Dienstag, 31. März 2015

Kontinentale Verschiebungen

Das erste Quartal des Börsenjahrs 2015 ist zu Ende. DAX-Anleger freuen sich über phänomenale Gewinne. Und es scheint noch mehr drin zu sein, auch wenn das Umfeld gerade sehr schwierig ist.

Das erste Quartal war für DAX-Anleger ein sehr erfolgreiches: Start bei 9800 Punkten, Schluss bei um die 12 000. Macht ein Plus von 2200 Zählern. Kein Aprilscherz. Zwischenzeitlich ging es zehn Wochen in Folge nach oben — ein Aufwärtstrend, der erst in der Vorwoche mit einem Minus beendet wurde. Ob das mit der Umstellung auf die Sommerzeit zu tun hatte?

Vermutlich war es schlicht eine ganz normale Korrektur, wie sie immer wieder vorkommt, egal ob beim DAX, beim Dow Jones oder beim Nikkei. Der DAX hat jedenfalls in der Spitze um 600 Punkte korrigiert, also um fast fünf Prozent. Eine prima Gelegenheit, um nachzukaufen. Im Anschluss ging es nämlich recht zügig wieder nach oben. Ob dieser jüngste Anstieg mit „Window Dressing“ zum Quartalsende zu tun hatte?

Eine Gelegenheit wie diese gab es jedenfalls in den vergangenen Jahren etliche. Seit Beginn der Börsenhausse im März 2009 kam es zu insgesamt 16 ähnlichen Korrekturen, die drei Prozent oder mehr betrugen (bezogen auf den Dow Jones, beim DAX war es ähnlich). Dem übergeordneten Aufwärtstrend haben diese Marktbewegungen jedoch nie geschadet. Und auch dieses Mal sieht es so aus, als ob der Aufwärtstrend intakt ist. Weil die Korrektur nun aber doch arg schnell abgehandelt wurde, hat sich am überhitzten Zustand des DAX nicht viel geändert. Das macht die Beurteilung zurzeit ein wenig kompliziert.

Zumal auch das Umfeld weiterhin problematisch ist. Etwa was die Politik angeht. Die Unruhen im Jemen beispielsweise bewirkten heftige Ausschläge beim Ölpreis und — nicht ganz so heftige — Wackler bei den Ölaktien. Auch die Verhandlungen um das iranische Atomprogramm hinterließen Spuren beim Ölpreis. Schwierig zudem die endlose Geschichte um die Neuordnung der Verbindlichkeiten Griechenlands, wo eine Provokation auf die nächste folgt, zuletzt ein vom Mai auf den April vorgezogener Besuch des Premiers Alexis Tsipras bei Russlands Präsidenten Wladimir Putin.

Trotzdem ist zuletzt viel Geld an die europäischen Börsen geflossen. Viel amerikanisches Geld. 37 Milliarden Dollar netto investierten die Amerikaner im ersten Quartal in ETFs, die ihrerseits in europäische Aktien investieren — neun Prozent mehr als im Quartal davor. Gleichzeitig flossen sieben Milliarden Dollar netto aus ETFs ab, die in amerikanische Aktien investieren. Kein Wunder also, dass der DAX um 2200 Punkte gestiegen ist, während sich gleichzeitig die US-Börse kaum bewegt hat. Und kein Wunder, dass der DAX als logische Konsequenz dieser Kapitalströme inzwischen zu über 60 Prozent in ausländischer Hand ist.

Das große Interesse an deutschen oder besser an europäischen Aktien liegt natürlich auch am schwachen Euro. Der macht Unternehmen vom alten Kontinent im Vergleich zu ihren amerikanischen Konkurrenten billiger. Problematisch wird es für DAX und Euro Stoxx jedoch dann, wenn es zu einer kräftigen Korrektur der aktuell bestehenden Währungsschwäche kommt — auch wenn es derzeit vielleicht nicht danach aussieht. Aber man sollte diesen Aspekt in den kommenden Aprilwochen nicht vergessen.

Apropos April: Der war in der Börsenhistorie immer ein höchst erfolgreicher Monat. Um genau zu sein: Er war im Schnitt der erfolgreichste Monat überhaupt. Auch dieses Mal? Der April ist ja auch jener Monat, der das Ende der für Börsengewinne günstigen Jahreszeit abschließt. Ab Mai wird’s dann immer schwieriger — das lehrt die Vergangenheit. Dann heißt es so schön „Sell in May“. Aber so weit sind wir noch nicht.

Dienstag, 24. März 2015

Früher, später oder ein anderes Mal

Die Wortakrobatik der Notenbanker nimmt preiswürdige Formen an. Sogar das Taktieren rund um Griechenland kommt da nicht mit. Der DAX nimmt sich derweil eine Auszeit. Ein Drama ist das jedoch nicht.

Zeit für eine etwas größere Korrektur? Ist die Börse nun doch zu schnell zu weit gelaufen? Immerhin hat der DAX schon zehn (!) Kalenderwochen in Folge mit Gewinn beendet. Auf 10000 Punkte folgten 11000, dann 12000. Eine derart lange Erfolgsstrecke ohne wenigstens eine einzige mickrige zwischenzeitliche Minuswoche kommt ansonsten nicht oft vor. Prädikat: sehr selten. Gut, im Herbst 2013 gab es mal 13 positive Wochen am Stück. Aber sonst? Fehlanzeige — zumindest was die jüngere Vergangenheit angeht. Gestandene Börsianer nehmen die aktuelle Korrektur daher locker hin. Sogar wenn die laufende Woche tatsächlich mit einem Minuszeichen abschließen sollte. Es wäre nur normal.

Ein gewichtiger Grund für die zehnwöchige Börsenrally ist natürlich die Geldpolitik der Notenbanken. Zuletzt hat es Janet Yellen, Chefin der US-Zentralbank Fed, tatsächlich geschafft, das Ende der Niedrigstzinsphase anzudeuten und dieses Ende gleichzeitig auf unbestimmte Zeit aufzuschieben. In einem Atemzug. Eine rhetorische Glanzleistung. Yellens Notenbank-Kollege, der Fed-Vize Stanley Fischer, wollte da wohl nicht hintanstehen und meinte darauf, die Zinsen würden im „Juni oder September oder zu einem späteren Zeitpunkt oder zu einem Zeitpunkt dazwischen“ steigen. Ein Meister des Wortes. Auch so was kommt nicht so oft vor. Prädikat: sehr selten. Die immer wieder leidenschaftlich und vehement geführte Diskussion, ob die Fed nun zu langsam oder zu schnell die Zinswende einläuten wird, kann man sich also sparen.

Im Euroraum wiederum sorgt die EZB für Liquidität. Für gut 26 Milliarden Euro wurden bislang schon Anleihen aufgekauft. Und — das weiß man ja schon etwas länger — bis September 2016 sollen es im Schnitt 60 Milliarden Euro pro Monat sein. Mindestens. Das Angebot an Anleihen gäbe das her, sagte Draghi am Montag. Dass dadurch auch weiterhin für Liquidität an den Märkten gesorgt ist, sollte den Aktienkursen so eine gewisse Unterstützung geben — aktuelle Korrektur hin oder her. Auch dass das Thema Griechenland ein wenig an Brisanz verliert, hat sicherlich ebenso eine stabilisierende Wirkung.

Und obwohl etliche Marktkommentatoren immer wieder gern von „Boom and Bust“ reden, sollte man nicht vergessen, dass auf stark steigende Kurse nicht zwangsläufig ein Crash folgen muss. Überhitzungen können sich auch weit weniger spektakulär durch einen Seitwärtstrend abbauen. Damals im Herbst 2013 etwa folgten auf die 13 positiven Wochen zwei negative mit leicht nachgebenden Kursen. Im Anschluss kletterte der DAX noch einmal auf ein neues Hoch, um darauf in ein etwas enervierendes Seitwärtsgeschiebe überzugehen, das bis Mitte 2014 dauerte.

Dass die Märkte etwas überhitzt sind, zeigt sich sicherlich auch daran, dass die Kurse weltweit deutlich zugelegt haben. So gab es etwa neue Rekorde beim britischen FTSE-Index, dazu steigende Notierungen in den USA wie auch in Japan. Kein Wunder: Nach einer aktuellen Umfrage der Bank of America Merrill Lynch haben die Fondsgesellschaften weltweit ihre Aktienquote weiter erhöht. Im Schnitt liegt sie bei 58 Prozent, das ist die dritthöchste Quote, seit der Bullenmarkt im März 2009 ins Laufen kam. In den beiden anderen Fällen kam es in der Folge jeweils zu nachgebenden Kursen am Aktienmarkt. Allerdings gab es damals für die professionellen Geldverwalter weit mehr Alternativen im Festzinsbereich als heutzutage

Dienstag, 17. März 2015

Synchron ist besser

Der Schwung an den Börsen ist enorm. Gründe für den Anstieg gibt es ja auch viele. Und dass die Bewertungen inzwischen doch recht ambitioniert sind, schreckt ebenfalls nicht. Noch nicht.

Wieder eine Woche vorbei und schon wieder neue Rekorde. Der DAX kletterte das erste Mal über die 12 000-Punkte-Marke. Der japanische Nikkei-Index hat mit 19 000 Zählern den höchsten Stand seit 15 Jahren erreicht. Und es ist wie in den Vorwochen: Die Wall Street, eigentlich Leitbörse der Welt, kommt da einfach nicht mit. Allerdings – und das ist nun doch ein gewaltiger Unterschied zu den Handelstagen Anfang März – haben die Kurse an der Wall Street wohl inzwischen einen Boden gefunden und scheinen selbst eine Rally zu starten.

Dies wiederum wirft eine vielleicht diabolische Frage auf: Was macht bitteschön der DAX, der in den Vorwochen ganz ohne Unterstützung aus Übersee von Rekordstand zu Rekordstand kletterte, wenn nun plötzlich die Wall Street zu schieben beginnt? Geht’s dann doppelt so schnell nach oben? Oder gar exponentiell? Mit wilden Sprüngen? Da blinken die Euro-Zeichen in den Pupillen. Fantastilliarden sind jetzt möglich! Oder doch nicht?

Ein lästerlicher Gedanke. Aber vielleicht der richtige. An der Wall Street jedenfalls hat die gut zweiwöchige Korrektur keinen größeren Schaden angerichtet. Auch wenn die Fundamentaldaten zuletzt nur mittelprächtig waren, gilt nach wie vor: Anzeichen für eine Rezession sind schlicht und einfach nicht zu sehen. Wichtig sind hier vier Indikatoren: Die Industrieproduktion, die Einkommen der Haushalte, der Arbeitsmarkt, die Einzelhandelsumsätze. Und raten Sie mal: alle vier Indikatoren tendieren nach wie vor nach oben.

Das dürfte zunächst wohl so bleiben, sind die Bestrebungen in allen großen Wirtschaftsblöcken doch groß, die Konjunktur am Laufen zu halten, sei es im Euroraum, in der chinesischen Hemisphäre, wo zum Abschluss des Volkskongresses in Peking noch einmal der Reformwille bekräftigt wurde und weiterer Konjunkturstimulus in Aussicht gestellt wurde, oder auch in den USA. Dass die amerikanische Notenbank Fed über kurz oder lang die Leitzinsen erhöhen wird, ändert daran

Was vielleicht etwas Sorgen macht, sind jedoch die Bewertungen an den Aktienmärkten. Egal welche Kennziffern man nun bemüht – billig ist anders. Richtig teuer ist aber auch anders. In den USA etwa liegt derzeit das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für die prognostizierten Gewinne des laufenden Geschäftsjahrs bei 16,8. Doch es ist, wie es ist: Auf kürzere bis mittlere Sicht nimmt in Aufschwungphasen, in einem intakten Bullenmarkt, die Bedeutung der Bewertung für die Kursentwicklung ab. Das war bisher immer so. Wichtiger sind in solchen Phasen die schon erwähnten Indikatoren Industrieproduktion, Einkommen der Haushalte, Arbeitsmarkt, Einzelhandelsumsätze. Ebenfalls von Bedeutung ist, dass die Gewinnerwartungen der Unternehmen weiter steigen. Und auch das tun sie wieder, nachdem sie im Januar und Februar vor allem aufgrund der Unsicherheiten um die Auswirkungen des fallenden Ölpreises doch deutlich gesunken waren.

Einen Fehler sollte man nun dennoch nicht machen: Die Bewertung an den Märkten völlig ignorieren. Mag sein, dass sie aktuell nur eine untergeordnete Rolle spielt, relevant ist sie dennoch. Wichtig wird sie vor allem dann, wenn sich eine Rezesssion andeutet. Und je höher die Aktien dann bewertet sind, desto schlimmer für Nerven und Geldbeutel wird die Korrektur ausfallen. Auch das war in der Börsen-Historie schon immer so.

Dienstag, 10. März 2015

Es hakt und knirscht (ein) wenig

Während in den USA über den künftigen Kurs der Notenbank spekuliert wird, geht man in der Eurozone das Projekt Anleihekaufprogramm an. Liquidität für den Aktienmarkt ist eigentlich genug da.

Ein schöne runde Sache: Der Börsenaufschwung dauert nun schon sechs Jahre. Seit Mitte März 2009 geht es nach oben an den Aktienmärkten. Ob ein siebtes Jahr folgen wird? Sprichwörtlich ist es ja immer so eine Sache mit dem siebten Jahr, dem verflixten. Da hakt und knirscht plötzlich, was zuvor reibungslos lief.

Was den deutschen Aktienmarkt angeht: Da knirscht oder hakt im Moment kaum etwas. Im Gegenteil, die Kurse klettern weiter, nahezu reibungslos. Aktien aus Deutschland — und auch aus den Euro-Nachbarländern — sind begehrt. Gerade im Ausland. Für Investoren aus Übersee, oder auch aus der Schweiz, werden sie durch den schwachen Euro zum Schnäppchen.

Dieser Währungsfaktor erklärt auch die drastische Divergenz, die uns nun schon seit Januar begleitet. Während auf der anderen Seite des Atlantiks, in Dollar-Land, die Kurse immer wieder ordentlich konsolidieren, aktuell etwa seit zwei Wochen (was ja durchaus normal ist), kann man die Kurswackler an den Börsen Frankfurt, Paris oder Mailand in der Regel schon innerhalb eines Tages abhaken.

Das lullt einen fast ein, das stete Bergauf von DAX und Euro Stoxx. Aber diese Trendstärke zeichnet „Abwertungsbörsen“ eben aus — man denke an den japanischen Nikkei, der durch den schwachen Yen immer weiter klettert. Dennoch: Einlullen ist gefährlich. „Complacency“ sagt man an der Wall Street dazu, ein gewisser Hochmut, ein wenig Selbstgefälligkeit schleicht sich da vielleicht ein. Das darf nicht sein.

An der Wall Street dagegen knirscht es also ein wenig. Das muss uns jedoch noch keine Sorgen machen. Zwar ist die Aufregung um den künftigen Kurs der amerikanischen Notenbank groß. Ständig wird nach Hinweisen gesucht, ob nun im Juni, Juli oder doch später im Jahr die Zinsen nach oben gesetzt werden. Ebenso scannt man die Arbeitsmarktdaten, ob die nun zu gut oder zu schlecht sind und ob „gut“ für die Konjunktur inzwischen gleichbedeutend ist mit „schlecht“ für die Börse. Und es wird gemutmaßt, was die US-Notenbank mit diesen Daten wohl macht. Weil man sich da nicht recht einig ist, schwankt der Dow Jones eben etwas kräftiger als der DAX. Blendet man diese tägliche Volatilität jedoch aus, findet man immer noch genügend Hinweise, dass es so schlecht in den USA gerade gar nicht läuft.

„Not too hot, not too cold“, könnte man sagen. Da überhitzt nichts, und an Fahrt verliert die Konjunktur auch nicht. Beispiel Arbeitsmarkt: Hier werden immer mehr neue Jobs geschaffen, die Lohnentwicklung ist jedoch noch moderat, Inflationsgefahr kommt da nicht auf. „Not too hot, not too cold“ eben. Am Aktienmarkt mag man so eine Konstellation eigentlich. Zudem fließt unabhängig vom Entscheid der US-Notenbank weiterhin genügend Liquidität in den Markt. Via Carry Trade etwa — supergünstiges, in Yen aufgenommenes Geld, das in Richtung Vereinigte Staaten fließt. Außerdem nimmt das Volumen der von US-Banken ausgegebenen Kredite zu, was die Börse ebenfalls stützt.

Und dann ist da noch das Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB). Am Montag hat sie damit begonnen, Staatspapiere aufzukaufen, was die ohnehin mickrigen Renditen im festverzinslichen Bereich noch weiter marginalisiert. Im Anleihesegment werden die Alternativen zu Aktien also immer weniger. Es mag daher insgesamt also knirschen und haken im verflixten siebten Jahr. Ein Ende der Aktienrally muss das aber trotzdem nicht bedeuten.

Dienstag, 3. März 2015

Lieber einen Tick zu spät als einen Tick zu früh?

Die Börsen klettern weiter von Rekord zu Rekord. Ein sehr guter Anlass, um sich Gedanken um mögliche Störfaktoren zu machen. Das tut auch Warren Buffett. Er jedenfalls ist vorbereitet.

Warren Buffett hat gerade seinen jährlichen Aktionärsbrief verschickt. Schon zum 50. Mal. Und wie immer steht die eine oder andere Weisheit drin. Etwa das hier: „Man kann definitiv vorhersehen, dass es an der Börse immer wieder mal zu einer Panik kommt. Aber man kann defintiv nicht vorhersagen, wann das sein wird.“ Seine Schlussfolgerung: „Seien Sie vorbereitet.“

Kein schlechter Zeitpunkt für so eine Aussage, ist doch von Panik an den Märkten eigentlich nichts zu sehen. Zumindest mit DAX, Dow, Nasdaq und Co geht es schön stetig bergauf. Man könnte hier allenfalls von „Kaufpanik“ sprechen. Doch wie schnell Unerwartetes passieren kann, zeigt die Sache mit dem Schweizer Franken, der sich vor wenigen Wochen binnen Sekunden um 20 Prozent verteuerte. Also lieber vorbereitet sein auf Unwägbarkeiten. Vor allem eben gerade dann, wenn es besonders gut läuft.

Schwer ist das ja nicht: Nicht zu hohe Hebel fahren, auch mal Gewinne mitnehmen, den Stop-Loss nachziehen. Wir haben das in den vergangenen Wochen fast schon Mantra-artig wiederholt. Und wir bleiben auch dabei: Der Trend ist intakt, es geht nach oben. Die Liste der möglichen Störfaktoren scheint gleichzeitig immer länger zu werden. Die Märkte seien überbewertet, heißt es, die US-Notenbank werde über kurz oder lang die Zinswende starten, der Euro ist zu schwach, ebenso der Ölpreis, die Kurse im Biotech-Sektor sehen nach einer Blase aus, und die Griechenland-Krise, also bitteschön, die ist doch nicht gelöst, sondern allenfalls für ein paar Wochen unterbrochen.

Das ist eine lange Liste an Unwägbarkeiten. „Noise“, sagt man an Wall Street so schön dazu. Viel Lärm. Wobei es meistens ja so ist, dass es gerade dann beim Getöse bleibt, ohne Folgen für die Kurse, wenn das Lärmen wie jetzt besonders laut ist. Aber im Buffett’schen Sinn ist es eben notwendig, vorbereitet zu sein. Auf das Unerwartete. Und so wiederholen wir das Mantra eben gleich noch einmal: Gewinne laufen lassen, mal einen Teil verkaufen und schön den Stop-Loss nachziehen.

Es wäre ja auch zu schade, einen möglichen weiteren Anstieg zu verpassen. Man sollte nicht vergessen, dass unabhängig davon, wann und wie stark die US-Notenbank nun die Zinspolitik ändert, in der Eurozone die expansive Geldpolitik gerade noch einmal einen Schub bekommt. Am Donnerstag startet jedenfalls das Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank. Und auch in China hat die Notenbank gerade – durchaus überraschend – weitere Zinssenkungen angekündigt, um die Wirtschaft anzukurbeln. An den Börsen der wichtigsten chinesischen Handelspartner scheint man das schon geahnt zu haben, so stark wie es dort in der jüngeren Vergangenheit nach oben gegangen ist. Taiwan, Hongkong, Südkorea, Australien – alle klar im Aufwärtstrend.

Und was tut sich in den USA? Dort werden am Freitag die neuesten Daten zum Arbeitsmarkt veröffentlicht. Besonders spannend dürfte dabei sein, wie sich die Löhne entwickeln und wie sich das auf die Inflation auswirkt. Was uns zurückbringt zur Zinspolitik der US-Notenbank Fed. Bill Dudley, neben Stanley Fisher und natürlich Fed-Chefin Janet Yellen das wohl einflussreichste Mitglied im sogenannten Offenmarktausschuss der Notenbank, hat neulich verlauten lassen, dass es wohl riskanter wäre die Zinsen einen „Tick zu früh“ zu erhöhen als einen „Tick zu spät“. Hört, hört! Das passt doch wunderbar zu unserem Mantra. Vor allem zum ersten Teil: Gewinne laufen lassen (aber trotzdem keinesfalls den Stop-Loss vergessen!).