Dienstag, 17. Juni 2014

Ein Ende der Beschaulichkeit

Die Kursrally macht eine Pause. Nicht nur wegen der Krise im Irak und weil daher der Ölpreis steigt. Nein, auch weil eine Korrektur dringend nötig war. Wie weit diese geht, ist allerdings schwer einzuschätzen

Nach fast schon beschaulich ruhigen Wochen mit stetig steigenden Kursen sind die Sorgen zurück. Neue Sorgen. War es Anfang Mai noch allein die Ukraine-Krise, so sind es diesmal auch noch die kriegsähnlichen Zustände im Irak, die in den vergangenen Tagen von zahlreichen Börsenbeobachtern für die Verluste an den Aktienmärkten verantwortlich gemacht wurden. 

Gleichzeitig — und das ist wohl in diesem Zusammenhang die wichtigere Nachricht — ist auch der Ölpreis deutlich gestiegen. Hier wird offenbar auf eine Unterbrechung der irakischen Ölexporte spekuliert, die Preise für die Sorten Brent und WTI sind daraufhin auf ein Neunmonatshoch geklettert.
Dies ist durchaus problematisch, kann doch ein zu schnell und zu stark steigender Ölpreis auch zu einer echten Gefahr für die Weltwirtschaft werden. 

Diese „geopolitischen Risiken“, wie sie in der Börsianersprache genannt werden, sind indes schwer einzuschätzen. In der Regel gilt zwar die Aktionärsweisheit, dass politische Börsen „kurze Beine“ haben. Sollte es aber zu einem Umsturz im Irak kommen, kann man sich durchaus ausmalen, dass es an den Märkten größere Rückschläge geben wird. Sowohl an den Aktien- als auch an den Rohstoffbörsen. 

Ein tatsächlicher Machtwechsel in einem der größten Ölförderländer des Globus würde den Preis von Brent und WTI weiter nach oben treiben — da muss man kein Prophet sein. Und ein Anstieg um zehn bis 15 D ollar wäre mit Sicherheit ein großer Belastungsfaktor für die ohnehin längst nicht auf vollen Touren laufende Weltwirtschaft — auch für diese Prognose muss man kein Hellseher sein. Allerdings: Bislang finden die Kämpfe vor allem im Norden des Landes statt, was Förderung und Export noch nicht beeinträchtigt. Zudem scheint die Regierung in Bagdad dem Terror nicht tatenlos zusehen zu wollen. 

Was also tun? Aussteigen? Gewinne mitnehmen? Alles in Cash? Oder das Ganze doch lieber aussitzen? Auch hier gibt es keine einfache Antwort. Da kommt es wohl auf das ganz persönliche Risikoprofil an. Und auf die Leidensfähigkeit. Ob sich der Konflikt nun hinzieht oder ob sich die Lage schneller beruhigt, als aktuell angenommen wird — wer weiß das schon? 

Auffällig ist ja, dass sich trotz der großen medialen Berichterstattung zum Konflikt das Minus an den Börsen doch in Grenzen hält. Gleichzeitig ist nach dem starken Anstieg in den vergangenen Wochen eine Konsolidierung an den Aktienmärkten ohnehin längst überfällig. Der beschauliche Anstieg mit mal 50 Punkten hier und mal 50 Punkten da musste ja einmal ein Ende finden. Die jüngsten Verluste allein mit dem Konflikt im Iran zu begründen greift also sicherlich zu kurz. Viel zu kurz. 

Über all den Sorgen über das Geschehen im Nahen Osten sollte man ja auch nicht aus den Augen verlieren, was langfristig entscheidenden Einfluss auf die weitere Entwicklung der Kurse hat. Und das ist unter anderem — keine Überraschung! — die Politik der Zentralbanken

Am Mittwoch tagt jedenfalls die US-Notenbank Fed. Und der fehlt es seit dem Wechsel auf dem Chefposten etwas an Klarheit in den Aussagen. Die berühmte „Fed-Speak“ ist noch undurchsichtiger geworden, seit Janet Yellen von Ben Bernanke das Amt der Topwährungshüterin übernommen hat. Vielleicht auch, weil die Meinungen der einzelnen Fed-Mitglieder inzwischen weit auseinandergehen. Und vielleicht auch, weil im Gegensatz zur Fed die Aussagen der EZB in Person Mario Draghis viel eindeutiger sind. Vielleicht ändert sich das ja Mittwochabend ...

Diese Meinung zur Börsenlage finden Sie auch in der kommenden BÖRSE ONLINE, Titel: "SDAX - 15 Jahre Top-Performance"  (erscheint am Mittwoch)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen