Dienstag, 19. Februar 2013

Futter für die Bullen

Da ist man mal eine Woche weg und stellt bei Rückkehr – einigermaßen überrascht – fest, dass sich an der Börse kaum etwas getan hat: Stillstand beim Dax und Beinahe-Stillstand an der Wall Street. Bis gestern jedenfalls. Heute geht es wieder nach oben, was mit meiner Rückkehr natürlich nichts zu tun hat.

Dazu ein paar Zahlen: der S&P-500 hat inzwischen sieben Wochen in Folge zugelegt. Das ist die längste Gewinnstrecke seit zwei Jahren. Der Januar war außerdem mit 6,6 Prozent Plus der beste Monat für den breiten US-Aktienindex seit 1997. Zum Rekordhoch, das im Oktober 2007 erreicht wurde, fehlen nur noch etwa drei Prozent.

Woran liegt's? Das Wachstum in der Welt ist sicher nicht überragend, in den USA schrumpfte die Wirtschaft gar im Schlußquartal 2012. Die US-Arbeitslosenrate liegt bei 7,9 Prozent, also deutlich über dem Langfrist-Durchschnitt von 5,8 Prozent (gemessen zwischen 1958 und 2012). Und auch die Gewinnzahlen der Unternehmen sind – nun ja – so la la ... Positiv dagegen: die Bewertungen sind relativ niedrig. Im Januar lag das KGV des S&P-500 bei durchschnittlich 15. Das ist deutlich weniger als der Schnitt der vergangenen sechzig Jahre, der bei 16,3 liegt.

Rechtfertigt das die steigenden Kurse? Anscheinend ja. Die Volatilität an der US-Börse, also die Schwankungsintensität, hat jedenfalls extrem nachgelassen. Laut Bloomberg-Daten ist sie so niedrig wie zuletzt 1995. Ein gutes Zeichen, finde ich. Ein Zeichen für wiederkehrendes Vertrauen in Aktien. Vermutlich auch ein Zeichen dafür, dass die Gefahr "externer Schocks" niedriger eingestuft wird. Zurecht oder nicht, sei mal dahingestellt.

Daten seit 1930. Zum Vergrößern bitte anklicken, Quelle: Bloomberg

Fakt ist: neun Mal war die Volatilität in den Historie des S&P-500 derart niedrig wie jetzt – und jedesmal wurde das Jahr mit einem Plus beendet.

Untermauert wird die neue Lust an der Aktie auch an den Geldflüssen. Im Januar sind in den USA 37 Milliarden Dollar netto in Aktienfonds geflossen – so viel wie seit 2004 nicht mehr. Vielleicht der Beginn einer Trendwende, waren doch seit 2009 bisher 300(!) Milliarden abgezogen worden.

Kommentare:

  1. Dem gegenüber stehen die ökonomischen Zahlen, nämlich dass die US-Wirtschaft im 4-ten Quartal um 0,1% geschrumpft ist, die Arbeitslosigkeit im Januar um 0,1 auf 7,9% gestiegen und die US-Bürger seit dem 31.12. mit erhöhten Sozialabgaben in Form einer sog. "payroll tax" belastet werden, was wegen Konsumzurückhaltung etwa schon für einen Kursrückgang bei der Wal-Mart-Aktie am Freitag gesorgt hat.

    AntwortenLöschen
  2. Und die Wirtschaftslage in allen Eurokrisenländern sieht ja natürlich auch nicht besser aus!!!

    AntwortenLöschen
  3. @Blümel - Gibt es vielleicht eine Einschätzung zum Einfluss einer möglichen Freihandelszone mit der USA?

    AntwortenLöschen
  4. @ einsnull

    Ich hab' noch keine. Mal sehen, was ich finde ...

    AntwortenLöschen