Dienstag, 19. April 2016

Jetzt erst recht, meine Herren

Der schlechten Stimmung zum Trotz steigen die Aktienmärkte. Wir hatten das erwartet. Auch die OPEC kann daran nichts ändern. Schwieriger dürfte es dennoch werden – nicht zuletzt, weil der Mai kommt.

Der DAX scheint sie überwunden zu haben, die 10100er-Marke, an der er sich so lange abgearbeitet hat. Der Dow Jones indes steht bei 18000, was durchaus eine ordentliche Hürde ist. Aber das Allzeithoch von 18 500 Punkten ist auch nicht mehr so weit weg. Dass das ziemliche Widerstände waren und sind, hat man gemerkt, weil es zuletzt sehr volatil zugegangen ist an den Märkten. Die Stimmungswechsel waren sehr abrupt.

Aber insgesamt sind die Befindlichkeiten der Börsianer derzeit eher negativ — trotz der zuletzt doch deutlich gestiegenen Kurse! Ironischerweise ist das aber durchaus gut, das negative Sentiment. So sind weitere positive Überraschungen drin. Wir haben ja schon die vergangenen zwei Wochen immer wieder darauf hingewiesen, auf die vielen Sorgen der Börsianer.

Man erwartet ja nicht viel. In den USA etwa geht man davon aus, dass die gerade angelaufene Berichtssaison die schlechteste seit 2009 sein wird. Allerdings haben die Analysten und Unternehmen ihre Gewinnschätzungen so drastisch gesenkt wie seit fünf Jahren nicht mehr. Ergo wird es wohl mehr positive Gewinnüberraschungen geben als negative. Mit der Folge — man kann es nicht oft genug schreiben — dann doch eher steigender Kurse. Da beschleicht einen fast ein dia­bolischer Gedanke: Vielleicht ist die US-Konjunktur doch stabiler als gedacht?

Aber einer spuckt ja immer in die Suppe. Am Wochenende war es die OPEC, die Organisation erdölexportierender Länder. Der Versuch einiger Mitgliedsstaaten, die Fördermenge zu begrenzen, um die Preise zu stabilisieren, scheiterte kläglich. Der Ölpreis gab zunächst deutlich nach, und die Aktienmärkte, na ja, die hielten sich doch ganz passabel und stiegen nach anfänglichen Verlusten sogar wieder, der DAX sogar auf über 10 300 Punkte.

Was soll man also davon halten? Bisher war es ja so, dass ein fallender Ölpreis Hand in Hand ging mit ebenso fallenden Aktienkursen. Geht man davon aus, dass der Ölpreis wieder fällt, weil das nächste OPEC-Treffen erst im Juni stattfindet, müsste man jetzt eigentlich wieder mit nachgebenden Kursen an den Aktienmärkten rechnen. Es könnte aber auch ganz anders kommen. Zum einen stabilisierte sich der Ölpreis nach dem anfänglichen Minus wieder. Und gleichzeitig besteht durchaus die Möglichkeit, dass sich an den Märkten nun doch langsam die Idee durchsetzt, dass die relativ niedrigen Energiekosten — ganz egal ob das jetzt 30, 40 oder 50 Dollar pro Fass sind — ja eigentlich doch positiv sind für die Konjunkturentwicklung, da die Unternehmen schließlich eine Menge Kosten sparen. Wir hatten an dieser Stelle schon mehrmals über diese Möglichkeit geschrieben. Also ist auch hier — wie bei den Quartalszahlen — doch so einiges an Überraschungspotenzial denkbar.

Was also tun jetzt, der DAX ist schließlich ordentlich geklettert? Wer investiert ist, für den gilt: Gewinne laufen lassen und den nicht zu eng gesetzten Stop-Loss immer schön nachziehen. Wer die Rally bisher verpasst hat, der sollte kleinere Rücksetzer zum Einsteigen nutzen, denn diese werden mit Sicherheit auch wieder kommen, immerhin neigt sich der April ja schon dem Ende zu, und der eher schwierige Börsenmonat Mai steht vor der Tür. Ob dieses Jahr dann die alte Börsenregel „Sell in May and go away“ gilt, für diese Einschätzung ist es allerdings noch zu früh. Denn sie funktioniert ja nicht immer, diese Weisheit. Mehr dazu an dieser Stelle in den kommenden Wochen.

Mittwoch, 13. April 2016

Die Angst vor der Zahlenflut

Die Gewinne der US-Aktiengesellschaften gehen zurück. Zumindest deutet sich das zum Start 
der Berichtssaison an. Doch deswegen müssen die Kurse noch längst nicht fallen: Warum das so ist.

Es ist wieder so weit. In den USA beginnt die Berichtssaison, die Unternehmen veröffentlichen ihre Quartalszahlen. Und wie immer macht der Aluminium­konzern Alcoa den Anfang. Oder besser: machte den Anfang. Am Montag wurden Umsatz- und Gewinnzahlen für das erste Quartal 2016 veröffentlicht. Und die waren schlecht. Zwar sank der Gewinn nicht ganz so schlimm wie befürchtet, aber mit dem Umsatz ging es deutlich stärker abwärts als erwartet. Da stellt sich natürlich die Frage: Sind die Alcoa-News ein Hinweis darauf, dass die ganze Berichtssaison eine Katastrophe wird? Wenn ja, dann steht uns einiges bevor.

Man rechnet ja schon mit zahlreichen Enttäuschungen. Die Analysten von Factset Research jedenfalls gehen davon aus, dass die Unternehmen, die im marktbreiten S & P-500-Index vertreten sind, im Schnitt wohl rund neun Prozent weniger verdienen werden. Das ist zwar nur eine Prognose, kommt es aber so, dann ist das schon eine Menge Holz. Und es wäre auch kein Ausreißer — die Börsianer müssten damit schon das dritte Quartal in Folge einen Gewinnrückgang hinnehmen.
Trotzdem muss das nun nicht der Start für weitere Kursrückgänge an der Börse New York sein — und in der Folge ebenso an den europäischen Marktplätzen. Denn auch im zurückliegenden Jahr war das nicht so. Im Gegenteil: Es hätte sich sogar ausgezahlt, gerade zu Beginn der jeweiligen Berichtssaison zu kaufen. Und das, obwohl bei zweien der Quartale Gewinnrückgänge vorhergesagt worden waren.

Einer der Gründe für das gute Abschneiden gerade während der Berichtssaison ist die generelle Tendenz, dass bei Vorlage der Zahlen die Erwartungen der Analysten übertroffen werden. Im vergangenen Jahr war es jedenfalls so, dass die tatsächlichen Gewinne die Prognosen im Schnitt um vier Prozent übertrafen. Dies relativiert den erwarteten Rückgang von neun Prozent natürlich. Dennoch: Rückgang ist Rückgang. Ohne Gewinne tut sich am Markt nichts. Eine echte und nachhaltige Erholung der Märkte braucht eben Gewinnsteigerungen. Was dem Markt in den kommenden Wochen also guttäte, wären optimistische Äußerungen der Unternehmen hinsichtlich des Ausblicks.

Das ist auch deswegen notwendig, weil die Aktionen der Notenbanken zuletzt nicht mehr besonders viel Eindruck gemacht haben. Fast scheint es so, als ob die Liquiditätsschwemme nichts mehr bewegen könnte. Stattdessen sind Fundamentaldaten jetzt das A und O. Von den Unternehmen etwa in Form positiver Ausblicke. Und ebenso auf der Makroebene, also in Form von Konjunkturindikatoren, die eine Wende zum Besseren andeuten. Die Stimmung am Markt lässt sich angesichts dieser Umstände als „verhalten“ beschreiben. Es geht nicht recht vorwärts, aber auch nicht recht zurück. Immerhin ist von Panik wie zeitweise im Januar und Februar nichts zu spüren.

Um es noch einmal zusammenzufassen: Angefangen von den negativen Entwicklungen in China bis zur Zinswende der US-Notenbank und dem fallenden Ölpreis sprach doch seit Jahresanfang fast alles gegen ein Engagement am Aktienmarkt. Die Folge war der schwächste Jahresauftakt aller Zeiten. Gleichwohl müsste eben dadurch nun vieles bereinigt sein, vieles an negativen Erwartungen sollte jetzt in den Kursen enthalten sein. Die Erwartungen sind trotzdem eher gering. Der eine oder andere posi­tive Ausblick eines US-Börsen-Schwergewichts könnte daher ganz überraschend für bessere Kurse sorgen.

Freitag, 8. April 2016

Wenn es schlimmer nicht mehr geht

Start ins zweite Quartal. Mit Minus an den Börsen. Das hatte man sich doch anders vorgestellt. Warum es immer noch hakt und warum sich die Dinge trotzdem zum Besseren wenden sollten.

Abgehakt. Das erste Quartal des Jahres darf zu den Akten gelegt werden. Mit einem Aufatmen. Denn schlechter konnte es kaum laufen. Also frohen Mutes rein in den April? Denkste: Auch der Start ins neue Quartal ließ sich, nun ja, eher bescheiden an. DAX im Minus, Nikkei im Minus, Dow im Minus.

Jedoch — und das ist die gute Nachricht — dürfte es im gerade begonnenen zweiten Quartal besser werden. Und warum das? Eigentlich ganz einfach: Weil a) die Probleme bekannt sind und b) an Lösungen gewerkelt wird respektive die Dinge sich aufhellen. Die Risiken sind altbekannt: der immer noch recht schwache Ölpreis, die Zinserhöhung in den USA — auch wenn es sich da doch nur um ein Zinswendchen handelt, und dazu dann noch die eher maue Wirtschaftsentwicklung in China.

Was Letztere angeht, da steuert man in Peking gewaltig dagegen. Immerhin. Inwieweit die Maßnahmen greifen, sei mal dahingestellt. Gleichzeitig hat in den USA die Notenbank Fed sich zumindest verbal etwas zurückgenommen und sogar ein Ende der vermeintlichen Zinswende angedeutet. Und schließlich der Ölpreis, der wirkt zuletzt dann doch etwas stabiler, auch wenn er absolut gesehen weiterhin auf höchst niedrigem Niveau verharrt.

An der Börse herrscht derweil große Skepsis, was durchaus als Kontraindikator gewertet werden kann — man kennt ja die Börsianerweisheit, dass die Kurse ganz gern mal die Sorgenwand hinaufklettern, egal, wie hoch die nun ist, jene besagte Wall of Worry. Robert Halver von der Baader Bank traut sich daher die Prognose zu, dass das zweite Quartal das „vielleicht beste in diesem Jahr“ werden könnte.

Allerdings — ganz ohne Einschränkung geht es natürlich auch nicht — ist da noch der große Unsicherheitsfaktor um den möglichen Brexit, den Austritt aus der EU, über den in Großbritannien im Juni abgestimmt wird. Bleiben die Briten in der EU, dürfte es aufwärts gehen, steigen sie aus, stehen turbulente Zeiten an. Dann wären ein Währungskollaps des britischen Pfund und stark steigende Zinsen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit die Folge. Und eine schwere Rezession in Großbritannien. Die hätte natürlich auch Auswirkungen auf die Wirtschaft der EU-Länder.

Dabei mehrten sich zuletzt die Anzeichen, dass die Dinge sich bessern. Der Ifo-Index etwa ist zuletzt stärker gestiegen als erwartet, und das nach dreimal Minus in Folge. Und die Einkaufsmanagerindizes in der Eurozone legten zum Ende des ersten Quartals ebenfalls zu, was die Einschätzung nährt, dass die Bedenken über die Konjunkturentwicklung in der Eurozone übertrieben gewesen sein sollen. Ähnliches gilt für die USA, wo die anfänglichen Irritationen über die Erhöhung der Leitzinsen verdaut zu sein scheinen.

Doch noch will es nicht recht vorwärtsgehen beim DAX und beim Euro Stoxx. Die Märkte hängen immer noch in einem Seitwärtstrend fest. Beim DAX scheint die Marke von 10 100 Punkten bisher unüberwindbar. Daher wäre es nicht unnormal, wenn die Jahrestiefstände noch einmal getestet werden. „Wir haben eine Situation, wo die Psychologie an den Märkten regiert und leider nicht die Fundamentaldaten“, begründet das Experte Halver.

Was tun? Wir bleiben bei unserer Einschätzung, sich nach und nach mit -Aktien einzudecken, Rückschläge zum Kaufen zu nutzen. Die guten Dividendenrenditen sind ein Argument dafür wie auch die niedrigen Zinsen im Anleihenbereich. Jedoch sind weiterhin Geduld und vor allem gute Nerven gefragt.