Dienstag, 1. April 2014

Eine Art Pattsituation

Das war’s mit dem ersten Quartal des Jahres. Viel ist ja nicht passiert — auf den ersten Blick. Die Volatilität ist insgesamt eher niedrig, und der Aktienmarkt tendierte mehr oder weniger seitwärts (siehe Tabelle rechts). Aber eben nur auf den ersten Blick. Wir erinnern uns: Im Januar ging es ordentlich runter, im Februar ordentlich rauf und im März zunächst wieder runter und gegen Ende wieder rauf. Für Trader ganz nett, das Ganze.

Für optimistische Anleger, die gern etwas länger an ihren Aktieninvestments festhalten, war es dagegen eher frustrierend. Denn wenn es unterm Strich überhaupt Gewinner in diesem ersten Quartal gibt, dann sind es meist Aktien aus den ­„falschen“ Branchen: Versorger etwa und Pharmaunternehmen, die traditionell doch eigentlich erst dann ihre Zeit haben, wenn ein Aufschwung zum Abschwung wird. Stattdessen sollten in einer Aufschwungphase doch eher Bankaktien laufen, Industriewerte und Technologietitel.

Denkste. Bis auf wenige Ausnahmefälle ­— in den USA etwa Caterpillar sowie Microsoft — ist die Kursentwicklung der zyklischen Aktien in den ersten drei Monaten des Jahres enttäuschend. Zuletzt ging es sogar den coolen ­Momentum-Aktien wie Twitter, Amazon, Netflix, Facebook, Tesla oder Chipotle richtig an den Kragen, ebenso den Biotechwerten — wobei das letztlich wohl gut ist, waren die Kurse hier  doch ziemlich ausgereizt.

Für den großen Kontext ist dies dennoch kein ausreichender Grund, das definitive Ende der Aktienrally zu beschwören. Denn Favoritenwechsel und Sektorrotationen gibt es immer wieder. Zu Beginn des vergangenen Jahres etwa legten die Kurse los wie die Feuerwehr. Und welche Aktien lagen in der Anlegergunst dabei ganz vorn? Richtig! Tatsächlich auch wieder solche, die eher als passiv gelten: Versorger, ­Telekommunikation sowie Unternehmen, die den Grundbedarf der Bevölkerung decken, etwa Lebensmittelkonzerne. Wer darauf im Frühjahr 2013 seine Aktien verkauft hat, ist zu bedauern, war die Rally doch längst nicht am Ende. Mitte des Jahres übernahmen dann wieder die klassischen Kurstreiber aus dem Tech- und Industriesektor die Führungsrolle und trieben die Indizes von Rekord zu Rekord.

Ob es wieder so kommt? Vielleicht wissen wir schon mehr, wenn mit JP Morgan Chase am 11. April das erste Dow-Jones-­Unternehmen und gleichzeitig die erste US-Bank Quartalszahlen liefert und so wohl zum Wegweiser wird, wie die Berichtssaison insgesamt ausfällt.

Zur Erinnerung: Im ersten Quartal waren die Unternehmensergebnisse zwar gut, aber nicht überragend. Es mangelte ein wenig an Umsatzwachstum, zudem gab und gibt es durchaus berechtigte Zweifel, ob die Unternehmen ihre unglaublich hohen Gewinnmargen halten können. Ähnlich sieht es bei den Daten zur Entwicklung der Volkswirtschaften insgesamt aus: Die Kennzahlen sind gemischt, mal positiv, mal negativ — in Summe also wenig aufschlussreich. Dazu kommt als erschwerender Faktor das viel beschworene Tapering der US-Notenbank. Gleichzeitig fehlt es aber auch den Pessimisten an Argumenten für einen Abschwung. Eine Pattsituation, wenn man so will.

Ähnlich war das 1994. Auch damals gab es Unsicherheiten, weil die US-Notenbank Fed die Zinsen erhöhte; dieses Mal haben wir es ja mit einer Absichtserklärung zu tun. Gleichzeitig legte die Konjunktur nur langsam zu — analog zur Situation heute. Das Ende vom Lied: Es passierte nicht viel 1994. Die Volatilität blieb insgesamt eher niedrig, und am Aktienmarkt ging es mehr oder weniger seitwärts — frustrierende Monate. Nachdem die Fed mit ihren Zinserhöhungen nach 14 Monaten aber durch war, stiegen die Kurse ab 1995 wieder. Für weitere fünf Jahre.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen