Dienstag, 9. April 2013

(Offene) Geheimnisse der Steueroasen

Die "Süddeutsche Zeitung" und andere Blätter berichten ja seit einiger Zeit über die "Geheimnisse der Steueroasen". Beim Lesen der Artikel beschleicht mich dabei aber immer mehr der Eindruck, dass das Verstecken des Geldes so geheim vielleicht doch gar nicht war und ist. Ebenso auch nicht besonders ausgeklügelt und meist weit weniger glamourös, als es die Geschichten über Gunter Sachs oder Imelda Marcos vermuten lassen. Es geht auch schäbig und schlicht.

Ausschnitt aus der "SZ" vom 9. April 2013

Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an Freund L aus S. Mitte der 90er-Jahre arbeitete L als kleines Licht für die mittelgroße Bank J, die zu jener Zeit auch Mitglied der DAX-Familie war. L erzählte eines Abends nach dem zweiten Bier von den recht alltäglichen Geschäften der Bank, die dennoch mit einer gewissen Diskretion abgewickelt wurden.

Im Mittelpunkt stand dabei ein Konto mit dem schönen Namen "Pro Diverse", das so wichtig war, dass L den zugehörigen Unterlagenordner bei gewissen Kundenbesuchen immer wieder aus der staubigsten und unzugänglichsten Ecke der ohnehin staubigen und unzugänglichen Registratur herauszuholen respektive wieder dorthin zurückzubringen hatte. Das Konto "Pro Diverse" war schlicht ein inoffizielles Konto.

In Anspruch genommen wurde es von recht normalen Leuten, berichtete L. Meist Ehepaare mittleren Alters mit mittlerem Einkommen, Mittelklasseauto, Mittelklasse-Auftreten. Auffallend häufig Staatsdiener. Mit Bargeld in der Handtasche oder in der Aldi-Tüte. Die Summen dabei immer niedrig genug, dass die Einzahlung nicht gesondert registriert werde musste. Die Einzahlung floss dann auf das ominöse Konto "Pro Diverse", von wo es raus aus Deutschland auf ein Anlagekonto der Luxemburger Filiale der Bank J überwiesen wurde. So geht anonymer Geldverkehr.

Aber kann man der Bank J solche Transaktionen vorwerfen? L war unsicher. Den Mittelklasse-Ehepaaren wurde doch immer erklärt, dass auch ausländische Zinseinnahmen versteuert werden müssten! Und dabei sei immer so fröhlich gelacht und mit den Augen gezwinkert worden! "Gell, das muss aber schon auch versteuert werden, Herr und Frau T." Und noch mehr Zwinkern. Er habe sich dann nicht viel dabei gedacht und hätte den Ordner zurück in die staubige Ecke gebracht.

Kommt Ihnen bekannt vor? Sie haben auch einen Freund, der mal in einer mittelgroßen deutschen Bank gearbeitet hat und eines Abends beim zweiten Bier in Erzähllaune war? ... Vielleicht sollte die "Süddeutsche" ihre Serie umtaufen. In: "Offene Geheimnisse der Steueroasen".

Kommentare:

  1. Vor ein paar Wochen wurde im Fernsehen über die verschiedenen Formen der diskreten Geldanlage berichtet.
    Da gibt es die Möglichkeit auf den englischen Kanalinseln einen "Trust" zu gründen, der Firmenanteile an einer Briefkastenfirma in Panama hält. Der Eigentümer des Trusts ist nur einem Treuhänder bekannt. Die Briefkastenfirma ist dann Eigentümer von einem Unternehmen auf des Cayman Inseln das ein Konto in irgendeinem anderen Land hat.

    Derjenige, der Geld verstecken will findet immer eine Möglichkeit. Die Frage ist nur, ob er da auch irgendwann mal wieder dran kommt wenn er es braucht. Oder ob es dann vielleicht gar nicht mehr so genau nachvollziehbar ist, wem das Geld eigentlich gehört. Das kann auch nicht Sinn der Sache sein.

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  2. Vermutlich werden künftig auch auf den Kanalinseln die Konto-Ordner in staubigen Ecken versteckt. Im Keller. Hinter einer Tür, auf der ein Schild prangte "Vorsicht, bissiger Tiger". Und dann wirds vermutlich schwer mit dem Zuordnen. Aber dann ist es auch schon wieder egal. Wenn die Vogonen anrücken.

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  3. Ich habe selbst mal in dieser Richtung (Finanzen) gearbeitet und nein ich bin nicht stolz darauf. Das was in diesem Post angesprochen ist dieses Zwinkern und Lachen wird heute noch eingesetzt um diese Sachen an den man zu bringen. Ich rate aber allen zur Vorsicht, da es meist nur schön klingt. Es ist nicht alles Gold was glänzt ;-)

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