Dienstag, 24. Februar 2015

Auf Angst folgt Gier

An den Börsen hat die Stimmung gedreht. Der Pessimismus vom Jahresanfang ist verflogen. Negative News werden ignoriert. Das kann ein Warnsignal sein. Doch der Trend nach oben ist intakt.

Neue Rekorde, wohin man schaut: Der DAX ist auf den höchsten Stand aller Zeiten geklettert, ebenso der Dow Jones. Der Nasdaq Composite ist nicht mehr allzu weit weg davon und der japanische Nikkei notiert so hoch wie seit 2000 nicht. Die Aktienmärkte haben einen Lauf, und unwillkürlich kommt einem der Finanzjongleur George Soros in den Sinn, der einmal gesagt hat, dass Trends meist länger anhalten, als man denkt. Wie wahr. Beispiel DAX: Hier geht es schon seit dem 8. Januar fast ohne Unterlass nach oben, von zwei, drei Wacklern mal abgesehen.

Machen wir uns also nichts vor: Auch wenn es eine lange Liste von Gründen gibt, die für eine durchaus heftige Korrektur sprechen, so ist diese jüngste Abfolge von neuen Allzeithochs vor allem eines: ein Zeichen für einen völlig intakten Bullenmarkt. Bislang wurde jeder Versuch einer Korrektur innerhalb kürzester Zeit wieder „aufgekauft“. Die Rally nährt die Rally — noch so ein Börsenspruch, von wem auch immer er sein mag.

Der Aufschwung beschränkt sich dabei nicht auf die etablierten Aktienmärkte der Welt. Auch an den Börsen der asiatischen Schwellenmärkte geht es nach oben, obwohl die weitere wirtschaftliche Entwicklung von „Greater China“ doch ziemlich fraglich scheint. Jetzt also Stabilisierungstendenzen — an den Börsen in Hongkong, Taiwan, Südkorea sowie in Australien, dem wichtigsten Rohstofflieferanten der Volksrepublik China. Und da passt es ins Bild, dass auch die Preise der Industrie­metalle einen Boden zu finden scheinen.

Und Griechenland? Die Angst vor dem Grexit, dem Ausstieg aus dem Euro? Völlig egal? Es scheint so. Schon vor der Einigung der Finanzminister auf eine Verlängerung der Kreditlinien war der Aktienmarkt doch mehr oder weniger immun gegen mögliche Negativszenarien. Ähnliches gilt für die US-Märkte. Obwohl die jüngsten Konjunkturdaten in der Summe eher negativ ausgefallen sind, reagierten die Märkte kaum darauf. Die wenigen positiven Nachrichten dagegen reichten aus, um die Aktienmärkte weiter anzuschieben. Es ist also so, wie es schon immer war an der Börse: Die Interpretation der Daten bestimmt den Kursverlauf, nicht die Daten selbst. Und an den Börsen hat man offensichtlich die meisten der belastenden Faktoren abgehakt: Griechenland, Ukraine, die nicht ganz so guten Unternehmenszahlen, ein vielleicht zu schnell gefallener Ölpreis. Also Haken dran.

Stattdessen konzentriert man sich offensichtlich allein auf das Positive: auf die praktisch nicht vorhandene Inflation in Europa und den USA und auf die daraus folgende Möglichkeit der Notenbanken, die Geldpolitik weiter ultralocker zu halten. Vielleicht ja auch in den USA, wo schon lange über den Zeitpunkt einer möglichen Zinswende diskutiert wird. Heute erläutert die US-Zentralbank-Chefin Janet Yellen vor dem Kongress ja noch ihre Maßnahmen und gibt vermutlich Hinweise, wann die US-Leitzinsen wohl wieder steigen werden. Handlungsbedarf besteht eigentlich nicht. Auch das ist ein Aspekt, auf den die Bullen an den Börsen setzen.

Was also tun als Anleger? Fakt ist: Die allzu ängstliche Stimmung an den Aktienmärkten vom Januar und Anfang Februar ist zuletzt in Optimismus umgeschlagen, in den USA vielleicht sogar schon in Gier. Man sieht das gut am Verhältnis von Put- zu Call-Optionen. Und das ist durchaus ein Warnsignal. Doch da im Sinne von Soros Trends meist länger halten als gedacht, wäre Aktionismus ein schlechter Ratgeber. Die Strategie ist also simpel: investiert bleiben, mal Gewinne mitnehmen, die Stop-Loss-Marken nachziehen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen