Montag, 29. Oktober 2012

Ownership Dingsda – Die blöden Aktionäre

Deutschlands größere Städte werden zunehmend von Oberbürgermeistern regiert, die politisch links der Mitte einzuordnen sind. Der Schwabe Fritz Kuhn in Stuttgart als frischestes Beispiel. Die Süddeutsche Zeitung hat das erkannt und beschwört in ihrer Wochenendausgabe die nicht mehr ganz neue Idee der "neuen Bürgerlichkeit".

In einem zweiseitigen Dossier kommt dazu auch der Soziologe Heinz Bude zu Wort. Und der sagt in einem Absatz etwas, was auch uns Anleger betrifft: "Diese aggressive Bürgerlichkeit der Ownership Society, die wir seit mindestens 25 Jahre weltweit hatten – wer das heute noch von sich gibt, gilt als blöd."

Er hat tatsächlich blöd gesagt, und so wurde es auch gedruckt. Demnach gilt man als Aktionär also als blöd, weil man als Eigenkapital-Geber zwangsläufig Teil besagter Ownership Society ist – was ist das überhaupt für ein schrecklicher Anglizismus?

Nun gut. Der Bude hat's sicher nicht böse gemeint, es scheint ihm wohl um den Aspekt der Aggressivität in diesem Ownership-Dingsda zu gehen. Und da mag man ihm recht geben. Zumindest momentan ...

Blickt man auf die Finanzmärkte, fällt auf: Die Regulierung nimmt zu – das zähmt die Aggressoren. Ausserdem scheinen sich die Anleger selbst zurückzunehmen, freiwillig. Nach meinem Empfinden ist die Renditejagd der Gogo-Jahre einem großem Sicherheitsbedürfnis gewichen. Safety first, scheint die neue Maxime zu sein. Was gar nicht so einfach ist: Durch die Krise der vergangenen Jahre ist klar, dass es absolut sichere Geldanlagen nicht (mehr) gibt, egal ob Anleihen, Aktien, Immobilien, Edelmetalle oder das Horten von Barem.

Und wie ist das dann jetzt wohl mit dieser neuen Bürgerlichkeit? Ich denke: Setzen die Notenbanken der Welt ihren Niedrigzinskurs weiter fort (und wer hegt daran Zweifel?), werden wieder und vermehrt Begehrlichkeiten geweckt, sind neue Blasen nicht fern. Und die Bürgerlichkeit – ob neu oder aggressiv oder wie auch immer wir sie nennen wollen – wird daraus Kapital schlagen. Definitiv. Und dann haben wir eine ordentliche Renaissance dieses Ownership Dingsdas, ob uns das jetzt passt oder nicht.

1 Kommentar:

  1. Wenn ihr euer Geld nicht unter dem Kopfkissen verstecken wollt, kauft Aktien. Das ist die Wirtschaft.

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