Mittwoch, 10. Dezember 2014

Hin und her kurz vor Ladenschluss

Der DAX klettert über 10 000 Punkte, fällt aber gleich wieder unter die Marke. Aber das ist nicht weiter schlimm. Ein wenig Nervosität gehört zum Börsenmonat Dezember einfach dazu.

Da kann man ja fast schon einen Haken dran machen — das Jahr ist rum. Oder? Jedenfalls so gut wie. Was Wirtschaftsnachrichten angeht, ist tatsächlich so gut wie alles gesagt und geschrieben. Gerade in den vergangenen zwei Wochen hat ja ein Highlight das andere gejagt — Verwerfungen an den Märkten inklusive. OPEC-Sitzung? Haken dran, die ist durch. An der Fördermenge wird nichts geändert, der Ölpreis bleibt also niedrig und wird so zur wichtigen Konjunkturstütze. Sitzung der Europäischen Zentralbank? Auch erledigt, die Notenbanker sind drauf und dran, im kommenden Jahr mehr Geld in den Markt zu pumpen. US-Arbeitsmarktdaten? Ebenso. Die gab es vergangenen Freitag, und die waren recht gut. Also auch einen Haken dran.

Unterm Strich hat das zwischenzeitlich für neue Rekorde bei DAX und Dow Jones gesorgt. Der DAX kletterte mal wieder über die 10 000 Punkte. Wie erwartet. Die ­Jahresendrally, die an der Wall Street etwas netter als „Santa Claus Rally“ bezeichnet wird, war die vergangenen Wochen so richtig in Fahrt. Was aber prompt die Frage aufwirft: Kann man da jetzt auch schon einen Haken dranmachen oder kommt noch mehr? Zumal seit Montag die Indizes doch wieder recht ordentlich korrigieren.

Die Krux an der Sache mit den guten US-Arbeitsmarktdaten ist ja immer die, dass dann etliche Anleger gleich eine deftige Zinswende in den Vereinigten Staaten erwarten. Eine, die zudem früher ihren Lauf nimmt als erwartet. Und das sorgt dann für Unsicherheit und dafür, dass doch erst mal Gewinne mitgenommen werden.

Die amerikanische Notenbank Fed tagt jedenfalls noch einmal in diesem Jahr. Am kommenden Dienstag und Mittwoch ist es so weit. Mal sehen, ob Fed-Chefin Janet Yellen kurz vor Jahresschluss tatsächlich noch dramatische Hinweise auf den weiteren Kurs und mögliche Änderungen der US-Geldpolitik gibt.

Dass die Kurse derzeit noch einmal etwas heftiger schwanken, ist dennoch nicht sonderlich besorgniserregend. Zum einen ist es schlicht normal, wenn es nach derart langen Anstiegen wie zuletzt zu Korrekturen kommt — der Markt ist gerade doch etwas „überkauft“. Und zum anderen ist es schon traditionell so, dass solch eine Korrektur zu Beginn des eigentlich sonst so positiven Dezembers passiert. Dies hat auch damit zu tun, dass es dann zum sogenannten „Tax Loss Selling“ kommt — ja, ja, so was gibt es tatsächlich: steueroptimiertes Trading kurz vor Ladenschluss.
Und das funktioniert so: Investments, die im Minus liegen, werden verkauft, um die daraus entstandenen Verluste mit den ­Gewinnen aus anderen Anlagen verrechnen zu können. Ein beliebtes Spiel, gerade an der Wall Street. Gut möglich also, dass die Verliererbranchen des Jahres noch mal ordentlich durchgeschüttelt werden — die zuletzt arg gebeutelten Energieaktien etwa oder auch Rohstoffwerte.

Doch ebenso traditionell steigen die Kurse in der zweiten Dezemberhälfte wieder an. Positiv stimmt hier, dass trotz der insgesamt etwas überkauften Lage Otto Normalanleger in den USA nach Daten des Direktbrokers Ameritrade immer noch recht verhalten agiert und die Rally, die im Oktober ihren Lauf genommen hat, mehr oder weniger verpasst hat. Da gibt es also Nachholbedarf. Und das ist auch wichtig für den DAX, ziehen die Kurse in den USA diejenigen in Deutschland doch meist mit — in welche Richtung auch immer. Einen Haken sollte man an das Jahr also noch nicht machen. Auch wenn es nun doch fast rum ist — da ist durchaus noch etwas mehr drin

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