Dienstag, 29. März 2016

Grausames Hin und Her

Am deutschen Aktienmarkt geht es nicht recht voran. Aber auch nicht zurück. Über eine doch sehr enervierende Seitwärtsphase und was es braucht, um diese endlich zu beenden.

Das erste Quartal des Jahres ist rum. Schwierige Börsenmonate waren das. Der Ölpreis hat eine große Rolle gespielt für die Bewegungen am Aktienmarkt, ebenfalls die Aktionen und Äußerungen der Notenbankverantwortlichen, die so zahlreich wie divergent waren. Am Währungsmarkt ist man auch nervös: Der Yen, der chinesische Renminbi, der US-Dollar — überall große Bewegungen, große Nervosität. Mit entsprechender Rückwirkung auf die Märkte insgesamt.

Doch wie das immer so ist, gehen Phasen, die geprägt sind von großen Bewegungen, gern mal über in Phasen, in denen es eher seitwärts geht. Beim DAX ist das nun schon eine ganze Weile recht gut zu beobachten: Der deutsche Leitindex will einfach nicht über die 10 100 Punkte hinaus, so richtig abwärts geht es aber auch nicht. So ist eine Art Patt entstanden. Das ist richtig enervierend, gerade wenn man versucht, einen Fuß in den Markt zu setzen und dann vielleicht immer wieder auf dem falschen erwischt wird. Für smarte Trader indes ist so eine Seitwärtsphase vermutlich ein großer Spaß: Mal ein paar Hundert Punkte rauf, mal runter.

Von „Richtungssuche“ spricht der Börsianer ganz gern in solchen Zeiten. Aktuell ist diese Situation ja durchaus verständlich. Schließlich hat der DAX sich nach dem  katastrophalen Jahresauftakt gut erholt. Um 15 Prozent ging es seit Mitte Februar zwischenzeitlich nach oben. Da hält man dann eben schon mal inne, um zu schauen, ob das denn so überhaupt Sinn macht.

Dass der DAX die 10 100 Punkte einfach nicht knacken will — zumindest war das bis Redaktionsschluss so —, kann man durchaus negativ interpretieren. Der Widerstand ist enorm, viele wollen in diesem Bereich ihre Aktien loswerden. Man sollte sich also nicht wundern, wenn der DAX in den kommenden Tagen oder Wochen einen weiteren Schwächeanfall erleidet.

So muss es aber nicht kommen, wenn denn die Weltkonjunktur in den April hinein anziehen sollte — allerdings fehlen hierfür derzeit die Signale. Auch die Unternehmensgewinne sollten sich in naher Zukunft verbessern, um neue Argumente für steigende Kurse zu liefern. Schließlich muss sich die lockere Geldpolitik der Notenbanken ja irgendwann und endlich positiv in der Realwirtschaft niederschlagen. Die ganzen Anstrengungen sollen ja nicht nur Selbstzweck sein! L’art pour l’art in der Wirtschaftswelt braucht nun wirklich keiner.

Die Zweifel an der Wirksamkeit der Maßnahmen sind derweil schon recht gewaltig. Um diese zu zerstreuen, müssen die nun anstehenden Wirtschaftsdaten eine Wende zum Positiven andeuten: Etwa die Entwicklung der Verbraucherpreise in der Euro-zone, die statt Deflation nun doch langsam, aber sicher mal das Gegenteil signalisieren sollte. In den USA sind es wiederum die Arbeitsmarktdaten, die — wie immer pünktlich am ersten Freitag eines Kalendermonats — Hinweise darauf liefern, wie robust — oder auch nicht — sich die Lage am Arbeitsmarkt und dadurch auch die Kaufkraft der Amerikaner darstellt. Weil das im Moment vorab aber schwer einzuschätzen ist, ist am Freitag — wie immer — mit heftigen Kursbewegungen zu rechnen. Also vorsichtig sein.

Donnerstag, 24. März 2016

Zupacken geht anders

Der DAX hat Probleme, die 10 000-Punkte-Marke nachhaltig zu überwinden. Zwar hilft die ­weiterhin ­lockere Geldpolitik. Das allein scheint im Moment aber nicht zu reichen. Was es sonst noch braucht.

Zwei wichtige Termine sind durch: Die Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) und das Treffen der amerikanischen Notenbank Fed. Erstere will weiterhin ordentlich Geld in den Markt pumpen. Und Letztere nimmt sich erst mal zurück, was weitere Zinserhöhungen angeht — Folker Hellmeyer von der Helaba sprach ja so passend wie spöttisch vom „Zinswendchen“ in den USA. Wie wahr. Mehr ist das bisher wirklich nicht.

An der Börse geht es seither sehr volatil zu. So recht weiß man mit den beiden Beschlüssen wohl noch nichts anzufangen. Der DAX jedenfalls blieb jetzt doch einige Male bei 10 050 bis etwa 10 100 Punkten hängen und korrigierte zurück in den vierstelligen Bereich. Die 10 000-Punkte-Marke bietet ganz offensichtlich ordentlich Widerstand. Allein die „Alimentierung durch billiges Geld“, so Robert Halver von der Baader Bank, reiche eben nicht aus, um die Kurse jetzt noch weiter anzutreiben. Es bedarf  dann doch dringend des einen oder anderen Signals vonseiten der Konjunktur, das bestätigt, dass all das Bemühen der Notenbanker denn auch etwas bewirkt in der ­Realwirtschaft. Nicht, dass sich die Aktionen als vergeblich herausstellen.

Die EZB bemüht sich zwar, die Wirtschaft durch Förderung der Kreditvergabe anzukurbeln. Doch die Nachfrageseite hinkt nach wie vor hinterher. Die Verbraucher geben zwar mehr Geld aus, und die Konjunkturerholung ist weitgehend auf eben diesen Anstieg zurückzuführen. Doch die Unternehmensinvestitionen stagnieren. Das ist ein Problem. Da die EZB nun so ziemlich ihr ganzes Pulver verschossen hat, ist es zusätzlich auch an den Regierungen, das Wachstum mit anzuregen. Die Regierungen können bereits seit geraumer Zeit zu historisch niedrigem Zins Geld leihen und haben dadurch eigentlich die Möglichkeiten für Investitionen.

Sollte es tatsächlich zu solchen Schritten kommen, dürfte dies helfen; ist doch die Gemengelage bestenfalls gemischt. Positiv ist, dass sich mit dem steigenden Ölpreis und der Stabilisierung der chinesischen Konjunktur zwei Verbesserungen zeigen. Gleichzeitig jedoch drückt die Angst vor einem möglichen Brexit auf die Stimmung, ebenso die Deflation in der Eurozone.

Ebenfalls nicht so toll — zumindest für den deutschen Aktienmarkt — ist die Tatsache, dass nach dem verbalen Rückzug der Fed, was weitere Zinserhöhungen angeht, der Euro aufwertet. Dadurch befürchtet man hierzulande ganz offensichtlich eine Schwächung des deutschen Außenhandels. Eine Art Reflex. Dabei ist der Effekt vermutlich weit weniger schwerwiegend als angenommen. Schließlich war es in der Vergangenheit immer so, dass deutsche Exportunternehmen auch bei weit ungünstigeren Euro-Kursen trotzdem gut abschnitten bei Umsatz und Gewinn.

Was weiterhin für deutsche Aktien spricht, sind die Dividenden. Im DAX haben 24 der 30 Unternehmen ihre Ausschüttungen erhöht. Summa sumarum wird somit die höchste Dividendensumme aller Zeiten ausgeschüttet. Im Schnitt beträgt die Dividendenrendite im deutschen Leitindex inzwischen 3,3 Prozent. In anderen Börsensegmenten ist sogar noch mehr drin: vier, fünf Prozent sind keine Seltenheit — BÖRSE ONLINE wird daher in der nächsten ­Ausgabe pünktlich zum Start der Dividendensaison ausführlich auf die besten Dividendenaktien eingehen.

Mittwoch, 16. März 2016

Lieber Dividenden statt Zinsen

Die EZB hat die Geldpolitik weiter gelockert. Jetzt ist die US-Notenbank Fed mit ihrem Entscheid dran. Viele Gründe, die Zinsen noch mal zu erhöhen, gibt es derzeit nicht. Wie es weitergeht.

Das sieht doch gar nicht so schlecht aus, so wie sich in den zurückliegenden Tagen die Märkte präsentiert haben. Wird ja auch Zeit, dürften Optimisten argumentieren, schließlich halten die Börsenturbulenzen ja schon seit Mitte des vergangenen Jahres an. Die Rückgänge waren stark, je nach Index gab es 20 oder gar 30 Prozent Minus zu verdauen. Doch nun, seit der jüngsten Zinssenkung der EZB, könnte es doch zur erhofften Trendwende kommen. Auch wenn man am Tag der Notenbank-Entscheidung selbst durchaus Zweifel bekommen konnte: 600 Punkte, also gut sechs Prozent, betrug die Tagesspanne am EZB-Donnerstag! Rauf, runter, rauf. Allein das ein Indiz für die unglaubliche Nervosität an den Märkten.

Durch die jüngste Leitzinssenkung hält jedenfalls die Phase der ultralockeren Geldpolitik unverändert an. Verzinsung ist in vielen Bereichen des Anleihemarkts kaum mehr vorhanden. Ganz im Gegenteil: Negativzinsen, so hat es Fondsmanager Jens Ehrhardt berechnet, seien mittlerweile „in Ländern zu finden, die ein Viertel des Welt-Bruttosozialprodukts ausmachen“. Das nutzen natürlich die Emittenten von Anleihen und werfen jede Menge Papiere auf den Markt: Das globale Volumen an ausgegebenen Anleihen ist mit 200 Billionen Dollar mehr als dreimal so groß wie das von Aktien. Das geringere Angebot an Aktien sollte daher mittelfristig für steigende Kurse sorgen, findet Ehrhardt.

Bleibt nur die Frage, wie es mit der Geldpolitik in den USA weitergeht, wo es im Gegensatz zu großen Teilen der restlichen Welt ja zuletzt zu einer Zinserhöhung gekommen ist. Allerdings sind die Argumente für weitere Erhöhungen eher schwach. Dass die Wachstumsrate der US-Wirtschaft im vierten Quartal 2015 von 0,7 Prozent auf ein Prozent nach oben revidiert wurde, ist nicht wirklich ein Indiz für eine überzeugende Beschleunigung des Wachstums. Das ist doch alles eher lauwarm, und das trotz aller lockernden Maßnahmen in den vergangenen Jahren. Schon enttäuschend, dass dies alles nur zur schwächsten Konjunkturerholung der Nachkriegszeit gereicht hat. Wie, bitteschön, kann man in einer solchen Lage weiter an der Zinsschraube drehen? Was würde dies bewirken? Nein, der Notenbank Fed dürfte wohl nichts anderes übrig bleiben, als erst mal die Füße stillzuhalten. Eine Rezession wird man ja wohl nicht riskieren wollen (parallel zum Erscheinungstag dieses Artikels tagt der Ausschuss der Fed).

Die Fed weiß sehr wohl, dass die amerikanische Wirtschaft nicht von der Entwicklung der Weltwirtschaft insgesamt isoliert ist. Die Notenbank dürfte daher eher eine abwartende und beobachtende Haltung einnehmen. Eine Zinserhöhung im März ist somit unwahrscheinlich. Aber man wird vermutlich die Sitzung nutzen, um zu signalisieren, dass man nach wie vor die Absicht hat, die Zinsen noch dreimal dieses Jahr zu erhöhen.

Insgesamt ist das Umfeld für Aktien also nicht schlecht. Die Dividendenrenditen sind hoch, das dürfte Anleger anlocken. Vernünftige Festzinsalternativen gibt es  zudem so gut wie keine. Gleichzeitig sparen die Unternehmen dank der niedrigen Zinsen eine Menge Kosten ein. Die Entwicklung der Realwirtschaft sollte so keinen Grund zur Sorge bieten. Wir bleiben vorsichtig optimistisch.         

Dienstag, 8. März 2016

Das Unmögliche möglich machen

Ach ja, es liegt wieder einmal an EZB-Chef Mario Draghi, den immens hohen Erwartungen der Börsianer gerecht zu werden. Ob das gelingt? Über ein Himmelfahrtskommando.

EZB-Präsident Mario Draghi steht unter Druck. Am Donnerstag tagen die Herren der Europäischen Zentralbank. Dass er dann in Sachen Geldpolitik nachlegen wird, das gilt als ausgemachte Sache. Daher der Druck. Auf Draghi. Aber auch auf die Anleger. Denn wenn Draghi den hohen Erwartungen gerecht wird, weil er an den richtigen Stellschrauben dreht, dann könnte der DAX Schwung bekommen und vielleicht sogar die Marke von 10 000 Punkten überwinden.

Doch wenn ihm dies nicht gelingt, dann könnte es laufen wie im Dezember. Damals hatte Draghi die Erwartungen enttäuscht und für einen Kurssturz gesorgt.

Konsens ist, dass er handeln muss. Denn die Inflation — oder besser: die Gefahr einer Deflation — hat er bislang nicht in den Griff bekommen. Im Gegenteil. Nach den neuesten Daten sind die Preise sogar wieder gefallen — das erste Mal seit einem halben Jahr. Die Inflationsrate ging im Februar auf minus 0,2 Prozent zurück, was vor allem dem massiven Verfall des Ölpreises geschuldet ist — auch wenn der sich mittlerweile erholt hat. Von dem EZB-Ziel, die Teuerungsrate bei etwa 2,0 Prozent einzupendeln, ist man so jedenfalls weit entfernt. „Der EZB-Rat ist fähig, entschlossen und willens zu handeln“, hatte Draghi ja Anfang des Jahres betont. Man werde den geldpolitischen Kurs bis März überdenken. „Wenn wir den Willen haben, unser Ziel zu erreichen, dann haben wir auch die Mittel dazu“, so der Notenbanker.

Doch was will er tatsächlich noch tun? Der Mittel sind ja nicht mehr so viele. Der Leitzins liegt ja schon seit September 2014 bei praktisch null. Und auch der Zins für Einlagen bei der Notenbank steht schon bei minus 0,3 Prozent. Banken, die Geld bei der EZB parken, zahlen also eine Strafe. Denn die sollen nach dem Willen der Notenbanker schließlich das Gegenteil tun und mehr Kredite an Verbraucher und Unternehmen vergeben. Tatsächlich könnte man diesen Strafzins also noch verschärfen, etwa auf minus 0,5 Prozent. Aber ob das die Geschäftsbanken tatsächlich vom Parken abhält?

Die EZB könnte zudem ihre Anleihenkäufe ausweiten. Seit Anfang 2015 kauft sie im großen Stil Staatspapiere der Euroländer und andere Wertpapiere. 60 Milliarden Euro pro Monat. Eine Menge Holz! Das Volumen dieser Ankäufe noch weiter zu erhöhen wäre eine Option. Eine andere, das Programm zu verlängern. Doch ob das auch hilft? Kritiker der EZB-Politik gibt es genug. Auch in den eigenen Reihen, man denke etwa an Bundesbank-Präsident Jens Weidmann.

Problematisch ist das Vorgehen der EZB ja auch deshalb, weil die Bemühungen jederzeit von außen torpediert werden können. Etwa durch eine weitere aggressive Abwertung der chinesischen Währung. Und die ist gar nicht mal so unwahrscheinlich. Denn nach den neuesten Zahlen sind die chinesischen Exporte erneut eingebrochen: um 20 Prozent. Auch die Importe sanken um einen zweistelligen Prozentwert. Peking schmeckt das gar nicht und gibt daher für 2016 kein Wachstumsziel für den Außenhandel mehr bekannt! Gleichzeitig wird man nicht müde zu betonen, dass man ja inzwischen auch andere Ziele habe, man will ja nicht mehr allein „Werkbank der Welt“ sein, sondern durch stärkeren Binnenkonsum wachsen. Nur wie soll das gehen, wenn die Schwäche im Außenhandel immer mehr Jobs kostet? Die Lage ist also nicht leichter geworden. Umso mehr darf man gespannt sein, wie die Börse auf den EZB-Entscheid reagiert.