Mittwoch, 11. Februar 2015

"Charmante" Drohgebärden

DAX und US-Börsen sind in der „Findungsphase“. Dehnt sich die Korrektur weiter aus? Oder geht es bald wieder hinauf in neue Höhen? Hinweise könnten der Ölpreis und die Entwicklung der Nasdaq liefern.

Da ist sie also, die Korrektur. Der DAX hat es nicht ganz geschafft, hinauf zur 11000er-Marke. Kurz davor war Schluss, und seither geht es eher abwärts. Bislang. Und auch die US-Indizes Dow Jones, S&P-500 und Nasdaq gaben wieder Gewinne ab, nachdem der jüngste Bericht zur Lage am amerikanischen Arbeitsmarkt „zu gut“ ausgefallen war: mehr Stellen und höhere Löhne als erwartet. Positiv eigentlich. Aber eben auch „zu gut“, weil die Daten ein Indiz dafür sind, dass die Konjunktur prima läuft und Nullzinsen daher eigentlich nicht mehr gerechtfertigt sind. Die Zins­pessimisten gehen nun von einer früheren Leitzins­erhöhung in den USA aus, vielleicht schon im Juni, und das hätte einige Verwerfungen an den Märkten zur Folge.

Der DAX korrigiert also, nachdem er fast ohne Pause vier Wochen in Folge gestiegen war. Überfällig das Ganze. Und der Dow Jones ist in eine breite Handelsspanne zurückgefallen, in der er schon seit Beginn des Jahres hin- und herpendelt. Bislang.

Vielleicht ist „Findungsphase“ eine gute Bezeichnung für die Lage der Märkte. Gründe für die gebremste Euphorie finden sich genug, Altbekanntes wie Neues, diesseits wie jenseits des großen Teichs. Ebenso in Fernost, wo China gerade einen dramatischen Rückgang beim Export gemeldet hat — interessanterweise, ohne dass die Börsen so recht darauf reagiert haben.

In den USA sind es neben den Spekulationen um den Leitzins vor allem die Unternehmensergebnisse, die den Börsianern nicht schmecken können — ich habe schon darüber berichtet. Die Zahlen sind bislang äußerst zwiespältig ausgefallen. Zwar haben 78 Prozent der vermeldeten Gewinne die Erwartungen übertroffen, und die Umsätze fielen zu 59 Prozent besser aus. Dafür sind jedoch die Prognosen mau. „Guidance“ nennen das die Amerikaner. Positive Guidance versus negative Guidance. Und das Verhältnis liegt hier bei eins zu fünf (!). Auf jedes optimistisch gestimmte Unternehmen kommen gleich fünf Firmen, die die Zukunft nicht mehr so rosig sehen. Das ist schwach. Aber es ist inzwischen leidlich bekannt und daher vielleicht in den Kursen schon verdaut.

Und in Europa? Deutschland glänzt mit fantastischen Exportzahlen. Positiv. Allerdings hält uns weiterhin Griechenland in Atem. Bundeskanzlerin Angela Merkel befand, die Verhandlungen um eine eventuelle Neuordnung der griechischen Verbindlichkeiten könnten sich noch Monate hinziehen. Gleichzeitig betont Ministerpräsident Alexis Tsipras in seiner Regierungserklärung, dass man von den Forderungen nicht abrücken wolle. Drohgebärden wechseln sich mit Charmeoffensiven ab, hüben wie drüben. Auch hier also eine Findungsphase. Das gilt ebenso für den Ukraine-Russland-Konflikt. Verhandlungen gibt es. Das ist positiv. Genauso aber Drohgebärden, gefolgt von Charmeoffensiven, gefolgt von Drohgebärden, gefolgt von ... Hüben wie drüben. Und Kanzlerin Merkel spricht von Monaten oder gar Jahren, über die sich der Konflikt hinziehen könnte. Eine Findungsphase anscheinend auch hier.

Über Jahre wird sich die Pattsituation an der Börse hoffentlich nicht hinziehen. Hinweise für ein Ende der Korrektur könnten Indikatoren wie Öl und die Nasdaq liefern. Öl deshalb, weil der US-Aktienmarkt sich nur stabilisiert, wenn dies auch der Ölpreis tut. Blickt man in die Vergangenheit, ist es jedoch wahrscheinlich, dass der noch einmal fallen wird, bevor er tatsächlich einen Boden findet. Die Nasdaq wiederum — als weltweit wichtigste „Risikobörse“ — steckt schon seit November in einer ausgedehnten Handelsspanne. Findet sie aus dieser heraus, dürfte das ein Zeichen für steigende Risikolust sein. Und das wäre auch gut für den DAX.

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