Dienstag, 2. Juni 2015

Zeit, dass sich was dreht

Die Börsen stagnieren weiterhin. Zu Beginn des Jahres ging es wohl zu schnell und zu weit nach oben. Zudem belastet die Griechenland-Krise. Und in den USA sorgt ein technischer Faktor für Unsicherheit.

Es wird ernst für Griechenland: Mehr als eine Milliarde Euro sind im Juni insgesamt fällig, und — Stand 2. Juni —  neue Kredite nicht in Sicht. Ein Geduldsspiel das Ganze. Für die Beteiligten und auch für Anleger. Denn solange die Politik keine nachhaltige Lösung findet, bildet sich wohl auch beim DAX kein vernünftiger Trend aus. Am Freitag jedenfalls muss Griechenland zum ersten Mal in diesem Monat so richtig Farbe bekennen und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) gut 300 Millionen Euro zurückzahlen. Ob man das schafft? Vermutlich ja. Mit dem üblichen Durchwurschteln. Und wenn es sein muss, auch mit Notfallkrediten.

Eine Staatspleite ist nämlich so schnell nicht zu erwarten. Auch ein „Grexit“, ein Ausscheiden aus der Eurozone scheint immer noch sehr unwahrscheinlich. Mag zwar sein, dass ein solcher Schritt langfristig die beste aller Lösungen ist, aber wer will den Märkten die dann mit Sicherheit folgenden Turbulenzen zumuten? Nach ­angeblichen Aussagen von IWF-Chefin Christine Lagarde, dass der Austritt Griechenlands „eine Möglichkeit“ sei, rudert der IWF jedenfalls ordentlich zurück und behauptet nun das Gegenteil. Lagarde sei da falsch wiedergegeben worden. Nur nicht zu viel Wind machen.

Weiterhin also eine Pattsituation an der Börse — wie schon in der vergangenen Woche beschrieben. Denn nicht nur das Hin und Her in der Griechenland-Krise belastet die Börse. Die Aktienmärkte sind schlicht in den ersten fünf Monaten des Jahres „zu gut“ gelaufen. Zu schnell, zu weit. Mag sein, dass sich die Überhitzung in den vergangenen Wochen zwar deutlich abgebaut hat; weil aber die Bewertungen am Markt immer noch recht hoch sind, ist auch die Korrekturanfälligkeit weiterhin hoch — sei es nun beim DAX oder bei Dow Jones und Nasdaq Composite.

An den US-Börsen kommt noch ein technischer Faktor erschwerend hinzu. Zwar hat der Dow-Jones-Industrials-Index in ...

Dienstag, 26. Mai 2015

Verflixte Pattsituation

Der Börsenmonat Mai ist fast vorbei. Ein turbulenter Monat für die Aktienmärkte. Und es scheint so, als ob es weiterhin volatil bleibt. Gute Gründe für steigende Kurs gibt es – aber auch für fallende.

Nach wie vor ist das nichts für Nervenschwache. Beim DAX geht es weiter hektisch hin und her. Etwa am Dienstag: Zum Handelsstart rauf auf fast 11 930 Punkte, so hoch wie zuletzt Ende April. Dann runter auf 11 680 Punkte. 250 Punkte Handelsspanne innerhalb von nur 30 Minuten. Das strengt an. Dabei schien sich das in den Tagen davor zu ändern. Man hatte den Eindruck, dass wieder mehr Ruhe einkehrt an den Märkten. Denkste, trügerisch das Ganze.

Anscheinend war es wohl so, dass sich vor dem verlängerten Pfingstwochenende keiner so recht aus der Deckung wagen wollte. Die Umsätze vor den Feiertagen waren mickrig. An der Wall Street etwa wurde so wenig gehandelt wie zuletzt am ersten Handelstag des Jahres. Der Effekt: Die US-Indizes und der DAX bewegten sich in den zurückliegenden Tagen unterm Strich kaum von der Stelle. Der DAX pendelte zwischen 11 750 und 11 890 Punkten. Dann der fulminante Dienstag. Schluss mit Pendelei, zurück zur Hektik.

Es ist ja auch schwierig. Man könnte von einer Pattsituation an der Börse reden. Und von einer Pattsituation, was die weitere Entwicklung der Wirtschaft angeht. Beispiel USA: Die Konjunktur hat zuletzt an Schwung verloren, allerdings geht man davon aus, dass sich die Dinge in der zweiten Jahreshälfte zum Besseren wenden. Was also tun als Börsianer, bevor es für ...

Dienstag, 19. Mai 2015

Strapazierte Nerven

Es geht hin und her. Die Tagesschwankungen beim DAX sind enorm. Unterm Strich sieht es inzwischen aber gar nicht mehr so schlecht aus für wieder steigende Kurse.

So schlecht zeigt sich der Aktienmarkt derzeit nicht. Allerdings ist er hochgradig volatil. Der DAX schwankt weiter stark. Tagesausschläge von 200 Punkten und mehr sind der Normalfall. Das strapaziert die Nerven. Und die sind ja ohnehin angeschlagen, hat der deutsche Leitindex doch seit seinem Allzeithoch von rund 12 400 Punkten in der Spitze 9,9 Prozent verloren. Das ist eine Menge Porzellan, das da zerschlagen wurde. So verwundert es auch nicht, dass manch einer noch weit tiefere Kurse erwartet, bis ein Boden tatsächlich und nachhaltig erreicht ist. Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank beispielsweise hat neulich gesagt, dass der deutsche Leitindex im schlimmsten Fall bis Mitte Juni auf 10 700 oder gar 10 500 Punkte abrutschen kann. Das wäre noch mal richtig viel.

Mit ein Grund für das heftige Hin und Her ist die Lage am Devisenmarkt. So hat der Euro in den vergangenen Wochen deutlich zugelegt. Von Parität ist längst keine Rede mehr. Und so wie der fallende Euro eine Triebfeder für die DAX-Rally war, so sorgte der steigende Euro für wieder fallende Kurse. Allerdings scheint sich der Wechselkurs Euro/Dollar langsam zu stabilisieren — wir haben das ja schon vergangene Woche geschrieben. Im Umkehrschluss könnte das bald auch die Volatilität am Aktienmarkt etwas bremsen.

Dann waren da noch die plötzlichen Unruhen am Anleihemarkt. Die Kurse der Staatsanleihen verloren so viel wie seit vier Jahren nicht mehr — entsprechend umgekehrt kletterten die Zinsen nach oben. So stieg beispielsweise die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen von 0,07 auf 0,72 Prozent, die Rendite zehnjähriger US-Treasuries von 1,8 auf 2,2 Prozent. Innerhalb kürzester Zeit. So was gab es laut Barclays-Analysten in den vergangenen 15 Jahren nur zweimal. Doch was war der Grund dafür?

Eine mögliche Erklärung liefern die Inflationserwartungen. Die sind plötzlich gestiegen, was naturgemäß zu Bewegungen am Zinsmarkt führt. Dass die Inflations­erwartungen zugenommen haben, liegt unter anderem am Ölpreis, der seit März um fast 40 Prozent gestiegen ist. Ein weiteres Argument ist die Tatsache, dass es durchaus möglich ist, dass das Wirtschaftswachstum in Europa in den kommenden Quartalen stärker ausfällt als bislang erwartet. Auch das hebt die Inflationserwartungen und ist damit Grund genug für ein höheres Renditeniveau. Alles gute Argumente. Vielleicht ist es aber noch viel einfacher: Der „Crash“ am Anleihemarkt liegt schlicht daran, dass es dort in den vergangenen Monaten zu stabil war. Dass sich an eine solche Phase irgendwann eine drastische Korrektur anschließt, ist da nur normal. Der amerikanische Ökonom Hyman Minsky hat dazu mal eine schöne These formuliert.

Apropos Inflationsziele: Der Chef der Europäischen Zentralbank Mario Draghi hat ja zuletzt erneut bekräftigt, dass man die expansive Geldpolitik weiterhin so lange beibehalten werde wie nötig — bis die gesteckten Inflationsziele tatsächlich und nachhaltig erreicht werden. Eine gute Ansage, hatte man sich doch schon Sorgen gemacht, dass die derzeit leicht steigende Geldentwertung die EZB dazu bringen werde, das Anleihekaufprogramm vorzeitig zu beenden. Den Anleihecrash hat Draghi damit jedenfalls gestoppt. Seither hat sich die Lage bei den Bundesanleihen wieder beruhigt. Und ebenso die Lage am Aktienmarkt.

Dienstag, 12. Mai 2015

Reinigendes Gewitter

Seit Mitte April ging es am deutschen Aktienmarkt bergab. Inzwischen stehen die Chancen aber gut, dass der Markt einen Boden gefunden hat und die Kurse wieder steigen.

War es das mit dem Abwärtstrend? Der DAX hat das ja ganz schul­buchmäßig gemacht seit Mitte April: Korrektur in drei Schüben, jeweils unterbrochen von einer Zwischenrally. Und alles verbunden mit richtig hoher Volatilität — Tagesbewegungen von mehre­ren Hundert Punkten. Und dazu noch ein panikartiger Abverkauf bis unter 11 200 Punkte. War es das also jetzt?

„Deutsche Aktien waren Anfang April überkauft“, meint Robert Halver, Aktien­experte von der Baader Bank. „Was wir jetzt sehen, ist ein reinigendes Gewitter, eine vorübergehende Korrektur“, sagt er. Und in der Tat, es sieht nicht schlecht aus. Gerade der starke Anstieg am Freitag der Vorwoche macht Hoffnung. Vor allem zwei Gründe gab es dafür: Da war der überra­schende Wahlsieg der Konservativen in Großbritannien, der die Sorge vor einem Austritt des Königreichs aus der Europäi­ chen Union erst einmal verdrängt hat. Und da waren die durchwachsenen Ar­beitsmarktdaten aus den USA, die die Hoff­nung nähren, dass die US-Notenbank Fed doch eher vorsichtig mit Zinserhöhungen umgehen wird. Hinzu kommt ein dritter Punkt: Auch wenn der Ukraine­-Konflikt ein wenig aus dem Fokus der Weltöffentlich­keit gerückt ist, so ist es doch beruhigend, dass es Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Treffen mit dem russischen Präsiden­ ten Wladimir Putin am Wochenende gelun­gen ist, trotz aller Differenzen weiterhin mit ihm im Gespräch zu bleiben.

Die Überhitzungen bei DAX und Euro Stoxx scheinen sich also abgebaut zu haben. Ähnliches gilt für den US-Dollar, der gegenüber dem Euro in der ersten Jah­reshälfte ja immens aufgewertet hat. Von kommender Wechselkursparität war da wochenlang die Rede. Investmentbanken wie Goldman Sachs gaben gar Kursziele von 0,85 Euro für den Dollar aus. Das Ge­genteil aber ist passiert, der Euro hat sich gefangen. Mit zwei Effekten. Der erste: Die Trendumkehr hat den DAX erst mal ausgebremst, war man doch dank des immer billiger werdenden Euro von fantastischen Gewinnschüben bei den Exportunternehmen ausgegangen. Effekt zwei: In den USA ist man inzwischen recht erleichtert, mussten sich die dortigen Exportunternehmen doch immer mehr Sorgen um ihre Wettbewerbsfähigkeit machen. Letztlich gilt für den Dollar, was auch auf den Ölpreis zu- trifft: Dramatische Preis- und Kursänderungen sorgen hier immer auch für dramatische Verwerfungen am Aktienmarkt. Dass sich das Auf und Ab nun beim Öl wie beim Dollar beruhigt hat, ist daher ein gutes Zeichen für die Börsen weltweit.

Also: Es ist ruhiger am Ölmarkt, und es ist ruhiger am Devisenmarkt. Die Politik der Europäischen Zentralbank EZB ist wei-terhin klar expansiv. Ähnliches gilt für die Politik der US-Notenbank — egal, wann die Zinserhöhung nun kommt, scheint doch klar, dass absolut gesehen das Niveau der amerikanischen Leitzinsen langfristig auf richtig niedrigem Niveau bleiben wird. Das Fundament für eine positive Entwicklung der Weltwirtschaft in der zweiten Jahreshälfte ist damit eigentlich gelegt. Und das wiederum dürfte viele überraschen, ging man doch nach den schwachen Zahlen des ersten Quartals — gerade in den USA — bisher eher von einer Abschwächung aus. Die Börsenstimmung — sowohl in Europa als auch in den USA — zeigt dies auch durchaus an. Die Mehrzahl der Anleger ist eher neutral, hat keine Meinung zum weiteren Marktgeschehen oder ist gar pessimistisch — ein Kontraindikator, denn bei Pessimismus gibt es noch Potenzial für Käufe. Für die weitere Entwicklung der Aktienkurse ist das ein gutes Zeichen.

Dienstag, 21. April 2015

Die Rückkehr der Volatilität

Der Mai steht vor der Tür. Und prompt wird man durch ein heftiges Auf und Ab beim DAX an die alte Börsenweisheit „Sell in May and go away“ erinnert. Es wird schwieriger an der Börse.

Es schwankt. Es schwankt sogar gewaltig beim DAX. 800 Punkte runter, dann 400 Punkte wieder rauf. Das sind wir so nicht mehr gewohnt. Vielleicht war es doch etwas zu einfach in den vergangenen Wochen? Dieses stetige Bergauf, das nur ein einziges Mal unterbrochen wurde, von einem fünfprozentigen Wackler Ende März. Jetzt also wieder mehr Volatilität am Aktienmarkt.

Dabei gab es für den „Absturz“ am vergangenen Donnerstag und vor allem am Freitag nicht wirklich gewichtige Gründe. Gut, der Freitag war ein „kleiner Verfallstag“ an den Terminbörsen, und da kann es schon mal zu solchen Kurskapriolen kommen. Dann war da noch die Sache mit den Bloomberg-Terminals, die weltweit einige Stunden nicht funktionierten, wodurch eine Menge Orders erst mal nicht abgewickelt werden konnten. Aber deswegen ein solcher Sturz beim DAX bis auf 11 630 Punkte? Allerdings könnte man sagen: Vielleicht genau deswegen! Denn es war ja weniger das Ausmaß des Kursrutsches — das war schlicht im Rahmen des üblichen einer normalen Korrektur — als die rasende Geschwindigkeit, die irritierte. Und wenn es derart schnell geht, sind eher „technische“ Gründe gar nicht so abwegig.

Vielleicht hätte man die Korrektur aber auch kommen sehen können. Das Kaufinteresse jenseits der 12 200er-Marke hatte zuletzt doch deutlich nachgelassen. Ein Fall von steigender Risikoaversion? An den Bewertungen indes kann es nicht liegen, immerhin bekommt man ...

Dienstag, 14. April 2015

Wie wir lernten, den Euro zu lieben

Die neuesten Gewinnzahlen der US-Unternehmen sollen nicht besonders gut ausfallen. Von einer „Earnings Recession“ ist die Rede. Woran das liegt und warum DAX-Anleger derweil recht entspannt sind.

Das fällt schon auf: Der Devisenmarkt bewegt den Aktienmarkt in diesem Jahr weit stärker also zuvor. Auf dem ganzen Globus. Beispiel DAX. Während der deutsche Leitindex in Euro gerechnet auf ein Plus von 26 Prozent kommt, sind es in der Starkwährung Dollar nur zehn Prozent. Anders herum hat der Dow Jones auf Dollarbasis in diesem Jahr nicht einmal zwei Prozent gewonnen, während man dort als Euro-Investor mittels Währungsgewinn 16 Prozent mitnehmen konnte.

Fakt ist: Schwache Währungen und starke Aktienmärkte gehen 2015 Hand in Hand. Das ist auch in Japan so, wo der Yen nach einer längeren Konsolidierungsphase gegenüber dem Dollar wieder zu schwächeln beginnt und der Nikkei-Index prompt neue Rekordstände erklimmt: Zuletzt gelang der Sprung über die 20 000-Punkte-Marke. Ähnlich ist das in den Euroländern, wo DAX, Euro Stoxx oder der französische CAC 40 steigen und steigen.

Dass Euro-Aktien und Yen-Aktien besser abschneiden als Dollaraktien könnte weiterhin Bestand haben. Dies zeigt sich auch daran, dass es zum ersten Mal seit der Finanzkrise 2007/2008 passieren könnte, dass die Gewinne der US-Unternehmen das zweite Quartal in Folge schlechter ausfallen als im jeweiligen Vorquartal.

Das ist durchaus bemerkenswert und findet vor allem in der US-Presse viel Widerhall, etwa in den Börsensendungen des TV-Senders CNBC. Dort macht seit Längerem schon ...

Dienstag, 7. April 2015

Schwache Zahlen, steile Thesen

Die Skepsis um den Zustand der Wirtschaft – vor allem, was die USA angeht – ist mal wieder groß. Die Aktienkurse steigen trotzdem. Das hat auch etwas mit dem Wankelmut der Börsianer zu tun.

Probieren wir es mal mit einer steilen These: Solange der Aktienmarkt die Pressekonferenzen, Aufsätze und Reden der Notenbanker — egal, ob amerikanische oder europäische — mit steigenden Kursen goutiert, wird die Börsenrally Bestand haben — und vice versa. Am Montag etwa ließ uns Bill Dudley, Chef der New Yorker Notenbank, wissen, dass der offensichtliche Schwächeanfall der US-Wirtschaft im ersten Quartal „temporär“ sei. An der Wall Street ging es daraufhin steil nach oben, die europäischen Börsen folgten am Dienstagvormittag — montags herrschte hier ja noch österliche Ruhe.

Dudleys Aussage kam zur rechten Zeit. In den USA machte sich zuletzt mehr und mehr die Sorge breit, dass es um das Wirtschaftswachstum nicht zum Besten steht. Vor wenigen Wochen noch lagen die Erwartungen bei einem Plus von zwei Prozent für das erste Quartal. Jetzt senkt man den Daumen und geht — je nach Quelle — von zwischen 0,1 und einem Prozent aus. Im schlimmsten Fall praktisch Stillstand! Das muss man erst mal verdauen, wenn man kurz zuvor noch optimistisch war.

Aber so ist das eben mit den Wirtschaftsnachrichten. Und mit der Interpretation dieser Daten. Da schwankt es bisweilen gewaltig. Davon sollte man sich aber nicht kirre machen lassen, solange die Richtung im Großen und Ganzen stimmt. Ein einzelner schwacher Monat oder auch ein einzelnes schwaches Quartal machen eben noch keine Rezession.

Beispiel Arbeitsmarktdaten. Hier veröffentlichten die US-Behörden am Karfreitag die neueste Statistik, an einem Tag also, an dem die Börsen diesseits und jenseits des Ozeans bis auf ein paar Minuten Futures-Handel geschlossen blieben. Die Zahlen waren enttäuschend — zu wenige neue Jobs. Für manche ein Grund zur Panik. Die Futures sackten ab. Und in etlichen Börsenforen, aber auch bei Twitter wurden Angst und Schrecken verbreitet: Ein Kursdesaster stehe uns am Montag bevor.

Aber es kam ganz anders am Ostermontag. Sicher auch wegen Dudley. Und wegen der Neigung der Menschen, die ...

Dienstag, 31. März 2015

Kontinentale Verschiebungen

Das erste Quartal des Börsenjahrs 2015 ist zu Ende. DAX-Anleger freuen sich über phänomenale Gewinne. Und es scheint noch mehr drin zu sein, auch wenn das Umfeld gerade sehr schwierig ist.

Das erste Quartal war für DAX-Anleger ein sehr erfolgreiches: Start bei 9800 Punkten, Schluss bei um die 12 000. Macht ein Plus von 2200 Zählern. Kein Aprilscherz. Zwischenzeitlich ging es zehn Wochen in Folge nach oben — ein Aufwärtstrend, der erst in der Vorwoche mit einem Minus beendet wurde. Ob das mit der Umstellung auf die Sommerzeit zu tun hatte?

Vermutlich war es schlicht eine ganz normale Korrektur, wie sie immer wieder vorkommt, egal ob beim DAX, beim Dow Jones oder beim Nikkei. Der DAX hat jedenfalls in der Spitze um 600 Punkte korrigiert, also um fast fünf Prozent. Eine prima Gelegenheit, um nachzukaufen. Im Anschluss ging es nämlich recht zügig wieder nach oben. Ob dieser jüngste Anstieg mit „Window Dressing“ zum Quartalsende zu tun hatte?

Eine Gelegenheit wie diese gab es jedenfalls in den vergangenen Jahren etliche. Seit Beginn der Börsenhausse im März 2009 kam es zu insgesamt 16 ähnlichen Korrekturen, die drei Prozent oder mehr betrugen (bezogen auf den Dow Jones, beim DAX war es ähnlich). Dem übergeordneten Aufwärtstrend haben diese Marktbewegungen jedoch nie geschadet. Und auch dieses Mal sieht es so aus, als ob der Aufwärtstrend intakt ist. Weil die Korrektur nun aber doch arg schnell abgehandelt wurde, hat sich am überhitzten Zustand des DAX nicht viel geändert. Das macht die Beurteilung zurzeit ein wenig kompliziert.

Zumal auch das Umfeld weiterhin problematisch ist. Etwa was die Politik angeht. Die Unruhen im Jemen beispielsweise bewirkten heftige Ausschläge beim Ölpreis und — nicht ganz so heftige — Wackler bei den Ölaktien. Auch die Verhandlungen um das iranische Atomprogramm hinterließen Spuren beim Ölpreis. Schwierig zudem die endlose Geschichte um die Neuordnung der Verbindlichkeiten Griechenlands, wo eine Provokation auf die nächste folgt, zuletzt ein vom Mai auf den April vorgezogener Besuch des Premiers Alexis Tsipras bei Russlands Präsidenten Wladimir Putin.

Trotzdem ist zuletzt viel Geld an die europäischen Börsen geflossen. Viel amerikanisches Geld. 37 Milliarden Dollar netto investierten die Amerikaner im ersten Quartal in ETFs, die ihrerseits in europäische Aktien investieren — neun Prozent mehr als im Quartal davor. Gleichzeitig flossen sieben Milliarden Dollar netto aus ETFs ab, die in amerikanische Aktien investieren. Kein Wunder also, dass der DAX um 2200 Punkte gestiegen ist, während sich gleichzeitig die US-Börse kaum bewegt hat. Und kein Wunder, dass der DAX als logische Konsequenz dieser Kapitalströme inzwischen zu über 60 Prozent in ausländischer Hand ist.

Das große Interesse an deutschen oder besser an europäischen Aktien liegt natürlich auch am schwachen Euro. Der macht Unternehmen vom alten Kontinent im Vergleich zu ihren amerikanischen Konkurrenten billiger. Problematisch wird es für DAX und Euro Stoxx jedoch dann, wenn es zu einer kräftigen Korrektur der aktuell bestehenden Währungsschwäche kommt — auch wenn es derzeit vielleicht nicht danach aussieht. Aber man sollte diesen Aspekt in den kommenden Aprilwochen nicht vergessen.

Apropos April: Der war in der Börsenhistorie immer ein höchst erfolgreicher Monat. Um genau zu sein: Er war im Schnitt der erfolgreichste Monat überhaupt. Auch dieses Mal? Der April ist ja auch jener Monat, der das Ende der für Börsengewinne günstigen Jahreszeit abschließt. Ab Mai wird’s dann immer schwieriger — das lehrt die Vergangenheit. Dann heißt es so schön „Sell in May“. Aber so weit sind wir noch nicht.

Dienstag, 24. März 2015

Früher, später oder ein anderes Mal

Die Wortakrobatik der Notenbanker nimmt preiswürdige Formen an. Sogar das Taktieren rund um Griechenland kommt da nicht mit. Der DAX nimmt sich derweil eine Auszeit. Ein Drama ist das jedoch nicht.

Zeit für eine etwas größere Korrektur? Ist die Börse nun doch zu schnell zu weit gelaufen? Immerhin hat der DAX schon zehn (!) Kalenderwochen in Folge mit Gewinn beendet. Auf 10000 Punkte folgten 11000, dann 12000. Eine derart lange Erfolgsstrecke ohne wenigstens eine einzige mickrige zwischenzeitliche Minuswoche kommt ansonsten nicht oft vor. Prädikat: sehr selten. Gut, im Herbst 2013 gab es mal 13 positive Wochen am Stück. Aber sonst? Fehlanzeige — zumindest was die jüngere Vergangenheit angeht. Gestandene Börsianer nehmen die aktuelle Korrektur daher locker hin. Sogar wenn die laufende Woche tatsächlich mit einem Minuszeichen abschließen sollte. Es wäre nur normal.

Ein gewichtiger Grund für die zehnwöchige Börsenrally ist natürlich die Geldpolitik der Notenbanken. Zuletzt hat es Janet Yellen, Chefin der US-Zentralbank Fed, tatsächlich geschafft, das Ende der Niedrigstzinsphase anzudeuten und dieses Ende gleichzeitig auf unbestimmte Zeit aufzuschieben. In einem Atemzug. Eine rhetorische Glanzleistung. Yellens Notenbank-Kollege, der Fed-Vize Stanley Fischer, wollte da wohl nicht hintanstehen und meinte darauf, die Zinsen würden im „Juni oder September oder zu einem späteren Zeitpunkt oder zu einem Zeitpunkt dazwischen“ steigen. Ein Meister des Wortes. Auch so was kommt nicht so oft vor. Prädikat: sehr selten. Die immer wieder leidenschaftlich und vehement geführte Diskussion, ob die Fed nun zu langsam oder zu schnell die Zinswende einläuten wird, kann man sich also sparen.

Im Euroraum wiederum sorgt die EZB für Liquidität. Für gut 26 Milliarden Euro wurden bislang schon Anleihen aufgekauft. Und — das weiß man ja schon etwas länger — bis September 2016 sollen es im Schnitt 60 Milliarden Euro pro Monat sein. Mindestens. Das Angebot an Anleihen gäbe das her, sagte Draghi am Montag. Dass dadurch auch weiterhin für Liquidität an den Märkten gesorgt ist, sollte den Aktienkursen so eine gewisse Unterstützung geben — aktuelle Korrektur hin oder her. Auch dass das Thema Griechenland ein wenig an Brisanz verliert, hat sicherlich ebenso eine stabilisierende Wirkung.

Und obwohl etliche Marktkommentatoren immer wieder gern von „Boom and Bust“ reden, sollte man nicht vergessen, dass auf stark steigende Kurse nicht zwangsläufig ein Crash folgen muss. Überhitzungen können sich auch weit weniger spektakulär durch einen Seitwärtstrend abbauen. Damals im Herbst 2013 etwa folgten auf die 13 positiven Wochen zwei negative mit leicht nachgebenden Kursen. Im Anschluss kletterte der DAX noch einmal auf ein neues Hoch, um darauf in ein etwas enervierendes Seitwärtsgeschiebe überzugehen, das bis Mitte 2014 dauerte.

Dass die Märkte etwas überhitzt sind, zeigt sich sicherlich auch daran, dass die Kurse weltweit deutlich zugelegt haben. So gab es etwa neue Rekorde beim britischen FTSE-Index, dazu steigende Notierungen in den USA wie auch in Japan. Kein Wunder: Nach einer aktuellen Umfrage der Bank of America Merrill Lynch haben die Fondsgesellschaften weltweit ihre Aktienquote weiter erhöht. Im Schnitt liegt sie bei 58 Prozent, das ist die dritthöchste Quote, seit der Bullenmarkt im März 2009 ins Laufen kam. In den beiden anderen Fällen kam es in der Folge jeweils zu nachgebenden Kursen am Aktienmarkt. Allerdings gab es damals für die professionellen Geldverwalter weit mehr Alternativen im Festzinsbereich als heutzutage

Dienstag, 17. März 2015

Synchron ist besser

Der Schwung an den Börsen ist enorm. Gründe für den Anstieg gibt es ja auch viele. Und dass die Bewertungen inzwischen doch recht ambitioniert sind, schreckt ebenfalls nicht. Noch nicht.

Wieder eine Woche vorbei und schon wieder neue Rekorde. Der DAX kletterte das erste Mal über die 12 000-Punkte-Marke. Der japanische Nikkei-Index hat mit 19 000 Zählern den höchsten Stand seit 15 Jahren erreicht. Und es ist wie in den Vorwochen: Die Wall Street, eigentlich Leitbörse der Welt, kommt da einfach nicht mit. Allerdings – und das ist nun doch ein gewaltiger Unterschied zu den Handelstagen Anfang März – haben die Kurse an der Wall Street wohl inzwischen einen Boden gefunden und scheinen selbst eine Rally zu starten.

Dies wiederum wirft eine vielleicht diabolische Frage auf: Was macht bitteschön der DAX, der in den Vorwochen ganz ohne Unterstützung aus Übersee von Rekordstand zu Rekordstand kletterte, wenn nun plötzlich die Wall Street zu schieben beginnt? Geht’s dann doppelt so schnell nach oben? Oder gar exponentiell? Mit wilden Sprüngen? Da blinken die Euro-Zeichen in den Pupillen. Fantastilliarden sind jetzt möglich! Oder doch nicht?

Ein lästerlicher Gedanke. Aber vielleicht der richtige. An der Wall Street jedenfalls hat die gut zweiwöchige Korrektur keinen größeren Schaden angerichtet. Auch wenn die Fundamentaldaten zuletzt nur mittelprächtig waren, gilt nach wie vor: Anzeichen für eine Rezession sind schlicht und einfach nicht zu sehen. Wichtig sind hier vier Indikatoren: Die Industrieproduktion, die Einkommen der Haushalte, der Arbeitsmarkt, die Einzelhandelsumsätze. Und raten Sie mal: alle vier Indikatoren tendieren nach wie vor nach oben.

Das dürfte zunächst wohl so bleiben, sind die Bestrebungen in allen großen Wirtschaftsblöcken doch groß, die Konjunktur am Laufen zu halten, sei es im Euroraum, in der chinesischen Hemisphäre, wo zum Abschluss des Volkskongresses in Peking noch einmal der Reformwille bekräftigt wurde und weiterer Konjunkturstimulus in Aussicht gestellt wurde, oder auch in den USA. Dass die amerikanische Notenbank Fed über kurz oder lang die Leitzinsen erhöhen wird, ändert daran

Was vielleicht etwas Sorgen macht, sind jedoch die Bewertungen an den Aktienmärkten. Egal welche Kennziffern man nun bemüht – billig ist anders. Richtig teuer ist aber auch anders. In den USA etwa liegt derzeit das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für die prognostizierten Gewinne des laufenden Geschäftsjahrs bei 16,8. Doch es ist, wie es ist: Auf kürzere bis mittlere Sicht nimmt in Aufschwungphasen, in einem intakten Bullenmarkt, die Bedeutung der Bewertung für die Kursentwicklung ab. Das war bisher immer so. Wichtiger sind in solchen Phasen die schon erwähnten Indikatoren Industrieproduktion, Einkommen der Haushalte, Arbeitsmarkt, Einzelhandelsumsätze. Ebenfalls von Bedeutung ist, dass die Gewinnerwartungen der Unternehmen weiter steigen. Und auch das tun sie wieder, nachdem sie im Januar und Februar vor allem aufgrund der Unsicherheiten um die Auswirkungen des fallenden Ölpreises doch deutlich gesunken waren.

Einen Fehler sollte man nun dennoch nicht machen: Die Bewertung an den Märkten völlig ignorieren. Mag sein, dass sie aktuell nur eine untergeordnete Rolle spielt, relevant ist sie dennoch. Wichtig wird sie vor allem dann, wenn sich eine Rezesssion andeutet. Und je höher die Aktien dann bewertet sind, desto schlimmer für Nerven und Geldbeutel wird die Korrektur ausfallen. Auch das war in der Börsen-Historie schon immer so.