Montag, 24. Dezember 2012

Thilo Bode – Der Kampagnero

Zu Weihnachten gibt es etwas Leichtes zu lesen. Das "Machtnetz Thilo Bode", entnommen der aktuellen €uro (gibt's am Kiosk für 6,50 €)

Zum Vergrößern bitte anklicken, Quelle: €uro, Heft 1/2013

Weihnachtszeit – Schlemmerzeit. Mit seiner Organisation Foodwatch kämpft der 65-Jährige Thilo Bode dafür, dass einem das Essen nicht im Halse stecken bleibt

Seine Karriere: Dafür, dass Thilo Bode gern als Inbegriff des Kampagneros oder gar als Guerillakämpfer bezeichnet wird, hat er recht spät zu seiner Berufung gefunden. Mit 42 wurde Bode Chef von Greenpeace Deutschland, sechs Jahre später gar von Greenpeace International.,Davor hatte sich der promovierte Volkswirt von Job zu Job gehangelt. Ständig zog es ihn weiter. „Ich wollte immer Entwicklungspolitik machen, sagt er. Was er auch tat: Energieprojekte für Lahmeyer, Reisen nach Somalia ­für die KfW, nach China ­für die Weltbank. Es folgte ein Job als Vorstandsassistent bei einem mittelständischen Metallkonzern. Dann Greenpeace. Und ab 2002 Foodwatch. „Ich wollte raus aus den Mechanismen, wollte frei arbeiten.“ .... 
Sein Privatleben: Der am Ammersee geborene Bode spricht lieber von der großen Sache als von sich selbst. Aber ein paar Dinge weiß man. Er ist Genussmensch, liebt klassische Musik, die Oper. Auch ein Zigarettchen gönnt er sich ab und an. Und zu einem guten Schweinebraten kann er ebenso schlecht Nein sagen wie zu einer Berliner Currywurst. Zweimal war der 1,90 Meter große Hüne verheiratet, beide Male wurde die Ehe wieder geschieden. Bode hat einen erwachsenen Sohn.

Seine Freunde: Bodes Freundeskreis ist groß. Wenn man alle Förderer und Spender seiner Organisation Foodwatch mitzählt, kommt man auf mehr als 25 000 Personen und Organisationen. Und die lassen sich die Kampagnen richtig was kosten: Im Jahr 2011 summierten sich die Fördergelder auf über 1,7­Millionen Euro. Zu den Großspendern, die Foodwatch mehr als 5000 Euro zukommen ließen, gehört beispielsweise die Autorin Charlotte Roche. „Schlau machen und aufklären ist zwar anstrengend, aber genau darum unterstütze ich Foodwatch mit ganzem Herzen und Portemonnaie, so Roche. Zum Freundeskreis gehören weitere Prominente, von Schauspielern bis zu Spitzenköchen, Personen des öffentlichen Lebens und Fachleute, denen „die Qualität von Lebensmitteln ein Anliegen ist. Das sind unter anderem der Musiker Thomas D und die Starköche Vincent Klink, Tim Mälzer sowie Sarah Wiener. Recht freundschaftlich dürfte der Draht zum Fischer-Verlag sein. Der verlegt Bodes Buch „Die Essensfälscher, das sich bislang über 100 000 Mal verkauft hat. Auch staatliche Institutionen würdigen sein Schaffen: 2001 erhielt er das Bundesverdienstkreuz.

Seine Förderer: Es war im Jahr 2002. Ganz Deutschland redete über die Rinderseuche BSE.
Politik und Verbraucher schienen im Schockzustand, es ging an die Grundfesten. Und Bode, dessen Vertrag bei Greenpeace gerade ausgelaufen war, wollte das Vakuum füllen. Mit  Spenden, Stiftungsgeldern und einem Kredit der GLS Gemeinschaftsbank brachten Bode und eine Handvoll Mitstreiter ein Startkapital von 1,5 Millionen Euro auf und gründeten Foodwatch. Einer der Hauptgeldgeber damals war der Schokoladenfabrikant Alfred Ritter, der 250 000 Euro zur Gründung spendete. Ein Umstand, der Bode bisweilen immer noch zum Vorwurf gemacht wird: Wie konnte sich eine Verbraucherorganisation ausgerechnet von einem Lebensmittelkonzern finanzieren lassen? Bode bleibt da aber gelassen: „Damals ging es uns um BSE.

Seine Gegner: Feindbild Nummer 1: Die Geschäftspraktiken der Lebensmittelindustrie, die „Zuckerbomben und dreisten Werbelügen von Konzernen wie Danone, Ferrero oder Kraft. Zum Feindbild gehört auch Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner. Die ist Bode zu lasch. Außerdem scheint er der Ministerin immer einen Schritt voraus zu sein. So hat Aigner jüngst die Webportale lebensmittelwarnung.de und lebensmittelklarheit.de gestartet. Und beide
ähneln doch stark Bodes Seite abgespeist.de, die seit Jahren den Etikettenschwindel der  Lebensmittelbranche anprangert. Aigner sieht das anders, sie empfindet sich als sachlich, Bode dagegen lebe von der „Skandalisierung, das sei sein „Geschäftsmodell, um möglichst viele Mitglieder und Spendengelder zu gewinnen. Bode wiederum findet Aigner halbherzig: „Wenn sie es ernst meint mit mehr Lebensmittelklarheit, dann muss sie Gesetzeslücken schließen. Es reicht nicht, freiwillige Selbstverpflichtungen einzuführen. Feindbild Nummer 2: Teile der Finanzbranche, vor allem der einstige Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Vor Gericht erstritt sich Bode das Recht, Einsicht in die Gästeliste der Geburtstagsparty zu bekommen, die Bundeskanzlerin Angela Merkel 2008 für Ackermann ausrichten ließ. Bode wollte wissen, welche Rolle die Nähe zwischen Regierung und Finanzindustrie in der Krise gespielt hat. Und noch einmal Ackermann: Mit Slogans wie „Die Hungermacher und „Mach Dich vom Acker, Mann prangert Bode seit Herbst 2011 die Banken an, sich mit der Spekulation auf Rohstoffpreise mitschuldig an Hungerkatastrophen in der Dritten Welt zu machen. Ackermann versprach darauf, die Vorwürfe zu prüfen und, falls ja, entsprechende Konsequenzen zu ziehen. Bisher ist aber nichts daraus geworden, groß angekündigte Studienergebnisse blieben aus. Bode bezichtigt Ackermann daher, sein Versprechen gebrochen zu haben. „Nicht wir müssen die Schädlichkeit der Spekulationen beweisen, sondern Banken deren Unschädlichkeit, sagt der Foodwatch-Mann.

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