Dienstag, 24. März 2015

Früher, später oder ein anderes Mal

Die Wortakrobatik der Notenbanker nimmt preiswürdige Formen an. Sogar das Taktieren rund um Griechenland kommt da nicht mit. Der DAX nimmt sich derweil eine Auszeit. Ein Drama ist das jedoch nicht.

Zeit für eine etwas größere Korrektur? Ist die Börse nun doch zu schnell zu weit gelaufen? Immerhin hat der DAX schon zehn (!) Kalenderwochen in Folge mit Gewinn beendet. Auf 10000 Punkte folgten 11000, dann 12000. Eine derart lange Erfolgsstrecke ohne wenigstens eine einzige mickrige zwischenzeitliche Minuswoche kommt ansonsten nicht oft vor. Prädikat: sehr selten. Gut, im Herbst 2013 gab es mal 13 positive Wochen am Stück. Aber sonst? Fehlanzeige — zumindest was die jüngere Vergangenheit angeht. Gestandene Börsianer nehmen die aktuelle Korrektur daher locker hin. Sogar wenn die laufende Woche tatsächlich mit einem Minuszeichen abschließen sollte. Es wäre nur normal.

Ein gewichtiger Grund für die zehnwöchige Börsenrally ist natürlich die Geldpolitik der Notenbanken. Zuletzt hat es Janet Yellen, Chefin der US-Zentralbank Fed, tatsächlich geschafft, das Ende der Niedrigstzinsphase anzudeuten und dieses Ende gleichzeitig auf unbestimmte Zeit aufzuschieben. In einem Atemzug. Eine rhetorische Glanzleistung. Yellens Notenbank-Kollege, der Fed-Vize Stanley Fischer, wollte da wohl nicht hintanstehen und meinte darauf, die Zinsen würden im „Juni oder September oder zu einem späteren Zeitpunkt oder zu einem Zeitpunkt dazwischen“ steigen. Ein Meister des Wortes. Auch so was kommt nicht so oft vor. Prädikat: sehr selten. Die immer wieder leidenschaftlich und vehement geführte Diskussion, ob die Fed nun zu langsam oder zu schnell die Zinswende einläuten wird, kann man sich also sparen.

Im Euroraum wiederum sorgt die EZB für Liquidität. Für gut 26 Milliarden Euro wurden bislang schon Anleihen aufgekauft. Und — das weiß man ja schon etwas länger — bis September 2016 sollen es im Schnitt 60 Milliarden Euro pro Monat sein. Mindestens. Das Angebot an Anleihen gäbe das her, sagte Draghi am Montag. Dass dadurch auch weiterhin für Liquidität an den Märkten gesorgt ist, sollte den Aktienkursen so eine gewisse Unterstützung geben — aktuelle Korrektur hin oder her. Auch dass das Thema Griechenland ein wenig an Brisanz verliert, hat sicherlich ebenso eine stabilisierende Wirkung.

Und obwohl etliche Marktkommentatoren immer wieder gern von „Boom and Bust“ reden, sollte man nicht vergessen, dass auf stark steigende Kurse nicht zwangsläufig ein Crash folgen muss. Überhitzungen können sich auch weit weniger spektakulär durch einen Seitwärtstrend abbauen. Damals im Herbst 2013 etwa folgten auf die 13 positiven Wochen zwei negative mit leicht nachgebenden Kursen. Im Anschluss kletterte der DAX noch einmal auf ein neues Hoch, um darauf in ein etwas enervierendes Seitwärtsgeschiebe überzugehen, das bis Mitte 2014 dauerte.

Dass die Märkte etwas überhitzt sind, zeigt sich sicherlich auch daran, dass die Kurse weltweit deutlich zugelegt haben. So gab es etwa neue Rekorde beim britischen FTSE-Index, dazu steigende Notierungen in den USA wie auch in Japan. Kein Wunder: Nach einer aktuellen Umfrage der Bank of America Merrill Lynch haben die Fondsgesellschaften weltweit ihre Aktienquote weiter erhöht. Im Schnitt liegt sie bei 58 Prozent, das ist die dritthöchste Quote, seit der Bullenmarkt im März 2009 ins Laufen kam. In den beiden anderen Fällen kam es in der Folge jeweils zu nachgebenden Kursen am Aktienmarkt. Allerdings gab es damals für die professionellen Geldverwalter weit mehr Alternativen im Festzinsbereich als heutzutage

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