Dienstag, 21. Januar 2014

Die Angst vor dem Allzeithoch

Wann kommt die Korrektur? Oder droht gar ein Crash? Der Markt muss doch irgendwann drehen! Es ist schon ein Problem, als Aktienanleger einen kühlen Kopf zu bewahren ...

Was hat es nur damit auf sich, dass bei so vielen Anlegern das Wort „Allzeithoch“ eine Art Reflex bewirkt, am besten gleich alles zu verkaufen, weil der Markt jetzt sicher bald kippt? „Gambler‘s Fallacy“, heißt dieses Phänomen im Englischen – nicht ganz so charmant klingt der deutsche Begriff „Spielerfehlschluss“.

Er besagt, dass sich Ereignisse doch gefälligst kurzfristig ausbalancieren müssen. Dass etwa beim Roulette die Wahrscheinlichkeit für eine gerade Zahl zunimmt, je mehr ungerade Zahlen aufeinander folgen. Das ist natürlich nicht so, weil es sich um von einander unabhängige Ereignisse handelt.Ähnlich ist das an der Börse. Es ist ein Fehler zu glauben, dass mit jedem neuen Allzeithoch, das der DAX oder der Dow Jones erreichen, sich die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass der Markt am darauffolgenden Tag kippt.

Gestützt wird dieser Fehlschluss gerne mit Fundamantaldaten. Derzeit heißt es, der Markt sei zu teuer. Man verweist dabei gerne auf das Shiller-KGV, das die Unternehmensgewinne der vergangegen zehn Jahre mit dem Kursniveau vergleicht. Und es ist derzeit tasächlich eher hoch. Wieder andere verweisen darauf, dass ein schwacher Börsenstart – wie der jetzige – statistisch gesehen meist ein schwaches Börsenjahr nach sich zieht. Das ist auch nicht von der Hand zu weisen.

© bluemelstaunt.com
Jedoch wird dabei nicht bedacht, dass eine scheinbare oder tatsächliche Überbewertung eines Marktes lange anhalten kann oder dass steigende KGVs der Normalfall sind, wenn die Konjunktur anzieht. Dass einem Allzeithoch meist ein weiteres und noch eines und noch eines folgt, ist dann nicht weiter verwunderlich. Wenn eine Aktie ein neues Allzeithoch erreicht, bedeutet dies, dass alle Aktionäre im Plus sind, dass man sich daher so schnell nicht von seinem neuen Lieblingswert trennen möchte. Und es bedeutet, dass sich zögerliche Anleger nun dumm und dämlich ärgern, eine gute Gelegenheit verpasst zu haben.

Natürlich wird es trotzdem immer zu Korrekturen kommen. Gerade wenn sich die Kurse wie Fahnenstangen nach oben recken – und das ist aktuell durchaus der Fall. Nur die Frage nach dem „Wann“ können wir so einfach nicht beantworten. Und auch nicht, wie heftig die Korrektur ausfallen wird. Die Krux dabei: Wer zu früh aussteigt, wird mit entgangenen Gewinnen bestraft.

Vielleicht sollte man daher ja folgenden Rat beherzigen: „Konzentriere Dich darauf, was gerade eben passiert, und nicht darauf, was möglicherweise in der Zukunft passiert“. Das klingt nach Meditationsstunde mit einem Yoga-Guru, passt aber genauso gut zum Investieren.

Und was passiert denn gerade? An der Börse wird ein Konjunkturaufschwung gehandelt. Der DAX klettert von Hoch zu Hoch – und sorgt für so manchen Spielerfehlschluss.

Aktien, die besonders sensibel auf eine positive Konjunkturentwicklung reagieren, steigen am stärksten – Banken, Technologiewerte, Industrie. Und die Zinsen am kurzen Ende fallen. Erst wenn sich hier etwas ändert, haben wir es mit Warnsignalen zu tun. Bis dahin gilt: Keine Angst vorm nächsten Allzeithoch.

Kommentare:

  1. Olala... Ich mache auch Yoga, aber da geht's doch auch um die langfristige Balance... Ganz sicher steigt die Wahrscheinlichkeit einer negativen Wertänderungsrendite, je teurer die Vermögensklasse ist. Aber stimmt, heute ist ja alles anders, weil sich die aktuelle Generation via Notenbanken zum Gelddrucken entschieden hat! Hatten wir das nicht schon mal???

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  2. Die langfristige Balance findet sich im Jetzt und Hier ... Ommmmmmmmmmm ....

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