Dienstag, 20. Januar 2015

Rekorde und die Angst vor dem Fall

Der DAX hat endlich die 10 000er-Marke überwunden. Man geht von positiven Signalen durch die EZB am Donnerstag und einen vernünftigen Wahlausgang in Griechenland aus. Doch es bleiben Risiken.

Schon wieder so eine höchst denkwürdige Woche. Eigentlich sollte ja die US-Berichtssaion Schlagzeilen machen. Unternehmen, die gute Zahlen liefern und vielleicht noch bessere Ausblicke. Die gab es zwar auch – etwa bei Intel –, für fette Überschriften sorgte dann aber doch anderes: Die Freigabe des Franken-Wechselkurses vor allem. Inklusive der damit verbundenen weltweiten Kurskapriolen und allem was da wohl noch nachkommt. Und die Europäische Zentralbank (EZB) machte auch wieder Schlagzeilen. Laut „Spiegel“ soll EZB-Chef Mario Draghi schon am Freitag der Vorwoche mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble beim „informellen Treffen“ die Modalitäten für das geplante Anleihenkaufprogramm ausgekartelt haben. Offiziell dürfte es erst heute am Erscheinungtstag dieser BÖRSE ONLINE vorgestellt werden. Zumindest gehen davon gefühlt 99 Prozent der Börsianer dieser Welt aus. Mal sehen, ob sie wirklich richtig liegen.

Derlei Superlative passen jedenfalls zur höchst bemerkenswerten Woche, in welcher der DAX wohl folgerichtig neue Rekorde erreichte, weit über der 10 000er-Marke, die so lange unüberwindbar schien. Vergangenen Freitag wurde die Hürde eindrucksvoll genommen. Wir hatten es durchaus kommen sehen und vergangene Woche zu taktischen Käufen geraten. Dass die Gründe für den Kurssprung letztlich andere waren als ursprünglich angenommen – Draghi und Franken statt US-Gewinne – na ja, geschenkt!

Und noch mal was bemerkenswertes: Während DAX und auch EuroStoxx steil stiegen, tat sich bei den amerikanischen Indizes kaum etwas. Die stagnierten. Das kommt nicht so oft vor. Normalerweise zieht der Dow Jones die europäischen Indizes mit und nicht umgekehrt. Bleibt die Frage, ob die Amerikaner nun nachziehen, oder ob sich die DAX-Euphorie als übertrieben herausstellt, weil die EZB eventuell am Donnerstag die immens hohen Erwartungen doch nicht erfüllen kann? Es ist ein Ritt auf der Rasierklinge! Mein lieber Mann!

Das spiegelt sich an den Märkten wieder. Die Volatilität ist hoch wie lange nicht. Die Signale sind flatterhaft. Kaum sieht es einmal nach „Kaufen“ aus, zeigt es kurz darauf das Gegenteil an. Beispiel asiatische Märkte: hier nimmt die Risikofreude gerade wieder zu, nachdem es vor 14 Tagen noch nach Absturz ausgesehen hat. Schwankungen, an die wir uns gewöhnen müssen. Wie sagte der Schweizer Investor Felix Zulauf jüngst: „2015 wird ein Traum für Trader, aber die Hölle für Investoren.“

Also mal Durchschnaufen. Nachdenken. Wo steht man denn jetzt? Fakt ist: Die Deflationsgefahr ist weiter hoch. In der Eurozone wie in den USA wie in Japan. Die EZB ist jetzt am Zug, muss liefern. Ob die Pläne letztlich dazu führen, dass die Kreditnachfrage steigt, wird man sehen. Liefern müssen auch die Unternehmen: Steigerungen bei Gewinn und Umsatz, überzeugende Prognosen. Noch ist das Gezeigte zu wenig.Und dann Griechenland: Die Wahl am Sonntag ist wegweisend.

Europas Börsen sind in Vorleistung gegangen, man setzt auf positive Entwicklungen, auf eine Lösung der Probleme. Auch in Fernost sieht es wieder besser aus. Die Börse New York dagegen scheint immer noch „überverkauft“, dort überwiegt – Stand Redaktionsschluss – die Skepsis. So recht will man noch nicht an ein weiteres Bullenjahr glauben – es wäre das siebte in Folge. Letztlich bleibt es dabei: In Zeiten steigender Volatilität, ist es klug, die Investments kleiner zu halten, immer wieder Gewinne mitzunehmen. Man muss nicht vor der EZB-Sitzung alles riskieren, ebenso nicht vor der Griechenland-Wahl. Und auch nicht vor der Sitzung der US-Notenbank kommende Woche.

Kommentare:

  1. Gegen Monatsende des Januars gipfelt sich die Spannung an den Märkten, wie es sich für einen derartig fulminanten Start in das Finanzjahr 2015 gehört. Man darf gespannt sein wie sich das ganze nächste Woche entwickelt, wenn die EZB-Sitzung und die Griechenland Wahl rum sind. Ein weiterer spannender Markt ist zudem meiner Ansicht nach der Goldpreis. Der hat im Laufe des Januars verdächtig stark zugelegt, auch da bleibt die Entwicklung spannend.

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  2. Nicht nur Gold, sondern auch die Immobilienpreise steigen sehr. Dies lockt jetzt sogar schon chinesische Investoren an! Abwarten wie es sich entwickelt.

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  3. Niedrige Zinsen jetzt und dank EZB auch in den nächsten Jahren. Das eliminiert jegliche Form von risikofreien Zinsanlagen. Das Jahrzehnt der Aktie beginnt. Eine Verdoppelung des Dax ist das Minimum. Historisch einmalige Zinsbedingungen werden zu einem historisch einmaligen Dax-Niveau führen. (www.rs-depot.de)

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