Donnerstag, 24. Januar 2013

Es purzeln die Rekorde

Es ist viel passiert in den vergangenen Tagen. Ich fasse es mal zusammen:
  • Aktien sind gefragt wie seit dreieinhalb Jahren nicht mehr – ein Kontraindikator?
  • Der S&P-500 notiert so hoch wie zuletzt Ende 2007. Die viel gescholtenen Notenbanken haben wohl doch vieles richtig gemacht.

Aktien sind en vogue. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hat das in einer weltweit durchgeführten Umfrage bestätigt. Demnach wollen zwei Drittel der befragten Analysten, Händler und Großinvestoren in den kommenden sechs Monaten verstärkt Aktien kaufen – von New York über London und Frankfurt bis Hongkong und Tokio. Bemerkenswert, denn so groß war die Lust auf Dividenpapiere lange nicht. Laut Bloomberg-Berechnungen hat es dreieinhalb Jahre gedauert, dass sich wieder derart viele Anleger an Aktieninvestments trauen. 

Begründet wird dies mit frischem Optimismus. Da ist plötzlich wieder Zuversicht, dass es aufwärts geht, sowohl mit der US-Wirtschaft wie auch mit der von der Euro-Krise geplagten Konjunktur des Alten Kontinents. Und China traut man ebenfalls zu, das ganz eigene Wirtschaftsmodell erfolgreich auf mehr Binnenkonsum umzustellen. Eigentlich eine tolle Sache, diese neue Zuversicht

Der Haken daran: seit etwas mehr als dreieinhalb Jahren steigen die Aktienmärkte, obwohl die Zuversicht bis dato alles andere als ausgeprägt war. In der Börsianersprache heißt es so schön: Die Kurse haben eine „Wall of worry“ bezwungen, eine Sorgenmauer. Nun werden diese Sorgen scheinbar weniger. Und flugs drängen sich andere Weisheiten auf, etwa die alte Börsenregel: Buy on bad news, sell on good news.

Also jetzt verkaufen? Eher nein. Dass der US-Aktienindex S&P-500 vergangene Woche den höchsten Stand seit Ende des Jahres 2007 erreicht hat, kommt nicht von ungefähr. Und aus den selben Gründen dürfte die Rallye noch nicht zu Ende sein. Denn es ist die konstante und stringente Geldpolitik der Notenbanken, die diese Aktienrally nährt. 

Bestes Beispiel ist die US-Notenbank Fed: Die hat durch die lockere Geldpolitik für einen positiven Vermögens- und Einkommenseffekt gesorgt. Die rekordtiefen Zinsen entlasten die US-Haushalte bei der Tilgung Ihrer Hypothekenschulden. Weil gleichzeitig die Immobilien- und Aktienmarktpreise steigen, nimmt das Gesamtvermögen der Haushalte zu – zumindest gefühlt. Als Konsequenz haben die Bürger mehr Geld für Konsum in der Tasche. Und das geben sie auch aus. 

Parallel dazu führt die gute Stimmung an den Aktienmärkten auch zu mehr Zuversicht in der Unternehmenswelt. Dort wird zwar noch jede Menge Cash gehortet, doch die Erfahrung zeigt, dass ein Anstieg an den Börsen mit einer Verzögerung von zwei Quartalen auch zu einem Anstieg der Investitionen führt. Für die kommenden zwei Quartale ist daher wohl noch einiges zu erwarten.

Zum Vergrößern bitte anklicken, Quelle: Sarasin

Das Problem ist: Die USA müssen früher oder später den Haushalt konsolidieren. Und das wird zu Lasten des Wachstums gehen. Dann jedoch wird wohl wieder die Notenbank auf den Plan treten und ihre fantastisch-schaurige, einem Perpetuum Mobile gleichende Stimulus-Maschinerie anwerfen, und auf QE1, QE2, Operation Twist und QE3 ein weiteres Liquiditätsprogramm folgen lassen. Und wie schon bei den bisherigen Programmen werden über die Ankündigung einer Geldmengen-Ausweitung sowohl Inflations- und Konjunkturerwartungen wie auch die Börse steigen. Das ist der beunruhigende Teil der Geschichte: Ein Konzept, so scheint es, das einmal in Gang gesetzt, ewig in Bewegung bleibt. Dumm nur, dass so eine Maschine jeglichem physikalischem Gesetz widerspricht.

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