Donnerstag, 30. Juli 2015

In die Falle getappt

Der Börsencrash in China sorgt auch hierzulande für schlechte Stimmung. Dabei ist das Auf und Ab der China-Aktien kein guter Indikator für die Wirtschaft. Da ist ein Blick Richtung USA aussagekräftiger.

Dann jetzt also China! Wenn es derzeit Griechenland (fast) nicht schafft, die Laune der Börsianer zu vermiesen, dann kommt der Stimmungskiller jetzt eben aus Fernost. In Shanghai verlor die Börse allein am Montag 8,5 Prozent. Das war der höchste Tagesverlust seit acht Jahren. Und das macht natürlich auch deutschen Anlegern Sorgen. Nach rund drei Prozent Verlust in der Vorwoche ging es zum Wochenstart mit dem DAX gleich weiter abwärts. Wer zuletzt noch 12 000 Punkte erwartet hat, sieht sich plötzlich mit der 11 000er-Marke konfrontiert. Fast könnte man sagen: Die Bullenfalle im DAX ist kräftig zugeschnappt. 

Doch was ist da los in China? Die dortige Notenbank musste erneut den Markt mit geldpolitischen Lockerungen stützen. Reichlich unorthodox, dieses Vorgehen. Man kann daher fast nicht anders, als vom Aktienmarkt Rückschlüsse auf den Zustand der chinesischen Wirtschaft zu ziehen. Bedarf es etwa auch dort einer groß angelegten Rettungsaktion?

Chinas Einkaufsmanagerindex — ein ganz guter Indikator für die künftige Wirtschaftsentwicklung — sinkt jedenfalls und zeigt, wenn auch knapp, einen Abschwung an. Dass es nicht mehr so gut läuft, signalisieren auch einzelne Unternehmensmeldungen: IBM etwa verzeichnet in China einen Umsatzeinbruch von 40 Prozent, auch Caterpillar berichtet von einem Abwärtstrend der Geschäfte in China. Gleichzeitig aber zeigen die Zahlen zur Industrieproduktion der Volksrepublik nach oben. Das passt alles nicht recht zusammen.

Sicherlich sollte man beim chinesischen Börsendebakel auch berücksichtigen, dass die Märkte in Shanghai und Shenzhen immer noch ziemliche Zockerveranstaltungen sind. Immerhin hatte der Leitindex Shanghai Composite vor dem Crash binnen weniger Monate um 150 Prozent zugelegt. Die Folge war, dass immer mehr Klei-anleger ihr Glück im Markt versuchten und sich für ihre Spekulationen auch noch verschuldeten. Als mit den ersten Korrekturen am Markt alle zum Ausgang drängten, war der Crash nicht mehr zu stoppen.

Fakt ist: Chinas Aktienmarkt hat die Wirtschaft nie besonders gut widergespiegelt. Dass jetzt die Kurse so drastisch fallen, kann zwar auch für die Wirtschaft Folgen haben, vermutlich sind die aber weit geringer als jetzt von vielen befürchtet. Peking mahnt jedenfalls zur Ruhe und will ungeachtet aller Unkenrufe weiter mit sieben Prozent Plus pro Jahr wachsen.

Vermutlich sollten Anleger statt nur ...

Mittwoch, 22. Juli 2015

Offene Türen, offene Zukunft

Die Kurse sind zuletzt gestiegen, das Thema Griechenland scheint abgehakt. Für den Moment jedenfalls. Statt auf die Politik kann man sich jetzt wieder auf wahre Börsennews konzentrieren. Gut so.

Es ist tatsächlich so etwas wie Ruhe eingekehrt am Aktienmarkt. Man kennt das ja gar nicht mehr. Seit Wochen hat offensichtlich allein das Thema Griechenland die Kurse bewegt. Meist nach unten. Derzeit spielt das aber keine Rolle mehr. Und wir lernen daraus mal wieder: So groß das Geschrei um ein Problem auch sein mag, irgendwann wird an der Börse ein Haken drangemacht. Meist schneller, als man zunächst denkt. Was nicht heißen soll, dass uns das Problem der Schulden Griechenlands nie mehr beschäftigen wird. Nein, es wird sicherlich irgendwann wiederkehren, vielleicht heftiger als je zuvor. Wir haben ja schon darüber geschrieben in den vergangenen Wochen.

Wo stehen wir aber aktuell? Griechenland ist erst einmal „gerettet“. Chinas Börse und Konjunktur haben sich stabilisiert — wenn auch letztlich nur mit vehementen staatlichen Eingriffen. Und in den USA wird es in diesem Jahr wohl noch zu einem Anstieg der Leitzinsen kommen. Gleichzeitig sind die aktuellen Quartalszahlen der US-Unternehmen bisher recht gut ausgefallen. Google, Netflix, Intel, General Electric — alle gut, trotz des starken Dollar. Sogar die Banken überzeugen wieder: Sowohl JP Morgan als auch Bank of America und die Citigroup lieferten Zahlen, die besser ausfielen als erwartet.

Reicht diese Gemengelage also für weiter steigende Kurse? Klar ist: Die Börse ist ...

Mittwoch, 15. Juli 2015

Flucht vor der Realität

Das Auf und Ab an der Börse wird weiterhin vom Thema Griechenland bestimmt. Die Einigung über ein neues Hilfsprogramm sorgt zu Wochenbeginn für steigende Kurse. Die Sorgen jedoch, die bleiben.

Krise gelöst? Griechenland und der Rest der Eurozone haben sich vergangenes Wochenende auf ein neues Hilfsprogramm geeinigt. Das monatelange Hin und Her ist damit beendet. Zumindest für den Moment. An der Börse ging es denn auch erst mal nach oben. Doch hat das Bestand? Sind die Kurse nun mittelfristig wieder „eingenordet“ und auf Rallykurs?

Die beschlossenen Maßnahmen sind jedenfalls umfangreich und deutlich härter als zuvor: Griechenland muss liefern, bevor neues Geld fließt. Dass ein Treuhandfonds für Privatisierungen eingerichtet wurde, ist für Griechenland vielleicht demütigend, aber die harte Linie scheint absolut notwendig zu sein — man denke an die vorangegangenen Rückzieher und Zaudereien. Die will man wohl ein für alle Mal vermeiden. Von einem Vertrauensverhältnis zwischen den „Kontrahenten“ kann wirklich keine Rede mehr sein.

Ob die Maßnahmen die Krise nun aber dauerhaft lösen, sei dennoch dahingestellt. Papier ist geduldig. Und Gesetze, so sie denn beschlossen werden, müssen letztlich auch konsequent umgesetzt werden. Das wird dauern. Lange dauern. Die angedachten Reformen in der Verwaltung und am Arbeitsmarkt sind drastisch, und es wäre naiv zu glauben, dass es hier nicht zu Reibungsverlusten kommt. 
 
Und genau das ist das Problem: Wer bitteschön kann und will beruhigt in ein Land investieren, in dem die Grundfesten derart erschüttert sind? In dem die Wirtschaft komplett zum Erliegen gekommen ist. In dem es an Rechtssicherheit fehlt. In dem die Banken dringend rekapitalisiert werden müssen. In dem die Banken in Sachen Zahlungsverkehr erst mal wieder verlässlich und dauerhaft funktionieren müssen. Ohne private Investitionen aber kann es in Griechenland nicht vorangehen. Nicht mit neuen Arbeitsplätzen und nicht mit Steuereinnahmen.

Auch politisch ist keine Stabilität vorhanden. Die Regierung muss auf die Stimmen der Opposition setzen, um die Gesetze im Parlament zu beschließen. Wie lange wird das gut gehen? Griechenlands Arbeitsminister Panos Skourletis, ein Vertrauter von  Premierminister Alexis Tsipras, erklärt offen, dass er mit Neuwahlen noch in diesem Jahr rechnet. Behält er recht, dann drohen noch viel länger Stillstand und noch viel mehr Chaos in Griechenland. 

Die Lösung, die in Brüssel vereinbart wurde, ist eine politische Lösung, das ist klar. Die Eurozone wird zusammengehalten auf Teufel komm raus — wenn auch angeblich nicht um jeden Preis. Wer Alternativen anspricht, etwa einen (temporären) Grexit, bekommt ...

Dienstag, 7. Juli 2015

Die Zuspitzung der Zuspitzung

Die Hängepartie an den Börsen dauert an. Ebenso die Hängepartie um Griechenland. Die Lage könnte sich indes derart zuspitzen, dass ein Austritt des Landes aus der Eurozone unvermeidlich wird.

Kommt er jetzt, der Abschied Griechenlands aus der Eurozone? Das Referendum am vergangenen Sonntag war eindeutig: Der Rückhalt für die Politik der Regierung Alexis Tsipras ist groß. Nur, wer wusste denn wirklich, über was da abgestimmt wurde? Der Stimmzettel, so hört man, soll nicht wirklich erhellend gewesen sein. Und wer weiß denn, was der Premier und sein neuer Finanzminister Euclides Tsakalotos aus dem klaren Ergebnis nun machen und was sie wirklich wollen? Der Worte sind viele. Das war ja auch schon in den vergangenen Wochen so. Nur dass auf die Reden keine echten Taten folgten, sondern Fluchten vom Verhandlungstisch. Bleibt das auch weiterhin so?

Die Griechen brauchen Geld. Das bleibt auf jeden Fall so. Sie werden sich also auch weiterhin um eine Finanzierung bemühen (müssen). Dafür — das weiß jeder Hausbauer und jeder, der einen Privatkredit braucht — muss man mit den Kreditgebern Konditionen aushandeln. Zinsen, Laufzeit, Sicherheiten. So etwas kann schmerzhaft sein, man muss zu Konzessionen bereit sein. Einer, der ein Haus baut, tut das in der Regel. Doch was ist mit der Regierung Tsipras? Ist die jetzt nach dem Referendum zu Konzessionen bereit? Vielleicht auch, weil der doch arg polarisierende Yanis Varoufakis seinen Ministerhut (oder besser: Motorradhelm) genommen hat?

Fragen über Fragen. Klar ist, dass es etlicher Strukturreformen in Griechenland bedarf. Dringend. Hier ist aber bisher nichts passiert. Im Gegenteil, es ist alles noch viel schlimmer geworden. Steuereinnahmen gibt es so gut wie keine, und das griechische Volk bunkert das Ersparte längst im Ausland. Die Vermutung liegt nahe, dass es der Regierung letztlich immer darum gegangen ist, die Lage stets weiter eskalieren zu lassen, um damit einen Schuldenschnitt zu erzwingen. Man muss befürchten, dass sich an dieser Absicht nichts geändert hat.

Doch wie geht es nun weiter? Das Hilfsprogramm der Europäischen Union ist jedenfalls ausgelaufen. Die Europäische Zentralbank EZB leistet zwar noch Notkredite, hat aber durchblicken lassen, dass dies schon rechtlich gesehen nicht mehr lange so weitergehen darf. Fakt ist auch, dass ein ...

Donnerstag, 2. Juli 2015

Zuspitzung einer Krise

Die Griechenland-Posse scheint kein Ende zu nehmen. Das Referendum am Wochenende könnte jedoch zur entscheidenden Weichenstellung führen. Doch bis dahin gilt: Vorsicht am Markt!

Damit haben wohl die wenigsten gerechnet: Die Eurozone hat am vergangenen Wochenende Ernst gemacht — neue Hilfen für Griechenland gibt es nicht. Basta. Die Banken in Griechenland sind seither dicht, jeder Grieche kann pro Tag maximal 60 Euro am Bankautomaten abheben, und Überweisungen ins Ausland sind durch strikte Kapitalverkehrskontrollen nicht mehr möglich. Ein Paukenschlag. Entsprechend unruhig reagierten die Börsen: Der DAX verlor am Montag in der Spitze fünf Prozent, der Euro legte gegenüber dem Dollar deutlich zu. Und auch am Dienstag, Mittwoch Und Donnerstag Vormittag blieb es unruhig. Jedoch blieb der teils befürchtete Crash aus.

Doch wirklich vorbei ist die Posse nicht. Einerseits, weil Griechenland am Wochenende ein Referendum über die Zukunft des Landes im Euroraum abhalten will, andererseits, weil seitens der anderen EU-Länder auch weiterhin Gesprächsbereitschaft signalisiert wird. Zudem ist Griechenland offiziell (noch) nicht pleite, obwohl das Land die am Dienstag fällige Kreditrückzahlung an den IWF in Höhe von 1,6 Milliarden Euro nicht leisten konnte. Es wird zwei, drei Wochen dauern, bis der Internationale Währungsfonds die fehlende Zahlung bestätigt hat. Und wer weiß: Vielleicht öffnet sich bis dahin ja noch ein Türchen, und jemand zahlt die Rechnung. Schaut man zurück auf die enervierenden Verhandlungen der vergangenen Monate, scheint dies nicht unmöglich, so absurd es auch erscheinen mag.

Das Referendum am Wochenende könnte indes eine Weichenstellung bringen. Entscheidet sich das Volk gegen die Regierung Tsipras, dürfte dieser die längste Zeit Regierungschef Griechenlands gewesen sein. Dann dürfte es zu Neuwahlen kommen und daran anschließend vermutlich zu neuen Verhandlungen innerhalb der EU um das Schuldenproblem des Landes zu lösen. Fällt der Entscheid jedoch pro Tsipras aus, dann dürfte ein Grexit, ein Austritt des Landes aus der Eurozone, nicht mehr zu vermeiden sein. Doch egal, was dabei herauskommt, es bleibt eine Hängepartie, und Investments an der Börse sind derzeit höchst unsicher und nur hartgesottenen Spekulanten zu empfehlen.

Das Crash-Risiko scheint dennoch gering. Das Drama um Griechenland ist im Vergleich zur Finanzkrise 2008 weit weniger komplex. Zu einer Bankenkrise wie damals sollte es nicht kommen. Die Rettungsinstitutionen und die Zentralbanken — vor allem die EZB — sind gut gerüstet. Ein Übergreifen der Krise auf andere Länder Südeuropas, wie Spanien, Portugal und Italien, muss man daher ebenfalls nicht fürchten. Das zeigt auch der Anleihemarkt, der in den vergangenen Tagen erstaunlich ruhig geblieben ist.

Das Referendum — egal wie es ausfällt — könnte trotzdem noch einmal für fallende Kurse sorgen. Aus dem ganz simplen Grund, weil dies wieder für Unsicherheit sorgt, und dagegen ist die Börse bekanntlich sehr allergisch. Mittelfristig sind danach aber wieder steigende Kurse drin. Sowohl im Falle eines möglichen Grexit, weil dies die „Rest-Eurozone“ stärken wird, als auch im Fall eventueller Neuwahlen in Griechenland, weil dadurch höchstwahrscheinlich vernünftigere Verhandlungen in Brüssel möglich sein werden.

Auch wenn dies derzeit etwas seltsam klingt und viele EU-Politiker sich derzeit enttäuscht zeigen, aber vielleicht wird man der Regierung Tsipras irgendwann für die  Volksbefragung danken.