Dienstag, 25. Februar 2014

Das Leid mit der Leitfunktion

Zugegeben, an dieser Stelle wird doch sehr häufig über den großen Teich geblickt – der Wall Street wird viel Platz eingeräumt. Was sinnvoll ist, gilt sie doch als Weltleitbörse, und das Auf und Ab in New York beeinflusst zu einem Großteil auch das Auf und Ab an den europäischen Börsen. Ebenso bekommt das Tun und ­Lassen der US-Notenbank Fed hier gehörig Raum, was ebenfalls sinnvoll ist, ist sie doch so etwas wie die Weltleitnotenbank.

So passt es denn auch ins Bild, dass der amerikanische S&P-500-Index am Montag als erstes wichtiges Börsenbarometer der Welt ein neues Allzeithoch (intraday) erreicht hat und damit all jene auf dem falschen Fuß erwischte, die New York besagte Leitfunktion schon absprechen wollten.

Mag ja sein, dass in den ersten Wochen des Jahres die europäischen Börsen besser gelaufen sind und die Wall Street der Entwicklung in Mailand, Paris oder – mit Abstrichen – Frankfurt hinterherhinkte. Jedoch wird dabei übersehen, dass der Kursaufschwung in der Alten Welt auch durch amerikanisches Geld ermöglicht wird.

US-Anleger haben zuletzt ein ausgeprägtes Faible für europäische Aktien ent­wickelt – womit sich der Kreis schließt und den Amerikanern auch noch der Titel des Weltleitanlegers angeheftet werden darf. 24 Milliarden Dollar frisches Geld haben amerikanische Investoren in diesem Jahr schon netto in europäische Aktien und ­Aktienfonds investiert. In Bluechips von Frankreich bis Holland, aber auch in vernachlässigte Aktien aus Ländern, die das wenig schmeichelhafte Etikett „Peripherie­staaten“ zu tragen haben: Irland, Italien, Spanien und Portugal.

Das ist bemerkenswert, weil dieselbe US-Klientel, die mit Vorliebe in Europa investiert, gleichzeitig fünf Milliarden Dollar netto aus US-Aktienfonds abgezogen hat. Und das, wo man den Amerikanern doch auch beim Investieren einen ausgeprägten „home bias“ nachsagt, also eine Vorliebe für Heimisches. Und trotz des aktuellen Faibles für Europa reicht’s für ein neues Allzeithoch beim S&P 500. Erstaunlich. Letztlich geht das aber dennoch gut Hand in Hand, weil die Amerikaner gerade eine Regel beherzigen, die für alle Anleger gilt: sie diversifizieren. Und dafür gibt es ja durchaus triftige Gründe. Zum einen mag das die nicht mehr ganz so freizügige Geldpolitik der amerikanischen Notenbank Fed sein — die inzwischen gar laut über eine Zinserhöhung nachdenkt. Und zum anderen sind es die schlichtweg günstigeren Bewertungen an den europäischen Börsen — gerade in den so lange ignorierten Peri­pheriestaaten. Hinterm Berg wohnen eben auch noch Leute.

Apropos Leitfunktion: Die beansprucht ja gern auch die G 20 für sich, die Gruppe der 20 einflussreichsten Volkswirtschaften der Welt. Vergangenes Wochenende jedenfalls demonstrierten die Finanzminister und Notenbanker jener Staaten Einigkeit und Entschlossenheit: Man wolle weltweit für Wachstum sorgen und gleichzeitig die Inflationstendenz in den Schwellenländern bremsen. Nun denn. In der Vergangenheit war es ja eher so, dass die hehren gemeinsamen Absichten an den Realitäten der Partikularinteressen scheiterten.

An der Börse weiß man das aber längst und nimmt derlei Aussagen daher maximal wohlwollend zur Kenntnis. Wirklich richtungweisend sind andere Dinge. Etwa das Comeback des amerikanischen Klein­anlegers. So nahm die Zahl der Kauf- und Verkaufsorders bei US-Discountbrokern wie E*Trade, Charles Schwab oder TD Ameri­trade im Januar sprunghaft um 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahresdurchschnitt zu ...

Ob das nun ein Kontraindikator für die weitere Aktienmarktentwicklung ist, sei mal dahingestellt. Den Titel des Weltleitkleinanlegers haben die Amerikaner damit aber siche

Kommentare:

  1. Und wissen Sie auch, Herr Blümel, wie das "Comeback des amerikanischen Kleinanlegers" finanziert ist? Auf Pump! Das Gesamtvolumen auf Kredit finanzierter Aktien in den USA soll schon über 412 Milliarden Dollar betragen und damit höher sein als am Höhepunkt der Hypothekenblase im Juni 2007. Was meinen Sie wohl, was passiert, wenn die Fed ihre Forward Guidance fortfährt und am Ende die Zinsen anhebt? Sie können es sich vermutlich denken! Alle werden zum Ausgang rennen und es wird einen unvorstellbaren Crash geben, der sich gewaschen hat. Als selbsterklärter skeptischer Optimist (wobei das "skeptisch" vielleicht eher in Klammern zu setzen ist?) müssten Sie also dafür beten, dass die Fed die Zinsen niemals anhebt statt sich über das leichtsinnige Gebaren der US-Kleinanleger zu freuen.

    http://www.cnbc.com/id/101235633
    http://www.stawealth.com/daily-x-change/1973-a-technical-look-at-margin-debt.html

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  2. Und wie lautet Ihre Schlussfolgerung?
    Sofort raus?

    Margin Debt habe ich auch im Blick. Leider habe ich dazu noch keine Daten aus den 80ern und 90erm gefunden. Ist Ihnen was untergekommen?

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