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| Zum Vergrößern bitte anklicken, Quelle: €uro, Heft 1/2013 |
Weihnachtszeit – Schlemmerzeit. Mit seiner Organisation
Foodwatch kämpft der 65-Jährige Thilo Bode dafür, dass einem das Essen nicht im Halse
stecken bleibt
Seine Karriere: Dafür, dass Thilo Bode gern als Inbegriff des Kampagneros
oder gar als Guerillakämpfer bezeichnet wird, hat er recht spät zu seiner
Berufung gefunden. Mit 42 wurde Bode Chef von Greenpeace Deutschland, sechs
Jahre später gar von Greenpeace International.,Davor hatte sich der promovierte
Volkswirt von Job zu Job gehangelt. Ständig zog es ihn weiter. „Ich wollte immer
Entwicklungspolitik machen“, sagt er. Was er auch tat:
Energieprojekte für Lahmeyer, Reisen nach Somalia für die KfW, nach China für
die Weltbank. Es folgte ein Job als Vorstandsassistent bei einem mittelständischen
Metallkonzern. Dann Greenpeace. Und ab 2002 Foodwatch. „Ich wollte raus aus den
Mechanismen, wollte frei arbeiten.“ ....
Seine Freunde: Bodes Freundeskreis ist groß. Wenn man alle Förderer
und Spender seiner Organisation Foodwatch mitzählt, kommt man auf mehr als 25
000 Personen und Organisationen. Und die lassen sich die Kampagnen richtig was kosten:
Im Jahr 2011 summierten sich die Fördergelder auf über 1,7Millionen Euro. Zu
den Großspendern, die Foodwatch mehr als 5000 Euro zukommen ließen, gehört
beispielsweise die Autorin Charlotte Roche. „Schlau machen und aufklären ist
zwar anstrengend, aber genau darum unterstütze ich Foodwatch mit ganzem Herzen und
Portemonnaie“, so Roche. Zum Freundeskreis gehören
weitere Prominente, von Schauspielern bis zu Spitzenköchen, Personen des öffentlichen
Lebens und Fachleute, denen „die Qualität von Lebensmitteln ein Anliegen“ ist. Das sind unter
anderem der Musiker Thomas D und die Starköche Vincent Klink, Tim Mälzer sowie
Sarah Wiener. Recht freundschaftlich dürfte der Draht zum
Fischer-Verlag sein. Der verlegt Bodes Buch „Die Essensfälscher“,
das sich bislang über 100 000 Mal verkauft hat. Auch staatliche Institutionen
würdigen sein Schaffen: 2001 erhielt er das Bundesverdienstkreuz.
Seine Förderer: Es war im Jahr 2002. Ganz Deutschland redete
über die Rinderseuche BSE.
Politik und Verbraucher schienen im Schockzustand, es ging
an die Grundfesten. Und Bode, dessen Vertrag bei Greenpeace gerade ausgelaufen
war, wollte das Vakuum füllen. Mit
Spenden, Stiftungsgeldern und einem Kredit der GLS Gemeinschaftsbank
brachten Bode und eine Handvoll Mitstreiter ein Startkapital von 1,5 Millionen
Euro auf und gründeten Foodwatch. Einer der Hauptgeldgeber damals war der Schokoladenfabrikant
Alfred Ritter, der 250 000 Euro zur Gründung spendete. Ein Umstand,
der Bode bisweilen immer noch zum Vorwurf gemacht wird: Wie konnte sich eine
Verbraucherorganisation ausgerechnet von einem Lebensmittelkonzern finanzieren
lassen? Bode bleibt da aber gelassen: „Damals ging es uns um BSE.“
Seine Gegner: Feindbild Nummer 1: Die Geschäftspraktiken der
Lebensmittelindustrie, die „Zuckerbomben und dreisten Werbelügen“
von Konzernen wie Danone, Ferrero oder Kraft. Zum Feindbild gehört auch
Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner. Die ist Bode zu lasch. Außerdem
scheint er der Ministerin immer einen Schritt voraus zu sein. So hat Aigner
jüngst die Webportale lebensmittelwarnung.de und lebensmittelklarheit.de
gestartet. Und beide
ähneln doch stark Bodes Seite abgespeist.de, die seit Jahren
den Etikettenschwindel der Lebensmittelbranche
anprangert. Aigner sieht das anders, sie empfindet sich als sachlich, Bode
dagegen lebe von der „Skandalisierung“, das sei sein „Geschäftsmodell,
um möglichst viele Mitglieder und Spendengelder zu gewinnen“.
Bode wiederum findet Aigner halbherzig: „Wenn sie es ernst meint mit mehr
Lebensmittelklarheit, dann muss sie Gesetzeslücken schließen. Es reicht nicht,
freiwillige Selbstverpflichtungen einzuführen.“ Feindbild Nummer 2:
Teile der Finanzbranche, vor allem der einstige Deutsche-Bank-Chef Josef
Ackermann. Vor Gericht erstritt sich Bode das Recht, Einsicht in die Gästeliste
der Geburtstagsparty zu bekommen, die Bundeskanzlerin Angela Merkel 2008 für
Ackermann ausrichten ließ. Bode wollte wissen, welche Rolle die Nähe zwischen Regierung und
Finanzindustrie in der Krise gespielt hat. Und noch einmal Ackermann: Mit
Slogans wie „Die Hungermacher“ und „Mach Dich vom
Acker, Mann“ prangert Bode seit Herbst 2011 die Banken an, sich mit
der Spekulation auf Rohstoffpreise mitschuldig an Hungerkatastrophen in der
Dritten Welt zu machen. Ackermann versprach darauf, die Vorwürfe zu prüfen und,
falls ja, entsprechende Konsequenzen zu ziehen. Bisher ist aber nichts daraus
geworden, groß angekündigte Studienergebnisse blieben aus. Bode bezichtigt
Ackermann daher, sein Versprechen gebrochen zu haben. „Nicht wir müssen die Schädlichkeit der
Spekulationen beweisen, sondern Banken deren Unschädlichkeit“,
sagt der Foodwatch-Mann.

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