Donnerstag, 15. Januar 2015

Gut taktiert ist halb …

In den kommenden Tagen stehen vor allem die neuesten Quartalszahlen der US-Unternehmen im Mittelpunkt des Anlegerinteresses. Die Aussichten auf positive Überraschungen sind gar nicht so schlecht.

Der Aktienmarkt hat sich wohl gefangen. Mit extrem heftigen Schwankungen ging es in der ersten vollständigen Januar-Woche hin und her. Runter, rauf, runter, rauf. Wir hatten es kommen sehen. Doch es scheint, als ob die schlechten Nachrichten erst mal verdaut wären, als ob ein Boden gefunden wäre, sowohl am US-Markt als auch beim DAX. Aus taktischer Sicht sind Aktien daher durchaus wieder eine gute Option.

Denn: In den kommenden Tagen rückt die Berichtssaison in den Fokus. Die Nachwehen der Attentate in Paris, die Unsicherheiten um die anstehende Neuwahl in Griechenland, die Hängepartien um den Kurs der US-Notenbank und die künftige Zinspolitik der Europäischen Zentralbank — das alles ist zumindest vorerst mal vertagt. Und im Falle der Notenbanken scheint klar, dass die expansive Geldpolitik ihre Fortsetzung findet. In den USA nach neuesten Aussagen vielleicht sogar bis ins Jahr 2016 hinein. Und im Euroraum noch länger — Details wird die EZB am Tag ihrer nächsten Sitzung am 22. Januar liefern. 

Seit Montag jedoch geht es erst einmal wieder um Zahlen, um Umsätze und Gewinne der Unternehmen und vor allem um aktualisierte Prognosen. Gerade Letztere sind besonders spannend, da die Unternehmen einen Einblick geben dürften, wie sich die dank fallendem Ölpreis deutlich niedrigeren Energiekosten auf die Firmenbilanzen auswirken werden. Selbiges gilt auch für die deutlich gestiegene Ausgabenlust der Konsumenten. Es dürfte durchaus zu positiven Überraschungen kommen, nachdem zuletzt die Gewinnerwartungen nach unten revidiert wurden und die Prognosen eher zu vorsichtig sind.

Dennoch ist nicht alles Gold. Auf mittlere Sicht sollte man auch auf unangenehme Entwicklungen vorbereitet sein. Es muss nicht zwangsläufig ein Bärenmarkt oder ein Crash sein, aber der Einstieg ins Börsenjahr hat einen Vorgeschmack darauf geliefert, wie es weitergehen könnte: Höchst volatil! Zudem ist nicht zu übersehen, dass das Momentum an den Börsen nachgelassen hat. Weltweit. Der Risikoappetit scheint zu schwinden. Und der fallende Ölpreis hat ja auch eine Kehrseite. Nicht nur, dass die großen Öl-Companys, die in den Weltindizes stark gewichtet sind, Ertragsprobleme bekommen. Nein, der immer weiter sinkende Preis für den Schmierstoff der Weltwirtschaft könnte eventuell nicht nur Ausdruck des aktuell zu hohen Angebots sein, sondern eben auch ein Indiz für sinkende Nachfrage, was als Vorbote einer weltweiten Wachstumsschwäche gedeutet werden kann. 

Für einen ausgesprochenen Bärenmarkt bedarf es allerdings einiger Zutaten, die trotz aller Probleme derzeit nicht auszumachen sind. Die Rezessionsgefahr ist nach wie vor eher gering, vor allem in den USA, die weiterhin Welt-Konjunkturlokomotive spielen müssen. Faktor 2, das Gewinnmomentum, ist ebenfalls intakt — trotz der derzeit eher vorsichtigen Prognosen. Und das relativiert auch die teils hohen Bewertungen an den Aktienmärkten. 

Einzig Faktor 3 ist problematisch, wobei dieser eigentlich immer besteht: eine Finanzkrise, die durch einen exogenen Schock ausgelöst wird. Das kann ein politisches Problem sein oder ein ökonomischer Crash — beispielsweise in China. Oder ein Drama, das in der EU stattfindet. Neben Griechenland wird in diesem Jahr auch in Großbritannien gewählt. Und ein Grexit wie auch ein Brexit, ein griechischer oder britischer Abschied vom Euro oder von der Union selbst, das dürfte dann ja doch zu allerhand Verwerfungen führen. Ergo: immer schön vorsichtig bleiben. Zwischendrin immer wieder mal Gewinne mitnehmen. Das dürfte das Motto des Jahres sein.

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