Mittwoch, 1. Oktober 2014

Neues vom Ramschorakel

Nach gutem Beginn endet der Börsenmonat September mit Verlusten. Auf den ersten Blick kein gutes Omen für den Oktober und das Schlussquartal 2014. Ein Blick auf den Hochzinsmarkt verrät mehr.

Die dicksten Schlagzeilen in der Finanzpresse hat in den vergangenen Tagen wohl Bill Gross gemacht, der Gründer von Pimco und über lange Zeit bedeutendste Fondsmanager im Anleihe­segment. Gross hat bei der Allianz-Tochter Pimco nach einer Serie von Skandalen und etlichen Jahren schlechter Performance seinen Hut genommen und wechselt nun zum Konkurrenten Janus Capital. Die Allianz-Aktie verlor darauf an einem Tag über sechs Prozent, während die Janus-Aktie um 40 Prozent zulegte.
 
Weit weniger Beachtung gab es im Anleihesegment indes für eine Entwicklung, die vermutlich überaus wichtiger ist als die Gerüchte und Fakten um den Mann, der immer wieder gern als „Anleihe-König“ bezeichnet wird. Eine Entwicklung, die auch für den Aktienmarkt wichtig ist. Sehr wichtig. Es geht um die Mittelabflüsse aus den sogenannten Junk Bonds, also aus hochverzinsten Anleihen von Emittenten mit eher schlechter bis miserabler Bonität, hier­zulande auch wenig schmeichelhaft als Ramsch­anleihen bekannt. 

Genauer gesagt wird aus diesem Segment gerade so viel Geld abgezogen, wie wir es seit Beginn der Börsenrally 2009 erst einmal erlebt haben. Es scheint ganz klar: Anleger reduzieren das Risiko in ihren Depots. Der Effekt: deutlich fallende Kurse der Junk Bonds. Und das ging zuletzt mit einer derartigen Vehemenz, dass man fast schon von einer Kapitulation am Markt sprechen kann. Alles musste raus zu jedem Preis. Nun scheint es fast so, als ob die Kurse zu schnell zu weit gefallen sind. Eine Erholung wäre also überfällig. Zumindest eine kurzfristige.

Was in den Geschichtsbüchern steht

Dennoch ist der Ausverkauf bei den Junk Bonds ein Warnsignal. Gerade für die Aktienmärkte. Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt, dass die Entwicklung bei diesen Papieren eine Art Frühindikator für den Aktienmarkt darstellt — im Besonderen nach einer langen Rally. So kam es beispielsweise im Jahr 1999, also schon gut ein Jahr vor Ende des Technologie-Hypes, zu einem ähnlichen Kursmuster bei den Junk Bonds wie jetzt. Ebenso im Jahr 2007, als die Kurse der Ramschanleihen ein halbes Jahr vor Beginn der Aktienbaisse zu bröckeln begannen. 

Die Logik dahinter: Je nach Wirtschaftsentwicklung reduzieren Anleger das Risiko. Und da fängt man eben mit den vermeintlich spekulativsten Papieren an, den hochverzinsten Anleihen oder Papieren mit Währungsrisiko. Später werden die nicht so liquiden Aktien aus den Nebenwertesegmenten verkauft, um irgendwann, wenn die Konjunktur tatsächlich kippt, auch die Dickschiffe zu verkaufen: DAX-Aktien, Dow-Jones-Werte.

Wiederholt sich dieses Muster nun erneut? Folgt auf den Verkauf im Anleihebereich nun auch der Verkauf von Risiko am Aktienmarkt? Fast scheint es so, schließlich sind doch bereits seit Wochen die Nebenwerte unter Druck, während sich die Bluechips zumindest noch halten. 

Besser mal auf der Hut sein

Der Jahrtausendwende-Crash und der Kursverfall 2008 müssen sich indes nicht wiederholen. Denn es gibt einen bedeutenden Unterschied zu den damaligen Jahren: Stand jetzt ist die Rezessionsgefahr minimal. Gerade in den USA. Aber auch in Europa und in Asien scheint es trotz aller wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten voranzugehen. Der aktuelle Abverkauf von Risiko-Assets scheint wohl eher eine Folge der amerikanischen Geldpolitik zu sein, eine Folge der knapperen Liquidität, seit das Anleihekaufprogramm zurückgefahren wird. Anleger sollten dennoch auf der Hut sein: Wenn sich der Junk- Bond-Markt nicht fängt, sind stärkere Kursverluste drin. Auch am Aktienmarkt. Und dann gehören die Schlagzeilen nicht mehr Bill Gross. 

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