Dienstag, 16. September 2014

Zünglein an der Waage

Was die Schotten mit der Stärke des Dollar zu tun haben. Warum EZB-Chef Mario Draghi seine Finger im Spiel hat. Und wie das alles mit DAX und Dow Jones zusammenhängt.

Da hat sich ordentlich was zusammengebraut am Devisenmarkt. Mit vermutlich großen Auswirkungen auf den Finanzmarkt insgesamt, also auch auf DAX, Dow und Nikkei. Es geht um den ­Dollar. Der legt seit Wochen gegenüber den anderen wichtigen Währungen kräftig zu — wir haben an dieser Stelle ja schon darauf aufmerksam gemacht.

Letztlich sind es drei Faktoren, die für die Aufwertung des Greenback sorgen: die schottische Unabhängigkeitsbewegung, die auf dem Wert des Britischen Pfund lastet, die „neue“ und noch expansivere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), die den Euro schwächt, und schließlich die Erwartung, dass auch die Bank of Japan noch mehr tun wird, um den Yen abzuwerten und auf diese Weise die ­Exportwirtschaft des Landes zu stärken.

Besonders wichtig angesichts der großen Bedeutung im Weltwirtschaftsgefüge erscheint der Abwärtstrend beim Euro. Die Zinsdifferenz von Anleihen europäischer Kernstaaten wie Deutschland und Frankreich gegenüber den etwas besser verzinsten Staatspapieren der USA spielt da eine bedeutende Rolle — auch wenn das absolute Niveau der Renditen hüben wie drüben lächerlich niedrig ist. Ein weiterer gewichtiger Grund für die Euroschwäche hat mit der Bilanzsumme der Notenbanken zu tun. Derzeit wächst die der EZB nämlich schneller als die der US-Notenbank Fed. Ein Umstand, der auch schon in der Vergangenheit zu fallenden Euronotierungen geführt hat — und im umgekehrten Fall zu einem schwächeren Dollar.

Wie war das gleich vor drei Jahren?

Man hat das vielleicht vergessen oder gar nicht wahrgenommen, aber Ende 2011 fiel die Bilanzsumme der EZB um gut 30 Prozent höher aus als jetzt. Und weil Notenbankchef Mario Draghi gerade angedeutet hat, dass er dieses Level wieder erreichen will, ist es nicht verkehrt, sich die Ereignisse von vor drei Jahren noch einmal in Erinnerung zu rufen: Es war im Spätsommer 2011, als die EZB die Bilanzsumme auszuweiten begann — mit dem Effekt, dass der Dollar deutlich zulegte, die Rohstoffnotierungen fielen und gleichzeitig die große Kurskorrektur an den europäischen Aktienmärkten zu Ende ging. Nachdem DAX und Euro Stoxx zwischen Juli und September um mehr als 30 Prozent gefallen waren, stabilisierten sich die Kurse und stiegen dann bald wieder. Parallel dazu kletterten auch die Notierungen an der New Yorker Börse — und zwar deutlich stärker als die in Europa.

Letzteres mag daran liegen, dass die Inflation in den USA mit Beginn der euro­päischen Maßnahmen von vier auf ein Prozent im folgenden Jahr fiel. Für die Amerikaner ein Riesengeschenk, sorgte dies doch für deutlich mehr Spielraum beim Konsum, was wiederum zu stärkerem Wachstum führte und somit zu steigenden Notierungen am Aktienmarkt.

Mal über US-Aktien nachdenken

Wiederholen sich nun die Ereignisse? Gut möglich. Wichtig dürfte sein, wie die US-Notenbank der Öffentlichkeit ihre künftige Geldpolitik verkauft – Mittwoch Abend wissen wir mehr. Die Wortwahl von Fed-Chefin Janet Yellen könnte sich angesichts der besseren konjunkturellen Lage etwas verschärfen, was vielleicht die Angst vor einer zu raschen und zu heftigen Zinserhöhung schürt. Kurzfristig sind also noch einige Verwerfungen möglich. Langfristig jedoch sieht alles nach einer Fortsetzung der Rally am Aktienmarkt aus. Und ist 2011 der Maßstab, dann sollte man wohl auch mal über US-Aktien als Investment nachdenken — wenn man das nicht längst schon getan hat.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen