Dienstag, 11. Februar 2014

Warten auf den "Fat Pitch"? Lieber nicht ...

Der so berühmt-berüchtigte wie notorische Börsen-Schwarzseher Marc Faber hat dem US-Fernsehsender „CNBC“ vergangene Woche ein Interview gegeben. Seine Kernaussage: Die Börse möge doch bitte um 40 Prozent fallen, auf ein dann wieder vernünftiges Niveau, damit er dann wieder einsteigen könne.

Das hat schon was, so ein Wunsch, dieses Warten auf ein Ereignis, das an Wall Street „Fat Pitch“ genannt wird, die ganz große Gelegenheit. Dumm nur, wenn einem über all das Warten auf den Fat Pitch die Kurse „davonlaufen“, wie es so schön in der Börsianersprache heißt.

Nun gut, die Kurse laufen gerade nicht davon, im Gegenteil, derzeit scheint die Sorge vor einem 40-Prozent-Crash größer als das Hoffen auf neue Rekordkurse. Seit dem 9. Januar, dem Beginn der Berichtssaison in den USA, haben die Börsen weltweit jedenfalls ordentlich an Boden verloren. Wir haben es zu spüren bekommen. Gewaltige Summen wurden in erstaunlich kurzer Zeit aus „Risiko-Investments“ (Aktien, Schwellenländer) in „Sicherheits-Investments“ transferiert (Staatsanleihen, Gold).

Zackzack, da wurde nicht lange gefackelt. Angeblich waren die Abflüsse aus besagten Risikoinvestments in diesen Tagen so hoch wie im gesamten vergangenen Jahr. Über all diese „schockierenden Nachrichten“ wurde daher beinahe übersehen, dass während dieser Zeit mehr als 1100 US-Unternehmen ihre aktuellen Quartalszahlen veröffentlicht haben. Wenn ausführlich berichtet wurde, dann meist nur über die Enttäuschungen, etwa über Yahoo oder Twitter, obwohl zwei Drittel der Unternehmensergebnisse positiv überrascht haben.

Aber das nur am Rande, denn jetzt wird’s richtig interessant: Am Tag der Bekanntgabe der Zahlen haben die Kurse der berichtenden Unternehmen im Schnitt nämlich zugelegt. Inmitten der Hektik des breiten Abverkaufs, inmitten des Getöses, der flirrenden Unsicherheit, haben die Unternehmen die Aktionäre also überzeugt. Richtig überzeugt. Im Schnitt ging es mit den Kursen um 0,74 Prozent nach oben. Derart stark legen die Kurse am Tag der Veröffentlichung meist nur dann zu, wenn die Stimmung insgesamt auch positiv ist.

Zum Vergrößern bitte anklicken; Quelle: bespokeinvest.com

Das war zum Beispiel während der Berichtssaison im dritten Quartal 2010 so, als die Kurse ähnlich deutlich nach Bekanntgabe der Zahlen stiegen. Und damals gab es zwar auch Interviews mit Marc Faber, aber eben kein störendes Getöse aus China, Argentinien oder der Türkei. Und keine ausnahmsweise mal schwächeren Konjunktur-Indikatoren wie den ISM-Index.

Eigenwillig, diese aktuelle Korrektur. Da gibt es also so etwas wie unterschwelligen Optimismus auf der Unternehmensebene, der überlagert wird von eher globalen, teils schwammigen und nur schwer zu greifenden Sorgen – sag da noch mal einer, Börse habe nichts mit Psychologie zu tun.

Aber das ist in Ordung so. Es wäre doch beunruhigender, wären die derzeitigen Probleme in einigen der Schwellenländer spurlos an der Börse vorüber gegangen. Etwa die Hälfte der amerikanischen Blue Chips hat dadurch jedenfalls um zehn Prozent oder mehr korrigiert, ähnlich sieht es bei den DAX-Werten aus. Die wohl übertriebene Kursrally zum Jahresende 2013 ist damit ausgeglichen. Ebenso der überbordende Optimismus, dieses Gefühl der Unverwundbarkeit und der Gewissheit, es könne ja nur noch nach oben gehen.

Doch wie geht es jetzt tatsächlich weiter? Vergangene Woche zogen die Kurse ja wieder einen Tick an. Ist die Korrektur damit also schon vorbei oder haben wir es mit etwas zu tun, dass die Amerikaner so bildhaft als „Dead Cat Bounce“ beschreiben? Für den „normalen Anleger“ ohne Ambitionen auf den Fat Pitch bleibt es wichtig, sich an die langfristigen Fundamentaldaten zu halten – Konjunktur, Gewinne, Rezessionsgefahr. Und all die Faktoren sind ermutigend. Basta.

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