Mittwoch, 21. Mai 2014

Milliarden-Strategie

Nicht verpasssen – morgen am Kiosk ... Die neuen Mächtigen an der Börse nennen sich Aktivisten. Sie investieren im großen Stil und krempeln Unternehmen um, damit für Aktionäre – und für sie selbst – mehr herausspringt. Die Player und ihre Deals – Carl Icahn, Dan Loeb und Co ...

Miese Stimmung, gute Aussichten

Während bei DAX und Dow Jones der entscheidende Durchbruch nach oben noch auf sich warten lässt, geht die Rally am Anleihemarkt weiter. Historisch gesehen mag das ein Warnsignal sein

Das Allzeithoch war eigentlich schon genkackt. Vergangenen Donnerstag notierte der DAX gegen Mittag über 9800 Punkten. Doch postwendend ging es wieder nach unten. Vielleicht auch, weil US-Hedgefondsmanager David Tepper berichtete, er sei „nervös“ und habe daher den Cashbestand erhöht. Oder weil Star­ökonom Nouriel Roubini ein „ungutes Gefühl in Bezug auf die konjunkturelle Entwicklung“ konstatierte. Oder weil die Charttechniker Ralph Acampora und Tom Demark kräftige Korrekturen befürchten. Eines ist jedenfalls klar: Die Stimmung ist richtig negativ. Wir haben ja schon vorige Woche darauf hingewiesen.

Man kann es ja verstehen. Vor allem, wenn man einen Blick auf den Anleihemarkt wirft. Dort ist die Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen seit Jahresbeginn von drei auf 2,5 Prozent gefallen, während parallel dazu Dow Jones und S & P 500 auf hohem Niveau verharrten. Historisch gesehen ist dieses Auseinanderlaufen ein Warnsignal für die Aktienkurse. 

Simple Anleihegrundregel, die immer gilt: steigen die Kurse, fallen die Renditen. Und umgekehrt. Zurzeit fallen die Renditen, womit wohl die wenigsten gerechnet haben. Die Konsensmeinung zu Beginn des Jahres war genau entgegengesetzt: steigende Aktienkurse bei gleichzeitig stei­genden Anleiherenditen. Es schien doch klar: Die US-Notenbank fährt die Anleihekäufe zurück und wird über kurz oder lang die Zinsen erhöhen. Wer bitteschön soll denn dann noch Anleihen kaufen wollen? Niemand. Also Vorsicht: Kurssturz! Aber wie das eben so oft ist mit Konsensmeinungen zur Börse: Sie stellen sich als falsch heraus. 

Aber woher kommt sie denn nun, die Stärke am Anleihemarkt? Es gibt mehrere Erklärungsversuche. Die einen stützen die These von der kommenden Korrektur am Aktienmarkt, die anderen widersprechen ihr. Zunächst die Argumente der Pessimisten: US-Anleihen sind derzeit so gefragt, heißt es, weil die geopolitischen Risiken — vor allem wegen Osteuropa — zunehmen. Andere sehen den Run auf Anleihen als Indiz für eine schwächere Konjunkturentwicklung an. Stimmt das eine oder andere hiervon, dann stünden uns tatsächlich ­unruhige Zeiten am Aktienmarkt bevor. 

Jedoch scheinen die Argumente nicht recht schlüssig: Im Fall zunehmender geopolitischer Risiken müssten dann doch auch der Rubel und der russische Aktienmarkt weiter an Boden verlieren — tun sie aber nicht, wir erleben gerade das Gegenteil davon. Und auch von einer schwächeren Konjunktur kann man nicht ausgehen: Sowohl der Arbeitsmarkt als auch die Daten aus der Industrie, etwa die Einkaufsmanagerindizes, entwickeln sich summa summarum positiv.

Woher kommt sie denn nun wirklich, die Stärke am Anleihemarkt? Es bleiben die Argumente der Optimisten. Nummer 1: Es wird umgeschichtet. Die Renditen in Europa sind inzwischen so niedrig, egal, ob es sich um deutsche, italienische oder spanische Anleihen handelt, dass US-Papiere für Anleiheinvestoren unter Rendite-Risiko-Gesichtspunkten wieder recht attraktiv erscheinen. „More bang for the buck“ also, es geht schlicht um schnöde Renditeoptimierung. Zudem scheint sich mehr und mehr die Gewissheit durchzusetzen, dass die US-Notenbank eben nicht die ganz große Zinskeule hervorholt und radikal die Zinsen nach oben setzt, im Gegenteil: Die Zinsen werden noch auf längere Sicht im Keller bleiben.

Was bleibt also? Der Pessimismus ist groß am Aktienmarkt. Wohl zu groß. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass die Zauderer von der Realität in den kommenden Monaten eines Besseren belehrt werden. Und das ist eine gute Basis für weiter steigende Kurse.

Donnerstag, 15. Mai 2014

DAX und Dow auf Rekordkurs

Was war man doch besorgt in den vergangenen Wochen. Von einer Topbildung war die Rede. Von Divergenzen. Und trotzdem steigen die Notierungen. Weil Divergenzen normal sind. Business as usual.

Geht doch. Die Aktienmärkte sind wieder in Schwung gekommen. Der Dow Jones erreichte in den jüngsten Tagen neue Rekordstände und beim DAX fehlt nicht mehr viel dazu. Das sieht sehr gut aus — die 10 000-Punkte-Marke rückt näher.

Dabei haben wohl die wenigsten Börsianer damit gerechnet. Im Gegenteil. In ­Europa machte man sich Sorgen um die ­Ereignisse in der Ukraine und die kaum einzuschätzende Wirkung auf die Finanzmärkte. Gleichzeitig war an der Wall Street in den vergangenen Wochen die ganze Zeit von schlimmen „Divergenzen“ bei den Aktienkursen die Rede. Und dass diese doch bitteschön zu höchster Vorsicht mahnen sollten. Divergenz hier, Divergenz da.

Konkret geht es bei diesem Begriff vor allem darum, dass am Aktienmarkt in den ersten viereinhalb Monaten des Jahres nicht mehr einfach alles so weitergeklettert ist wie 2013. Vor allem nicht mit der ­Vehemenz des vergangenen Jahres — so wie wir es vielleicht ganz gern hätten.

Die Divergenzanhänger monieren nun, dass die Rekordkurse von Dow und DAX ­irreführend seien, weil andere Indizes und Börsensegmente noch weit davon entfernt sind — etwa der Nasdaq Composite. Und schwuppdiwupp hat man eine Divergenz konstruiert, von der dann alle reden.

Ein weiteres Beispiel hierfür sind die Nebenwerte, die seit Jahresbeginn klar schlechter gelaufen sind als die Bluechips. Ähn­liches gilt für die schwächelnden Internet­aktien. Zudem gibt es eine Divergenz bei Aktien, die als zuverlässige Dividendenzahler bekannt sind im Vergleich zu denen, die nichts an die Anleger ausschütten — Erstere laufen bisher deutlich besser.

Das ganze Divergenzgerede hat für entsprechende Unruhe gesorgt. Egal ob in New York oder an der Frankfurter Börse — die Furcht vor einer Topbildung mit anschließendem Bärenmarkt machte die Runde. Schließlich gilt die alte Börsianerweisheit, dass sich ein Top im Gegensatz zu einem Tief meist sehr langsam herauskristallisiert. „A bottom is an event, a top is a process“, heißt es so schön in der Aktio­närssprache. Und so ein Topbildungsprozess beginnt eben meist mit Divergenzen.

Das Problem daran: Divergenzen gibt es immer. Sektorrotationen gibt es immer. Es ist „business as usual“, weil sich Meinungen über Branchen und Aktien eben ständig ändern. Weil Highflyer-Branchen auch mal korrigieren müssen, weil vernachlässigte Bereiche auch mal aufholen müssen.  Nicht zwangsläufig sind Divergenzen also Anzeichen für eine Topbildung. Und wenn es so weitergeht bei DAX und Dow, werden wieder die Aktien laufen, die in den ersten Monaten schwach waren: Technologie etwa und Finanzwerte. Auch das ist eine Divergenz — eine Wahrnehmungs- und eine Bewertungsdivergenz. Nur dass diese wohl nicht so hohe Wellen schlagen wird.

Die interessanteste aktuelle Divergenz ist ohnehin eine, die sich nicht um Sektoren dreht, sondern darum, dass die aktuelle Stimmung an den Märkten so gar nicht zum Rekordkurs bei Dow und DAX passt. Nach neuesten Daten gibt es aktuell nämlich mehr Bären als Bullen. Das Gegenteil sollte jedoch der Fall sein. Stattdessen haben wir also ein Rekordhoch ohne Euphorie. Das Gerede um die Divergenzen und die Sorge um Osteuropa haben scheinbar Spuren hinterlassen.

Den Optimisten unter den Börsianern kann das aber nur recht sein. Die Börsenstimmung ist ein klassischer Kontraindikator: je schlechter die Stimmung, desto besser. Denn all die Pessimisten, die jetzt nicht investiert sind, werden irgendwann kaufen müssen, wenn sie die Rally nicht verpassen wollen. Und das lässt Platz für weiter steigende Kurse.

Dienstag, 6. Mai 2014

Der Faktor Politik und die Folgen

Eigentlich müsste es jetzt doch klappen mit dem Ausbruch nach oben. Mit dem Ausbruch aus diesem nervtötenden Seitwärtstrend, in dem DAX und Dow Jones seit Beginn des Jahres hin- und herpendeln. Vielleicht braucht es für einen solchen Ausbruch ja etwas Ruhe. Kein News-Stakkato, das so oder so interpretiert werden kann — und das garantiert auch so oder so interpretiert wird und für noch mehr nervtötendes Rauf und Runter sorgt.

Die Voraussetzungen für eine solche Ausbruchsaktion nach dem Motto „heimlich, still und leise“ sind denn auch gar nicht schlecht. Es ist wenig los in den kommenden Tagen. Zumindest was Quartalszahlen angeht, da sind gerade eher die Werte aus der zweiten Reihe dran. Und bei den Indikatoren gibt es auch kaum etwas zu beachten.

Wenn da nur nicht dieser eine nervtötende Faktor wäre: die Ukraine-Krise. Gerade wenn keine neuen wichtigen Fundamentaldaten anstehen, sucht man sich die Dinge eben anderswo zusammen, um das Auf und Ab der Börse zu begründen. Und das ist dann meist der Faktor Politik — ­aktuell eben die Ukraine-Krise. Die ist nervig, weil unberechenbar. Einzig Langfrist­investoren dürften sich über eventuelle ­politisch bedingte Kursverwerfungen freuen, haben politische Börsen doch bekanntlich meist kurze Beine, und niedrigere Aktienkurse sind daher schlicht prima Kaufgelegenheiten.

Doch ob es nun zu dem ersehnten nachhaltigen Ausbruch aus dem Seitwärtstrend reicht, ist wegen der politischen Hänge­partie fraglich. Fundamental wäre er durchaus drin. Da ist besagte Ruhe, was die Wirtschaftsnachrichten angeht, wodurch man als Börsianer die Möglichkeit hat, die zuletzt veröffentlichten Daten noch einmal Revue passieren zu lassen. Die waren in der Summe doch recht erfreulich: So fielen die jüngsten Quartalszahlen bisher besser aus als erwartet. Gleichzeitig geht es mit dem Immobilienmarkt in den Vereinigten Staaten weiter aufwärts. Auch die Zahlen am US-Arbeitsmarkt überraschten insgesamt positiv, wenngleich viele der neuen Jobs leider schlecht bezahlt sind.

Interessant auch ein Indikator, den man vielleicht als skurril abtun mag: die Verkaufszahlen des Kleintransporters Ford F-150. Die legen weiter zu. Was zum einen für einen stabilen US-Automarkt spricht und zum anderen für eine bessere Konjunktur, wird doch das Gefährt vor allem von Kleinunternehmern genutzt.

Quelle: bespokeinvest.com

Doch all das Nachdenken über die guten Daten der jüngsten Vergangenheit wird in den nächsten Tagen wohl immer wieder von Breaking News zur Lage in der Ukraine gestört werden. Die Fragen, die der Konflikt aufwirft, sind klar: Wie werden sich die Sanktionen auswirken? Wird die Konjunktur in Europa stark darunter leiden? Was wird aus dem Ölpreis? Kommt es hier zu einem kräftigen Anstieg, der ebenfalls das Wirtschaftswachstum bremst? Und kommt es gar zu einem Konflikt mit der NATO? Eindeutige Antworten gibt es da­rauf keine. Die Wirkung der jeweils neuesten Nachrichten aus dem Krisengebiet ist unberechenbar.

Im schlimmsten Fall pendeln wir also weiter. Beim DAX zwischen 9000 und 9600 Punkten, so wie wir es seit Jahresbeginn schon gewohnt sind. Und es gilt weiterhin, was an dieser Stelle schon öfters zu lesen war: Aktienanleger brauchen im Jahr 2014 vor allem eins: Geduld. Denn meistens, das zeigt die Historie, lösen sich Pendelbewegungen wie die aktuelle nach oben auf. Es ist also wohl nur eine Frage der Zeit, bis es endlich klappt mit dem Ausbruch nach oben aus dem so nervtötenden Seitwärtstrend.