Freitag, 26. Juli 2013

China braucht kein 7-Prozent-Wachstum

Dass Chinas Wirtschaftsmodell in Turbulenzen geraten ist, das ist ja nichts Neues. Grundsätzlich machen drei Probleme dem Land zu schaffen: der bisherige Wachstumsmix, der zu stark von Investitionen im eigenen Land abhängt; die damit einhergehende Kreditblase; und schließlich die ungünstige demographische Entwicklung – China wird alt. Eine Gemengelage, die an Japan Ende der 80er-Jahre erinnert.

Michael Pettis, Finanzprofessor an der Peking University und Interviewpartner im Mai, fasst die Problematik in einem Leitartikel bei den Kollegen von fuw.ch gut zusammen:
... Wenn es während der Amtszeit von Präsident Xi und Premierminister Li gelingt, dass die Haushaltseinkommen 6 bis 7% zunehmen und die Abhängigkeit der Wirtschaft von Krediten gemildert wird, ... (könnte) das BIP-Wachstum auf 3 bis 4% (sinken) ... Wird diese Transformation umsichtig gehandhabt ... wird der durchschnittliche chinesische Bürger die ... einhergehende massive Wirtschaftsverlangsamung kaum wahrnehmen, und eine Kreditkrise wird abgewendet. Meint China es mit dem Rebalancing wirklich ernst, kann und muss es mit einem massiv langsameren Wachstum auskommen ...

Donnerstag, 25. Juli 2013

„Glück wird überstrapaziert“

Ein sonniger Tag in Berlin, dazu ein lauschiges Plätzchen im Café Einstein, Unter den Linden. Der britische Philosoph und Autor John Armstrong ist von Kreuzberg herspaziert, will weiter zur Alten Nationalgalerie. Weil Apfelstrudel und Bircher Müsli aber richtig gut schmecken, bleibt er länger als geplant und wird nicht müde, mit mir über das Thema Geld zu sprechen.

Hier ein Ausschnitt aus dem Gespräch, das mir – nicht nur wegen der Süßspeisen – richtig Spaß gemacht hat (den kompletten Textes gibt es in der kommenden €uro am Sonntag, ab Samstag für 4,30 €uro beim Zeitschriftenhändler).

Ist Geld nicht ein etwas zu profanes Thema für einen Philosophen?
Das sehe ich ganz anders. Die Philosophie sollte sich um Themen kümmern, die von Bedeutung sind. Und Geld ist überaus von Bedeutung. Es gibt sicher diese Vorstellung, dass Intellektuelle irgendwie losgelöst sind vom Weltgeschehen. Aber ist das denn wirklich so? Ich glaube nicht. Geld ist eins der Kernthemen des Lebens, von so großer Bedeutung wie Fragen zu unserer Identität, zu Beziehungen oder zur Gesundheit. Nicht umsonst sorgen wir uns doch so sehr um Geld.

Seit wann kümmert sich die Philosophie denn um dieses Thema?
Das fängt schon bei Aristoteles an, mit seiner Idee vom Geld als Mittel zum Zweck. Dieser Gedanke ist ähnlich wichtig für die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft wie die Erfindung des Rads.

In Zeiten von Hochfrequenzhandel an der Börse und Derivaten, die kaum ein Mensch versteht, scheint diese Idee aber antiquiert!

Dienstag, 23. Juli 2013

Von 1 über 2,3,4 zur 5 und dann zur 40 ...

Jochen Steffens vom Börsenportal stockstreet.de hat die aktuelle Börsenlage in einem aktuellen Kommentar in der "€uro am Sonntag" recht treffend beschrieben. Ich bin ganz seiner Meinung ...
... Es ist viel über den Ausbruch des S&P-500 über das entscheidende Kursniveau von 1576 Punkten geschrieben worden. Dies ist die Obergrenze seiner 15-jährigen Seitwärtsbewegung. Diese Entwicklung folgt bisher den idealtypischen Voraussetzungen für einen Ausbruch aus einer charttechnischen Formation. Dafür sind fünf Faktoren entscheidend. Zunächst der Ausbruch selbst. Den haben wir im S&P-500 bereits im April gesehen. Es folgte eine dynamische Aufwärtsbewegung auf ein Kursniveau von 1687 Punkten. Der wichtigste und dritte Punkt ist, dass das ehemalige Ausbruchsniveau von oben getestet wird - wie im Juni erfolgt. So fiel der US-Index auf das Kursniveau von 1576 Punkten zurück. Doch damit dieser Test auch erfolgreich beendet wird, muss viertens der Kurs anschließend wieder dynamisch ansteigen. Auch das ist in den vergangenen Handelstagen geschehen.
Es bleibt der fünfte und letzte Schritt: Das Kursniveau, das in der kleinen Rally nach dem Ausbruch erreicht wurde, also die 1687-Punkte-Marke, muss nachhaltig überwunden werden. Und genau mit dieser Marke kämpfte der S&P-500 in der vergangenen Woche. Die Vollendung dieses letzten Schritts entscheidet jedoch darüber, ob das Kursziel des Ausbruchs, das in diesem Falle bei 2375 Punkten liegt, mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 bis 70 Prozent angelaufen wird. Kurz: Wenn der S&P-500 nun auch noch diese fünfte und letzte Hürde nimmt, erwartet uns eine 40-Prozent-Rally ...
Quelle: €uro am Sonntag

Montag, 15. Juli 2013

Gone swimming ...

Voilà, ich gönne mir eine Woche Pause. Am Montag, 22. Juli geht es hier weiter. Bis dann!

Freitag, 12. Juli 2013

Hedge Funds Are For Suckers

Die trauen sich was, beim Bloomberg-Magazin. Der Titel des aktuellen Hefts sieht nämlich so aus Streng genommen, hat das was sexistisches. Aber so what!? Anspruch und Realität fallen eben auseinander.

Bloomberg Businessweek Titel, Heft vom 15 Juli 2013

Hin und her macht Taschen leer

Ein zwar nicht aktuelles aber dennoch zeitloses Fundstück: Die Herren Terrance Odean und Brad Barber von der Berkeley-Universität haben im Jahr 2000 empirisch nachgewiesen, was viele ohnehin ahnten: "Traden gefährdet das Ersparte".

10 000 Anleger haben sie unter die Lupe genommen und dabei herausgefunden, dass diejenigen, die am häufigsten am Depot drehten, deutlich schlechter abschnitten als diejenigen, die ganz altmodisch via Buy and Hold in den US-Index S&P-500 investierten. Um mehr als sechs Prozentpunkte pro Jahr ... Lesson learnt!

Donnerstag, 11. Juli 2013

Here we go again ...

Die Macht der Worte! Nachdem Aussagen von US-Notenbankchef Ben Bernanke Mitte Juni noch negativ interpretiert wurden (fälschlicherweise!), scheint er seinen Standpunkt gestern Abend klar gemacht zu haben:

"The US-economy will need very stimulative monetary policy for the foreseeable future"

Effekt: Aktien, Anleihen und Gold steigen. Der Dollar fällt. Wie prognostiziert ...

S&P-500 – zum Vergrößern bitte anklicken

Mittwoch, 10. Juli 2013

Der Preis der Ungleichheit

Joseph Stiglitz thematisiert es schon seit längerem: Das Wohlstandsgefälle. Das amerikanische Economic Policy Institute (EPI) setzt jetzt noch einen oben drauf und startet eine Kampagne zum Thema: "Inequality is real, it's personal, it's expensive and it was created".
... Today, 1% of Americans are taking home nearly 20 percent of the country’s total income, and own more than 35% of America’s wealth ...
... And it didn’t happen by accident. It’s the result of policy decisions on taxes, education, trade, labor, macroeconomics, and financial regulation — all of which shifted economic power away from low and moderate-income American families ...
Das EPI ist tendenziell eher auf der Krugman-Seite der ökonomischen Debatte zu finden und hat mit Jared Bernstein als "Chief Economist and Economic Policy Advisor" von US-Vizepräsident Joe Biden durchaus Einfluss auf die Obama-Administration. Mehr zum Aufreger-Thema auf der gut gemachten EPI-Seite.

 

Montag, 8. Juli 2013

Da stimmt doch was nicht ...

Seit einigen Wochen "macht die Börse Pause" und an den Anleihemärkten herrscht gar Ausverkaufsstimmung. Grund ist der ganze Taper-Talk, die Furcht vor einem Ende der lockeren Geldpolitik.

Nur passt besagte Furcht und die ökonomische Realität so gar nicht nicht zusammen. Entweder wir haben a) niedrige Inflation bei schwacher Konjunktur und eine lockere Notenbankpolitik. Oder die Wirtschaft kommt b) wirklich grandios in Schwung mit steigender Inflation und darauf folgender restriktiver Geldpolitik.

Was haben wir denn nun? Hard to say, aber weder Möglichkeit a) noch Möglichkeit b) noch eine Mixtur c) aus beiden Szenarien, jagt mir besonders große Furcht ein. Ergo scheint man an den Märkten wohl etwas zu übertreiben ... Right?!

Donnerstag, 4. Juli 2013

„Ohne Moral zerstört sich die Marktwirtschaft selbst“

Der Philosoph Julian Nida-Rümelin fordert eine Rückbesinnung auf Werte wie Anstand und Wahrhaftigkeit. Vor allem in Banken. Aber auch an den Universitäten.

Aufgezeichnet habe ich das Gespräch vor einigen Tagen. Hier ein Auszug daraus. Das komplette Interview lesen Sie in der kommenden €uro (Erscheinungstag 24. Juli)

© Martin Blümel
Dass sich in Irland Banker über die EU-Hilfen lustig machen, ist nur der jüngste Skandal aus der Finanzwelt? Wie soll man dieser Branche je wieder trauen? 
Die Zitate des Ex-Chefs der Anglo-Irish-Bank David Drumm, die jetzt bekannt wurden, offenbaren einen unglaublichen Zynismus. Sie führen auch die damalige Krisen-Politik als allzu naiv vor. Um da wieder Vertrauen herzustellen, bedarf es der -Fähigkeit zur Selbstkritik. Man muss sich die Frage stellen, welche Art von Unternehmenskultur etabliert ist. Nicht ausnehmen von der Selbstkritik darf sich aber auch die Wissenschaft, wenn sie Generation um Generation in Business-Studiengängen lehrt, dass die beste aller Welten der reine Markt sei, auf dem sich die optimale Verteilung-- -aller Güter einstellt, wenn nur jeder ausschließlich seinen eigene Vorteil sucht. Da wird eine Botschaft vermittelt, die hochgefährlich ist, und die vor allem bei jungen Männern zu einer Charakterdeformation führen kann, die sich dann in den Zentren der Finanzwirtschaft in New York, London oder auch Dublin und Frankfurt auslebt.

(...)

Woher kommt gesellschaftlich betrachtet, diese extreme Risikoneigung?
Es gibt ja nicht ‚den‘ Kapitalismus per se, sondern von Land zu Land höchst unterschiedliche Kompromisse zwischen Staat und Wirtschaft, geprägt vom jeweiligen Verständnis von Staats- und Bürgerinteresse, Kultur, Ökonomie und Markt. Aber spätestes mit Beginn der 90er-Jahre, nach dem Ende des Sozialismus, ist da einiges aus dem Lot geraten. Alle Schranken, Werte und Regeln, die einer Ausbreitung des ökomischen Marktes entgegenstehen, sollten verschwinden. Mit der Folge ökonomischer Destabilisierung und Erosion des sozialen Zusammenhalts der Gesellschaft. Die Märkte müssen aber eingebettet bleiben in Gesellschaft, Kultur und Moral. Wenn sie sich da herauslösen, zerstören sie die Basis des eigenen Erfolgs.

Braucht es eine neue ökonomische Theorie? ...