Freitag, 26. Mai 2017

Tyson, Trump und was wichtig ist

Der Börsenaufschwung ist weiter robust. Doch wie lange noch? Vermutlich noch deutlich länger, als viele vermuten. Über Signale und Indikatoren, die die Richtung weisen.

Die Frage, wie lange diese Rally noch andauert, treibt uns an dieser Stelle ja schon länger um. Bislang war der Tenor: „Da geht schon noch was.“ Von kurzfristigen Konsolidierungen mal abgesehen. Und, um es vorwegzunehmen: Es bleibt bei dieser Einschätzung — im Großen und Ganzen besteht noch Luft nach oben. Trotzdem ist es nicht verkehrt, immer wieder die Parameter zu überprüfen, die uns irgendwann signalisieren werden, dass die Party vorüber ist. Und da gibt es so einiges zu checken!

Viele der wichtigen Daten haben ihren Ursprung in den USA — die Wall Street ist nun mal die Leitbörse. Wenn ein Bärenmarkt beim Dow Jones startet, wird sich der DAX dem sicher nicht entziehen können. Vier Bereiche gilt es also zu beachten: die Stimmung am Markt, technische Faktoren an der Börse, Signale vom Geld- und Kreditmarkt sowie generell die volkswirtschaftliche Entwicklung in den USA. Den Faktor Politik — Donald Trump — lassen wir mal beiseite.

Was den ersten Punkt, die Stimmung, angeht: Da darf man schon ein wenig mit den Augen rollen. Da macht etwa der einstige Boxchampion Mike Tyson Werbung für Trading-Accounts. „Fast, simple, safe“, so sein Slogan. Außerdem bieten immer mehr Emittenten stark gehebelte ETFs an. Bemerkenswert. Allerdings zeigen die Indikatoren insgesamt noch keine Euphorie an. Es scheint immer noch viel Cash nicht investiert zu sein. Die früher so oft zitierte Milchmädchenhausse findet also noch nicht statt. Punkt 1 auf der Checkliste ist also durchaus noch in Ordnung.

Der zweite Bereich sind die Bewegungen an der Börse selbst. In der Börsenhistorie war es ja immer so, dass bei nahendem Abschwung die „Marktbreite“ abnahm, also immer weniger Sektoren und Aktien neue Hochs erreichten. Gleichzeitig ...

Mittwoch, 17. Mai 2017

Alles in der Schwebe

Die Rally läuft und läuft. Zur Freude vieler. Aber auch zum Verdruss derjenigen, die viel Hoffnung auf eine deftige Korrektur gesetzt haben. Eine Geschichte mit vielen „Wenns“ und „Abers“.

Die Bären haben es so richtig schwer derzeit. Die Konsolidierungen sind kaum der Rede wert — bislang zumindest. Und auch die alte Börsenweisheit, dass man gefälligst im Mai zu verkaufen habe, hat (noch) nicht gegriffen. Dabei gäbe es doch so viele Argumente, die für fallende Kurse sprächen. Aber die scheinen nicht zu reichen für eine Trendwende.

Da ist beispielsweise der Fakt, dass die Börsenrally in die Jahre gekommen ist. Acht Jahre dauert sie schon an. Startdatum war der März 2009. Der DAX notierte damals bei 3670 Punkten, der S & P bei für manche satanisch anmutenden 666 Punkten. Aber wie es eben so ist: Eine Börsenrally stoppt nicht einfach nur, weil sie „gealtert“ ist. Da braucht es mehr. Etwa das Argument mit der Bewertung, was schon etwas mehr Sorgen macht. Das KGV ist überdurchschnittlich hoch, egal ob an Europas Börsen oder an den amerikanischen.

Und auch die Stimmung wird langsam etwas zu optimistisch. In den USA etwa kommen jede Menge gehebelte ETFs auf den Markt. Im Fernsehen laufen Werbefilmchen, die hoch riskante Börsengänge anpreisen. Wenn man so will, dann ist auch die Euphorie um Aktien wie Tesla vergleichbar mit dem Jahrtausendwende-Hype um Techstocks. Und ein letztes Argument für eine Trendwende: die Zinspolitik in den USA. Dort stehen schließlich weitere Zinserhöhungen an sowie Maßnahmen, um die Bilanzsumme der Notenbank Fed zu reduzieren.

Doch so einfach ist es dann doch nicht mit den schlauen Argumenten. Es reicht de facto nicht, dass Aktien teuer sind, um Kursverluste auszulösen. Dafür bedarf es schon eines ...

Mittwoch, 10. Mai 2017

Spaßvögel und Spaßbremsen

Bislang war es ein fulminantes Börsenjahr. Wichtige Ereignisse sind inzwischen abgehakt – etwa die Frankreich-Wahl. Da darf man dann schon mal ein wenig durchschnaufen. Der Ausblick.

Der Spruch ist so legendär wie der Name seines Urhebers lang: „Wir müssen den Leuten den Punsch wegnehmen, bevor die Party so richtiglosgeht“, sagte einst William McChesney Martin Jr. Der war in den 50er- und 60er-Jahren Chef der US-Notenbank Fed. Keiner hatte den Job länger inne als er: fast 20 Jahre. Gemeint hat er mit dem sprichwörtlichen Wegnehmen der „punch bowl“ die Zinspolitik der Notenbank. Der Zins müsse rechtzeitig erhöht werden, bevor die Konjunktur richtig Fahrt aufnimmt und überdreht. Oder um im Bild zu bleiben: Weg mit den alkoholischen Mischgetränken, bevor die Partygäste allzu übermütig werden.

Den undankbaren Job des Spielverderbers hat die US-Notenbank immer noch inne. Die potenzielle Spaßbremse heißt inzwischen Janet Yellen. Und die hat es wahrlich nicht leicht mit ihrer Aufgabe. Ihre jüngsten Kommentare jedoch sowie der Fakt, dass der US-Arbeitsmarkt nach einem durchwachsenen März im April richtig gut dastand, deuten aber darauf hin, dass die Fed im Juni wohl tatsächlich den Spaß ein wenig bremsen wird. Es steht eine weitere Zinserhöhung an. Insgesamt dürfte es dann für das Kalenderjahr auf drei Anhebungen hinauslaufen. Nun gut. Vermutlich verkraftbar für die Börse. Es entspräche dem Wegnehmen einiger Punschgläser. Kehraus ist anders.

Allerdings — und das wäre dann ein Problem — signalisieren einige Wirtschaftsindikatoren wie der Citigroup Economic Surprise Index nachlassendes Konjunkturwachstum. Und wir wissen ja: Sollten die USA schwächeln, dann wird auch Deutschland das mit Sicherheit tun. Wird die Fed also eventuell die Gläser zu früh wegnehmen? Wir hatten das ja schon einmal — kurz vor der Finanzkrise.

Und dann ist da noch etwas Wichtiges. Er mag ja ...

Mittwoch, 19. April 2017

Allez les bleus!

Die Börsen haben den Seitwärtstrend noch einmal verlängert. Auch wegen der Frankreich-Wahl. Dennoch gibt es gute Gründe für wieder steigende Kurse. Aber gleichfalls Risikofaktoren.

Die Frankreich-Wahl steht an. Und die Tonalität hat sich verschärft. Kandidat Emmanuel Macron beispielsweise attackierte Deutschland wegen der jahrelangen Handelsüberschüsse. Untragbar sei das. Nun denn, das muss er wohl sagen, er will schließlich — wenn denn alles so kommt, wie derzeit prognostiziert — die ähnlich aussichtsreiche Gegenkandidatin  Marine Le Pen spätestens im zweiten Wahlgang am 7. Mai schlagen. Da müssen es halt auch mal markige Worte sein.

Denn wer weiß schon, wer das Rennen tatsächlich macht. Noch immer sind viele Wähler in Frankreich unentschlossen. Diese Unsicherheit, was den Ausgang der Wahl angeht, zeigt sich auch an den Märkten. Die europäischen Indizes, wie der Euro Stoxx, der DAX oder der französische CAC 40, halten sich zwar recht gut und tendieren eher seitwärts, dafür sind aber Optionen zur Absicherung gegen mögliche Verluste nach der Wahl zuletzt immens teuer geworden.

Dennoch hat die aktuelle Phase der Stagnation an den Börsen nicht nur mit politischen Gründen in den Ländern der Europäischen Union zu tun. Eine Korrektur ist schlicht nötig. Seit der Wahl des US-Präsidenten im November ist nicht nur die Wall Street extrem gut gelaufen — sondern auch die Börsen im Rest der Welt. Der Hauptgrund dafür ist die tatsächlich erstaunlich robuste Weltkonjunktur sowie — sozusagen als Sahnehäubchen — die Aussicht auf Deregulierung und Steuer-erleichterungen in den USA.

Denn die wichtigste Triebfeder für steigende Aktienkurse ist und bleibt die positive Entwicklung der Unternehmensgewinne. Dies zeigt sich derzeit in den USA, wo die Berichtssaison für das erste Quartal des Geschäftsjahrs begonnen hat. Zwar hat erst eine Handvoll Unternehmen Einblick in die Bücher gewährt, doch sowohl die Ertrags- wie auch die Umsatzentwicklung ist bisher überdurchschnittlich gut ausgefallen.

Vielleicht noch wichtiger: Die Prognosen für die künftige Geschäftsentwicklung werden im Schnitt weiter angehoben. Und das nicht nur in den Vereinigten Staaten. Laut einer Analyse der US-Bank JP Morgan ist dies ein weltweiter Trend. Besonders positiv tun sich dabei ...

Mittwoch, 12. April 2017

Lücken im System

Stillstand auf hohem Niveau. Sollte es das tatsächlich schon gewesen sein mit der Korrektur? Was dafür spricht, was dagegen – und was nötig ist, damit die Kurse wieder steigen.

Zuletzt war es ja so an der Börse, dass es eine Art Auseinanderdriften gab, eine Diskrepanz zwischen den recht hohen Erwartungen einerseits und den harten Fakten andererseits, die den Hoffnungen bisher nicht ganz gerecht wurden. Noch nicht zumindest. „Die Stimmungsindikatoren sind stark gestiegen, die harten Konjunkturdaten spiegeln dies aber nur unterproportional wider“, sagt etwa Alexander Krüger, Chefvolkswirt vom Bankhaus Lampe.

Nun ist es aber so, dass so eine Lücke irgendwann geschlossen werden muss, das ist klar. Und dafür gibt es letztlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder indem die harten Fakten, also die Wirtschaftsnachrichten und die Unternehmensergebnisse, den Erwartungen schlicht und einfach gerecht werden. Oder indem die Kurse nachgeben, weil man vielleicht doch etwas zu optimistisch war.

Eine Korrektur ist also eine der Möglichkeiten. Die gab es ja auch — wenn auch nicht besonders ausgeprägt. Womit nun die Frage im Raum steht: War es das schon? Hat dieses relativ kurze und moderate Seitwärtsgeschiebe ausgereicht, um den überhitzt wirkenden Markt abzukühlen? Und wenn dem so ist, geht es nun einfach weiter mit der Rally? Vielleicht wird aber auch nur abgewartet. Nach dem starken ersten Quartal sitzen die großen Anleger auf ordentlichen Gewinnpolstern, müssen also nicht unbedingt investieren.

Was dennoch für eine Fortsetzung der Rally spricht, ist der Fakt, dass die positiven Nachrichten und Indikatoren sich nicht nur auf die USA beschränken. Von wegen nur Trump-Rally. Oder nur auf Europa, weil da politisch und wirtschaftlich die Zeichen doch eher auf Kontinuität hindeuten — mal abgesehen von einem gewissen Restrisiko, was die Frankreich-Wahl angeht. Nein, insgesamt scheint der Aufschwung tatsächlich globaler Natur zu sein. Jeffrey Gundlach, Kapitalmarktstratege der Investmentfirma Double Line Capital spricht vom „most synchronized upturn“ seit Jahren. Überall drehe es nach oben, in den entwickelten Ländern genauso wie in den Schwellenmärkten. In den Vereinigten Staaten, in Europa, in Lateinamerika, in Asien. Die Gretchenfrage dürfte aber sein, ob und wie lange es bei diesem bisher so überraschend positiven Momentum bleibt.

So manch einer ist da ...

Mittwoch, 5. April 2017

Typisch gierige Anleger

In Spätphasen einer Börsenrally sind Übertreibungen durchaus normal. Kritisch wird es aber erst, wenn die gute Stimmung in Euphorie umschlägt. Eine Standortbestimmung.

Das fällt auf: An Europas Börsen ging es in den zurückliegenden Tagen nach einer Mini-Korrektur schnell wieder bergauf, DAX inklusive. Der kratzte ja zuletzt sogar am Allzeithoch. Die amerikanischen Märkte können indes nicht ganz Schritt halten. Auch der Nikkei in Japan nicht. Da ist die Korrektur viel ausgeprägter. Seltsam. Was soll man davon halten? Werden die Anleger in Europa langsam gierig? Sind das erste Warnzeichen?

Untypisch wäre eine gewisse Gier ja nicht für die derzeitige Phase des Börsenaufschwungs. Die Vergangenheit hat es schließlich immer wieder gezeigt: Gerade in den späten oder finalen Abschnitten einer langen Rally tendiert man an den Märkten zu Übertreibungen. Und dass die Rally fortgeschritten ist, dafür gibt es einige Indizien: Die Inflation zieht an, die Renditekurve ist recht flach, die Bewertungen an der Börse sind relativ hoch, und die Lust am gehebelten Investment nimmt zu. So etwas sieht man typischerweise und ausgeprägt am Ende einer Bullenphase.

Doch trotz dieser steigenden Risikobereitschaft und einer gewissen Gier ist es bislang noch nicht zu einer übertriebenen Euphorie gekommen. Und das ist wiederum positiv und deutet an, dass diese nun schon seit 2009 andauernde Rally wohl immer noch nicht zu Ende ist.

Dass die Gier zunimmt, ist natürlich trotzdem ein Warnsignal. Und statt einer Mini-Korrektur wie zuletzt sollten Anleger durchaus damit rechnen, dass es auch mal wieder um fünf oder gar zehn Prozent nach unten geht. Etwa, wenn es die US-Regierung nicht schaffen sollte, eine vernünftige Steuerreform unter Dach und Fach zu bringen. Dann wären die in froher Erwartung gestiegenen Kurse nicht zu rechtfertigen. Mittel- bis langfristig jedoch wird der Bullenmarkt nur dann tatsächlich ein Ende finden, wenn eine Rezession nicht mehr zu vermeiden ist. Und danach sieht es derzeit einfach nicht aus. Die wichtigen globalen makroökonomischen Indikatoren sind nach wie vor positiv, ebenso auch die Entwicklung der Unternehmensgewinne weltweit.

Trotzdem sollten Anleger ...

Mittwoch, 29. März 2017

Hohe Erwartungen

Pause an der Börse. In den zurückliegenden Tagen kam es zu einer Korrektur an den Märkten. Und es wäre gut, wenn diese noch etwas anhalten würde. Es muss doch noch einiges verdaut werden.

Da hat sich doch tatsächlich die Tonlage an den Börsen geändert. Ein bisschen wenigstens. Bislang hatte man die weltweite Rally und den Optimismus zu einem guten Teil dem Bohei um die angekündigten US-Wirtschaftsreformen zu verdanken. Jetzt — und die News kommen erneut aus den USA — ist die Stimmung mit dem dortigen Scheitern der Gesundheitsreform plötzlich pessimistischer.

Zumindest ist das kurzfristig so. Eine Korrektur war an den Märkten ja ohnehin überfällig. Aber ob das ein Grund ist, das Ende der Rally auszurufen? Es sieht eigentlich nicht danach aus. Die Stimmung in der Unternehmenswelt ist nach wie vor positiv. In den USA wie auch in Europa. Ähnliches gilt für die Konsumenten diesseits und jenseits des Atlantiks. Jedoch sind die Erwartungen insgesamt doch recht hoch, vielleicht sogar zu hoch. Und genau das ist das Argument der Pessimisten: Das Potenzial für Enttäuschungen ist wegen der Erwartungshaltung immens. Es scheint daher klar: Nach dem Debakel mit der Gesundheitsreform liegt nun viel am Gelingen einer vernünftigen Steuerreform. Das sollte besser nicht schiefgehen.

Das Ganze sorgt natürlich für Unruhe an den Märkten. Trotzdem wäre es verkehrt, von einem Ende der Aktienrally auszugehen. Natürlich hat der Kursanstieg der zurückliegenden Monate viel mit der Trump-Euphorie um Deregulierung und Steuererleichterungen zu tun. Aber eben nicht nur. Die Konjunktur entwickelt sich nämlich weltweit recht positiv.

In China etwa. Ebenso in Europa — und das trotz Brexit, trotz Unsicherheiten um den Wahlausgang in Frankreich, trotz Querelen um Griechenland. Gut zu sehen ist das immer wieder am wichtigen Einkaufsmanagerindex, der von Monat zu Monat positiv überrascht. In Europa, in Asien, in den USA. Und weil dieser vorlaufende Indikator doch recht zuverlässig ist, wenn es um die Entwicklung der Weltwirtschaft geht, darf man weiterhin auf mittlere Sicht optimistisch bleiben. Dazu passt ja auch, dass sich die Unternehmensgewinne erfreulich entwickeln.

Ein weiterer Aspekt, der für Aktienkäufe spricht, ist der Umstand, dass die globale Zinspolitik ...

Dienstag, 21. März 2017

Tanklaster mit Nitroglycerin

Die US-Notenbank Fed hat die Zinsen erhöht. Gleichzeitig betont die Politik die Wichtigkeit des bedrohten Freihandels. An den Märkten reagiert man darauf recht gelassen. Warum das so ist.

Sie hat es also getan: Die US-Notenbank Fed hat den Leitzins erhöht. Zum dritten Mal nach Dezember 2015 und Dezember 2016. Erneut ging es um  0,25 Punkte nach oben, womit der Zins nun bei einem Prozent notiert. Das vielleicht etwas Seltsame daran: Für Anleger fühlte sich die Aktion eher wie eine Zinssenkung an. Am Anleihemarkt gingen die Renditen nämlich runter, am Aktienmarkt ging es rauf. Alles gut also?

Schwarzseher hatten im Vorfeld ja schon die Apokalypse heraufziehen sehen. David Rosenberg etwa vom Thinktank Mauldin Econmics: „Seit dem Zweiten Weltkrieg gab es 13 Zinserhöhungszyklen, und zehn davon haben zu einer Rezession geführt.“ Oder Bill Gross, der bekannte Fondsmanager, der meinte,  dass das hoch gehebelte Finanzsystem ein Tanklaster sei, der beladen mit Nitroglycerin eine abschüssige Straße hinunterfahre. Wer hat da jetzt recht? Die Gurus? Oder die Leute am Anleihemarkt? Alles gut oder alles Vorboten schlimmer Zeiten?

Beginnen wir mit dem Risiko. US-Zinserhöhungen gehören definitiv dazu. Jedoch sollte man unterscheiden. Das Analyseunternehmen Ned Davis hat herausgefunden, dass es einen Unterschied macht, ob das Tempo der Zinsschritte langsam oder hoch ausfällt. Wobei Letzteres besonders gefährlich ist für die Wirtschaftsentwicklung und den Börsenverlauf. Der aktuelle Erhöhungszyklus gehört jedoch zu den langsamen und ähnelt denen von 1946 und 1963. In beiden Fällen waren die Folgen für die Wirtschaft eher glimpflich. Und die Börse gab im Anschluss an den dritten Zinsschritt in der Spitze jeweils um zehn Prozent nach.

Andere Risikofaktoren sind die hohen Bewertungen, dazu die deutlich gestiegene Kauflust der Kleinanleger, eine gewisse Sorglosigkeit am Markt sowie der Anstieg der Inflation. Gerade Letzteres ist nicht ohne, denn die steigenden Inflationsraten sind inzwischen ein globales Phänomen. Trotzdem agieren die großen Notenbanken immer noch völlig asynchron. Das jedoch kann nicht ewig weitergehen, der Druck gerade auf die Europäische Zentralbank und die Bank of Japan nimmt zu.

In Summe scheinen die Risikofaktoren aber beherrschbar. Ein Trigger, ein aktueller Auslöser für eine echte Bärenmarktphase, ist ...

Mittwoch, 15. März 2017

Mehr, immer mehr

Es scheint, als ob an den Börsen die Gier derzeit den Verstand überwiegt. Hohe Bewertungen werden ignoriert. Das muss Anlegern, die ein paar Grundregeln beherzigen, dennoch keine Sorgen machen.

Das ist ja schon eine tolle Sache: Die Börse hat so richtig Momentum. Sie läuft und läuft. Fast reibungslos. Nicht wie ein Perpetuum mobile. Aber vielleicht wie ein Elektromotor mit Schwungmasse, der ein ab und zu mal auftretendes Stottern einfach und fließend überwindet. Momentum eben. Und das macht es leicht, weil man als investierter Anleger eigentlich nur eins machen muss: laufen lassen. Und den Stoppkurs nachziehen, wenn man so ein Instrument überhaupt anwendet.

Momentum also. Das ist das Zauberwort. Der Begriff Bewertung dagegen, tja, der scheint zweitrangig. Gebraucht wird das Argument zwar gern, und zu Recht  kann man deswegen Zweifel an der Rally haben, doch gegen das Zauberwort Momentum kommt die Bewertung gerade einfach nicht an. Wir haben das in der vorangegangenen Ausgabe an dieser Stelle ja schon geschrieben: Die Bewertung ist recht hoch, sie scheint etwas gedehnt oder überdehnt. Aber so ist das eben an der Börse: In einer ausgeprägten Rally-Phase zieht der Faktor Bewertung einfach nicht recht. Auch wenn das manchen vielleicht ärgert, gilt derzeit anscheinend die simple Börsenregel: Teure Märkte können noch teurer werden. Und Kurse fallen nicht zwangsläufig, auch wenn schon sehr viele Investoren längst jede Menge Geld in den Markt gesteckt haben. An der Wall Street nennt man das einen „Crowded Long“. Aber: Die Bewertung liefert in einem solchen Marktumfeld immerhin eines — eine Kennzahl, die etwas über das Risiko aussagt. Und das nimmt zu.

Die Erwartungen an der Börse sind hoch. Nehmen wir den Faktor Politik: Allein die Tatsache, dass in den USA die Republikaner den Präsidenten und beide Kammern des Kongresses stellen, hat dafür gesorgt, dass „Animal Spirits“ (O-Ton „Wall Street Journal“) die Bewegungen an der Börse dominieren. Die Gier eben. Und die ist groß. Hier dagegenzuhalten und etwa auf fallende Kurse zu spekulieren, kann höchst gefährlich sein. Zumal ja trotz der Zinserhöhungstendenzen in den USA in anderen Regionen, namentlich in Europa und Japan, die Notenbanken auch weiterhin für frisches Geld sorgen und somit die Gier der Börsianer nicht wirklich bremsen.

Vielleicht sollte man als Anleger in der aktuellen Phase also anderen Indikatoren mehr Bedeutung schenken als den Bewertungen. Ein Blick auf ...

Donnerstag, 9. März 2017

Hipp, hipp, hurra

Aufwärts geht's. Ohne Zwischenstopp. Aber wie lange noch? Kurzfristig mahnt inzwischen einiges zur Vorsicht. Langfristig scheinen die Dinge noch in Ordnung zu sein. Jedoch mit einem Aber.

Das vielleicht meistbenutzte Attribut für die Börsenentwicklung der zurückliegenden Wochen war wohl der schöne Begriff "Allzeithoch". Zumindest für die Anleger, die investiert waren und sind, sei es im DAX, Dow Jones oder Nasdaq, oder auch an den Börsen in Fernost, in China etwa. Denn ein Rekord folgte auf den anderen. Vielleicht ist auch deswegen so langsam aber sicher Vorsicht angesagt. Kurzfristig jedenfalls. Denn was die Bewertung am Markt angeht, ebenso wie den Ausblick für die Zinsen, das Wirtschaftswachstum und die Börsenpsychologie, nehmen die Warnsignale nun doch zu.

Demgegenüber steht die politische Entwicklung - gerade die in Washington. Denn die wird anscheinend immer noch als positiv für die Börse eingeschätzt, zumal in einer neulich gemachten Umfrage gleich drei Viertel der US-Anleger angaben, dass sie den Faktor Politik als ausschlaggebend für die kommenden sechs Monate an der Börse sehen. Es scheint klar: Alles was da an Vorstößen kommt in Sachen Steuer-und Fiskalpolitik dürfte für ordentlich Volatilität am Markt sorgen.

Doch zu den Warnsignalen. Natürlich kann man trefflich streiten, was denn nun eine angemessene Bewertung ist und was nicht. Und es gibt viele Methoden, wie man sie messen kann. Etwa mit dem Fair-Value-Ansatz von Morningstar, der von aktuell vier Prozent Überbewertung ausgeht. In der Vergangenheit war es eigentlich immer so, dass ab diesem Stadium weitere Kursgewinne eher schwierig zu erreichen waren.

Ein weiterer Punkt für Vorsicht ist die Zinsentwicklung. Die in den USA jedenfalls, in Europa ist ja von einer Zinswende eigentlich so gar nichts zu sehen. Auffällig ist derweil, dass ...