Montag, 30. Dezember 2013

Die meistgehasste Rally aller Zeiten

Zeit für ein Fazit! Das Jahr ist fast rum ...

Sie hat doch noch stattgefunden, die Jahresendrally. Der DAX hat mit über 9500 Punkten einen neuen Rekordstand erreicht, der Dow Jones mit über 16 000 Punkten ebenso. Der Nikkei notiert auf einem Niveau wie seit acht Jahren nicht mehr. Und es sieht ganz danach aus, als ob das Ende der Fahnenstange noch längst nicht erreicht ist. Was für eine Rally! Trotz aller Skepsis. Nicht zu unrecht hat US-Börsenblogger Barry Ritholtz den fulminanten Kursanstieg seit 2009 als die „meistgehasste Rally aller Zeiten“ bezeichnet – schlicht weil viele Anleger sie aus Angst verpasst haben.

Dass die Kurse so stark steigen, hat viel mit den Notenbanken zu tun und dem beinahe weltweiten Phänomen extremst niedriger Zinsen sowie recht unorthodoxer Maßnahmen, um Liquidität zu schaffen – etwa durch den Ankauf von Anleihen. Vor einem Ende dieser Anleihenkäufe hat man sich 2013 lange gefürchtet, und schon die kleinsten Hinweise auf das sogenannte „Tapering“ haben regelmäßig zum großen Zittern an den Aktienmärkten geführt. Allerdings scheint diese Furcht inzwischen komplett vom Tisch – obwohl das Tapering jetzt tatsächlich kommt und die Anleihenkäufe reduziert werden. Zumindest vorläufig.

Zu verdanken ist die plötzliche Zuversicht dem viel gescholtenen und scheidenden US-Notenbankchef Ben Bernanke. Der hat es Mitte Dezember mit ausgefeilten Formulierungen geschafft, so etwas wie vorsichtigen Optimismus zu vermitteln: „Es geht voran“, sagt er. Wenn auch mit dem einen oder anderen „wenn und aber“. Und genau das will man ja hören als Börsianer: Nicht zu warm, nicht zu kalt, so soll sie sein die Entwicklung.

Damit das so weitergeht, dürften sich zwei Dinge auf der Wunschliste der US-Notenbank Fed (und der Aktionäre) für das neue Jahr finden: Zunächst weitere Verbesserungen am Arbeitsmarkt, was durchaus realistisch erscheint. Und schließlich eine deutlich höhere Inflationsrate.

 Man kann dies als Ironie der Geschichte bezeichnen, dass das Schreckgespenst Inflation nun plötzlich herbeigesehnt wird. Aber Fakt ist: Trotz aller Bemühungen der Fed lag die Kerninflationsrate in den USA zuletzt bei gerade einmal 1,1 Prozent. Das ist schon erstaunlich. Und vielleicht sogar beunruhigend. So ziemlich alle Experten hatten deutlich mehr erwartet, die Super-Pessimisten gingen sogar von einer kommenden Hyperinflation aus. Jetzt dagegen stellt sich eher die Frage: Ist Deflation das Problem? Was braucht es denn noch an Maßnahmen, damit die Konsumlust und damit die Konjunktur nachhaltig zulegen?

Eine Untersuchung der OECD hat jedenfalls ergeben, dass alternde Gesellschaften wie die der USA oder einiger Länder des Euroraums generell zu niedriger Inflation neigen. Für die Notenbanken bedeutet dies in letzter Konsequenz, dass ein simpler Dreh an den Leitzinsen auch künftig nicht reichen wird, um die Konjunktur zu beeinflussen. Anleger dürften sich demnach auf eine noch lang anhaltende Phase niedriger Zinsen einstellen. Und wohl auch auch weiterhin auf unorthodoxe Maßnahmen wie Anleihenaufkäufe. Tapering hin oder her ...

1 Kommentar:

  1. Hätten die Notenbanken die Geldmengen an Giralgeld in Form von Papiernoten auf den Markt gegeben, so hätten wir jetzt ganz sicher eine Hyperinflation. Sicher kein Grund um glücklich zu sein.
    Es scheint eine Annahme dieser Generation zu sein, dass die Notenbanken durch Anleiheankäufe, also durch unmittelbare Staatsfinanzierung, strukturelle Probleme lösen könnten und den Wohlstand eben dieser Generation sichern könnten. Der Preisindexstand des Dow Jones, S&P oder DAX ist hierfür ganz sicher kein Gradmesser mehr. Andere Börsen bzw. der in den Indizes gelisteten Unternehmen auf dieser Welt sind ehrlicher bewertet. Wir sollten an die nachfolgenden Generationen denken. Die Gesamtverschuldung steigt weiter oder wird nicht nennenswert abgebaut und wir veralbern bzw. enteignen uns mit künstlich niedrigen Kapitalmarktzinsen und geben den westlichen Notenbanken in den USA, Europa und Japan den Weg vor. Was ist eigentlich daran nachhaltig?
    An dieser Stelle auch mein Aufruf an alle Journalisten besser zu recherchieren und den wirklichen Wohlstand nachfolgender Generationen im Blick zu haben anstatt Indexhöchststände zu feiern.
    Sorry, lieber Herr Blümel. Ich schätze Ihre Arbeit sehr, aber die Entwicklung auf den unsrigen Finanzmärkten halte ich wirklich nicht für nachhaltig. Viele Menschen, die ich auf meinen Reisen getroffen habe, sind wirklich sehr gut informiert. Vermutlich ein Grund warum die Entwicklung von der Mehrheit dieser hervorragend informierten Menschen eher skeptisch betrachtet wird.

    AntwortenLöschen