Dienstag, 24. Februar 2015

Auf Angst folgt Gier

An den Börsen hat die Stimmung gedreht. Der Pessimismus vom Jahresanfang ist verflogen. Negative News werden ignoriert. Das kann ein Warnsignal sein. Doch der Trend nach oben ist intakt.

Neue Rekorde, wohin man schaut: Der DAX ist auf den höchsten Stand aller Zeiten geklettert, ebenso der Dow Jones. Der Nasdaq Composite ist nicht mehr allzu weit weg davon und der japanische Nikkei notiert so hoch wie seit 2000 nicht. Die Aktienmärkte haben einen Lauf, und unwillkürlich kommt einem der Finanzjongleur George Soros in den Sinn, der einmal gesagt hat, dass Trends meist länger anhalten, als man denkt. Wie wahr. Beispiel DAX: Hier geht es schon seit dem 8. Januar fast ohne Unterlass nach oben, von zwei, drei Wacklern mal abgesehen.

Machen wir uns also nichts vor: Auch wenn es eine lange Liste von Gründen gibt, die für eine durchaus heftige Korrektur sprechen, so ist diese jüngste Abfolge von neuen Allzeithochs vor allem eines: ein Zeichen für einen völlig intakten Bullenmarkt. Bislang wurde jeder Versuch einer Korrektur innerhalb kürzester Zeit wieder „aufgekauft“. Die Rally nährt die Rally — noch so ein Börsenspruch, von wem auch immer er sein mag.

Der Aufschwung beschränkt sich dabei nicht auf die etablierten Aktienmärkte der Welt. Auch an den Börsen der asiatischen Schwellenmärkte geht es nach oben, obwohl die weitere wirtschaftliche Entwicklung von „Greater China“ doch ziemlich fraglich scheint. Jetzt also Stabilisierungstendenzen — an den Börsen in Hongkong, Taiwan, Südkorea sowie in Australien, dem wichtigsten Rohstofflieferanten der Volksrepublik China. Und da passt es ins Bild, dass auch die Preise der Industrie­metalle einen Boden zu finden scheinen.

Und Griechenland? Die Angst vor dem Grexit, dem Ausstieg aus dem Euro? Völlig egal? Es scheint so. Schon vor der Einigung der Finanzminister auf eine Verlängerung der Kreditlinien war der Aktienmarkt doch mehr oder weniger immun gegen mögliche Negativszenarien. Ähnliches gilt für die US-Märkte. Obwohl die jüngsten Konjunkturdaten in der Summe eher negativ ausgefallen sind, reagierten die Märkte kaum darauf. Die wenigen positiven Nachrichten dagegen reichten aus, um die Aktienmärkte weiter anzuschieben. Es ist also so, wie es schon immer war an der Börse: Die Interpretation der Daten bestimmt den Kursverlauf, nicht die Daten selbst. Und an den Börsen hat man offensichtlich die meisten der belastenden Faktoren abgehakt: Griechenland, Ukraine, die nicht ganz so guten Unternehmenszahlen, ein vielleicht zu schnell gefallener Ölpreis. Also Haken dran.

Stattdessen konzentriert man sich offensichtlich allein auf das Positive: auf die praktisch nicht vorhandene Inflation in Europa und den USA und auf die daraus folgende Möglichkeit der Notenbanken, die Geldpolitik weiter ultralocker zu halten. Vielleicht ja auch in den USA, wo schon lange über den Zeitpunkt einer möglichen Zinswende diskutiert wird. Heute erläutert die US-Zentralbank-Chefin Janet Yellen vor dem Kongress ja noch ihre Maßnahmen und gibt vermutlich Hinweise, wann die US-Leitzinsen wohl wieder steigen werden. Handlungsbedarf besteht eigentlich nicht. Auch das ist ein Aspekt, auf den die Bullen an den Börsen setzen.

Was also tun als Anleger? Fakt ist: Die allzu ängstliche Stimmung an den Aktienmärkten vom Januar und Anfang Februar ist zuletzt in Optimismus umgeschlagen, in den USA vielleicht sogar schon in Gier. Man sieht das gut am Verhältnis von Put- zu Call-Optionen. Und das ist durchaus ein Warnsignal. Doch da im Sinne von Soros Trends meist länger halten als gedacht, wäre Aktionismus ein schlechter Ratgeber. Die Strategie ist also simpel: investiert bleiben, mal Gewinne mitnehmen, die Stop-Loss-Marken nachziehen.

Mittwoch, 11. Februar 2015

"Charmante" Drohgebärden

DAX und US-Börsen sind in der „Findungsphase“. Dehnt sich die Korrektur weiter aus? Oder geht es bald wieder hinauf in neue Höhen? Hinweise könnten der Ölpreis und die Entwicklung der Nasdaq liefern.

Da ist sie also, die Korrektur. Der DAX hat es nicht ganz geschafft, hinauf zur 11000er-Marke. Kurz davor war Schluss, und seither geht es eher abwärts. Bislang. Und auch die US-Indizes Dow Jones, S&P-500 und Nasdaq gaben wieder Gewinne ab, nachdem der jüngste Bericht zur Lage am amerikanischen Arbeitsmarkt „zu gut“ ausgefallen war: mehr Stellen und höhere Löhne als erwartet. Positiv eigentlich. Aber eben auch „zu gut“, weil die Daten ein Indiz dafür sind, dass die Konjunktur prima läuft und Nullzinsen daher eigentlich nicht mehr gerechtfertigt sind. Die Zins­pessimisten gehen nun von einer früheren Leitzins­erhöhung in den USA aus, vielleicht schon im Juni, und das hätte einige Verwerfungen an den Märkten zur Folge.

Der DAX korrigiert also, nachdem er fast ohne Pause vier Wochen in Folge gestiegen war. Überfällig das Ganze. Und der Dow Jones ist in eine breite Handelsspanne zurückgefallen, in der er schon seit Beginn des Jahres hin- und herpendelt. Bislang.

Vielleicht ist „Findungsphase“ eine gute Bezeichnung für die Lage der Märkte. Gründe für die gebremste Euphorie finden sich genug, Altbekanntes wie Neues, diesseits wie jenseits des großen Teichs. Ebenso in Fernost, wo China gerade einen dramatischen Rückgang beim Export gemeldet hat — interessanterweise, ohne dass die Börsen so recht darauf reagiert haben.

In den USA sind es neben den Spekulationen um den Leitzins vor allem die Unternehmensergebnisse, die den Börsianern nicht schmecken können — ich habe schon darüber berichtet. Die Zahlen sind bislang äußerst zwiespältig ausgefallen. Zwar haben 78 Prozent der vermeldeten Gewinne die Erwartungen übertroffen, und die Umsätze fielen zu 59 Prozent besser aus. Dafür sind jedoch die Prognosen mau. „Guidance“ nennen das die Amerikaner. Positive Guidance versus negative Guidance. Und das Verhältnis liegt hier bei eins zu fünf (!). Auf jedes optimistisch gestimmte Unternehmen kommen gleich fünf Firmen, die die Zukunft nicht mehr so rosig sehen. Das ist schwach. Aber es ist inzwischen leidlich bekannt und daher vielleicht in den Kursen schon verdaut.

Und in Europa? Deutschland glänzt mit fantastischen Exportzahlen. Positiv. Allerdings hält uns weiterhin Griechenland in Atem. Bundeskanzlerin Angela Merkel befand, die Verhandlungen um eine eventuelle Neuordnung der griechischen Verbindlichkeiten könnten sich noch Monate hinziehen. Gleichzeitig betont Ministerpräsident Alexis Tsipras in seiner Regierungserklärung, dass man von den Forderungen nicht abrücken wolle. Drohgebärden wechseln sich mit Charmeoffensiven ab, hüben wie drüben. Auch hier also eine Findungsphase. Das gilt ebenso für den Ukraine-Russland-Konflikt. Verhandlungen gibt es. Das ist positiv. Genauso aber Drohgebärden, gefolgt von Charmeoffensiven, gefolgt von Drohgebärden, gefolgt von ... Hüben wie drüben. Und Kanzlerin Merkel spricht von Monaten oder gar Jahren, über die sich der Konflikt hinziehen könnte. Eine Findungsphase anscheinend auch hier.

Über Jahre wird sich die Pattsituation an der Börse hoffentlich nicht hinziehen. Hinweise für ein Ende der Korrektur könnten Indikatoren wie Öl und die Nasdaq liefern. Öl deshalb, weil der US-Aktienmarkt sich nur stabilisiert, wenn dies auch der Ölpreis tut. Blickt man in die Vergangenheit, ist es jedoch wahrscheinlich, dass der noch einmal fallen wird, bevor er tatsächlich einen Boden findet. Die Nasdaq wiederum — als weltweit wichtigste „Risikobörse“ — steckt schon seit November in einer ausgedehnten Handelsspanne. Findet sie aus dieser heraus, dürfte das ein Zeichen für steigende Risikolust sein. Und das wäre auch gut für den DAX.

Dienstag, 3. Februar 2015

Verkehrte Welten

DAX 10 000 ist noch gar nicht so lange her. Und schon hangelt sich der Index zur nächsten großen Marke – DAX 11 000. Eine sensationelle Entwicklung. Und eine konsequente.

Das hat offenbar System: Die Börsen in Europa, allen voran der DAX, laufen in diesem Jahr klar besser als die US-Handelsplätze. Dabei war seit Beginn des Börsenaufschwungs 2009 stets das Gegenteil der Fall. Aber warum ist das jetzt anders? Die Antwort liegt auf der Hand: Es liegt am Euro. Oder besser: Es liegt auch am Euro. Denn der fällt. Seit Spätsommer 2014 schon. Und er fällt richtig vehement, seit die EZB den Start ihres milliardenschweren Anleihenkaufprogramms verkündet hat. Vielleicht fällt er auch, weil der Linkspopulist Alexis Tsipras in Griechenland das Ruder übernommen hat – der allerdings immer mehr von seinen radikalen Forderungen zurücknehmen muss.

Die Börsen in Europa sind durch den schwachen Euro zu „Abwertungsbörsen“ geworden, wie das der Schweizer Marktguru Alfons Cortés so schön formuliert. Eine schwache Währung bedeutet einen Wettbewerbsvorteil im Welthandel. Simpel die Formel. Und durchaus richtig. Auch andere machen das. Tokio ist ebenfalls eine Abwertungsbörse, um gegen die Konkurrenz, etwa aus China, zu bestehen.

Doch was nützt all die schöne Outperformance, wie die relativ bessere Wertentwicklung in der Börsensprache so unschön heißt, wenn die Weltleitbörse New York nicht nur hinterherhinkt, sondern gar richtig schwächelt? Zumindest tat sie dies bis einen Tag vor Redaktionsschluss. Durch den extrem starken Dollar sind die US-Märkte nämlich zur „Aufwertungsbörse“ geworden. Was nicht schlimm sein muss, die Amerikaner sind schon immer ganz gut mit einem starken Greenback zurecht gekommen, die Historie zeigt das. Allerdings ist die derzeitige Aufwertung des Dollar doch recht massiv und schnell voran geschritten. Und das macht dann Sorgen. Denn klar ist: DAX, Euro Stoxx und Co werden nicht nachhaltig steigen, wenn die US-Börse fällt. Auch das lehrt die Geschichte. Mindestens ihr Niveau halten, das sollten Dow und Nasdaq Composite schon.

Doch wird das gelingen? Von wichtigster Bedeutung für die Entwicklung der Börsen ist die Entwicklung der Firmengewinne. In den USA ist die Berichtssaison ja in vollem Gang. Etwa die Hälfte der 500 größten Unternehmen hat bereits die neuesten Zahlen vorgelegt. Die sind durchaus gut, jedoch meist mit einem „Aber“ versehen. 40 Prozent dieser Unternehmen kann mit Umsatz- und Gewinnzahlen punkten, die besser ausgefallen sind als zuvor vermutet. Das ist gut. Die Ausblicke auf die kommenden Quartalszahlen werden jedoch tendenziell eher zurück genommen. Das ist nicht gut. Normalerweise quittieren die Börsen so etwas mit einer Korrektur. Auch das zeigt ein Blick in die Historie.

Nun ist es aber so, dass der Dow Jones in den zurückliegenden Wochen bereits um fünf Prozent korrigiert hat (beim DAX waren es zwischendurch mal 2,5 Prozent). Das müsste doch reichen, oder? Im vergangenen Jahr jedenfalls war ein Rücklauf in diesen Dimensionen immer gut genug, um eventuelle Überhitzungstendenzen abzubauen und den Aufwärtstrend im Anschluss wieder aufzunehmen. Einzige Ausnahme: der Kurssturz im Oktober.

Und dieses Mal? Es könnte erneut reichen. Aus charttechnischer Sicht haben die US-Börsen wichtige Unterstützungsmarken gehalten. Das sollten sie auch in den kommenden Tagen tun, damit die Börsen-Realität diesen Marktausblick nicht ad absurdum führt. Ein weiterer Grund für eine positive Prognose: Der Ölpreis stabilisiert sich. Das ist gut, weil die Unternehmen nun endlich wieder eine Basis haben, mit der sie kalkulieren können. Und der Euro? Sogar der scheint seinen Fall zu bremsen. Vielleicht sind die Unternehmen also zu vorsichtig mit ihrem Gewinnprognosen? Stehen da irgendwann Revisionen nach oben an? Sehr gut möglich. Es wäre auf jeden Fall wichtig für die Fortsetzung der Börsen-Rally.

Dienstag, 27. Januar 2015

Eine Frage der Flexibilität

Draghi hat geliefert, Griechenland gewählt – die Börsen steigen. Alles scheint in bester Ordnung. Wenn da nur nicht die mauen Quartalszahlen wären. Und die Sorge vor steigenden US-Zinsen.

Er hat nicht enttäuscht, der Chef der Europäischen Notenbank (EZB): Mario Draghi gab in der Vorwoche den Start eines Anleihekaufprogramms über monatlich 60 Milliarden Dollar bekannt. Mehr als erwartet. In der Folge kletterten DAX und Euro Stoxx deutlich, Dow und S&P-500 hielten sich immerhin passabel, und der Euro rutschte gegenüber dem US-Dollar gewaltig ab. Letzteres ist nur logisch, schließlich haben die Amerikaner ihr Anleihekaufprogramm längst gestoppt und bereiten vielleicht schon eine erste Erhöhung des Leitzinses vor.

Keine leichte Situation für Fed-Chefin Janet Yellen. In den vergangenen Jahren waren die USA die Zugmaschine der Weltwirtschaft. Während vor allem in Europa die Volkswirtschaften zu kämpfen hatten, legten die Amerikaner Quartal für Quartal in Sachen Wirtschaftswachstum überzeugende Zahlen hin. Auch in diesem Jahr wird die US-Wirtschaft mit wohl 3,6 Prozent fast dreimal so schnell wachsen wie Deutschland und der Euroraum. Im Konjunkturzyklus hinken die Europäer weit hinter den Amerikanern her. Auch was die Börsenentwicklung angeht, gab die Wall Street bislang den Ton an. Gerade im vergangenen Jahr blieb der DAX deutlich hinter den US-Indizes zurück. Diese Konstellation hat sich jetzt — vor allem auch durch Draghis Milliarden-Liquiditätsprogramm — höchst dramatisch umgekehrt.

Dass nun die US-Börsen nicht mehr hinterherkommen, liegt jedoch auch an den nicht recht überzeugenden Zahlen der amerikanischen Berichtssaison. In Summe lagen die Gewinnzahlen bislang zwar zu zwei Drittel über den Erwartungen und die Umsätze immerhin zur Hälfte. Allerdings fielen in der Einzelbetrachtung die negativen Überraschungen weit deftiger aus als die positiven News. Zudem sind es neben Energie-Aktien gerade Schlüsselsektoren wie Banken und — durchaus überraschend  — Konsum-Aktien, die teils arg enttäuschten. Dem gegenüber steht der DAX, der zuletzt von Rekord zu Rekord eilte und so langsam etwas überhitzt scheint. Nicht einmal der Sieg der Linkspopulisten bei der Wahl in Griechenland konnte den Aufwärtsdrang bremsen. Es scheint, als sei der dortige politische Umschwung mit all den Problemen und Streitigkeiten, die er für die Eurozone bedeutet, längst in den Kursen der europäischen Aktienmärkte enthalten.

Was wird Frau Yellen also tun? Die Unternehmen in den USA — vor allem die großen, exportorientierten — haben durch den schwachen Euro und den schwachen Yen verstärkt mit Wettbewerbsnachteilen auf dem Weltmarkt zu kämpfen. Zinserhöhungen in den USA könnten diese Währungsproblematik noch verschärfen. Keine leichte Situation für Fed-Chefin Yellen.

Das Gute an der einigermaßen vertrackten Situation: Mit der Fed-Pressekonferenz hat die „Woche der Wahrheit“ endlich ein Ende gefunden. Man kann einen Haken dranmachen: an den EZB-Entscheid, die Griechenland-Wahl und die Fed-Konferenz. Und man kann sich wieder aufs Wesentliche konzentrieren. Auf die Unternehmensergebnisse, wo in den kommenden Tagen noch viel zu erwarten ist. Und auf die Stimmung am Markt. Die ist in den USA nicht besonders gut und in Deutschland trotz der DAX-Rekorde nicht euphorisch. Geht es allein nach diesem Kontraindikator, dann ist mit weiter steigenden Kursen zu rechnen. Auf der anderen Seite sind wie erwähnt die Unternehmensergebnisse eher durchwachsen, und der Februar gilt unter Saisonalitätsgesichtspunkten als eher lauer Monat. Letztlich bleibt es also bei dem Rat: kleine Positionen fahren, mal Gewinne mitnehmen, flexibel bleiben.

Dienstag, 20. Januar 2015

Rekorde und die Angst vor dem Fall

Der DAX hat endlich die 10 000er-Marke überwunden. Man geht von positiven Signalen durch die EZB am Donnerstag und einen vernünftigen Wahlausgang in Griechenland aus. Doch es bleiben Risiken.

Schon wieder so eine höchst denkwürdige Woche. Eigentlich sollte ja die US-Berichtssaion Schlagzeilen machen. Unternehmen, die gute Zahlen liefern und vielleicht noch bessere Ausblicke. Die gab es zwar auch – etwa bei Intel –, für fette Überschriften sorgte dann aber doch anderes: Die Freigabe des Franken-Wechselkurses vor allem. Inklusive der damit verbundenen weltweiten Kurskapriolen und allem was da wohl noch nachkommt. Und die Europäische Zentralbank (EZB) machte auch wieder Schlagzeilen. Laut „Spiegel“ soll EZB-Chef Mario Draghi schon am Freitag der Vorwoche mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble beim „informellen Treffen“ die Modalitäten für das geplante Anleihenkaufprogramm ausgekartelt haben. Offiziell dürfte es erst heute am Erscheinungtstag dieser BÖRSE ONLINE vorgestellt werden. Zumindest gehen davon gefühlt 99 Prozent der Börsianer dieser Welt aus. Mal sehen, ob sie wirklich richtig liegen.

Derlei Superlative passen jedenfalls zur höchst bemerkenswerten Woche, in welcher der DAX wohl folgerichtig neue Rekorde erreichte, weit über der 10 000er-Marke, die so lange unüberwindbar schien. Vergangenen Freitag wurde die Hürde eindrucksvoll genommen. Wir hatten es durchaus kommen sehen und vergangene Woche zu taktischen Käufen geraten. Dass die Gründe für den Kurssprung letztlich andere waren als ursprünglich angenommen – Draghi und Franken statt US-Gewinne – na ja, geschenkt!

Und noch mal was bemerkenswertes: Während DAX und auch EuroStoxx steil stiegen, tat sich bei den amerikanischen Indizes kaum etwas. Die stagnierten. Das kommt nicht so oft vor. Normalerweise zieht der Dow Jones die europäischen Indizes mit und nicht umgekehrt. Bleibt die Frage, ob die Amerikaner nun nachziehen, oder ob sich die DAX-Euphorie als übertrieben herausstellt, weil die EZB eventuell am Donnerstag die immens hohen Erwartungen doch nicht erfüllen kann? Es ist ein Ritt auf der Rasierklinge! Mein lieber Mann!

Das spiegelt sich an den Märkten wieder. Die Volatilität ist hoch wie lange nicht. Die Signale sind flatterhaft. Kaum sieht es einmal nach „Kaufen“ aus, zeigt es kurz darauf das Gegenteil an. Beispiel asiatische Märkte: hier nimmt die Risikofreude gerade wieder zu, nachdem es vor 14 Tagen noch nach Absturz ausgesehen hat. Schwankungen, an die wir uns gewöhnen müssen. Wie sagte der Schweizer Investor Felix Zulauf jüngst: „2015 wird ein Traum für Trader, aber die Hölle für Investoren.“

Also mal Durchschnaufen. Nachdenken. Wo steht man denn jetzt? Fakt ist: Die Deflationsgefahr ist weiter hoch. In der Eurozone wie in den USA wie in Japan. Die EZB ist jetzt am Zug, muss liefern. Ob die Pläne letztlich dazu führen, dass die Kreditnachfrage steigt, wird man sehen. Liefern müssen auch die Unternehmen: Steigerungen bei Gewinn und Umsatz, überzeugende Prognosen. Noch ist das Gezeigte zu wenig.Und dann Griechenland: Die Wahl am Sonntag ist wegweisend.

Europas Börsen sind in Vorleistung gegangen, man setzt auf positive Entwicklungen, auf eine Lösung der Probleme. Auch in Fernost sieht es wieder besser aus. Die Börse New York dagegen scheint immer noch „überverkauft“, dort überwiegt – Stand Redaktionsschluss – die Skepsis. So recht will man noch nicht an ein weiteres Bullenjahr glauben – es wäre das siebte in Folge. Letztlich bleibt es dabei: In Zeiten steigender Volatilität, ist es klug, die Investments kleiner zu halten, immer wieder Gewinne mitzunehmen. Man muss nicht vor der EZB-Sitzung alles riskieren, ebenso nicht vor der Griechenland-Wahl. Und auch nicht vor der Sitzung der US-Notenbank kommende Woche.

Donnerstag, 15. Januar 2015

Gut taktiert ist halb …

In den kommenden Tagen stehen vor allem die neuesten Quartalszahlen der US-Unternehmen im Mittelpunkt des Anlegerinteresses. Die Aussichten auf positive Überraschungen sind gar nicht so schlecht.

Der Aktienmarkt hat sich wohl gefangen. Mit extrem heftigen Schwankungen ging es in der ersten vollständigen Januar-Woche hin und her. Runter, rauf, runter, rauf. Wir hatten es kommen sehen. Doch es scheint, als ob die schlechten Nachrichten erst mal verdaut wären, als ob ein Boden gefunden wäre, sowohl am US-Markt als auch beim DAX. Aus taktischer Sicht sind Aktien daher durchaus wieder eine gute Option.

Denn: In den kommenden Tagen rückt die Berichtssaison in den Fokus. Die Nachwehen der Attentate in Paris, die Unsicherheiten um die anstehende Neuwahl in Griechenland, die Hängepartien um den Kurs der US-Notenbank und die künftige Zinspolitik der Europäischen Zentralbank — das alles ist zumindest vorerst mal vertagt. Und im Falle der Notenbanken scheint klar, dass die expansive Geldpolitik ihre Fortsetzung findet. In den USA nach neuesten Aussagen vielleicht sogar bis ins Jahr 2016 hinein. Und im Euroraum noch länger — Details wird die EZB am Tag ihrer nächsten Sitzung am 22. Januar liefern. 

Seit Montag jedoch geht es erst einmal wieder um Zahlen, um Umsätze und Gewinne der Unternehmen und vor allem um aktualisierte Prognosen. Gerade Letztere sind besonders spannend, da die Unternehmen einen Einblick geben dürften, wie sich die dank fallendem Ölpreis deutlich niedrigeren Energiekosten auf die Firmenbilanzen auswirken werden. Selbiges gilt auch für die deutlich gestiegene Ausgabenlust der Konsumenten. Es dürfte durchaus zu positiven Überraschungen kommen, nachdem zuletzt die Gewinnerwartungen nach unten revidiert wurden und die Prognosen eher zu vorsichtig sind.

Dennoch ist nicht alles Gold. Auf mittlere Sicht sollte man auch auf unangenehme Entwicklungen vorbereitet sein. Es muss nicht zwangsläufig ein Bärenmarkt oder ein Crash sein, aber der Einstieg ins Börsenjahr hat einen Vorgeschmack darauf geliefert, wie es weitergehen könnte: Höchst volatil! Zudem ist nicht zu übersehen, dass das Momentum an den Börsen nachgelassen hat. Weltweit. Der Risikoappetit scheint zu schwinden. Und der fallende Ölpreis hat ja auch eine Kehrseite. Nicht nur, dass die großen Öl-Companys, die in den Weltindizes stark gewichtet sind, Ertragsprobleme bekommen. Nein, der immer weiter sinkende Preis für den Schmierstoff der Weltwirtschaft könnte eventuell nicht nur Ausdruck des aktuell zu hohen Angebots sein, sondern eben auch ein Indiz für sinkende Nachfrage, was als Vorbote einer weltweiten Wachstumsschwäche gedeutet werden kann. 

Für einen ausgesprochenen Bärenmarkt bedarf es allerdings einiger Zutaten, die trotz aller Probleme derzeit nicht auszumachen sind. Die Rezessionsgefahr ist nach wie vor eher gering, vor allem in den USA, die weiterhin Welt-Konjunkturlokomotive spielen müssen. Faktor 2, das Gewinnmomentum, ist ebenfalls intakt — trotz der derzeit eher vorsichtigen Prognosen. Und das relativiert auch die teils hohen Bewertungen an den Aktienmärkten. 

Einzig Faktor 3 ist problematisch, wobei dieser eigentlich immer besteht: eine Finanzkrise, die durch einen exogenen Schock ausgelöst wird. Das kann ein politisches Problem sein oder ein ökonomischer Crash — beispielsweise in China. Oder ein Drama, das in der EU stattfindet. Neben Griechenland wird in diesem Jahr auch in Großbritannien gewählt. Und ein Grexit wie auch ein Brexit, ein griechischer oder britischer Abschied vom Euro oder von der Union selbst, das dürfte dann ja doch zu allerhand Verwerfungen führen. Ergo: immer schön vorsichtig bleiben. Zwischendrin immer wieder mal Gewinne mitnehmen. Das dürfte das Motto des Jahres sein.

Mittwoch, 7. Januar 2015

Turbulent ins neue Jahr

Das Börsenjahr startet mit einem Knall. DAX, Dow Jones, Euro, Öl – alles fällt. Gut, wer zuletzt das Risiko reduziert hat. Die Gelegenheiten zum Wiedereinstieg kommen erst noch.

Zuletzt war es ja nicht falsch, an der Börse etwas vorsichtiger zu agieren. In den beiden zurückliegenden Kommentaren hatten ich an dieser Stelle geraten, das Risiko etwas zu reduzieren, auch mal Gewinne mitzunehmen und auf günstigere Kurse zum Wiedereinstieg zu warten. Das war richtig so. Sowohl der DAX als auch die US-Indizes haben nachgegeben. Und es scheint fast so, als ob man den Rat noch einmal wiederholen muss: abwarten und weiter auf einen günstigeren Zeitpunkt zum Neueinstieg warten. Allerdings: So schnell, wie die Kurse sich derzeit bewegen, ist das Tal vielleicht bald schon erreicht. Wen es also schon wieder in den Fingern juckt, dem sei unbedingt zu einem nur vorsichtigen (!) Wiedereinstieg geraten, Schritt für Schritt.

Denn eines ist klar: Das Zittern, das wir in den vergangenen Wochen an den Märkten beobachtet haben, hat sich zu einem veritablen Schwächeanfall ausgeweitet. Und das kommt nicht von ungefähr. Mag ja sein, dass die USA eine Insel der ökonomischen Glückseligkeit sind, anderenorts jedoch sieht das ganz anders aus. In China etwa schwächt sich die Konjunktur ab — da mag der Aktienmarkt in Shanghai steigen, wie er will, er ist schlicht kein Gradmesser für die wirtschaftliche Gesundheit des Landes, sondern gleicht einem Spielkasino. Für China gibt es bessere Indikatoren, die Preise für Industriemetall etwa. Die sinken. Oder auch die Entwicklung des Australischen Dollar. Der fällt. Das ist wichtig, weil der Austral-Dollar ein Ausdruck der wechselseitigen Wirtschaftsbeziehungen mit China ist. Rutscht diese Währung ab, dann scheint etwas mit der Nachfrage aus dem Reich der Mitte nicht zu stimmen. Last, but not least die Börsen der Handelspartner, Hongkong und Südkorea etwa: beide im Abwärtstrend.

Aber man muss ja nicht mal den Kontinent wechseln: Theater gibt es auch in Europa genug. Etwa die griechische Tragödie mit befürchtetem Linksruck bei den Neuwahlen Ende des Monats sowie dem plötzlich wieder diskutierten Sonderweg der Hellenen: dem Grexit, dem Euro-Ausstieg. Nicht schön das. Aber eben auch Theater. Vielleicht schwächt sich ja die Tragödie nach der Wahl zu einer Tragikomödie ab. Dann dürften sich die Märkte auch wieder beruhigen. Doch noch ist das Gegenteil der Fall: Die Märkte sind unter Druck von London über Frankfurt bis — na ja! — Athen.

Und dann wäre da ja noch die Sache mit der Europäischen Zentralbank (EZB). Die deflationären Tendenzen sind alles andere als vom Tisch. EZB-Chef Mario Draghi wird umsetzen müssen, was er versprochen hat, um der siechen europäischen Wirtschaft doch noch Leben einzuhauchen: more money! Es scheint schon ausgemacht, dass es ein breit angelegtes Anleihekaufprogramm geben wird. Aber wird es funktionieren? Als Termin für Details kommt die anstehende EZB-Sitzung am 22. Januar ­infrage. Die Wahl in Griechenland findet übrigens drei Tage später statt. Auch keine so glückliche Konstellation.

Womit wir wieder bei der Gretchenfrage wären: Wie weit geht das nun mit der aktuellen Korrektur? Genau damit haben wir es zu tun: mit einer Korrektur in einem intakten Bullenmarkt, das sollten wir nicht vergessen! Der letzte Abschwung im Dezember jedenfalls war kurz und heftig. Von nicht ganz 10 100 Punkten am 5. Dezember fiel der DAX bis zum 16. Dezember auf fast 9200 Punkte — in gerade mal sieben Handelstagen. Das derzeitige DAX-Zwischenhoch wurde nach Weihnachten am 29. Dezember mit ungefähr 9950 Punkten erreicht. Wiederholt sich die Geschichte, dann könnte der Spuk also am Montag schon vorüber sein. An diesem Tag startet die US-Berichtssaison. Auch das noch. Und auch dort gibt es ja die eine oder andere Unsicherheit ...

Dienstag, 30. Dezember 2014

Auf Party folgt Kater folgt Party – Happy New Year!

2014 endet mit Jahresgewinnen an den wichtigsten Börsen der Welt. DAX, Dow Jones, Euro Stoxx und Nikkei – allesamt im Plus. Das neue Jahr könnte jedoch etwas holprig starten.

Der Dezember lief (fast) wie erwartet. Furioser Start, dann sehr schwach Richtung Monatsmitte und schließlich wieder aufwärts bis zum Jahresende, als klassischerweise die Verliereraktien des Jahres noch einmal aufholten. So läuft das oft im Dezember ab. Jahr für Jahr. Und weil die Kurse Schwung haben, könnte es im neuen Jahr dann gleich so weitergehen. Aber so einfach ist es an der Börse ja nicht. Der Januar könnte auch mit einem veritablen Kater beginnen, da vielleicht schon zu viel gefeiert worden ist.

Suchen wir mal das Haar in der Suppe: Es gibt — schon zum wiederholten Mal in den vergangenen zwölf Monaten — interessante Divergenzen an den Märkten. Da sind die USA, dort hat es der S&P-500 gerade wieder auf ein neues Rekordhoch geschafft und der Dow Jones kletterte zum ersten Mal über 18 000 Punkte. Und da sind die Börsen jenseits der Vereinigten Staaten, die hinterherhinken, etwa der Euro Stoxx, der britische FTSE oder auch die asiatischen Börsen, angefangen von Hongkong bis hin zu Taiwan. Ebenso der DAX, der sich zwar gut hält, aber den ständig neuen Rekorden an der Wall Street nicht recht folgen kann. Diese Divergenz, dieses Aus­einanderdriften ist ein Hinweis dafür, dass sich derzeit eben auch die Volkswirtschaften höchst unterschiedlich entwickeln. Und es könnte zudem ein Warnsignal sein für die weitere Entwicklung an den Aktienmärkten, sobald die noch günstigen saisonalen Faktoren ein Ende finden.

Neben diesem eher technischen Phänomen gibt das nachlassende Wachstum Chinas zu denken. Dort ist die Transformation einer Wirtschaftsordnung, die immer noch zu sehr von Infrastrukturausgaben auf Pump abhängt, hin zu einer, in welcher der Konsum die treibende Kraft ist, noch nicht wirklich gelungen. Und in Europa, tja, da ist es gerade Griechenland, das wegen vorgezogener Neuwahlen für eine gewisse Nervosität sorgt.

Die USA ragen aus dieser doch etwas ungemütlichen Welt-Gemengelage heraus. Doch können sie sich vom Rest des Globus abkoppeln? Man darf seine Zweifel haben. Das Problem daran: Kommt es in den USA zu einer Korrektur am Aktienmarkt, dann rauschen die Kurse diesseits des Atlantiks gleich noch viel heftiger in den Keller. Wir haben es 2014 ja etliche Male erlebt.

Bleibt also die Frage, was das denn nun war, diese Jahresendrally. Ist sie ein Zeichen von Vertrauen in die Stärke der US-Wirtschaft, die den Rest der Welt schon mit sich ziehen wird? Oder hatten wir es in den vergangenen Tagen doch nur mit einer technischen Reaktion auf den fast schon panischen Abverkauf zu Beginn des Monats Dezember zu tun?

Die angesprochenen Divergenzen deuten eher auf Letzteres hin. Der Start ins neue Jahr dürfte vermutlich holprig ausfallen. Kurzfristig ist also Vorsicht angebracht. Es ist sicher nicht verkehrt, das Risiko zu reduzieren, auch mal Gewinne mitzunehmen und auf günstigere Kurse zum Wiedereinstieg zu warten. Doch keine Panik: Es mag zwar kurzfristig wacklig werden, mittel- bis langfristig gibt es jedoch keinen Grund, dem Aktienmarkt den Rücken zu kehren.

Gerade in den USA sind sowohl die News aus der Unternehmenswelt als auch die makroökonomischen Daten überwiegend erfreulich. Hinzu kommt, dass vermutlich die positiven Effekte der stark gefallenen Öl- und Energiepreise in den Kursen noch längst nicht enthalten sind. Mit der anstehenden Veröffentlichung der neuesten Quartalszahlen sowie aktualisierter Ausblicke auf die Folgemonate dürfte es da einige positive Revisionen geben. Zur Erinnerung: Die kommende Berichtssaison in den USA beginnt am 12. Januar.

Und last not least: Happy New Year!

Donnerstag, 18. Dezember 2014

Wie gewonnen, so zerronnen, so gewonnen ...

Erstaunlich wackelig ist es an den Börsen. Ein wichtiger Grund dafür ist der fallende Ölpreis. Oder anders gesagt: Die negativen Effekte überdecken gerade die positiven. Noch.

Ob das wohl schon ein Vorgeschmack auf das kommende Jahr ist? Diese plötzliche und reichlich unerwartete Volatilitäts-Attacke — haben wir davon 2015 mehr zu erwarten? Die Aktienmärkte jedenfalls rutschen in den vergangenen Tagen bedenklich ab. Und das in einer Phase zum Jahresende, die sonst eigentlich von Window Dressing und damit eher steigenden Aktienkursen gekennzeichnet ist. 

Dieses Mal ist/war das offensichtlich anders. Dass bei den Parlamentswahlen in Japan die bisherige Regierung und damit auch der geld- und finanzpolitische Kurs bestätigt wurden, hat die Märkte jedenfalls noch nicht beruhigt. Jedoch scheint der US-Notenbank dies nun doch gelungen zu sein. Die beriet gestern über die Zinspolitik im neuen Jahr und will wohl Geduld walten lassen.

Der entscheidende Faktor scheint indes der Verfall des Ölpreises zu sein. Vor zwei Wochen hatten wir uns an dieser Stelle noch darüber gewundert, dass der Sell-off im Energiebereich kaum eine Auswirkung auf den Gesamtmarkt hatte — es schien ein Zeichen von Stärke zu sein. Aber denkste, die Auswirkungen zeigten sich lediglich mit Verzögerung, dafür aber mit Macht.

Man kann sich das vielleicht so erklären: Dass die Gewinnprognosen für die Unternehmen das Auf und Ab am Aktienmarkt bestimmen, ist unbestritten. Phasen von Marktschwäche waren daher immer geprägt von Gewinnschätzungen, die stagnierten oder zurückgenommen werden mussten. Genau das passiert gerade wieder: Die negativen Effekte des fallenden Ölpreises wurden durchgerechnet, die Gewinnerwartungen der Öl-Companies teils drastisch reduziert. Da der Sektor ein gewichtiger in den bedeutenden Aktienindizes ist, etwa im amerikanischen S&P-500, rutschten die Prognosen insgesamt, also für den Gesamtmarkt, ebenfalls ab. 

Gleichzeitig wurden aber die positiven Effekte des billigen Öls, etwa die fallenden Produktionskosten in der Industrie und steigende Konsumausgaben, offensichtlich noch nicht erfasst — wohl aus dem banalen Grund, dass diese schwerer einzuschätzen sind. So kommt es zur Sippenhaft, und fast alles fällt. Dass der nicht gerade von Öl-Unternehmen dominierte DAX dabei besonders abgestraft wird, scheint kurios, folgt aber der altbekannten Logik, dass der deutsche Aktienmarkt zur üblen Grippe neigt, wenn sich die Amerikaner lediglich mit einem Schnupfen herumplagen.

Was soll man also vom jüngsten Kursrutsch halten? Haben wir es nur mit einer  kurzen Episode zu tun? Fast scheint es so, denn die Konjunktur, vor allem in den USA, läuft gar nicht so schlecht. Und kommen jetzt noch die positiven Effekte durch das billigere Öl dazu, sollte sich der Aktienmarkt wieder fangen. Zumindest war dies in der Historie immer so, wenn sich der Rohstoff signifikant verbilligt hat — unter der Voraussetzung, dass dies durch ein höheres Angebot zustande kam und nicht durch eine Rezession. Die Großbank HSBC hat berechnet, dass der Weltaktienindex MSCI auf Sicht von zwölf Monaten um durchschnittlich 23 Prozent zugelegt hat, wenn Öl zuvor um 30 Prozent billiger wurde.

Dennoch sollte die plötzliche Volatilitäts-Attacke zu denken geben. 2015 dürfte vermutlich noch wackeliger werden als 2014. Denn Risiken gibt es genug, etwa die anstehende Zinswende in den USA — so sie denn tatsächlich im neuen Jahr kommt. Dazu die Wachstumsschwäche in Europa inklusive politischer Querelen rund um die Eurozone und die EU insgesamt. Nicht zu vergessen die geopolitischen Risiken, die durch den Ölpreis-Crash weiter zugenommen haben. Insgesamt dürfte das für heftiges Hin und Her sorgen, sogar die US-Notenbank Fed hat dies zuletzt mehrfach betont. Anleger sollten das beherzigen und bei Gelegenheit immer wieder mal Gewinne mitnehmen.