Dienstag, 3. März 2015

Lieber einen Tick zu spät als einen Tick zu früh?

Die Börsen klettern weiter von Rekord zu Rekord. Ein sehr guter Anlass, um sich Gedanken um mögliche Störfaktoren zu machen. Das tut auch Warren Buffett. Er jedenfalls ist vorbereitet.

Warren Buffett hat gerade seinen jährlichen Aktionärsbrief verschickt. Schon zum 50. Mal. Und wie immer steht die eine oder andere Weisheit drin. Etwa das hier: „Man kann definitiv vorhersehen, dass es an der Börse immer wieder mal zu einer Panik kommt. Aber man kann defintiv nicht vorhersagen, wann das sein wird.“ Seine Schlussfolgerung: „Seien Sie vorbereitet.“

Kein schlechter Zeitpunkt für so eine Aussage, ist doch von Panik an den Märkten eigentlich nichts zu sehen. Zumindest mit DAX, Dow, Nasdaq und Co geht es schön stetig bergauf. Man könnte hier allenfalls von „Kaufpanik“ sprechen. Doch wie schnell Unerwartetes passieren kann, zeigt die Sache mit dem Schweizer Franken, der sich vor wenigen Wochen binnen Sekunden um 20 Prozent verteuerte. Also lieber vorbereitet sein auf Unwägbarkeiten. Vor allem eben gerade dann, wenn es besonders gut läuft.

Schwer ist das ja nicht: Nicht zu hohe Hebel fahren, auch mal Gewinne mitnehmen, den Stop-Loss nachziehen. Wir haben das in den vergangenen Wochen fast schon Mantra-artig wiederholt. Und wir bleiben auch dabei: Der Trend ist intakt, es geht nach oben. Die Liste der möglichen Störfaktoren scheint gleichzeitig immer länger zu werden. Die Märkte seien überbewertet, heißt es, die US-Notenbank werde über kurz oder lang die Zinswende starten, der Euro ist zu schwach, ebenso der Ölpreis, die Kurse im Biotech-Sektor sehen nach einer Blase aus, und die Griechenland-Krise, also bitteschön, die ist doch nicht gelöst, sondern allenfalls für ein paar Wochen unterbrochen.

Das ist eine lange Liste an Unwägbarkeiten. „Noise“, sagt man an Wall Street so schön dazu. Viel Lärm. Wobei es meistens ja so ist, dass es gerade dann beim Getöse bleibt, ohne Folgen für die Kurse, wenn das Lärmen wie jetzt besonders laut ist. Aber im Buffett’schen Sinn ist es eben notwendig, vorbereitet zu sein. Auf das Unerwartete. Und so wiederholen wir das Mantra eben gleich noch einmal: Gewinne laufen lassen, mal einen Teil verkaufen und schön den Stop-Loss nachziehen.

Es wäre ja auch zu schade, einen möglichen weiteren Anstieg zu verpassen. Man sollte nicht vergessen, dass unabhängig davon, wann und wie stark die US-Notenbank nun die Zinspolitik ändert, in der Eurozone die expansive Geldpolitik gerade noch einmal einen Schub bekommt. Am Donnerstag startet jedenfalls das Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank. Und auch in China hat die Notenbank gerade – durchaus überraschend – weitere Zinssenkungen angekündigt, um die Wirtschaft anzukurbeln. An den Börsen der wichtigsten chinesischen Handelspartner scheint man das schon geahnt zu haben, so stark wie es dort in der jüngeren Vergangenheit nach oben gegangen ist. Taiwan, Hongkong, Südkorea, Australien – alle klar im Aufwärtstrend.

Und was tut sich in den USA? Dort werden am Freitag die neuesten Daten zum Arbeitsmarkt veröffentlicht. Besonders spannend dürfte dabei sein, wie sich die Löhne entwickeln und wie sich das auf die Inflation auswirkt. Was uns zurückbringt zur Zinspolitik der US-Notenbank Fed. Bill Dudley, neben Stanley Fisher und natürlich Fed-Chefin Janet Yellen das wohl einflussreichste Mitglied im sogenannten Offenmarktausschuss der Notenbank, hat neulich verlauten lassen, dass es wohl riskanter wäre die Zinsen einen „Tick zu früh“ zu erhöhen als einen „Tick zu spät“. Hört, hört! Das passt doch wunderbar zu unserem Mantra. Vor allem zum ersten Teil: Gewinne laufen lassen (aber trotzdem keinesfalls den Stop-Loss vergessen!).

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