Dienstag, 14. Januar 2014

Verdrehte Ansichten

Hab' ich schon erwähnt, dass seit Jahresbeginn der eine oder andere meiner Kommentare in den Print-Ausgaben von "BÖRSE Online" zu finden ist?! Oder anders herum, dass meine BO-Kommentare hier zu finden sind ... 

Die Sache mit der Zinsangst etwa gibt's in ähnlicher Form im aktuellen Heft, das am Donnerstag erscheint. Schauen'se mal rein, zumal vor allem die Titelgeschichte zur Dividendensaison sehr lesenswert ist.

Und den Kommentar, den gibts schon hier und jetzt vorab:

Verdrehte Ansichten – Die Furcht der Börsianer vor steigenden Zinsen ist meist genauso unbegründet wie die Angst der Deutschen vor Inflation. Allerdings sollte man sich vor Wölfen in Acht nehmen.

Die Deutschen hätten eine „perverse Angst“ vor Inflation hat EZB-Chef Mario Draghi neulich gesagt. Ob das so ist, sei mal dahingestellt. Vermutlich hat er es ohnehin eher im Sinne von „verdreht“ gemeint und weniger im Sinne von „abartig“, wie ihm der eine oder andere unterstellt. Die ganze eifernde Aufregung ist daher völlig umsonst. Aber sei‘s drum.

Über Aktionäre wiederum – egal welcher nationalstaatlicher Herkunft auch immer – lässt sich dagegen mit Bestimmtheit behaupten, dass sie Angst vor steigenden Zinsen haben. Eine Tatsache, die ganz sicher nicht pervers ist, weder im Sinne von verdreht noch im Sinne von abartig. Jedoch ist die Angst oft unbegründet. Denn ein steigendes Zinsniveau bedeutet nicht zwangsläufig fallende Aktienkurse, was ja die Hauptsorge der Aktionäre ist. Nein, der Zusammenhang ist deutlich komplexer. Zum einem kommt es dabei sicherlich darauf an, wie überraschend es zu steigenden Zinsen kommt. Drehen die Notenbanken etwa über Nacht und mehr oder weniger ohne Vorwarnung an der Zinsschraube, schmeckt das keinem an den Finanzmärkten. Das war beispielsweise 1994 der Fall. Anders liegen die Dinge, wenn eine Veränderung beim Zinsniveau schon länger in der Luft gelegen hat.

Besonders wichtig ist zudem immer auch die absolute Höhe der Zinsen. Eine Handvoll Volkswirte der US-Bank J.P. Morgan haben versucht, den Zusammenhang zwischen Zinshöhe und Aktienkurs grafisch zu erläutern und zeigen dabei, dass von 1963 bis 2013 in Phasen steigender Zinsen die Aktienkurse erst dann fielen, wenn das Zinsniveau bei den zehnjährigen US-Anleihen über etwa 4,5 Prozent kletterte (siehe Grafik ganz links). Unter dieser Marke lautete dagegen die Gleichung: Zinsen rauf, Aktien rauf. Surprise, surprise!

Wendet man diese Erkenntnisse auf das Jetzt und Hier an und bedenkt, dass etwa die US-Notenbank allenfalls eine minimale Korrektur der bislang so unglaublich laxen Geldpolitik anstrebt und Draghis EZB von einer Zinswende noch viel weiter entfernt ist, kann das Gerede von einer nahenden Zinswende eigentlich nicht schrecken. Im Gegenteil: Mag sie doch kommen. Es wäre ein Zeichen von Normalität. Ein Zeichen dafür, dass die Konjunktur Fahrt aufnimmt, und dass es wenigstens ein Minimum an Inflation gibt, egal ob das bei dem einen oder anderen für perverse Angstschübe sorgt, ob nun im Sinne von verdreht oder im Sinne von abartig.

Apropos verdreht: Am Erscheinungstag dieser Ausgabe der „BÖRSE ONLINE“  läuft in den Kinos „Der Wolf der Wall Street“ an, ein Streifen über den Börsenbetrüger  Jordan Belfort, der in den 90ern zahlreiche Anleger über den Tisch zog. Seine Methode: „Pump and Dump“. Hochjubeln und fallen lassen von Pennystocks. Das hat damals richtig gut funktioniert, was wohl an einer gewissen perversen Gier mancher Anleger lag.

Kommentare:

  1. Ich besuche gerne Ihren Blog, sehr interessant und immer wieder finde ich gute Ansätze für eigene Überlegungen.
    Bei Zinssenkungen wäre ich aktuell trotzdem vorsichtig. Aber natürlich können die Börsen deutlich weiter steigen, weil steigende Zinsen ja auch eine wirtschaftliche Gesundheit bedeutet.

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  2. Die aktuellen Zinsen (Geldmarkt- und Kapitalmarkt in Europa, den USA, UK und so um Japan herum) haben mit einer sozialen Marktwirtschaft so gar keinen Zusammen hang mehr... Leider!!!

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