Dienstag, 1. September 2015

Eine Frage des Vertrauens

Auch eineinhalb Wochen nach dem Montags-Crash ist die Unsicherheit groß. Es fehlt (noch)an einigen grundlegenden Maßnahmen, die die Märkte beruhigen. Ein vorsichtiger Ausblick.

Die Korrektur in den zurückliegenden Tagen war heftig. Da kommt man schon mal ins Grübeln. Stehen die Börsen etwa am Anfang eines neuen Bärenmarkts? Gibt es Parallelen zu den Anfängen der großen Abschwungphasen der Jahre 2000 bis 2003 und 2008 bis 2009? Oder ähnelt der Kursrutsch doch mehr der Korrektur vom August 2011, als die Griechenland- und Eurokrise ihren Lauf nahm?

Damals vor vier Jahren fanden die Aktienmärkte ja einen Boden und die Kurse kletterten weiter — wenn auch nach etlichen Wochen, die geprägt waren von heftigem Hin und Her. Dass das so war und die Kurse 2011 wieder Fahrt aufnahmen, lag an mehreren Ereignissen, die den Markt beruhigten. In Europa beispielsweise fand die Politik Mittel und Wege, die Probleme um Griechenland (zumindest zeitweise) aus dem Weg zu räumen. In den USA wiederum raufte man sich im Kongress zusammen und erhöhte die Schuldenobergrenze, die „Debt Ceiling“, um die Handlungsfähigkeit der Regierung weiter zu ermöglichen, und last, not least startete die Notenbank Fed die „Operation Twist“, mit der die Märkte mit zusätzlicher Liquidität versorgt wurden. Von nichts kommt eben nichts. 

Und dieses Mal? Was könnte dieses Mal die Märkte beruhigen? Vermutlich mehr Klarheit, was die Zinswende in den USA angeht. Und ökonomische Daten, die diese Zinswende auch rechtfertigen. Das gerade zu Ende gegangene Notenbanker-Treffen in Jackson Hole in Wyoming hat da allerdings nicht recht geholfen. Vielmehr wurden die Spekulationen angeheizt, dass die Zins­erhöhung vielleicht schon im September statt erst im Dezember stattfinden wird.

Tatsächlich helfen könnten auch weitere Zinssenkungen und konjunkturstützende Maßnahmen in China, wo der Kursrutsch auch zu Wochenbeginn noch mal munter weiterging. Und helfen könnte vor allem, wenn das Weltwirtschaftswachstum nun endlich anspringen würde. Doch gerade was Letzteres angeht, ist die Skepsis groß. Vielleicht zu groß? Theoretisch wie praktisch müssten die vielen weltweiten Stimulierungsmaßnahmen der Notenbanken doch endlich zu greifen beginnen.

China scheint derweil ein großer Risikofaktor zu sein. Vergleicht man die Abwertung der Landeswährung Renminbi mit der Russland-Krise im Jahr 1998 kann einem — auf den ersten Blick — angst und bange werden. Der Rubel wertete damals um 70 Prozent ab. An den Aktienmärkten kam es parallel zu einem Crash — der S & P 500 beispielsweise verlor 20 Prozent.

Das muss jetzt so drastisch nicht kommen, obwohl China durch seine schiere Größe ein ungleich wichtigerer Player für die globale Weltwirtschaftsordnung ist, als es Russland damals war. Bedingung für eine glimpfliche Entwicklung ist daher eine geordnete Abwertung des Renminbi, die China eine ausgeglichenere Leistungsbilanz ermöglicht. Und wie zuvor geschrieben: Dafür braucht es ein Anspringen des Weltwirtschaftswachstums! Jener Punkt also, an dem gerade so viele (ver)zweifeln. 

Vorsicht scheint also angebracht. Aber auch nicht zu viel. Denn die Notenbanken werden es vermutlich nicht dazu kommen lassen, dass es zu richtig dramatischen Einbrüchen an den Märkten kommt. Ob dieses Dauerintervenieren in die Wirtschaftszyklen langfristig nun sinnvoll ist oder nicht, sei dahingestellt. Die kommenden Wochen dürften also schwankungsintensiv bleiben. Ein Crash wird eben nicht einfach so binnen weniger Tage abgeschüttelt. Dennoch: Bis Jahresende dürften die Kurse wieder klettern.

Kommentare:

  1. Werfen Sie doch mal einen Blick auf die Rohstoffpreise und verkünden Sie dann, dass alles gut wird! Öl, Eisenerz, Nickel, Kupfer, usw. – das sind doch Preise wie sie vor dem Crash 2008 erlebt haben…. Wie soll da die Weltwirtschaft wieder anspringen? Jedenfalls nicht, indem China weiter abwertet, denn das würde die Rohstoffpreise ja nur weiter drücken und die Lage in den rohstoffexportierenden Ländern sowie Ländern, die mit China wirtschaftlich eng verflochten sind, nur weiter verschlechtern. Das würde vielmehr eine Abwärtsspirale auslösen. Und die Länder, die davon nicht betroffen sind, weil sie von sinkenden Rohstoffpreisen profitieren, sind eher in der Unterzahl. Mir fallen da eigentlich nur die USA, Indien und Vietnam ein. Europa vielleicht auch, aber hier wird via Sparpolitik ja aufs Bremspedal getreten. Und damit könnte sich die Lage auf den Aktienmärkten sogar weiter zuspitzen und nicht wie sie glauben, die Kurse wieder klettern.

    Hinzu kommt, da die USA ja profitieren, könnte die Fed am Ende die Zinsen doch anheben, was zur Folge hätte, dass aus den Schwellenländern noch mehr Kapital abfließt. Eine fatale Situation, die geradezu nach „Crash“ riecht!

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  2. Also ich sehe auch eher Chancen auf weiter steigende Kurse. Auf Sicht von bis zu 6 Monaten würde ich keine Wette eingehen. Aber auf Sicht von einigen Jahren erwarte ich noch viel höhere Kurse bis wir wieder eine echte Euphorie sehen.

    @Komodo: Bis 2008 hatten wir eine Rohstoffhausse oder sogar eine Rohstoffblase. Dass die Rohstoffpreise seitdem sinken hat nicht nur etwas mit der Nachfrage zu tun, sondern auch damit, dass die Spekulanten ihre Rohstoffengagements abbauen. Um 2008 herum wurden ja auch gerne Kleinanlegern Rohstofffonds angedreht.
    Und die Vergangenheit (z.B. 1980, 1990 bis zum Neuen Markt) zeigen einem, dass Rohstoffpreise nicht viel mit der Börsenentwicklung gemein, vielmehr sehe ich hier zwei getrennte Zyklen. (vielleicht könnte ab 2025 wieder eine Investition in Gold und Rohstoffe interessant werden).

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  3. @ Stefan:

    Ich glaube nicht, dass Spekulanten über einem Zeitraum seit 2011 die Rohstoffpreise gegen das Gesetz von Angebot und Nachfrage derart manipulieren können. Nein, China steckt in einer Krise. Und das trifft die rohstoffexportierenden Länder wie eine Faust aufs Auge. Schauen Sie sich nur den Absturz des Australischen Dollar oder des Brasilianischen Real an. Oder stecken da auch nur alles „Spekulanten“ dahinter?

    Und was das zweite Argument betrifft: Die Rohstoffhausse hat erst dafür gesorgt, dass sich Indizes wie DAX und Dow in solche Höhen aufschwingen konnten wie sie sich heute befinden. Vielen rohstoffexportierenden Staaten hat er damit auch erst den Wohlstand beschert, mit dem sie sich westliche Güter leisten konnten. Ist die Rohstoffhausse nun zu Ende, ist anzunehmen, dass es mit dem Wohlstand dort auch zu Ende geht und damit ebenso die Leitindizes auf ein Niveau wie Ende der 90er zurückgehen werden, d.h. der Dow dürfte dann so auf 8000 sinken, der DAX etwa auf 5000.

    Es könnte aber auch noch schlimmer kommen, etwa so wie Marc Faber es nach dem Crash 2008 formuiert hat; siehe die einleitenden Worte zu folgendem Video:

    Financial System (Piano Version):
    https://www.youtube.com/watch?v=q9OnafPmBUI

    ;-)

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