Dienstag, 29. Dezember 2015

Mit Optimismus geht’s besser

Der DAX beendet das Jahr im Plus. Die Schwankungen waren jedoch hoch in den zurückliegenden Monaten. Und damit auch der Stress für Anleger. 2016 dürfte in dieser Hinsicht nicht leichter werden.

Das Jahr ist rum. Turbulent war’s. Auf neue fantastische DAX-Rekorde im Frühjahr folgte ein herber Absturz im Sommer und darauf wiederum eine recht holprige Herbstrally. Und turbulent dürfte es 2016 weitergehen. Ursachen dafür gibt es genug. Grob eingeordnet sind es „weltpolitische“ und „geldpolitische“ Gründe. Summa summarum jedoch, um das Fazit vorwegzunehmen, scheinen weitere DAX-Gewinne nicht unrealistisch. Ob „Buy and Hold“ das ganze Jahr über funktioniert, das dürfte jedoch fraglich sein.

Doch der Reihe nach: Was die Weltpolitik angeht, waren es im zurückliegenden Jahr vor allem der russisch-ukrainische Konflikt sowie die Griechenland-Krise, die sich als größte Belastungsfaktoren für die Börsen herausstellten. Doch damit nicht genug. Die Welt ist insgesamt gefährlicher geworden. Im Verlauf des Jahres ist Syrien als akuter Brandherd hinzugekommen, dazu die allgemein weltweit gestiegene Terrorgefahr. Dies könnte 2016 zu einer großen Belastung für Konsum, Investitionen, den Welthandel werden. Und damit auch für die Märkte. Dazu kommt die Flüchtlingskrise, die zum ganz großen Stresstest für die EU geworden ist. Und nicht zu vergessen: das anstehende Referendum in Großbritannien über den Verbleib in der Europäischen Union.

„Geldpolitisch“ ist die Gemengelage auch nicht leichter. Die US-Notenbank Fed hat erstmals seit 2008 die Zinsen erhöht und wird 2016 weitere Anhebungen folgen lassen — fragt sich nur in welcher Dosierung. In Europa dagegen wird weiterhin eine lockere Geldpolitik verfolgt.

Die Gefahr dieser Mixtur sind mögliche hektische Geldabflüsse aus den Schwellenländern, was wiederum zu Turbulenzen auf den Devisen- und Aktienmärkten insgesamt führen könnte. Bislang ist dies jedoch nicht der Fall. Im Gegenteil: Seit dem US-Zinsschritt Mitte Dezember ist es wieder ruhiger geworden an den Märkten. Vielleicht ist die Zinswende zu einem Großteil doch schon in den Notierungen „eingepreist“. Oder Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Bremer Landesbank, hat recht mit seiner Einschätzung, dass es in den USA keine massive Zinserhöhung geben wird, sondern nur ein „Zinswendchen“.

Schwer einzuschätzen ist indes die wirtschaftliche Entwicklung Chinas...

Dienstag, 15. Dezember 2015

Das Warten hat ein Ende

Der Zinsentscheid der US-Notenbank unter Fed-Chefin Janet Yellen wird kurz- und mittelfristig den Börsen die Richtung vorgeben. Ob nach oben oder unten, ist indes höchst ungewiss.

Es ist soweit. Endlich, mag man anfügen. Die Entscheidung der US-Notenbank Fed, was die künftige Zinspolitik angeht, fällt parallel zum Erscheinungstag der neuen BÖRSE ONLINE - zumindest die Abonnenten haben das Heft dann schon in der Hand. Mittwochabend um 20:30 Uhr steht die Pressekonferenz an. Vielleicht haben ab dann ja auch die Wochen der Kurskapriolen ein Ende. Die der 1000-Punkte-Bewegungen, die so schnell direkt hintereinander mal rauf, mal runter laufen. Vielleicht gibt es ab sofort so etwas wie "Planungssicherheit" - nun ja, wenn es so etwas an der Börse je gab.

Die "Notenbankwochen" gehen jedenfalls zu Ende, wie dies Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank, so treffend ausgedrückt hat. Die Europäische Zentralbank EZB hatte zu Beginn des Monats ja damit angefangen -und die Akteure am Markt durch ihre relative Untätigkeit auf dem falschen Fuß erwischt. Es folgten die Bank of England und die Schweizer Notenbank -die sich beide mit absoluter Untätigkeit hervortaten. "Abwarten und Tee trinken" hieß da wohl die Devise. Oder besser: "Erst mal sehen, was die liebe Frau Janet Yellen und die Fed machen."

Für Anleger -wenn es sich nicht gerade um Trader handelte - war Abwarten sicher kein falscher Rat für die zurückliegenden Wochen. Ab Donnerstag gilt es dann aber; ab dann könnte man sich wohl wieder aus der Deckung wagen. Die Reaktion auf die Entscheidung der Fed und vor allem darauf, wie sie von Frau Yellen kommentiert wird, dürfte die Basis sein für die weitere kurz-bis mittelfristige Tendenz an den Börsen. Wie wird sie eine Leitzinserhöhung vermitteln, wenn sie und ihr Komitee sich denn dafür entscheiden?

Zu 100 Prozent ausgemacht ist die viel beschworene Zinserhöhung ohnehin nicht. Manch ein Kommentator findet, dass die Entwicklung der US-Konjunktur dies gar nicht hergibt. Wer auf das eine oder andere Szenario schon vor dem Donnerstag spekulieren will, bitteschön - er soll sich aber nicht wundern, wenn DAX, Dow und der Wechselkurs des Dollar zum Euro vielleicht doch anders reagieren als erwartet. Ein Himmelfahrtskommando. Dabei sollte eigentlich klar sein: An der Börse geht es nicht darum, ständig positioniert zu sein, ob nun Short oder Long, sondern darum, auch mal Hände und Füße stillzuhalten, wenn die Dinge nicht so einfach einzuschätzen sind. Denn wirklich neue Erkenntnisse hat der US-Datensalat in den zurückliegenden Wochen nicht geliefert. Die Neuanträge auf Arbeitslosenhilfe etwa, die bewegten sich zuletzt ungefähr auf dem Niveau der zurückliegenden Monate. Ebenso die Zahlen zur Inflationsentwicklung. Wer mag daraus schon eine Handlungsstrategie ableiten?

Wenn überhaupt, dann könnte man eher zu leichtem Optimismus neigen. Denn aus China -die Wirtschaftswelt besteht ja schließlich nicht aus Europa und den USA allein - kommen wieder bessere Nachrichten. Etwa, was die Industrieproduktion angeht, oder auch was den Einzelhandelsumsatz betrifft, der auch wieder steigt und zuletzt das höchste Niveau dieses Jahres erreicht hat. Und auch in Japan geht es langsam wieder bergauf. Die Tankan-Konjunkturberichte senden positive Signale.

Jetzt liegt es nur noch an Frau Yellen und ihrer verbalen Überzeugungskraft. Was macht die US-Notenbank warum in welcher Intensität? Vielleicht kommt sie dann ja doch noch, die Jahresendrally, die manche schon gar nicht mehr auf dem Zettel haben.

Donnerstag, 10. Dezember 2015

Es kommt so anders, als man denkt

Die Jahresendrally ist unterbrochen. Die zurückliegende EZB-Sitzung fiel anders aus als erwartet und hat zahlreiche Spekulanten aus dem Markt gedrängt - aber auch neue Möglichkeiten eröffnet.

Kühl kalkuliert, so scheint es. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat sich am vergangenen Donnerstag dafür entschieden, die Politik des leichten Geldes zwar fortzuführen, aber das monatliche Volumen nicht auszuweiten. Dafür soll das Programm länger laufen. Ein cleverer Schachzug, denn die europäische Zurückhaltung könnte der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) den Entscheid erleichtern, am 15. und 16. Dezember den amerikanischen Leitzins endlich anzuheben. Eine konzertierte Aktion zwischen den mächtigsten Notenbanken der Welt?

Man könnte es annehmen. Denn die Furcht war ja immer, dass bei einer Erhöhung des US-Leitzinses der Dollar zu schnell zu hoch steigt und damit die Weltwirtschaft ins Wanken bringt - man denke nur an die Dollarverbindlichkeiten etlicher Schwellenländer. Durch Mario Draghis Schachzug am Donnerstag sind diese Sorgen geringer geworden, aber auch die Geldbeutel vieler Spekulanten dünner. Denn für die konzertierte Aktion -so es eine gewesen ist - nahm die EZB ein gerüttelt Maß an Chaos in Kauf: Der Euro beispielsweise kletterte blitzschnell von 1,05 Dollar bis auf fast 1,10 Dollar. Und der DAX stürzte unter heftigsten Schwankungen von 11 300 auf 10 600 Punkte ab. Ein veritabler "Squeeze". Euroleerverkäufer wurden aus ihren Positionen gedrängt, ebenso die Spekulanten, die aus taktischen Gründen übermäßig in DAX-Aktien investiert hatten, um von einer weiteren Euroabwertung indirekt zu profitieren.

Es schien ja auch alles so klar. Noch im Oktober hatte Draghi deutlich weiter gehende Maßnahmen angedeutet, als jetzt umgesetzt werden. Ungewöhnlich für ihn, hatte er doch bislang den verbalen Interventionen immer auch die adäquaten Maßnahmen folgen lassen. Nun hat er wohl ganz bewusst eine Frustration des Marktes in Kauf genommen. Ganz offensichtlich, so hört man aus Notenbankkreisen, auch deswegen, weil ihn Mitglieder des EZB-Rats nicht gewähren ließen.
Für Fed-Chefin Janet Yellen, der man in den vergangenen Monaten immer wieder vorgeworfen hat, den richtigen Zeitpunkt für die Zinswende verpasst zu haben, ist das nun eine Steilvorlage: Sie wird Mitte Dezember nun agieren müssen!

Oder etwa nicht? Was, wenn sie die Zinswende ein weiteres Mal aufschiebt? Der Euro dürfte dann noch weiter steigen, der DAX fallen. Eher unwahrscheinlich, solch ein Szenario. Aber wer weiß? In den USA zeichnete sich in den vergangenen Tagen eine deutliche Erwartungshaltung an die erste Zinserhöhung seit zehn Jahren ab. Was aber passieren kann, wenn die Erwartungen zu hoch sind, das haben wir ja am vergangenen Donnerstag erlebt. Allerdings hat der US-Arbeitsmarktbericht vom Freitag gezeigt, dass der Aufwärtstrend robust ist, immer mehr Amerikaner wieder einen Job finden und auch die Löhne -wenngleich moderat - wieder zu steigen beginnen. Und der Arbeitsmarkt ist neben der Inflationsentwicklung die wichtigste Kenngröße für die Zinspolitik der Fed.

Wir sind trotzdem gewarnt. Zu früh positionieren, das ist gefährlich. Die Jahresendrally ist jedenfalls unterbrochen, aber vermutlich noch nicht beendet. Bis zum Termin der US-Notenbank Mitte des Monats scheint es jedoch unwahrscheinlich, dass sich ein neuer Trend herauskristallisiert. Da ist nun schlicht und einfach Geduld gefragt. Erst am 16. Dezember dürfte die Entscheidung fallen, ob der DAX die Rally wieder aufnimmt oder ob er noch einmal abtaucht.

Dienstag, 1. Dezember 2015

Besser mal die Luft anhalten

Erst die EZB, dann die Fed. Die wichtigsten Notenbanken der Welt geben im Dezember den Takt für die weitere Börsenentwicklung vor. Anleger dürfen vorsichtig optimistisch bleiben.

Die Jahresendrally, wie man sie hierzulande nennt, sie läuft. DAX, MDAX, TecDAX, alles im Plus. In den USA da läuft sie auch, wenn auch unter der etwas poetischeren Bezeichnung „Santa Claus Rally“. Beschert wird — und das ist eigentlich schon Tradition — bereits im November und Dezember, egal ob an den US- oder an den europäischen Börsen. Im Besonderen gilt das auch für dieses Jahr, denn Mario Draghi, der Chef der Europäischen Zentralbank EZB, dürfte am Donnerstag weitere geldpolitische Geschenke verteilen  — zumindest ist das die große Erwartung der Börsianer vor der Sitzung der europäischen Notenbanker. Die Aktienmärkte haben das ja schon vorweggenommen. Es läuft, egal ob unter poetischer oder prosaischer Bezeichnung.

Sollte Draghi tatsächlich die ohnehin expansive Geldpolitik weiter ausdehnen, dann sollte das wohl den Börsen weltweit zugute kommen. Von der versprochenen neuen Liquidität wird dann sicher auch etwas über die anderen Kontinente schwappen. Dass etwas im Kommen ist, das hat Draghi ja schon in den vergangenen Wochen immer wieder und recht explizit angekündigt. Jetzt muss er liefern.

Schafft er es, die Erwartungen zufriedenzustellen, dann sollte auch der nächste anstehende wichtige Termin etwas weniger furchteinflößend sein, als er in den zurückliegenden Monaten immer wieder erschien. Am 13. und 14. Dezember tagen nämlich die Mitglieder der amerikanischen Notenbank Fed, etwas sperrig Offenmarktausschuss genannt, und beschließen — vielleicht — die erste Zinserhöhung seit 2006. So lange ist das schon her.

Es ist indes nicht nur das Hoffen auf die europäische Geldpolitik, die den Börsen Auftrieb verschafft, es sind schlicht auch die besseren Konjunkturdaten. So sind die europäischen Einkaufsmanagerindizes — durchaus zuverlässige vorauseilende Indikatoren für die künftige Wirtschaftsentwicklung — zuletzt klar gestiegen und notieren so hoch wie seit 2010 nicht mehr.

Das ist so gut, dass damit die doch eher negativen Nachrichten aus dem asiatischen Raum überkompensiert werden: Etwa der Smogalarm in Peking, verbunden mit der temporären Schließung zahlreicher Fabriken. Oder die erneuten Razzien bei etlichen Brokerhäusern, denen Manipulationen am Shanghaier Aktienmarkt vorgeworfen werden. Und zu allem Übel auch noch die wieder sinkenden Preise am chinesischen Immobilienmarkt.

Aber das geht eben alles gerade unter in der Euphorie um weiterhin viel billiges Geld — egal welche Notenbank dieses nun bereitstellen mag. Letztlich mag das erfahrenen Börsianern aber auch eine Warnung sein. Denn ob es nun wirklich so einfach weiterläuft an der Börse wie dies zu Jahresbeginn 2015 der Fall war, als die EZB das erste Mal so richtig den Geldhahn aufgedreht hat? Besser wachsam bleiben.

Der DAX jedenfalls hat nun etliche Hürden vor sich. Zwischen 11 600 und 11 900 Punkten ist er im Sommer, als die Börsen weltweit korrigierten, gleich viermal gescheitert, bevor es zum großen Sell-off im August kam. Dieser Bereich knapp unter der 12 000er-Marke ist eine recht ordentliche Hürde und man sollte auf Rücksetzer gefasst sein. Die jedoch kann man zum Nachkaufen nutzen. Denn summiert man die aktuellen Einflussfaktoren auf die Börse auf, kann man eigentlich nur zu dem Schluss kommen, dass die Jahresendrally — oder poetischer Santa Claus Rally — weiterläuft.