Mittwoch, 25. Juni 2014

Frau Yellen hat immer recht

In den USA wird tatsächlich das Inflationsgespenst beschworen. Notenbankchefin Janet Yellen hält das für Unsinn. Eine klare Ansage. Wer dagegen wetten will, bitteschön, aber auf eigenes Risiko.

Die Fed, also die US-Notenbank, steht wieder einmal im Mittelpunkt des Börsengeschehens. Und vor allem deren Chefin Janet Yellen. Die hat nämlich gesagt, dass der jüngste Anstieg der US-Inflation in die Kategorie „noise“ gehöre, was frei übersetzt so viel wie „statistisches Rauschen“ oder „viel Lärm um nichts“ bedeutet. Die Zinsen dürften also länger niedriger bleiben, als von vielen bislang angenommen. Es ist zwar daraufhin kein Shitstorm über Frau Yellen losgebrochen, wie das sonst so üblich ist, Kritik gab es dennoch zuhauf. Der Tenor: Die Fed hinke mitsamt der Frau Yellen der Entwicklung hinterher. Die Zinsen müssten rauf, da ab jetzt die Inflation massiv zulegen werde. An der Börse zog daraufhin der Goldpreis stark an, ebenso die Aktienkurse.

Nun ist es vermutlich der undankbarste Job überhaupt, über Inflation zu schreiben. Dazu hat nämlich jeder eine dezidierte und meist geharnischte Meinung, die sich in der Regel so zusammenfassen lässt, dass uns die Preissteigerungen noch die Haare vom Kopfe fressen werden. Wer sich darüber auf eine Diskussion einlässt, bitteschön, der ist zu bedauern. Es finden sich ja immer Beispiele des täglichen Lebens, die illustrieren, wie sündhaft teuer doch alles geworden sei. Ist ja klar. 

Also lassen wir diese Diskussion lieber. Es ist ja auch so schon schwierig genug, sich auf einen gemeinsamen Nenner bei der Messung der Inflation zu einigen, es gibt ja so viele Maßzahlen, offizielle wie inoffizielle. Beispiel USA: Der bekannte und viel verwendete Konsumentenpreisindex (CPI) ist im Mai gegenüber dem Vorjahr tatsächlich so stark gestiegen wie lange nicht: nämlich um 2,1 Prozent. Bei den „Ausgaben für den persönlichen Konsum“ (PCE) waren es dagegen 0,5 Punkte weniger, weil diese Kennzahl die Preise von Gütern ausspart, die besonders stark schwanken — am Donnerstag gibt es für diese Kennzahl übrigens ein Update. 

Und was gilt nun? CPI oder PCE? Oder doch ganz was anderes? Spätestens mit der Antwort auf diese Frage beginnt der Glaubenskrieg. Der sorgt dann für angeregte Diskussionen am Stammtisch, bringt einen Anleger aber nicht weiter. Für Letzteren stellt sich die Frage in dieser Art nämlich gar nicht. Als Anleger ist eine pragmatische Sicht der Dinge besser. Denn wenn es ums Depot geht, zählt nur eine Kennzahl: diejenige, die auch für die Fed relevant ist — die „Ausgaben für den persönlichen Konsum“, die niedrigere PCE-Ziffer also. Daran orientiert sich Frau Yellen. Und sie entscheidet, was „noise“ ist und was nicht. Wer da als Anleger dagegenhalten will, bitteschön, dann aber auf eigene Gefahr. 

Die Fed hat feste Überzeugungen, die man sich als Anleger immer wieder ins Gedächtnis rufen sollte. So gibt es ein Inflationsziel von zwei Prozent, gemessen an den — richtig! — „Ausgaben für den persönlichen Konsum“. Für die Fed bedeutet dies „Preisstabilität“. Diese zwei Prozent wurden noch nicht erreicht, darum bleiben die Zinsen niedrig. Die Fed geht davon aus, dass andere Kennzahlen die Inflationsrate zu hoch ausweisen. Außerdem ist man der Überzeugung, dass eine Inflation leichter in den Griff zu bekommen ist als das Gegenteil, eine Deflation, ein fallendes Preisniveau also. Die Fed wird daher auch nicht sofort die Zinsen erhöhen, wenn die Inflation tatsächlich zwei Prozent erreicht. Sie wird dies erst tun, wenn dieses Level über eine gewisse Zeit besteht. Die Fed wird sich auch nicht aus der Ruhe bringen lassen, wenn die Preise für Energie und Lebensmittel durch Faktoren wie politische Unruhen oder Dürre temporär nach oben gehen. Ob sie damit recht hat? Man mag darüber streiten. Als Privatmensch. Als An-leger richtet man sich einfach danach. Die Zinsen bleiben niedrig. Und das ist gut für Aktien. Amen.

Diese Meinung zur Börsenlage finden Sie auch in der kommenden BÖRSE ONLINE, Titel: "Deutschlands günstigste Aktien"  (erscheint am Donnerstag)

1 Kommentar:

  1. schöner Artikel. Auf meinem Blog stell ich einige Schöne Bücher vor, dieses Thema wird auch behandelt: hier

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