Dienstag, 31. Juli 2012

Trügerische Ruhe

Gerade habe ich die neueste Markteinschätzung der Sarasin-Leute bekommen. Meines Erachtens sehr treffend ...

Die Lage an den Finanzmärkten ist angespannt. Die globale Wirtschaft befindet sich in einer unaufhaltbaren Wachstumsverlangsamung und die Euroschuldenkrise ist kurzfristig nicht lösbar. Dank den Versprechungen der Zentralbanken, alles zu tun, um das Schlimmste abzuwenden, halten aber viele Anleger an Risikoanlagen fest und hoffen auf eine positive Wende. Wir zweifeln daran, dass diese Wende in Kürze gelingen wird, und haben unsere Portfolio-Risiken mit dem Abbau von Rohstoffanlagen weiter reduziert. Die Gewichtung von Unternehmens- und Schwellenländeranleihen, welche wir als relativ sichere Häfen betrachten, haben wir hingegen erhöht.

Im Juli kam es zu einer weiteren Achterbahnfahrt an den Finanzmärkten. Sogenannte risikoreiche Papiere und vermeintlich risikolose Anlagen standen abwechslungsweise in der Gunst der Anleger. Während von der Makroseite fast nur negative Meldungen zu verzeichnen waren, kamen die Zentralbanken den Märkten mit Wort und Tat zu Hilfe. Die Versprechungen der US-Notenbank sowie der Europäischen Zentralbank (EZB), dass sie noch mehr tun können, um die Wirtschaft und das Finanzsystem zu stützen, beflügelten die Aktienmärkte. Aber auch italienische und spanische Anleihen, welche zuvor bei rekordhohen Zinsen handelten, profitierten davon.
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Das wirtschaftliche Umfeld hat sich zu Beginn des dritten Quartals weiter verschlechtert. Europa steckt in der Rezession, da die schleichende Kreditklemme zu einem Rückgang der Investitionen geführt hat. Immer mehr zeichnet sich ab, dass nicht nur die Peripherie unter der Euroschuldenkrise leidet, sondern auch der bis anhin noch robuste Kern Eurolands. So zeigen nun auch die Einkaufsmanagerindizes für Frankreich und Deutschland eine Rezession an ...
Die Wachstumsschwäche ist aber nicht nur auf Europa beschränkt, sondern hat auch die USA sowie große Teile der Schwellenländer erfasst. Die jüngsten Zinssenkungen in China und Korea zeugen von der Sorge der Geldpolitiker. Während das US-Fed noch zögert, mehr Geld zu drucken, dürfte die EZB nach der Ankündigung durch Präsident Mario Draghi, schon bald neue Maßnahmen einleiten, um die Wirtschaft zu stimulieren und die Zinsen in der Peripherie zu drücken. Auch wenn diese Maßnahmen bereits im August erfolgen würden, dürfte es ein paar Monate dauern, bis die Wirkung in der realen Wirtschaft ankommt. Das Wirtschafsumfeld wird sich daher zunächst weiter eintrüben, bevor ein neuer zyklischer Aufschwung erfolgen wird.
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Die globale Wachstumsverlangsamung ist nun in vollem Gange und dürfte sich negativ auf die Entwicklung von Risikoanlagen auswirken. Wir bleiben daher deutlich untergewichtet in Aktien und haben Rohstoffe nach ihrer Erholung im Juli ebenfalls auf eine Untergewichtung reduziert. Allfällige Stimulierungsmaßnahmen der Zentralbanken könnten zu temporären Rallyes führen, doch eine Wende im Konjunkturzyklus wird notwendig sein, um das Klima für Risikoanlagen nachhaltig zu verbessern. Bei der Euroschuldenkrise sehen wir keine kurzfristige Lösung, da die politischen Prozesse nur schleppend vorangehen. Eine weitere Eskalation im Falle von Griechenland und Spanien ist nicht auszuschließen. In unserer Anlagepolitik gehen wir daher nur sehr selektiv aktive Risiken ein. Dies zum Beispiel im Bereich der Anleihen mit geringerer Bonität sowie bei Immobilienanlagen. Diese Anlageklassen profitieren von der finanziellen Repression, welche einkommensbewusste Anleger von risikolosen Nullzins-Papieren in Anlagen mit höherem Risiko treibt.

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