Mittwoch, 16. Juli 2014

Der Effekt des Unausweichlichen

Die Börsen sind im Korrekturmodus. Dies sei längst überfällig, meinen viele. Doch was tun? Wie schlimm wird es? Eines ist jedenfalls klar: Jetzt bloß keine emotionalen Entscheidungen treffen.

Da ist sie also, die nächste Korrektur. Zumindest scheint es der Beginn einer solchen zu sein. Es wäre ja auch nur normal. Jeder Aufwärtstrend hat Phasen, in denen die Kurse konsolidieren. Seit den Tiefständen vom März 2009 gab es insgesamt neun größere — und durchaus schmerzhafte — Korrekturen, in denen es um sechs bis 22 Prozent abwärtsging. Am übergeordneten, aufwärtsgerichteten Trend hat aber keine dieser Phasen etwas geändert. Und dieses Mal?

Man weiß es nicht. Geht man nach den teils höchst aufgeregten Schlagzeilen und den teils turbulent geführten Diskussionsrunden gerade im US-Börsen-TV, dann war es das jetzt wohl mit dem übergeordneten positiven Trend. Da reimt sich Crash auf Cash. Und wer nicht in Letzteres umgeschichtet hat, der ist ab jetzt angeschmiert. Davon muss man sich natürlich nicht anstecken lassen, gerade nicht als langfristig orientierter Anleger. Mit Korrekturen ist es wie mit dem Wechsel der Jahreszeiten: Beides ist unausweichlich. Mit dem Unterschied, dass eine Korrektur unregelmäßiger auftritt und es meist auch eines Anlasses bedarf — oder zumindest einer Entschuldigung. So wie diesmal eben das eher unheilig geführte portugiesische Bankhaus mit dem recht irreführenden Namen Espírito Santo als Ursache oder zumindest Auslöser der Korrektur herhalten muss.

Das Gute an unausweichlichen Gegebenheiten: Man kann sich darauf vorbereiten. Das schützt vor emotionalen Reaktionen und sichert damit auch das Depot, sind doch gefühlsgeleitete Entscheidungen oder solche, die „aus dem Bauch heraus“ getroffen werden, in der Regel kontraproduktiv für das Wohl des Ersparten.

Doch zurück zur aktuellen Korrektur oder zum eventuellen Beginn der aktuellen Korrektur. Hier stellt sich die Frage: Wie schlimm wird es? Antworten darauf gibt es zuhauf, Garantien aber keine. Fakt ist jedoch, dass es seit inzwischen 1000 Tagen — was für eine fantastisch runde Zahl — keine zehnprozentige Korrektur mehr gab. Und solche gibt es in Aufschwungphasen immer mal wieder. Wenn man so will, dann wäre ein solches Ereignis „überfällig“. Aber trotzdem muss es nicht zwingend jetzt stattfinden.

Dennoch: Mal angenommen, der DAX fällt jetzt tatsächlich bis 9000/9100 Punkte zurück, dann wäre dies schlicht im Rahmen des Üblichen. Und auch wenn die schiere Größe einer möglichen 1000 Punkte starken Korrektur beeindruckt, furchteinflößend sollte ein solches Kursverhalten trotzdem nicht sein.

Mit Sicherheit würde es im Fall des Falles aber zu weiteren aufgeregten Schlag­zeilen und weiteren höchst erregt geführten Diskussionsrunden im Börsen-TV kommen. Etwa so: Was, wenn es nicht nur eine Korrektur ist? Was, wenn wir es gerade mit dem Beginn einer Trendwende zu tun haben? Einer Wende hin zu einem über­geordneten Abwärtstrend? Die Argumente wären bekannt: hohe Bewertungen, die mögliche US-Zinswende, in Europa eine schwächere Konjunktur als erwartet.

Zuletzt war auch zu lesen, dass in den USA in den vergangenen zwölf Monaten Privatanleger über 100 Milliarden Dollar in den Aktienmarkt investiert hätten, zehnmal so viel wie in den zwölf Monaten davor. Ein Warnsignal durchaus, investieren Privatanleger im großen Stil doch meist erst am Ende einer Aufschwungphase. Doch von solchem Überschwang kann wahrlich noch keine Rede sein. Dafür braucht es mehr als nur ein paar Monate verstärktes Aktieninvestment. Man erinnere sich an die Zeit, als der damalige US-Notenbankchef Alan Greenspan den berühmten Ausspruch vom „irrationalen Überschwang der Aktienmärkte“ tat. Das war 1996. Die Rally dauerte dann aber trotzdem fünf weitere Jahre. Daraus mag jetzt jeder seine ­eigenen Schlüsse ziehen — Korrektur oder Trendwende?

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