Dienstag, 18. Juni 2019

Der schwere Gang des Mr. Powell

Der Druck auf die US-Notenbank Fed ist enorm. Donald Trump fordert niedrigere Zinsen. Und auch am Markt werden Zinssenkungen erwartet. Jetzt kommt es auf die richtige Wortwahl an.

Wichtige Tage stehen bevor: Am Mittwoch tagt die US-Notenbank Fed und gibt vermutlich Hinweise darauf, ob, wann und wie oft sie in diesem Jahr die Leitzinsen senken wird. Dass sie dazu bereit ist, hatte sie unlängst in Aussicht gestellt.

Und jetzt hat ja auch noch die EZB vorgelegt und ultimative Lockerheit in Aussicht gestellt ...

Jefdenfalls kamen in der Vorwoche Sorgen über eine Beeinflussung der Fed durch die US-Regierung auf, nachdem Präsident Donald Trump — mal wieder — eine Zinssenkung gefordert hatte. Eine Einmischung, die ihm nicht zusteht. Der oberste Währungshüter, Jerome Powell, ist jetzt in einem Dilemma: Muss er Zeichen setzen und mögliche Zinsschritte verschieben?

Ohnehin wird am Markt viel erwartet. Geht es nach den Signalen, die Anleihekurse und Zinsentwicklung senden, dann rechnen die meisten Investoren ab Juli mit bis zu drei Zinssenkungen um jeweils 0,25 Prozentpunkte in diesem Jahr. Eine Menge Holz! Und eigentlich positiv für Aktien. Allerdings — und das ist die Krux an der Sache — könnte ein allzu aggressiver Notenbankchef Powell den Eindruck erwecken, er rechne mit dem Schlimmsten, etwa mit einem ausgewachsenen Handelskrieg mit China und einer dadurch stark nachlassenden Konjunktur. Und das wiederum dürfte dann zu einer Belastung für die Aktienmärkte werden.

Anders gelagert wäre die Sache, wenn es Powell schaffte, eine oder mehrere Zinssenkungen als eine Art „Versicherung“ zu etikettieren, die notwendig ist, um ...

Mittwoch, 12. Juni 2019

Aussitzen oder aushandeln

Das Treffen der G-20-Finanzminister war zäh. Das anstehende Treffen der G-20-Staatschefs dürfte nicht besser laufen. Es sei denn, zwei der mächtigsten Männer der Welt setzen sich endlich zusammen.

Die globalen Handelskonflikte haben auch das Treffen der G-20-Finanz-minister im japanischen Fukuoka belastet — das ist der Aufgalopp zum Treffen der Staatschefs am selben Ort am 28. und 29. Juni. Jedenfalls konnten sich die Finanzminister der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer nur mit Mühe zu einer gemeinsamen Abschlusserklärung durchringen. Ein Grund dafür dürfte die anhaltende Unsicherheit sein, ob sich die USA und China doch noch zu einem Kompromiss im schon so lange dauernden Handelsstreit aufschwingen können.

Zuletzt hatte US-Präsident Donald Trump seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping mit weiteren Importzöllen im -Volumen von 300 Milliarden Dollar gedroht, falls dieser nicht zu einer Zusammenkunft mit Trump kommen sollte. Anscheinend wollen sich die beiden beim Gipfel Ende des Monats treffen, die Volksrepublik hat eine mögliche Begegnung jedoch noch nicht bestätigt. Außerdem drohte Trump auch Mexiko erneut mit Strafzöllen, falls die Einigung der beiden Länder über das Thema Immigration im mexikanischen Parlament keine Zustimmung finde.

Interessanterweise hat die Börse auf das neuerliche Hickhack nicht mehr negativ reagiert. Im Gegenteil, die Kurse legten weltweit ordentlich zu, vor allem riskantere Investments wie Werte aus der Technologiebranche und China-Aktien.

Förderlich für die Kursentwicklung ist weiterhin die Politik der Notenbanken. Die Europäische Zentralbank hat erneut klargemacht, dass die Leitzinsen in der Eurozone frühestens im zweiten Halbjahr 2020 steigen werden. Es ist schlicht kein Inflationsdruck vorhanden...

Dienstag, 4. Juni 2019

Der Komödie nächster Akt

Weil der US-Präsident immer weiter am Poltern ist, nimmt die Furcht vor einem Einbruch der Weltkonjunktur zu. Noch ist offen, ob und wann Trump wieder zum Börsenfreund mutiert.

Erst China, nun Mexiko, vielleicht bald die EU. US-Präsident Donald Trump — selbst gewählter Spitzname „Tariff Man“ – scheint Zölle regelrecht als Allheilmittel zu sehen. Kaum ein Tag vergeht, an dem er nicht mit derlei Sanktionen droht oder sie gar schon konkret umsetzt. Bar jeglicher Vernunft, wie es scheint.

„Trump ist mit seiner Zollpolitik auf einem ökonomischen Irrweg und gefährdet damit zunehmend den Wachstumspfad der Weltwirtschaft“, sagt Robert Greil, der Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers. Greils Befürchtung: „Es wird immer klarer, dass sich die USA mit dieser Politik ins Abseits schießen.“ Daher rät er zur Vorsicht an den Aktienmärkten: „Je weiter sich die Konjunkturperspektiven eintrüben, desto unwahrscheinlicher wird ein positiverer Gewinnrevisionstrend.“

Eine Lösung im Streit zwischen den USA und China werde auf „absehbare Zeit“ sehr unwahrscheinlich, findet Mark Dowdin von der Investmentgesellschaft BlueBay. „Wir werden eher eine Verschärfung auf beiden Seiten erleben, mit 25-prozentigen Strafzöllen, wenn auch mit vielen Ausnahmen.“ Wer etwas optimistischer ist, hofft noch auf das G-20-Treffen Ende des Monats in Japan. Da kommen die Staats- und Regierungschef der großen Nationen zusammen, und ein Gespräch auf höchster Ebene könnte vielleicht doch noch Bewegung in die verfahrene Lage bringen. Denn Trump mag sich zwar als „Tariff Man“ sehen, allerdings eben auch als „Dow Man“, als einer, der positive Börsenentwicklungen für sich reklamiert.

Im Moment hat allerdings der „Tariff Man“ das Sagen. Wie stark die Verunsicherung an den Märkten deshalb inzwischen ist, zeigt recht gut die Entwicklung beim Öl, dem — im wahrsten Sinne des Worts — Schmiermittel der Weltkonjunktur: Der Ölpreis sackte zuletzt auf den tiefsten Stand seit März. Vom zwischenzeitlichen Hoch Ende April hat der Preis für die Sorte Brent aktuell etwa 13 Prozent abgegeben.

Manche sehen im Verfall des Ölpreises einen Hinweis auf eine kommende Rezession. ...

Dienstag, 28. Mai 2019

Eine Frage der Balance

Geduld ist gefragt an den Märkten. Solange der Streit zwischen China und den USA nicht mit einem Kompromiss endet, dürfte die Hängepartie an den Börsen anhalten.

Die Börsen hängen fest. Mal geht es ein wenig nach oben, dann wieder nach unten. Dieser unangenehme Zustand wird wohl noch eine Weile anhalten. Vermutlich so lange, bis sich US-Präsident Donald Trump und Chinas Präsident Xi Jinping zu einem dann hoffentlich klärenden Gespräch treffen. Das Problem daran: Die Herren werden sich wohl erst beim G20-Treffen in Osaka zusammensetzen, und das findet am 28. und 29. Juni statt. Es ist also Geduld gefragt. Bis dahin — da muss man kein Prophet sein — werden tagesaktuelle Nachrichten, Tweets und Gerüchte für mal heftige, mal weniger heftige Bewegungen an den internationalen Marktplätzen sorgen. Wie gewohnt.

Trump wird sich aber spätestens beim Gipfel entscheiden müssen. Einerseits sieht er sich gern als „Tariff Man“, als eine Art Superheld, der mit Zöllen den vermeintlich ungerechten Welthandel in den Griff bekommt. Zeitgleich spielt er aber auch gerne den „Dow Man“. Steigende Notierungen an der Wall Street sind für ihn ein Beweis für gute Politik. Dass Trump das Auf und Ab an der Börse nahezu obsessiv verfolgt, ist kein Geheimnis.

Das Dumme ist nur, dass die jüngsten Aktionen von Tariff Man seinem Alter Ego, dem Dow Man, so richtig in die Quere gekommen sind. Sprich: fallende Aktienkurse. Eine Koexistenz der beiden Persönlichkeiten, wie sie durchaus möglich war, als der Handelsstreit nur so ein wenig am Köcheln war, ist bei einer richtig krassen Eskalation der Streitigkeiten schlicht nicht möglich. Trump wird sich also entscheiden müssen.

Auffällig ist derweil, dass die Korrektur der US-Börse seit den Zoll-Tweets des Präsidenten recht überschaubar geblieben ist. Nicht einmal fünf Prozent ...

Freitag, 24. Mai 2019

Weiter, immer weiter ...

Der Streit zwischen den USA und China bremst die Börse aus. Ebenso die Konjunktur. Eine Lösung ist aber im Interesse aller.

Die Verschärfung des Handelskonflikts zwischen den USA und China hat zu einer gewissen Unsicherheit geführt — bei weltweit agierenden Unternehmen ebenso wie bei Anlegern und Investoren. Und diese Unsicherheit kann durchaus noch eine Weile andauern. Andererseits, und das ist die gute Nachricht, dürften beide Staaten aber weiter an einem Abkommen interessiert sein. Letztlich sollte sich die globale Erholung also fortsetzen, wenn auch etwas verzögert.

Dabei ist der anhaltende Zwist eigentlich paradox, waren doch beide Seiten nach den schwächeren ­Konjunkturaussich­ten und dem Börsenausverkauf Ende vergangenen Jahres durchaus bereit, zu einer Einigung zu kommen. Aber vielleicht bestärkten die zuletzt wieder verbesserte Wachstumsdynamik und die starken ­Aktienmärkte sowohl China als auch die USA darin, wieder auf Konfrontationskurs zu gehen.

So gab es sehr ermutigende Daten aus China: besseres Kreditwachstum, Immobilieninvestitionen und Importzahlen. Dazu kamen Verbesserungen im rest­lichen Asien und in Europa im Vergleich zu den sehr schwachen Daten von Ende 2018 und Anfang dieses Jahres.

Es ist jedenfalls so, wie es immer ist, wenn Dinge schieflaufen: Risikoanlagen werden verkauft. Und je riskanter, desto stärker der Verkauf. Das ist auch der Grund, warum ...

Mittwoch, 15. Mai 2019

Völlig vernagelt

Bisher gibt es bei den sino-amerikanischen Handelsgesprächen keinen Durchbruch. Beide Seiten sind stur, so scheint es. An den Börsen werden daher weiter Gewinne mitgenommen.

Verkaufslust ist gerade recht groß an den Börsen. Schuld daran hat, so die gängige Meinung, der Handelsstreit der USA mit China: Statt sich bald zu einigen, ist man wieder auf Konfrontationskurs. Ob nun US-Präsident Donald Trump den neuerlichen Zoff ausgelöst hat oder die chinesische Seite, ist da fast schon egal.

Allerdings — und das sollten gerade längerfristig orientierte Anleger im Hinterkopf behalten — hat die aktuelle Korrektur auch etwas Gesundes. Denn das bisherige Tempo der diesjährigen Börsenrally war zu hoch. Wäre es in diesem Stil weitergegangen, hätten sich die Märkte überhitzt, und so eine „Melt-up-Rally“ endet in der Regel böse, also mit einem Crash. Die jetzige Korrektur baut dem vor. Die Übertreibung wird „normal“ abgebaut. Das schmerzt zwar auch und dauert seine Zeit, aber schließlich ermöglicht eine Korrektur auch Gelegenheiten zum Nachkaufen. „Sellers are investor’s best friend“, heißt es so schön an der Wall Street.

Natürlich sind die möglichen Effekte eines weiter eskalierenden Handelsstreits eine Gefahr für die Konjunkturentwicklung. Die US-Bank Citigroup geht — im schlimmsten Fall! — von einem um 0,5 Prozentpunkte geringeren US-Wachstum aus, bei China wären es 1,6 Prozentpunkte weniger. Auch Europa käme nicht ungeschoren davon, die asiatischen Schwellenmärkte sowie Japan ebenfalls nicht.

Allerdings, und das muss man ebenfalls in Betracht ziehen, verfügt gerade die chinesische Seite über Mittel und Wege, das Ganze abzufedern: zum einen durch eine lockerere Geldpolitik und zum andern durch eine Abwertung der Landeswährung. Eine harte Landung der Konjunktur ...

Dienstag, 7. Mai 2019

Macht Trump die Rally kaputt?

Der Aufschwung war beeindruckend in diesem Jahr. Allerdings bremsen die neuesten Äußerungen des US-Präsidenten die Euphorie. Will er tatsächlich die China-Verhandlungen platzen lassen? 

Es ist schon spektakulär: Innerhalb von nur sieben Monaten hat der US-Leitindex S & P 500 um fast 20 Prozent nachgegeben, holte daraufhin alles wieder auf und übertraf zuletzt sogar die bisherigen Höchststände vom September 2018. Es sind dabei vor allem die Wachstumssektoren Technologie, Konsumwerte und Kommunikation, die den Aufschwung vorantreiben.

Woran liegt’s? Es sind vor allem die übergeordneten Themen, die für eine neue Sorglosigkeit an den Märkten in den zurückliegenden Monaten verantwortlich waren: keine Angst mehr vor einer Rezession, dazu vor allem die Trendwende der US-Zentralbank Fed zurück zur laxen Geldpolitik.

Allerdings könnte es mit der Sorglosigkeit vielleicht schon wieder vorbei sein. Bislang hatten die positiven Tendenzen beim Handelsabkommen zwischen den USA und China auch einen erheblichen Anteil am Börsenaufschwung. Doch dann twitterte US-Präsident Donald Trump, dass er die Strafzölle für China erhöhen will. Prompt brachen die Kurse ein. Die Verhandlungen mit China würden zwar fortgesetzt, sie verliefen aber „too slowly“, China wolle nachverhandeln.

Ganz offensichtlich wollte Trump noch einmal Druck aufbauen kurz vor dem Treffen der US-Unterhändler mit einer  großen chinesischen Delegation um Vize- Premier Liu He in Washington, parallel zum Druck dieser BÖRSE ONLINE. Ausgang ungewiss.

Dass vor allem die Makrothemen für die jüngste Börsenentwicklung verantwortlich sind, zeigt auch der Umstand, dass die Mikrothemen, also die Nachrichten auf der Unternehmens-ebene, eher durchwachsen waren und sind. So wurden die Gewinnschätzungen im Verlauf der Rally weiter abgesenkt, was wiede-rum dafür gesorgt hat, dass sich die Bewertungen — festgemacht am KGV — weiter ausgedehnt haben.

„Das aktuelle KGV des S & P 500 ist jedoch immer noch ...

Mittwoch, 1. Mai 2019

Kleine Pausen im großen Ganzen

Der Anstieg an den Märkten ist atemberaubend. Kleinere Korrekturen werden sofort zum Nachkaufen genutzt. Muss man sich jetzt also Sorgen wegen einer heftigeren Korrektur machen?

Ein Ereignis mit Seltenheitswert: Japans Kaisers dankt ab. Und weil die Thronfolge von Kaiser Akihito an Kronprinz Naruhito ordentlich gefeiert werden soll, geht in Japan in den kommenden zehn Tagen gar nichts mehr. Auch Anleger haben Pause, der Finanzmarkt hat zehn Tage geschlossen, Nikkei-Kurse gibt es erst wieder am 7. Mai.

Das ist schon eine Geduldsprobe, es läuft schließlich gut am japanischen Aktienmarkt. Wie an den anderen großen Börsen auch. Von den Tiefstständen im Dezember haben sich die Märkte insgesamt schnell erholt. Und die Dynamik ist außergewöhnlich. Es sieht nach einem neuen Bullenmarkt aus — trotz geopolitischer Sorgen, trotz schwächerer Konjunktur-daten, trotz USA-China-Streit, trotz Brexit.

Letztlich wurde von den Börsianern alles positiv interpretiert. „Gute Nachrichten sind gute Nachrichten, und schlechte Nachrichten sind noch viele bessere Nachrichten — denn dann kommen die Zentralbanken“, kommentiert David Wehner, Portfoliomanager bei Do Investment.

Gerade den Notenbankenaspekt und deren unterstützende Funktion kann man nicht oft genug hervorheben. Im Vergleich zum Vorjahr hat speziell die US-Notenbank Fed eine Wende um 180 Grad hingelegt: Liquidität ist weiterhin kein Problem an den Märkten. Zusammen mit technischen Faktoren hat dies dann letztlich zu der dynamischen Erholung an den Börsen weltweit geführt.

Zudem scheint die große Befürchtung vom Tisch, dass es zu einer globalen Rezession kommen könnte. Seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 erhoben sich zwar immer wieder einmal größere Wachstumssorgen, allerdings blieben diese regional begrenzt. Die Eurokrise in den Jahren 2011 und 2012 ist ein gutes Beispiel dafür. Ebenso die Sorgen um Chinas Wachstum in den zurückliegenden drei Jahren. Die Weltwirtschaft konnte dies aber jederzeit auffangen.

Und jetzt? Aktuell sorgt die amerikanische Zinsstrukturkurve für Sorgenfalten. Dieser Frühindikator liefert eigentlich eine Rezessionswarnung, weil ...

Donnerstag, 25. April 2019

Mein Name ist Hase ...

Die Berichtssaison startet – wichtige Wochen für die Börsen. Die Erwartungen sind nicht allzu hoch. Das lässt Raum für positive Überraschungen. Bringt das der Rally mehr Schub?

Jetzt gilt’s: An der Weltleitbörse in den USA stehen alle drei wichtigen Indizes im Bereich ihrer Allzeithochs: Dow Jones, S & P 500 und auch der Nasdaq 100. Gelingt also nun der nachhaltige Ausbruch nach oben, oder scheuen die Anleger die Hürde und es kommt noch einmal zu einem ordentlichen Kursrücksetzer?

Hierzulande läuft es ebenfalls gut — auch wenn die absoluten Rekordstände beim DAX noch ein gutes Stück entfernt sind. Immerhin knackte der deutsche Leit-index in der vergangenen Woche immer neue Jahreshöchstwerte. Am Gründonnerstag etwa notierte der Index so hoch wie seit einem halben Jahr nicht mehr.

Viel wird jetzt davon abhängen, wie die Ergebnisse der Berichtssaison ausfallen. Zahlreiche Konzerne dies- und jenseits des Atlantiks werden ihre Quartalsberichte vorlegen (siehe Termine rechts unten).Interessant dürfte dabei aber vor allem der Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr sein. Und da die Anleger in Sachen Berichtssaison eher pessimistisch eingestellt sind, besteht durchaus Potenzial für positive Überraschungen und damit für Kursgewinne.

Was die Rahmenbedingungen angeht, also die wirtschaftspolitischen Faktoren, sieht es derweil gar nicht so schlecht aus: Nach wie vor verfolgt die Europäische Zentralbank EZB eine ultralockere Geldpolitik. Ähnlich sieht es in den USA aus, mit der dortigen „Wende der Zinswende“.

Und was die Risiken angeht, die sich aus dem Brexit und dem Handelsstreit zwischen China und Amerika ergeben, so scheint dies inzwischen in den Börsenkursen „eingepreist“ zu sein. Außerdem dürfte vor allem letzteres Problem — wann auch immer — gelöst werden, schließlich will US-Präsident Donald Trump im kommenden Jahr wiedergewählt werden. Also wird er wohl Kompromisse finden, um seine Chancen nicht zu schmälern.

Dass die OECD ihre Wachstumspro-gnosen zuletzt deutlich gesenkt hat, für Deutschland, für viele europäische Länder und auch für die Wachstumslokomotive China, spielt derweil an der Börse spannenderweise kaum eine Rolle. Vielleicht, weil man dort vorausblickt und bereits den nächsten konjunkturellen Aufschwung kommen sieht?

„An den Aktienmärkten sehen wir den Kampf zwischen einer Liquiditätshausse und einer Fundamentalbaisse“, findet ...

Dienstag, 16. April 2019

Geduld, das Beste kommt noch

Die Börsen halten sich weiterhin gut. Auch weil die Notenbanken Ruhe geben und die Leitzinsen stagnieren. Jetzt kommt vieles auf die neuesten Gewinn- und Umsatzzahlen der Unternehmen an.

Larry Kudlow, der Berater von US-Präsident Donald Trump in Wirtschaftsfragen, hat neulich Drastisches zum Thema Leitzinsen von sich gegeben: „Ich glaube nicht, dass die Zinsen in absehbarer Zukunft steigen werden“, so der 72-Jährige. „Vielleicht steigen sie sogar nie mehr, solange ich noch lebe.“ Nun muss man wissen, dass Kudlow einst Moderator beim TV-Sender CNBC war und Lautsprecherei zu seinem Hand- respektive Mundwerk gehört. Deftig bleibt die Aussage dennoch, ganz egal, wie hoch seine ganz persönliche Lebenserwartung nun sein mag.

Pikant ist das Ganze aber auch deswegen, weil „der Markt“, also der Durchschnitt an Meinungen und Handlungen der Akteure am Zins- und Anleihemarkt, den so pointierten Herrn Kudlow bestätigt. Kurz gesagt: Am Leitzins tut sich bekanntlich seit dem Jahreswechsel nichts mehr, weil die US-Notenbank Fed seither „geduldig“ sein will. Parallel fallen die Renditen für Anleihen mit langen Laufzeiten, was man so deuten kann, dass die Anleger eher von einer Verlangsamung der Konjunktur ausgehen — und damit sogar von einem weiteren Sinken des allgemeinen Zinsniveaus. Sie kaufen konsequenterweise längerfristige Staatsanleihen, wodurch deren Renditen fallen.

Nun ist Kudlow aber nur der Berater des Präsidenten und nicht ein Teil des Fed-Offenmarktausschusses, des entscheidenden Gremiums in Sachen Leitzins. Und genau der sieht die Sache naturgemäß etwas differenzierter. Aktuell seien die Faktoren, die man dort besonders im Auge behält, „neutral“ — der US-Arbeitsmarkt, die Stimmung der Unternehmen sowie die globale Stabilität insgesamt. Ergo: kein Handlungsbedarf.

Bei näherer Betrachtung zeigen diese Faktoren aber auch, dass sich die Konjunktur in diesem Jahr wohl nicht verlangsamen wird. Im Gegenteil: Ein Risiko ...