Dienstag, 10. März 2015

Es hakt und knirscht (ein) wenig

Während in den USA über den künftigen Kurs der Notenbank spekuliert wird, geht man in der Eurozone das Projekt Anleihekaufprogramm an. Liquidität für den Aktienmarkt ist eigentlich genug da.

Ein schöne runde Sache: Der Börsenaufschwung dauert nun schon sechs Jahre. Seit Mitte März 2009 geht es nach oben an den Aktienmärkten. Ob ein siebtes Jahr folgen wird? Sprichwörtlich ist es ja immer so eine Sache mit dem siebten Jahr, dem verflixten. Da hakt und knirscht plötzlich, was zuvor reibungslos lief.

Was den deutschen Aktienmarkt angeht: Da knirscht oder hakt im Moment kaum etwas. Im Gegenteil, die Kurse klettern weiter, nahezu reibungslos. Aktien aus Deutschland — und auch aus den Euro-Nachbarländern — sind begehrt. Gerade im Ausland. Für Investoren aus Übersee, oder auch aus der Schweiz, werden sie durch den schwachen Euro zum Schnäppchen.

Dieser Währungsfaktor erklärt auch die drastische Divergenz, die uns nun schon seit Januar begleitet. Während auf der anderen Seite des Atlantiks, in Dollar-Land, die Kurse immer wieder ordentlich konsolidieren, aktuell etwa seit zwei Wochen (was ja durchaus normal ist), kann man die Kurswackler an den Börsen Frankfurt, Paris oder Mailand in der Regel schon innerhalb eines Tages abhaken.

Das lullt einen fast ein, das stete Bergauf von DAX und Euro Stoxx. Aber diese Trendstärke zeichnet „Abwertungsbörsen“ eben aus — man denke an den japanischen Nikkei, der durch den schwachen Yen immer weiter klettert. Dennoch: Einlullen ist gefährlich. „Complacency“ sagt man an der Wall Street dazu, ein gewisser Hochmut, ein wenig Selbstgefälligkeit schleicht sich da vielleicht ein. Das darf nicht sein.

An der Wall Street dagegen knirscht es also ein wenig. Das muss uns jedoch noch keine Sorgen machen. Zwar ist die Aufregung um den künftigen Kurs der amerikanischen Notenbank groß. Ständig wird nach Hinweisen gesucht, ob nun im Juni, Juli oder doch später im Jahr die Zinsen nach oben gesetzt werden. Ebenso scannt man die Arbeitsmarktdaten, ob die nun zu gut oder zu schlecht sind und ob „gut“ für die Konjunktur inzwischen gleichbedeutend ist mit „schlecht“ für die Börse. Und es wird gemutmaßt, was die US-Notenbank mit diesen Daten wohl macht. Weil man sich da nicht recht einig ist, schwankt der Dow Jones eben etwas kräftiger als der DAX. Blendet man diese tägliche Volatilität jedoch aus, findet man immer noch genügend Hinweise, dass es so schlecht in den USA gerade gar nicht läuft.

„Not too hot, not too cold“, könnte man sagen. Da überhitzt nichts, und an Fahrt verliert die Konjunktur auch nicht. Beispiel Arbeitsmarkt: Hier werden immer mehr neue Jobs geschaffen, die Lohnentwicklung ist jedoch noch moderat, Inflationsgefahr kommt da nicht auf. „Not too hot, not too cold“ eben. Am Aktienmarkt mag man so eine Konstellation eigentlich. Zudem fließt unabhängig vom Entscheid der US-Notenbank weiterhin genügend Liquidität in den Markt. Via Carry Trade etwa — supergünstiges, in Yen aufgenommenes Geld, das in Richtung Vereinigte Staaten fließt. Außerdem nimmt das Volumen der von US-Banken ausgegebenen Kredite zu, was die Börse ebenfalls stützt.

Und dann ist da noch das Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB). Am Montag hat sie damit begonnen, Staatspapiere aufzukaufen, was die ohnehin mickrigen Renditen im festverzinslichen Bereich noch weiter marginalisiert. Im Anleihesegment werden die Alternativen zu Aktien also immer weniger. Es mag daher insgesamt also knirschen und haken im verflixten siebten Jahr. Ein Ende der Aktienrally muss das aber trotzdem nicht bedeuten.

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