Freitag, 22. August 2014

Krisenbewältigung nach Schema F

Die Kurse haben zuletzt kräftig gewackelt. Vor allem in Deutschland. Ein Grund sind sicherlich die aktuellen geopolitischen Krisen. Trotzdem stellt sich die Frage, wie signifikant die tatsächlich sind.

Das fällt schon auf: Vor allem die US-Börsen klettern recht kontinuierlich weiter — trotz aller geopolitischer Unruhen. Trotz Syrien, Irak, Gaza, Ukraine. Der Technologieaktienindex Nasdaq Composite hat beispielsweise gerade ein neues Jahreshoch erreicht. An der deutschen Börse ist das ein wenig anders. Hier ist man nervöser. Vermutlich wegen der räumlichen Nähe zu Russland und der wirtschaftlich doch recht engen Verbindungen. Und wohl auch, weil man generell hektischer auf politische Ereignisse reagiert als in den USA. Gut zu sehen war das ja am Freitag voriger Woche, als der DAX nach widersprüchlichen Gerüchten aus der ostukrainischen Krisenregion binnen weniger Minuten 200 Punkte verlor.

Dennoch sind die Märkte insgesamt recht ruhig. Trotz der Vielzahl der Krisenherde. Egal ob Aktien, Gold oder Ölpreis — die Notierungen sind relativ stabil. Da fragt man sich dann schon: Ist die Geopolitik denn überhaupt ein entscheidender Faktor für die Geldanlage? Die Frage mag vermessen oder unlogisch erscheinen angesichts der täglich auf uns einstürzenden Nachrichtenflut. Blickt man aber in die Historie, dann scheint die These gar nicht so abwegig. Letztlich ist es doch so, dass die meisten geopolitischen Ereignisse in der Summe keinen größeren Einfluss auf Umsatz und Ergebnis von Unternehmen haben. Auch Handelsbeschränkungen müssen nicht zwingend gravierend negativ ausfallen. Der Konsum verschwindet ja nicht einfach aufgrund von Restriktionen. Oft verschiebt er sich einfach nur, sucht sich neue Wege. Hinzu kommt, dass trotz fetter Schlagzeilen die meisten dieser Ereignisse relativ klein sind — jedenfalls wenn man sie aus einer globalen ökonomischen Perspektive betrachtet.

Ein dritter Punkt, der die relative Ruhe an den Märkten erklärt, ist der, dass solche Ereignisse oft schon frühzeitig antizipiert werden. Große Investoren haben meist schon rechtzeitig Anpassungen an ihrer Vermögensstruktur vorgenommen, um allen möglichen Eventualitäten tunlichst zuvorzukommen. Frei nach der alten Börsenweisheit: „Kaufen Sie das Gerücht, verkaufen Sie die Nachricht.“

Die Auswirkungen geopolitischer Risiken auf die Märkte ähneln sich durchaus. Gerade bei überraschenden Entwicklungen wanken die Kurse und Preise zunächst gewaltig, man denke an die Attentate vom 11. September 2001. Doch danach setzt sich in der Regel der vorherige Trend fort. Im Fall von 9/11 gab es zunächst einen Crash, dann eine kurze Rally, die darauf in den schon früher gestarteten Abwärtstrend mündete — die USA befanden sich zu jener Zeit schon in einer Rezession. Umgekehrt war es beim Beginn der US-Invasion im Irak im Jahr 2003. Damals rutschten die Märkte wenige Tage vor dem Einmarsch auf neue Tiefpunkte ab, um sich in den folgenden vier Jahren zu verdoppeln.

Allerdings kann es auch ganz anders kommen. Und zwar dann, wenn eine für die Weltwirtschaft ganz wesentliche Komponente betroffen ist. Wie das Öl. Während des Ölembargos von 1973 bis 1974 kam es zu signifikanten Veränderungen bei Inflation, Konsum und Unternehmensgewinnen. Der Ölpreis kletterte damals in wenigen Monaten von etwa drei Dollar pro Barrel auf fast zwölf Dollar und stürzte die westliche Welt in eine heftige Rezession.

Was lernen wir daraus? Zum einen ist es nicht verkehrt, auf den Ölpreis zu achten — wobei der zurzeit und zur Beruhigung vieler eher fällt als steigt. Zweitens sollte man den täglichen Newsflow lieber ignorieren als zum Bestandteil der eigenen Anlagestrategie zu machen — im Zweifel reagieren die großen Anleger darauf ohnehin schneller. Und drittens gilt, dass wankende Kurse meist gute Möglichkeiten bieten, nachzukaufen.

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