Dienstag, 25. März 2014

Kalkül oder Versehen

Hat sie sich da verplappert, die Janet Yellen? 2015 könnten die Zinsen steigen, so die neue Chefin der US-Notenbank vergangene Woche nach ihrer ersten offiziellen Sitzung. Kurz und knapp war das. Und deutlich. Ungewöhnlich deutlich, ist man doch noch die vagen, nur schwer zu entschlüsselnden Andeutungen ihres Vorgängers Ben Bernanke zur Zinspolitik gewohnt. Und jetzt also das. Hat sie sich verplappert? War die Aussage der Nervosität geschuldet? Oder war es doch Kalkül?

Wir wissen es nicht. An der Börse wurde ihre Ankündigung jedenfalls nicht gut aufgenommen. Es wurde verkauft. Zunächst. So wie man das eben macht, wenn Dinge nicht recht einzuordnen sind. Dabei ist es doch noch weit hin bis zu jener angekündigten Zinswende. Wenn sie denn überhaupt so kommt. Erst einmal muss schließlich das „Tapering“ zu Ende gebracht werden, also das stetige Zurückfahren der Anleihenaufkäufe. Geht es in der Geschwindigkeit voran wie bisher, dann dürfte dies zum Jahresende der Fall sein. Und dann kommt sie eventuell, die angekündigte Zinserhöhung. Vielleicht, sobald die Arbeitslosenrate unter sechs Prozent gefallen ist. So der bisherige Plan, wenn er nicht noch geändert wird. Recht viele Unwägbarkeiten also. Aber trotzdem scheint man an der Börse eine klare Meinung zu haben: Meine Güte, was ist die Yellen aggressiv!

Doch ist sie das wirklich? Nein, das ist sie nicht. Überhaupt nicht. Wir haben uns lediglich daran gewöhnt, dass die Zinsen so herrlich niedrig sind. Es war im Jahr 2006, als die US-Notenbank zuletzt den Leitzins nach oben setzte, also in dem Jahr, in dem hier ein Fußball-Sommermärchen gefeiert wurde. Das ist so lange her, dass es gar nicht mehr wahr ist. Kommt die Zinserhöhung also tatsächlich im Jahr 2015, dann ist es die erste seit neun Jahren. Bedenkt man zudem, dass in der Vergangenheit Zins­zyklen eher im Fünf-Jahres-Bereich lagen, ist es also nur normal, dass Y­ellen eine Erhöhung in Betracht zieht.

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Apropos normal: Ein weiterer Blick in die Geschichtsbücher zeigt, dass keiner der bisherigen Bullenmärkte einfach so mit der ersten Zinserhöhung ein abruptes Ende fand. Ganz im Gegenteil. Im Schnitt, so hat es David Rosenberg, der Chefvolkswirt des kanadischen Vermögensverwalters Gluskin Sheff ausgerechnet, stiegen die Kurse noch weitere drei Jahre. Das Mindeste waren 18 Monate. Zugegeben: Angesichts der Länge und der Intensität der aktuellen Rally, die nun schon seit März 2009 anhält, ist die Wiederholung eines derartigen Szenarios kaum vorstellbar. Aber immerhin liefert mit Rosenberg einer das Argument, der wirklich nicht als notorischer Optimist und Wegseher bekannt ist.

Geht es nach ihm, dann hilft ein Blick auf die Anleiherenditen, um eine beginnende Trendwende am Aktienmarkt zu erkennen. Rosenberg hat beobachtet, dass ein Peak des US-Aktienmarkts in der Vergangenheit immer Hand in Hand ging mit einer sehr flachen Zinskurve. Eine größere Korrektur gab es dann, wenn der Abstand zwischen der Verzinsung einer zweijährigen und der einer zehnjährigen US-Staatsanleihe bei unter 0,5 Prozentpunkten lag. Und zurzeit liegt der Abstand bei 2,3 Punkten. Warnsignale sehen anders aus. „Weckt mich auf, wenn es wirklich gefährlich wird“, meint Rosenberg.

Einfach so schlafen legen sollten wir uns dennoch nicht. Denn ein weiterer Blick in die Börsenhistorie zeigt, dass es ganz bestimmte Branchen gibt, die vor einer Zinserhöhung in der Regel klar besser laufen als andere: Techaktien etwa, Finanztitel und Industriewerte — also eher zyklische Aktien. Mit der ersten Zinserhöhung beginnt sich dies zu wandeln. Dann sollten wir umschichten: in Energie, Versorger, Healthcare. Aber dafür ist ja noch mindestens Zeit bis 2015. Egal, ob sich ­Notenbank-Chefin Yellen nun verplappert hat oder nicht.

Freitag, 21. März 2014

Frühlingsgefühle

Der Frühling ist da. Seit gestern auch offiziell. Und die erste Erkältung ist auch abgehakt (deswegen die relative Ruhe hier im Blog in den vergangenen Tagen). Frühling und Börse – das passt auch an der Börse gut zusammen. Meistens ging es nach oben in den vergangenen 20 Jahren, bevor die Sommermonate dann meist für ein gewisses "Einlullen" sorgten. Charts via bespokeinvest

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Freitag, 14. März 2014

Es kippelt ...

... tja, was soll man machen. Das am WE stattfindende Votum auf der Krim-Halbinsel wird wohl die Richtung kommende Woche vorgeben ... (Die grüne Linie stellt übrigens den 200-Tages-MA dar).

Donnerstag, 13. März 2014

Nach Winter kommt Frühling

Peter Sellers als Mr. Chance, der vom Gärtner zum politischen Berater aufsteigt und eine so simple wie passende Analogie zur Wirtschaftsentwicklung findet (die auch jetzt gut passt) ...

"Being there", 1979. Ganz großes Kino! (hattip: Chris Puplava)

Mittwoch, 12. März 2014

Dienstag, 11. März 2014

Happy Birthday, Bulle!

Hurra! Jubliläum! Fünf Jahre dauert der Börsenaufschwung nun schon. Bei 3666 Punkten notierte der DAX am 6. März 2009, bei 6547 Punkten der Dow Jones am 9. März. Seither geht es recht stetig nach oben — sieht man mal von der heftigen Korrektur im Spätsommer 2011 ab.

Mit 150 Prozent ist der Weltleitindex Dow Jones seit besagten März-Tagen nun im Plus. Das ist auch deswegen so bemerkenswert, weil so lange Gewinnstrecken in der Börsenhistorie bisher äußerst selten waren. Tatsächlich kam es an der New York Stock Exchange seit 1900 nur fünfmal vor, dass über eine Fünfjahresperiode höhere Gewinne erzielt wurden als jetzt. Und ebenso bemerkenswert: Jedes Mal kam es danach zu teils gewaltigen Rücksetzern. Wiederholt sich jetzt also die Geschichte?

Vom Rekordhoch 1929 beispielsweise verlor der S & P 500 atemberaubende 86 Prozent, und nicht nur die USA, sondern die ganze Welt fanden sich in der Großen Depression wieder. Vom Hoch 1937 ging es 54 Prozent nach unten, 13 Monate Rezession inklusive. 1956 waren es 21 Prozent Minus sowie acht Monate Rezession. 1987 dann 35 Prozent Kursrutsch — ohne Rezession. Und 2000 ging es schließlich um ungefähr 50 Prozent nach unten, und die Konjunktur schleppte sich durch eine acht Monate dauernde Schrumpfkur.


Und jetzt? Ist nun auch bald Schluss mit dem Hurra? Immerhin stagniert die Börsenentwicklung schon seit Jahresbeginn. Und nach fünf Jahren Aufschwung kann man mit Fug und Recht von einem fortgeschrittenen Zyklus sprechen — und damit von einem nicht mehr ganz so positiven Verhältnis von Chance und Risiko. Dass sich zudem wieder vermehrt die üblichen Schwarzseher zu Wort melden, passt ins Bild — Anfang des Monats etwa der US-Investor Harry Dent („Der Dow wird bis 2016 auf 6000 Punkte fallen“) oder im Februar der Charttechniker Tom DeMark („Es könnte einen 40-Prozent-Crash geben“).

Doch was könnte der Anlass für einen Bärenmarkt sein? Eine Rezession ist jedenfalls nicht in Sicht. Mit Ausnahme von China sind verlässliche Frühindikatoren wie die Einkaufsmanagerindizes im grünen Bereich. Eine Erhöhung der Leitzinsen in den USA oder im Euroraum steht ebenfalls (noch) nicht an. Das Umfeld stimmt ­eigentlich. Und damit stimmen auch die Voraussetzungen für eine Beschleunigung des Gewinn- und Umsatzwachstums bei den Unternehmen. Die Realität sieht hier indes etwas anders aus: Schlecht waren die zuletzt veröffentlichten Zahlen zwar nicht, von einer echten Beschleunigung kann aber auch nicht die Rede sein. Aber des­wegen einen Bärenmarkt ausrufen?
Es wäre verfrüht. Denn die Trendwende kommt weder in der konjunkturellen Entwicklung noch an der Börse über Nacht. Eine Trendwende kündigt sich an, eine Trendwende ist ein Prozess. Und so lange gilt die simple Regel: Don’t fight the tape, don’t fight the Fed, the trend is your friend.

Sollte der Trend kippen, zeigt sich das am Markt, nämlich dann, wenn immer weniger Aktien am Aufschwung teilhaben. Das US-Research-Unternehmen Lowry hat herausgefunden, dass sich ein Top in der Vergangenheit erst dann gebildet hat, wenn der Anteil der Aktien, die schon in einem Bärenmarkt stecken — also 20 Prozent oder mehr unter ihrem Hoch notieren —, langsam, aber sicher die Anzahl der Aktien übersteigt, die noch nahe am Hoch notieren. 2007 war das der Fall.
Aktuell ist davon aber noch nichts zu sehen. Derzeit steht das Verhältnis bei zwei zu eins zugunsten der Aktien, die einen Lauf haben. Dennoch: Nach fünf Jahren Börsenrally sollte man auf der Hut sein. Werden Sie nicht zum Daueroptimisten! Das ist ebenso verkehrt, wie ständig Un­tergangsszenarien zu beschwören. Hurra!

Montag, 10. März 2014

Wie ich lernte die Bombe zu lieben

Das fällt auf: Seit 2008 gibt es eine Art Obsession mit dem Thema "Crash". Bloomberg hat herausgefunden, dass die "Crash-Stories" in den Medien seither deutlich zugenommen haben (siehe Grafik).

Ist ja nicht verwunderlich. Wenn es zwei Mal in einem einzigen Jahrzehnt kracht, ist man eben übersensibel. Trotzdem wird darüber eines vergessen: Der Crash ist die Ausnahme. Weit häufiger laufen Korrekturen höchst unspektakulär ab. Über den Faktor Zeit. Seitwärts eben. Aber das ist irgendwie auch verdriesslich ... (Chart via Bloomberg)