Donnerstag, 18. Dezember 2014

Wie gewonnen, so zerronnen, so gewonnen ...

Erstaunlich wackelig ist es an den Börsen. Ein wichtiger Grund dafür ist der fallende Ölpreis. Oder anders gesagt: Die negativen Effekte überdecken gerade die positiven. Noch.

Ob das wohl schon ein Vorgeschmack auf das kommende Jahr ist? Diese plötzliche und reichlich unerwartete Volatilitäts-Attacke — haben wir davon 2015 mehr zu erwarten? Die Aktienmärkte jedenfalls rutschen in den vergangenen Tagen bedenklich ab. Und das in einer Phase zum Jahresende, die sonst eigentlich von Window Dressing und damit eher steigenden Aktienkursen gekennzeichnet ist. 

Dieses Mal ist/war das offensichtlich anders. Dass bei den Parlamentswahlen in Japan die bisherige Regierung und damit auch der geld- und finanzpolitische Kurs bestätigt wurden, hat die Märkte jedenfalls noch nicht beruhigt. Jedoch scheint der US-Notenbank dies nun doch gelungen zu sein. Die beriet gestern über die Zinspolitik im neuen Jahr und will wohl Geduld walten lassen.

Der entscheidende Faktor scheint indes der Verfall des Ölpreises zu sein. Vor zwei Wochen hatten wir uns an dieser Stelle noch darüber gewundert, dass der Sell-off im Energiebereich kaum eine Auswirkung auf den Gesamtmarkt hatte — es schien ein Zeichen von Stärke zu sein. Aber denkste, die Auswirkungen zeigten sich lediglich mit Verzögerung, dafür aber mit Macht.

Man kann sich das vielleicht so erklären: Dass die Gewinnprognosen für die Unternehmen das Auf und Ab am Aktienmarkt bestimmen, ist unbestritten. Phasen von Marktschwäche waren daher immer geprägt von Gewinnschätzungen, die stagnierten oder zurückgenommen werden mussten. Genau das passiert gerade wieder: Die negativen Effekte des fallenden Ölpreises wurden durchgerechnet, die Gewinnerwartungen der Öl-Companies teils drastisch reduziert. Da der Sektor ein gewichtiger in den bedeutenden Aktienindizes ist, etwa im amerikanischen S&P-500, rutschten die Prognosen insgesamt, also für den Gesamtmarkt, ebenfalls ab. 

Gleichzeitig wurden aber die positiven Effekte des billigen Öls, etwa die fallenden Produktionskosten in der Industrie und steigende Konsumausgaben, offensichtlich noch nicht erfasst — wohl aus dem banalen Grund, dass diese schwerer einzuschätzen sind. So kommt es zur Sippenhaft, und fast alles fällt. Dass der nicht gerade von Öl-Unternehmen dominierte DAX dabei besonders abgestraft wird, scheint kurios, folgt aber der altbekannten Logik, dass der deutsche Aktienmarkt zur üblen Grippe neigt, wenn sich die Amerikaner lediglich mit einem Schnupfen herumplagen.

Was soll man also vom jüngsten Kursrutsch halten? Haben wir es nur mit einer  kurzen Episode zu tun? Fast scheint es so, denn die Konjunktur, vor allem in den USA, läuft gar nicht so schlecht. Und kommen jetzt noch die positiven Effekte durch das billigere Öl dazu, sollte sich der Aktienmarkt wieder fangen. Zumindest war dies in der Historie immer so, wenn sich der Rohstoff signifikant verbilligt hat — unter der Voraussetzung, dass dies durch ein höheres Angebot zustande kam und nicht durch eine Rezession. Die Großbank HSBC hat berechnet, dass der Weltaktienindex MSCI auf Sicht von zwölf Monaten um durchschnittlich 23 Prozent zugelegt hat, wenn Öl zuvor um 30 Prozent billiger wurde.

Dennoch sollte die plötzliche Volatilitäts-Attacke zu denken geben. 2015 dürfte vermutlich noch wackeliger werden als 2014. Denn Risiken gibt es genug, etwa die anstehende Zinswende in den USA — so sie denn tatsächlich im neuen Jahr kommt. Dazu die Wachstumsschwäche in Europa inklusive politischer Querelen rund um die Eurozone und die EU insgesamt. Nicht zu vergessen die geopolitischen Risiken, die durch den Ölpreis-Crash weiter zugenommen haben. Insgesamt dürfte das für heftiges Hin und Her sorgen, sogar die US-Notenbank Fed hat dies zuletzt mehrfach betont. Anleger sollten das beherzigen und bei Gelegenheit immer wieder mal Gewinne mitnehmen.

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