Dienstag, 21. April 2015

Die Rückkehr der Volatilität

Der Mai steht vor der Tür. Und prompt wird man durch ein heftiges Auf und Ab beim DAX an die alte Börsenweisheit „Sell in May and go away“ erinnert. Es wird schwieriger an der Börse.

Es schwankt. Es schwankt sogar gewaltig beim DAX. 800 Punkte runter, dann 400 Punkte wieder rauf. Das sind wir so nicht mehr gewohnt. Vielleicht war es doch etwas zu einfach in den vergangenen Wochen? Dieses stetige Bergauf, das nur ein einziges Mal unterbrochen wurde, von einem fünfprozentigen Wackler Ende März. Jetzt also wieder mehr Volatilität am Aktienmarkt.

Dabei gab es für den „Absturz“ am vergangenen Donnerstag und vor allem am Freitag nicht wirklich gewichtige Gründe. Gut, der Freitag war ein „kleiner Verfallstag“ an den Terminbörsen, und da kann es schon mal zu solchen Kurskapriolen kommen. Dann war da noch die Sache mit den Bloomberg-Terminals, die weltweit einige Stunden nicht funktionierten, wodurch eine Menge Orders erst mal nicht abgewickelt werden konnten. Aber deswegen ein solcher Sturz beim DAX bis auf 11 630 Punkte? Allerdings könnte man sagen: Vielleicht genau deswegen! Denn es war ja weniger das Ausmaß des Kursrutsches — das war schlicht im Rahmen des üblichen einer normalen Korrektur — als die rasende Geschwindigkeit, die irritierte. Und wenn es derart schnell geht, sind eher „technische“ Gründe gar nicht so abwegig.

Vielleicht hätte man die Korrektur aber auch kommen sehen können. Das Kaufinteresse jenseits der 12 200er-Marke hatte zuletzt doch deutlich nachgelassen. Ein Fall von steigender Risikoaversion? An den Bewertungen indes kann es nicht liegen, immerhin bekommt man ...

Dienstag, 14. April 2015

Wie wir lernten, den Euro zu lieben

Die neuesten Gewinnzahlen der US-Unternehmen sollen nicht besonders gut ausfallen. Von einer „Earnings Recession“ ist die Rede. Woran das liegt und warum DAX-Anleger derweil recht entspannt sind.

Das fällt schon auf: Der Devisenmarkt bewegt den Aktienmarkt in diesem Jahr weit stärker also zuvor. Auf dem ganzen Globus. Beispiel DAX. Während der deutsche Leitindex in Euro gerechnet auf ein Plus von 26 Prozent kommt, sind es in der Starkwährung Dollar nur zehn Prozent. Anders herum hat der Dow Jones auf Dollarbasis in diesem Jahr nicht einmal zwei Prozent gewonnen, während man dort als Euro-Investor mittels Währungsgewinn 16 Prozent mitnehmen konnte.

Fakt ist: Schwache Währungen und starke Aktienmärkte gehen 2015 Hand in Hand. Das ist auch in Japan so, wo der Yen nach einer längeren Konsolidierungsphase gegenüber dem Dollar wieder zu schwächeln beginnt und der Nikkei-Index prompt neue Rekordstände erklimmt: Zuletzt gelang der Sprung über die 20 000-Punkte-Marke. Ähnlich ist das in den Euroländern, wo DAX, Euro Stoxx oder der französische CAC 40 steigen und steigen.

Dass Euro-Aktien und Yen-Aktien besser abschneiden als Dollaraktien könnte weiterhin Bestand haben. Dies zeigt sich auch daran, dass es zum ersten Mal seit der Finanzkrise 2007/2008 passieren könnte, dass die Gewinne der US-Unternehmen das zweite Quartal in Folge schlechter ausfallen als im jeweiligen Vorquartal.

Das ist durchaus bemerkenswert und findet vor allem in der US-Presse viel Widerhall, etwa in den Börsensendungen des TV-Senders CNBC. Dort macht seit Längerem schon ...

Dienstag, 7. April 2015

Schwache Zahlen, steile Thesen

Die Skepsis um den Zustand der Wirtschaft – vor allem, was die USA angeht – ist mal wieder groß. Die Aktienkurse steigen trotzdem. Das hat auch etwas mit dem Wankelmut der Börsianer zu tun.

Probieren wir es mal mit einer steilen These: Solange der Aktienmarkt die Pressekonferenzen, Aufsätze und Reden der Notenbanker — egal, ob amerikanische oder europäische — mit steigenden Kursen goutiert, wird die Börsenrally Bestand haben — und vice versa. Am Montag etwa ließ uns Bill Dudley, Chef der New Yorker Notenbank, wissen, dass der offensichtliche Schwächeanfall der US-Wirtschaft im ersten Quartal „temporär“ sei. An der Wall Street ging es daraufhin steil nach oben, die europäischen Börsen folgten am Dienstagvormittag — montags herrschte hier ja noch österliche Ruhe.

Dudleys Aussage kam zur rechten Zeit. In den USA machte sich zuletzt mehr und mehr die Sorge breit, dass es um das Wirtschaftswachstum nicht zum Besten steht. Vor wenigen Wochen noch lagen die Erwartungen bei einem Plus von zwei Prozent für das erste Quartal. Jetzt senkt man den Daumen und geht — je nach Quelle — von zwischen 0,1 und einem Prozent aus. Im schlimmsten Fall praktisch Stillstand! Das muss man erst mal verdauen, wenn man kurz zuvor noch optimistisch war.

Aber so ist das eben mit den Wirtschaftsnachrichten. Und mit der Interpretation dieser Daten. Da schwankt es bisweilen gewaltig. Davon sollte man sich aber nicht kirre machen lassen, solange die Richtung im Großen und Ganzen stimmt. Ein einzelner schwacher Monat oder auch ein einzelnes schwaches Quartal machen eben noch keine Rezession.

Beispiel Arbeitsmarktdaten. Hier veröffentlichten die US-Behörden am Karfreitag die neueste Statistik, an einem Tag also, an dem die Börsen diesseits und jenseits des Ozeans bis auf ein paar Minuten Futures-Handel geschlossen blieben. Die Zahlen waren enttäuschend — zu wenige neue Jobs. Für manche ein Grund zur Panik. Die Futures sackten ab. Und in etlichen Börsenforen, aber auch bei Twitter wurden Angst und Schrecken verbreitet: Ein Kursdesaster stehe uns am Montag bevor.

Aber es kam ganz anders am Ostermontag. Sicher auch wegen Dudley. Und wegen der Neigung der Menschen, die ...