Dienstag, 15. Dezember 2015

Das Warten hat ein Ende

Der Zinsentscheid der US-Notenbank unter Fed-Chefin Janet Yellen wird kurz- und mittelfristig den Börsen die Richtung vorgeben. Ob nach oben oder unten, ist indes höchst ungewiss.

Es ist soweit. Endlich, mag man anfügen. Die Entscheidung der US-Notenbank Fed, was die künftige Zinspolitik angeht, fällt parallel zum Erscheinungstag der neuen BÖRSE ONLINE - zumindest die Abonnenten haben das Heft dann schon in der Hand. Mittwochabend um 20:30 Uhr steht die Pressekonferenz an. Vielleicht haben ab dann ja auch die Wochen der Kurskapriolen ein Ende. Die der 1000-Punkte-Bewegungen, die so schnell direkt hintereinander mal rauf, mal runter laufen. Vielleicht gibt es ab sofort so etwas wie "Planungssicherheit" - nun ja, wenn es so etwas an der Börse je gab.

Die "Notenbankwochen" gehen jedenfalls zu Ende, wie dies Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank, so treffend ausgedrückt hat. Die Europäische Zentralbank EZB hatte zu Beginn des Monats ja damit angefangen -und die Akteure am Markt durch ihre relative Untätigkeit auf dem falschen Fuß erwischt. Es folgten die Bank of England und die Schweizer Notenbank -die sich beide mit absoluter Untätigkeit hervortaten. "Abwarten und Tee trinken" hieß da wohl die Devise. Oder besser: "Erst mal sehen, was die liebe Frau Janet Yellen und die Fed machen."

Für Anleger -wenn es sich nicht gerade um Trader handelte - war Abwarten sicher kein falscher Rat für die zurückliegenden Wochen. Ab Donnerstag gilt es dann aber; ab dann könnte man sich wohl wieder aus der Deckung wagen. Die Reaktion auf die Entscheidung der Fed und vor allem darauf, wie sie von Frau Yellen kommentiert wird, dürfte die Basis sein für die weitere kurz-bis mittelfristige Tendenz an den Börsen. Wie wird sie eine Leitzinserhöhung vermitteln, wenn sie und ihr Komitee sich denn dafür entscheiden?

Zu 100 Prozent ausgemacht ist die viel beschworene Zinserhöhung ohnehin nicht. Manch ein Kommentator findet, dass die Entwicklung der US-Konjunktur dies gar nicht hergibt. Wer auf das eine oder andere Szenario schon vor dem Donnerstag spekulieren will, bitteschön - er soll sich aber nicht wundern, wenn DAX, Dow und der Wechselkurs des Dollar zum Euro vielleicht doch anders reagieren als erwartet. Ein Himmelfahrtskommando. Dabei sollte eigentlich klar sein: An der Börse geht es nicht darum, ständig positioniert zu sein, ob nun Short oder Long, sondern darum, auch mal Hände und Füße stillzuhalten, wenn die Dinge nicht so einfach einzuschätzen sind. Denn wirklich neue Erkenntnisse hat der US-Datensalat in den zurückliegenden Wochen nicht geliefert. Die Neuanträge auf Arbeitslosenhilfe etwa, die bewegten sich zuletzt ungefähr auf dem Niveau der zurückliegenden Monate. Ebenso die Zahlen zur Inflationsentwicklung. Wer mag daraus schon eine Handlungsstrategie ableiten?

Wenn überhaupt, dann könnte man eher zu leichtem Optimismus neigen. Denn aus China -die Wirtschaftswelt besteht ja schließlich nicht aus Europa und den USA allein - kommen wieder bessere Nachrichten. Etwa, was die Industrieproduktion angeht, oder auch was den Einzelhandelsumsatz betrifft, der auch wieder steigt und zuletzt das höchste Niveau dieses Jahres erreicht hat. Und auch in Japan geht es langsam wieder bergauf. Die Tankan-Konjunkturberichte senden positive Signale.

Jetzt liegt es nur noch an Frau Yellen und ihrer verbalen Überzeugungskraft. Was macht die US-Notenbank warum in welcher Intensität? Vielleicht kommt sie dann ja doch noch, die Jahresendrally, die manche schon gar nicht mehr auf dem Zettel haben.

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