Dienstag, 26. Mai 2015

Verflixte Pattsituation

Der Börsenmonat Mai ist fast vorbei. Ein turbulenter Monat für die Aktienmärkte. Und es scheint so, als ob es weiterhin volatil bleibt. Gute Gründe für steigende Kurs gibt es – aber auch für fallende.

Nach wie vor ist das nichts für Nervenschwache. Beim DAX geht es weiter hektisch hin und her. Etwa am Dienstag: Zum Handelsstart rauf auf fast 11 930 Punkte, so hoch wie zuletzt Ende April. Dann runter auf 11 680 Punkte. 250 Punkte Handelsspanne innerhalb von nur 30 Minuten. Das strengt an. Dabei schien sich das in den Tagen davor zu ändern. Man hatte den Eindruck, dass wieder mehr Ruhe einkehrt an den Märkten. Denkste, trügerisch das Ganze.

Anscheinend war es wohl so, dass sich vor dem verlängerten Pfingstwochenende keiner so recht aus der Deckung wagen wollte. Die Umsätze vor den Feiertagen waren mickrig. An der Wall Street etwa wurde so wenig gehandelt wie zuletzt am ersten Handelstag des Jahres. Der Effekt: Die US-Indizes und der DAX bewegten sich in den zurückliegenden Tagen unterm Strich kaum von der Stelle. Der DAX pendelte zwischen 11 750 und 11 890 Punkten. Dann der fulminante Dienstag. Schluss mit Pendelei, zurück zur Hektik.

Es ist ja auch schwierig. Man könnte von einer Pattsituation an der Börse reden. Und von einer Pattsituation, was die weitere Entwicklung der Wirtschaft angeht. Beispiel USA: Die Konjunktur hat zuletzt an Schwung verloren, allerdings geht man davon aus, dass sich die Dinge in der zweiten Jahreshälfte zum Besseren wenden. Was also tun als Börsianer, bevor es für ...

Dienstag, 19. Mai 2015

Strapazierte Nerven

Es geht hin und her. Die Tagesschwankungen beim DAX sind enorm. Unterm Strich sieht es inzwischen aber gar nicht mehr so schlecht aus für wieder steigende Kurse.

So schlecht zeigt sich der Aktienmarkt derzeit nicht. Allerdings ist er hochgradig volatil. Der DAX schwankt weiter stark. Tagesausschläge von 200 Punkten und mehr sind der Normalfall. Das strapaziert die Nerven. Und die sind ja ohnehin angeschlagen, hat der deutsche Leitindex doch seit seinem Allzeithoch von rund 12 400 Punkten in der Spitze 9,9 Prozent verloren. Das ist eine Menge Porzellan, das da zerschlagen wurde. So verwundert es auch nicht, dass manch einer noch weit tiefere Kurse erwartet, bis ein Boden tatsächlich und nachhaltig erreicht ist. Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank beispielsweise hat neulich gesagt, dass der deutsche Leitindex im schlimmsten Fall bis Mitte Juni auf 10 700 oder gar 10 500 Punkte abrutschen kann. Das wäre noch mal richtig viel.

Mit ein Grund für das heftige Hin und Her ist die Lage am Devisenmarkt. So hat der Euro in den vergangenen Wochen deutlich zugelegt. Von Parität ist längst keine Rede mehr. Und so wie der fallende Euro eine Triebfeder für die DAX-Rally war, so sorgte der steigende Euro für wieder fallende Kurse. Allerdings scheint sich der Wechselkurs Euro/Dollar langsam zu stabilisieren — wir haben das ja schon vergangene Woche geschrieben. Im Umkehrschluss könnte das bald auch die Volatilität am Aktienmarkt etwas bremsen.

Dann waren da noch die plötzlichen Unruhen am Anleihemarkt. Die Kurse der Staatsanleihen verloren so viel wie seit vier Jahren nicht mehr — entsprechend umgekehrt kletterten die Zinsen nach oben. So stieg beispielsweise die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen von 0,07 auf 0,72 Prozent, die Rendite zehnjähriger US-Treasuries von 1,8 auf 2,2 Prozent. Innerhalb kürzester Zeit. So was gab es laut Barclays-Analysten in den vergangenen 15 Jahren nur zweimal. Doch was war der Grund dafür?

Eine mögliche Erklärung liefern die Inflationserwartungen. Die sind plötzlich gestiegen, was naturgemäß zu Bewegungen am Zinsmarkt führt. Dass die Inflations­erwartungen zugenommen haben, liegt unter anderem am Ölpreis, der seit März um fast 40 Prozent gestiegen ist. Ein weiteres Argument ist die Tatsache, dass es durchaus möglich ist, dass das Wirtschaftswachstum in Europa in den kommenden Quartalen stärker ausfällt als bislang erwartet. Auch das hebt die Inflationserwartungen und ist damit Grund genug für ein höheres Renditeniveau. Alles gute Argumente. Vielleicht ist es aber noch viel einfacher: Der „Crash“ am Anleihemarkt liegt schlicht daran, dass es dort in den vergangenen Monaten zu stabil war. Dass sich an eine solche Phase irgendwann eine drastische Korrektur anschließt, ist da nur normal. Der amerikanische Ökonom Hyman Minsky hat dazu mal eine schöne These formuliert.

Apropos Inflationsziele: Der Chef der Europäischen Zentralbank Mario Draghi hat ja zuletzt erneut bekräftigt, dass man die expansive Geldpolitik weiterhin so lange beibehalten werde wie nötig — bis die gesteckten Inflationsziele tatsächlich und nachhaltig erreicht werden. Eine gute Ansage, hatte man sich doch schon Sorgen gemacht, dass die derzeit leicht steigende Geldentwertung die EZB dazu bringen werde, das Anleihekaufprogramm vorzeitig zu beenden. Den Anleihecrash hat Draghi damit jedenfalls gestoppt. Seither hat sich die Lage bei den Bundesanleihen wieder beruhigt. Und ebenso die Lage am Aktienmarkt.

Dienstag, 12. Mai 2015

Reinigendes Gewitter

Seit Mitte April ging es am deutschen Aktienmarkt bergab. Inzwischen stehen die Chancen aber gut, dass der Markt einen Boden gefunden hat und die Kurse wieder steigen.

War es das mit dem Abwärtstrend? Der DAX hat das ja ganz schul­buchmäßig gemacht seit Mitte April: Korrektur in drei Schüben, jeweils unterbrochen von einer Zwischenrally. Und alles verbunden mit richtig hoher Volatilität — Tagesbewegungen von mehre­ren Hundert Punkten. Und dazu noch ein panikartiger Abverkauf bis unter 11 200 Punkte. War es das also jetzt?

„Deutsche Aktien waren Anfang April überkauft“, meint Robert Halver, Aktien­experte von der Baader Bank. „Was wir jetzt sehen, ist ein reinigendes Gewitter, eine vorübergehende Korrektur“, sagt er. Und in der Tat, es sieht nicht schlecht aus. Gerade der starke Anstieg am Freitag der Vorwoche macht Hoffnung. Vor allem zwei Gründe gab es dafür: Da war der überra­schende Wahlsieg der Konservativen in Großbritannien, der die Sorge vor einem Austritt des Königreichs aus der Europäi­ chen Union erst einmal verdrängt hat. Und da waren die durchwachsenen Ar­beitsmarktdaten aus den USA, die die Hoff­nung nähren, dass die US-Notenbank Fed doch eher vorsichtig mit Zinserhöhungen umgehen wird. Hinzu kommt ein dritter Punkt: Auch wenn der Ukraine­-Konflikt ein wenig aus dem Fokus der Weltöffentlich­keit gerückt ist, so ist es doch beruhigend, dass es Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Treffen mit dem russischen Präsiden­ ten Wladimir Putin am Wochenende gelun­gen ist, trotz aller Differenzen weiterhin mit ihm im Gespräch zu bleiben.

Die Überhitzungen bei DAX und Euro Stoxx scheinen sich also abgebaut zu haben. Ähnliches gilt für den US-Dollar, der gegenüber dem Euro in der ersten Jah­reshälfte ja immens aufgewertet hat. Von kommender Wechselkursparität war da wochenlang die Rede. Investmentbanken wie Goldman Sachs gaben gar Kursziele von 0,85 Euro für den Dollar aus. Das Ge­genteil aber ist passiert, der Euro hat sich gefangen. Mit zwei Effekten. Der erste: Die Trendumkehr hat den DAX erst mal ausgebremst, war man doch dank des immer billiger werdenden Euro von fantastischen Gewinnschüben bei den Exportunternehmen ausgegangen. Effekt zwei: In den USA ist man inzwischen recht erleichtert, mussten sich die dortigen Exportunternehmen doch immer mehr Sorgen um ihre Wettbewerbsfähigkeit machen. Letztlich gilt für den Dollar, was auch auf den Ölpreis zu- trifft: Dramatische Preis- und Kursänderungen sorgen hier immer auch für dramatische Verwerfungen am Aktienmarkt. Dass sich das Auf und Ab nun beim Öl wie beim Dollar beruhigt hat, ist daher ein gutes Zeichen für die Börsen weltweit.

Also: Es ist ruhiger am Ölmarkt, und es ist ruhiger am Devisenmarkt. Die Politik der Europäischen Zentralbank EZB ist wei-terhin klar expansiv. Ähnliches gilt für die Politik der US-Notenbank — egal, wann die Zinserhöhung nun kommt, scheint doch klar, dass absolut gesehen das Niveau der amerikanischen Leitzinsen langfristig auf richtig niedrigem Niveau bleiben wird. Das Fundament für eine positive Entwicklung der Weltwirtschaft in der zweiten Jahreshälfte ist damit eigentlich gelegt. Und das wiederum dürfte viele überraschen, ging man doch nach den schwachen Zahlen des ersten Quartals — gerade in den USA — bisher eher von einer Abschwächung aus. Die Börsenstimmung — sowohl in Europa als auch in den USA — zeigt dies auch durchaus an. Die Mehrzahl der Anleger ist eher neutral, hat keine Meinung zum weiteren Marktgeschehen oder ist gar pessimistisch — ein Kontraindikator, denn bei Pessimismus gibt es noch Potenzial für Käufe. Für die weitere Entwicklung der Aktienkurse ist das ein gutes Zeichen.