Mittwoch, 24. September 2014

Undank ist der Welten Lohn

Fallende Preise bei Öl und Eisenerz, Nebenwerte, die hinterherhinken. Man macht sich Sorgen um die Rally am Aktienmarkt. Gut, wenn da die Notenbanker auf Kurs bleiben.

Die Rally am Aktienmarkt wird ja schon misstrauisch beäugt, seit sie im März 2009 ihren Anfang genommen hat. An der Wall Street hat dann irgendwann jemand die Bezeichnung „most hated rally ever“ für den derzeitigen Börsenaufschwung gefunden — die meistgehasste Rally aller Zeiten. Eine Bezeichnung, die immer noch passt. Auch jetzt. Dieses Mal ist man misstrauisch, weil die Preise für Erdöl und Eisenerz purzeln. Von einem Fünfjahrestief ist da die Rede. Und man ist misstrauisch, weil die sogenannte „Marktbreite“ bei den Aktien in den vergangenen Monaten ein wenig verloren gegangen ist — soll heißen: Die Nebenwerte, gerade in den USA, hinken inzwischen den Bluechip-Indizes deutlich hinterher.

Der Reflex auf derlei Ereignisse ist dann immer der gleiche: Man deutet sie als Indiz für die große Wende und proklamiert liebend gern einen bald kommenden Crash. Als ob es an den Märkten zwischen den beiden Extremen „Boom and Bust“, zwischen Euphorie und Niedergang, keine weiteren Möglichkeiten gäbe — auch ein Ausdruck fehlender Zuneigung.

Vielleicht ist das ja auch deswegen so, weil man die Rally von Anfang an nicht verstanden hat. Und noch schlimmer: Weil man sie genau aus diesem Grund verpasst hat! Denn von Anfang an wurden die Risiken von vielen falsch eingeschätzt, etwa das Inflationsrisiko, die Gefahr wieder steigender Zinsen, die Volatilität an den Märkten, das Risiko eines Zusammenbruchs des Euro. Und vor allem hat man es den Zentralbanken offensichtlich nicht zugetraut, die Weltkonjunktur auf Kurs zu halten. Ein teures Missverständnis das. 

Viele Gründe für niedrige Zinsen

Ob es nun wohl so weitergeht mit dem Nichtverstehen? Es wird ja schon munter darauf spekuliert, wie hoch der US-Leitzins bis Ende 2015 geklettert sein dürfte. Wie wäre es mit 1,5 Prozent? Oder 2,0 Prozent? Mal davon abgesehen, dass steigende Zinsen nicht automatisch ein Ende der Aktienrally bedeuten, scheint die Prognose der Zinsskeptiker verfrüht. Die lagen damit auch schon im vergangenen Jahr falsch, ebenso im Jahr davor.

Und auch jetzt gibt es immer noch genügend Gründe, die Zinsen weiter niedrig zu halten: Energie ist billig, die Lohnentwicklung durch den globalen Wettbewerb moderat, der Inflationsdruck dadurch gering. Und was die Konjunktur angeht: Da kann man ja nun wirklich nicht von Überhitzung sprechen. Die Erholung seit dem Ende der Rezession 2009 kommt außergewöhnlich schleppend voran. In den vier Kalenderjahren seither ist das US-Wirtschaftswachstum nie deutlich stärker ausgefallen als um die drei Prozent. In der Vergangenheit waren in einer „normalen“ Erholung dagegen Wachstumssprünge von sechs Prozent durchaus Standard.

Also wird im Euroraum EZB-Chef Mario Draghi auf Kurs bleiben und weiterhin auf eine lockere Geldpolitik setzen. Und in den USA wird Janet Yellen, die Chefin der US-Notenbank Fed, ebenfalls auf Kurs bleiben, ganz egal, ob der eine oder andere „Falke“ in ihrer US-Zentralbanker-Truppe da anderer Meinung sein mag und ihr in aller Offenheit widerspricht — was übrigens gute amerikanische Tradition ist. 

Die Chefin hat das letzte Wort

Aber es ist, wie es ist: Yellen hat das letzte Wort. Und sie sagt recht deutlich, wohin die Reise geht. Erst vergangene Woche hat sie noch einmal bekräftigt, dass zwar das Anleihekaufprogramm — wie von langer Hand geplant — bald endet, der Leitzins aber bei 0,25 Prozent bleibt. Und zwar so lange wie nötig. Bis eben die Konjunktur nachhaltig nach oben dreht. Der Lohn dafür? Tja, auch die Fed wird wegen ihrer Zinspolitik seit Jahren misstrauisch beäugt. Aber das passt ja ins Bild der „most hated rally ever“.

Dienstag, 16. September 2014

Zünglein an der Waage

Was die Schotten mit der Stärke des Dollar zu tun haben. Warum EZB-Chef Mario Draghi seine Finger im Spiel hat. Und wie das alles mit DAX und Dow Jones zusammenhängt.

Da hat sich ordentlich was zusammengebraut am Devisenmarkt. Mit vermutlich großen Auswirkungen auf den Finanzmarkt insgesamt, also auch auf DAX, Dow und Nikkei. Es geht um den ­Dollar. Der legt seit Wochen gegenüber den anderen wichtigen Währungen kräftig zu — wir haben an dieser Stelle ja schon darauf aufmerksam gemacht.

Letztlich sind es drei Faktoren, die für die Aufwertung des Greenback sorgen: die schottische Unabhängigkeitsbewegung, die auf dem Wert des Britischen Pfund lastet, die „neue“ und noch expansivere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), die den Euro schwächt, und schließlich die Erwartung, dass auch die Bank of Japan noch mehr tun wird, um den Yen abzuwerten und auf diese Weise die ­Exportwirtschaft des Landes zu stärken.

Besonders wichtig angesichts der großen Bedeutung im Weltwirtschaftsgefüge erscheint der Abwärtstrend beim Euro. Die Zinsdifferenz von Anleihen europäischer Kernstaaten wie Deutschland und Frankreich gegenüber den etwas besser verzinsten Staatspapieren der USA spielt da eine bedeutende Rolle — auch wenn das absolute Niveau der Renditen hüben wie drüben lächerlich niedrig ist. Ein weiterer gewichtiger Grund für die Euroschwäche hat mit der Bilanzsumme der Notenbanken zu tun. Derzeit wächst die der EZB nämlich schneller als die der US-Notenbank Fed. Ein Umstand, der auch schon in der Vergangenheit zu fallenden Euronotierungen geführt hat — und im umgekehrten Fall zu einem schwächeren Dollar.

Wie war das gleich vor drei Jahren?

Man hat das vielleicht vergessen oder gar nicht wahrgenommen, aber Ende 2011 fiel die Bilanzsumme der EZB um gut 30 Prozent höher aus als jetzt. Und weil Notenbankchef Mario Draghi gerade angedeutet hat, dass er dieses Level wieder erreichen will, ist es nicht verkehrt, sich die Ereignisse von vor drei Jahren noch einmal in Erinnerung zu rufen: Es war im Spätsommer 2011, als die EZB die Bilanzsumme auszuweiten begann — mit dem Effekt, dass der Dollar deutlich zulegte, die Rohstoffnotierungen fielen und gleichzeitig die große Kurskorrektur an den europäischen Aktienmärkten zu Ende ging. Nachdem DAX und Euro Stoxx zwischen Juli und September um mehr als 30 Prozent gefallen waren, stabilisierten sich die Kurse und stiegen dann bald wieder. Parallel dazu kletterten auch die Notierungen an der New Yorker Börse — und zwar deutlich stärker als die in Europa.

Letzteres mag daran liegen, dass die Inflation in den USA mit Beginn der euro­päischen Maßnahmen von vier auf ein Prozent im folgenden Jahr fiel. Für die Amerikaner ein Riesengeschenk, sorgte dies doch für deutlich mehr Spielraum beim Konsum, was wiederum zu stärkerem Wachstum führte und somit zu steigenden Notierungen am Aktienmarkt.

Mal über US-Aktien nachdenken

Wiederholen sich nun die Ereignisse? Gut möglich. Wichtig dürfte sein, wie die US-Notenbank der Öffentlichkeit ihre künftige Geldpolitik verkauft – Mittwoch Abend wissen wir mehr. Die Wortwahl von Fed-Chefin Janet Yellen könnte sich angesichts der besseren konjunkturellen Lage etwas verschärfen, was vielleicht die Angst vor einer zu raschen und zu heftigen Zinserhöhung schürt. Kurzfristig sind also noch einige Verwerfungen möglich. Langfristig jedoch sieht alles nach einer Fortsetzung der Rally am Aktienmarkt aus. Und ist 2011 der Maßstab, dann sollte man wohl auch mal über US-Aktien als Investment nachdenken — wenn man das nicht längst schon getan hat.

Donnerstag, 4. September 2014

Take a walk on the tech side

Die EZB hat noch einmal an der Zinsschraube gedreht. Es war absehbar. Gut für Aktien ... Die Ampeln sind weiter auf "Grün" ... (so sieht es auch Tech-Guru Ralph Acampora)

Mittwoch, 3. September 2014

Dienstag, 2. September 2014

Besondere Zeiten

Die Sorgen an der Börse werden nicht weniger. Dass die Kurse von Aktien und Anleihen gleichzeitig so stark steigen, sorgt für Stirnrunzeln. Ein Warnsignal, finden viele. Was ist wirklich dran?

Voilà, der Herbst ist da. September. Da ist es an der Zeit, gleich mal mit ein paar Vorurteilen aufzuräumen. Der September hat nämlich unter Börsianern einen schlechten Ruf. Man fragt sich nur, warum? Der Ruf scheint aus uralten Zeiten zu stammen. Denn Tatsache ist doch, dass es nur zweimal in den vergangenen zehn Jahren zu einem Minus im ersten Herbstmonat des jeweiligen Jahres kam. Achtmal dagegen ging es teils kräftig nach oben. So auch vergangenes Jahr. Da stieg der deutsche Leitindex DAX von 8195 auf 8594 Punkte. Macht ein Plus von 399 Zählern. Das ist ordentlich.

Wer sich an derlei saisonalen Aspekten orientiert, dürfte also getrost in Aktien investiert bleiben. Aber wer macht das schon? Als wankelmütiges menschliches Wesen lässt man sich doch nur allzu oft von den Wenns und Abers anderer Leute ablenken und weicht dann ab vom Plan, wie man denn nun tatsächlich investiert sein will.

Aktuell lenkt beispielsweise das Bohei um die scheinbar ins Unendliche steigenden Anleihekurse ab. Vor allem in den USA ist das Gezeter groß, also dort, wo die ­Aktienindizes von Rekord zu Rekord eilen und parallel dazu die Rendite zehnjähriger festverzinslicher Papiere auf 2,3 Prozent gefallen ist — wir erinnern uns: Fallende Anleiherenditen sind gleichbedeutend mit steigenden Anleihekursen.

Die Wenns und Abers besagter anderer Leute klingen dann ungefähr so: Die Anleihen steigen deshalb, weil die wirtschaft­liche Erholung zu schwach sei, die Gefahr einer Deflation immer stärker zunehme und Anleihen daher das klar bessere Investment seien, auch wenn der Nominalzins lächerlich niedrig erscheint. Am Aktien­markt dagegen habe man das alles nicht verstanden, die Kurse seien zu hoch, und daher werde es dort über kurz oder lang kräftig nach unten gehen. Dann sei Schluss mit der Anomalie gleichzeitig steigender Aktien- und Anleihekurse.

Nun gut, die Warnung kommt ja nicht von ungefähr. Dass Anleihekurse und Aktienkurse gleichzeitig so stark steigen, ist durchaus ein klassisches Warnsignal. Meist hält so etwas nicht lange an, und entweder das eine oder das andere gibt nach, auf dass sich die Anomalie auflöse.

Aber wir befinden uns ja bekanntlich in ganz besonderen Zeiten, in denen die Notenbanken agieren, wie sie nie zuvor agiert haben. Daher kann es auch mal sein, dass etwas, was zu „normalen“ Zeiten als Anomalie bezeichnet wurde, heutzutage eher als „neue Normalität“ eingestuft wird.
Um mit den US-Staatsanleihen anzufangen: 2,3 Prozent Rendite für eine zehnjährige Anleihe mögen zwar mickrig sein, im Vergleich zu deutschen oder japanischen Staatspapieren ist die Verzinsung aber höchst ansprechend. Dass zudem die Euro­päische Zentralbank (EZB) in Person ihres Chefs Mario Draghi eine noch lockerere Geldpolitik in Aussicht gestellt hat, macht die amerikanischen Papiere noch attraktiver. Der schon jetzt sehr ausgeprägte Rückgang der langfristigen Renditen spiegelt gleichzeitig die Erwartung wider, dass eventuelle Zinserhöhungen in den USA wahrscheinlich höchst bescheiden ausfallen werden.

Die Anomalie, und das ist die Schlussfolgerung daraus, könnte daher noch weit länger anhalten — ablenkendes Gezeter hin oder her. Wie gesagt, wir befinden uns in besonderen Zeiten. Aktien und Anleihen könnten den parallelen Anstieg also durchaus noch fortsetzen. Ob irgendwann in der Zukunft dann die Aktienkurse nachgeben, um die Anomalie aufzulösen, oder doch eher die Anleihekurse — darüber machen wir uns dann Gedanken, wenn es tatsächlich so weit ist.

Buying Opportunity

Da ist er schon wieder ... Mister Charttechnik Ralph Acampora ...