Dienstag, 11. März 2014

Happy Birthday, Bulle!

Hurra! Jubliläum! Fünf Jahre dauert der Börsenaufschwung nun schon. Bei 3666 Punkten notierte der DAX am 6. März 2009, bei 6547 Punkten der Dow Jones am 9. März. Seither geht es recht stetig nach oben — sieht man mal von der heftigen Korrektur im Spätsommer 2011 ab.

Mit 150 Prozent ist der Weltleitindex Dow Jones seit besagten März-Tagen nun im Plus. Das ist auch deswegen so bemerkenswert, weil so lange Gewinnstrecken in der Börsenhistorie bisher äußerst selten waren. Tatsächlich kam es an der New York Stock Exchange seit 1900 nur fünfmal vor, dass über eine Fünfjahresperiode höhere Gewinne erzielt wurden als jetzt. Und ebenso bemerkenswert: Jedes Mal kam es danach zu teils gewaltigen Rücksetzern. Wiederholt sich jetzt also die Geschichte?

Vom Rekordhoch 1929 beispielsweise verlor der S & P 500 atemberaubende 86 Prozent, und nicht nur die USA, sondern die ganze Welt fanden sich in der Großen Depression wieder. Vom Hoch 1937 ging es 54 Prozent nach unten, 13 Monate Rezession inklusive. 1956 waren es 21 Prozent Minus sowie acht Monate Rezession. 1987 dann 35 Prozent Kursrutsch — ohne Rezession. Und 2000 ging es schließlich um ungefähr 50 Prozent nach unten, und die Konjunktur schleppte sich durch eine acht Monate dauernde Schrumpfkur.


Und jetzt? Ist nun auch bald Schluss mit dem Hurra? Immerhin stagniert die Börsenentwicklung schon seit Jahresbeginn. Und nach fünf Jahren Aufschwung kann man mit Fug und Recht von einem fortgeschrittenen Zyklus sprechen — und damit von einem nicht mehr ganz so positiven Verhältnis von Chance und Risiko. Dass sich zudem wieder vermehrt die üblichen Schwarzseher zu Wort melden, passt ins Bild — Anfang des Monats etwa der US-Investor Harry Dent („Der Dow wird bis 2016 auf 6000 Punkte fallen“) oder im Februar der Charttechniker Tom DeMark („Es könnte einen 40-Prozent-Crash geben“).

Doch was könnte der Anlass für einen Bärenmarkt sein? Eine Rezession ist jedenfalls nicht in Sicht. Mit Ausnahme von China sind verlässliche Frühindikatoren wie die Einkaufsmanagerindizes im grünen Bereich. Eine Erhöhung der Leitzinsen in den USA oder im Euroraum steht ebenfalls (noch) nicht an. Das Umfeld stimmt ­eigentlich. Und damit stimmen auch die Voraussetzungen für eine Beschleunigung des Gewinn- und Umsatzwachstums bei den Unternehmen. Die Realität sieht hier indes etwas anders aus: Schlecht waren die zuletzt veröffentlichten Zahlen zwar nicht, von einer echten Beschleunigung kann aber auch nicht die Rede sein. Aber des­wegen einen Bärenmarkt ausrufen?
Es wäre verfrüht. Denn die Trendwende kommt weder in der konjunkturellen Entwicklung noch an der Börse über Nacht. Eine Trendwende kündigt sich an, eine Trendwende ist ein Prozess. Und so lange gilt die simple Regel: Don’t fight the tape, don’t fight the Fed, the trend is your friend.

Sollte der Trend kippen, zeigt sich das am Markt, nämlich dann, wenn immer weniger Aktien am Aufschwung teilhaben. Das US-Research-Unternehmen Lowry hat herausgefunden, dass sich ein Top in der Vergangenheit erst dann gebildet hat, wenn der Anteil der Aktien, die schon in einem Bärenmarkt stecken — also 20 Prozent oder mehr unter ihrem Hoch notieren —, langsam, aber sicher die Anzahl der Aktien übersteigt, die noch nahe am Hoch notieren. 2007 war das der Fall.
Aktuell ist davon aber noch nichts zu sehen. Derzeit steht das Verhältnis bei zwei zu eins zugunsten der Aktien, die einen Lauf haben. Dennoch: Nach fünf Jahren Börsenrally sollte man auf der Hut sein. Werden Sie nicht zum Daueroptimisten! Das ist ebenso verkehrt, wie ständig Un­tergangsszenarien zu beschwören. Hurra!

1 Kommentar:

  1. ick globe dat jeld wird international jesehn teurer... ;-)

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