Mittwoch, 13. August 2014

Stoische Gelassenheit

Korrekturen gibt es an der Börse immer wieder. Nicht immer müssen bei einem Rückgang 
um zehn Prozent die Alarmsirenen schrillen. Der beste Ratschlag ist also der, sich daran zu gewöhnen.

Vor einigen Wochen waren wir ja schon einmal damit beschäftigt, ob die Märkte an der Schwelle einer Korrektur stehen oder gar am Beginn einer Trendwende. Damals lautete das Fazit, dass es seriös kaum möglich ist, Beginn und Ende einer Korrektur vorherzusagen. Viel wichtiger sei es — und das gilt heute immer noch —, wie man denn tatsächlich auf einen solchen Kursrutsch reagiert — oder überreagiert, was sicherlich kein guter Ratschlag wäre.

Die Korrektur findet nun tatsächlich statt und reiht sich ein in eine nicht mal ganz so lange Liste ähnlicher Ereignisse. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs jedenfalls gab es 27 Korrekturen von jeweils ungefähr zehn Prozent an der US-Börse — und wir nehmen die mal als Maßstab, ist die Wall Street doch nach wie vor globale Leitbörse, und der DAX verläuft doch in recht ähnlichen Bahnen. Wenn auch bisweilen etwas volatiler, so wie gerade eben.

Im Vergleich zu besagten Zehnprozentern unter den Korrekturen gab es dagegen nur zwölf ausgewachsene Bärenmärkte, die dadurch definiert sind, dass es um 20 Prozent oder mehr nach unten geht. Das vielleicht Erstaunliche an diesen Marktbewegungen, egal ob Zehn- oder Zwanzigprozenter, ist die Tatsache, dass sie nicht gleichmäßig über die Jahre verteilt sind. In der Tat trat fast die Hälfte der Korrekturen entweder in den 70er- oder in den 2000er-Jahren auf. Und beide Zeiträume waren geprägt von wirtschaftlichen Re­zessionen sowie den dazugehörigen längerfristigen Bärenmärkten, die sich durch teuflische Ausverkäufe und fast schon panisch anmutende Zwischenrallys auszeichneten.

Das ist doch schon mal ein erstaunliches Fundstück: Fast die Hälfte der Korrekturen trat also in nur zwei der sieben Jahrzehnte auf. Zufall? Wohl nicht. Wer angesichts dessen mal ganz distanziert auf die aktuelle Lage blickt, kommt dann doch ins Grübeln. Wie wahrscheinlich ist denn dann eine heftige Korrektur in unseren Tagen? Anlässe gibt es ja scheinbar genug. Die Herabstufung der Bonität amerikanischer Anleihen etwa. Die vielleicht bald kommenden höheren Leitzinsen in den USA. Und die Bewertungen: Uns wird doch immer wieder erzählt, dass die Märkte überteuert sind, dass der Finanzmarkt zur Blase aufgepustet wurde. Oder wenn schon nicht der ganze Markt, so gebe es doch wenigstens eine Techblase oder eine Börsengangblase. Und dass gerade Twenty-First Century Fox ein Gebot für Time Warner abgegeben hat, ist doch auch Indiz eines Exzesses! Oder etwa nicht? Und dann die europäischen Banken — ein Schrecken ohne Ende. Und last not least die Crash-Gründe aus der Abteilung Geopolitik: Gaza, Irak, Ukraine. Doch was ist daraufhin schon groß passiert? Der Ölmarkt ist doch erstaunlich ruhig und die Nachfrage nach Gold hat auch nicht wirklich sprunghaft zugenommen.

Was ist es dann wirklich, was die Märkte treibt? Diese Gemengelage an unterschiedlichsten Gründen? Von allem ein bisschen was? Oder ist die Wahrheit schlichter? Wie wäre es damit, dass Korrekturen einfach immer wieder mal vorkommen. Relativ regelmäßig. Und vermehrt in Zeiten von Rezessionen. Es ist, wie es ist und immer war: Korrekturen passieren. Und der beste Ratschlag ist der, sich daran zu gewöhnen.

Fast 500 Handelstage hat die US-Börse nun ohne einen zehnprozentigen Rückgang überstanden. Und vielleicht werden es noch einmal 100. Denn von Rezession ist in den USA nichts zu spüren. Im Gegenteil, die wirtschaftlichen News überzeugen. Seit Wochen. Der Trend scheint intakt. Trotz alledem.

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