Dienstag, 27. Oktober 2015

Nachhilfe für die Finanzmärkte

Der Börsenmonat Oktober ist schon fast vorbei. Und er endet, wie er angefangen hat – mit Gewinnen. Und es gibt einige gute Gründe, weshalb es im November genauso weitergehen kann.

Wir hatten es ja kommen sehen. Schon in der Vorwoche deutete alles darauf hin, dass die Europäische Zentralbank EZB den Börsen ordentlich Dampf machen wird. Und so war es dann auch. Notenbankchef Mario Draghi war bei der routinemäßigen Pressekonferenz alles andere als routinemäßig verklausuliert. Nein, er machte keinen Hehl daraus, wie unzufrieden er mit der Entwicklung von Konjunktur und Inflation im Euroraum ist. Sein Fazit: Da muss mehr passieren, da muss mehr nachgeholfen werden. Die bisherigen Aktionen der EZB, etwa das Anleihekaufprogramm, reichten einfach nicht aus.

Spätestens zur übernächsten Sitzung der EZB im Dezember dürfte Draghi konkrete Maßnahmen verkünden. Für Anleger hat diese Info schon gereicht — an der Börse ging es schon während der EZB-Pressekonferenz postwendend nach oben. Steil nach oben. Inzwischen ist sogar fast schon die 11 000-Punkte-Marke in Reichweite des DAX. Die Untergangsstimmung vom September scheint komplett vergessen, die Jahresendrally läuft. Und wie sie läuft.

Was letztlich nicht nur an Draghi liegt, sondern auch an guten Nachrichten aus der Wirtschaft. Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft beispielsweise hat sich im Oktober nur leicht eingetrübt — der Ifo-Geschäftsklimaindex sank nur leicht und die Geschäftserwartungen legten sogar überraschend zu. Da hatte man deutlich Schlimmeres erwartet. „Die deutsche Konjunktur zeigt sich erstaunlich widerstandsfähig gegenüber den vielfältigen Herausforderungen des Herbstes“, betonte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn.

Damit nicht genug, auch aus Fernost kamen gute Gründe für die steigenden Kurse: Gerade mal einen Tag nach Draghis deutlichen Worten zeigte sich die chinesische Notenbank ebenfalls unzufrieden mit der konjunkturellen Entwicklung — und senkte schwuppdiwupp den Leitzins weiter. Apropos China: Da werden gerade die Weichen für den neuen Fünfjahresplan gestellt, den insgesamt dreizehnten. Laufzeit: 2016 bis 2020. Und da darf man so einiges erwarten, ein gigantisches Paket dürfte geschnürt werden, bestehend aus Konjunkturprogrammen und anderen staatlichen Aktionen, die den chinesischen Konsumenten und Unternehmen mehr Möglichkeiten eröffnen sollen.

Peking wird wohl alles tun, um das Land auf Kurs zu halten — egal, was es kostet. Denn für die nötige Liquidität wird die Notenbank schon sorgen. „Freibier für alle, der Deckel wird richtig voll werden“, kommentiert Robert Halver, Kapitalmarktexperte der Baader Bank, das voraussichtlich ungezügelte Agieren der Chinesen.

So sieht es also aus: Draghi ist am Drücker, die Chinesen auch, und die Amerikaner, tja, die dürften auch weiterhin von der schon so lange angedachten Zinserhöhung absehen — am Donnerstag tagt die US-Notenbank. Zu schwach waren die Inflationsdaten zuletzt ausgefallen und zu gering die Auftragseingänge für langlebige Güter. Man wird den Zinsschritt weiter aufschieben. Wobei es angesichts der europäisch-chinesischen Maßnahmen vermutlich gar nicht weiter ins Gewicht fiele, sollten die Amerikaner demnächst doch die Zinsschraube nach oben drehen.

Die viel beschworene Jahresendrally läuft also. Und es sieht so aus, als ob man den einen oder anderen Rücksetzer zum Einstieg nutzen sollte — wenn man denn nicht schon seit vergangener Woche wieder dicke investiert ist.

Mittwoch, 21. Oktober 2015

Das bisschen Geplänkel

Nimmt die Jahresendrally Fahrt auf? Optimisten sagen Ja, Pessimisten monieren dagegen einen false Break, der nicht lange Bestand haben werde. Was das alles zu bedeuten hat

Das sieht doch gar nicht so schlecht aus. Der DAX scheint sich über der 10 000er-Marke festzusetzen. Mit den schon zum Wochenstart erreichten 10 200 Punkten wurde zudem der höchste Stand seit vier Wochen markiert. Optimisten gehen jetzt von weiter steigenden Kursen aus, Pessimisten warnen vor einem Fehlausbruch nach oben, der bald korrigiert werde, schön nach dem alten Tradermotto: „False breaks are followed by fast moves.“ In diesem Fall nach unten.

Doch der Reihe nach: Die Gründe für die zu Beginn der Woche recht gute Stimmung sind ja nur teilweise neu. Da ist die Hoffnung auf anhaltend niedrige Zinsen in den USA. Die Daten zur US-Konjunktur suggerieren das ja schon seit Längerem. Zusätzlich ist da die Hoffnung auf eine weitere geldpolitische Lockerung seitens der Europäischen Zentralbank EZB. Darauf spekuliert man ja auch schon seit einiger Zeit, allerdings hat sich nun zum ersten Mal ein EZB-Ratsmitglied recht dezidiert dazu geäußert: „In meinen Augen ist es offensichtlich, dass wir eine Reihe von zusätzlichen Instrumenten brauchen“, sagte vergangene Woche Ewald Nowotny im Hinblick auf die immer noch bestehenden Deflationsgefahren. Das Schlüsselwort dürfte dabei „zusätzlich“ sein.

Spätestens am Donnerstag, könnte es den erhofften zusätzlichen Auftrieb für den Aktienmarkt geben, tagen doch die Mitglieder des EZB-Rats um den Chef-­Notenbanker Mario Draghi. Möglich ist eine Ausweitung oder auch eine zeitliche Verlängerung des Wertpapierankaufprogramms. Oder es gibt zumindest weitere Andeutungen, auf dass dann weiter gehofft und spekuliert werden kann.

Das Zinsthema hat es denn auch geschafft, andere News zu verdrängen. Wer hat denn schon so richtig mitbekommen, dass das griechische Parlament ein neues Sparprogramm durchgewunken hat. Vom einstigen medialen Dauerthema ist nicht viel übrig geblieben, obwohl die Nachrichten, die zuletzt aus Griechenland kamen, tendenziell alle eher positiv für die Gesundung der dortigen Wirtschaft und für die Beruhigung der Gemüter auf dem ganzen Kontinent waren und sind.

Neben Griechenland gab es auch wichtige Neuigkeiten aus Fernost. Von dort wurden eher schwache Konjunkturdaten vermeldet. Das Wachstum liegt nicht mehr bei „plus sieben und mehr“, wie es die Zentralregierung in Peking vorgegeben hatte, sondern nur noch bei „plus sechs und mehr“. Um exakt zu sein: bei 6,9 Prozent. Einen Börsenkommentator im amerikanischen Fernsehen verleitete dies zu der Feststellung , man habe die Zahlen aus dem Reich der Mitte ja ohnehin nie für bare Münze genommen. Also sei das alles gar nicht so entscheidend.

Doch wie auch immer: China dürfte die Konjunktur mit weiteren Maßnahmen stützen (müssen). Und auch das ist positiv für die weitere Börsenentwicklung. Weltweit. Mögliche langfristig negative Folgen mal außen vor gelassen.

Das Momentum spricht also durchaus für Aktieninvestments, für die viel beschworene Jahresendrally. Dafür ist es aber unbedingt notwendig, dass nun bald eine wichtige charttechnische Hürde geknackt wird — was inzwischen der Fall ist: Die 10 200er-Marke spielte da die entscheidende Rolle. Wird sie überwunden, dürfte es weiter hoch gehen bis wohl zu mindestens 10 500 Punkten. So hoch notierte der deutsche Aktienleitindex zuletzt im September.

Mittwoch, 14. Oktober 2015

Krise und Krisenbewältigung

Die Hoffnung auf eine Jahresendrally kommt wieder auf. Der Start in den Börsen-Oktober macht Mut. Entscheidend wird aber sein, ob in der Berichtssaison gute Zahlen geliefert werden.

Krise, Krise, Krise. Wo man auch hinschaut: Krise. Da wäre einmal China — offensichtlich im Dauerstress, nachdem zuletzt Exporte und Importe erneut zurückgegangen sind und infolgedessen die Wachstumsaussichten weiter nach unten korrigiert wurden. Hierzulande wiederum macht VW Sorgen. Da gibt es noch jede Menge aufzuarbeiten, wie auch bei der Deutschen Bank, die einen hohen Quartalsverlust vermeldete. In den USA wiederum belastet neben nicht mehr ganz so guten Konjunkturdaten vor allem immer wieder das Dauerthema Zinswende, wann auch immer diese nun kommen mag. Und nicht zu vergessen: Europa muss ja auch noch eine „Flüchtlingskrise“ stemmen.

Naturgemäß haben diese Krisen auch Einfluss auf die Kapitalmärkte. Allerdings, und auch das liegt in der Natur der Sache, haben die Märkte die Tendenz, solche Krisen weit schneller abzuarbeiten, als diese (gefühlt) anhalten. Gut zu sehen ist das im laufenden Börsenmonat Oktober. Krisen hin oder her — selten hat sich der Herbstmonat am Aktienmarkt so gut angelassen wie in diesem Jahr. An der Wall Street etwa spricht man vom besten Start in den Oktober seit 1938. In der Vergangenheit war ein derart starker Beginn im Oktober meist ein gutes Zeichen für weiter steigende Kurse.  Eine Jahresendrally — so unglaublich das für viele Ohren vielleicht klingen mag — scheint im Bereich des Möglichen. 10 200 Punkte sind beim DAX indes eine mächtige Hürde. Gelingt tatsächlich der Sprung -darüber, dann sind aus charttechnischer Sicht 10 400 und vor allem 10 650 Punkte weitere massive Widerstandszonen.

Eine mögliche Jahresendrally also. Und das trotz besagter Krisen. Der IWF hat das nicht so rosige Szenario ja auch gerade bestätigt und die Wachstumsprognosen zurückgenommen. So soll die Weltwirtschaft 2015 statt um 3,3 nur noch um 3,1 Prozent wachsen und 2016 statt um 3,8 lediglich um 3,6 Prozent. Und trotzdem steigen die Börsen. Man ahnt ja schon warum. Vermutlich, weil die Erwartung ist, dass die Liquiditätsschwemme der Notenbanken weiter anhalten wird. Denn diese können scheinbar auch gar nicht anders. Angesichts der schwächeren Konjunkturerwartungen nimmt nämlich prompt auch wieder der Deflationsdruck zu. Und das will man ja auf gar keinen Fall.

Ergo könnte es noch mehr Geld geben, vielleicht ja von der Europäischen Zentralbank EZB. Da mag es einem schon etwas schwindelig werden. Aber es ist, wie es ist: Eine Rückkehr der Geldpolitik zur Normalität scheint immer noch nicht möglich. Ob diese Art des Agierens allerdings tatsächlich hilft — man darf zweifeln. Die japanische Notenbank etwa ist führend in Sachen Liquiditätsvervielfachung. Und trotzdem ist Japan im zweiten Quartal in die Rezession gerutscht. Und für das dritte Quartal sieht es ebenfalls mau aus.

Das Hoffen auf eine Jahresendrally wird aber nicht nur von den Notenbanken abhängen, sondern auch von den neuesten Zahlen der Unternehmen. In den anstehenden Wochen kommt nämlich die Berichtssaison für das zurückliegende dritte Quartal so richtig in Schwung. Dies Woche berichten die US-Banken JP Morgan, Bank of America, Goldman Sachs und Wells Fargo. Das ist spannend, weil sich die Frage stellt, inwiefern sich gerade das schwächere Handelsgeschäft in den Bilanzen niederschlägt. Dazu gibt es Zahlen von Intel und General Electric, allesamt wegweisend für die US-Indizes und wegweisend für die Krise und ihre Bewältigung.