Dienstag, 7. Januar 2014

Zahlenspiele

Das Börsenjahr hat mit Kursverlusten begonnen. Wir haben es gemerkt: Vor allem am ersten Handelstag ging es beim DAX wie auch beim Dow Jones ordentlich nach unten. Und weil in den Jahren zuvor genau das Gegenteil der Fall war, ist denn jetzt auch schnell vom „schlechtesten Start“ an den Börsen seit 2008 die Rede.

Für Statistiker sind solche Zahlenspiele natürlich ein Fest, will man doch aus Vergangenem dann ganz schnell auf Künftiges schließen. Ich mach' das ja auch ganz gern ...

So ist etwa bekannt, dass am deutschen Aktienmarkt seit 1960 in 78 Prozent aller Fälle die ersten fünf Handelstage die Tendenz des Gesamtjahres vorgegeben haben. Und an der Wall Street gilt seit Urzeiten der Spruch: „As January goes, so goes the year“. Demnach könnte man nach einem verpatzen Januar schon das ganze Jahr verloren geben. Und nach einem guten Start wäre der Rest des Jahres ein Kinderspiel. Immerhin hat diese Weisheit in 81 Prozent aller Jahre seit 1950 gestimmt. Ausnahmen bestätigen aber die Regel – sorgen bei uns dann aber eben auch für ein gewisses Restrisiko. 

Apropos Zahlenspiele: Nach einer Umfrage des Gallup-Instituts besitzen 52 Prozent der volljährigen Amerikaner Aktien. Das ist ganz ordentlich, im Vergleich zu den Jahren vor dem Crash 2008 aber wenig – damals lag die Quote beständg bei über 60 Prozent, 2007 gar bei 65 Prozent. Von einem Aktien-Hype kann also aktuell kaum die Rede sein.

Und noch mehr Zahlenspiele: Im gerade zu Ende gegangenen Börsenjahr haben von den 500 Aktien des amerikanischen S&P-Index sage und schreibe 460 das Jahr im Plus beendet. So breit war ein Aufschwung selten. Tatsächlich kam es seit 1990 nur vier Mal vor, dass von den 500 Aktien mehr als 400 ein Kalenderjahr mit einem Plus beendeten. Und bemerkenswert: Im jeweiligen Folgejahr ging es mit dem Aktienmarkt erneut nach oben.

Besagte Marktbreite ist ein gutes Argument für die Optimisten (also auch für mich, hehe). Nahezu alles steigt. Die sogenannten konjunktursensiblen Branchen und Aktien geben dabei den Ton an: Industriewerte, Technologie, Finanztitel, Auto-Aktien. Ebenso laufen kleinere Aktien tendenziell besser als die großen Blue Chips. Defensivere Sektoren wie Versorger halten da nicht ganz mit. All das ist ein Indiz dafür, dass die Rally Schwung hat, dass immer mehr Anleger Vertrauen fassen – was den Kreis schließt zu den 48 Prozent der Amerikaner, die noch nicht investiert sind.

Dass das Jahr dennoch kein Selbstläufer wird, ist klar. Die Bewertungen der Aktien sind teilweise recht hoch, und die Unternehmen müssen in der jetzt anstehenden Berichtssaison gute Zahlen liefern, um die Bewertungen zu rechtfertigen. Alcoa macht ja von den großen Gesellschaften am Donnerstag den Anfang. So richtig Schwung in die Berichtssaison kommt dann aber erst in den beiden letzen Januar- und in der ersten Februar-Woche. Dann erwartet uns eine wahre Zahlenflut.

Spätestens dann lässt sich aber auch beser einschätzen, ob der maue Start ins Börsenjahr nun ein schlechtes Omen war oder nicht. Right?!

Kommentare:

  1. Eine der wichtigsten Leitbörsen, der S&P 500, notiert etwa 50 % über seinem langfristigen Mittelwert. Bei 1-2 % Dividendenrendite... Das ist das, was langfristig zählt. Natürlich kann man kurzfristig hier und dort noch was rausholen, sollte dann aber den Finger im am Abzug haben.

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  2. Natürlich! "Finger am Abzug" ist Pflicht ...

    Wer ist eigentlich "Anonym"? Klappt das nicht mit einer Namensgebung?

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