollar kräftig an, der Euro rutschte beträchtlich ab, und im Sog der Währungskapriolen schnellte der DAX nach oben, während gleichzeitig die Aktienkurse in den USA sanken. Diese Anomalie hielt aber nur einen Tag an - dann kam es zu besagter Konsolidierung schließlich auch im DAX. 

Die Zutaten für die Rally-Pause sind also durchaus einleuchtend: Die wiederkehrenden Unsicherheiten, was die Zinspolitik in den USA angeht, sowie ein Kursplus, das zu schnell zu weit lief. Letzteres zeigt sich auch daran, dass in den USA die Anzahl der Börsenoptimisten auf den höchsten Wert seit Jahresbeginn gestiegen ist. Klassischerweise ist eine solche Euphorie immer ein hervorragender Kontraindikator für die kurzfristige Entwicklung der Börse. 

Und wie geht es nun mittelfristig weiter? Drei Regionen gilt es zu beachten: Neben Europa und den USA natürlich China. Die bislang so schwache Börse Shanghai scheint sich zu stabilisieren. Vielleicht weil die geplanten finanz- und geldpolitischen Maßnahmen des neuen chinesischen Fünfjahresplans erste Wirkungen zeigen. Eine signifikante Wachstumsabschwächung soll da ja tunlichst vermieden werden. Tendenz also positiv. 

In Europa wiederum hat EZB-Chef Mario Draghi damit begonnen, die Vorfreude auf (verfrühte) Weihnachtsgeschenke zu wecken. Auf ihrer Sitzung am 3. Dezember wird die EZB vermutlich das Anleihekaufprogramm ausweiten. Mehr Papiere bei längerer Programmdauer, so dürfte die Devise lauten. Dazu wohl eine Senkung des Einlagenzinses für die Banken, um diese zu großzügigerer Kreditvergabe zu bewegen. Daher auch hier: Tendenz positiv für den Aktienmarkt. 

Und die USA? Dort ist es nicht so einfach. Erhöht die Notenbank den Zins, dann wird sie das gut erklären müssen, um keine Angst vor einem dynamischen Zinserhöhungszyklus aufkommen zu lassen. Denn sonst droht Gefahr, etwa verstärkte Kapitalflucht aus den Schwellenländern. Summa summarum bleibt die EZB mit ihrer Liquiditätspolitik eine wichtige Triebfeder für die Aktienmärkte. Die Alternativen sind rar, dafür sind die Zinsen einfach zu niedrig. Rücksetzer bei DAX und Co sind daher gute Kaufgelegenheiten.