Dienstag, 26. August 2014

Provokation und Reaktion

US-Aktien auf Rekordkurs, DAX mit Nachholbedarf und der Euro im freien Fall, dazu das Treffen der wichtigsten Notenbanker der Welt. Wie das eine zum anderen passt.  

Das fällt schon auf in den vergangenen Wochen: An der US-Börse geht es ordentlich voran. Vor allem die Bluechips legen kräftig zu, und zwar so stark, dass der S&P-500 am Montag das erste Mal überhaupt die 2000-Punkte-Marke geknackt hat. Im Gegensatz dazu hinken Nebenwerte deutlich hinterher, ebenso europäische Aktien. Passiert so etwas, dann spricht man von einer Divergenz, und der eine oder andere Börsianer macht sich Sorgen, weil fehlende Marktbreite bei neuen Rekordkursen in der Vergangenheit doch immer ein recht gutes Warnsignal war. Ebenfalls fällt auf, dass der Euro fällt wie ein Stein und dass sich seit einigen Tagen der japanische Yen wieder abschwächt, nachdem sich da lange nichts getan hat.

Wie passt das denn nun zusammen? Es passt. Im Wesentlichen sind es doch gerade mal zwei Aspekte, die in diesem Jahr das Auf und Ab an den Aktienmärkten bestimmen: Da ist zum einen die Geldpolitik der Notenbanken, zum anderen sind es die geopolitischen Risiken. Beiden gemeinsam ist die Unsicherheit, wohin wir denn nun steuern. Es ist nicht recht klar, wann die ersten Zinserhöhungen in den USA kommen. Und was die Weltpolitik angeht, lähmt vor allem die Sorge vor weiteren Eskalationen — gerade was den Russland-Ukraine-Konflikt angeht.

Diese Unsicherheit sorgt sicherlich für eine Flucht in den Dollar und zudem wohl auch dafür, dass man sich als Investor, wenn überhaupt, bei Aktien dann doch lieber für die vermeintlich stabileren Bluechips entscheidet als für Nebenwerte.

Und dann sind es eben die Notenbanken, die im schönen Wechsel mit der Geopolitik für Bewegung an den Märkten sorgen. Aktuell für wieder deutlich steigende Aktienkurse. Die Notenbanken haben es sogar geschafft, dass der erneut und damit zum vierten Mal in Folge gefallene Ifo-Index dabei schlichtweg ignoriert wurde. Auslöser für die Rally am Aktienmarkt war das Treffen der Welt-Zentralbanker, das regelmäßig im Spätsommer im Örtchen Jackson Hole in Wyoming stattfindet. Dort tauscht man sich aus, genießt die Natur und stimmt vielleicht gar die Geldpolitik aufeinander ab. Dieses Jahr war es allerdings nicht ganz so beschaulich. Da warfen die Vertreter der US-Notenbank Fed der Europäischen Zentralbank (EZB) vor, „zu wenig zu tun“.

Die haben ja auch gut reden, die Amerikaner. Im Gegensatz zu Europa geht es beim konjunkturellen Aufschwung ja doch recht passabel voran. Jedenfalls folgte auf die Provokation prompt die Reaktion. EZB-Chef Mario Draghi redete Tacheles und wich im Eifer gar vom Redemanuskript ab. Er werde die Deflationsgefahr in Europa „mit allen Mitteln“ bekämpfen, sagte er, man sei „bereit“. Zudem forderte Draghi die europäischen Finanz- und Staatsminister auf, „mehr Engagement zu zeigen“. Das Wachstum solle bitteschön endlich gestärkt werden. Harter Tobak das Letztere. Der Mann übersteigt damit eigentlich die Grenzen seines Mandats — aber das ist ein anderes Thema.

Jedenfalls wurden die deutlichen Worte so ausgelegt, dass der Beginn gezielter Stützungskäufe am europäischen Anleihemarkt nun wohl unmittelbar bevorsteht. Wäre dem tatsächlich so, dann bliebe es also nicht nur bei der bisherigen Niedrigzinspolitik der EZB, nein, man würde da noch Liquidität draufpacken. Die USA, die im Gegensatz dazu selbige ja schon reduzieren, könnten dies dann ein bisschen beruhigter tun.

An den Märkten haben die klaren Worte ihre Wirkung nicht verfehlt: Der Euro ist seither noch stärker unter Druck als schon in den Wochen zuvor, die Aktienkurse steigen, die Renditen der Staatsanleihen fallen. Und das ergibt durchaus Sinn. Die USA wollen scheinbar den Job des „Chef-Gelddruckers“ weitergeben. An die EZB. An die Bank of Japan. Nehmen die den Job an, dürften die Aktienkurse weiter steigen und Euro und Yen fallen.

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