Dienstag, 18. Dezember 2012

Ten Outrageous Predictions

Die dänische Saxo Bank veröffentlicht ihre jährlichen 10 Outrageous Predictions – mögliche, aber eher unwahrscheinliche Ereignisse, die "gleichzeitig aber weit weniger abwegig sind, als es auf den ersten Blick scheint". Gedankenspiele also  – nicht mehr, nicht weniger.

(Ich finde alle zehn Thesen eher abwegig. Eventuell trifft Punkt 3 zu. Und auch Punkt 8 hat einen gewissen Charme)

1. DAX stürzt um 33 Prozent auf 5.000 Punkte
Die chinesische Konjunktur verliert weiter an Tempo und versetzt der deutschen industriellen
Expansion damit einen Dämpfer. Dies führt zu Kurseinbrüchen bei Industriewerten und einem
sinkenden Verbrauchervertrauen. Die Popularitätswerte von Kanzlerin Merkel im Vorfeld der
Bundestagswahlen brechen ein. Die Wirtschaftslage ist schlecht und die politische Unsicherheit groß, da sich Deutschland einer weiteren Vergemeinschaftung der Euro‐Schulden nähert. In der Folge fällt der DAX auf 5.000 Punkte und damit im Jahresverlauf um insgesamt 33 Prozent.

2. Verstaatlichung der japanischen Elektronikriesen
Die japanische Elektronikindustrie befindet sich im Niedergang und muss sich der südkoreanischen
Konkurrenz geschlagen geben. Durch Verluste in Höhe von insgesamt 30 Milliarden US‐Dollar in den vergangenen zwölf Monaten haben die einstigen Vorzeigekonzerne Sharp, Panasonic und Sony erheblich an Kreditwürdigkeit eingebüßt. Die japanische Regierung verstaatlicht die Elektronikriesen und folgt dabei dem Beispiel der US‐Regierung bei der Rettung der Automobilindustrie.

3. Preis für Sojabohnen steigt um 50 Prozent
2012 sorgten schlechte Witterungsbedingungen weltweit für massive Ernteausfälle. Die
amerikanischen Lagerendbestände für Sojabohnen sind auf ihrem tiefsten Stand seit neun Jahren. Weitere wetterbedingte Störungen in den USA, Südamerika oder China könnten den Preis neuer Sojaernten in die Höhe schnellen lassen. Die steigende Nachfrage nach Biokraftstoffen (hier
Sojabohnen für Biodiesel) wird ebenfalls zu vorübergehenden Preisspitzen führen. Spekulative
Investoren stehen bereits in den Startlöchern. Diese Kombination aus markttechnischer und
fundamentaler Nachfrage könnte den Preis bis zu 50 Prozent nach oben heben.
Ernährungssicherheit wird ein Schlagwort.

4. Gold korrigiert und fällt auf 1.200 US‐Dollar pro Feinunze
Die Stärke des US‐Aufschwungs in 2013 überrascht den Markt und insbesondere Goldinvestoren.
Diese Tatsache, sowie eine schwächere Nachfrage nach physischem Gold aus China und Indien –
beide haben mit Wachstumsschwäche und steigender Arbeitslosigkeit zu kämpfen – führen zur
Auflösung von Goldbeständen. Der Goldpreis rutscht auf 1.200 US‐Dollar, bevor Zentralbanken in die Bresche springen, um die niedrigen Preise zur Auffüllung ihrer Goldbestände zu nutzen.

5. Rohöl der Sorte WTI fällt auf 50 US‐Dollar
Die Energieproduktion in den USA steigt weiter an. Möglich wird dies durch modernste
Produktionstechniken wie beispielsweise bei der Förderung von Schieferöl. Auch die Förderung von
Rohöl steigt stark an. Da die heimischen Lagerbestände bereits auf dem höchsten Stand seit 30
Jahren sind und es nur begrenzte Möglichkeiten zur Ausfuhr gibt, kommt der Preis für WTI erneut
unter Druck. Der Preis pro Barrel purzelt auf 50 US‐Dollar.

6. Wechselkurs USD/JPY fällt Richtung 60,00
In Japan ist die Liberaldemokratische Partei wieder an der Macht und damit ein politisches Programm, das den Yen angeblich schwächen soll. Doch es werden nur halbherzige Maßnahmen ergriffen und der Markt hat sich unterdessen für eine Yen‐Schwäche überpositioniert. Da der Risikoappetit nachlässt, kommt es zu einer Rückführung von Kapital aus dem Ausland. Der Yen wird zur stärksten Währung der Welt und der USD‐JPY‐Wechselkurs sinkt auf 60,00. Das ebnet damit den Weg für Regierung und BoJ, zu radikaleren Maßnahmen zu greifen, um den Yen zu zügeln – so wie sie es zuerst versprochen hatten.

7. Ende der Wechselkursanbindung EUR/CHF – Euro fällt auf 0,9500
Die Risiken in der Europäischen Währungsunion verschärfen sich – möglicherweise durch den Wahlausgang in Italien oder den Austritt Griechenlands aus der EWU. Daher kommt es erneut zu einem Kapitalansturm auf die Schweiz. Die Schweizer Nationalbank und die Regierung in Bern beschließen, die Wechselkursanbindung des Franken an den Euro einstweilen zu beenden, anstatt eine Anhäufung der Devisenreserven auf mehr als 100 Prozent des BIP zu dulden. Der EUR‐CHF-Wechselkurs fällt unter Parität und damit auf den niedrigsten Stand aller Zeiten. Die Schweiz ist gezwungen durch Kapitalkontrollen den Höhenflug des Franken zu stoppen.

8. Hongkong koppelt HKD vom USD ab und bindet ihn an RMB
Hongkong koppelt seinen Dollar vom US‐Dollar ab und bindet ihn an den chinesischen Renminbi. Auch andere Länder Asiens machen Anstalten, diesem Beispiel zu folgen. Die Volatilität der chinesischen Währung nimmt zu, je mehr China seine Kontrolle über deren Kursentwicklung lockert. Hongkong entwickelt sich rapide zu einem der wichtigsten Devisenhandelszentren der Welt und zum wichtigsten Handelsplatz für den Renminbi.

9. Mit Zinsen von 10 Prozent nähert sich Spanien der Pleite
Die sozialen Spannungen in Spanien sind enorm, weshalb die öffentliche Hand ihre Ausgaben nicht mehr weiter kürzen kann. 2013 werden spanische Staatsanleihen auf Ramschstatus heruntergestuft. Die sozialen Lasten treiben Spanien an den Rand seiner Belastungsfähigkeit. Das Land wendet sich von der offiziellen politischen Linie der EU ab, weiter eine Strategie des „Extend and Pretend“ zu verfolgen. Nach der Herabstufung gehen die Renditen steil nach oben, denn es wird bereits ein Staatsbankrott eingepreist.

10. Die Rendite 30‐jähriger US Treasuries verdoppelt sich
Die Nullzinspolitik der US‐Notenbank treibt Investoren weg von festverzinslichen Produkten hin zu anderen Anlageformen. Erzielen Anleger nach Kosten keine oder sogar eine negative Rendite, ist es sinnvoller, Anleihen durch Aktien zu ersetzen. Der Anleihenmarkt ist um ein vielfaches größer als der Aktienmarkt. Für jede zehn Prozent, um die Publikumsfonds ihre Anleihegewichtungen reduzieren, steigen die Nettozuflüsse in den Aktienmarkt um etwa 30 Prozent. Das könnte nicht nur zu höheren Zinsen in den USA führen, sondern auch den Beginn einer jahrzehntelangen Outperformance von Aktien gegenüber Anleihen markieren.

Ach ja, die Thesen 2011 haben sich überwiegend nicht bewahrheitet. Mit Abstrichen noch die Punkte 1, 6 und 10.

1. Die Apple-Aktie bricht um 50 Prozent ein gegenüber ihrem Höchststand von 2011
2. EU beschließt Urlaubswoche für Europas Finanzmärkte
3. Ein bisher nicht angekündigter Kandidat erobert das Weiße Haus
4. Australien rutscht in die Rezession
5. Basel III und Regulierungseingriffe erzwingen die Verstaatlichung von 50 EU-Banken
6. Schweden und Norwegen werden die neue Schweiz
7. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) gewinnt und katapultiert EUR/CHF auf 1,50
8. USD/CNY legt um 10 Prozent auf 7,00 zu
9. Der Baltic Dry Index steigt um 100 Prozent
10. Die Weizenpreise verdoppeln sich 2012

Kommentare:

  1. So abwegig sind die Thesen doch gar nicht. Roland Leuschel sieht den DAX auch ungefähr in den Bereich abstürzen. Da steht die Saxo Bank also nicht alleine da. China wird wohl im Laufe des Jahres schlappmachen. Die japanischen Elektonikriesen pfeifen jetzt schon aus den letzten Löchern. Und das die Schweiz dem Aufwertungsdruck nicht ewig wird standhalten können, ist auch abzusehen.

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  2. Die meisten der Thesen sind stark korreliert und werden in einem Worst-Case-Szenario vermutlich passen. Es ist ja nicht so, dass ich mir keine Sorgen mache, aber aktuell sehe ich keinen "Trigger" für ein derartiges Szenario ... Europa wird "weiterwurschteln", China ebenso ...

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  3. soso, ich sehe aber jede Menge möglicher "Trigger": Baltic Dry-, Empire State- und Philly-Fed-Index sind alle im roten Bereich. Bloß die Märkte reagieren nicht darauf. Warum? Möglicherweise weil gerade wieder eine Spekulationswelle rollt. Zum Jahresende ist das ja nicht unüblich, weil zum Jahresanfang einige Marktakteure ihre erwirtschafteten Prämien, Zinsen usw. anlegen müssen. Warten wir aber mal ab, was danach passiert....

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  4. Der Baltic Dry taugt seit Jahren nicht mehr recht als vorlaufender Indikator. Die Indikatoren für die Unternehmensstimmung sind in der Tat nicht sonderlich gut ... ich hatte das ja neulich hier ...

    Demgegenüber stehen aber die Notenbanken. Die haben die "Jokerrolle" inne ....

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