Dienstag, 30. Dezember 2014

Auf Party folgt Kater folgt Party – Happy New Year!

2014 endet mit Jahresgewinnen an den wichtigsten Börsen der Welt. DAX, Dow Jones, Euro Stoxx und Nikkei – allesamt im Plus. Das neue Jahr könnte jedoch etwas holprig starten.

Der Dezember lief (fast) wie erwartet. Furioser Start, dann sehr schwach Richtung Monatsmitte und schließlich wieder aufwärts bis zum Jahresende, als klassischerweise die Verliereraktien des Jahres noch einmal aufholten. So läuft das oft im Dezember ab. Jahr für Jahr. Und weil die Kurse Schwung haben, könnte es im neuen Jahr dann gleich so weitergehen. Aber so einfach ist es an der Börse ja nicht. Der Januar könnte auch mit einem veritablen Kater beginnen, da vielleicht schon zu viel gefeiert worden ist.

Suchen wir mal das Haar in der Suppe: Es gibt — schon zum wiederholten Mal in den vergangenen zwölf Monaten — interessante Divergenzen an den Märkten. Da sind die USA, dort hat es der S&P-500 gerade wieder auf ein neues Rekordhoch geschafft und der Dow Jones kletterte zum ersten Mal über 18 000 Punkte. Und da sind die Börsen jenseits der Vereinigten Staaten, die hinterherhinken, etwa der Euro Stoxx, der britische FTSE oder auch die asiatischen Börsen, angefangen von Hongkong bis hin zu Taiwan. Ebenso der DAX, der sich zwar gut hält, aber den ständig neuen Rekorden an der Wall Street nicht recht folgen kann. Diese Divergenz, dieses Aus­einanderdriften ist ein Hinweis dafür, dass sich derzeit eben auch die Volkswirtschaften höchst unterschiedlich entwickeln. Und es könnte zudem ein Warnsignal sein für die weitere Entwicklung an den Aktienmärkten, sobald die noch günstigen saisonalen Faktoren ein Ende finden.

Neben diesem eher technischen Phänomen gibt das nachlassende Wachstum Chinas zu denken. Dort ist die Transformation einer Wirtschaftsordnung, die immer noch zu sehr von Infrastrukturausgaben auf Pump abhängt, hin zu einer, in welcher der Konsum die treibende Kraft ist, noch nicht wirklich gelungen. Und in Europa, tja, da ist es gerade Griechenland, das wegen vorgezogener Neuwahlen für eine gewisse Nervosität sorgt.

Die USA ragen aus dieser doch etwas ungemütlichen Welt-Gemengelage heraus. Doch können sie sich vom Rest des Globus abkoppeln? Man darf seine Zweifel haben. Das Problem daran: Kommt es in den USA zu einer Korrektur am Aktienmarkt, dann rauschen die Kurse diesseits des Atlantiks gleich noch viel heftiger in den Keller. Wir haben es 2014 ja etliche Male erlebt.

Bleibt also die Frage, was das denn nun war, diese Jahresendrally. Ist sie ein Zeichen von Vertrauen in die Stärke der US-Wirtschaft, die den Rest der Welt schon mit sich ziehen wird? Oder hatten wir es in den vergangenen Tagen doch nur mit einer technischen Reaktion auf den fast schon panischen Abverkauf zu Beginn des Monats Dezember zu tun?

Die angesprochenen Divergenzen deuten eher auf Letzteres hin. Der Start ins neue Jahr dürfte vermutlich holprig ausfallen. Kurzfristig ist also Vorsicht angebracht. Es ist sicher nicht verkehrt, das Risiko zu reduzieren, auch mal Gewinne mitzunehmen und auf günstigere Kurse zum Wiedereinstieg zu warten. Doch keine Panik: Es mag zwar kurzfristig wacklig werden, mittel- bis langfristig gibt es jedoch keinen Grund, dem Aktienmarkt den Rücken zu kehren.

Gerade in den USA sind sowohl die News aus der Unternehmenswelt als auch die makroökonomischen Daten überwiegend erfreulich. Hinzu kommt, dass vermutlich die positiven Effekte der stark gefallenen Öl- und Energiepreise in den Kursen noch längst nicht enthalten sind. Mit der anstehenden Veröffentlichung der neuesten Quartalszahlen sowie aktualisierter Ausblicke auf die Folgemonate dürfte es da einige positive Revisionen geben. Zur Erinnerung: Die kommende Berichtssaison in den USA beginnt am 12. Januar.

Und last not least: Happy New Year!

Donnerstag, 18. Dezember 2014

Wie gewonnen, so zerronnen, so gewonnen ...

Erstaunlich wackelig ist es an den Börsen. Ein wichtiger Grund dafür ist der fallende Ölpreis. Oder anders gesagt: Die negativen Effekte überdecken gerade die positiven. Noch.

Ob das wohl schon ein Vorgeschmack auf das kommende Jahr ist? Diese plötzliche und reichlich unerwartete Volatilitäts-Attacke — haben wir davon 2015 mehr zu erwarten? Die Aktienmärkte jedenfalls rutschen in den vergangenen Tagen bedenklich ab. Und das in einer Phase zum Jahresende, die sonst eigentlich von Window Dressing und damit eher steigenden Aktienkursen gekennzeichnet ist. 

Dieses Mal ist/war das offensichtlich anders. Dass bei den Parlamentswahlen in Japan die bisherige Regierung und damit auch der geld- und finanzpolitische Kurs bestätigt wurden, hat die Märkte jedenfalls noch nicht beruhigt. Jedoch scheint der US-Notenbank dies nun doch gelungen zu sein. Die beriet gestern über die Zinspolitik im neuen Jahr und will wohl Geduld walten lassen.

Der entscheidende Faktor scheint indes der Verfall des Ölpreises zu sein. Vor zwei Wochen hatten wir uns an dieser Stelle noch darüber gewundert, dass der Sell-off im Energiebereich kaum eine Auswirkung auf den Gesamtmarkt hatte — es schien ein Zeichen von Stärke zu sein. Aber denkste, die Auswirkungen zeigten sich lediglich mit Verzögerung, dafür aber mit Macht.

Man kann sich das vielleicht so erklären: Dass die Gewinnprognosen für die Unternehmen das Auf und Ab am Aktienmarkt bestimmen, ist unbestritten. Phasen von Marktschwäche waren daher immer geprägt von Gewinnschätzungen, die stagnierten oder zurückgenommen werden mussten. Genau das passiert gerade wieder: Die negativen Effekte des fallenden Ölpreises wurden durchgerechnet, die Gewinnerwartungen der Öl-Companies teils drastisch reduziert. Da der Sektor ein gewichtiger in den bedeutenden Aktienindizes ist, etwa im amerikanischen S&P-500, rutschten die Prognosen insgesamt, also für den Gesamtmarkt, ebenfalls ab. 

Gleichzeitig wurden aber die positiven Effekte des billigen Öls, etwa die fallenden Produktionskosten in der Industrie und steigende Konsumausgaben, offensichtlich noch nicht erfasst — wohl aus dem banalen Grund, dass diese schwerer einzuschätzen sind. So kommt es zur Sippenhaft, und fast alles fällt. Dass der nicht gerade von Öl-Unternehmen dominierte DAX dabei besonders abgestraft wird, scheint kurios, folgt aber der altbekannten Logik, dass der deutsche Aktienmarkt zur üblen Grippe neigt, wenn sich die Amerikaner lediglich mit einem Schnupfen herumplagen.

Was soll man also vom jüngsten Kursrutsch halten? Haben wir es nur mit einer  kurzen Episode zu tun? Fast scheint es so, denn die Konjunktur, vor allem in den USA, läuft gar nicht so schlecht. Und kommen jetzt noch die positiven Effekte durch das billigere Öl dazu, sollte sich der Aktienmarkt wieder fangen. Zumindest war dies in der Historie immer so, wenn sich der Rohstoff signifikant verbilligt hat — unter der Voraussetzung, dass dies durch ein höheres Angebot zustande kam und nicht durch eine Rezession. Die Großbank HSBC hat berechnet, dass der Weltaktienindex MSCI auf Sicht von zwölf Monaten um durchschnittlich 23 Prozent zugelegt hat, wenn Öl zuvor um 30 Prozent billiger wurde.

Dennoch sollte die plötzliche Volatilitäts-Attacke zu denken geben. 2015 dürfte vermutlich noch wackeliger werden als 2014. Denn Risiken gibt es genug, etwa die anstehende Zinswende in den USA — so sie denn tatsächlich im neuen Jahr kommt. Dazu die Wachstumsschwäche in Europa inklusive politischer Querelen rund um die Eurozone und die EU insgesamt. Nicht zu vergessen die geopolitischen Risiken, die durch den Ölpreis-Crash weiter zugenommen haben. Insgesamt dürfte das für heftiges Hin und Her sorgen, sogar die US-Notenbank Fed hat dies zuletzt mehrfach betont. Anleger sollten das beherzigen und bei Gelegenheit immer wieder mal Gewinne mitnehmen.

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Hin und her kurz vor Ladenschluss

Der DAX klettert über 10 000 Punkte, fällt aber gleich wieder unter die Marke. Aber das ist nicht weiter schlimm. Ein wenig Nervosität gehört zum Börsenmonat Dezember einfach dazu.

Da kann man ja fast schon einen Haken dran machen — das Jahr ist rum. Oder? Jedenfalls so gut wie. Was Wirtschaftsnachrichten angeht, ist tatsächlich so gut wie alles gesagt und geschrieben. Gerade in den vergangenen zwei Wochen hat ja ein Highlight das andere gejagt — Verwerfungen an den Märkten inklusive. OPEC-Sitzung? Haken dran, die ist durch. An der Fördermenge wird nichts geändert, der Ölpreis bleibt also niedrig und wird so zur wichtigen Konjunkturstütze. Sitzung der Europäischen Zentralbank? Auch erledigt, die Notenbanker sind drauf und dran, im kommenden Jahr mehr Geld in den Markt zu pumpen. US-Arbeitsmarktdaten? Ebenso. Die gab es vergangenen Freitag, und die waren recht gut. Also auch einen Haken dran.

Unterm Strich hat das zwischenzeitlich für neue Rekorde bei DAX und Dow Jones gesorgt. Der DAX kletterte mal wieder über die 10 000 Punkte. Wie erwartet. Die ­Jahresendrally, die an der Wall Street etwas netter als „Santa Claus Rally“ bezeichnet wird, war die vergangenen Wochen so richtig in Fahrt. Was aber prompt die Frage aufwirft: Kann man da jetzt auch schon einen Haken dranmachen oder kommt noch mehr? Zumal seit Montag die Indizes doch wieder recht ordentlich korrigieren.

Die Krux an der Sache mit den guten US-Arbeitsmarktdaten ist ja immer die, dass dann etliche Anleger gleich eine deftige Zinswende in den Vereinigten Staaten erwarten. Eine, die zudem früher ihren Lauf nimmt als erwartet. Und das sorgt dann für Unsicherheit und dafür, dass doch erst mal Gewinne mitgenommen werden.

Die amerikanische Notenbank Fed tagt jedenfalls noch einmal in diesem Jahr. Am kommenden Dienstag und Mittwoch ist es so weit. Mal sehen, ob Fed-Chefin Janet Yellen kurz vor Jahresschluss tatsächlich noch dramatische Hinweise auf den weiteren Kurs und mögliche Änderungen der US-Geldpolitik gibt.

Dass die Kurse derzeit noch einmal etwas heftiger schwanken, ist dennoch nicht sonderlich besorgniserregend. Zum einen ist es schlicht normal, wenn es nach derart langen Anstiegen wie zuletzt zu Korrekturen kommt — der Markt ist gerade doch etwas „überkauft“. Und zum anderen ist es schon traditionell so, dass solch eine Korrektur zu Beginn des eigentlich sonst so positiven Dezembers passiert. Dies hat auch damit zu tun, dass es dann zum sogenannten „Tax Loss Selling“ kommt — ja, ja, so was gibt es tatsächlich: steueroptimiertes Trading kurz vor Ladenschluss.
Und das funktioniert so: Investments, die im Minus liegen, werden verkauft, um die daraus entstandenen Verluste mit den ­Gewinnen aus anderen Anlagen verrechnen zu können. Ein beliebtes Spiel, gerade an der Wall Street. Gut möglich also, dass die Verliererbranchen des Jahres noch mal ordentlich durchgeschüttelt werden — die zuletzt arg gebeutelten Energieaktien etwa oder auch Rohstoffwerte.

Doch ebenso traditionell steigen die Kurse in der zweiten Dezemberhälfte wieder an. Positiv stimmt hier, dass trotz der insgesamt etwas überkauften Lage Otto Normalanleger in den USA nach Daten des Direktbrokers Ameritrade immer noch recht verhalten agiert und die Rally, die im Oktober ihren Lauf genommen hat, mehr oder weniger verpasst hat. Da gibt es also Nachholbedarf. Und das ist auch wichtig für den DAX, ziehen die Kurse in den USA diejenigen in Deutschland doch meist mit — in welche Richtung auch immer. Einen Haken sollte man an das Jahr also noch nicht machen. Auch wenn es nun doch fast rum ist — da ist durchaus noch etwas mehr drin

Donnerstag, 4. Dezember 2014

Vergeblich pfeifende Spatzen

Manchmal funktionieren simple Regeln an der Börse nicht. Etwa die von „Kauf das Gerücht, verkauf die Nachricht“. Beim Rutsch des Ölpreises war das so. Mit Folgen auch für die Aktienmärkte

Normalerweise läuft es an der Börse ja nach dem simplen Muster „Buy the rumour, sell the news“, also: Kaufen, wenn Gerüchte aufkommen, und verkaufen, wenn sie sich bewahrheiten. Entsprechend andersherum, wenn es um negative Gerüchte geht — dann wird erst verkauft und die Position glattgestellt, wenn die Unkenrufe sich tatsächlich als richtig herausgestellt haben. Vergangene Woche jedoch wurde vom üblichen Muster abgewichen. Nach dem Treffen der OPEC-Bosse am Donnerstag in Wien kam der Ölpreis erneut enorm unter Druck, nachdem er ja schon seit Wochen kräftig gefallen war. Dabei hatten es die Spatzen doch längst von den Wiener Dächern gepfiffen, dass das wohl nichts wird mit einer Verknappung des Ölangebots, um den Preis wieder nach oben zu treiben. Und so kam es denn auch. Wie erwartet eben.

Trotzdem wurde verkauft. Und auch noch recht wahllos. An den Terminmärkten rutschten die Futures-Preise für die unterschiedlichsten Ölsorten ebenso in den Keller wie an den Aktienmärkten die Kurse für die Ölunternehmen — egal, ob es sich um integrierte Großkonzerne handelt, die alles unter einem Dach vereinen, von Förderung und Verarbeitung bis hin zur Vermarktung, ob Raffinerien, ob Bohrunternehmen, ob Ausrüster oder ob US-Fracking-Gesellschaften — erst mal weg damit, so lautete offensichtlich die Devise.

Normalerweise muss so ein Sell-off erst einmal verdaut werden. Nicht nur im Ölbereich, nein, an den Märkten insgesamt. Aber denkste. Nach kurzer Stagnation zum Wochenschluss ging es ab Dienstag wieder nach oben. Der DAX schaffte es dabei sogar wieder über die scheinbar magische 10000er-Marke.

Klar, der fallende Ölpreis hat ja sein Gutes. Bei den meisten Unternehmen sinken die Kosten, gerade in der Industrie oder im Transportbereich. Die Konsumenten haben mehr Geld in der Tasche, wenn Benzin und Heizkosten billiger werden. Geld, das sie nun anderweitig ausgeben können. Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) dürfte ein Preisrückgang beim Rohöl von 30 Prozent für ein zusätzliches Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent in den meisten Industrieländern sorgen, weil diese überwiegend Öl importieren. IWF-Chefin Christine Lagarde verwies insbesondere auf die USA, Europa, Japan und China.

Das sind gute Vorzeichen für weiter steigende Kurse an den Aktienmärkten. Zum einen sind die Notenbanker insgesamt auf expansivem Kurs, zum anderen passt auch der saisonale Faktor. So haben die Leute vom Datenanbieter McGraw-Hill herausgefunden, dass die Börsen seit 1995 in jedem Dezember Plus gemacht haben, wenn denn der bisherige Jahresverlauf ebenfalls positiv war. Und diese Voraussetzung passt auch für 2014 — weltweit, für den deutschen, den japanischen und den amerikanischen Aktienmarkt. Was soll also noch schiefgehen?

„Buy the rumour, sell the news“. Tja, demnach dürfte man jetzt auch mal Gewinne mitnehmen. Oder das Risiko etwas reduzieren. Es gibt ja auch Risikofaktoren. Russland und Venezuela etwa gehören zu den Ölverlierern. Halten die still? Sinkende Ölpreise bedeuten auch weniger Petrodollar, die bisher die Kurse amerikanischer Staatsanleihen so wunderbar gestützt haben. Wird es da einen Nachfrageknick geben? US-Ölunternehmen sind stark über Junk-Bonds, also Hochzinsanleihen, finanziert. Da könnte es zu Zahlungsausfällen kommen, die den ganzen Junk-Bereich ins Wanken bringen. Und die Notenbanken? Müssen die jetzt ihre Geldpolitik überdenken? Heute tagt die EZB und eigentlich pfeifen die es die Spatzen doch längst von den Dächern, dass ...

Unsicherheit gibt es also zuhauf. Über Korrekturen sollte man sich daher nicht wundern. Insgesamt jedoch sieht es weiterhin gut aus.