Mittwoch, 20. März 2013

Die Zeit des billigen Geldes ist längst nicht vorbei

Ach Zypern. Wirklich wichtig für die Börse ist der Inselstaat offensichtlich nicht. Die Multimillionen-Dollar-Frage ist stattdessen doch die: Wann verabschiedet sich die US-Notenbank von der Politik des billigen Geldes? Denn klar ist: Wenn sich die Notenbank aus dem aktuellen Anleihen-Ankaufprogramm zurückzieht (das sind 85 Milliarden Dollar jeden Monat), oder wenn sie beginnt, die kurzfristigen Zinsen zu erhöhen, dann könnten die Aktienmärkte ins Taumeln geraten, die Kreditkosten steigen und das Wachstum sich verlangsamen.

Allerdings signalisieren Notenbank-Chef Ben Bernanke und Kollegen (in schöner Regelmäßigkeit), dass ein Ausstieg erst dann wahrscheinlich wird, wenn die wirtschaftliche Erholung weiter vorangeschritten ist. Eine Befragung des Wall Street Journal von 50 Ökonomen hat ergeben, dass diese Nachricht auch richtig angekommen ist. Im Schnitt erwarten die Ökonomen, dass die Notenbank noch ein weiteres Jahr Bonds kaufen wird, dass die kurzfristigen Zinsen noch zwei Jahren so niedrig bleiben werden und dass die Bilanz der Fed auch noch mehr als zehn Jahre nach Beginn der Krise aufgebläht sein wird. Das ist noch lange hin.

Drei Daten sollte man sich laut Befragung im Kalender anstreichen: November 2013, Mai 2014 und Juni 2015. Zum ersten Termin – so die Erwartung – wird die Fed die monatlichen Bondkäufe langsam zurückfahren, ab dem zweiten Datum keine Bonds mehr kaufen und zum dritten Termin wird sie sich ernsthaft darüber Gedanken machen, die kurzfristigen Zinsen anzuheben – wenn denn die Arbeitslosenquote 6,5 Prozent erreicht hat.

Quelle: wsj.com

Doch auch danach wird sich die Lage längst nicht normalisiert haben. So einfach wie in der Vor-Krisen-Zeit, als sich die Fed nur um einen einen einzigen Zinssatz zu kümmern hatte, um ihre Ziele zu erreichen, wird es nicht mehr sein. In der Nach-Krisen-Ära wird sie die unterschiedlichsten Zinsen steuern (müssen): Neben dem hinläglich bekannten Leitzins für kurze Laufzeiten eine ganze Reihe von langfristigen Zinssätzen und Hypothekenzinsen ...

Der Grund ist klar: Die Fed sitzt auf so vielen Anleihen, dass es schwer wird, diese zu verkaufen, ohne an den Märkten ein Chaos anzurichten. Verkäufe müssen dann wohlüberlegt und koordiniert erfolgen, damit die Zinsen nicht steil ansteigen. Innerhalb der Notenbank wird daher diskutiert, die Wertpapierbestände auch dadurch zu verkleinern, dass man einfach so lange wartet, bis sie fällig sind.
Der Nachkrisenmodus dürfte somit noch lange anhalten. Wohl mindestens bis Dezember 2019. Erst zu diesem Datum, dürfte sich laut der befragten Ökomen die Bilanz der Fed einigermaßen normalisiert haben.

Mehr als zehn Jahre nach Ende der Finanzkrise wird die Fed demnach immer noch ein wichtiger Spieler auf den Märkten für langfristige Bonds sein und so auch die Entwicklung der langfristigen Zinsen prägen. „Wir haben es mit einer neuen Ära der Geldpolitik zu tun“, sagt Julia Coronado, Chefökonomin bei der BNP Paribas und früheres Fed-Mitglied.

(Obiger Text ist eine von mir gekürzte und in Blümelblogdeutsch umformulierter Fassung eine Beitrags von Jon Hilsenrath für das "WSJ"; © 2013 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten. Zum Abonnieren des Wall Street Journal: www.wsjeuropesubs.com/eas)

1 Kommentar:

  1. Letztendlich ist doch immer das wieder das Gleiche was in einer solchen Schuldenkrise stattfindet - Eine Finanzrepression - Also der Vermögenstransfer von vom Sparer zum Schuldner! Die Zinsen werden sicherlich noch einige Jahre so niedrig bleiben, wie sie es auch jetzt schon sind. Denn die Staaten müssen sich ja irgendwie entschulden können!

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