Mittwoch, 21. Februar 2018

Zinsen und andere Gefahren

Ist der Kursrutsch schon vorbei? Gut möglich, dass das Hin und Her noch eine Weile andauert. Scheinbar müssen sich noch etliche Börsianer an das „neue“ Zinsrisiko gewöhnen.

Es gibt ja Börsianer, die finden, dass die Entwicklung der Zinsen in den zurückliegenden Wochen fatale Signale für den Aktienmarkt geliefert hat. Vor allem die USA sind dabei gemeint: Als dort die Rendite zehnjähriger Anleihen an die Marke von 3,0 Prozent heranrückte, rutschten die Aktien an der Wall Street drastisch ab — als ob diese drei Prozent Zins eine Art rote Linie darstellten. In der Folge gaben dann auch die europäischen Märkte nach — siehe DAX — sowie die Kurse in Fernost. Immerhin: Zuletzt erholten sich die Kurse wieder.

Vielleicht erscheinen Anleihen ab jenen ominösen drei Prozent für viele Anleger wieder als rentable Anlagealternative, gerade in Relation zu den stark gestiegenen und teils überbewerteten Aktien. Wirklich beantworten lässt sich dies aber wohl erst dann, wenn klarer wird, wohin die US-Notenbank Fed künftig tendiert in Sachen Zins. Janet Yellen hat die US-Wirtschaft bekanntlich lange und gut gesteuert. Wird ihr Nachfolger Jay Powell nun genauso gute Arbeit leisten? Zuletzt war die Inflation recht nah an das Ziel der Zentralbank von zwei Prozent herangerückt. Das ist gut, gleichzeitig aber eine echte Herausforderung. Wie wird die Fed darauf reagieren, gerade auch weil die steigenden Löhne für einen gewissen Inflationsdruck sorgen? Das Risiko, dass die Fed überdreht, ist jedenfalls gestiegen.

Ironischerweise haben die Märkte ja in einem Moment korrigiert, in dem die meisten Analysten und Strategen die Entwicklung der Weltwirtschaft immer optimistischer einschätzten und ihre Prognosen nach oben revidiert haben. Und es waren auch nicht die üblichen Risiken, die für das Minus gesorgt haben, also Geopolitik, Rohstoffpreise, Unternehmensergebnisse oder die hohe Verschuldung in China. Nein, es war der Zins. "Nur" der Zins. Vielleicht ist dies ein Faktor, den viele noch nicht recht auf der Rechnung hatten, der jetzt erst einmal eingeschätzt werden muss — was weiteres Hin und Her an der Börse zur Folge hätte.

Bisher ging man ja davon aus, dass die Fed den Zins in diesem Jahr wohl dreimal erhöhen wird. Inzwischen jedoch scheinen auch vier oder fünf Schritte nicht unwahrscheinlich. So oder so hat das dann — früher oder später — deutliche Auswirkungen auf die Geldmenge. Ihr Wachstum lässt ja nun schon seit einiger Zeit nach. Was nicht weiter schlimm ist. Gefährlich wird es ...

Mittwoch, 7. Februar 2018

Die Kunst der Gelassenheit

Die Weltbörsen korrigieren heftig. Fast schon panisch wurde in den zurückliegenden Tagen verkauft. Börsianer machen sich offensichtlich große Sorgen um deutlich steigende Zinsen.

Das hatten wir schon länger nicht mehr: An den Börsen gibt es jetzt doch mal wieder eine ordentliche Korrektur. Ungewohnt. Als Anleger war man ja verwöhnt in den zurückliegenden Wochen und Monaten. Die Schwankungen waren so gering, dass man angesichts der aktuellen Rücksetzer nun vielleicht erschrocken ist oder gar panisch.

Wer erst seit Kurzem investiert ist, den hat es natürlich kalt erwischt. Und wer „schwache Hände“ hat — um den Börsianerjargon mal zu bemühen —, der möchte seine Positionen vielleicht lieber ganz schnell wieder liquidieren. So ist das mit der Anlegerpsychologie. Man ist eben doch panischer als vermutet, wenn die Dinge sich negativ entwickeln, und man ist gieriger als vermutet, wenn es gut läuft.

Doch um es gleich auf den Punkt zu bringen: Panik ist nicht angebracht, auch nicht, wenn es in den kommenden Tagen noch weiter abwärtsgehen sollte. Ein Bärenmarkt, also ein gewaltiger Abschwung über mehrere Monate, vielleicht gar Jahre hinweg, ist (noch) nicht in Sicht. Dafür ist die Rezessionswahrscheinlichkeit einfach nicht hoch genug. Und die Vergangenheit hat gezeigt, dass Rezessionen und Bärenmärkte Hand in Hand gehen.

Vermutlich haben wir es also eher mit einer „normalen“ Korrektur zu tun. Die muss man als Aktionär einfach aushalten — oder man kauft noch mal zu, wenn sich Gelegenheiten ergeben. Allerdings könnte es auch sein, dass wir an den Aktienmärkten den ersten Teil eines Doppeltops sehen, das sich oft am Ende einer langen Rally ergibt — wir haben in den zurückliegenden Wochen an dieser Stelle ja immer wieder mal darüber geschrieben. Demnach könnte es nach -einer Bodenbildung in den kommenden Tagen also noch mal aufwärtsgehen.

Für letztere These spricht auch ...

Mittwoch, 31. Januar 2018

Die Sache mit den Prognosen

Der deutliche Anstieg der Gewinnschätzungen hat für eine fulminante Rally gesorgt. Dabei fallen jedoch zwei Merkwürdigkeiten auf. Das sonst übliche Muster scheint nicht mehr zu gelten.

Man kann es gar nicht oft genug wiederholen: Die jüngste Rally an der Wall Street, die so manchem Anleger nicht recht geheuer ist, sie kommt nicht von ungefähr. Nein, sie wird schlicht durch einen wirklich ungewöhnlich starken Anstieg der Gewinnprognosen gestützt.

Dabei muss man wissen, dass besagte Gewinnprognosen sehr häufig einem typischen Muster folgen. Die ersten Schätzungen der Aktienanalysten fallen meistens zu optimistisch aus. Schrittweise werden die Prognosen dann reduziert. Dieses Muster zeigte sich in den Jahren 2012 bis 2016 ganz gut. 2017 jedoch war anders, ganz anders: Die Gewinnschätzungen blieben im Jahresverlauf stabil. Da wurde nichts nach unten revidiert. Und am Jahresende war es so, dass die ursprünglichen Prognosen sogar übertroffen wurden. Sehr ungewöhnlich.

Schnee von gestern, könnte man jetzt argumentieren. Doch immerhin erklärt diese Abweichung vom üblichen Muster, warum es im Jahresverlauf nur so mickerige Korrekturen am Aktienmarkt gab. Und jetzt kommt’s: 2018 wird wohl auch ungewöhnlich werden. Oder besser gesagt: Es ist schon jetzt ungewöhnlich. 
Gestützt durch die US-Steuerreform, den steigenden Ölpreis und das starke ökonomische Umfeld wurden die Gewinnprognosen zu Jahresbeginn sprunghaft um volle vier Prozentpunkte angehoben. Das ist enorm. Und es erklärt die noch steilere Rally im noch jungen Jahr.

Allerdings könnte sich dieser ungewöhnliche, eklatante Sprung nach oben im Verlauf des Jahres als Hypothek erweisen — nämlich dann, wenn ...

Mittwoch, 24. Januar 2018

Rekorde, Rekorde, Rekorde

US-Präsident Trump verhängt Zölle, und der Ölpreis steigt. Beides sollte man als Aktionär im Auge behalten. Denn es könnte die so erfreuliche Aktienmarktrally irgendwann ausbremsen.

Es ist das dominierende Thema an der Börse: das Momentum! Dow Jones, Nasdaq und jetzt sogar der DAX — die Indizes klettern von Rekord zu Rekord. Das Momentum also — dieser schier unwiderstehliche Sog, der die Kurse nach oben zieht. Nur, fragt man sich, wie lange noch, wie weit noch? F

akt ist: Die Vergangenheit hat gezeigt, dass eine derart starke Rally nicht einfach so und abrupt endet, sondern oft in Form eines Doppeltops. Es kommt zu einem Hoch, dann zu einer Korrektur, dann zu einem erneuten Hoch, bevor es endgültig abwärts geht. Doch so weit sind wir noch nicht. Stand jetzt kam es noch nicht mal zur ersten Korrektur.

Jedenfalls muss es schon einen triftigen Grund für eine Umkehr an der Börse geben. Argumente wie „der Markt ist überkauft“ reichen nicht. Ebenso wenig die Verweise darauf, dass technische Indikatoren wie der RSI oder das Verhältnis von Bullen zu Bären exzessiv seien. Das sind zwar korrekte Beobachtungen, allerdings ist es so, dass sich Exzesse über viele Monate einfach fortsetzen können.

Es muss also schon gute fundamentale Gründe geben, dass dieser Rally irgendwann die Luft ausgeht. Und tatsächlich gibt es zwei Aspekte, die Aktienanleger im Auge behalten müssen. Da sind zum einen ...

Donnerstag, 18. Januar 2018

Wohl bekomm’s

Ein amerikanischer Fondsmanager vergleicht die aktuelle Lage an der US-Börse mit Russisch Roulette. Das strapaziert die Nerven. Und trotzdem ist Investieren noch nicht lebensgefährlich.

Herzlich willkommen auf der dunklen Seite. Bewertungen spielen hier keine Rolle. Auch dass die Stimmung langsam übertrieben optimistisch ist — egal! Der Markt ist „überkauft“ — wen interessiert’s? Alles, was zählt, ist das Momentum. So läuft’s im „Melt-up-Szenario“.

Zugegeben, hier schwingt ein wenig Ironie mit. Aber ist das verwunderlich, angesichts der Rally vor allem der US-Börse? Wenn der Markt tatsächlich weiter so impulsiv zulegt, dann sollte man sich Regel Nummer 4 der Investmentlegende Bob Farrell ins Gedächtnis rufen: „Börsen, die parabolisch steigen, die steigen weiter, als man vermuten mag. Aber sie korrigieren auf keinen Fall seitwärts.“ Mit anderen Worten: Was hoch steigt, das fällt tief.

2018 könnte also durchaus das Jahr werden, in dem es gilt, rechtzeitig, aber nicht zu früh auszusteigen. Wichtig ist in diesem Fall vor allem ein Faktor: die Emotionen. In der Vergangenheit war es oft so, dass ein veritabler Kaufrausch in einer Art Doppeltop endete: Es kommt zu einem Hoch, dann zu einer Korrektur, dann zu einem erneuten Hoch — das aber meist niedriger ausfällt als das erste.

So geschehen beispielsweise 1980, als der Goldpreis wegen der Sowjet-Invasion in Afghanistan, steigenden Inflationserwartungen, drastischen Zinserhöhungen und der Silbermarktmanipulationen der Brüder Hunt auf ein Jahrhunderthoch kletterte. Der Goldpreis schien buchstäblich zu explodieren, korrigierte dann und schaffte 1981 ein zweites — niedrigeres — Top, um danach für lange Zeit nur noch zu fallen.

Ähnlich verlief die Aktienblase der Jahrtausendwende, wo sich im Zeitraum März bis August 2000 im S & P-Index ein Doppeltop formte. Nicht so deutlich war dies allerdings beim Nasdaq-Index auszumachen, wo die Euphorie besonders extrem war. Vergleicht man diese damaligen Ereignisse mit den aktuellen Kursverläufen, dann scheint es indes so, als ob der Markt trotz der teils deutlich gestiegenen Kurse noch nicht einmal das erste Top ausgebildet hat. „Parabolisch“ sieht das nicht aus. Noch nicht.

Also investiert bleiben? Das ...

Mittwoch, 10. Januar 2018

Wenn die Börse einen Lauf hat

Der Start ins neue Jahr ist vielversprechend. Dennoch warnen einige vor einem Crash im Verlauf der kommenden Monate. Auch weil die Märkte vielleicht etwas zu schnell nach oben streben.

Da sind wir ja mal richtig gut aus den Startlöchern gekommen! Und das, obwohl die letzte Handelswoche vor Silvester eher durchwachsen war. Doch nun, im neuen Jahr, ist der DAX ordentlich im Plus, der Dow Jones ebenso, der Nikkei auch. Ganz im Gegensatz zu den Jahren davor. Da war es doch eher so, dass die Börsen das jeweils alte Jahr mit Kursgewinnen abschlossen, um dann in Woche 1 des neuen Jahres zu schwächeln.

Jetzt also ein positiver Start. Glaubt man der sogenannten Januar-Regel, dann ist eine erste gute Handelswoche ein prima Omen für den gesamten Januar, was wiederum ein gutes Omen für das ganze Börsenjahr ist. Und trotzdem — oder vielleicht gerade deswegen — warnt der Starinvestor Jeremy Grantham von GMO Capital in seinem neuesten Börsenbrief vor einem Kurssturz. Einem heftigen. Die rasante Wertentwicklung der zurückliegenden sechs Monate vor allem am US-Aktienmarkt habe die Basis für einen „letzten Angriff auf den Gipfel“ gelegt. Danach folge jedoch der unvermeidliche Fall.

„Melt-up“ nennen die Börsianer an der Wall Street so etwas. Typisch dafür ist, dass vor dem Absturz jegliche Korrektur nur sehr mickrig ausfällt, dass der Markt über Wochen überkauft bleibt. Und zumindest in den USA hat es ja schon diesen Anschein.

Dass es 2018 irgendwann zu einem heftigen Fall kommt, wie ihn Grantham befürchtet, wird ...

Mittwoch, 3. Januar 2018

Das verflixte siebte Jahr

Sechs Jahre in Folge endete der DAX nun im Plus. Ob da noch ein weiteres Gewinnjahr drin ist? Die Rahmenbedingungen sind dafür gar nicht schlecht. Es gibt aber auch etliche Risikofaktoren.

Das Jahr ist rum. Fulminant war es. Zwar konnte der DAX die Marke von 13 000 Punkten gegen Ende nicht behaupten, trotzdem kann sich der Anstieg insgesamt sehen lassen: fast 13 Prozent Plus in zwölf Monaten. Das ist gut — es ist der größte Jahresgewinn seit 2013. Und nicht zu vergessen: Es war das sechste Gewinnjahr in Folge. Doch wie geht es jetzt weiter? Folgt nun das siebte Jahr, das mit einem Plus beendet wird?

Zur Einordnung lohnt wie immer der Blick auf das große Bild, angefangen bei der Wirtschaftsmacht Nummer 1, den USA. Dort brummt die Konjunktur, dass es eine Freude ist. Gleichzeitig wurde die Zinswende von der Notenbank Federal Reserve (Fed) schön behutsam eingeleitet. Auch gut: Die Maßnahmen der Fed haben bisher zu keinen allzu negativen Reaktionen an den Anleihe- und Aktienmärkten geführt. Im Gegenteil: Wie beim DAX wurden auch an der Wall Street neue Allzeithochs erreicht, getrieben vor allem von den großen Technologiewerten.

In Europa wiederum ist die Notenbank noch nicht so weit wie in den USA. Die EZB deutet das Ende der immer noch ultra-lockeren Geldpolitik lediglich an. Gleichzeitig sind die Leitzinsen immer noch auf null, um die südlichen, mit vielerlei Problemen belasteten Euroländer nicht in zusätzliche Bedrängnis zu bringen. Die Unternehmen wiederum scheinen überwiegend gut aufgestellt, nicht nur in Europa, sondern weltweit: Die Umsatz- und Gewinnzahlen verbessern sich von Quartal zu Quartal, und auch der Ausblick auf die kommenden Monate stimmt.

Die Rahmenbedingungen in Sachen Zinsen und Konjunktur, die passen also. Dazu sind die übergeordneten Trends am Aktienmarkt intakt. Insgesamt sind das also nicht die schlechtesten Aussichten für 2018. Außerdem ist es ja nach wie vor so, dass aufgrund der weltweit immer noch niedrigen Zinsen kaum Anlage-alternativen zur Verfügung stehen — auch wenn man dieses oft gebrauchte Argument vielleicht nicht mehr hören mag.

Dennoch sollte man sich als Aktienanleger 2018 nicht zu sicher fühlen. Es gibt ...

Mittwoch, 20. Dezember 2017

Harmonie ist eine Strategie

Es weihnachtet, und die Kurse steigen. Vor allem in den USA. Und das, obwohl die Notenbank Fed dort nochmals den Leitzins erhöht hat. Früher gab so etwas Anlass zur Sorge. Warum das aktuell nicht so ist. 

Das Börsenjahr ist so gut wie vorbei, und wenn man so will, dann hatten die Notenbanker das letzte Wort. Denn in der zurückliegenden Woche berieten sowohl die Europäische Zentralbank EZB als auch die US-Notenbank Fed über die künftige Geldpolitik. Aber gab es da noch mal verbalen Klartext der Herrschaften? Oder gar einen Paukenschlag?

Nun ja, Überraschungen wurden keine serviert, so viel ist klar. Die EZB etwa setzt weiter auf Kontinuität: So soll das Anleihekaufprogramm bis mindestens September 2018 fortgesetzt werden. Und auch der Leitzins wird niedrig bleiben. Hatte man so erwartet. Punkt.

Etwas mehr tat sich in den USA. Die Fed setzte den Leitzins um 0,25 Prozent nach oben, wodurch die Spanne jetzt bei 1,25 bis 1,5 Prozent liegt. So weit, so gut. Auch das war absehbar. Interessant ist jedoch, dass zwei Fed-Mitglieder gegen die Zinserhöhung stimmten. Anscheinend herrscht dann doch eine gewisse Unsicherheit, ob der eingeschlagene Kurs tatsächlich der richtige ist.

Der aktuelle sogenannte „Dot Plot“ der US-Notenbank, der die zu erwartende Zinsentwicklung darstellt, deutet gleichzeitig aber darauf hin, dass die Fed auch im kommenden Jahr die Zinsen erhöhen wird. Nämlich drei weitere Male. Stand jetzt. Gegenstimmen hin oder her.

Dass es bei der Fed nicht ganz so harmonisch in Sachen Meinungsbildung abläuft wie bei der EZB, liegt wohl daran, dass sich nach den jüngsten Wirtschaftsdaten zwar die Wachstums- und Arbeitsmarktaussichten verbessert haben — was für steigende Zinsen spricht —, es gleichzeitig aber keine negative Änderung bei den Inflationserwartungen gab. Was eher gegen Zinserhöhungen spricht.

Doch wie auch immer: Als Börsianer fragt man sich nun, ob sich die Zinserhöhungen in den USA denn irgendwann negativ auf die Börsenentwicklung auswirken werden...

Mittwoch, 13. Dezember 2017

Ein Zitat und was man daraus macht

Der legendäre Banker J. P. Morgan mahnte einst zum rechtzeitigen Ausstieg aus einer laufenden Aktienmarktrally. Aber wann ist „rechtzeitig“? Vermutlich später, als Mister Morgan dachte.

Von John Pierpont Morgan, besser bekannt als J. P. Morgan, einem der einflussreichsten Privatbankiers seiner Zeit, ist ein Zitat überliefert, das zur Bescheidenheit mahnt: „Ich bin reich geworden, weil ich die finalen 30 Prozent einer Aktienmarktrally anderen Leuten überlassen habe.“ Gesagt hat er das irgendwann Anfang des 20. Jahrhunderts. Lebte er heute noch, würde er den Satz vermutlich wiederholen — wenn er denn seinen Grundsätzen treu geblieben wäre. Denn es mehren sich ja schon seit Längerem die Anzeichen, dass die Börsenhausse, nun ja, etwas gedehnt ist. Sowohl was den Faktor Zeit angeht als auch den Faktor Bewertung.

Wer die Mahnung des ehrenwerten Mister Morgan im Gedächtnis behält, kann es aber dennoch riskieren, ein Stück von den finalen 30 Prozent abzubekommen. Denn anders als zu Beginn des 20. Jahrhunderts sind die Anlagealternativen derzeit heute schließlich rar gesät. Morgan hatte damals bessere Möglichkeiten, sein Vermögen mit guter Rendite umzuschichten.

Außerdem sind im Hier und Jetzt die kurz- bis mittelfristigen Indikatoren einfach noch zu positiv, um schon aus dem Aktienmarkt auszusteigen. Man sollte das nicht außer Acht lassen: Es gibt etliche Faktoren, welche die angesprochene zeitliche und bewertungstechnische Dehnung der Börsenrally relativieren. Wer ausschließlich darauf verweist, dass Aktien zu teuer sind oder die Rally schon viel zu lange läuft, tja, der hätte schon vor zwei oder drei Jahren aussteigen müssen.

Was sind das also für Faktoren, die man ...

Mittwoch, 6. Dezember 2017

Weiter, immer weiter

Der DAX hängt gerade etwas fest, dafür steigen die Kurse an der Wall Street weiter. Negative Faktoren bremsen kaum. Im kommenden Jahr könnte das anders werden. Die Gründe.

Es läuft. Vor allem an den US-Börsen geht es aufwärts. Dabei wird einem fast mulmig, derart stetig klettern die Kurse. Der Dow Jones etwa übersprang ganz locker die 24 000 Punkte. Und das, obwohl es ja immer wieder Gründe gibt, die gut genug wären für eine deutliche Korrektur. Aber die kommt einfach nicht. Wenn man so will, dann ist das durchaus ein Indiz für etwas zu viel „complacency“, wie man an der Wall Street sagt, für eine gewisse Sorglosigkeit der Börsianer. Und das wiederum ist eigentlich kein gutes Zeichen für die weitere Entwicklung.

Allerdings gibt es auch prima Argumente dafür, dass die Kurse weiter steigen: etwa die Gewinnentwicklung der Unternehmen als wichtigster Grund überhaupt. Denn wie man es auch dreht oder wendet — die Daten, die das amerikanische Forschungsinstitut FactSet zur Gewinn- sowie Umsatzentwicklung der US-Unter-nehmen in schöner Regelmäßigkeit liefert, sind schlichtweg überzeugend. Analog zum Aktienmarkt geht es auch mit ihnen aufwärts. Und das ähnlich stetig.

Was soll da also noch bremsen? Natürlich gibt es immer wieder politische Probleme, etwa rund um die Präsidentschaft von Donald Trump. Die Russland-Affäre zum Beispiel. Dann die beinahe gescheiterte Steuerreform. Aber letztlich wiegt das alles scheinbar nicht schwer genug. Vermutlich würde die Börse sogar ein von seinen Gegnern herbeigesehntes Amtsenthebungsverfahren gegen Trump positiv beurteilen. So nach dem Motto: Der dann designierte Nachfolger und aktuelle Vizepräsident Mike Pence wäre wohl noch marktfreundlicher und vermutlich auch berechenbarer als Trump.

Trotzdem dürfte 2018 kein Selbstläufer werden. Die ...