Mittwoch, 7. Januar 2015

Turbulent ins neue Jahr

Das Börsenjahr startet mit einem Knall. DAX, Dow Jones, Euro, Öl – alles fällt. Gut, wer zuletzt das Risiko reduziert hat. Die Gelegenheiten zum Wiedereinstieg kommen erst noch.

Zuletzt war es ja nicht falsch, an der Börse etwas vorsichtiger zu agieren. In den beiden zurückliegenden Kommentaren hatten ich an dieser Stelle geraten, das Risiko etwas zu reduzieren, auch mal Gewinne mitzunehmen und auf günstigere Kurse zum Wiedereinstieg zu warten. Das war richtig so. Sowohl der DAX als auch die US-Indizes haben nachgegeben. Und es scheint fast so, als ob man den Rat noch einmal wiederholen muss: abwarten und weiter auf einen günstigeren Zeitpunkt zum Neueinstieg warten. Allerdings: So schnell, wie die Kurse sich derzeit bewegen, ist das Tal vielleicht bald schon erreicht. Wen es also schon wieder in den Fingern juckt, dem sei unbedingt zu einem nur vorsichtigen (!) Wiedereinstieg geraten, Schritt für Schritt.

Denn eines ist klar: Das Zittern, das wir in den vergangenen Wochen an den Märkten beobachtet haben, hat sich zu einem veritablen Schwächeanfall ausgeweitet. Und das kommt nicht von ungefähr. Mag ja sein, dass die USA eine Insel der ökonomischen Glückseligkeit sind, anderenorts jedoch sieht das ganz anders aus. In China etwa schwächt sich die Konjunktur ab — da mag der Aktienmarkt in Shanghai steigen, wie er will, er ist schlicht kein Gradmesser für die wirtschaftliche Gesundheit des Landes, sondern gleicht einem Spielkasino. Für China gibt es bessere Indikatoren, die Preise für Industriemetall etwa. Die sinken. Oder auch die Entwicklung des Australischen Dollar. Der fällt. Das ist wichtig, weil der Austral-Dollar ein Ausdruck der wechselseitigen Wirtschaftsbeziehungen mit China ist. Rutscht diese Währung ab, dann scheint etwas mit der Nachfrage aus dem Reich der Mitte nicht zu stimmen. Last, but not least die Börsen der Handelspartner, Hongkong und Südkorea etwa: beide im Abwärtstrend.

Aber man muss ja nicht mal den Kontinent wechseln: Theater gibt es auch in Europa genug. Etwa die griechische Tragödie mit befürchtetem Linksruck bei den Neuwahlen Ende des Monats sowie dem plötzlich wieder diskutierten Sonderweg der Hellenen: dem Grexit, dem Euro-Ausstieg. Nicht schön das. Aber eben auch Theater. Vielleicht schwächt sich ja die Tragödie nach der Wahl zu einer Tragikomödie ab. Dann dürften sich die Märkte auch wieder beruhigen. Doch noch ist das Gegenteil der Fall: Die Märkte sind unter Druck von London über Frankfurt bis — na ja! — Athen.

Und dann wäre da ja noch die Sache mit der Europäischen Zentralbank (EZB). Die deflationären Tendenzen sind alles andere als vom Tisch. EZB-Chef Mario Draghi wird umsetzen müssen, was er versprochen hat, um der siechen europäischen Wirtschaft doch noch Leben einzuhauchen: more money! Es scheint schon ausgemacht, dass es ein breit angelegtes Anleihekaufprogramm geben wird. Aber wird es funktionieren? Als Termin für Details kommt die anstehende EZB-Sitzung am 22. Januar ­infrage. Die Wahl in Griechenland findet übrigens drei Tage später statt. Auch keine so glückliche Konstellation.

Womit wir wieder bei der Gretchenfrage wären: Wie weit geht das nun mit der aktuellen Korrektur? Genau damit haben wir es zu tun: mit einer Korrektur in einem intakten Bullenmarkt, das sollten wir nicht vergessen! Der letzte Abschwung im Dezember jedenfalls war kurz und heftig. Von nicht ganz 10 100 Punkten am 5. Dezember fiel der DAX bis zum 16. Dezember auf fast 9200 Punkte — in gerade mal sieben Handelstagen. Das derzeitige DAX-Zwischenhoch wurde nach Weihnachten am 29. Dezember mit ungefähr 9950 Punkten erreicht. Wiederholt sich die Geschichte, dann könnte der Spuk also am Montag schon vorüber sein. An diesem Tag startet die US-Berichtssaison. Auch das noch. Und auch dort gibt es ja die eine oder andere Unsicherheit ...

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